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Nr. 145 Samstag, 24. Juni 1933

Sommersonnenwende.

Joh. 12,36:Glaubt a n das Licht!" Sommersonnenwende das alte Freudenfest unserer Vorfahren, geboren aus dem Glauben an das Licht, ist un- verloren geblieben und soll es auch bleiben. Wie eigen­artig verbindet cs Freude und Ernst in sich. Freude II N d D a tt k für den Segen des Lichts, das aus dem Schoß der Erde Frucht und Erllte hebt und in dieser Wende zu sommerlicher Reife führt. Ernstes Gedenken aber zugleich daran, daß nun die Sonne anfangt, abwärts zu rollen, dem dämmernden Herbst und dem dunklen Winter entgegen. Wie ernst haben unsere Vorfahren das empfunden und tiefsinnig ausgeweitet in ihrem Ahnen der Götterdämmerung!

Sommersonnenwende in seiner Anknüpfung hat in dieser Zeit die christliche Kirche vor alters den Johan­nistag gelegt. Den Tag des Täufers, der das tiefe Wort gesprochen hat:Er muß wachsen, ich aber muß ab­nehmen." Der damit hinweist auf das Abnehmen des eigenen, naturhaften Wesens und Lichtes und doch zugleich die schöne, ernst ermutigende Wende zeigt: daß für den wirklich reifenden, reifen Menschen im eigenen Vergehen der aufgeht und aufsteigt, der sich selbstdas Licht der Welt" genannt hat, der das Licht ist, das nie versinkt, für den es keineDämmernng" gibt. Mit welcher Jnbrust haben unsere Ahnen ihren Glauben an das Licht auf ihn über- tragen und damit die geistige Führung der Welt übernommen!

Sommersonnenwende jeder Christ sollte sie in sich erleben, dies:Er muß wachsen, ich aber muß ab­nehmen" wie es nur der sagen kann, der wahrhaft glaubt an das wirkliche Licht: an die Liebe Gottes, die sich uns offenbart in Jesus Christus. Rein natürlich geht es uns allen wie dem Sommer: dem Aufstieg folgt der Ab­stieg, dem Ende zu; daß es doch auch zugleich ein Reifen würde unseres inwendigen Menschen zur Frucht, die neues Leben in sich birgt.

Trotz allem Dämmern und Dunkeln unseres irdischen Lebens laß 1 uns glauben an o-asLicht, das e w r g e ! ?. H. P.

Weil sie Deutsche sind.

Wieder deutsche Deiegierie beleidigt.

Auf der Gennsscnschaftskvnfcrcnz in Basel.

Auf der Internationalen Genossen- s ch a f t s k 0 n f e r e n z in Basel kam es, ähnlich wie in Genf, zu erheblichen Meinungsverschiedenheiten. Erst nach stundenlanger Beratung siegte eine knappe Mehrheit für die Zulassung der Deutschen, die man von der Konferenz ausschließen wollte.

Der deutsche Delegierte, Direktor Schlösser, wurde, ob­wohl er ganz sachlich sprach, dauernd durch Zwischen­rufe unterbrochen. Als er die Beschimpfung aus­ländischer Genossenschaftszeitschriften gebührend zurück­wies und die jetzige Lage Deutschlands nach der national­sozialistischen Erhebung schilderte, begannen die

Störungen gegen ihn anfs neue. Dabei konnte es sich der Leiter der französischen Konsumgenosfenschaftshank, ein Herr Levy aus Paris, nicht versagen, in übler Weise gegen Deutschland zu hetzen.

Als der Generalsekretär der Genossenschaftsinter- nationale, Henry May, in einem Schlußwort gegen die Ausführungen des Deutschen Schlösser in beleidigender Weife Stellung nahm, verließen die Deutschen unter Protest den Saal. Von den meisten Kongreßteil­nehmern wurde die Rede mißbilligt und den deutschen Delegierten über die Entgleisungen das Bedauern aus­gesprochen. Schlösser verlangte eine rückhaltlose Z u r ü ck n a h m e der Beleidigungen und eine angemessene Ent­schuldigung des Generalsekretärs, da sonst eine weitere Mitarbeit Deutschlands nicht mehr in Frage kommen könne.

Wie bekannt wird, ist inzwischen eine entsprechende Erklärung und höfliche Entschuldigung bei der deutschen Delegation in Basel eingelaufen.

Terror gegen die nationale Seivegung in Österreich.

In der tirolischen Stadt Kitzbühel wurde der n a t i 0 n a l s 0 z i a l i st i s ch e B ü r g e r m e i ster, Hotel­besitzer Ernst Reisch, auf die Bezirkshaupmannschaft vor­geladen, wo ihm mitgeteilt wurde, daß er nicht mehr Bürgermeister von Kitzbühel sei. Ferner wurde über ihn eine Arre st strafe von sechsWochen und eine Geldstrafe von 1000 Schilling verhängt, weil er sich kürz­lich für die Freilassung der verhafteten Nationalsozialisten, darunter des reichsdeutschen Staatsbürgers Kaminski, ein­gesetzt habe. Weitere vier W 0 ch e n A r r e it er­

hielt Bürgermeister 'Reisch dafür, daß er anläßlich des Besuches von ausländischen Journalisten, die auf Ein­ladung der Regierung Dollfuß zur Zeit eine Rundreise durch Österreich machen, am Rathaus in Kitz­bühel die schwarz-weiß-rote Flagge gehißt hatte. Bürgermeister Reisch befindet sich bereits im Land­gerichtsgefängnis in Innsbruck.

Nach Auflösung der nationalsozialistischen Partei in Österreich und nach dem Verbot der Parteiabzeichen sah man in den letzten Tagen in Innsbruck zahlreiche Leute, die schwarz-weiß-rote Bänder im Knopfloch hatten. Am Freitagvormittag hat nun die Bundespolizei das Tragen dieser schwarz-weiß-roten Knopfloch­bänderverboten.

Schärfste Kampfansage an Dostfuß.

Aufruf an die Nationalsozialisten Österreichs.

Die Landesorganisation der NSDAP. (Hitler-Bewe­gung) Österreichs veröffentlicht einen Aufruf an die Nationalsozialisten Österreichs, in dem es u. a. heißt:

Die Partei ist verboten. Jede Betätigung für sie oder in ihrem Sinn unter drakonische Strafe gestellt. Formell und öffentlich werden daher alle Führer und Amtswalter der NSDAP. (Hitler-Bewegung) Österreichs ihrer Ämter enthoben und alle Parteimitglieder ihrer übrigen Ver­pflichtungen im Sinne der Vereinssatzung entbunden.

Die Bewegung aber lebt und war nie so stark wie in dieser Stunde. Der Kampf, der nun beginnt, wird sich auf jener Ebene bewegen, auf die die Regierung Dollfuß selber ihn verwiesen hat, und wird sich jener Formen und Mittel bedienen, die zur Erreichung des Zieles notwendig sind und geeignet erscheinen. Das Ziel aber ist der Sturz der Regierung Dollfuß und die Befreiung Österreichs aus den Händen des ehrvergessenen und volksverräterischen Klün­gels, der gegenwärtig im Dienste der Feinde des deutschen Volkes seine Gewaltherrschaft ausübt.

Nationalsozialisten in Krems mißhandelt.

In Krems an der Donau ist es zu schweren Aus­schreitungen gekommen, die von Wehrmännern des Bundesheeres verübt wurden, denen sich auch frühere Angehörige des sozialdemokratisch- republikanischen Schutzbundes angeschlossen hatten. Die Menge versuchte/ ein nationalsozialistisches Verkehrs­lokal und das Geschäft eines verhafteten S A. - Führers zu stürmen. Die Demonstranten überfielen ferner Nationalsozialisten, die niedergeschlagen und m i t Füßen getreten wurden. Erst als die Alarm­kompagnie der Garnison eingesetzt wurde, gelang es, die Wehrmänner in die Kaserne zurückzudrängen.

Aust an die Kirchenkonferenz:

Evangelische Landeskirche hat den

. Rechtsb 0 de n verlassen."

Der preußische Kultusminister R u ft hat au die K i r ch e n k 0 ns c r c u z in Eisenach folgendes Tele­gramm gerichtet:

An die Vertreter der evangelischen Landeskirche der Altpreußischen Union auf der Kirchenkonferenz in Eise- i .^mach. ...^Nachdem die evangelische Landeskirche der Alt- preußischen Union den R e ch t s b 0 d e n verlassen hat, weise ich ihre Vertreter in Eisenach nachdrück­lichst darauf hin, daß sie rechtsgültig nicht handeln könne u. lgcz.) Staatsminister Rust."

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Ludwig-Müller-Spende der Deutschen Christen.

Berlin. Der Reichsleiter der Glaubensbewegung der Deut­schen Christen, D. Hossenfelder, hat folgenden Aufruf erlassen: Der Wehrkreispfarrer Müller feiert am 23. Juni seinen 50. Geburtstag. Ich weiß, daß ihm keine größere Freude be­reitet werben kann, als daß man die Kampffront stärkt. Ich rufe daher alle Gesinnungsfreunde auf, sich an einer Ludwig- Müller-Spende zu beteiligen und bitte Zahlungen, die die Kampffront der Deutschen Christen stärken können, aus mein Postscheck-Konto, Berlin 154185, zu überweisen.

Kurze poüiäsche Nachrichten.

Frau M in isteri alr ati n Dr. c. h. Helene Weber ist bis auf weiteres von ihrem Amt im preußi­schen Ministerium für Wissenschaft, Kunst und Volks­bildung beurlaubt worden. Frau Dr. Weber hatte dieses Amt seit 1932 inne; vorher bekleidete sie seit dem Jahre 1920 im Preußischen Ministerium für Volkswybl- sahrt gleichfalls das Amt einer Ministerialrätin.

In der Angelegenheit der Verhaftung des S ch l a - gcter-Verräters wird von zuständiger Seite mit­geteilt, daß der in Tübingen Verhaftete namens Schneider auf freien Fuß gesetzt wurde, da es sich her aus gestellt habe, daß Alfred Schneider nicht der gesuchte Verräter ist.

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Der Fünfte Strafsenat des Reichsgerichts ver­urteilte einen Angeklagten wegen Verrates mili­tärischer G e h e i m n i s s e zu neun Jahren Zuchthaus, zehnjähriger Aberkennung der bürger- lichenEhrenrechte, Entfernung aus dem Heere und Ein­ziehung von 300 Mark, die der Angeklagte von einer fremden Macht für seine Dienste empfangen hat.

Vor dem ägyptischen Krieg s m i n i st e r i u m in Kairo explodierte eine Bombe, die jedoch keinen großen Schaden anrichtete

Drs Verbot für den MitteLstands- kampfbund.

Von amtlicher Seite Wirb mitgeteilt, daß, nachdem das Verbot des Deutschnationalen Kampfbundes des gewerb­lichen Mittelstandes bereits im Zuge des Verbots der deutschuationalen Kampfringe mib des Bismarckbundes ausgesprochen worden ist, dem D e u t s ch nationalen K a m p s b u n d des a e w e r b l i ch e n Mittel­standes die offizielle V e r b 0 t s v e r f ü g u n g des preußischen Ministerpräsidenten zngeleitet worden ist. Die Berliner Geschäftsräume des Verbandes. Schiffbauer­damm 23, sind polizeilich geschlossen itnb besetzt worden.

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n DerDentschnanonale Bund des gewerblichen Mittel­standes" legt Wert auf die Feststellung, daß er als regierungstreue Organisation mit dem Deutschuationalen Kampfbund des gewerblichen Mittelstandes nicht iden- nsch ist.

Die Neuorganisierung des Stahlhelm im Westen.

Der Stahlhelmgauführer, Major a. D., Polizeipräsi­dent Niederhoff, erläßt einen Ganbefehl für die Gaue Essen, Niederrhein und Ruhr-Lippe, in dem es u. a. heißt:

Alle Stahlhelmer, die vor dem 30. Januar d. I. Mit­glied des Stahlhelm gewesen und gewillt sind, beim Stahlhelm zu bleiben, melden dies sofort ihrem Orts­gruppenführer. Sie gelten damit als n e u aus­genommen. Diejenigen Kameraden, die nach dem 30. Januar dem Stahlhelm beigetreten und gewillt sind, beim Stahlhelm zu bleiben, sind listenmäßig von jeder Ortsgruppe zu erfassen. Diese Listen werden einer scharfen Prüfung unterzogen.

Als Dienstanzug gilt wie bisher der vorgeschriebene feldgraue Anzug, dazu schwarze Armbinde mit schwarzem Hakenkreuz in weißem Feld. Stahlhelm­uniformen ohne diese Armbinde fallen unter das Uni­formverbot. Alle Kameraden in Zivilanzug tragen

außer dem Stahlhclmabzeichcn ein Hakenkreuz.

Die zur NSDAP, gehörenden Stahlhelmer tragen das Parteiabzeichen, und zwar über dem Stahlhelm. Das allein getragene Stahlhelmabzeichen unterliegt dem Verbot des Regierungspräsidenten.

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Auf Grund des Befehls des Stahlhelm-Bundes- führers Seldte, wonach den Mitgliedern des Stahlhelm eine andere Parteizugehörigkeit als die der NSDAP, ver­boten ist, hat der Führer des Gaues Danzig des Stahlhelm, Bund der Frontsoldaten, B u r a u d t, seinen Austritt aus der Tcntschnationalen Front erklärt.

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Vorwärts unter neuer Parole!

Verfügung Röhms über den Stahlhelm.

Der Stabschef Röh in hat folgende Verfügung er­lassen:Der I u n g st a h l b e l m tritt gemäß Verfügung des Führers vom 21. Juni 1933 unter den Befehl der obersten SA.-Führung. Über die Form und den Gang der Eingliederung ergehen besondere Weisungen.

Der Führer erwartet, daß die Kameraden des Stahl­helm, die sich in unsere Front eingliederu, als vollwertige Mitkämpfer in unsere Reihen treten. Was zurückliegt, ist abgeschlossen. Die Soldaten marschieren nunmehr unter neuer Parole zu gemeinsamem Kampfwillen verbunden nach vorwärts.

Ich verbiete die Fortsetzung irgendwelcher Aktionen usw. gegen den Stahlhelm und wünsche, daß den 31t uns tretenden Kameraden die Hand gereicht wird. Der Chef des Stabes (gez.) Röhm."

Haussuchung bei Ministerprasibeni a. D. Held.

Zu den -Haussuchungen bet der Bayerischen Volks­partei wird aus Müncksen berichtet, daß auch die W 0 h - tt u n gen des früheren baverischen Ministerpräsidenten Dr. H e l d , des Mitverlegers des Regensburger An­zeigers, Kümmerzieurat Habbel, und des früheren Bauernfübrer8 Dr. H e i m d u r ch sucht wurden.

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Die für den 24. Juni vor dem Schloß Fürstenried bei München geplante Sonnwendfeier der katholischen Jugend wurde nach einer Meldung des Bayerischen Kurier von der Politischen Polizei verboten,

Selbstauslösung -esLandesverbandes Oldenburg der DNF.

Der Landesführer Oldenburg der Deutschnationalen Front, Landtagsabgeordneter Bunnemann, hat folgende Anordnung getroffen:

Hiermit löse ich den Landesverband Oldenburg der Deutschnationalen Front mit allen seinen Unterorgani sationen aus. Gleichzeitig entbinde ich alle bisherigen Mit­glieder von ihren der Partei gegenüber cingegangencn Verpflichtungen."

Auch die Vettiebsgruppenorganlsationen der SAF. verboten.

Wie von zuständiger Stelle zu dem Verbot der deutsch- nationalen Kampfringe erklärt wird, gelten als Neben­organisationen, die verboten sind, außer dem dcutschnatio nalen Kampsbund für den gewerblichen Mittelstand auch die deutschnationalen Bctricbsgruppenorgani- s a t i 0 tt c n.

Personaweräderungen

in der preußischen Verwaltung.

Wie der Amtliche Preußische Pressedienst mitteilt, hgt der Preußische Ministerpräsident und Minister des Innern, Göring, folgende Personalverändèrungen vorgenommen:

Der Regierungspräsident Schönner in Frankfurt (Cber) wird unter Gewähr des gesetzlichen Wartegeldes sofort einstweilen in den R uh c st a n d versetzt und der Land­rat Dr. Eichler in Cottbus vorbehaltlich der Zustimmung des Provinzialausschusses zum Regierungspräsidenten in Frank­furt (Oder) ernannt.

Der Regierungsvizepräsident Gommer in Wicsbade n wird unter Gewährung des gesetzlichen Wärtegelves sofort einst­weilen in de n R uh e st and Verse tzt.

Unter Gewährung des gesetzlichen Wartegeldes werben so­fort einstweilen in den Rühe st and versetzt: Der Land­rat Wehr in T 0 r g a u (Reg. Bez. Merseburg), der Landrat Egidi in K v r i tz (Reg.-Bez. Potsdam).

Ernannt werden: Der Oberleutnant a. D. Stabs- führer der SA. Generalinspektion, v. Pfeffer, zum Polizeipräsi­denten in Kassel; der Regierungsrat Dr. Bethke in Kö­nigs b e r g i. P r. zum Vizepräsidenten des Oberpräsidiums in Königsberg 1. Pr.; Landrat i. e. R. Grubitz zum Landrat im Greife M arienburg (Sitz Hildesheim, Reg.-Bez. Hildes­heim); Regierungsrat Dr. Jüttner zum Landrat im Kreise K n m s I a u (Reg.-Bez. Breslau).

Die kommissarische Verwaltung des LandratZamtes F r a u- 'iadt (Reg.-Bez. Schneidemühl) wird dem Regierungsassessor Dr. Dlellin übertragen.

Der Aeroklub unter dem Protektorat Hindenburgs und Görings.

Auf Bitten des A e r 0 k l u b s v 0 n D e u t s ch l a n d bat Reichspräsident Generalfeldmarschall von Hinden­burg gemeinsam mit dem Reichsluftfahrtminister Göring das Protektorat über den Aeroklub von Deutsch­land übernommen.

Damit erhält der Klub wieder den offiziellen Rah­men, den er früher als kaiserlicher Aeroklub hatte, als der Kaiser noch sein Protektor war. Generalfeldmarschall von Hindenburg war bisher Ehrenmitglied, hat sich aber jetzt, nachdem durch die Umstellung und Neubildung des Lttftfahrtministeriums dem Aeroklub weitere und größere Ausgaben zufallen, entschlossen, zusammen mit dem Luft- fahrtminister das Protektorat zu übernehmen.