Zulöaer /lnZeiger
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Nr. 101 — 1933
Fulda, Dienstag, 2. Mai
10. Jahrgang
Es war wirklich das ganze Deutschland!
Jie Feiern in Stadt nnd Land.
Von diesem 1, Mai im erwachten Deutschland der nationalen Erhebung darf man in der Tat ohne Übertreibung sagen: das ganze Reich, von der Hauptstadt bis in das kleinste Dorf hinein, trug ein F e st - kleid, wie es in solcher Einheitlichkeit vielleicht seit dem Tage der Reichsgründung überhaupt noch nicht gesehen wurde. Stadt und Dorf, Behörden, Organisationen und alle Einwohner wetteiferten miteinander, den Tag so mHèg zu begeben, wie es der Sinn der nationalen EhMg der Arbeit verlangte. So war denn auch der ganze Mails des Tages überaus erhebend für alle Teilnehmer, das heißt also für das ganze deutsche Volk. Nirgends kam es, wie die bis zum späten Abend eingegangenen Berichte aus allen Teilen des Reiches meldeten, zu irgend- welchm Störungen oder Mißklängen.
Verschiedenartig wirkte sich der Tag in den Gegenden mit besonderem Gepräge aus. Begreiflich, daß beispiels wètse die große nationale Arbeitsfeierstunde Deutschlands gerade anseinen gefährdeten Ost grenzen besonders eindringlich empfunden und dementsprechend begangen wurde. Die ungeheure Wucht der netionalpolitischen Kundgebung dürfte ihren Eindruck wohl auch bei den östlichen Grenznachbarn nicht verfehlt haben. Ferner hatten naturgemäß die Hafenstädte ihre eigene Note: überall hatten sowohl in den Binnen- wiein den Seehäfen dteSchiffeüberdieToppen geflaggt.
Mit einer Begeisterung, die an diesem nationalen Feiertag natürlich besonders stark war, wurde auch überall der große DeutschlandslugdesLustschisfes „Graf Zeppelin" begrüßt, dessen Flugroute so gelegt worden war, daß möglichst viele deutsche Orte das Lust- Mf hatten sehen können.
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Ser MMnelMsmarsch in der ReiHshauptfiadt.
Von unserer Berliner CB. - Vertretung.
Tian muß es vorweg sagen: Berlin, die Reichshaupt- siadt, hat am 1. Mai ihre größte Kundgebung erlebt. Das will in der Viermillionenstadt, die schon so manchen Massenaufmarsch gesehen hat, etwas bedeuten! Ja, man kann ohne Übertreibung sagen, daß diese Kundgebung überhaupt eine der größten war, die je zu - st a n d c g e k o m m e n i st. Rund eine Million Menschen sind in Marschkolonnen formiert nach dem berühmten Paradefeld des kaiserlichen Berliri, nach den» Tempelhofer Feld, gezogen und rnehr als eine weitere Million Menschen Wn sich zu der Riesenkundgebung als Zuschauer ein- üesundrn.
Das Ganze war, vom organisatorischen Standpunkt aus gesehen, eine Leistung allerer steu Ranges, und der Ruhm, diese Leistung glücklich vollbracht zu haben, gebührt dem Propagandaministerium mit seinem Minister ® o e 6 b ei § an der Spitze. Der Ruhm gebührt aber auch E denen, die sich willig und unter Opfern in den Dienst der Zache gestellt haben und seit 14 Tagen unermüdlich w die Vorbereitungen tätig waren.
Aber es war nicht nur eine organisatorische Leistung, was an diesem Tag zu bewunden» war, stärker noch, viel, starker War der Eindruck der Anteilnah »ne, den die Millionenstadt selbst an diesem 1. Mai des "auonalen Deutschland freudig zeigte. Die Straßen trugen W nur Flaggenschmuck, Hakenkreuz und Schwarz-Wciß- Zahlreiche Häuser sowie die meisten Geschäfte hatten ach mit frischem Grün geschmückt und in vielen Fenstern man das Bild des Kanzlers Adolf Hitler. Gl den großen Durchzugsstraßen und an großen Kreu- ^mgspuukten waren riesige Transparente über die Grapen gespannt mit Sinnsprüchen auf den Tag der »aüonalen Arbeit.
M ^ kW* ein M i t g e hen dieser Millionen von
• ""t dem nationalen Sinn dieser Feier, wie es i ’Unt Mensch in diesem Ausmaße vorgestellt hat. Und Mitgchen, diese
Bereitwilligkeit der Millionenstadt
^ nationalen Arbeit, ben das neue Deutschland l-.undct hat, mitzufeiern, das ist der a l l e r st ä r k st e dr? k^ Propagandaministerimns, aber nicht nur I^Wagandaministeriums- sondern der gesamten Analen Regierung.
'cher Tag ist zum Triumphtag des nationalen , Wiand geworden, z», einem Sicgestag der wirr” n 1 c 11 Revolution, der Hunderttausendc, von neuen Kämpfern für die nationale Sache
frühen Morgen waren die großer: Durch ^Erlins vor» Kolo n n e n erfüllt. Über sich Marschmusik. Vor den Betrieben sammelten den "st,Mittagsstunde die Belegschaften, um sich an vieren Plätzen zu großen Zügen zu for-
I grobn cv ~'ie2 ^lnzeluen Belegschaften der Betriebe trugen ober . Ientc' flankiert von den beiden Flaggen ’r ""f denei» man nicht nur die Rainen der ^es hi ^u^m auch Worte las, die auf den Sinn des
Alle Ware»» sich bewußt, daß an diesem Tage eine schwere Leistung von ihnen verlangt wurde. In den An weisttnger» der Betriebe hieß es, man solle sich mit Proviant für 15 Stunden versehen. Hunderttausendc mußten schon in den frühen Vormittagsstunde»» abmarschieren, um die vorgeschriebene»» Sammelplätze zur rechten Zeit zu erreichen. Dann begann
der stundenlange Marsch
der Kolonnen, von allen Himmelsrichtungen nach dem ge- meinsamen Zielpunkt: Den» Tempelhofer Feld!
Vielfach mußten die Kolonnen riesige Umwege machen, um sich allmählich in die großen Züge eingliedern zu sönnen. Neben den Abteilungen der Betriebszellen sah man die endlosen Reihen der marschierendeu S. -M. nnb die grauen Kolonnen des Stahlhelms, weiter die zahlreichen Sportvereine, die Berufsvereine, zahlreiche Vereinigungen anderer Art. Allen voran webten die beide»» Flagge»» Hakenkreuz nnb Schwarz-Weiß Rot, von allen Häusern grüßten diese Farben. Von Tausenden von Masten; es war ein unvergeßliches, farbenfrohes Bild für alle, die diesen Marsch mitgemacht haben.
Die erste Feier des Tages war
die große Jugendkundgebung
im Berliner Lustgarten. Es war vielleicht für viele das Ergreifendste des Tages, als fast hunderttausend Kinder die Arme sinn Grüß erhoben und dem greisen Feld^ marsch all und neben ihm dem Kanzler Adolf Hitler zujubelten nnb immer wieder zu jubelten. Für den greifen Reichspräsidenten dürfte diese Stunde, in der ihn die Zukunft grüßte/wohl die einbrurtVoUfte des Tages gewesen sein. Minister Dr. Goebbels deutete den Kindern den Sinn der Feier, und der Feldmarschall mahnte die Jugend in tief ergreifenden Worten, su bedenken, daß sie dereinst berufen ist, das Erbe der Väter su erhalten und zu beschützen.
Die Zurückmarschierenden, fröhlich singenden Krnder- kolonnen begegneten in den Anmarschstraßeu den Ko- lonnen der Erwachsenen. die der großen Feier zustrebten. Jubelnd klänge»» die Grüße hin und her.
Auf dem Tempelhofer Feld
hatten sich inzwischen schon Hunderttausendc von Menschen versammelt. Teils standen sie in ben Anmarschstraßen, teils lagerten sie schon auf dem grünen Rasen des Feldes. Die Polizei, unterstützt von Hilfspolizei, hatte eine riesige Arbeit auf sich zu nehmen, um den ungeheuren Strom von Menschen in die vorgeschriebenen Bahnen zu lenkèr» und allzu große Stockungen zu ver- meiben. Um die Mittagsstunden brausten die großen Flugzeuge heran, die Arbeitervretreter aus allen Gauen des Reiches nach der Reichshauptstadt brachten.
Die große Abendfeier.
Nils Mm Allsprsche an die Millionen.
Bevor der Reichskanzler seine große Ansprache hielt, sprach Reichspropagairdaministcr Dr. Goebbels die einleitende Worte, wobei èr u. a. ausfühite:
In- noch nie dagewesenen Millionen Demonstrationen hat sich am heutigen Tage die ganze deutsche Ratio»» zur Arbeit, zu ihrem Wert, 311 ihrem sittlichen Ethos und 31t ihrer nationalen Verbundenheit bekannt. Am heutige»» Abend findet sich über Klassen-, Standes- und Konfesstons- unterschiede hinweg das ganze deutsche Völk zusamlnen, um endgültig die Ideologie des Klassenkampfes zu zerschlage»»," um die neuen Idee»» der
Verbundenheit und der Volksgemeinschaft die Bahr» freikriegen. Leider fällt in ben schäumenden Becher der Freude
ein W e r m uts t r 0 p fe n :
(gestern verunglückten in Essen auf der Z e ch e S t r n n c s sieben brave Bergleute, die ausnahmslos Nationalfozia- listen waren. Zur gleiche»» Zeit wurden in Naumburg und in Kiel je ein SA.-Mann erschossen.
Diese neun Soldaten der Arbeit und der Kolitis fielen auf dem Felde der Ehre. Die ganze deutsche Nation erhebt sich in diesem feierlichen Augenblick und ehrt das Andenken dieser neun gefallenen Solbaten durch eine Minute ehrfurchtsvolles Schweigen. , .
Während der Ehrerimmute spielt die Kapelle
Hatt' einen Kameraden". ±
„Deutsche Männer und Frauen! Ihr habt den ^oten bic Ehre gegeben, die ihnen gebührt, und jetzt hat das Leben wieber sein Recht. Am heutigen Abend spricht der Kanzler, der Führer des jungen Deutschland, zum deutschen Volke. Adolf Hitler, unser Fahnenträger und Führer hat das Wort.
Darauf ergriff der Reichskanzler, von den sturmrschen HeilruscU begrüßt, das Wort.
Hiiler spricht.
„Deutsche Volksgenossen und Volks- g c u 0 s s i n n e n ! Der Mai ist gekommen! So heißt es im deutschen Lied, und viele Jahrhunderte war dieser Tag nicht nur der Tag des Einzuges des Frühlings in die Lande, es war auch der Tag der Fre»«de, der festlichen Stimmung und Gesinuna.
Gleich darauf erschien auch „Graf Zeppeli n“ und zog seine Schleifen über dem wogenden Menschenmeer.
Von 2 Uhr nachmittags ab war in einem großen Stadtgebiet rings um das Tempelhofer Feld herum jeglicher Fährverkehr gesperrt. Auch Radfahrer dursten den Sperrkreis nicht rnehr überfahren. Denn um diese Zeit erreichte der Hauptteil der anmarschierenoei» Betriebszellenkolonnen das Gebiet um das Tempelhofer Feld. Deshalb mußte alles für ben Einmarsch frei sein.
Und nun begann das gewaltige Schauspiel, das allen unvergeßlich bleiben wird: Von allen Seiten zogen
die marschierenden Kolonnen in das riesige Feld ein. Das Feld selbst war in zahlreiche Abschnitte eingeteilt und jeder Kolonnenführer wußte genau, wo der Standplatz für seine Kolonne war. Immer mehr verschwand der grüne Rasen und immer stärker fdwb sich das wogende Menschenmeer vor. Von hohen Türmen herab beobachteten Polizeioffiziere nnb die Organisationsleiter den Einmarsch und gaben durch Telephone die Befehle weiter, soweit es notwendig war. Flugzeuge freisten in der Höhe und meldeten den Beobachter»» auf dem Flugplatz, wie weit die einzelnen Kolonnen sich nun nach dein Felde vorschoben.. Die Ankommenden grüßte weithin sichtbar die kolossale l 2 M e t e r h o h e T r i b ü n e , die von 40 Meter hohen Fahnenmasten flankiert war. Ungeheure schtvarz- weiß-rote Fahnen rechts und links und Hakenkreuzfahnei» hingen von den Masten herab. Es war ein gewaltiger Aufbau, der die Blicke der Millione»» konzentrisch auf sich zog.
Für die Wartenden flogen die Stunden schnell dahin, den»» es gab genug ju sehen: Flieger zeigten ihre Künste auf dem nahen Flugfeld, aus riesigen Lautsprechern rauschten die Klänge der Marschweisen, es gab viel zil sehen und zu hören. Bald war die Dämrnerung heran- gerommen und damit der Beginn der eigentlichen Feier.
Als der Tag zur Neige ging und die Sonne hinter ben Häusern verschwand, da gab cs für die wartenden Millèone»» Menschen eine neue große überraf^mtg: Tausende von elektrischen Lampen flammten plötzlich auf, aus Hunderten von S ch e i n w e r f e r n , darunter riesengroßen, ergoß sich eine Flut von Licht über das Ungeheure Feld, zauberhaft schär» leuchtete weithin die Tribüne, ihr gewaltiger Aufban und das Rot und Weiß der Fahne»» hob sich in seltsamem Glanz von den» Dunkel des Nacht- hirnmels ab.
Die Spannung wuchs immer rnehr, die Tribünen, auf denen sich neben der Regierung die Plätze der Diplomatie, der zahlreiche»» Ehrengäste befanden, füllte»» sich mehr und mehr. Endlich war der Anfang der Feier da.
Und bann kam eine Zeit, die diesen Tag für !»ch beanspruchte und den Tag des werdenden Lebens und der hoffnungsvollen Freude verwandelte in einen Tag der
Proklamation der Fehde und des inneren Kampfes.
Eine Lehre, die sich über unser Volk verbreitet hat, versuchte, den Tag der erwachende»» Natur, des sichtbare»» Frühlingseinzuges zu verwandeln in einen Tag des Hasse s, des Neides, des Brud e rka m p fes und Brudermordes. Jahrzehnte sind über die deutschen Lande gegangen, dieser Tag schien immer mehr zu werden ein Monument der Trennung, ein Denkmal der Zerrissenheit. Und dann fam wieder
eine Zeit der Besinnung,
nachdem das tiefste Leid unser Volk geschlagen hatte, eine Zeit des Jnsichkehrens und damit eine Zeir des. »reuen Z il s a r»i rn e n f i n d e n s d e r d c il t s ch e n M e n s ch e n.
Und heute können wir mit dem alten Liede wieder fingen:
„Der Mai ist gesommert", unseres Volkes Erwachen ist nun gekommen. (Begeisterte Zurufe der Massen.)
Das Sylnbol des Klasienkantpfsss, des ewigen Streites nnb Haders, es wird sich wieder verwandel,» zmn Symbol ber Erhebung, der großen Einigung unseres Volkes.
Und deshalb haben wir diese,» Tag der erwachender» Natur gewählt, für alle kommenden Zeiten als Tag der Wiedergewinnung der Kraft und Stärke unseres Volkes. Der Tag ist damit zugleich
ber Tag der schaffenden Arbeit,
die keine engen Grenzen kennt, die nicht gebunben ist an die Werkstatt, an. die Fabrik, ans Kontor, ans Büro ober an das .Amt, eine Arbeit, die Wir überall dort anerkennen wollen, wo sie in gutem Sinne für Sein und Lebei» unseres Volkes wirkt.
, Das deutsche Volk hat eine schwere Not hinter sich. Nicht aber, als ob unser Volk nicht mehr arbeiten wollte: Millionen von Menschen sind iy Deutschland tätig wie früher, Millionen von Bayern gehen hinter dem Pflug, Milliorren von Arbeiter stehen an ber Drehbank und am Amboß, Millionen sind tätig — und Millionen andere, sie Wollen tätig sein. Sie können es nicht. Alles scheint vergeblich zu sein. Not nnb Elend und Jammer und Verzagtheit kamen über das deutsche Volk. Zehutausende fiu- den leicht ben Weg zum bittersten Entschluß des Lebens.