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Zulöaer Anzeiger

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Nr- 125 1933

Fulda, Mittwoch, 31. Mai

10. Jahrgang

Von Klagenfurt nach Passau

Güdmark im Kampf.

Zur Pfingsttagung des VDA. in Passau.

Von Fritz Heinz Reime sch, mit Originalzeichnungen von Ragimund Reimesch.

Die von Klagenfurt in Kärnten nach der Drei- stromstaöt Passau verlegte Tagung des Vereins für das Deutschtum im Ausland wird trotz der Verlegung ein Bekenntnis zur deutschen Südmark sein.

Passau hat vor 1000 Jahren zahllose deutsche Men­schen nach dem Süden und Südosten geschickt. Die bayerischen Herzoge, die in Passau residierten, waren führend in dem großen Ringen um Neu­land für die überschüssigen Kräfte des bayerischen Stammes, der von Kärnten bis tief auf den Balkan, nach Ungarn und bis an die Adria herrschte. Als der slawische Druck von Norden, aus Böhmen, immer stärker wurde, wendete sich die Kraft des Bayernstammes der Urheimat seiner markomannischen Väter zu, die im fünften Jahr­hundert Böhmen verlassen hatten, um sich das Donauland zu erobern. Passaus Bischöfe, bayerische Adelsgeschlechter und Mönche leisteten im Böhmerwald ähnliche Rück- deutfchungsarbeit, wie Albrecht der Bär und Heinrich der Löwe in Ostelbien.

Wenn die VDA.-Tagung auch im Zeichen des Kampfes um die Südmark stehen wird, so werden die Blicke der Tagungsteilnehmer doch hinüber in das Heimatland Adalbert Stifters fliegen, hinein in den herr­lichen Hochwald, an dessen Grenzen deutsche Menschen einen schweren Kampf um ihr völkisches und wirtschaft­liches Dasein auskämpfen müssen, ohne bisher genügende Hilfe vom Reich erfahren zu haben. Der Kampf in der Südmark ist dem Volkstumringen an der bayerischen O st m a r k so ähnlich, daß es geradezu begrüßt werden muß, daß die Tagung nach Passau ver­legt wurde, denn dadurch werden gleich zwei Gebiete ter großen reichsdeutschen Öffentlichkeit erschlossen.

Das alte schon im

Sauern besiedelte Kärnten wird eine starke deutsche Bf^ion, von der aus nach der ungarischen Tiefebene )in und über die herrlichen Hochgebirgsmauern der Karawanken deutsche Menschen ausschwärmen und ein leutsches Vorfeld schaffen. Es sind hauptsächlich Berg- lnannssiedlungen, die vom 11. Jahrhundert ab entstehen. )lus den Trümmern der alten Emona wächst nach 955 Laibach, bis vor 50 Jahren eine deutsche Stadt, mit bedeutendem Kulturleben, als dessen schönste Mani­festation die 1702 begründetePhilharmonische Gesell­schaft" der älteste deutsche Musikverein erwächst, der Haydn und Beethoven als Mitglieder angehörten. Wolfram von Eschenbach besingt in seinem Parzifal das deutsche Weinland an der Drau bei P c t t a u und M a r -

Marburg a. d. Drau. Marktplatz mit Rathaus.

!W- Anastasius Grün, ein Graf von Auersperg, ist â Sohn dieser Grenzlandschaft, ebenso Hamerling und Much von Gageru. Hugo Wolfs stammt aus jenem buchen Windisch-Graetz, das dem nicht minder tat , -^cn Fürstengeschlecht den Namen gab. Im Sann- leincn hundert heilkräftigen Quellen erbauten tMK «urger das wehrhafte Cilli, dessen gewalt- A^ sich halb Ungarn und den nord- âlkan eroberte. Auch das kleine Herzogtum bau Al1 $ e e mit seinen 16 000 braven, treuen Wald- Lraak vergessen! Im Tal der wilden Kulpa bis W »Oie Äarner Brâ M in Quarnero verwelscht

wurde, standen deutsche Brückenpfeiler ebenso wie im Tal der Wochein bis nach Triest.

Als das Deutsche Reich nach der Reformationszeit innerlich zusammenbrach, wurden die A u ß e n p o st e n vergessen, die, umbrandet von feindlichen Völkern, in ungleichem Kampfe langsam zerrieben wurden, bis auf wenige Posten, denen vor fünfzig Jahren der alte Deutsche Schulverein", der heutige VDA., zu Hilfe kam. Der österreichische Kaiserstaat hatte kein Interesse an dem Deutschtum von Krain und der Süd­steiermark, und so bildete sich in Graz, der stets kampfes- freudigen steierischen Hauptstadt, der VereinS ü d - mark", der mit wirtschaftlichen Mitteln die Be- festigung des zerst reuten Deutschtums versuchte. Nur wenige fanden sich im großen, reichen Deutschland um 1900 bereit, hir die Südsteiermark etwas zu opfern. Unsere Augen hingen schwärmerisch an jedem neuen Dampfer, der aus deutschen Häfen übers große Wasser zog, während im Südosten ein deutscher Bauernhof nach dem anderen, verloren­ging.

Als 1918 die heldische Front am Südmeer zu­sammenbrach, war das Schicksal der Deutschen im Lande Krain und in der Untersteiermark besiegelt. Sie wurden aus der Heimat vertrieben mehr als 200 000 deutsche Menschen, niemand kümmerte sich um sie. Kein Protest erklang in der internationalen Welt, die doch sonst so hellhörig für angebliche Unterdrückte ist. als die deutschen S ü d st e i e r e r von Haus und Hof a ei a a t wurden. Was Jahrhunderte gebaut haben, ist

Die neue Kirchensührung

Oer Reichsbischof über seine Amisauffasfung.

D. von Bodelschwingh vor der Presse.

Der evangelische Reichsbischof D. Friedrich von Bodelschwingh hatte die Vertreter der Presse zu sich gebeten, um über seine Aufgaben zu sprechen. Er führte u. a. aus: Es ist für uns selbstverständlich, daß wir in tiefster Kraft teilnehmen an der neuen Bewegung, die unserer Zeit und unserem Geschlecht gegeben ist. Indem wir uns in diese Be­wegung auch von der Kirche her hineinstellen, hoffen wir, daß die Kirche eine freie Bund*8genossi» des sich erneuernden Staates und Volkes werden kann. Unsere Kirche hat von ihrem Recht, zu bitten und vielleicht auch hier und da einen ' mahnenden Finger aufzuheben, Gebrauch zu machen. Bei aller Ehrerbietung vor der Geschichte wollen wir aber nicht Hüter überalterter Formen sein.

D. v. Bodelschwingh erklärte weiter, er werde seine bisherige diatonische Arbeit und das in Bethel Ge­lernte nicht verleugnen. Das letzte Ziel der dortigen Arbeit Heae auf dem Gebiet der Siedinn a. Was er

personalveranderungen in der preußischen Verwaltung.

Wie der Amtliche Preußische Pressedienst mittcilt, hat der preußische Ministerpräsident und Minister des Innern, Göring, folgende Personalveränderungen vorgenommen: Der Oberpräsident Dr. o o n H ü l s e n i n K a s s e l wird unter Gewährung des gesetzlichen Wartegeldes sofort einst­weilen in den Ruhestand versetzt und als Oberpräsident z D zum Kurator der Universität Marburg ernannt. Prinz Philipp von Hessen wird zum Ober- Präsidenten der Provinz Hessen -Nassau ernannt und zunächst mit der kommissarischen Verwaltung dieser Stelle beauftragt. Der Oberpräsident Dr. Luka- s ch e k in Oppeln wird unter Gewährung des gesetz­liche» Wartegeldes sofort einstweilen in den Ruhestand versetzt Der Oberpräsident der Provinz Nieder- s ch l e s i e n , Brückner, wird beauftragt, geben seinen Dienstgeschäften als Oberprästdent dieser Provinz auch die Geschäfte des Oberpräsidenten dcr P r o v i n z Ober- Schlesien nach besonderer Anweisung des Ministers des Innern mit wahrzunehmen. In diesen Geschäften über­nimmt seine ständige Vertretung der Regierungspräsident bzw der Regierungsvizepräsident in Oppeln. Zum Re­gi e'ruugspräsidenten in Oppeln wird der Obcrrcgierungsral Schmidt vom Finanzamt Relchen- bach (Eulengebirge) ernannt.

Der Ministerialdirektor im Mmrstermm des Innern Daluege wird zum Stellvertretenden Bevollmächtigten Preußens zum Reichsrat ernannt.

Oie Neugestaltung der lau-wirt- schastlichen Genossenschaften.

Außerordentlicher Gcnosicnschastsiag des RaifseiscnvrrbandeS.

In Berlin fand ein außerordentlicher Gcnossenschafls- tâg des Reichsverbandesdsrdeutschen land- W i r 1 s ch a f t l i ch e n Genossenschaften Ra i f f -

zerschlagen! Sollen wir darauf verzichten? Heute gilt es, die Grenzen stark zu machen, im Norden wie im Osten, im Westen wie im Süden, und wenn am Pfingsttage auf den Karawanken die Höhenfeuer leuchten, ^ann sollen die Südslawen wissen, daß heute Hundert- tausende bereit sind, Wacht zn halten, so wie dies im Jahre 1919 die Kärntner Schützen getan, denen heute der Heil­gruß Großdeutschlands gilt!

Hier wird die Pfingsttagung des VDA. stattfinden. Blick auf Passau mit dem Dom.

dort gelernt und erlebt habe, gebe ihm für die Zukunft unseres Polkes und «unserer Jugend einen frischen und sehr frohen Mut. Eine weitere Richtlinie für ihn jZ die

Schulung der Pfarrer und Laien entsprechend den Fragen der Gegenwart.

Bei dieser Arbeit, fuhr der Rcichsbischof fort, bi» ich entschlossen, dafür zu sorgen, daß auch die Leitung der Kirche so gestaltet wird, daß sie den neuen Ausgabe» ge­wachsen ist. Ich werde hier und da die Bitte aussprcchen müssen, daß alte bewährte Mitarbeiter, denen wir in Dankbarkeit verbunden sind, jüngeren Kräften Raum machen. Sollte irgendwo in der Kirche sich zeigen, daß Männer, ob es Theologen oder Laien sind, den Gefahren unserer Zeit innerlich nicht gewachsen sind, würde ich rück­sichtslos für Sauberkeit unseres kirchlichen Lebens sorgen.

Bei der Erfüllung dieser Aufgabe bin ich entschlossen, allen Kreisen und Bewegungen, die in unserer Kirche lebendig sind, die brüderliche Hand zu reichen. Ich sage dies in Sonderheit und mit starker herzlicher Be­wegung von der Bewegung der D e u t s ch e n C h r i st e n. Ich habe mit Wehrkreispfarer Müller gesprochen und er stimmt mir zu, daß diese Erneuerung unserer Kirche, sofern sie Kampf fordert, mit geistlichen Waffen geführt wird.

eisen statt. Präsident Granzow- Schwerin (Mecklen­burg) nahm zu kurzen Ausführungen das Wort, in denen er darauf hinwies, daß das, was im Reich von den Nationalsozialisten herbeigeführt worden sei, euch in der Wirtschaft zur Geltung kommen müsse: Gemeinnutz geht vor Eigennutz! In diesem Sinne müsse auch das Genossenschaftswesen als dienendes Instrument dem Berufsstande voll und ganz wieder nützlich gemacht werden. Wir müssen unter allen Umständen dieses Ge­nossenschaftswesen in die gesamte Selbstverwal­tung der Landwirtschaft so eingliedern, daß wir auf allen Gebieten und in allen Teilen des Reiches eine Möglichkeit schaffen, die landwirtschaftlichen Er­zeugnisse im Sinne des Reichskanzlers bis zur v ö l l i -

er Ernährung des

gen Unabhän

deutschen Polkes pom Auslande zu fördern, ohne daß wir dadurch dem freien Handel jede Lebensmöglickkeit ab­schneiden. Der Genossenschaftslag wurde sodann mit Aus­führungen des Präsidenten Berg. Darmstadt, ge­schlossen, der hervorhob, daß das Genossenschaftswesen jetzt Ruhe gebrauche, um nunmehr die innere Erneuerung durchzuführen. Das gelte sowohl für das Geld- wie auch für das Warengeschäft. Jeder Groschen müsse im Dorf gehalten werden, sonst könnten die Genossenschaften ihre Aufgaben nickt durckkübren.

Kleine 3eituno für eilige Leser

* Die Reichsrcgicrung hat das Gesetz über den Reiseverkehr nach Österreich mit Durchführungsbestimmungen veröffentlicht.

* Die bisherige Danziger Regierung ist auf Grund des Wahlergebnisses zurückgetreten.

* Bei einer Übung in der Nähe von Garmisch-Partenkirche» wurde eine Reichswehrpatrouille von einer Lawine verschüttet. Zwei Reichswehrsoldatcn wurden getötet, mehrere verletzt.

* In'Innsbruck kam es zu blutigen Unruhen, bei denen 17 Personen verletzt wurden.