Iulüaer /lnZeiger
E°mti°dmW°rll°g.B°zugsp,°i-^monatlich JF^^t^ «r» >LX<. «MÄ ^.^l«k—^ Anz°ig-np-°i-: Für Behörden, Genossenschaf. 1.70 NM. Bei Lieferungsbehinderungen durch ILugCDluU fUt LVvvk UNV VPjCWClf ten, Banken usw. kostet Sie Kleinzeile 0.30 Mk, Höhere Gewalten", Streiks, Aussperrungen A* ««.mA iX^a^^^^f â««f A^am ^ auswärtige ^MaMeSer 0.25 Mk., für
Bahnsperre usw. erwachsen dem Bezieher keine J^*^: UHO ^ÜUR^èü! ^ ^^^^81 RtÉI6vl6U J “^e”J ^t5fl^Ä^u ^o.Ä. Ansprüche. Verlag: Christian Seipel, Fulda. Neüaktion und Gefthästssielle: Königstraße 42 ♦ Zernfprech-^nschloß Nr. WM für hi'efige Auftraggâer berechnet. Bei Rech- Druck: Friedrich Ehrenklau, Lauterbach i. H. Nach-ru« öer mit * »«rf,hrn<m 5E, laue «tt<vvell,aaasad..r»l»a«ftar1s«--«stâ nungsftellung Zahlung innerhalb 8 Tagen.
Nr. 146 — 1933
Fulda, Montag, 26. Juni
10. Jahrgang
Neuaufbau der evangelischen Nirche.
Dodetschwingh gibt seinen Austrag als Reichsbischof zurück.
Wie von der Kanzlei D. v. Bodelschwinghs mitgcteilt wird, hat der nominierte Reichsbischof in einer Sitzung des Deutschen Evangelischen Kirchenausschusses in Eisenach folgende Erklärung abgegeben:
„Durch die Einsetzung eines Staatskommissars für den Bereich sämtlicher evangelischer Landeskirchen Preußens ist mir die Möglichkeit genommen, die mir übertragene Aufgate durchzuführen. Das nötigt mich, den mir vom Deutschen Evangelischen Kirchenbund erteilten Anstrag zurückzugeben."
*
Kommissar für die preußischen Landeskirchen
Von Kultusminister Rust ernannt.
Wie das preußische Kultusministerium mitteilt, hat Kultusminister Rust für den Bereich sämtlicher evangelischer Landeskirchen Preußens den Leiter der Kirchenabteilung im preußischen Kultusministerium, Jaeger, zum Kommissar eingesetzt.
Der Erlaß des Kultusministers lautet: „Die Lage von Staat, Volk und Kirche verlangt Beseitigung der vorhandenen Verwirrung. Ich ernenne deshalb den Leiter der Kirchenabteilung im preußischen Kultusministerium, Jaeger, für den Bereich sämtlicher evangelischer Landeskirchen Preußens zum Kommissar mit der Vollmacht, die erforderlichen M a ß n a h m e n zu treffen, (gez.) Rust/
*
Weitere wichtige Ernennungen des S t a a t s k o m m i s s a r s.
M A «âWen. Kirchen
1. Zur freien Entfaltung der evangelischen Kirche nach ihrem ureigenen inneren Wesen ist ein Neu - a u f b a u erforderlich.
2. Ich bestelle zum kommissarischen Präsidenten des Evangelischen Oberkirchenrates der altpreußischen Union, den Rechtsanwalt Stadtral Dr. Friedrich Werner in Berlin. Gleichzeitig übertrage ich auf den kommissarischen Präsidenten des Evangelischen Oberkirchenrates sämtliche Befugnisse des Kirchen- ratcs. Weiter bestelle ich zum kommissarischen geistlichen Vizepräsidenten des Evangelischen Oberkirchenrates den Pfarrer Joachim H o s s e n f e l d c r in Berlin: zum kommissarischen weltlichen Vizepräsidenten des Evangelischen Oberkirchenrates den Konsistorialrat Dr. Fürle in Breslau.
3. Zu meinen Bevollmächtigten ernenne ich:
a) für den Bereich der evangelischen Kirche der altpreußischen Union: für die Kirchenprovinz Ostpreußen den Rechtsanwalt Dr. Lothar Sand in Königsberg; für die Kirchenprovinz Pommern den Pfarrer T b o n in Pustamin: für die Kirchenprovinz Grenzmark Posen-Westpreußen den (Superintendenten Will in Preußisch-Friedland: für die Kirchenprovinz Schlesien den Rechtsanwalt Dr Schmidt in Ratibor: für die Kirchenprovinz Mark Brandenburg den Pfarrer Eckert in Zossen: für die Kirchenprovinz Sachsen den Rechtsanwalt Dr. Noack in Halle: für die Kirchenprovinz Westfalen den Pfarrer Adlerin Weslarn; für die Kirchenprovinz Rhein Provinz den Landrat Dr. Krum macher in Gummersbach:
b) für den Bereich der evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannover den Pfarrer Hahn in Elmslohe: c) für den Bereich der evangelisch-reformierten Landeskirche der Provinz Hannover den Universitütsprosessor D. Goeters in Bonn; d) für den Bereich der evangelisch-lutherischen Landeskirche Schleswig-Holstein den Konsistorialrat Dr, Kinder in Kiel: e) für den Bereich der evangelischen Landeskirche in Hessen-Kassel sowie für den Bereich der evangelischen Landeskirche in Waldeck und P v r mon 1 den Stadtrat Dr. P a u l m a n n in Kassel; f) für den Bereich der evangelischen Landeskirche in Nassau sowie für den Bereich der evangelischen Landeskirche Nranksurl a. M. den Pfarrer Albert Walther in Wiesbaden-Bierstadt.
*
Die gewahtten Kirchenveriretungen in Preußen aufgelöst.
Kommissarische Aktion gegen den Evangelischen Obcrkirchcnrat.
Der Staatskommissar für die evangelischen Kirchen Preußens teilt mit:
1. Getragen von der Verantwortung gegenüber dem Werk der Reformation und beseelt von dem unbeugsamen Willen, der Zerrissenheit im Kirchenvolke ein Ende zu machen, hat mich der Herr preußische Minister für Wissenschaft, Kunst und Volksbildung zum Kommissar für sämtliche evangelischen Landeskirchen Preußens mit der Vollmacht bestellt, die zur Beseitigung der vorhandenen Verwirrung und
zur Verhütung weiterer Zerreißung und Aufspaltung erforderlichen Maßnahmen zu treffen.
2. Ich übernehme hierdurch die Führung der Geschäfte sämtlicher evangelischen Landeskirchen Preußens. Ich beauftrage mit der vorläufigen Weiter- uhrung der Geschäfte die bisherigen Stellen. 3. Der Geschäftsverkehr der evangelischen preußischen
Landeskirchen mit dem Deutschen Evangelischen Kirchen- bund erfolgt ausschließlich über meine Person.
Ich beurlaube mit sofortiger Wirkung den Vizepräsidenten des evangelichen Oberkirchenrates Hundt in Berlin und den Generalsuperintendenten S ch i a n in Breslau. 5. Ich löse mit sofortiger Wirkung sämtliche gewählten kirchlichen Vertretungen in den evangelischen Landeskirchen Preußens auf. 6. Weitere Anordnungen folgen.
'Der Kommissar, gez, Jäger.
*
Kommissarische Übernahme des evangelischen Preßverbandes.
Vom Evangelischen Preßverband für Deutschland wird mitgeteilt: Die Herren Privatdozeni Dr. Hans Michael Müller-Jena und Stadtverordneter Max Greve- meyer-Berlin sind kommissarisch mit der Übernahme der Geschäftsführung des Evangelischen Preßver- bandes für Deutschland e. V. beauftragt. Zunächst werden die Herren Direktor Prof. D. Hinderer und D. Liepmann mit sofortiger Wirkung beurlaubt.
Gez. Jäger, als Kommissar für sämtliche evangelischen Landeskirchen Preußens, gez. Ludwig Müller, der Beauftragte des Reichskanzlers für die Angelegenheiten der evangelischen Kirche.
Drohung aus der Luft.
Ein Sohn ans die Gleichberechtigung!
Der Fliege rüberfall auf die wehrlose
R c i ch s h a u p t st a d t.
Der Staatssekretär des Luftsahrtsministcriums, Milch, äußerte sich vor Vertretern der Presse über den ungeheuerlichen Vorfall, der sich am Freitaguachmittag mit der übersliegung der Reichshauptstadt durch unbekannte fremde Flugzeuge und Abwurf von Flugblättern mit Beschimpfungen gegen die Reichsregierung zugetragen hat.
Über den Vorgang teilte er zunächst mit, daß in einer Höhe von 3000 Äèeter ein oder zwei Flugzeuge, die die Reichshauptstadt überflogen, festgestellt worden seien. Die Überfliegung Berlins sei durch die Wetterlage außerordentlich begünstigt worden, da durch niedrig hängende Wolken, die nur teilweise durchbrochen waren, die Flugzeuge sich unbemerkt Berlin nähern konnten. Es ist ferner mit Sicherheit festgestellt worden, daß es sich um Doppeldecker handelt.
Kurz vor der Überfliegung Berlins haben Beobachter
bei Kottbus zwei von Süden kommende und in
Richtung Berlin fliegende Flugzeuge gesehen.
Es handelt sich zweifellos um ausländische Maschinen, denn Flugzeuge von der beschriebenen Bauart gibt es in Deutschland nicht. Später abends sind übrigens auchinderPfalz fremde Flugzeuge gesichtet worden, obwohl nicht feststeht, ob diese Flugzeuge mit dem Berliner Vorfall in Zusammenhang zu bringen sind. Fest steht aber, daß es sich auch hier nicht um deutsche Flugzeuge gehandelt hat.
Der Staatssekretär erinnerte dann an die Über- fliegung italienischen Bodens durch fremde Flugzeuge in früheren Jahren. Es habe sich damals um ein schwierigeres Unterfangen gehandelt, da man zunächst ja das Alpenmassiv überfliegen mußte. Damals sei ein Teil jener Flugzeuge verunglückt, was gestern leider nicht der Fall gewesen sei, denn die ausländischen Flugzeuge sind unversehrt entkommen.
Staatssekretär Milch ist der Ansicht, daß die fremden Flieger Verbindung mit in Deutschland lebenden Kreisen gehabt haben müßten; denn z u r g l c i ch e u Z c i t, als die fremden Flieger über Berlin erschienen, wurden vom Hochhaus „Berolina" Flugblätter anderen Inhalts ab- geworfen, die ebenso wie die von den Flugzeugen ab- gcworscnen Schriften ausgegrifsen und der Polizei zur Verfügung gestellt wurden. Möglicherweise hat auch die in Deutschland verbotene SPD. ihre Hand im Spiele gehabt.
Was die in der deutschen Presse an die Regierung gerichtete Aufforderung angehe, Verhinderungsmaßnahmen zu treffen, so könne dazu zunächst nur gesagt werden, daß Deutschland die einzige Großmacht sei, die
nicht genügend Mittel zur Abwehr derartiger oder gar ernsterer Angriffe besitzt. Wenn die Luftpolizei gestern Flugzeuge zur Verfügung gehabt hätte, dann würde zum mindesten die genaue Feststellung der fremden Flugzeuge möglich gewesen sein.
^er Staatssekretär ging dann auf die schleppen- den Verhandlungen in Genf, insbesondere über die Luftfahrtfrage, ein, die bisher noch keine irgendwie gearteten Erfolge hinsichtlich der Luftabrüstung gehabt haben.
Zur Begründung wird mitgeteilt:
„Die Aktion gegen die bisherige Leitung des Evangelischen Preßverbandes für Deutschland ist eine entscheidende Teilhandlung innerhalb der von Kommissar Jäger durchgeführten N o t m a ß n a h m e. Da der Verband ein eingetragener Verein ist, untersteht die Aktion zugleich dem Bevollmächtigtem des Reichskanzlers, Wehrkreispfarrer Müller.
Die nationalsozialistische Revolution steht in ihrer vielleicht entscheidenden zweiten Etappe. Es geht um die restlose, von unserem Führer Adolf Hitler gerade in der letzten Zeit neugesorderte Einheit von Volk und Staat — nicht zuletzt auch in der evangelischen Kirche —, um die hier nach den Vorkommnissen der letzten Woche nun unvermeidliche Maßnahme betreffend die Kirche als irdische Organisation und völkische Gemeinschaft.
Die Souveränität des Evangeliums, seine freie Verkündigung, bleiben davon unberührt; sie sind unantastbar. Es ist der feierliche Wille von Wehrkreispfarrer Müller, daß alle hierher gehörenden Fragen ihre Klärungvor der breiten Öffentlichkeit erfahren: die Stellung der getauften Nichtarier der deutschen evangelischen Kirche mit den deutschen evangelischen Kirchen außerhalb des Reiches usw. Vielfache Mißverständnisse und Tatarennachrichten gehen um. Es ist die dringlichste Aufgabe des neugeleiteten Evangelischen Preßverbandes für Deutschland,
restlose Klarheit zu schaffen
und die Wege zu der neuen kirchlichen Polkserneuerung abzustecken. Neu wird sie sein, sofern sie zu der gesamtdeutschen Volkserneuerung gehört. Aber zugleich ist sie die eine bleibende, von unseren Vätern überkommene Arbeit im Dienst an der Verkündigung des Evangeliums, das allen Völkern gilt und in Ewigkeit bleibt/
Die deutsche Negierung müsse, nicht erst durch die gestrigen Vorfälle veranlaßt, dringend in Genf fordern, daß die deutsche Gleichberechtigung hergcstcllt werde. Das geschehe am besten durch die Abrüstung der anderen.
Deutschland könne sich nicht mit einer Vertagung der Genfer Konferenz begnügen und müsse verlangen, daß jetzt endlich eine Entscheidung falle. Wenn die anderen in der Luft abrüsteten, würden solche Vorfälle oder gar schlimmere nicht möglich sein.
Staatssekretär Milch schloß feine Ausführungen mit der Feststellung, daß die Reichsregierung der Frage allerer«steste Bedeutung beimessc.
*
Auch über der Pfalz!
Im Zusammenhang mit dem Erscheinen ausländischer Flugzeuge über Berlin verdient Beachtung, daß am Freitagabend, etwa um 19.30 Uhr, zwei Flugzeuge in ungewöhnlicher Höhe, über 3000 Meter, über der Pfalz von Osten nach Westen flogen. Nach Angaben sachverständiger Leute handelt es sich um G r o ß t y p e n , wahrscheinlich mit zwei Umlaufmotoren, wie sie bei großen Überlandflügen Verwendung finden. Die Flugzeuge wurden u. a. über Annweiler, R i n n t a l und Landau (Pfalz) gesichtet. Da deutsche Verkehrsflugzeuge normalerweise nicht höher als 1500 Meter und außerdem einzeln fliegen, besteht der Verdacht, daß es sich hier um ausländische Maschinen handelt.
Flugblätter über Thüringen abgeworfen.
Der Referent für das Luftschutzwesen in Weimar, Polizeihauptmann R i e ck h o f s, teilt mit, daß die ausländischen Flieger auch über Thüringen geflogen sind und, wie die Abgabe von Zetteln auf dem Polizeipräsidium in Weimar beweist, auch dort Flugzettel abgeworfen haben. Reichsstatthalter Sauckel hat sofort in zwei Telegrammen nach Berlin an die zuständigen Stellen schärfsten Protest gegen die Überfliegung Thüringens durch ausländische Flieger eingelegt und Schutzmaßnahmen gefordert.
Luftschutz für Berlin gefordert.
Der Berliner Oberbürgermeister Dr. Sahm richtete an den Reichskanzler und an den preußischen Ministerpräsidenten ein Telegramm, in dem angesichts der bedrohlichen Lage der Reichshauptstadt jedem Luftangriff gegenüber die dringende Bitte ausgesprochen wird, „alle Möglichkeiten zu erschöpfen, um diesem un - m ö gl i ch e n Zustande abzuhelfen".
Telegramme ähnlichen Inhalts wurden ferner von dem Oberbürgermeister der Stadt Essen, dem Düsseldorfer Regierungspräsidenten, der Breslauer Jndustrie- und Handelskammer und dem Deutschen Luftsportverband Rheinland abgesandt.
*
„Auf einen groben Klotz.. /
Wer die Flugzeuge unter Nichtachtung aller internationalen Abmachungen nach Deutschland fliegen und ihre Flugblattsendungen über Berlin herunterfallen ließ, weiß nicht bloß Deutschland selbst, sondern das kann sich und wird sich anch die ganze Welt ohne weiteres sagen.