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Ansprüche. Verlag: Christian Seipel, Fulda.
Druck: Friedrich Ehrenklau, Lauterbach i. H.
Nr. 119 — 1933
Fulda, Dienstag, 23. Mai
10. Jahrgang
Ein neuer Vier-Mächte-Pakt.
Wandlung in Genf?
Erfolgreiche Nomreise Görings.
Nachdem die letzte Botschaft des amerikanischen Präsidenten Roosevelt und in noch weit höherem Maße die große außenpolitische Erklärung des Reichskanzlers Hitler in der Frage der Abrüstung eine neue Lage geschaffen hatte, war u. a. auch der Boden für die eingehenden Besprechungen des Reichsministers und preu- hischcn Ministerpräsidenten Göring bei seinem kurzen Besuch in Rom mit Mussolini vorbereitet. Diese Be- sprcchnngen zwischen den beiden Staatsmännern haben die Verhandlungen über das Gesamtproblem der Ab- Gung, der deutschen Gleichberechtigung und des Vsssolini-Paktes sehr gefördert. Nachdem Mussolini am èonnabcnd den französischen und den englischen Botschafter in längeren Unterredungen empfangen hatte, waren für den Montagabend alle Botschafter der an dem Biermächtepakt interessierten Staaten in das italienische Außenministerium gebeten worden.
Unterdessen sind bereits der englische Außenminister Simon, der französische Außenminister Paul- B o n c o u r und der Kabinettsches Mussolinis, Baron Aloisi, in Genf eingetrossen, so daß man bei einer nur halbwegs vernünftigen Haltung Frankreichs damit rechnen kann, daß die Abrüstungsverhandlungen nun endlich merklich vorwärtsgetrieben werden, und die Abrüstungs- konserenz ihren bisher unberechtigten Namen nun vielleicht doch noch zu Recht führen kann.
Wie immer in solchen Fällen, wenn in Cens einmal greifbare Handlungen zugunsten der Schaffung eines wirklichen Völkerfriedens an die Stelle verschleppenden Geschwätzes treten soll, versucht die französische Regierung, die sich durch die beiden großen Kundgebungen des deutschen Reichskanzlers und des amerikanischen Präsidenten
in die Enge getrieben und zu einer Entscheidung gedrängt
des
Rahmen
Ter Zweck dieser
ihlt, diese Entscheidung möglichst für Frantreich abzu- tildern. In diesem Sinne ließ sie u. a. die Meldung ver- drenèn, der ursprüngliche Plan Mussolinis sei in wesentlichen Teilen abgeändert und vor allem die Sonderfrage Über die Revision der Verträge habe den ganz in Frankreichs Sinn liegenden Entscheid bekommen, daß eine Revision grundsätzlich „nur i m Rahmen des Völkerbundes" erfolgen dürfe.
französischen Auslegung ist natürlich, eine solche Revision überhaupt zu vermeiden, da nach den Satzungen des Völkerbundes für eine Änderung des Versailler Diktats Einstimmigkeit erforderlich ist. Diese Einstimmigkeit glaubt Frankreich mit Hilfe der ihm ergebenen Staaten- struppe jederzeit verhindern zu sönnen. Frankreich überfielst dabei geflissentlich, daß selbst das Versailler Diktat in dem bekannten Artikel 19 eine
den Satzungen des
Revision unerfüllbar gewordener Verträge vorsieht.
Als eine Demonstration gegen die nunmehr für Frankreich drohende Einigung auf einen geänderten Mussolini-Pakt muß man es auch werten, wenn die fran- We Regierung nach Pariser Meldungen gerade ht die grundsätzliche Zustimmung zu dem — eng- liiche n Abrüstungsplan in einem Kabinettsrat beschossen hat, und zwar unter den Voraussetzungen, einer internationalen A brüstungskontrolle und einer ttap p e n w e i s e n Durchführung der Abrüstung, wobei Frankreich selbstverständlich die Festlegung von Terminen itstdj wir vor sabotieren würde. Ein französisches G c g e n- Manöver gegen die sich anbahnende Einigung ist es mich, wenn die französische Regierung in dem berüchtigten Hetzblatt „Echo de Paris" eine Polemik
gegen den Beginn der Wcltwirtschaftskvnfcrenz am 12. Juli
schreiben läßt mit der plumpen Begründung, bis^dahin °nne man unmöglich die jetzigen entscheidenden Fragen tosen und man könne nicht mit dem Hinweis aus den nahe bevorstehenden 12. Juli nun von Frankreich den ^midjt auf seine militärische Vorherrschaft und die Zustimmung zu einer Vertragsrevision verlangen.
Immerhin darf man annehmen, daß die Welt der volljährigen Verschleppung der auch für die ^citwirtschaft mit entscheidenden Frage der Abrüstung uünmehr soweit überdrüssig ist, daß nach der Erklärung
amerikanischen Sonderbotschafters Norman ^avis und der außenpolitischen Rede des italienischen Ministerpräsidenten Mussolini selbst das Genfer vabotageinstitut sich nun endlich zu praktischer Arbeit gezwungen sieht.
Ansätze zur Seruuust in Genf? Französische F ä l s ch u n g s a n t r ä g e. ti b e r
d l c deutsche Polizei a b g e l e h n t.
Im Cffektivausschuß der „Abrüstungskonferenz" bps d" französische Antrag auf Feststellung wo. "arischen Charakters der deutschen Hilfspol,zec tert ^«»Hfl bei der Festsetzung der deutschen Effcktiv-
Wit acht gegen sechs Stimmen a b g eteh n t.
Ai-â^r Antrag sah die Feststellung vor, daß die deutsche ^'W^i aIé eine „bewaffnete, militärisch ausgebildete aui w '"nierte Organisation" anzusehen fei und daher den s^ H^resstärke mit angerechnet werden müsse. Für nanzosischen Antrag stimmte die Gesamte französische
Staatengruppe, dagegen außer Deutschland England, die Vereinigten Staaten. Italien, Schweden, Ungarn, Holland und diesmal auch Österreich, das bei den beiden letzten Abstimmungen über die Anrechnung der deutschen Polizei bekanntlich dem Reich die Unterstützung versagt hatte.
Ein weiterer französischer Antrag, die deutsche B a h n p o l i z e t als eine militärische Organisation zu erklären und gleichfalls in Anrechnung zu bringen, wurde ebenfalls mit großer Mehrheit abgelehnt. Trotz dieser doppelten Niederlage brachte der französische Vertreter Oberst Lucien einen Antrag ein, im Hauptausschuß der Abrüstungskonferenz von neuem in eine Prüfung des militärischen Wertes der deutschen Hilss- und Bahnpolizei einzutreten.
*
Amerikas Stellungnahme zur Abrüstungs- und SicherheitSstage.
Große politische Erklärung des Sonder- veaustragten Norman Davis in Gens.
Im Hauptausschutz der Abrüstungskonferenz gab der amerikanische Sonderbotschafter Norman Davis die mit größter Spannung erwartete Erklärung der amerikanischen Regierung über ihre endgültige Stellungnahme zum Abrüstungs- und SicherheitS- prvblem bekannt. Folgende Punkte hob Davi- zu Beginn seiner Rede hervor:
Die amerikanische Regierung sei bereit, auf dem Abrüstungsgebiet s» weit zu gehen wie irgendein anderer Staat. Das Endziel müsse die Herabsetzung der Rüstungen „ungefähr" auf das in den Friedens- verträgen festgesetzte Maß sein, d. h. Herabsetzung der Rüstungen durch fortschreitende Etappen so schnell wie möglich bis zu dem Niveau der für innere Polizeizwecke notwendigen Truppen.
Die amerikanische Regierung sei als Beitrag zur Organisation des Friedens bereit, in rinem Konflikt- fall mit den übrigen Mächten in Beratungen darüber einzutreien, ob der Friede bedroht ist. Falls die übrigen Nationen nach eingehenden Beratungen be- schließ.-«, daß ein Staat den Frieden durch Bruch der internationalen Vernpflichtungen gefährdet hat und falls sodann eine Übereinstimmung zwischen den übrigen Mächten über den als schuldigen und verantwortlichen Angreifer erfolgt, verpflichte sich die amerikanische Regierung, sich jeder Handlung zu enthalten, die das gemeinsame Vorgehen der übrigen Mächte zur Wiederherstellung des Friedens gefährden könnte.
Die amerikanische Regierung erkläre sich bereit zu einer gemeinsamen automatischen ständigen K o n - »r • 11 e der Rüstungen, durch einen ständigen Abrüstungsausschuß.
Das endgültige Ziel müsse nach Auffassung der amerikanischen Regierung die vollständige Durchführung der Abrüstung in Etappen sein, jedoch müsse der entscheidende erste Schritt sofort ergriffen werden.
Norman Davis führte dann in seiner Erklärung, die sich immer wieder unmittelbar auf Deutschland bezog it. a. noch folgendes aus:
Die Abrüstungskonferenz hat jetzt den Augenblick endgültiger Entscheidungen erreichte Das Ende der Konferenz ist jetzt in Aussicht. Sämtliche Nationen der Welt müssen jetzt zeigen, ob sie die A b - sicht haben, die fortschreitende Abrüstung herbeizuführen oder zu dem V o r k r i e g s s y st e in der unbegrenzten Rüstungen, des internationalen Verachte und der Furcht zurückzukehren.
Durch die Friedensverträge wurden dir Rüstungen Deutschlands und der mit Deutschland verbündeten Staaten herabgesetzt, um die Bürgschaft zu schaffen, daß die Armen Deutschlands und seiner Verbündeten in Zukunft innerhalb der eigenen Grenzer blieben. Es wäre jedoch weder gerecht noch weise, noch war es ursprünglich vorgesehen, daß die mitteleuropäischen Staaten für immer aus dem Rüstungsgebiet unter einem besonderen Regime verblieben. Es war stets eine Pflicht der übriger Unterzeichnermächte der Friedensverträge, ihre Rüstungen in Etappen auf ein mit den V e r t e i d i g u n g s - bedürfnissen zu vereinbarendes Mindestmaß herab z n s e tz e n.
Sämtliche Mächte der Welt müssen jetzt das von ihnen 1919 übernommene Abrüstungssystem durchführen, oder die Welt muß jetzt offen zugeben, daß nunmehr das Wettrüsten wieder einsetze. Dann würde jedoch die Entwicklung einem neuen Weltkrieg zutreiben.
Norman Davis sagte sodann mit großem Nachdruck, daß gegenwärtig der Abrüstung z w e i H a u p t h i n d ernt s s c entgegenständen: 1. die Furcht, daß Deutschland die Absicht habe, wieder aufzurüsten; 2. die Weigerung der schwergcrüsteten europäischen Staaten, in der gegenwärtigen Weltlage einen wahrhaften Schritt in der Richtung der Abrüstung zu tun.
Mit erhobener Stimme rief Norman Davis sodann aus: Wenn jedoch im gegenwärtig entscheidenden Augenblick ein Staat es ablehnt, konkrete Beweise für seine friedlichen Absichten zu geben, und auf seinem Recht zum Wiederaufrüsten besteht, selbst wenn andere
Mächte bedeutungsvolle und wirksame Abrüstungsmaß- nahmen ergreifen, dann wird der größte Teil der Verantwortung für den erfolglosen Ausgang der Konferenz mit den sich daraus ergebenden unübersehbaren Folgen dieser Nation zur Last fallen.
Wir erkennen das legitime Recht jedes Staates auf Aufrechterhaltung seiner Sicherheit an, jedoch sind wir tief davon durchdrungen, daß auf die Dauer eine Sicherheit besser durch eine kontrollierte A b - rüstung gesichert werden kann, die durch fortgesetzte, in Etappen durchgeführte Senkung der Rüstungen der fchwergerü steten Staaten auf das in den Friedensverträgen vorgesehene Maß zu erreichen ist. Die kürzliche
Rede des deutschen Reichskanzlers
ist dadurch, daß Deutschland gleichzeitig die Botschaft des Präsidenten Roosevelt angenommen hat sehr nutzbringend gewesen. Diese Rede sowie die Erklärung des Botschafters Nadolny über den englischen Ab- kommensentwurs als Grundlage des künftigen Abrüstungsabkommens hat die Lage so geändert, daß wir nun von neuem den Plan mit der Hoffnung durchberaten können, zu einem Ergebnis zu gelangen.
*
Englands plan als Grundlage
des tuntiigen Äbrustungsaakommens.
Ein Schreiben Nadolnys an Henderson.
Zu Beginn der Sitzung des Hauptausschusses der Abrüstungskonferenz gab Präsident Henderson Kenntnis von einem Schreibcn des Botschafters Nadolny an das Präsidium der Abrüstungskonferenz.
In dem Schreiben beisst es, daß die deutsche Abordnung unter Bezugnahme auf die Reichstagserklärung des Reichskanzlers Hitler über die Stellungnahme Deutschlands zum englischen Plan nunmehr ihren Antrag zum Artikel 2 des englischen Abkommensentwurses zurückziehe, in dem Deutschland vorgeschlagen batte, die Frage der Vereinheitlichung der kontinental- europäischen Heeressysteme dem künftigen Ständige» Abrüstungsausschuß zu überweisen.
Die Zurückziehung des deutschen Abänderungsantrages zu der HeereSfrage ist durch die neue St el - lungnahme der Reichöregierung zum englischen Ab- rüstungsplan bedingt, da nunmehr der englische Plan nicht mehr nur als Verhandlungsgrundlage, sondern auch als Grundlage des künftigen Abrüstungsabkommens angenommen worden ist. Infolgedessen hat die deutsche Abordnung ihren bisherigen Standpunkt zu dieser Frage aufgegeben und sich nunmehr grundsätzlich bereit erklärt, an eine Regelung der Heeresfrage auf Grund des englischen Ab- rüstungsplanes heranzutrete«.
S
M und wider den Mffolini-Plan.
„Die Rede Hitlers hat eine neue Lage geschaffen; diese neue Lage soll nach dem Wunsche der deutschen Regierung im Sinne derBotschaftRoosevelts und im Sinne des Vier-Mächte-Pakts Mussolinis unverzüglich weiter« nsgebautwerden", hatte der Reichsminister Göring geäußert, als er in Rom nach der Ursache seines überraschend stattgefundenen Besuches und nach dem Inhalt der Verhandlungen mit Mussolini gefragt wurde. Mit der Antwort, die er darauf gab, ist angedeutet — und die Besprechungen des italienischen Ministerpräsidenten mit dem englischen und dem französischen Botschafter in Rom dürften nach derselben Richtung Hinweisen —, daß der bekannte Vorschlag des Vier- Mächte-Pakts, den Mussolini schon vor Monaten gemacht hatte, als auf der Genfer Abrüstnngs- konferenz der Karren wieder einmal festgefahren war, nun aus der Versenkung hervorgeholt wurde und ernstlich zur Verhandlung gestellt werden soll.
Bekanntlich ist dieser Vorschlag Mussolinis, der grundsätzlich von Deutschland und damals auch von England angenommen wurde, durch die französische Sabotage immer stärker in den Hintergrund gedrückt worden. Der eigentliche Grund dabei war, daß der Vorschlag sich prinzipiell auf den Standpunkt stellte, dem Revisionsbegehren namentlich Deutschlands hinsichtlich der Grenzziehungen des Versailler Vertrages müsse stattgegeben werden, aber natürlich ebenso grundsätzlich nur auf dem Wege, der im Völkerbundpakt hierfür gewiesen wird. Jene Akächtegruppierung in Europa, die unbedingt und von vornherein überhaupt jede derartige Revisionsmöglichkeit ablehnt, also Frankreich und seine ost- bzw. südost-europäi- schen Trabanten, richtete nun aber offiziell den Angriff gegen den Muffolini-Vorschlag auf jenen Punkt, der eigent- uch der Kern des ganzen Planes war: Die vier Großmächte Italien. Deutschland, Frankreich
Kleine Jeituna für eilige Leser
* Der Kyffhättscrbnnd hat sich neuorganisiert und in die nationalsozialistische Bewegung eingegliedert.
* Die kommunalen Spitzcnvcrbände haben sich zum „Deutschen Gemeindetag" zusammengcschlosscn.
* Ter U n t e r r i ch t s m i n i st e r im österreichischen Kabinett Dollfuß, Dr. R i n t e l c n, hat seinen Rücktritt ankündigen lassen.
* In Gens wurden die französischen Anträge auf Anrechnung der Tcutsâ)en Hilfspoli,;ci für die Heeresstärke abgelehnt.