Zul-aer dnMger
^r. 121 Freitag, 26. Mai 1933
Hegen unnötige Gesuche an den AeichskanZler.
Die Reichskanzlei teilt mit:
Wie bereits wiederholt durch die Presse mitgeteilt worden ist, haben die dem Herrn Reichskanzler üUs dem Reich und dem Auslande täglich zugehenden Einüben und Gesuche von Privatpersonen, Vereinen und Verbänden einen so starken Umfang angenommen, daß es dem Herrn Reichskanzler und den Beamten der Reichs- buizlei gar nicht möglich ist, neben ihren dringlichen Dicustgeschüste» alle diese Schreiben zu lesen. Trotz des Hinweises, daß die Eingaben, für die die Reichskanzlei nicht unmittelbar zuständig ist, an die jeweils zuständigen Verwaltungsbehörden des Reiches und der Länder abgegeben werden müssen — wodurch eine nicht unbeträchtliche und auch nicht im Sinne der Absender liegende Verzögerung eintritt —, hat die Zahl der Eingänge nicht nur nidp abgenommen, sondern st n n d i g z u g e n o m m c n.
Die Reichskanzlei sieht sich daher bei der ständig angespannten Geschäftslage, die eine weitere Beeinträchtigung dringender Dicnftgcschäfte nicht zulätzt, in Zukunft genötigt, alle nicht unmittelbar zur Zuständigkeit des Herrn Reichskanzlers gehörigen Eingänge dem Absender mit dem Anhcimgebcn wieder zurückzusenden, sich cr- fcrdcrlichensalls an die für die Bearbeitung der Sache zuständige Stelle des Reichs ober des Landes zu wenden. Über die jeweils zuständige Behörde wird die Orts- bchördc dem Absender auf Anfrage jederzeit gern Aus- tuiift erteilen.
Warnung vor Falschmeldungen über die Dispositionen des Kanzlers.
Die Reichspressestelle der NSDAP. teilt mii: Trotz der bereits vor einigen Tagen in der Presse veröffentlichten Mitteilung, daß der Reichskanzler wegen einer Reihe von Besprechungen nicht an der Schlage- ter-Feier in Düsseldorf teilnehmen kann, wird erneut in einigen Blättern die Anwesenheit des Reichskanzlers an der Schlageter-Feier angekündigt. Aus Anlaß dieser Falschmeldung wird grundsätzlich nochmals darauf hin- aewiessn, daß Nachrichten, die die persönlichen Dispositionen des Führers bzw. seine Teilnahme an irgendwelchen Veranstaltungen betreffen, nur nach vorherigen ausdrücklichen Bestätigungen durch den Stellvertreter des Führers, Parteigenossen H e ß, seinen Adjutanten Brückner und seinen Pressechef Dr. Dietrich zu veröffentlichen sind. Anderenfalls haben die Blätter, die derartige falsche Nachrichten über die persönlichen Dis- psitionen Adolf Hitlers veröffentlichen, mit einem §e r b o t z n r e ch n e n.
Die letzte Meldung von der Teilnahme des Reichskanzlers an der Schlageter-Feier war vom Ausschuß zur Vorbereitung der Schlageter-Gedächtnis-Feier mitgeteilt worden.
Hitlers Dank an die Aeichsmarine.
Beim Verlassen der Marinegarnison Kiel richtete Reichskanzler Hitler folgendes Telegramm an den Reichswehrminister und den Chef der Marineleitung:
„Mit stolzer Freude habe ich zwei Tage den Übungen der Flotte beigewohnt. Ich danke der Reichs- marine und wünsche ihre Erstarkung und erfolgreiche Weiterarbeit."
Abwehr, nicht Angriff!
Volkstum im Kampf.
Am südlichsten Vorposten des Deutschtums dicht an ber jugoslawischen Grenze, wo das deutsche Kärntnertum in jahrhundertelangem, stillem oder offenem Kampf gegen das Slawentum gestanden hat, bis es 1919 mit den eigenen Leibern den Damm gegen diese heranbrandende Flut errichten mußte, .— in Klagenfurt, wollte und wird der Verein für das D e n tsch tu m im A-u s- land seine große Pfingsttagung veranstalten. Gibt es hierfür einen passenderen Ort als diese Stadt am Wörther See, dem schönsten Edelstein Kärntens, diesem See, in dessen Fluten sich der Triglaw widerspiegelt, der kroatische Götterberg! Nah ist die neue italienische Grenze, die gleichfalls quer durch altes deutsches Land gezogen wurde.
Die Flolrenparave vor dem Reichskanzler. Höhepunkt und Abschluß der Marinemanöver in Anwesenheit des Reichskanzlers und seiner Begleitung bildete in der Kieler Bucht die Flottenparade fast sämtlicher im Hafen von Kiel liegender deutscher Kriegsschiffe, von der unser Bild einen Ausschnitt wiedergibt.
Deutscher Parteryay hat tu Klagenfurt zuerst nichts wissen wollen von dem Besuch des reichsdeutschen Vereins für das Deutschtum im Ausland, und wieder einmal wurde ein Bild deutscher Zwietracht geschaffen, das aber erfreulicherweise doch sehr bald wieder zum Verschwinden gebracht werden konnte. Hat sich doch dieser große Verein selbst immer jegliche P a r t e i p o l i t i k unbedingt vom Leibe gehalten unb ist erst in jüngster Zeit darin auch von der neuen deutschen Regierung ausdrücklich unterstützt worden. Ebenso wie dieser Verein bei seiner umfangreichen Arbeit für das Deutschtum im Ausland „keine Parteien kennt, sondern nur Deutsche", hat er bei seiner Gründung schon den Ausschluß alles Parteipolitischen auf seine Fahnen geschrieben. Um so unverständlicher und unverantwortlicher war es, daß in Klagenfurt ein widerlicher Parteifanatismus diesem Verein Schwierigkeiten für seine Tagung machte. Und der Slawe es dicht vor den Toren Klangenfurts hohnlächelnd mit anhören durfte! Hoffentlich ist aber dieser Ungeist, den man aus Deutschland selbst hinausgejagt hat, auch recht bald überall dort getilgt, wo Deutsche sich tief und innig ihres Volkstums bewußt sind. Oder dessen bewußter werden!
Ist denn Oie Aufgabe, die zu erfüllen Zweck dieses Vereins und Ziel seiner Arbeit ist, heute nicht noch größer, noch schwieriger, noch umfangreicher geworden? Ein Blick über die Grenzen des gesamtdeutschen Volkes hinaus, dorthin, wo jenseits dieser Grenzen seit langen Jahren Millionen und aber Millionen einen unsagbar schweren Kampf um ihr deutsches Volkstum führen müssen, läßt jene Frage ohne weiteres bejahen. In der V e r t e i d i - g u n g nur stehen diese Millionen, und sie denken gar nicht daran, fremdes Volkstum zu attackieren. Aber, so äußerte der Reichsführer des Vereins kürzlich auf einer großen Tagung des Landesverbandes Brandenburg, es ist ein Unrecht, daß wir vom Frieden reden, solange der Kampf gegen das deutsche Volkstum jenseits der Grenzen fortgefübrt wird.
Gerade weil dort das Deutschtum nur einen Ver- teidiynngskamps führt, in dem es vom Verein für das Deutschtum im Ausland tatkräftig unterstützt wird, kann es zu einem Frieden nur^ kommen, wenn die Gegen- feite, also die Angreifer die Hand zur Versöhnung bieten. Ist es denn für dies alles nicht drastisch bezeichnend, daß bei der Feier des polnischen Nationalfeiertages in den polnischen Minderheitenschulen an unserer Ostgrenze ohne jede Störung oder gar Strafverfolgung Hochs auf den Marschall P i l s u d f k i ansgebracht werden konnten, die polnische Nationalhymne gesungen werden, durfte, während man drüben in Polen ein paar Teutsche für ein halbes Jahr ins Gefängnis warf, weil sie ein Hoch auf Hitler und das Anstimmen des Deutschland-Liedes „verbrochen" hatten!
Mit Haß, Mißtrauen und Verleumdung verfolgt das Ausland die Arbeit dieses Vereins ebenso wie überhaupt die Hilfe, die das deutsche Volk und seine Regierung den Volksgenossen jenseits unserer Grenzen leistet oder gern leisten möchte. Und doch — das muß immer wieder hervorgehoben werden — handelt es sich für uns im „R e i ch" doch nur um H i l f s st e l l u n g in einem Verteidigungskampf. Das hat gerade der deutsche Reichskanzler in seiner großen „F ri e d e n s r e d e" am 17. Mai wiederholt und ganz unzweideutig herausgearbeitet, und es wurde jetzt auf der Berliner Gautagung des VDA. Wiederum durch den preußischen Kultusminister Rust ausdrücklich noch mit den Worten hervorgehoben: „Völkisches Denken bedeutet nur Selbstschutz und nicht Angriff; dem völkischen Denken widerspricht die Eroberung und Vergewaltigung fremden Volkstums, da es weiß, daß dessen Eindeutschung nicht möglich ist."
Und wenn von diesem deutschen Standpunkt aus die Hochachtung des fremden Volkstums sich ergeben muß, dann dürfen auch wir Deutsche verlangen, daß dem deutschen Volkstum dort, wo man es gewaltsam von uns abgerissen hat oder ebenso gewaltsam von der Vereinigung mit uns fernhült, zum mindesten das Recht der Selbst- b e st i m m u n g in Sprache und Kultur endlich einmal gewährt wird. Durch den Verteidigungskampf des Deutschtums draußen und die Unterstützung des Reichs hierin sollen, wie es der preußische Kultusminister wünscht, die anderen Völker endlich begreifen lernen, „daß es in der Welt nie eine sauberere und reinerere Atmosphäre geben würde als die der gegenseitigen Hochachtung des Volkstums".
Friedrich von Sodelschwinah
M «eiKshischos ausersehen.
Als Reichsbischof der neuen „Deutschen Evangelischen Kirche" ist, wie von zuständiger Seite bekannt wird, Pastor D. Friedrich von Bodelschwingh in Bethel bei Bielefeld von kirchlicher Seite auscrsehcn.
Dr. Friedrich von Bodelschwingh, der im Alter von 55 Jahren steht, ist der jüngste Sohn des Begründers der weltberühmten B e t h e l e r A n st a l t e n. Nach Beendigung seiner theologischen Studien trat er, ebenso wie seine beiden Brüder, in das Werk des Vaters ein. Seit dem Jahre 1910 hat er die Leitung der Betheler Anstalten in Händen, die er trotz aller Schwierigkeiten zu- sammengehatten und nach allen Seiten hin a u s g e - baut hat. Auf dem Gebiete des Schulwesens, der Volksbildung, des Freiwilligen Arbeits- d i e n st e s , der Umschulung jugendlicher Erwerbsloser zur Siedlung hat er, immer in lebendigster Beziehung zum Volkstum, neue Wege beschritten. Was ihn dazu befähigte, war eine staunenswerte Arbeitskraft und zähe Energie. Vor allem aber ist ihm eine warme Herzlichkeit, eine zarte Einfühlung in Menschen und eine vom Vater überkommene seelsorgerische Liebe und 5t rast eigen. Wo er auch immer hinkommt und in seiner einfachen, tiefen und herzgewinnenden Art redet, gelingt es ihm, die Menschen zu erfassen, zu erwärmen und für die Sache des Evangeliums tat - und opferbereit zu machen.
Schlageters Heldentod.
Am 25. Mai 1923 schrie der französische Ministerprä- s!°m P o i n c a r é , einer der größten Deutschenhasser, im Verlauf der Sitzung des französischen Parlaments in den Saal: „Man wagt mir Schlappheit gegen Deutschland vorzuwerfen? In einer Stunde, in der ich den Befehl zur Erschießung Schlageters nach Düsseldorf erteilt habe?"
Seit dem 11. Januar schon standen die Franzosen mit 60000 Mann im Rhein- und Ruhrgebiet, mitten im Frieden, unter rücksichtslosem Bruch aller völkerrechtlichen Bestimmungen. Weiße und schwarze Franzosen hausten im deutschen Land kaum weniger schlimm als die Heere jenes Ludwig, die sich in der heute noch stehenden Ruine des Heidelberger Schlosses ein ewiges Denkmal für französischen Sadismus und französischen Hatz errichteten, -ras besetzte Gebiet stöhnte unter den Schikanen und dem viehischen Terror, dem die wehrlose Bevölkerung gegenüber einer entmenschten Soldateska und ihrer Offi- zrere ausgesetzt war. Während der Bes^tzungszeit erlagen Deal s ch e Den Kotierungen durch weiße und ichwarze Franzosen; 150000 Deutsche wurden recht- und 'wehrlos aus ihrem Eigentum vertrieben und ins nu- besetzte Deutschland gejagt. Das Eigentum alter Deutschen "Mwum besetzten Gebiet, das Eigentum des Reiches und des Staates galt Den französischen Eindringlingen als willkommene Beute. Man raubte die deutschen Gelder aus den Banken, mit denen die Unternehmer ihre An- gestellten bejahten wollten, man raubte Möbel und Ma-
jagte die Kinder aus den Schulen und machte Wetten für die Franzosen daraus, man raubte das "Ünbahnmaterial, die Kohlen von den Halden, ja sogar dem Schacht.
, Schlage ter sah die schwergerüstete Übermacht der N^stschen Eindringlinge, aber er sah auch die einzige Möglichkeit der aktiven Ab W e h r. Es galt, den Zubern den Raub zu erschweren, ohne Rücksicht auf das lgene Leben. Da flogen plötzlich bald hier, bald dort im Gebiet E i s e n b a h u s ch i e n e n i n d i e L u f t, Tagen die französische Plünderbeute aus dem cu ^obiei nach Westen abrollte. Die Eiicnbahn- waren streng betvacht. Aber Schlageter mißachtete cr hatte einen ganzen Weltkrieg hinter sich, . e ui Flandern, bei Arras an der Somme, bei Verdun, hell-.» Champagne gekämpft, er hatte Riga mit erobern niirt ^schließlich nach dem Kriege auch noch das pol- be i beim Annaberg aus Schle- 1hmausgejagt.
Jetzt lebt er fast nur nachts. Seine Sprengungen lassen die französischen Besatzungsbehörden nicht zur Ruhe kommen.
Schließlich, am 7. April, wird er verhaftet, am 9. Mai zum Tode verurteilt und am 18. Mai die Revision seiner Verteidiger verworfen. Das französische Kriegsgericht gibt sich nicht einmal Mühe, wenigstens zu verschleiern, daß das Urteil schon lange vor der Verhandlung geschrieben und unterzeichnet worden ist. Es geht nach Paris, kommt bestätigt zurück. „JchpslegenichtumGnadezubitten",
Eine Porträtaufnahme Schlageters aus seinem Todesjahr 1923.
antwortet Schlageter seinem Verteidiger, der ihn zu einem Gnadengesuch veranlassen will.
Am 26. Mai, morgens 3.10 Uhr, wird Schlageter in seiner Zelle von acht französischen Soldaten aus tiefem Schlaf gerissen. Sie leuchten ihm mit einer Kerze ins Gesicht und teilen ihm, kaum daß er zu sich gekommen ist, kurz mit, daß erineinerStunde erschossen wird.
Schlageter erhebt sich, vollkommen gefaßt. Er hat acht Jahre lang für sein Vaterland gekämpft. Sein Gewissen ist rein und ruhig. Der Geistliche tritt zu ihm, um mit ihm zu beten. An den. Wänden stehen die französischen Soldaten, starren ihn an, der ihnen nun nicht mehr entrinnen kann. „Ich werde in ihrer Gegenwart nicht mit meinem Gott sprechen!" erklärt Scklaaeter dem fran
zösischen Leutnant. Der bekommt nun doch einen roten Kopf unb schickt seine Leute hinaus.
Dann führen sie ihn aus der Stadt, in die Golzheimer Heide, die von Infanterie und Kavallerie in weitem Kreis abgesperrt ist. An einer Grube ist ein Pfahl eingerammt. Schlageter wird herangeführt. Seine Hände Jinb auf den Rücken gefesselt. Mit überstürzter Hast verliest' der Exekutionsoffizier noch einmal das Urteil. Dann befiehlt ein Unteroffizier dem Verurteilten, niederzuknien. Schlageter bleibt stehen. Da schlägt ihm der Franzose mit aller Kraft den Gewehrkolben in die Kniekehlen, so daß er in die Knie bricht. Er versucht zwar, sofort wieder aufzustehen; aber schon sind seine gefesselten Hände so tief an dem Pfahl festgebunden, daß er sich nicht mehr erheben kann. Gleichzeitig hat man ihm die Augen verbunden.
Mit aller Kraft stemmt sich Schlageter in den Knieen auf, versucht, sich so weit zu erheben, wie es die Fesselung nur irgend zuläßt. Der französische Exekutionsoffizier gibt einen Befehl, die Kompanie präsentiert, dumpfer Trommelwirbel erdröhnt, das Erckutionskommando legt an.
Ein Schrei Schlageters: „M ein Deutschland !"
Die Salve peitscht durch den trüben Morgen, die Geschosse schlagen in den Körper, Schlageter finh vornüber, sterbend, aber noch nicht tot. Ein französischer Offizier tritt an ihn heran und j a g t i h m e i n e K u g e l i n d e n K o p f.
Wo er dainals verscharrt wurde, zur Schande Frankreichs, zur Ehre Deutschlands, erhebt sich heute das riesige Kreuz, das ein wieber nationalstolz und dankbar ge- wordestes Volk seinem Märtyrer errichtete.
Des Helden Erbe.
(Zum 10. Todestag Schlageters am 26. Mai 1933.)
Ohnmächtig lag das Volk. Des Feindes Knute Peitscht' höhnend auf das wundgetret'ne Land.
Die Gier, die Feigheit fraß das Reine, Gute, Bis aus dem Leid das Heldentum erstand.
Schlageters Geist zersprengt die Sklavenketten. Sein Heldentum lag jenseits aller Qual.
Und über Kerkermauern, Bajonetten Erstrahlt der Freiheit leuchtendes Fanal.
Deül Opfer blüht als leuchtend reine Blume An deutscher Taten lichtem Ruhmeskranz Und zeigt den Weg zu wahrein Heldentume: „Sei, ivas dn willst. Doch, ivas du bist, sei ganz!"
Rudolf W i 8 a n u.