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UnterHaltungsblatt

Es glühen die Feuer!

Skizze von Wilm Freiherrn v. Münchhausen.

Wilhelm Dirksen geht festen Fußes und erhobenen Haup­tes auf den rostigen Decksplanken des Neubaus. Hoch steht die Sonne ant wolkenlosen Himmel und spiegelt sich im schmutzig-grauen Wasser des Stromes. In der Ferne treffen sich dunkelblaue Nordsee und lichtflimmerndcr Himmel in der scharfen Linie des Horizonts. Es ist einer jener schönen Sommertage, welche die Leute an den flachen, deichbesetzten Küsten der breiten Wesermündung den heiteren Glanz und die unendliche Pracht des Südens ahnen lassen.

Aber Wilhelm Dirksen hat kein Auge für die Schönheit der Natur. Er sieht nur das aufstrebende Schiff. Seit Jahr­hunderten werden auf der Dirksen-Werst Kiele gelegt, Span­ten gebogen und Planken an Planken gereiht. Seit Jahr­hunderten richten sie schlanke Masten und bauen stolze Schiffe, die Sturm und Wellen trotzen. Dirksens Herz glüht, wenn er den ohrenbetäubenden Lärm der Preßlufthämmer hört, sein Auge leuchtet, wenn er die. feinen, stahlblauen Ma­nometernadeln an surrenden Maschinen schwingen sieht. Für ihn bedeutet Leben Schaffen und Kämpfen und Ringen um Form und Vollendung. Wenn auf den hohen Helligen die Eisen glühen, die Platten sich biegen, wenn die Kräne sich kreischend drehen und das Schiff aus Stahl und Eisen wächst, dann lacht sein Herz.

Und doch ist er nicht ganz seines Lebens froh. Auch in seinem Herzen blutet eine geheime Wunde. Sie schmerzt wieder, als er, vom hohen Bord des Schiffes aus, Toni Kühn sieht. Sie sitzt nahe dem großen Drehkran am Kai, einen breitrandigen Strohhut auf dem Kopf, und' malt.

Er tritt auf sie zu.

Sie ist eine schöne Frau mit großen Augen und sein- geschwungenen Lippen, jung und schlank. In seinem Innern werden wieder Stimmen laut, die gar nicht zu dem passen, was er sagt. Er horcht in sich hinein und verliert doch den Faden des Gespräches nicht...

Sieh, sieh, du großer Narr! Deinem eigenen Sohne wurdest du fremd, weil er in der Kunst mehr sah als Jn- Kiele-legen und Spanten-richten. Und doch erlaubtest du der Unbekannten, Skizzen zu nehmen. Du selbst öffnetest der Kunst auf den Helligen die Tür. Steigt viellciâst Reue tn dir auf? Warum gehst tu nun mit ihr und redest über dein Werk und sein Leben? Willst du dich rechtfertigen? Vielleicht ist Kunst Soch ein Leben wert? Dein Sohn ist dein Sohn! Warum lädst du sie nicht ein, mit dir über Kunst zu reden? Vielleicht würdest du sie verstehen und auch ihn!

Wie Sie begeistert über Schiffe, über Wind und Wetter reden können!" sagt sie. ,^Jch glaube fast, Sie selbst haben Künstlerblut."

Das trifft ihn, das hört er, und darum bittet er sie nun wirklich, ihm heute abend Gesellschaft zu leisten...

Es ist noch hell und warm, als Toni Kühn in den Salon geführt wird. Die Sonnenstrahlen liegen zitternd auf den gobelinbedeckten Wänden, und die Standuhr schlägt dumpf tönend neun.

Die Malerin stellt ein großes, rahmenloses Bild auf einen kleinen Tisch gegen die Wand und wendet sich dann an Dirksen. Aufregung schwingt leicht in ihren Worten: und Darum, Herr Generaldirektor, bitte ich Sie, dieses Bild zur Erinnerung anzunehmen."

Dirksen steht stumm vor dem Gemälde ...

Seine Werft! Sein Lebenswerk! Er sieht die Feuer glühen, und er glaubt zu hören, wie die Platten unter den Hämmern dröhnen und den Rost abwerien. Auf den Heiligen

Der Unfug des Schmerzes.

Von San. Rat. Dr. A. Guthmann- Potsdam.

Die Zweckmäßigkeit tierischer Einrichtungen wird von der Medizin in weitestem Maße anerkannt. Die Natur sucht zweckmäßig" zu heilen, wie siezweckvoll" zu schützen trachtet, and beschränkt sich dabei keineswegs auf die Erzeugung anti- eatterieller Eigenschaften im Saft von Blut wie Geweben. Sie beticiit sich deshalb auch mechanischer Mittel. Im Notfall kommt es zuGefäßerweiterungen" mittels Nervenreizes und )amit zu vermehrtem Zufluß des Heil- und Schutzsaftes.

Aus gleichem Grund erfährt der Stoffwechsel örtlich oder im ganzen Körper eine Steigerung, die höhere Wärme bedingt. To sind beispielsweise die Zeichen der Entzündung,Rötung, Schwellung, Hitze", bom Zweckmäßigkeitsstandpunkt voll er­klärlich. Warum aber in diesem Fall das Zeichen des Schmerzes", warum der Schmerz überhaupt?

Aus welchem Grund schuf Natur tiefen bösen Geist, der sich beim Eintritt des Menschen in die Welt wie beim Scheiden ganz besondere Geltung verschaffen möchte und einen düsteren Schatten über die Zwischenzeit wirft? Er kann vom denkenden Naturforscher nur zwangsweise unter das Joch der Zweck­mäßigkeit gebeugt werden und streift an das Reich des Ueber« sinnDchen. Körperteile mit gelähmter Empfindung bedecken sich oft mit Geschwüren.Weil die warnende Stimme des Schmerzes fehlt, so daß es zu gehäuften Stößen und Ver­wundungen kommt", meinen die älteren Aerzte. Viel wahr­scheinlicher, daß in solchen Fällen auch die für Gewebs­ernährung sorgenden Nerven gelähmt wurden.

Die alte Erklärungsweise versagt auch bei den oft be­trächtlichen Qualen der inneren Organe. Soweit die An­gelegenheit dem Spruch des Naturforschers unterliegt, gibt es auf diese Frage keine klare Antwort, sondern nur eine An­nahme. Es ist eine Tatsache, daß sich alle natürlichen Vor­gänge auf dem Prinzip der Gegensätze aufbauen. Keine posi­tive Elektrizität ohne negativen Pol, keine Wärme ohne Kälte, kein Licht ohne Finsternis und keine Lust ohne Unlust.

Zu den verschiedenen Empfindungen des Unbehagens zählt auch der körperliche Schmerz. Das Bestehen besonderer Schmerznerven wird meistens bestritten; der Schmerz soll lediglich durch Ueberreiz oder Verletzung der gewöhnliche Empfindungsnerven zustande kommen. Das Zentralnerven­system, in das aller Nervenreiz fließt,Gehirn" undRücken­mark", sind die eigentlich schmerzempfindenden Stellen. Wenn ein Gallen- oder Nierenstein sich durch einen engen Gang durchpreßt und die berüchtigte Qual verursacht, so soll der Schmerzreiz nur von der glatten Muskulatur der Blutgefäße ausgehen; auch Magen, Darm, Lunge, Herz gelten an und für sich als unempfindlich. Sehr sensibel ist das Rippenfell. Im Gehirn wird der gesteigerte Flüssigkeitsdruck peinvoll emp­funden; Migräneschmerz entspringt dem sich auf eine Gehirn­hälfte beschränkenden Ueberdruck. Nagelbett und Knochenhaut sind erschrecklich sensibel, so daß es den Veteranen Napoleons gestattet war, beim Nagelausreißen und Knochendurchsägen zu schreien.

Auch Tiere bedienen sich gelegentlich der Schmerz- erzeugung als. Mittel zur Züchtigung und wohl auch Er­

liegt ein stolzes Schiff. Es ist kurz vor der Vollendung. Um Den Körper herum und auf den Decks wimmelt es von Ar­beitern und Ingenieuren. Im Hintergründe glänzt das Wasser. Kühn geschwungen bäumt der Bllgsteven sich auf.

Er versteht," daß er ein Meisterwerk vor sich hat, und ein Gedanke nimmt ihn plötzlich ein: Nur wer das Gewaltige und Himmelvnstürmende im Schiffbau erlebt Ixit, kann so malen. Nur wer den ewigen Kampf zwischen Natur und Menschen innerlich mitgcfochtcn hat, kann so zeichnen. Welch kühne Linien und Formen!

Eine große Erkenntnis steigt in ihm auf und setzt seine Seele in Flammen: Die Künstlerin und ich, wir beide schaf­fen, wenn auch mit andern Mitteln und auf andern Wegen, so doch zu gleichem Zweck. Ich strebe nach Vollkommenheit und suche neue Linienrisse, neue Propellerformen und neue Maschinen, - um in gewaltigem Ringen die Widerstände der Natur 51t überwinden; aber die Künstlerin ringt genau so ernsthaft mit der Materie, mit Farben und Formen, um zur Vollendung zu gelangen...

Endlich sagt er:Wie Sie das Gewaltige, das Ringen in der Technik verstanden haben! Das sollte mein Sohn sehen, bas hohe Lied auf Technik und Arbeit. Wie würde er mich verstehen, wie deutlich würde ihn: dann die Erkenntnis werden, warum ich nun einmal mit Sinn und Herzen dem Schiffbau verfallen bin!"

Haben Sie gesehen, welchen Namen das Schiff führt?" fragt sie ihn und preßt die Fingernägel in die Handflächen.

Gerd?" sagt er.Der Name meines Sohnes?"

,/Er selbst bat dieses Bild gemalt ..."

Und

Oh, ich bin nur seine Frau..."

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Alls einer Sommerfrische.

Weil ich allein saß, hieß es: Armes Ding! Doch ich war froh und schlug die Waffe» tüchtig 8 ns Nachtmahl.bVor mir faß ein Schmetterling, er auch allein war und gesellschaftsflüchtig.

Ein feines Sträußchen stand auf meinem Tisch, Und jede sprach der Rosen und Reseden. Ein Stückchen Bergesblau sprach zauberisch. Es war ein trautes Miteinanderreden.

Frida Schanz.

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Der Pantofselkrieg.

Skizze von Otto Boris.

Zwei Welten, die altruistisch angekränkelte eines Men­schen und der robuste Wirklichkeitssinn eines Dackels, prallen in dieser Erzählung aufeinander. So klein und unbedeutend der Dackel Sepp auch erschien, so war er doch weit entfernt davon, nachzugeben. Er konnte nicht nachgebeu, wenn er nicht allen Ehrbegriffen, die feit Gründung der Rasse ihr einen festen Halt gegeben haben, entsagen wollte. Er litt sehr unter dem Zwiespalt. Darum seufzte er tief und streckte seine kurzen Läufe nach Möglichkeit von sich, entschlossen, den Platz nicht eher zu verlassen, als bis er mit sich im klaren war.

ziehung. Eine Assenmutter ohrfeigt ihre ungezogenen Kleinen, itnt bei anderen höheren Tieren wurden ähnliche Vorgänge beobachtet. Sollte sich also dieNatur" doch des Schinerzes zum Zweck der Abschreckung und Warnung bedienen? Wenn die höheren Tiere wirklich ihre unverfälschten Kinder wären, so ließe sich die Behauptung sehr wohl zoologisch stützen, aber in Wirklichkeit sind sie gar nicht unverfälscht, sondern oft sogar stark hysterisch; letzteres ist besonders beim Affeugeschlecht der Fall.

Wie Vernunft zu Unsinn wird, beweist kaum etwas schlagender als der grausame Unfug, den der Mensch mit dem Schmerz getrieben hat, um zu rächen, zu strafen, zu erpressen, abzuschrecken oder nur sein Mütchen zu kühlen. Manche sittliche ULbermeuschen schlagen nicht einmal Pferd und Hund. Im Gegensatz dazu können viele durchaus ethische Leute nicht recht einsehen, warum gemeinen Naturen die einzige, sie wirk­lich treffende Züchtigung erspart bleiben soll, da ihre Reue aufseelische" Art wegen des dafür mangelnden Sinnes nicht hervorgelockt werden kann. Zu bedenken bliebe stets, daß Prügeln roh ist und daß eine Hebung der Sittlichkeit in bar­barischem Stil naturgemäß Schattenseiten zeigt.

Es ist noch nicht gar lange her, daß man das Züchtiguugs- recht aus der Gesindeordnung gestrichen hat. Hohe und höchste Personen vergangener Zeiten vergriffen sich gewiß nicht immer an Unschuldigen, sie prügelten aber auch aus Laune. Wie­viele Rücken mögen zu Shakespeares Zeiten täglich unverdient geschmerzt haben! Wir finden in den Dramen des sozial denkenden Dichters Beispiele, die sicher nicht der Nachahmung dienen sollen. Ihren Sklaven, den Ueberbriuger schlechter Liebesbotschaft, schlägt Kleopatra mehrere Male mit der schönen Faust nieder. Richard III. verdrischt den Boten nach den ersten Worten, entschuldigt sich aber und gibt ihm Geld, als sich in der Folge herausstellt, daß er gute" Kunde bringt.

Die fortschreitende moderne Kultur sieht gerade eines ihrer Hauptziele darin, daß sie die Schmerzen ter Menschheit auf ein möglichst niedriges Maß herunterdrückt. Die Mensch­lichkeit erstreckt sich in diesem Sinne bekanntlich auch auf die Tiere. Die hier zu leistende Arbeit ist nicht nur ärztlicher Natur, aber soweit die Medizin dem Unfug des Schmerzes zu steuern vermochte, hat sie ihre Aufgabe ick geradezu glänzender Weise erfüllt.

Schmerzmittel werden chemisch so aufgebaut, daß man giftige Elemente möglichst ausschaltet,und im Gegenteil Reiz­stoffe beigibt. Operationen führt mân nahezu ausnahmslos schmerzlos aus. Die bei inneren Leiden verwandten schmerz­stillenden Stoffe entfalten oft eine über ihr eigentliches segens­reiches Ziel hinausgehende Wirkung. Sie werden nicht selten auch zuHeilmitteln", da sie entzündete Teile ruhigstellen und dadurch den natürlichen Heilungsprozeß ungemein unterstützen.

Während man sich im allgemeinen freut, einen Kranken schmerzfrei gemacht zu haben, kann auch gelegentlich das Gegenteil der Fall sein. Wenn eine empfindungslos gewordene Haut wieder beginnt Nadelstiche zu fühlen, steht die Heilung nicht mehr lange aus. Auch hat man in der Heilwissenschaft nW ganz nuf das Schlagen verzichtet. Man macht davon noch bet der Massage und zum Zweck der Wiederbelebung Gebrauch. a

Er sollte Herrchen die Pantoffeln Polen, und da er es nicht tat, hatte cs einen Klaps gegeben. Sollte er nun die Züchtigung übelnehmen oder sich zu einem Domestiken ab­richten lassen und sich entgegen allen Ehrenregeln jeden Mor­gen mit diesen Filzdingern herumschlcppen?Man ist wohl verpflichtet, Mäuse, Ratten, Katzen, kurzum jede Jagdtrophäe aufzuweisen und den Menschen, foiocit er Gesinnungsgenosse ist, zur Mitfreude heranszuforderu. Von Knechtsdiensten aber kann keine Rede sein. Das hat man nun von diesem Feti­schismus." Anfangs galten ihm die Pantoffeln als Sinnbild für den Auftakt eines neuen Tages, als der Beginn einer Reihe schöner Spaziergänge, und er hatte sie mit Eifer hcrau- geschleppt, sobald Herrchen die ersten Zeichen des Erwachens von sich gab. Jetzt drohten sie Selbstzweck zu werden.

Ans dem offenen Fenster dröhnte ein ungeduldiger Rus: Sepp!" und nochmals:Sepp!"

Wenn ich nicht gleich hineingehe, wird er wütend. Gehe ich aber hinein, so fängt er todsicher mit dem Pantoffelkrieg an. Ueber die Sache bin ich aber mir noch nicht schlüssig." Abermals entrang siä> Sepp ein Seufzer.Er wird nie ein- schen, daß es von mir nur eine bloße Gefälligkeit.ist, wenn ich ihn bediene. Er will mich dressieren! Merkwürdig ihm kommts aber scheinbar nur darauf an, mich zu hauen. Als ich das Küken würgte, schlug er mich mochte sein, daß er später es selbst umbringen wollte. Aber wie ich das Eich­hörnchen schnappte und es sachgemäß erledigte, schlug er mich wieder. -Such Mäuschen!' heißt es da. Man ist sehr zu­frieden, wenn ich dort herumkratze, wo keins ist. Greife ich mal aber eins in den Beeten oder scharre es aus dem Gang heraus, dann entsteht ein Mordgczeter."

Tritte ließen sich vernehmen. Die Köchin brachte den Hühnern Futter.Die Person ist auch so ein Kapitel für sich", knurrte Sepp ärgerlich.Da zieht sie nun dies sau- ' nnme Federvieh einem reinrassiaen Dackel vor." Er warf

einen bitterbösen Blick auf die blanken Waden, schloß aber gleich darauf schwermütig die Augen. M

Hier liegt der Hund!" schrie die Köchin. Im Zimmer knarrte ein Bett. Der Herr hatte sich erhoben.Wirst du mal endlich herkommen!" schrie er.

Da dachte Sepp:Ich muß mich nun entschließen." Er stand auf, gähnte, und da gerade der Hahn vorüberging, den er nicht ausstehen konnte, riß er ihm die letzte der geschi genen Schwanzfedern aus. Die Köchin warf einen Knüppel nach dem Dackel.Diese Behandlung!" Sepp trottete empört davon. Die Feder begrub er neben den fünf anderen, die er bereits erbeutet hatte.--

MUN-

Während er auf dem Promenadenwege des angrenzenden Stadtwaldes daherzog, kam ihm eine seltsam ansprechende Witterung in die Nase. Er fand auf einer Bank einen alten Grünrock. Die verschlissenen Gamaschen dufteten nach Fuchs, Hase, Reh, Dachs.Himmlisch!" Sepsi beschnüffelte sie ein­gehend und warf einen vorsichtig spähenden Blick zu dem Jäger hinauf.Wer solch ein Herrchen hätte!" Der Alte lächelte herab und dachte:Rasse hat er, ist gut gebaut, feine Nase! Sieht dem verblichenen Ramses IV so ähnlich wie ein Ei dem andern. Mag auch Passion haben."

Sepp rollte gefährlich seine großen Augen und- knurrte^^^^iM etwas, um eine plumpe Annäherung zu unterbinden. Doch merkte er sich die Bank für alle vorkommenden Fälle, indem er sein Bein hob. Dann setzte er seinen Bummel fort. Nach­bars Bella war ihm bald zuwider. Das alberne Schmusen mochte er nicht leiden. Um so länger unterhielt er sich mit Flock, dem Foxterrier. Sic erwischten einen wildernden Kater und zogen ihm das Rückgrat lang. Flock aber kriegte bald Händel. Sepp fühlte sich von der rüpelhaften Art, Ivie sein Freund mit den Begrüßungsformen umsprang, abgestoßen.

Solche Unkultur verdroß Sepp. Er tappelte heim. Unter­wegs traf er wieder die Bank und blieb nachdenklich halten. Alte Erinnerungen stiegen auf: ein Forsthaus, Rehgescheide gabs, tote Füchse konnte man beriechen, Hasen lagen blutend im Hofe. Sepp war damals noch sehr jung und "hieß Wald­mann. Das Schicksal hatte gegen ihn entschieden. Sein Bruder bestieg unter dem Namen Ramses IV. den Dackel­thron, und er mußte in die Fremde.

Zu Hause tat er nach guter alter Dackeircgel so, als ob nichts vorgefallen wäre. Doch die Köchin fragte ihn scharf: Wo warst du?" Jeder Dackel ist verpflichtet, diese Frage übelzunehmem Sepp drehte ihr also den Schwanz zu und begab sich ins Wohnzimmer.

Sein Herr war eben vom Dienst heimgekehrt:Ei sieh, der Katzenmörder!" rief er ihm entgegen.<ès wird Zeit, daß du mal endlich Zucht lernst. Her mit den Pantosfeln!"

Jetzt aber war Sepp bereits mit sich im klaren. Pan­toffeln zureiche» wollte er nicht. Er leistete einen heldenhaften Widerstand. Weder Schläge noch Bitten halfen. Sepp blieb eisern. Uebel geschunden, gelang es ihm endlich, den Platz unter dem Sofa zu behaupten. Mit tiefem Herrn und der dicken Person in der Küche war er fertig. Was wußten diese Rohlinge davon, daß ein richtiger Dackel laut Ehrenkodex nur nach Passion zu handeln habe.

Pantoffeln!? Sepp haßte diese Dinger gründlich. Die Nacht verbrachte er finster und in sich gekehrt in seinem Schlupfwinkel. Obwohl die Kissen auf dem Sofa seinem schmerzenden Fell einige Erleichterung verschafft hätten.

Gegen Morgen aber stand der Haß gegen diese lang­weiligen Dinger, die stupide vor dem Bette standen, riesen­groß in ihm auf. Er fiel über sie her und riß ihnen das Futter aus dem Leibe. Dann schlich er mit ihnen hinaus und ver­grub sie bei den Hahnenfedern.

Nun plagte ihn der Hunger. In der Küche gelang cs ihm, sich eines gebratenen Huhnes zu bemächtigen. Krachend zerbrach der Teller auf den Fliesen. Die dicke Person kam. Sie schwang den Besen. Da übermannte Sepp der Zorn, und er kniff sie mit aller Wucht in die prallen Waden, wonach ihm erheblich leichter wurde. Das Wchcgeschrei der Köchin lockte den Herrn in einem sehr lächerlichen Aufzuge herbei.

Sepp entfloh. Was ging es ihn au, daß die Maid mit der gebissenen Wade dem Herrn um den Hals fiel und ihm ewige Liebe und Treue für die Errettung aus höchster Gefahr schwur und der Herr hilflos dastaud!

Als der Förster mit Flinte und Rucksack vom Hofe schritt, trat ihm Sepp entgegen.Ei sieh da!" sagte er freundlich.Es geht auf ten Fuchs. Kommst mit?"

Sepp begriff sofort. Er verstand auch, daß er von nun an Ramses V. heißen sollte.

*

Nach langer Zeit trafen Sepp mit der Förster den ehe- inaligen Pantoffelherru.

Sie meinen er gehorcht nicht", lachte ter Weidmann, "Sehn Sie, wenn ,ch frage: Willst du Luder mal Herkommen oter nicht? Na, tarnt kommt er eben nicht. Ein Hund soll er sein nein, Sie irren sich. Das ist mein Dackel "

. Sepp rollte grauslich die Augen mit wedelte nicht ein . buchen mit der Schwanzspitze zum Zeichen des Wieder- .

erkennens. Das wäre gegen seine Grundsätze gegangen. _