Zul-aer Anzeiger
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Nr. 158 — 1933
Fulda, Montag, 10. Juli
10. Jahrgang
Reichskonkordat abgeschlossen.
Eine Verfügung des Kanzlers.
Das N e i ch s k o n l o r d a t ist, wie amtlich mitgeteilt wird, in Rom von Vizekanzler von Papen und Kardinal- staatssekretär Pacelli paraphiert worden.
Gleichzeitig mit dem Abschluß des Konkordats hat Reichskanzler Adolf Hitler die folgende Verfügung erlassen:
Durch den Abschluß des Konkordats zwischen dem Heiligen Stuhl und der deutschen Reichsregierung erscheint mir genügende Gewähr dafür zu goben, daß sich die Reichsangehörigen des römisch-katholischen Bekenntnisses von jetzt ab rückhaltlos in den Dien st des neuen nationalsozialistischen Staat cs stellen werden:
Ich ordne daher an:
1. Die Auflösung solcher katholischen Organisationen, die durch den vorliegenden Vertrag a n - ersann t sind und deren Auslösung ohne Anweisung der Reichsregierung erfolgte, sind sofort rückgängig zu machen.
, 2. Alle Zwangsmaßnahmen gegen Geistliche und andere Führer dieser katholischen Organisationen sind aufzuheben. Eine Wiederholung solcher Maßnahmen ist für die Zukunft unzulässig und wird nach Maßgabe der bestehenden Gesetze bestraft.
Ich bin gl ücklich in der Überzeugung, daß nunmehr eine Epoche ihren Abschluß gesunden hat, in der leider nur zu oft religiöse und politische Interessen in eine scheinbar unlösliche Gegensätzlichkeit geraten waren.
Der zwischen dem Reich und der katholischen Kirche abgeschlossene Vertrag wird auch auf diesem Gebiete der Herstellung des Friedens dienen, dessen alle bedürfen.
Ich habe die starke Hoffnung, daß die Regelung der das evangelische Glaubensbckcn ntnis bc- wegeuden Fragen i u k u r z e r Zeit diesen Akt der Befriedung glücklich vollenden wird.
Y gez. Adolf Hitler.
*
vapen über die Vedeutung
: des Vertragswertes.'
Veröffentlichung des Konkordats erst in zwei bis drei Wochen.
Vizekanzler von Papen, der sich bereits nach Berlin begeben hat, wird sich in zwei bis drei Wochen nach Rom zu der e n d g u l t i g e n Unterzeichn u n g des bedeutsamen Vertragswertes zurückbegeben. Der Wortlaut des Reichskonkordats wird erst nach seiner Unterzeichnung veröffentlicht werden. Das Ergebnis der achttägigen Verhandlungen ist auch im Vatikan mit größter Befriedigung ausgenommen worden. Vor seiner Abreise aus Rom teilte Vizekanzler von Papen zu der Paraphierung des Konkordats noch folgendes mit:
»Der Abschluß dieses Vertragswertes ist historisch bedeutsam, weil z u m e r st e n m a l seit der Gründung des Reiches dieses seine rechtlichen Beziehungen zu dem Heiligen Stuhl regelt, was bisher den deutschen Lände r n vorbehalten war. Nicht minder bedeutsam aber ist cs, daß die beiden hohen Autoritäten, von deren Zusammenwirken das Wohl der Völker abhängt — nämlich die Autorität der Kirche und des Staates — in diesem Vertrage ihre von Gott gesetzte Einflußsphäre sich gegenseitig siche rin und gegeneinander abgrenzen, um in um so größerer Harmonie der geistigen, kulturellen und staatlichen Wohlfahrt des Landes LU dienen.
Das Zeitalter der korrupten Parteierscheinungen ist endgültig vorbei!
Der Führer in der Stadt der Roten Erde.
Auf bem gewaltigen Treffen der west - f ä l i s ch e n S Ä. i n D o r t m u n d.
Dortmund, die Stadt der Roten Erde, steht in diesen Tagen völlig im Zeichen des großen Treffens der westfälischen SA. Die Massenveranstaltung,zu der schätzungsweise 250 000 Parteimitglieder nach Dortmund gekommen sind, gewinnt dadurch an Bedeutung, daß zum erstenmal seit der nationalsozialistischen Revolution die gesamte westfälische SA. und die Mehrzahl der füh- renden Parteimitglieder der Provinz Westfalen zusammen- gekomm-n sind, ganz besonders aber durch die Tatsache, daß R c i ch s k a « z l e r Adolf Hitler zur Teilnahme an dem SA.-Treffen eingetroffen war.
Den Auftakt bildete der Gau Parteitag auf der Hoheusyburg. Auf der Tagung, der auch Prinz A u g u st l l h e l m beiwohnte, entwarf Gauleiter Wagner- Bochum ein Bild von der gegenwärtigen Gesamtlage und führte u. a. aus: Ausgabe der Apn 1 s w a l 1 e r ist und mewt: Niederringung der geistigen Überreste einer ver- gangencn Epoche und Schulung und Durchdringung der Vartelgenossen mit der nationalsozialistischen Weltanschau
Die Herstellung klarer Zuständigkeiten wird in Zukunft jeden Streit zwischen dem Staat und der Kirche ausschließen.
Ich bin deshalb überzeugt, daß das abgeschlossene Konkordat einmal der geistigen Mission derKirchc nützlich sein wird, dann aber auch in hervorragendem Maße dem inneren Frieden des deutschen Volkes und dem Werden des neuen Staates dienen wird."
Glückwunsch Hitlers an den Vizekanzler.
Der Reichskanzler hat zum Abschluß des Konkordats folgendes Telegramm an Vizekanzler von Papen gerichtet:
„Nehmen Sie bitte, Herr Vizekanzler, zu dem erfolgreichen Abschluß des neuen Vertrages zwischen dem Deutschen Reich und der Katholischen Kirche meinen aufrichtigen Glückwunsch und mein en Dank entgegen. Herzlichst gez. A d o l f H i 1 l e r."
Ausruf des Leiters
der evangelischen Kirche.
Wehrkreispfarrer Müller erläßt folgenden Aufruf an die Gemeinden der Altpreußischen Landeskirche:
„Der Kommissar für die evangelischen Landeskirchen in Preußen hat mir das Recht der obersten Leitung der evangelischen Kirche der Altpreußischen Union übertragen. Ich übernehme die Leitung des evangelischen Oberkirchenrates in der besten Zuversicht, daß ich auch an dieser Stelle dazu beitragen sann, das begonnene Einigüngs- werk der deutschen evangelischen Kirchen im Sinne der kirch l i ch e n Selbsthilfe so rasch wie möglich zu Ende zu führen. Das evangelische Kirchenvolk wartet allerwärts auf den Bau der Deutschen Evangelischen Kirche. Darum ist jetzt vordringliche Pflicht,
die Verfassung,
die dem Leben dieser Kirche Form und Regel geben soll, in kürzester Frist fertigzustellen. Diese Sauarbeit gelingt nur, wenn sie in Einmütigkeit und stiller Sammlung geschehen kann. Alle Störungsversuche durch unsachliche Reden und Handeln sind jetzt nicht mehr zu verantworten. Es müssen jetzt alle, die Presse eingeschlossen, zusammenstehen.
Ich risse die Glieder unserer Kirche auf, in treuer Fürbitte sich hinter mich und meine Mitarbeiter zu stellen.
gez. Ludwig Müller, Wehrkreispfarrer.*
Das gemeinsame Kampfziel der christlichen Konfessionen.
Eine Rede des bayerischen Kultusministers.
Der bayerische Kultusminister S ch e m m erklärte in einer Rede in Landshut u. a., den Versicherungen der aufgelösten Parteien werde erst dann geglaubt, wenn man die Gewißheit habe, daß die Versicherungen aus dem Herzen und nicht nur aus dem Munde kämen. Schon jetzt würden wieder Versuche unternommen, O r- ganisationen zu bilden, die auf den Kampf eingestellt seien. So sei man einer sog. katholisch-kommunistischen Kulturgemeinschaft auf die Spur gekommen, deren Leute aber bereits in Schutzhaft seien. Wo irgendwie derartiges bekannt würde, werde aus Liebe zu Deutschland hart zugegrissen. Die beiden christlichen Konfessionen hätten heute nur den Kampf zu führen gegen Gottlosigkeit u n d, B o l s ch e w i s m u s.
ung. Die Zeyntausende, die jetzt zu uns gekommen sind, dürfen nicht als Konjunkturritter behandelt, sondern sie müssen bewertet werden nach ihrem Verhalten in der Bewegung. Unserem Führer können wir auch in Zukunft vertrauen, daß er sein Wollen hundertprozentig verwirklicht.
Der SA.-Appell auf dem Flughafeugcländc
hatte eine unübersehbare Zuschauermenge herbeigelockt. Für den Stab hatte man eine große Kanzel errichtet, Girlanden waren gespannt, und überall grüßten Hakenkreuzsahnen und Wimpel. 80 000 Mann waren aufmarschiert. Die SS., die Motorstürme, die Reiterstürme und die Fliegerstürme des Deutschen Luftsporwerbandes nahmen zu beiden Seiten der Kanzel gegenüber den aufmarschierten Kolonnen Attfstellnng. Die NSBO. bildete auf den 12 Kilometer langen Anmarschstraßen Spalier: nur ihre Fahnen marschierten auf dem Flugplatz auf. Das NSKK. hielt mit seinen Wagen auf dem Westfalendamm einen Appell für sich ab.
Nach Pbschreitcn der Front der ausmarschierteu Kolonnen unter den Klängen des Präsentiermarsches betrat
Stabchef Röhm
,-' die Rednerkanzel und begrüßte die SA., SS. und HJ. x Insbesondere galt sein Dank dem SA.-Oberführer Lutze, R dem Gauleiter Wagner- Bochum und dem Gruppen
führer Schepmann -Dortmund, jenen Männern, die schon vor zehn I a h r en die Fahne des Hitlerreiches erhoben hätten, als er, Röhm, mit dem Freikorps Epp in Dortmund einrückte, um es vom roten Terror zu befreien. Die Wandlung, die sich vollzogen habe, sei nicht nur äußerlich, die Volksgemeinschaft sei erkämpft.
So grüße er heute die SA.-Führer unb die SA. Männer im braunen, schwarzen und Stahlhelmgcwand als eine unauflösliche Einheit von Volk und Vaterland, als die Garanten der Zukunft. H o r st Wessels Hoffnung sei erfüllt worden: Hitlerfahnen wehten über allen Landen!
Der Geist der Gruppe W c st f a l e n sei ausgezeichnet, ihre Leistungen verdienten höchste Anerkennung. Sie gehörten zu den besten, die für Adolf Hitler gekämpft haben. Das Sieg-Heil des Stabschefs auf den Führer weckte brausenden Widerhall. Nach dem Absingen des Horst-Wessel-Liedes begann der Abmarsch zur Stadt.
Inzwischen hatte sich vor dem Gebäude der Oberpost- direktion eine ungeheuer große Menschenmenge um die reservierte Tribüne gestaut. Gegenüber der.Tribüne auf einem Podium vor dem Stadttheater stand der Führer und nahm, umgeben von seinem Stabe, den Vorbeimarsch ab, während die Volksmenge ihm unaufhörlich zujubelte.
Der Vorbeimarsch dauerte annähernd vier Stunden.
*
Reichskanzler Adolf Hitler hielt anläßlich des S.-A.-Aufmarsches in Dortmund eine großangelegte Rede, in der er u. a. folgendes ausführte:
Wir haben früher oft davon gesprochen, daß der November 19 18 keine Revolution gebracht hat, sondern eine Revolte, keine Revolution, weil nach diesem November im Grunde genommen dieselben Männer in Deutschland regiert haben wie zuvor. Wir hatten nach dem November 1918 dieselbe Presse, dieselben Parteien, dieselbe öffentliche Meinung wie zuvor. Run hat sich eine wirkliche Erhebung des deutschen Volkes vollzogen. Ich glaube nicht, daß es jemand gibt, der bezweifelt, daß das heutige Deutschland nicht mehr dem gleicht, das hinter uns liegt. Wir haben dem deutschen Leben einen neuen G e s i n n u n g s a n s d r u ck gegeben.
Die Revolution hat eine Reihe von Phasen.
Zuerst ist es die Idee, die der Mensch erfassen mutz, dann kommt die Organisation. Die Idee selbst würde wesenlos bleiben, wenn nicht die Menschen in ihrem Geist zusammengeschweißt würden. Wir haben aus unserer Idee die größte Organisation gemacht, die je in Deutschland vorhanden war. Dann kommt die Phase des K a m p f e s , die Zeit der Vorbereitung. Drei- zehmnal sind wir in den vergangenen Jahren in die Schlacht gezogen und haben uns durchgekämpft. Aus diesen 13 Wahlkämpfen ging der Tag hervor, der uns d i e erste Erfüllung b.rachtc im Kampf um die Macht.
Am 30. Januar sind in Deutschland die Würfel gc= fallen, und ich glaube nicht, daß die Gegner, die damals noch gelacht haben, heute noch lachen. (Stürmischer Beifall.) Ich glaube, daß ihnen unterdes zum Bewußtsein gekommen ist, daß dieser 30. Januar wirklich eine Wende des deutschen Schicksals bedeutet.
Seit diesem Tage ist eine Welt von Auffassungen und Anschauungen in Deutschland zerbrochen worden, hat sich von Woche zu Woche in gesteigertem Maße unsere Flagge zum Symbol des Deutschen Reiches erhoben. Wir haben immer gepredigt, daß, wenn uns das Schicksal die Macht geben wird, dies nicht nur ein äußerer Wechsel der Macht sein soll, sondern, daß es unser heiliger Wille ist, das Volk hinzuführen zu jenen großen Überlieferungen, die die Vergangenheit uns so zahlreich bietet. Wir haben nie daran gezweifelt, daß auch diese Kämpfe ihre Zeit erfordern würden. Aber, meine Kameraden, ich muß gestehen, ich habe nicht damit gerechnet,
daß unsere Gegner so erbärmlich zusammcn- brechen würden.
Seit diesem Januar haben wir Position um Position errungen. Wir haben den Geist der Zwietracht in Deutschland beseitigt, über Konfessionen und Parteien hinweg die gewaltige Einheit des Reiches gesetzt. E i n W i l l e nur kann heute dieses Volk beherrschest und leiten, ein Wille nur kann diese Kraft der Nation zusammenballen und ihren Zwecken dienstbar machen. Wir haben in diesen fünf Monaten den Parteien ein Ende be r e i t e t, und wenn in diesen Tagen die letzten Partei- gebilde zusammengesunken sind, dann ist das das Ergebnis dieser Kümpfe. Wir wollen eindringlich verkünden:
Die Parteien sind nicht vorübergehend vergangen, sic sind endgültig beseitigt. Niemals werben sie zurück- kehren. Wir sind lebende Bürgen dafür, daß niemals wieberfommen wird das Zeitalter dieser korrupten Parteicrscheinungen. Ich darf mit Stolz bekennen, daß wir damit etwas Gewaltiges in der deutschen Geschichte geleistet haben. Wer hat geglaubt, daß fünf Monate nach unserem Machtantritt dasZentrumkapitulicren wird? (Lebhafter Beifall.) Wir sind glücklich darüber, denn wir wollen, daß der Kamps in den religiösen Lagern ein Ende nimmt. Wir sind glücklich, daß es i n R o m gelungen ist, ein Konkordat zu unterzeichnen, aus Grund dessen nunmehr für alle Zukunft den Priestern verboten sein wird, sich politisch in den Parteien zu betätigen, glücklich, weil wir Vie Not von Millionen Menschen kennen, die sich danach sehnen, in dem Geistlichen nur dcn Tröster der Seele, nicht aber den Vertreter ihrer politischen Überzeugung zu sehen. Damit ist der politische Machtkampf abgeschlossen. ~ant der Einigung jener Kräfte, die gewillt sind, aus unseren Boden zu treten, ist heute eine st a h l h a r t c Fr o n 1 aufgenchtct, die das Eroberte ausbaucu unb verteidigen wirb.