Zulöaer Anzeiger
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Nr. 76 — 1933
Fulda, Donnerstag, 30. März
10. Jahrgang
der Reichzkanzler zur Kbwehraklion
Hitler über die Voykottmaßnahmen.
Reichskanzler Hitler sprach in der am Mittwoch ab- zchaltenen Sitzung des Reichskabinetts über die Abwehr- Mnahmen gegen die jüdische Greuelpropaganda im Auslande. Er betonte, daß diese Abwehr organisiert merocn mußte, weil die Abwehr aus dem Volke heraus von selbst gekommen wäre und sonst unerwünschte Formen angenommen hätte. Durch die Organisierung der Abwehr bchalte man die ganze Aktion in der Hand, und es würde verhindert werden, daß es zu Belästigungen persönlicher Art und zu Gewalttätigkeiten komme. Das Judentum müsse aber erkennen, daß ein jüdischer Krieg gegen Deutschland das Judentun, in Deutschland mit voller Schärfe s c l b st trifft.
Auch heute lägen wieder Telegramme vor aus Landon, wonach plakatierte Privat- und Lastsahrzcuge zum Boykott deutscher Waren aufforderten. Diese Wagen führen in großer Zahl durch die Straßen Londons, so daß daS ganze Vorgehen den Eindruck mache, daß es wohl- organisiert sei. Auch aus Newyork lägen heute wieder Meldungen vor, daß die Boykotthetze gegen Deutschland weitertobe und daß in Massenversammlungen und durch Radio gegen die amerikanischen Bürger deutscher Abstammung gehetzt werde.
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Die Abwehraktion hat begonnen.
Aus zahlreichen Orten des ganzen Reiches lause» Meldungen ein, aus denen hervorgeht, daß die Abwehr- aktion, deren Beginn offiziell auf Sonnabend vormittag 10 Uhr festgesetzt ist, jetztschonetngesctz» hat.
In zahlreichen Städten ist es zur Schließung der jüdischen Geschäfte gekommen, vielfach sind auch jüdische Rechtsanwälte und Richler in Schutzhaft genommen worden, do und dort auch jüdische Geschäftsleute. Besonders scharf ist das Vorgehen in den Städten des Industriegebietes und zum Teil auch in Schlesien. In M ü n st e r z. B. sind 48 jüdische Geschäfte geschlossen worden, jüdischen Hochschullehrern wurde das Betreten der Universität verboten. In Verbindung mit der Aktion stehen die Beurlaubungen von jüdischen Beamten in zahlreichen Verwaltungen, besonders der Städte. Auch in dem sehr stark jüdischen Frankfurt am Main sind zahlreiche Juden aus den Ämtern entfernt worden. Mehrere Stadtverwaltungen haben die Lieferverträge mit jüdischen Firmen gekündigt und haben an die städtischen Stellen Anweisungen gegeben, nur bei nationalen Firmen Einkäufe abzuschließen. Zu tätlichen Ausschrei- t u n g e n gegen Juden ist es bisher entsprechend der strengen Anweisung der Parteileitung der NSDAP, nirgends gekommen. Überall, wo es zu Geschäfts- jchließungen gekommen ist, hat die Polizei für Aufrechterhaltung der Ordnung gesorgt.
Der mit der Leitung des Zentralkomitees zur Abwehr der jüdischen Greuel- und Boykotthetze beauftragte Reichs-- iagsabgeordnete Julius Streicher hat die Arbeit auf- Mommen. Zum Stellvertreter berief er den Schriftleiter Nrl Holz in Nürnberg. Die Kanzlei des Zentral- Mitees befindet sich in München.
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M
it:
_ Wie sie gegen Deutschland Hetzen!
I « etta^énbilB am London, das einen Hetzredner während Ereuel- und Lügrnxroprgcknda . gegen Deutschland, zeig lhn herum stehen die Leichtgläubigen, die .bekanntlich nie- alle werden, und glauben ihm seine Lügen aufs Wort.
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Gegen die Greuelpropaganda
im Auslands.
Nannte Amerikaner zur Information nach Deutschland einstelabciL
° Die Hamburg-Amerika-Linie hat zur Abwehr der ständischen Greuelpropaganda u. a. auch den Präsenten der Deutsch-Amerikanischen Hauoelskammer in
Newyork, General Hermann A. Metz, in einem längeren Telegramm gebeten, sich im Interesse der deutsch-amerika Nischen Beziehungen gegen die unwahren Grcuelmeldun gen in amerikanischen Zeitungen zu wenden. Sie stellt in dem Telegramm auch ihrerseits fest, daß alle Nach richten über angebliche Pogrome in Deutschland reine Lügen seien.
Um weiteste Kreise in Amerika von der Unwahrhastig leit der gegen Deutschland gerichteten Propaganda zu überzeugen und der amerikanischen Lssentlichkeii ein Bild von der tatsächlichen Lage in Deutschland, die durch vollkommene Ruhe und Ordnung gekennzeichnet sei, zu vermitteln, sei die Hamburg Amerika-Linie bereit, einige prominente amerikanische Bürger zu einer Jnformations rcisk nach Deutschland cinzuladen.
Der Leiter ^v 'rwwenr-nmnons otr NSDAP.
Der nationalsozialistische Reichstagsabgeordnete Streicher- Nürnberg ist zum Vorsitzenden des Zentralkomitees zur Abwehr der Greuelpropaganda und des Boykotts im Auslande ernannt worden.
Mische Ausschreitungen in London gegen Deutsche.
Zu einer ernsten Ausschreitung von englischen Juden gegen einen deutschen Reichsangehörigen kam es in einer der Speiseanstalten in der Nähe des Piccadilly-Zirkusses in London. Der Deutsche war in ein Gespräch mit einem Tischnachbarn verwickelt worden und wurde, nach-
Hinter der nationalen Negierung
Einzelhandel unter nationalsozialistische! Führung.
Zwischen der Hauptgemeinschaft be8 Deut scheu Einzelhandels und der Neichsleitung des Kampsbundes ves gewerblichen Mittelstandes der NSDAP, ist ein bindendes Abkommen zustandegekommen, wonach an die Stelle ves ersten Vorsitzenden der Hauptgemeinschaft ein der NSDAP, an gehörender führender Einzelhändler treten soll. Der Vorstand der Hauptgemcinschaft hat 51 Prozent bet Sitze des Vorstandes solchen Einzelhändlern eingeräumt die d e r NSDAP, a n g e h ö r e n und vom Kampsbunt genannt werden.
Die Hauptgemeinschaft vertritt vorwiegend den selbständigen Gemischt- und Facheinzelhandel aller Be triebsgrößen mit mehr als 80Prozent des gesamtenEinzel- handelsumsatzes. Von den etwa 670 000 Betrieben des Einzelhandels, die in ganz Deutschland vorhanden sind, gehören mehr als 400 000 Betriebe der Haüptgemetn- schaft an.
Der DeuisKe Sängerbund grüßt die nationale Reichsregierung.
Der DeutscheSängerbund veröffentlicht nach stehenden Grus; an das neue Deutsche Reich:
Unser Gruß gilt heute unserem zu neuem nationalen Leben geeinten deutschen Volke. Die Ereignisse vom 30. Januar, vom 5. und 21. bis 23. März 1933 sind dem Deutschen Sängerbund TagederErfüllung langen, heißen Sehnens geworden. „Das deutsche Volksbewußtsein zu stärken, die Gemeinschaft aller Volksschichten zu fördern und das Gefühl der Zusammengehörigkeit der deutschen Stämme zu kräftigen", waren die satzungsmäßigen Grund gedanken, die unseren Bund vor mehr als 70 Jahren als Wegbereiter für das einige Reich Bismarcks erstehen ließen. Im Streben nach diesen hohen Zielen sieht sich der Deutsche Sängerbund nunmehr wieder in gleicher Front mit einer starken n a t i o n a l e n Reichs- regieruna und darf ihr Helfer sein. Es soll das politische Wort die Geister überzeugen, das deutsche Lied die Herzen für das neue Deutschland werben.
dem man seine Nationalität erkannt hatte, von einer Horde Juden unter körperlicher Mißhandlung zum Lokal hinausgeworfen. Der Zeitungsverkäufer für die „Deutsche Allgemeine Zeitung" am Piccadilly-Zirkus rst fortgesetzt Anrempeleien der jüdischen Passanten ausgesetzt. Der Korrespondent einer führenden nationalen Nachrichtenkorrespondenz hat anonym? Zuschriften erhalten, in denen ihm jüdische Nachstellungen angedroht werden.
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Zeitungsverleger zu der Abwehraktion.
Der Verein deutscher Zeitungsverleger hat pch in einer Präsidiaisitzung mit den ©fahren der im Ausland betriebenen Greuelpropaganda gegen Deutschland eingehend beschäftigt. Er ist übereinstimmend mit der Reichsregierung der Auffassung, daß den Wirkungen dieser Hetze, die erneut eine moralische Ein- kreisung unseres Landes herbeizuführen droht, mit allen uns zur Verfügung stehenden Mitteln emgeqen- getreten werden muß. Mit der Reichsregierung ist der Verein deutscher Zeitungsverleger davon überzeugt. daß die E n t s ch l o s s e u h e i t des deutschen Volkes, eine neue Verfemung nicht wieder hinzunehmen, bereits aus- reichen wird, um diesen groß angelegten Versuch einer moralischen Isolierung und einer schweren politischen und wirtschaftlichen Schädigung unseres Vaterlands im Keime zu ersticken.
Englands Außenminister weist die Greuelmärchen zurück.
Im Londoner Unterhaus wurde die Frage gestellt, ob die englische Regierung irgendwelche Vorstellungen in Berlin bezüglich der Sicherheit der britischen Juden in Deutschland erhoben habe Außenminister Sir John Simon sagte, daß ihm von irgendwelchen tatsächlichen Fällen von Mißhandlungen britischer jüdischer Staatsangehöriger in Deutschland nichts bekannt sei. Trotzdem habe der Berliner englische Botschafter auf seine Anweisung vor etwa drei Wochen mit dem deutschen Außenminister über die Frage gesprochen Auch er, Sir John Simon, habe die Angelegenheit selber in der vergangenen Woche gegenüber dem Londoner deutschen Botschafter von Hoesch erwähnt. In beiden Fällen seien die Antworten beruhigender Natur gewesen.
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In einer Londoner Schule wurde der d e u t sche Unterricht von jüdischen Schülern durch große Protestkundgebungen unterbrochen. Die Schüler weigerten sich, weiterzuarbeiten, und veranstalteten Lärmszenen, so daß der Lehrer den Unterricht abbrechen mußte.
Erklärung des Deutschen Vuchdrucker- Iereins.
Der Geschäftsführende Ausschuß des Deutschen Buchdruckervereins hat einstimmig seiner Meinung dahin Ausdruck gegeben, daß cs Aufgabe der deutschen Buchdruckereibesitzer sei, die Ziele der nationalen Regierung mit allem Nachdruck zu unter- st ü Hen. Der Deutsche Buchdruckerverein begrüße im besonderen die Erklärung im Wirtschaftsprogramm der Reichsregierung, daß sie der Privatinitiative die stärkste Förderung zuteil werden lassen werde. Gemäß dem Programm der Reichsregierung erwarte der Deutsche Buchdruckerverein auch, daß die Reichsregierung die Druckerei betriebe der öffentlichen Hand endlich in weitestgehendem Umfange ihrer Auflösung ent gegenführe, um dadurch dem berufsständischen Gewerbe neue Arbeit zuzuführen und ihm neue Möglichkeiten zum Aufbau zu geben.
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DerLandkreistag für Die Reichsregierung
In einer Sitzung des Vorstandes des Landkreis rag es kam einmütig zum Ausdruck, daß der Landkreistag hinter der neuen Reichsregierung steht und sie bei dem nationalen lind wirtschaftlichen Miederausbau m i r a l l e n Kräften unterstützen wird. Der Vorstand ist der Auffassung, daß gerade die ländlichen kommunalen Verbände in Gegenwart und Zukunft besonders berufen sind, an dem nationalen Befrei ungs- werk in vorderster Linie mitzuarbeiten.
Kleine Zeitung für eilige Leser
* Reichskanzler Hitler sprach im Reichskabinett über die Abmehrmaßnahmen gegen die jüdische Greuelpropaganda im Auslande.
* Die Reichsregierung beschäftigte sich mit der Frage der Gleichschaltung der Länder mit dem Reiche.
* Unter den Opfern des Flugzeugunglücks von Dixmuiden befindet sich eine junge Deutsche, ein Fräulein Voß aus Wuppertal Barmen.