Erscheint jeden Werktag. Bezugspreis: monatlich ^ââ^kâ^- fZe^ t>k£M mmA Anzeigenpreis: Für Behörden, Genossenschaft
1.70 RM. Bei Lieferungsbehinderungen durch <LOg€ÖWU fM LvyVK UstO VOgCIwCrjp ten, Banken usw. kostet die Kleinzeile 0.30 Mk.,
SwrS^ §ulöa- und ßounctai * ^ulâott Krcisblott â °^İi^S°U?Râm°,è wird
B-Hnspe»- usw. -rw°chl-n dem B-zich-r keine Q«»vw MOV 4/UU»»W( ^WWWM rwk»www Qg0 K( [ät tätige u. mit 0.60 Mk. Ansprüche. Verlag: Christian Seipel, Fulda. Neüaktion und Geschäftsstelle: Königstraße 42 ♦ Zernfprech^nschluß Nr. «St für hiesige Auftraggeber berechnet. Bei Rech.
Druck: Friedrich Ehrenklau, Lauterbach i. H. Nachdruck der mit * versehenen fittitel nur mit «llpell-nangad» .rulbar-^nIKa,r's»si<â nungsstellung Zahlung innerhalb 8 Tagen.
Nr. 144 — 1933
Fulda, Freitag, 23. Juni
10. Jahrgang
Die SPD. verboten.
Der Reichsminister des Innern hat
Deutschlands verboten. In einer Anweisung an die Länderregierungen hat der Reichsminister des Innern ersucht, zu veranlassen, daß dieses Verbot durchgeführt wird.
am Donnerstag die Sozialdemokratische Partei
„Eine staats- und volksfeindliche Partei."
Die amtliche V e r b o t s b e g r ü n d u n g.
Amtlich wird mitgeteilt: Vorgänge der letzten Zeu haben den unumstößlichen Beweis dafür geliefert, daß die deutsche Sozialdemokratie vor hoch- und l a n d e s - verräterischen Unternehmungen gegen Deutschland und seine rechtmäßige Regierung nicht zurückschreckt.
Führende Persönlichkeiten der SPD., wie Wels, Breit scheid, Stampfer, Vogel befinden sich seit Wochen in Prag, um von dort aus den Kampf gegen die nationale Regierung in Deutschland zu führen. W e l s hat eine Erklärung veröffentlicht, daß sein Austritt aus dem Büro der 2. Internationale nur fingiert gewesen sei. Er hat an den Vorsitzenden der Arbeitergruppe auf der Internationalen Arve its ko nferenz in Genf ein Telegramm gerichtet, in dem er
in verleumderischer Weise die Arbeiterschaft der übrigen Länder gegen die nationale deutsche Regierung aufzu hetzen versucht.
Die erweiterte Parteileitung der SPD. hat sich auf der vor einigen Tagen in Berlin abgehaltenen Sitzung lediglich nach außen von diesen Leuten wie Wels, Breltscheid usw. distanziert, es aber bezeichnenderweise unterlassen, diese Personen wegen la n d e s v e r r ä t e r i s ch e n Verhaltens wirklich abzu s ch ü t t e l n und aus der Partei a u s z u s ch l i e ß e n. Im Gegenteil ist in einer von der Polizei überraschten G e h e i m v e r s a m m l u n g sozialdemokratischer Führer in Hamburg ebenfalls landesverräterisches Material ge- suuden worden.
Dies nlles zwingt zu dem Schluß, die Sozialdemokratische Partei Deutschlands als eine staats- und volksfeindliche Partei anzuschcn, die keine andere Behandlung mehr beanspruchen kann, wie sie der Kommunistischen Partei gegenüber angewandt worden ist.
Die Maßnahmen gegen die GpO.
Der Reichsminister des Innern hat daher die Landesregierungen ersucht, auf Grund der Verordnung des Reichspräsidenten zum Schutz von Volk und Staat vom 28. Februar 1933 die notwendigen Maßnahmen gegen die SPD. an treffen.
Vierfacher SPD.-Mörder.
Sozialdemokrat schießt fünf Personen nieder.
§|‘» £ H& .5 TA ® • ^ un i:
Als am Mittwochabend SA.-Leutc in der Alten Dahl- Witzer Straße in Berlin-Köpeniâ eine Durchsuchung vornehmen woüten, schoß der 23jährige SPD.-Angehorrge Anton Schmaus von der Wohnungstür aus aus d,c SA.-Leutc. Ein SA.-Mann und eine Zivilperson wurden sofort getötet, zwei SA.-Leutc schwer verletzt. Der schwerverwundete SA.-Mann Robert Gleuel ist dann im Krankenhaus zu Köpenick verstorben. Auch der Zustand des schwerverletzten SA.-Manncs Klem ist hoffnungslos.
Der Vater des Täters begeht Selbstmord.
In einem Schuppen erhängt._____
Donnerstag mittag gegen 13 Uhr hat der 53jährige Gcwerkschaftssekretär Johann Schmaus, der Vater bey Mörders der Köpenicker SA.-Leutc, in einem Geräteschuppen Selbstmord durch Erhängen verübt. Der Tote wurde in das Leichenschauhaus gebracht.
Oie nächtliche Bluttat.
über den blutigen Vorgang werden noch folgende Einzelheiten bekannt: Am Mittwochabend hatten sechs SA.-Mäuner unter dem Kommando eines Truppfuhrers den Auftrag, eine überraschende Haussuchung bet dem soziald cm okratischeu Gewerkschaftssekre- tär Johannes Schmaus durchzuführen. Gegen 11 Uhr abends fuhr das SA.-Kommando im Kraftwagen nach der Alten Dahlwitzer Straße und forderte in dem Haus Nr. 2 sofortigen Einlaß. Ein SÄ.-Mann blieb im Auto sitzen und hatte dabei einen kurz vorher festgeuom- menen Kommunisten Nadowski, den S ch w a g e r des sozialdemokratischen Gewerkschaftssekretärs Schnmus, bet dem die nächtliche Haussuchung durchgeführt werden sollte, zu bewachen.
Mehrere SA.-Leutc, darunter der 26 Jahre alte SA.- Truppführer, der Bäcker Gleuel aus Rahnsdorf, Hahenzollernstraßc 16, wollten sich über die steile Vordertreppe nach den im ersten Stock befindlichen Schlafzimmern
Insbesondere sollen sämtliche Mitglieder der SPD., die heute noch den Volksvertretungen und Gemeindevertretungen angehören, von der weiteren Ausübung ihrer Mandate sofort ausgeschlossen werden. Den Ausgeschlossenen werden selbstverständlich die Diäten gesperrt. Der Sozialdemokratie kann auch nicht mehr die Möglichkeit gewährt werden, sich in irgendeiner Form propagandistisch zu betätigen. Versammlungen der Sozialdemokratischen Partei sowie ihrer Hilfs- und Ersatzorganisationen werden nicht mehr erlaubt werden. Ebenso dürfen sozialdemokratische Zeitungen und Zeitschriften nicht mehr hcr- äusgegeben werden.
Das Vermögen der Sozialdemokratischen Partei und ihrer Hilss- und Ersatzorganisationen wird, soweit es nicht bereits in Verbindung mit der Auflösung der Freien Gewerkschaften sichergestellt worden ist, beschlagnahmt. Mit dem landesverräterischen Charakter der Sozialdemokratischen Partei ist die weitere Zugehörigkeit von Beamten, Angestellten und Arbeitern, die aus öffentlichen Mitteln Gehalt, Lohn oder Ruhegeld beziehen, zu dieser Partei selbstverständlich unvereinbar.
*
Marustenkrechheit wirksam Datiert
Eine treffliche Antwort im Prager Parlament.
Im Prager A b g e o r d u e i e u h a u s kam es zwischen sudetendeutsche, t Nationalsozialisten und Sozialdemokraten zu stürmischen Auseinandersetzungen. Die deutschen Sozialdemokraten riefen dem nationalsozialistischen Abgeordneten Knirsch zu, er ini^e von „Hitler- Deutschland" reden. Snirfd) erklärte, drüben in Deutschland werde ein Reich der Einheit, Freiheit, Sauberkeit und ■DiiUUittß. cnMMm o r h i 1 d l-ch fein werde. In der Tschechoslowakei gebe man vor, eine „Insel der Demokratie" zu sein, schaffe aber in Wirklichkeit nur zur Erhaltung der Systemparteien Ausnahmegesetze, mit denen jede nationale und kulturelle Betätigung der Minderheiten im Staat vernichtet werden könne.
Ein Sozialdemokrat hatte die Frechheit zu rufen, daß Hitler „die Gewerkschastsgelder stehle" (!). Knirsch antwortete: „Nein, aber er verhindert, daß weiter gestohlen werden kann!"
begeben. Wahrend die SA.-Leute noch aus der Treppe waren, wurden sie
plötzlich von oben her beschaffen.
Bevor sie noch zn ihren Pistolen greifen und feststellen konnten, woher die Schüsse kamen, wurden mehrere von ihnen getroffen.
In wenigen Sekunden hatte der Täter, der in gedeckter Stellung aus die SA.-Männer feuerte, ungefähr acht bis zehn Schuß abgegeben. Dabei brach der 21 Jahre alte SA.-Mann Walter Apel aus der Lttingstraße 3 in Köpenick zusammen. Er hatte mehrere Schüsse in den Kopf und in die Brust erhalten. Gleichzeitig wurde ein völlig Unbeteiligter, der 33 Jahre alte Schlosser Erich Jamtzkr, von einer Kugel getroffen, so daß er auf der Stelle tot mar. Gleichzeitig wurde der Truppführer G l c u e l, der
einer der ä l t e st e n SA. -Männer des
Berliner Ostens
ist und seit dem Jahre 1926 im Kampf um die nationale Revolution in Berlin siebenmal verrounbet wurde, durch einen Bauchschuß lebensgefährlich verletzt. Der ntebcr= geschossene Truppführer verstarb wenige Minuten spater aus dem Transport zum Köpenicker Krankenhaus. Der SA.-Mann Walter Apel erlag im Krankenhaus Köpenick ebenfalls seinen schweren Verletzungen. Außerdem wurde der SA.-Mann Franz Klein durch einen Bauchschuß so schwer verletzt, daß er in hoffnungslosem Zustand cin- geliefert werden mußte. _ ,
Nachdem der Täter, der 23 Jahre alte Anton schmaus, der der Sohn des Hauseigentümers Schmaus ist, sich durch feine wilde Schießerei auf der Treppe einen freien Weg gebahnt hatte, verließ er das Haus, um zu fluchten. Da bemerkte er auf der Straße plötzlich den Kraftwagen des SA.-Kommandos, in dem sich der verhaftete Kommunist N a d o w s k i, ein Verwandter des Täters, befand.
Er faßte nun plötzlich den Entschluß, seinen Verwandten zu befreien und feuerte die letzten Patronen aus seiner schweren Armeepistole auf den am Steuer des Wagens sitzenden SA.-Mann ab. Dabei verfehlten die Schüsse aber das Ziel und nicht der SA.-Mann, sondern der K o m m u n i st wurde tödlich g e t r o f s e n. ~ er Mörder flüchtete zunächst.
Die Schießerei des marxistischen Mörders hatte in kurzer Zeit di e gesamte U m g e b u ngal a r m i e r t. Hilfs- und Schutzpolizei rückten auf Überfallwagen an und riegelten sofort die Straße ab.
Zu gleicher Zeit mürbe die Mptorstaffel des S.-Sturm-
vannes 15 alarmiert, um die Verfolgung des geflüchteten Mörders auszunehmen. Bei der Durchsuchung des Landhauses des Gewerkschaftssekretärs Schmaus konnte die Polizei bald einen wichtigen Fund machen: An versteckter Stelle waren mehrere Kisten, in denen sich
Schußwaffen und Munition
befanden, verborgen. Unterdessen war die Suche nach dem geflüchteten Mörder von Erfolg gekrönt. Tie SA.- Männer von der Motorstaffel
entdeckten den fliehenden Mörder tm Erpetal in Friedrichshagen. Der Mörder versuchte auch jetzt noch, seinen Verfolgern zn entrinnen, so daß es 3ii einem H and gemenge kam. Der Täter wurde dann der Polizei übergeben, die ihn vor der Wut der Volksmenge schützen mußte.
In den frühen Morgenstunden des Donnerstag wurde zum Gedenken an die gefallenen SA.-Kameradcn an der Mordstelle eine kurze Trauerfeier vom S.-Sturmbann 15 abgehalten. Dabei wurde feierlich die Fahue, die bisher der erschossene Truppführer Gleuel als Fahnenträger führte, dem Nachfolger und neuen Fahnenträger übergeben. Der ermordete SA.-Truppführer war er st seit kurzer Zeit verheiratet.
Gegen die Internationale.
Vielleicht darf man von einem bestimmten Gesichtspunkte aus die bekannten Vorkommnisse auf der Genfer Tagung des Internationalen Arbeitsamtes fast begrüßen. Sie steilen nämlich für alle jene, bisher noch Unbelehrbaren eine grimmige Lehre, einen überaus drastischen Anschauungsunterricht dar, die immer noch von dieser „Internationale der Arbeit" eine Erleichterung oder Verbesserung ihres sozialen Daseins erhofften und die geglaubt haben, wenigstens aus dieser Institution des Völkerbundes würde für die Arbeiterschaft der ihr angeschlossenen Länder etwas Segenbringendes herauskommen. Hatte man doch so oft geredet über die „internationale Solidarität der Arbeiterinteressen", wenn man nicht einfacherweise offen zugab, daß sich in diesem Internationalen Arbeitsamt schon recht viel von der Forderung des kommunistischen Manifestes verwirklickst hatte: „Proletarier aller Länder, vereinigt euch!", was auf allen sozialdemokratischen oder kommunistischen Versammlungen ebensowenig fehlen durfte wie- der Gesang der Arbeiter-Internationale, die aber immer nur in den Köpfen — deutscher Arbeiter herumspukte. Sie mürben ja auch nicht einmal oder nur erst allmählich und sehr spät von diesem Irrwahn einer Arbeiter-Internationale geheilt, als nach dem „Siege des deutschen Volkes auf der ganzen Linie" am 9. November 1918 die englischen und französischen „Brüdern mitsamt den roten Fahnen und der Völkerversöhnung ausblieben: diese „Brüder" and) gar nichts gegen das Versailler Diktat — das einer der Führer der sozialistischen ZweitenJnternationaleVandervelde als belgischer Ministerpräsident unterzeichnete — einzuwenden hatten, obwohl doch die deutschen Arbeitermassen von diesem Diktat und seinen Folgen in furchtbarster Weise getroffen wurden und werden! In solchen Fällen, wenn es sich um die Interessen ihrer eigenen Länder handelte, bekamen die englischen, französischen, belgischen Mitglieder der„ZweitenJntèrnatio- nalc" plötzlich ganz sonderbare Zungenfehler: sie konnten dann von jenem Wort nur das „national" aussprechen und demgemäß handeln. Sie haben auch keinen Finger gerührt, für ihre deutschen „Brüder", als in diese der Stoß des Ruhreinbruchs hineinfuhr und unsägliches Elend, Not und Tod gerade über die von Arbeitermassen überquellenden Teile Deutschlands brachte. Wo blieb denn da die „Internationale der Arbeit" mitsamt ihrem Genfer Arbeitsamt, das jetzt „so tapfer schmälen" konnte? Es schwieg wie ein Grab um Mitternacht.
In Paris tat man bei den Genossen das gleiche, aber in England — handelten sie. Dort hatten die sozialistischen Gewerkschaften, die unter Macdonalds Führung standen und gleichfalls der „Zweiten Internationale" angehören, gar nichts gegen eine möglichst starke Produktionssteigerung einzuwenden, um überall in die von Deutschland- nach dem Kriege mühsam zurückeroberten Absatzgebiete im Auslande einzubrechen und so auf wirtschaftlichem Gebiet dasselbe zu tun, was die Franzosen politisch am Rhein und Ruhr zu erreichen versuchten. Und wie antworteten die Führer der „Zweiten Internationale" in Deutschland einige Jahre später auf diese schallenden Ohrfeigen? Sie setzten, als 1926 der englische Bergarbeiterstreik ausbrach, geradezu Himmel und Hölle in Bewegung, um zu verhindern, daß nun auch die knapp vor dem Erliegen befindliche deutsche Kohlenwirtschaft diese Gelegenheit benutzte, um Gleiches mit Gleichem zu vergelten. Man sprach sogar von Sympathiestreiks, tobte im Reichstag gegen die „profitwütigen Bergherren" los, — nur machten diesen Wahnsinn einer durchaus einseitigen „internationalen" Solidarität die deutschen Bergarbeiter
Kleine Zeitung für eilige Leser
* Bei der Entdeckung eines Waffenlagers durch SA. erschoß der Sozialdemokrat Schmaus in Berlin Köpenick vier Personen und verletzte eine fünfte tödlich.
* Ein in Tübingen verhafteter Mann namens Eugen Schneider ist, wie man vermutet, der Verräter Schlageters.
* Eine schwere Unwetterkatastrophe ereignete sich in der Schweiz im Kanton Uri. Die Gotthardstraßè ist durch Erd- und Waffermassen für Zug- und Personenverkehr an vielen Stellen gesperrt, Dörfer sind durch Hochwasser bedroht.