Die Reichsregierung schütz! die Rechte der Seamten.
Amtlich wird mitgeteilt: „Von übelwollender Seite werden Gerüchte verbreitet, wonach die RetchLro-isrrmg beabsichtige, nach den Wahlen die Recht« der B— «t«n »> zutasten. Jeder Einsichtige weiß, daß es sich hierbei wieder nur um eine unverantwortliche Wahlmache handelt. Ebenso wie der R e i ch sk a n z l e r hat auch Reichsminister Dr. Frick bei Übernahme seines Ministeriums erklärt, daß die jetzige Reichsregierung den größten Wert auf ein sauberes, pflichttreues Beamtentum legt, das zum staatlichen Aufbau unentbehrlich ist. Selbstverständlich werden die Rechte eines solchen Beamtentums von der Reichsregierung geschützt werden". ________
Reichsregierung gegen Kürzung der Tariflöhne.
Wie von zuständiger Stelle mitgeteilt wird, HM die Reichsregierung die Kürzung der Tariflöhne, wie sie letzthin mehrfach vorgenommen oder verlangt worden sind, wirtschaftlich für unfruchtbar. Das Kabinett wird sich am Dienstag mit dieser Frage beschäftigen.
Stahlhelmhuldigung für Sindenburg.
Der Stahlhelm, Bund der Frontsoldaten, veranstaltet am Sonntag zu Ehren seines Ehrenmitgliedes, des Reichspräsidenten Generalfcldmarschall von Hindenburg, einen großen Vorbeimarsch an seiner Wohnung. Etwa 25 000 Mitglieder des Stahlhelm und seiner Untergruppen sammeln sich in den südlichen und nördlichen Querstraßen der Charlottenburger Chaussee in Berlin und marschieren unter Führung des Zweiten Bundesführers, Oberstleutnant Duesterberg, durch das Brandenburger Tor, durch die Wilhelmstraße an der Wohnung des Reichspräsidenten vorbei.
Ore Hilfsmaßnahmen für die Noistandsbezirke.
40 000 Zentner Butter und
700 000 Zentner Roggen werden geliefert.
Amtlich wird mitgeteilt: In Ausführung der Beschlüsse des Reichskabinetts über Einleitung von Hilfsmaßnahmen auf dem Lebcnsmittelgebiet zugunsten von R o t st a n d s b.e z i r k e u sind die beteiligten Reichs- reflorts dahin übereingekommen, daß rund 40 000 Zentner Butter und 700 000 Zentner Roggen unentgeltlich vom Reichsernâhrungsministe. rium der notleidenden Bevölkerung dieser Notstauds- bezirke alsbald geliefert werden. Arbeitslose und sonstige Hilfsbedürftige sind es, denen die neue Aktion zugute kommen wird. Daneben sollen auch die Bauern in den besonders notleidenden Waldgebirgsgemeiaden, in denen Brotgetreide nicht angebaut wird, Mehl ans Roggen erhalten.
Die Hilfsmaßnahmen werden in Verbindung mit Ländern und Gemeinden durchgeführt werden. A« diese liefert das Reich unentgeltlich die genannten Lebensmittel. Der einzelne Unterstützte würde also lediglich die entstehenden Unkosten (z. B. Backlohn und Mahllohn) zu tragen haben, wobei zu hoffen ist, daß durch Ent- gegenkommen der Länder, Gemeinden und der freiwilligen Wohlfahrtspflege sich für die Bedürftige» weitere Vergünstigungen erzielen lasse». Die Verhandlungen mit den beteiligten Stellen sind eiw- geleitet worden.
Aus Seffen-Raffau und Rachbargebieten.
Darmstadt, 2. März. (Der Schöpfer der Einheit skurzschrift: Regierungsrat Schaible 65 Jahre alt.) Der Vorsteher des Stenographischen Dienstes beim Hessischen Landtag, Regierungsrat Eduard Schaible, kann am 3. März seinen 65. Geburtstag begehen. Schaible dient bereits über 50 Jahre ununterbrochen der Stenographie wie selten einer. Schon im Gymnasium in Schwäbisch-Hall erlernte er die Gabelsbergersche Stenographie. Er wandte sich zuerst der Notariatslaufbahn zu, um sich aber bald ganz der Stenographie zu widmen. Im Alter von 22 Jahren wurde er beim badischen Landtag als Landtagsstenograph eingestellt und ging einige Jahre später nach Württemberg als Landtagsstenograph. Im März 1922 wurde er zum Vorsteher des Stenographischen Dienstes beim Hessischen Landtag ernannt. Neben dieser Tätigkeit übt er das Amt des Referenten beim Kultusministerium aus und ist gleichzeitig Vorsitzender der Prüfungskommission für die staatliche Stenographielehrerprüfungen in Hesien. Wegen seiner hervorragenden theoretischen und praktischen Kenntnisse aller deutschen Stenographiesysteme wurde er 1900 zum Mitglied des Systemausschusies des deutschen Stenographenbundes Gabelsberger und 1912 zum Mitglied des Sachverständigenausschusies der deutschen Einheitskurzschrift, als deren eigentlicher Schöpfer er bezeichnet werden darf, ernannt. Regierungsrat Schaible ist der Ver- fasier einer großen Zahl Lehrbücher nach dem System Ga- belsberger und dem Einheitssystem und der Herausgeber stenographischer Zeitschriften, die weiteste Verbreitung finden.
Frankfurt a. M., 2. März. (DerArztmuß seine Patienten überwachen.) In einem Urteil, das seitens der Großen Strafkammer gegen einen homöopathischen Arzt ausgesprochen wurde, wurde zum Ausdruck ge- orc ht. oaß der Arzt sich nicht darauf verladen darf, daß ihn die Patienten rufen, sondern daß er die Pflicht der Ueber- wachung des Patienten hat. Der Arzt behandelte eine ältere zuckerkranke Frau, die ihn zu Rate zog, als sie eine Fußgelenkentzündung am rechten Bein vermutete, was für sie umso schlimmer war, als sie einen verkrüppelten linken Fuß besitzt. Der Homöopath stellte keine bestimmte Diagnose, hielt aber eine Krebserkrankung für möglich und verordnete Kamillenbäder, Tees und Rohkost im Glauben, eitrige Entzündungen mit Rohkost heilen zu können. Eine Pflichtvernachlässigung bildete, daß der Arzt den Urin nicht untersuchte und die Temperaturen nur unregelmäßig ge- messen wurden, und daß er nachher plötzlich fern blieb, in der Annahme, wenn sich das Leiden der Frau verschlimmern sollte, werde sie ihn schon rufen lassen. Die Patientin wandte sich, als sich ihr Zustand verschlimmerte, an den Chefarzt der medizinischen Abteilung des Bürgerhospitals und wurde sofort dort eingeliefert und operiert, da eine Infektion, die schon über die Kniekehle hinausging, festgestellt worden war. Das Bein mußte am Oberschenkel amputiert werden. Eine Urinuntersuchung ergab 7ß Pro-
Der Wahlkampf.
Sicherung der Wahtfreiheii.
Briefwechsel Hindenburg— Fürstbischof Bertram.
Auf Anfragen des preußischen Episkopats über den Schutz der Wahlfreiheit bei den bevorstehenden Wahlen ist vom Reichspräsidenten an den Vorsitzenden der Fuldaer Bischofskonferenz, Kardinal Fürstbischof Ber- tram-Breslau, wie die Schlesische Volkszeitung meldet, folgende Antwort eingegangen:
„Ich bitte Eure Eminenz versichert zu fein, daß ich alles in meinen Kräften Liegende hin werde, um die Wahl- freiheit der Staatsbürger zu sichern und Ausschreitungen im Wahlkampf zu verhindern, und ich bin auch überzeugt, daß die Reichsregierung von derselben Absicht geleitet ist. Abschrift Ihres Schreibens habe ich unverzüglich dem Herrn Reichskanzler und dem Herrn Reichskommissar für das Land Preußen übersandt."
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Göring über die Bekämpfung des Kommunismus.
Reichsminister Göring, der in den Berlinei Ausstellungshallen am Kaiserdamm sprach und dessen Rede auch in den Sportpalast übertragen wurde, hob hervor, daß es nunmehr gelte, den Strom des deutschen Aufbauwillens zu wahrer und dauerhafter Kraft hinzulenken. Der neue Geist, der über Deutschland hereingebrochen sei, sei der Geist des gewaltigen F r o n t e r l e b n i s s e s, es sei der Geist der Treue, der Pflichterfüllung und des Verantwortungsbewußtseins. Der Brand im Reichstag werde auch dem letzten Spießer klar- gemacht haben, wo Deutschland heute stehe. Die Reichsregierung führe keinen Abwehrkampf gegen den Bolschewismus, sondern sie gehe auf der ganzen Linie
zum entscheidenden Angriff
gegen die kommunistische Pest vor. Die Kommunisten müßten sich daran gewöhnen, daß es jetzt keinen Minister Severing mehr gebe, der sie für politische Kinder erkläre, sondern daß an dessen Stelle ein Mann stehe, bei sie für die größten Verbrecher erkläre und dementsprechend auch verfolgen werde. Die Kommunisten bätten wohl nicht geglaubt, daß nach dem Verbrechen iw Reichstag 300 ihrer unruhestiftenden Genosten Hinte, Schloß und Riegel sitzen würden. Wenn heute in ausländischen Zeitungen geschrieben werde, die Ratio- nalsozi a listen hätten den Reichstag angezündet oder anzünden lasten, um eine Unterlage für die Bekämpfung von Marxismus und^ Kommunismus zu haben, fs habe er, der Minister, darauf zu erwidern: Einmal brauche er nicht diesen Brand, um gegen den Kommunismus vorzugehen, dessen Verbrechertum ihm schon genug Grund gegeben habe, und wenn es weiter nach seinem eigenen Willen gegangen wäre, so könnte man sich heut« davon überzeugen, daß der oder die Täter gegenüber vom Reichstag am Galgenhängen würden.
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Oie Stunde der Entscheidung.
Die letzte Wahlrede Dr. Hugenbergs.
Unter gewaltiger Teilnahme aus allen Bevölkerungs- kreisen fand in Stettin eine Kundgebung der Kampffront Schwarz-Weiß-Rot statt, in deren Mittelpunkt eine Rede des Reichsministers Dr. Hugenberg stand. Dieser wurde von den Tausenden, unter denen sich auch Generalfeldmarschall von Mackensen, der Ober- Präsident der Provinz Pommern, von Halfern, bei Landeshauptmann von Zitzewitz, maßgebende Vertreter sämtlicher übrigen Spitzenbehörden und zahlreiche pommersche Wirtschaftsführer befanden, mit begeistertem Jubel begrüßt. Dr. Hugenberg, oft unterbrochen von lebhafter Zustimmung, führte u. a. aus:
Zum letztenmal spreche ich heute hier in dieser Wahl. Ach hoffe, daß es für Jahre meine letzte Wahlrede ist. Denn nicht das Reden, sondern nur das Arbeiten kann jetzt dem deutschen Volke in seiner Not helfen. Ich habe mit der Übernahme der gesamten Wirtschastsministe- rieu die Aufgabe übernommen, dem deutschen Volk« wieder zu Brot und Arbeit zu verhelfen.
Ich trage bewußt die Verantwortung,
Sie damit verbunden ist, denn ich habe von jeher die Anschauung vertreten, daß nur eine einheitliche Wirtschaftsführung die fehlerhafte Wirtschafts- und Handelspolitik der früheren Regierungen überwinden kann. Binnen kürzester Zeit konnten die ersten Maßnahmen auf dem Gebiete der Handelspolitik getroffen werden. Es jvird eine Zeitlang dauern, bis wir das Instrument der
zent Zucker. Gegen den Homöopathen wurde Anklage wegen fahrlässiger Körperverletzung erhoben und das Gericht erster Instanz erkannte auf eine Geldstrafe von 1500 Reichsmark, indem es die Feststellung machte, daß Behand- lungsfehler vorgekommen seien. Ein Kausalzusammenhang zwischen Behandlungsweise und Amputation wurde dagegen nicht angenommen. Dieses Urteil wurde sowohl von dem Angeklagten als auch der Staatsanwaltschaft angefochten, aber die Große Strafkammer schloß sich unter Verwerfung der Berufungen den Feststellungen des Vorrich- ters an und hielt auch die erkannte Strafe für die geeignete Sühne.
Frankfurt a. M., 2. März. (Fabrikbrand im Frankfurter Ost Hafen.) Heute morgen brach bei einer Metallfirma im Osthafengebiet in einer Fabrikations- Halle, in der Zinkoxyd hergestellt wird, Feuer aus, durch das die ganze Halle, die ein Fachwerkbau war und einen Holzdachstuhl hatte, vollkommen vernichtet wurde. Das Feuer ist in einem Zinkoxydsilo wahrscheinlich durch Ueber- Hitzung ausgebrochen. Die Feuerwehr bekämpfte mit vier Schlauchleitungen zwei Stunden lang den Brand und konnte ihn dann auf seinen Herd beschränken. Der Schaden dürfte sich auf etwa 50 000 Mark belaufen.
Frankfurt a. M., 3. März. (Verbotdes Druckereibetriebs der „Volksstimme".) Heute morgen wurde in den Räumen der Frankfurter „Volksstimme" eine polizeiliche Durchsuchung vorgenommen und einige politische Flugschriften beschlagnahmt. Die Fertigstellung der „Ober- hessischen Volkszeitung", die im Betrieb der „Volksstimme" hergestellt wird, wurde verhindert. Auf Grund einer polizeilichen Verfügung wurde der „Volksstimme" die Fortsetzung des Druckereibetriebs bis einschließlich 14 März verboten, weil durch die Fortsetzung des Betriebs die öffentliche Sicherheit und Ordnung gefährdet sei.
Hanau, 3. März. (Hilfspolizei auch in Hanau.) Ndch einer Mitteilung der Polizei direktem ist auch in
I a n d w i r^ s ch a f t l i ch e n P r e i s b i l d n n g wirklich in die Hand bekommen. Aber zum Wohle des Landwirj- schaft und gesamten deutschen Wirtschaft werde« wir es in die Hand bekommen. Daß diesen Maßnahme«
eine organische Entschuldung der Landwirtschaft folgen muß, versteht sich von selbst. Die Sanierung der Landwirtschaft ist der Untergrund, auf dem der Wiederaufbau der übrigen Wirtschaft, Industrie und Handel, Handwerk und Gewerbe, erfolgen muß.
Der Mittelstand in Handwerk und Gewerbe soll nicht nur vor dem Verfall bewahrt, sondern in seinem Wiederaufbau tatkräftig unterstützt werden. Die angekündigte Ernennung eines Reichskommissars für de« deutschen Mittelstand in der Person des bewährten Handwerkskammer-Syndikus Dr. Wienbeck entspricht einer alten deutschnationalen Forderung. Sie soll die Gewähr geben, daß die
Wiederherstellung eines arbeitsfähigen und gesunden Mittelstandes zum Mittelpunkt der Wirtschaftspolitik wird. Die Notwendigkeit der Erhaltung der mittleren und verarbeitenden Industrie, die eines der Opfer falscher Handelspolitik ist, gehört in den gleichen Aufgabenbereich.
An die Arbeiter, die in dieser Zeit sozialdemokratisch gewählt haben, möchte ich noch ein besonderes Wort richten — ein Wort der Kameradschaft. Ich habe — das glaube ich sagen zu dürfen — mein Leben lang schwer gearbeitet. Ich weiß, daß ehrliche Arbeit ihres Lohnes wert ist, und daß die Ordnung der Welt auf der Erfüllung dieser Notwendigkeit beruht. Hat derjenige, der in den vergangenen Jahrzehnten treu auf dem Boden der Sozialdemokratischen Partei gewirkt hat, nun eigentlich — wenn man zurückblickt — seinen Lohn erhalten? Ist er nicht im Grunde bitter enttäuscht worden?
Die Jugend ist in der Entwicklung und dem Leben der Deutschnationalen Volkspartei wieder ein starker und lebendiger Faktor geworden. Diese Juaend ist z u u n s gekommen. In den Kampfgruppen und Kampfgemeinschaften hat sie sich ihre Einheiten geschaffen. Mit^ dem Grünhemd der deutschnationalen Jugend ist aus der Partei wieder die Bewegung geworden, als die ich sie stets angesehen habe. Die Zeiten sind vorbei, in denen die deutschnationale Jugend ein Werkzeug der Verteidigung war.
Die Jugend steht in den Reihen der Kampffront Schwarz-Weiß-Rot als Schwert der Bewegung, das den Boden für die eigene Weltanschauung erkämpft.
Der Sinn dieser Wahl liegt nicht in parlamentarischen Augenblickserfolgen, sondern er liegt darin, vor aller Welt festzustellen, daß das deutsche Volk sich entschlossen hinter die nationale Regierung und ihre Maßnahmen stellt.
Der Anschauungsunterricht, den uns dèr Bolsche- w i s m u s in diesen Tagen erteilt hat, die Visitenkarte, die er mit der Brandfackel im Reichstage abgegeben hat, kann nur den Erfolg haben, daß das deutsche Volk sich seines Lebenswillens um so stärker bewußt wird. ,
Nur wenn wir den Bolschewismus und seine Brutstätten mit Stumpf und Stiel ausrotten, nur wenn Sicherheit und Ordnung in deutschen Landen unerschütterlich dasteht, kann der Wiederaufbau aus den Trümmern der Nevolutionsjahre erfolgen. Nicht nur daß wiederaufgebaut wird, sondern w i e wiederaufgebaut wird, ist entscheidend für die Zukunft der Nation, und hierin liegt der tiefste Grund des Zusammenschlusses der Kampffront Schwarz-Weiß-Rot.
Christlich-konservattve Staatsgesinnung und sozialer Geist sollen die Grundlagen des neuen, in Ordnung freien Reiches sein. Deutschnationales Gedankengut, das auch in der Kampffront Schwarz-Weiß-Rot lebendig ist, soll die weltanschauliche Untermauerung für das neue Gebäude geben. Für diese Weltanschanung sind die Farben Schwarz-Weiß-Rot das Symbol. Der Yeldmarschall von Hindenburg steht im Bunde mit dieser Front. Denn das Ziel seines Kampfes, um das ei in den letzten Monaten geht, ist auch unser Ziel.
Und so rufe ich allen in dieser Stunde der Entschei-s dung zu: Ihr habt jetzt zu bekennen, ob das Wolle«! der Millionen, die in der Kampffront Schwarz-Weiß-Rot stehen, auch euer Wollen ist. Ihr habt zu entscheiden, ob ihr den Führern folgen wollt, die in der nationalen Regierung die Verantwortung übernommen haben. Nicht um einen parlamentarischen Akt handelt es sich diesmal, sondern um ein Bekenntnis!
Hanau die Hilfspolizei eingestellt worden, ebenso im Landkreis Hanau. Sie soll von Fall zu Fall als Verstärkung der staatlichen Polizei zum Dienst herangezogen werden.
Bad Schwalbach, 3. März. (Selbstmord eines Vrandgeschädigten.) Vor wenigen Tagen brach in dem Anwesen des Landwirts Karl Jude in Naurath ein Feuer aus, dem eine größere Scheune mit Strohvorräten und ein Pferd des Landwirts Chr. Wolff, der in dem Anwesen einen Stall gepachtet hatte, zum Opfer fiel. Ueber die Entstehungsursache des Feuers kursierten bald die verschiedensten Gerüchte. Es wurde Brandstiftung vermutet. Diese Vermutung wurde iroch gestützt durch die Tatsache, daß das gesamte Anwesen zwei Tage später zwangsverstei- gert werden sollte. Der Eigentümer hat jetzt Selbstmord begangen. Karl Jude stand im 78. Lebensjahr. Die Aufklärung des Falles dürfte nunmehr wohl nicht mehr einwandfrei erfolgen können.
Marburg, 1. März. (Zuchthaus für ein junges Mädchen wegen Bedrohung und Nötigung) Das Marburger Schöffengericht verurteilte ein junges Mädchen von hier wegen Bedrohung und Nötigung zu vier Monaten Zuchthaus. Die Strafe wird jedoch in W Monate Gefängnis umgewandelt. Außerdem erhielt da^ Mädchen wegen Diebstahls eines Revolvers eine EefäE nisstrafe von zwei Wochen. Das junge Mädchen, das früher unter Fürsorgeaufsicht stand, hatte in Marburg einen Studenten kennen gelernt, mit dem es ein Liebes- Verhältnis einging. Eines Tages war der Student lich verschwunden. Die Angeklagte spürte ihrem Geliebte" nach und konnte auch seine Adresse feststellen. Eines Tages erschien es in dessen Heimatort, in Hamburg, und traf auch an. Es kam zu einer Auseinandersetzung, in dem Verlauf das Mädchen einen Revolver zog, den es gestohte» hatte, und dem jungen Mann mit Erschießen drohte, wen» er nicht 2 000 Mark zahle. Auf diesen Vorgang war Anklage MrüchzMHpou,