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Nr. 144 1933

Fulda, Freitag, 23. Juni

10. Jahrgang

Die SPD. verboten.

Der Reichsminister des Innern hat

Deutschlands verboten. In einer Anweisung an die Länderregierungen hat der Reichs­minister des Innern ersucht, zu veranlassen, daß dieses Verbot durchgeführt wird.

am Donnerstag die Sozialdemokratische Partei

Eine staats- und volksfeindliche Partei."

Die amtliche V e r b o t s b e g r ü n d u n g.

Amtlich wird mitgeteilt: Vorgänge der letzten Zeu haben den unumstößlichen Beweis dafür geliefert, daß die deutsche Sozialdemokratie vor hoch- und l a n d e s - verräterischen Unternehmungen gegen Deutschland und seine rechtmäßige Regierung nicht zurückschreckt.

Führende Persönlichkeiten der SPD., wie Wels, Breit scheid, Stampfer, Vogel befinden sich seit Wochen in Prag, um von dort aus den Kampf gegen die nationale Regierung in Deutschland zu führen. W e l s hat eine Erklärung veröffentlicht, daß sein Austritt aus dem Büro der 2. Internationale nur fingiert gewesen sei. Er hat an den Vorsitzenden der Arbeitergruppe auf der Internationalen Ar­ve its ko nferenz in Genf ein Telegramm ge­richtet, in dem er

in verleumderischer Weise die Arbeiterschaft der übrigen Länder gegen die nationale deutsche Regierung aufzu hetzen versucht.

Die erweiterte Parteileitung der SPD. hat sich auf der vor einigen Tagen in Berlin abgehaltenen Sitzung lediglich nach außen von diesen Leuten wie Wels, Breltscheid usw. distanziert, es aber bezeichnen­derweise unterlassen, diese Personen wegen la n d e s v e r r ä t e r i s ch e n Verhaltens wirklich ab­zu s ch ü t t e l n und aus der Partei a u s z u s ch l i e ß e n. Im Gegenteil ist in einer von der Polizei überraschten G e h e i m v e r s a m m l u n g sozialdemokratischer Führer in Hamburg ebenfalls landesverräterisches Material ge- suuden worden.

Dies nlles zwingt zu dem Schluß, die Sozialdemo­kratische Partei Deutschlands als eine staats- und volksfeindliche Partei anzuschcn, die keine andere Behandlung mehr beanspruchen kann, wie sie der Kom­munistischen Partei gegenüber angewandt worden ist.

Die Maßnahmen gegen die GpO.

Der Reichsminister des Innern hat daher die Landes­regierungen ersucht, auf Grund der Verordnung des Reichspräsidenten zum Schutz von Volk und Staat vom 28. Februar 1933 die notwendigen Maßnahmen gegen die SPD. an treffen.

Vierfacher SPD.-Mörder.

Sozialdemokrat schießt fünf Personen nieder.

§|» £ H& .5 TA ® ^ un i:

Als am Mittwochabend SA.-Leutc in der Alten Dahl- Witzer Straße in Berlin-Köpeniâ eine Durchsuchung vor­nehmen woüten, schoß der 23jährige SPD.-Angehorrge Anton Schmaus von der Wohnungstür aus aus d,c SA.-Leutc. Ein SA.-Mann und eine Zivilperson wurden sofort getötet, zwei SA.-Leutc schwer verletzt. Der schwerverwundete SA.-Mann Robert Gleuel ist dann im Krankenhaus zu Köpenick verstorben. Auch der Zustand des schwerverletzten SA.-Manncs Klem ist hoff­nungslos.

Der Vater des Täters begeht Selbstmord.

In einem Schuppen erhängt._____

Donnerstag mittag gegen 13 Uhr hat der 53jährige Gcwerkschaftssekretär Johann Schmaus, der Vater bey Mörders der Köpenicker SA.-Leutc, in einem Geräte­schuppen Selbstmord durch Erhängen verübt. Der Tote wurde in das Leichenschauhaus gebracht.

Oie nächtliche Bluttat.

über den blutigen Vorgang werden noch folgende Einzelheiten bekannt: Am Mittwochabend hatten sechs SA.-Mäuner unter dem Kommando eines Truppfuhrers den Auftrag, eine überraschende Haussuchung bet dem soziald cm okratischeu Gewerkschaftssekre- tär Johannes Schmaus durchzuführen. Gegen 11 Uhr abends fuhr das SA.-Kommando im Kraftwagen nach der Alten Dahlwitzer Straße und forderte in dem Haus Nr. 2 sofortigen Einlaß. Ein.-Mann blieb im Auto sitzen und hatte dabei einen kurz vorher festgeuom- menen Kommunisten Nadowski, den S ch w a g e r des sozialdemokratischen Gewerkschaftssekretärs Schnmus, bet dem die nächtliche Haussuchung durchgeführt werden sollte, zu bewachen.

Mehrere SA.-Leutc, darunter der 26 Jahre alte SA.- Truppführer, der Bäcker Gleuel aus Rahnsdorf, Hahenzollernstraßc 16, wollten sich über die steile Vorder­treppe nach den im ersten Stock befindlichen Schlafzimmern

Insbesondere sollen sämtliche Mitglieder der SPD., die heute noch den Volksvertretungen und Gemeinde­vertretungen angehören, von der weiteren Ausübung ihrer Mandate sofort ausgeschlossen werden. Den Aus­geschlossenen werden selbstverständlich die Diäten gesperrt. Der Sozialdemokratie kann auch nicht mehr die Möglichkeit gewährt werden, sich in irgendeiner Form propagandistisch zu betätigen. Versammlungen der Sozialdemokratischen Partei sowie ihrer Hilfs- und Ersatzorganisationen wer­den nicht mehr erlaubt werden. Ebenso dürfen sozial­demokratische Zeitungen und Zeitschriften nicht mehr hcr- äusgegeben werden.

Das Vermögen der Sozialdemokratischen Partei und ihrer Hilss- und Ersatzorganisationen wird, soweit es nicht bereits in Verbindung mit der Auflösung der Freien Gewerkschaften sichergestellt worden ist, beschlagnahmt. Mit dem landesverräterischen Charakter der Sozialdemokra­tischen Partei ist die weitere Zugehörigkeit von Beamten, Angestellten und Arbeitern, die aus öffentlichen Mitteln Gehalt, Lohn oder Ruhegeld beziehen, zu dieser Partei selbstverständlich unvereinbar.

*

Marustenkrechheit wirksam Datiert

Eine treffliche Antwort im Prager Parlament.

Im Prager A b g e o r d u e i e u h a u s kam es zwischen sudetendeutsche, t Nationalsozialisten und Sozial­demokraten zu stürmischen Auseinandersetzungen. Die deutschen Sozialdemokraten riefen dem nationalsozia­listischen Abgeordneten Knirsch zu, er ini^e vonHitler- Deutschland" reden. Snirfd) erklärte, drüben in Deutsch­land werde ein Reich der Einheit, Freiheit, Sauberkeit und DiiUUittß. cnMMm o r h i 1 d l-ch fein werde. In der Tschechoslowakei gebe man vor, eineInsel der Demo­kratie" zu sein, schaffe aber in Wirklichkeit nur zur Er­haltung der Systemparteien Ausnahmegesetze, mit denen jede nationale und kulturelle Betätigung der Minder­heiten im Staat vernichtet werden könne.

Ein Sozialdemokrat hatte die Frechheit zu rufen, daß Hitlerdie Gewerkschastsgelder stehle" (!). Knirsch ant­wortete:Nein, aber er verhindert, daß weiter gestohlen werden kann!"

begeben. Wahrend die SA.-Leute noch aus der Treppe waren, wurden sie

plötzlich von oben her beschaffen.

Bevor sie noch zn ihren Pistolen greifen und feststellen konnten, woher die Schüsse kamen, wurden mehrere von ihnen getroffen.

In wenigen Sekunden hatte der Täter, der in gedeckter Stellung aus die SA.-Männer feuerte, ungefähr acht bis zehn Schuß abgegeben. Dabei brach der 21 Jahre alte SA.-Mann Walter Apel aus der Lttingstraße 3 in Köpenick zusammen. Er hatte mehrere Schüsse in den Kopf und in die Brust erhalten. Gleichzeitig wurde ein völlig Unbeteiligter, der 33 Jahre alte Schlosser Erich Jamtzkr, von einer Kugel getroffen, so daß er auf der Stelle tot mar. Gleichzeitig wurde der Truppführer G l c u e l, der

einer der ä l t e st e n SA. -Männer des

Berliner Ostens

ist und seit dem Jahre 1926 im Kampf um die nationale Revolution in Berlin siebenmal verrounbet wurde, durch einen Bauchschuß lebensgefährlich verletzt. Der ntebcr= geschossene Truppführer verstarb wenige Minuten spater aus dem Transport zum Köpenicker Krankenhaus. Der SA.-Mann Walter Apel erlag im Krankenhaus Köpenick ebenfalls seinen schweren Verletzungen. Außerdem wurde der SA.-Mann Franz Klein durch einen Bauchschuß so schwer verletzt, daß er in hoffnungslosem Zustand cin- geliefert werden mußte. _ ,

Nachdem der Täter, der 23 Jahre alte Anton schmaus, der der Sohn des Hauseigentümers Schmaus ist, sich durch feine wilde Schießerei auf der Treppe einen freien Weg gebahnt hatte, verließ er das Haus, um zu fluchten. Da bemerkte er auf der Straße plötzlich den Kraftwagen des SA.-Kommandos, in dem sich der verhaftete Kommunist N a d o w s k i, ein Verwandter des Täters, befand.

Er faßte nun plötzlich den Entschluß, seinen Ver­wandten zu befreien und feuerte die letzten Patronen aus seiner schweren Armeepistole auf den am Steuer des Wagens sitzenden SA.-Mann ab. Dabei verfehlten die Schüsse aber das Ziel und nicht der SA.-Mann, sondern der K o m m u n i st wurde tödlich g e t r o f s e n. ~ er Mörder flüchtete zunächst.

Die Schießerei des marxistischen Mörders hatte in kurzer Zeit di e gesamte U m g e b u ngal a r m i e r t. Hilfs- und Schutzpolizei rückten auf Überfallwagen an und riegelten sofort die Straße ab.

Zu gleicher Zeit mürbe die Mptorstaffel des S.-Sturm-

vannes 15 alarmiert, um die Verfolgung des geflüch­teten Mörders auszunehmen. Bei der Durchsuchung des Landhauses des Gewerkschaftssekretärs Schmaus konnte die Polizei bald einen wichtigen Fund machen: An ver­steckter Stelle waren mehrere Kisten, in denen sich

Schußwaffen und Munition

befanden, verborgen. Unterdessen war die Suche nach dem geflüchteten Mörder von Erfolg gekrönt. Tie SA.- Männer von der Motorstaffel

entdeckten den fliehenden Mörder tm Erpetal in Friedrichshagen. Der Mörder versuchte auch jetzt noch, seinen Verfolgern zn entrinnen, so daß es 3ii einem H and gemenge kam. Der Täter wurde dann der Polizei übergeben, die ihn vor der Wut der Volksmenge schützen mußte.

In den frühen Morgenstunden des Donnerstag wurde zum Gedenken an die gefallenen SA.-Kameradcn an der Mordstelle eine kurze Trauerfeier vom S.-Sturmbann 15 abgehalten. Dabei wurde feierlich die Fahue, die bisher der erschossene Truppführer Gleuel als Fahnenträger führte, dem Nachfolger und neuen Fahnenträger übergeben. Der ermordete SA.-Truppführer war er st seit kurzer Zeit verheiratet.

Gegen die Internationale.

Vielleicht darf man von einem bestimmten Gesichts­punkte aus die bekannten Vorkommnisse auf der Genfer Tagung des Internationalen Arbeitsamtes fast begrüßen. Sie steilen nämlich für alle jene, bisher noch Unbelehr­baren eine grimmige Lehre, einen überaus drastischen Anschauungsunterricht dar, die immer noch von dieser Internationale der Arbeit" eine Erleichterung oder Verbesserung ihres sozialen Daseins erhofften und die ge­glaubt haben, wenigstens aus dieser Institution des Völker­bundes würde für die Arbeiterschaft der ihr angeschlossenen Länder etwas Segenbringendes herauskommen. Hatte man doch so oft geredet über dieinternationale Soli­darität der Arbeiterinteressen", wenn man nicht einfacher­weise offen zugab, daß sich in diesem Internationalen Arbeitsamt schon recht viel von der Forderung des kom­munistischen Manifestes verwirklickst hatte:Proletarier aller Länder, vereinigt euch!", was auf allen sozialdemo­kratischen oder kommunistischen Versammlungen ebenso­wenig fehlen durfte wie- der Gesang der Arbeiter-Inter­nationale, die aber immer nur in den Köpfen deutscher Arbeiter herumspukte. Sie mürben ja auch nicht einmal oder nur erst allmählich und sehr spät von diesem Irr­wahn einer Arbeiter-Internationale geheilt, als nach dem Siege des deutschen Volkes auf der ganzen Linie" am 9. November 1918 die englischen und französischenBrü­dern mitsamt den roten Fahnen und der Völkerversöhnung ausblieben: dieseBrüder" and) gar nichts gegen das Versailler Diktat das einer der Führer der sozialistischen ZweitenJnternationaleVandervelde als belgischer Minister­präsident unterzeichnete einzuwenden hatten, obwohl doch die deutschen Arbeitermassen von diesem Diktat und seinen Folgen in furchtbarster Weise getroffen wurden und werden! In solchen Fällen, wenn es sich um die Interessen ihrer eigenen Länder handelte, bekamen die englischen, französischen, belgischen Mitglieder derZweitenJntèrnatio- nalc" plötzlich ganz sonderbare Zungenfehler: sie konnten dann von jenem Wort nur dasnational" aussprechen und demgemäß handeln. Sie haben auch keinen Finger gerührt, für ihre deutschenBrüder", als in diese der Stoß des Ruhreinbruchs hineinfuhr und unsägliches Elend, Not und Tod gerade über die von Arbeitermassen über­quellenden Teile Deutschlands brachte. Wo blieb denn da dieInternationale der Arbeit" mitsamt ihrem Genfer Arbeitsamt, das jetztso tapfer schmälen" konnte? Es schwieg wie ein Grab um Mitternacht.

In Paris tat man bei den Genossen das gleiche, aber in England handelten sie. Dort hatten die sozialistischen Gewerkschaften, die unter Macdonalds Führung standen und gleichfalls derZweiten Internationale" angehören, gar nichts gegen eine möglichst starke Produktionssteige­rung einzuwenden, um überall in die von Deutschland- nach dem Kriege mühsam zurückeroberten Absatzgebiete im Auslande einzubrechen und so auf wirtschaftlichem Gebiet dasselbe zu tun, was die Franzosen politisch am Rhein und Ruhr zu erreichen versuchten. Und wie ant­worteten die Führer derZweiten Internationale" in Deutschland einige Jahre später auf diese schallenden Ohrfeigen? Sie setzten, als 1926 der englische Bergarbeiter­streik ausbrach, geradezu Himmel und Hölle in Bewegung, um zu verhindern, daß nun auch die knapp vor dem Er­liegen befindliche deutsche Kohlenwirtschaft diese Gelegen­heit benutzte, um Gleiches mit Gleichem zu vergelten. Man sprach sogar von Sympathiestreiks, tobte im Reichs­tag gegen dieprofitwütigen Bergherren" los, nur machten diesen Wahnsinn einer durchaus einseitigen internationalen" Solidarität die deutschen Bergarbeiter

Kleine Zeitung für eilige Leser

* Bei der Entdeckung eines Waffenlagers durch SA. erschoß der Sozialdemokrat Schmaus in Berlin Köpenick vier Personen und verletzte eine fünfte tödlich.

* Ein in Tübingen verhafteter Mann namens Eugen Schneider ist, wie man vermutet, der Verräter Schlageters.

* Eine schwere Unwetterkatastrophe ereignete sich in der Schweiz im Kanton Uri. Die Gotthardstraßè ist durch Erd- und Waffermassen für Zug- und Personenverkehr an vielen Stellen gesperrt, Dörfer sind durch Hochwasser bedroht.