Zul-aer Anzeiger
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Nr. 151 — 1933
Fulda, Samstag, 1. Juli
10. Jahrgang
Wieder Rotmord.
SS.-Mann von Kommunisten erschossen.
I ni hilfspolizeilichen Dieilst!
In der Nacht zum Freitag wurde iu Braunschweig der 29 Jahre alte SS.-Mann Gerhard Landman» vom Sturm 1/1/49 SS.-Standarte von Kommunisten auf der Straße in Eichtal erschossen.
Landmann war mit einem Sonderkommando der SS.-Hilfspolizei unterwegs, um kommunistische Schlupfwinkel nach Flugschriften zu durchsuchen. In einer Wirtschaft in Eichtal wurde auch Material gesunden. Die Kommunisten waren inzwischen geflohen. Landmann, der wieder auf die Straße getreten war, verfolgte flüchtende Kommunisten bis zur nächsten Straßenecke. Landmann rief verschiedentlich Flüchtlinge an und ging kniend in Anschlag. In diesem Augenblick fiel eine Anzahl Schüsse. Landmann erhielt
einen Kopf- und einen Halsschuß und verblutete nach kurzer Zeit in den Armen seiner inzwischen hinzugekommenen Kameraden.
In kürzester Zeit wurde unter Aufgebot der gesamten SS.-Hilfspolizei das ganze Viertel abgeriegelt und durchsucht. Von den Mördern fand man keine Spur. Dreißig verdächtige Personen wurden festgenommen.
*
Staatsbegräbnis für Landmann.
Wie aus dem braunschweigischen Staatsministerium verlautet, wird der erschossene SS.-Mann Gerhard Landmann auf S t a a t s k o st e n beigesetzt werden.
Das Staatsbegräbnis für den Köpeuister SA -Mann Kein.
SA.-Mann Wilhelm Klein, das dritte Todesopfer, das die marxistische Bluttat in Köpenick von der SA. gefordert hat, wurde im feierlichen Staatsbegräbnis zur letzten Ruhe begleitet.
In der kleinen Kapelle des Kreiskrankenhauses, in dem Wilhelm Klein seinen Verletzungen erlegen war, fand im Beifein der Vertreter der staatlichen Behörden die Trauerfeier statt, zu der aus der ostpreußischen Heimat des Gefalleneu Mutter, Schwester und Braut erschienen waren. Oberpfarrer Krause hielt an dem mit Flagge und Mütze bedeckten Sarge eine ergreifende Gedenkrede.
Blutiger Terror gegen Deutsche.
Von polnischem Militär überfallen.
Während des polnischen Seefestes, das in allen Teilen Polens gefeiert wurde, kam es zu schwere» Ausschreitun- gcn der Aufständischen gegen die deutsche Minderheit, an denen sich a u ch polnisches Militär beteiligte.
Bei Gieschewald, Bezirk Kattowitz, wurde eine Jugendgruppe des Deutschen Jugendbundes von polnischen Aufständischen nach schweren Beschimpfungen mit einem Steinhagel überschüttet und beschossen.
Als eine , Anzahl polnischer Kadetten hinzukant, drangen diese mit ausgepflanztem Seitengewehr auf die Deutschen ein, worauf diese nach Gieschewald flüchteten. Ein Deutscher namens Pollak wurde schwer verletzt, mehrere andere junge Deutsche erlitten leichtere Verletzungen.
Die Aufständischen und die Kadetten verfolgten dte jungen Lente und veranstalteten in Gieschewald Haussuchungen, wobei mehrere Deutsche, die an den Vorfällen gar nicht beteiligt waren. vervrüaelt wurden. In zahl
Spendet für die nationale Arbeit!
Nach Jahren unheilvoller Zwietracht, innerer Zerrüttung und schwungloser Kleingläubigkeit ist das deutsche Volk zum ersten Male wieder zu gemeinsamer Tat anf- gerufen worden. Spendet für die nationale Arbeit! Vergeßt eure arbeitslosen Volksgenossen nicht! Vergeßt sie nicht, die a m schwerste n unter dem Unglück und der Mißwirtschaft in der Nachkriegszeit zu leiden hatten. Helft alle, Arbeit schaffen!
Das deutsche Volk kann nur leben, wenn es diese furchtbare Massennot der Erwerbslosigkeit überwindet. Eine Nation, in der Millionen dauernd ohne Arbeit sind, muß zugrunde gehen. Wer aber möchte im Ernst glauben, daß,seine Existenz unabhängig sei von der Entwicklung des' Volksganzen?
Alle Berufsstände und Volksschichten bilden eine Schicksalsgcmcinschaft, sind Äste eines Baumes, haben die gleiche Wurzel und den gleichen Nährboden. Wer also für die nationale Arbeit spendet und damit die Arbeitslosigkeit bekämpfen will, der nützt der Volksgemeinschaft und seiner Familie.
Darum geht der Ruf in deutsches Land: Opfert zur Förderung der nationalen Arbeit! Keiner schließe sich
Vor den, Krankenhaus bildete sich dann aus den Abordnungen zahlreicher Verbände der SA., der Schutzpolizei, des Stahlhelm, der Heimatvereine, der Betricbsrellen, der Hitler-Jugend u. .a.
ein riesiger Trauerzug zum Marsch durch die mit Trauerfahnen geschmückten Straßen Köpenicks.
Auf dem Friedhof hielt nach den drei Ehrensalven der Schutzpolizei und dem Liede vom guten Kameraden in Vertretung des Reichsministers Dr. Goebbels der stellvertretende Gauleiter von Groß-Berlin, der preußische Landtagsabgeordnete G ö r l i tz e r, am Grabe die Gedenkrede. Er gab der Gewißheit Ausdruck, daß Deutschland leben werde, solange es Söhne habe, die sich für Volk und Vaterland zu opfern bereit seien. Nach weiteren Nachrufen der Kameraden des gefallenen Kämpfers schlossen die Beisetzungsfeierlichkeiten mit dem H o r st - W e s s e l - L i e d.
Wieder marschierten dann in endloser Folge m i t erhobener Hand die Abordnungen an der mit Blumen übersäten Gruft vorbei, die nun Seite an Seite die drei Gefallenen, die im Leben zusammenkämpften, auch im Tode vereint.
Zwei HmrichiunHen.
In Plauen und Hannover.
Nachdem Ncichsstatthalter Mutschmann keinen Gebrauch von dem ihn, zustehenden Gnadenrecht gemacht hatte, erfolgte im Hofe der Gefangenenanstalt in Plauen die H i n r i ch t u n g des 22jährigen Raubmörders Horst Grünbeck durch Scharfrichter A. Engelhardt aus Schmölln. Damit fand der Kaubmord seine Sühne, dem am 10. Dezember 1932 die 51 Jahre alte Ehefrau eines Lebensmittelhändlers zum Opfer gefallen war. Vom Schwurgericht Plauen wurde Grünbeck deshalb im März zum Tode verurteilt. Der Mörder zeigte sich zuletzt reuig und nahm vor der Hin- * Achtung das Heilige Abendmahl entgegen.
Am selben Morgen wurde in H a nno v e r der Arbeiter Willi Buchheim aus Rinteln auf dem Hof )es Gerichrsgefängnisses hingerichtet. Er war durch das rechtskräftig gewordene Urteil des Schwurgerichtes Hannover vom 20. Oktober 1932 wegen Mordes, begangen an der Schülerin Magdalena Hartmann in Rinteln, zum Tode verurteilt worden.
reichen Wohnungen wurden die Fenster eingeschlagen und sonstige Verwüstungen angerichtet. Die polnische Polizei verhielt sich völlig passiv. Zahlreiche D e u t s ch e wurden dann verhaftet.
Unerhörte Ausschreitungen in Danzig.
Ferner haben sich Teilnehmer am polnischen Seefest auf dem Hauptbahn Hof in Danzig einer schweren Störung des öffentlichen Friedens schuldig gemacht. Zahlreiche Teilnehmer riefen nach dem Kommando mehrerer Führer in polnischer Sprache: „E s lebe das polnische Danzig!" und gingen dann zu
Niederrusen gegen den Reichskanzler
über. Diese Rufe wurden mehrfach im Durchgang zur Bahnhofshalle und in der Halle selbst wiederholt. Zwei Rädelsführer wurden fcstgenommen. Dabei wurde von der Menge den Beamten heftiger tätlicher Widerstand geleistet. Dann wurden noch fünf weitere Beteiligte feft- genommen. Sechs von den Verhafteten sind Danziger Staatsangehörige, während einer die polnische Staatsangehörigkeit besitzt.
aus. Wer heilte noch Arbeit und Verdienst hat, ist v erst s l i ch t e t, sein Scherflein für die Arbeitsbeschaffung beizusteuern. Jeder, anch der kleinste Betrag ist will- tommen.
Annahmestellen der Spende: Finanzamt, Zollämter, Hanptzollämter.
6 b e r w e i s u n g an diese Annahmestellen durch: Post, Bank, Sparkasse usw.
Dr. Ley verbietet unbefugte Eingriffe
Bei den Angestelltenverbänden.
Der Führer der Deutschen Arbeitsfront, Dr. Ley, int, veranlaßt dnrch verschiedene Vorkommnisse, folgende Verordnung erlassen:
„Ich ordne hiermit noch einmal an, daß Ein- griffe jedweder Art in finanzieller und organisato- ttscher Hinsicht in die A n g e st e l l t e n v e r b ä n d e nur .wrgenommen werden dürfen, wenn der Führer der Angestellten, Pg. Forster, Gauleiter von Danzig, seine ausdrückliche Genehmigung dazu erteilt hat. Zeder Zuwiderhandlung gegen diese meine Anordnung »erde ich auf das schärfste entgegentreten."
Ironien und Waffen.
Für und gegen Gold. — Deutschland als ehrlichster Schuldner. — „Die Seele wohnt im Blut."
„Ein großer Staat besteht nur durch sich selbst und aus eigener Kraft; er erfüllt den Zweck seines Daseins nur, wenn er entschlossen und gerüstet ist, fein Dasein, seine Freiheit und fein Recht z u behaupten; ein Land wehrlos zu lassen, wäre bas größte Verbrechen seiner Regierung." Generalfeldmarschall von Moltke, der dieses eigentlich doch selbstverständliche Wort einmal hat aussprechen müssen, um eine Schwächung der deutschen Wehrmacht verhüten zu helfen, war nebenbei auch insofern ein überaus kluger Politiker, als er im Reichstag nur als Abgeordneter zu sprechen pflegte, wenn er etwas — zu sagen hatte. In London aus der Weltwirtschafts- konferenz aber wird, je weniger man zu sagen hat, desto mehr geredet. Und je weniger man zueinander spricht, desto mehr redet man sich auseinander. Da man das selbst zu fühlen beginnt, hält man Monologe, in denen über das eigentliche Thema der Konferenz, über die Voraussetzung für ein wirklich gegenseitiges Helfen, also über die Frage der W ä h r u n g s st a b i l i s i e r u n g, schon gar nicht mehr geredet wird.
Wenn man will, so kann man das als eine Begleitmusik zu der sich ganz allein weiter vollziehenden Entwicklung der Dinge bezeichnen. Diese Entwicklung hat nunmehr zu einer deutlich nach außen hin sichtbaren Frontbildung geführt. Aus der einen Seite stehen die Scharen jener Länder, die allerhand Entwertn ngsexperimente mit ihrer Währung veranstaltet haben oder im Begriff sind, es zu tun. Sie „manipulierten" mit ihrer Währung, und ihr Feldgeschrei lautet: Kontrollierte Inflation, möglichst große Kredit- ausweitung, um das allgemeine Preisniveau nicht etwa bloß dem Papierwert nach, sondern tatsächlich in die Höhe zu treiben. Auf der Gegenseite steht die Front der G o l d- länder; nur noch recht wenige davon gibt es, und so manches schleicht sich jetzt davon. Auch hier will man Kredüerweiterung, Preissteigerung, — aber beides nicht mit künstlichen währungspolitischen Erperimcnleu herbZ- geführt, sondern auf dem natürlichen, eigengesey- l i ch e n Wege der Bedarfsdeckung. Mit der „Goldländer- konferenz" einerseits, der Ablehnung jeden Stabilisicrungs- abkommens zwischen Dollar, Pfund Sterling und Franc andererseits, wurden diese Frontbildungen und Gegensätzlichkeiten „evident", wie die Österreicher sagen würden. Aber noch deutlicher wurde, daß sich auf dieser Weltwirt- schaftskonferenz doch eigentlich immer mehr die Erkenntnis durchzusetzen beginnt: Jeder Staat muß erst einmal bei sichZelbst Ordnung schaffen, ehe man an den Wiederaufbau der weltwirtschaftlichen Beziehungen Herangehen kann. Das hat auch der neue amerikanische Delegierte in London, Professor Molcy, schon geäußert, als er seinen Fuß auf englischen Boden setzte; Amerika werde sich um seinen Beschluß der Londoner Konferenz kümmern, der es auf seinem einbestimmten Wege zur Selbstsanierung stören würde. Er hätte mit Moltke hinzufügen können, daß Amerika nur durch sich selbst und aus eigener Kraft bestehen wolle und sein Dasein, seine Freiheit und sein Recht zu behaupten entschlossen sei.
Allerdings wäre es da nicht erst notwendig gewesen, eine Weltkonferenz, den englischen König und sein Mikrophon zu bemühen, wenn man sich einander nur sagen will: ein jeglicher müsse erst mal gründlich vor der eigenen Tür kehren, wenn man später eine gemeinsame saubere Straße haben soll. Ein zwischen den Völkern gut funktionierendes Telephon hätte für die Feststellung eines solchen Ergebnisses auch genügt!
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Militärisch will man uns Deutsche nach tote vor unter den Druck halten, der sich schon ganz allein aus unserer Wehrlosigkeit ergibt, aber man will es auch als ein Verbrechen an der ganzen so überaus friedfertigen Menschheit „anprangern", wenn unsere nationale Regierung es nicht weiter ertragen will, „ihr Land wehrlos zu lassen", was ja Moltke als der Verbrechen größtes bezeichnet! Ebensowenig dürfen wir aber im wirtschaftlichen Kampf um die Behauptung „unseres Daseins, unserer Freiheit und unseres Rechts" uns selbst wehrlos »lachen, auch wenn ein formales „Recht", nämlich Schuldverschreibungen an das Ausland, im Besitz unserer Gläubiger ist. Das Recht auf Dasein ;ft kein papiernes, sondern ein von der Natur verliehenes Recht. Aber wie hat der Rechsbank- Präsident mit dieser Schar von Shylocks ringen müssen, die auf ihre Scheine bestanden und die Überweisung unserer Schuldzinsen in fremder Währung an die Auslandsgläubiger verlangten. Von der ursprünglich beabsichtigten völligen Sperre Dieser Zinszahlungen auf unsere Ausländsanleihen ist Dr Schach, ab gegangen und hat gerade Lui den Verpflichtungen für Die „politischen Schulden" — die Dawes- und Die Uonng-An- leihe — Dem Drängen Der Gläubiger feur weit nach- gegeben; es bleibt Dort fast alles wie bisher und nur die Tilgungsbeträge für Die Vonng-Anleihe werden nicht transferiert. Auch bei Den rem privaten Schulden wird ein Drittel Der bisherigen auch weiterhin an das Ansland in fremder Währung überwiesen und — an Der „S u bst K n z" unserer Verpflichtungen ändert s i ch nichts. Nichts an Der Schuldsumme, nichts an der Zinshöhe, nichts an Der Tilgungsart. Der deutschen Wirtschaft wird kein Pfennig an der Erfüllung ihrer Schuldverpflichtungen nachgelassen. Wir wollen, soweit die Kräfte reichen, ehrliche Schuldner bleiben. Aber