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Kurze politische Nachrichten.

Die Ausführungsverordnung über b t e Kürzung der Gehälter von Vorstandsmitgliedern und leitenden Angestellten in subventionierten Betrieben ist textlich fertiggestellt worden. Sie wird am morgigen Mittwoch der Öffentlichkeit übergeben werden.

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Der Vorsitzende des vom Neichsernährungsminister und Neichskommissar für die O st h i l f e berufenen Ost- Hilseausschusses, Reichsminister a. D. Neuhaus, hat die Mitglieder des Ausschusses zur ersten Sitzung. zum Freitag eingeladen.

Die Gswalivsrzichissrklärung.

Die jetzt von den Locarnomächten angenommene errro- pâifche Erklärung über den Gewaltverzicht hat nach der amtlichen deutschen Fassung folgenden Wortlaut:Die Regierungen, in dem Wunsche, die Sache der A b - r ü st u n g zu fördern, indem sie den Geist gegenseitigen Vertrauens unter der Bevölkerung Europas durch eine Erklärung stärken, die ausdrücklich den Gebrauch der Gewalt unter den Umständen untersagt, wo der Pakt von Paris den Krieg untersagt, bestätigen von neuem ausdrücklich, daß sie unter keinen Umständen unterein­ander zur Gewalt als Werkzeug nationaler Politik greifen werden."

Die Erklärung, die von dem Redaktionsausschuß an­genommen wurde, wird dem Politischen Ausschuß zur endgültigen Annahme vorgelegt werden.

Von deutscher Seite wird darauf hingewiesen, daß in dieser Formel eine neue Bekräftigung der für Deutschland entehrenden Bestimmungen des Locarnovertrages ver­mieden wird. Die Formel entspricht im wesentlichen den bereits in der Erklärung der fünf Großmächte vom 11. Dezember enthaltenen Bestimmungen und dehnt den Verzicht auf die Gewaltanwendung in einem Streifall aus alle Mächte aus.

Besondere Bedeutung gewinnt die Erklärung für die französischen S i ch e r h e i t s w ü n s ch e. Nun­mehr wird die französische Negierung in den weiteren Ab- rüstungsvcrhandlungen daraus aufmerksam gemacht werden, daß in der endlosen Kette der zahlreichen Sicher- heitsvertrâge ein neues Glied geschaffen ist und somit für sofortige und wirksame Abrüstungsmastnahmen keinerlei Vorwände mehr bestehen.

Durch diese Erklärung werden Ereignisse wie der Ruhreinmarsch Frankreichs ausgeschlossen. Da» Recht der nationalen Selb st Verteidigung bleibt jedoch, wie allgemein betont wurde, durch diese Er­klärung unberührt, da dieses Recht nach der großen Washingtoner Erklärung vom 23. Juli 1928 zum Kellogg­vertrag stillschweigend als ein wesentlicher Bestandteil aller Verträge anzusehen ist.

Anklage gegen Verleumder Hugenbergs.

Am kommenden Freitag wird sich vor dem Schnell­schöffengericht Berlin der Pazifist Schriftsteller Gebhardt wegen Beleidigung, übler Nachrede und Verleumdung des Reichsministers Dr. H u g e n b e r g zu verantworten )aben. Mitangeklagt ist der Herausgeber derChronik der Menschheit", Georg Lichey. Die Anklage vertritt Ober- taatsanwalt Köhler. Reichsminister Dr. Hugenberg hat ich dem Verfahren als Nebenkläger angeschlossen.

Kampffroni Gckwarz-WeiH-No^

Eine Rede deS württembergischen Finanzminister».

Auf einer Kundgebung der KampffrontSchwarz-- Weiß-Rot" sprach in Ansbach der Württembergische Finanzminister Dr. D e h l i n g e r Am 5. März solle das Volk'seine Meinung über das Kabinett zum Ausdruck bringen und den neuen Männern Vertrauen schenken. Von allen Ministern des jetzigen Kabinetts habe Dr. Hugen­berg das schwerste Amt übernommen. Auf Grund seiner reichen Erfahrungen wolle er das deutsche Wirtschafts­leben retten und stelle dazu die drei Grundbedingungen: die organische Wirtschaftsform, die Tatkraft der freien Persönlichkeit und schließlich den Schutz der nationalen Arbeit. Angelpunkt der ganzen Wirtschaftspolitik aber müsse der deutsche Bauer bleiben, ohne den es keine Ge­sundung der deutschen Wirtschaft gebe. Auch den städti­schen Mittelstand müsse man aus seiner Notlage heraus­führen, weil das die Vorbedingung für einen gesunden Staat sei.

Gchlieffenseier der Wehrmacht.

In Gegenwart Hindenburgs und Mackensens.

Anläßlich der 100. Wiederkehr des Geburtstages des verstorbenen Generalfeldmarschalls von Schliessen fand im Reichswehrministerium in Berlin eine Schlieffen­seier der heutigen Wehrmacht statt. Der Feier wohnten.

der Reichspräsident von Hindenburg

und Generalfeldmarschall von Mackensen bet. Generalmajor von Böttiger, Kommandeur der Artillerieschule, hielt einen Vortrag über das Leben und Wirken Schliessens. Daran schloß sich eine Ansprache Mackensens, der die Jugend ermahnte, das Ver­mächtnis Schliessens zu hüten und zu pflegen. Zuletzt dankte der Neffe Schliessens, General von Schlies­sen, im Namen der Familie für die ergreifende Feier.

Dsr Fânanzskandal in Amerika.

Millionen-Sch adenersatzklage im Namen des Volkes.

Die Bankenkrise, die sich vor allem in den Staaten des mittleren amerikanischen Westens weiter ausgebreitet hat, hat zu ungeheuerlichen Enthüllungen über die Finanzpolitik führender Bankinstitute und Finanzleute geführt. So verklagte der frühere Unter­suchungsbeamte im Börsenausschuß des Senats, Davida Olson, den amerikanischen Botschafter in London, Mellon, der bekanntlich bis vor ungefähr einem Jahr noch Staatssekretär des amerikanischen Schatzamts war, sowie zwei frühere Beamte des Schatzamtes im Namen de « Volkes auf Schadenersatz in Höhe von 400 Millionen Dollar wegen angeblicher Steuer­schiebungen zugunsten amerikanischer Schiffahrtsgeseü- schaften in den Jahren von 1916 bis 1920.

In Chikago hat die Vundesstaatsanwaltschaft den Elektromagnatcn Samuel I n s u l l fen. sowie zwei seiner Familienmitglieder und 16 Direktoren des Jnsull- KonzernS wegen Betruges ihrer Aktionäre in 25 Fällen in den A n k l a g e z u st a n d versetzt. Inzwischen spitzt sich die Bankenkrise immer mehr zu. Die Welle der Bankenfeiertage ha« jast« Bundesstaaten des mittleren Westens erfaßt.

SMkdlreltor Seiffert vor dem Dessauer Schwurgericht.

Unter der Anklage des Meineide»

Unter starkem Andrang des Publikums begann am Diens­tag vor bem Dessauer Schwurgericht der Memeidsprozeß Eben früheren Direktor der Berliner Bank für Handel une dbesitz, Willi Seiffert. Der Angeklagte wird beschul- bint. Ende Oktober 19^0 vor dem xur Aufklärung der Salzwert.

Affäre eingesetzt«, parlamentarischen Untersuchungsausschuß des Anhalnfchrn Landtage» einen Meineid geschworen zu haben. Es handelt sich um daS Datum der Bestechung zweier Abgeordneter durch Seiffert. Durch den Staatsgerichtshof ist festgestcllt worden, daß die Bestechung vor der Abstimmung im Anhaltischen Landtag über die Transaktion mn der Preußag erfolgt ist, während Seiffert wider befferes Wissen geschworen haben soll, sie fei erst nach der Abstimmung erfolgt.

Als Zeugen sind u. a. die Abgeordneten erschienen, die da­mals den Untersuchungsausschuß gebildet haben ferner die da­mals bestochenen Abgeordneten Buchdruckereibesitzer Marzahn aus Roßlau und Obcrpostsekrelär Günther aus Halle. Zu Beginn der Verhandlung betont der Angeklagte Seiffert, er habe seine Aussage vor dem Unter­suchungsausschuß nach bestem Wissen gemacht und stehe in­folgedessen mit reinen Gewissen da. Er habe keinen Meineid geleistet. Er schildert dann ausführlich die Entstehung der Ber­liner Bank, die er in 20jäbriger Tätigkeit hochgebracht habe. Als ihm der Vorsitzende vorbielt, daß er beim Zusammenbruch der Bank geflohen sei, bestreitet Seiffert dies und erklärt, daß er nicht geflohen, sondern ins Ausland gereift fei, um Geld zu beschaffen.

Die Verhandlung wird sich wahrscheinlich auf drei Tage ausdehnen, da die Verteidiguna e*e Reihe weiterer Zeugen geladen hat.

Nah und Fern

O Ein Berliner Neklameluftschiff verunglückt Ein Ber­liner Reklameluftschiff, das vor einigen Wochen von Ber­lin aus nach Friedrichshafen gefahren war und dort am Dienstagvormittag zur Rückfahrt wieder aufgestiegen war, mußte auf der Höhe von Weinmannsdorf bei Nürnberg notlanden, da es keinen Auftrieb mehr hatte In der Gondel befanden sich eine Dame und zwei Herren die unverletzt davonkamen. Es wird angenommen, daß die Höhensteuerung des Luftschiffes versagt hat. Bei dem Auf­setzen des Luftschiffes auf dem freien Felde wurde die Steuerung stark beschädigt, während die Gondel nur ge­ringen Schaden erlitt. Der Propeller wurde zertrümmert. Die Ballonhülle ist teilweise zerrissen. Das Luftschiff wird abmontiert.

O Ein Apenrader Dampfer von Seeräubern auS- aeplündcrl. Das MotorschiffGustav Diedrichsen" der Apenrader Reederei Jebsen, das an der chinesischen Küste fährt, ist auf der Fahrt nach Hongkong von Seeräubern ausgeplündert worden. Aus der Mitteilung, daß das Schiff die Reife nach Hongkong fortgesetzt hat, geht jedoch hervor, daß die Besatzung unversehrt geblieben ist.

O Waffenschmugglerbande unschädlich gemacht. In der Nähe von Merkstein bei Rachen stießen Polizeibeamte mit Waffenschmugglern zusammen. Es kam zu einem Feuer- gefecht, bei dem jedoch niemand verletzt wurde. Die Waffenschmuggler mußten sich schließlich ergeben. Sie wurden festgenommen und dem Gefängnis zugeführl Es konnten viele Waffen und zahlreiche Munition beschlag­nahmt werden.

0 Vierzehn Bergarbeiter getötet. In einem staatlichen Kohlenbergwerk in Johannesburg (Südafrika) stürzte ein Förderkorb ab. Die Insassen, zwei Euroväer und zwölf eingeborene Bergarbeiter, wurden getötet. Die Katastrophe ist, wie man glaubt, auf das Versagen des elektrischen Stromes, der die selbsttätige Bremsen des Förderkorbes bedient, zurückzuführen.

O Dreißig Tote bei einer Explosion in Schanghai. Eine neue schwere Explosion ereignete sich in einer Gummi­vulkanisierfabrik in dem Schanghaier Chinesenviertel Tschapei. Dreißig Angestellte, in der Hauptsache Frauen, wurden durch die Explosion getötet oder kamen in den Flammen um. Das ganze Gebäude der Fabrik wurde ver­nichtet.

Der Reichsrat tagt im ehemaligen BundeSratSsaal.

Berlin. Die nächste Vollsitzung des ReichsratS. die für Donnerstag in Aussicht genommen ist, wird wegen deS Brandes im Reichstansgebäude nicht, wie üblich, in dem 'm Reichstage gelegenen R-ücbsrmssaal, sondern in dem ebe» m^t'aen Bvndes-alSsaal im Gebäude bei Außenministeriums, Wilbelmftrob» 74 tagen.

»Reinl" wehrte das junge Mädchen. »Dazu habe ich teilt Recht! Fragen Sie Renate!"

»Ich denke sie schläft?"

»Sie ist ganz wach und wartet schon auf Ihren Besuch, Herr Doktor!"

Der schüttelte den Kopf, aber er übersah die Situation, ehe «r noch tn das Krankenzimmer trat. Eva-Marie schlüpfte in chr Zimmer.

»Nun Renate?"

»Guten Tag. Heinrich!" grüßte ihn Frau Andresen erfreut. Der Schwager letzte sich zu ihr.

»Ich hörte eben von deiner vorzüglichen Pflegerin, du seist ganz e'end. ganz erschöpft von einer großen Aufregung, die Fräulein Eva-Marie dir bereitet!"

Renate zog die Stirn ein wenig kraus.Schwester Clisa- beth^ist verrückt!"

»So, das ist nett! Kraftausdrücke liebe ich bei meinen Pa- üenlen Die bedeuten zurückkehrenden Lebensmut!"

Außerdem taugt sie gar nichts!" beharrte die Kranke. «Si? ärgert mich nur mit ihrer ewiaen Bevormundung!"

Kindchen, sie ist sehr gut ausgebildet, befolgt exakt chre Vorichriften, ist peinlich sauber und minutiös genau."

. »Und mit ihrer Exaktheit und Genauigkeit verdirbt sie mir lebe Freude, jeden Svaß! Will ich mit Eva-Marie plaudern.

heute, so fährt sie mit ihrem elenden Medizinlöffe! da= Zwischen, freue ich mich, wenn Eva-Marie so hübsch Klavier spielt, dann erscheint das graue Wesen mit der Uhr in der oanb und bringt mich zu Bett!"

»Ja, aber das kannst du ihr doch nicht zum Vorwurf machen, kleine Schwägerin! Dazu ist sie doch engagiert! Aber vielleicht könnte sie durch Takt und Freundlichkeit des Pflege- liereni" ^^ gleichgestellte Uhr ein wenig angenehmer regu- . »Daz tut sie aber nicht, Schwager! Sie ist selbst eine Uhr, °Me Maschine, ein Wesen ohne Seele. ein gräßlicher Mensch!"

"Sein Leiden macht dich ein wenig ungerecht!"

rieb? Kranke richtete sich aufMagst du sie etwa, Hein-

Er lachte und schüttelte den Kopf. »Verlieben würde ich nn» » nicht in sie!"

n^"??whst du und das nimmt sie Eva-Marie persönlich j: ; Und mir auch! Mir nimmt sie übel, daß ich Eva-Marie o hat^' ^ ,ch ^u" zu ihr laae und sie gern um mich habe!

»Ja wenn du Eva-Marie so vorziehsi, Renate!*

Du etwa nicht Heinrich?"

Doch!" gestand er lächelnd.Aber nun sage mir, hat deine reizende Gesell'chafterin wirklich dieses Muster an Pflicht­erfüllung und Exaktheit eigenhändig hinausgeworfen?"

»Mit den eigenen Händen gerade nicht oder doch so" Renate ahmte wundervoll Eva-Maries nicht miß- zuverstehende Geste nach der Tür nach.

Dr Andresen lachte laut aufIhr seid köstlich, ihr beiden Frauenzimmerchen! Aber warum so--"

Run machte auch er die entlassende Handbewegung. Renate wurde ganz munter.

Warum? Run, weil mir uns etwas erzählten, was diese Pflegerin gar nichts angeht, wo hinein sie ihre spitze Rafe nicht zu stecken braucht!"

Was denn. Renatchen?"

Indiskret?" scherzte sie.Dinge aus der Jugendzeit!"

Er freute sich über ihre gute Laune.Liebesgeschichten?"

Ja! Und die geben dich auch nichts an!"

Da hast du Recht! Aber ich hätte nicht gedacht, daß Fräulein von Diemen auch Liebesgeschichten hat!"

Eva-Marie? Rein, ich!" gestand Renate ehrlich.

Du?" Ungläubig und mit tiefem Mitleid sah er sie an.

»Ich meine doch früher!"

Kindchen, das ist ja alles gut und schön! Es geht mich auch nichts an. was du mit deiner Freundin io darf ich doch sagen plauderst! Im Gegenteil, es freut mich vom ganzen Herzen, daß du froh mit ihr fein kannst! Aber ich möchte nun einmal feststellen, was eigentlich los war, denn die Gewissenhaftigkeit Schwester Elisabeths fürchtete für dich!"

Quatsch!" machte Renate abfällig

Ich mag Fräulein von Diemen selbst gern!" gestand der Arzt mit warmer Stimme.

Oh, wie mich dgs freut! Weißt du, was ich mir wünsche?" Renate zog^ötnen Kopf zu sich heran.

Daß du sie so lieb härtest, daß sie deine Frau wird!" flüsterte sie ihm ins Ohr

Da drückte der Arzt ihre blaffe Hand an feine Lippen.Das soll sie werden, Renate! Du weißt ja gar nicht, ane lieb ich sie habe! Aber ich muß erst sicheren Boden unter die Füße bekommen. Ein Assistentenposten an einer Rervenklimk ist mix in Aussicht gestellt. So lange muß ich noch warten, und du magst sie ja auch nicht so schnell entbehren."

Ich möchte nicht mehr ohne sie fein, Heinrich! Ich wünsche dir und ihr alles Glück der Erde! Aber laß sie mir so lange ich lebe!" Tränen traten in ihre Augen.

Liebe, kleine Renate, nein, ich nehme sie dir nicht! Du sollst diese gute, feine Seele behalten, wenn sie dich so er­freut! Er streichelte die feinen blaffen Hände. Das Mit­leid mit der schönen, einst so kraftvollen Frau erschütterte ihn, und es wurde ihm gar nicht bewußt, daß er mit diesem Versprechen des Wartenwollens eigentlich zugab. daß es nicht gar zu lange mehr mit ihr dauern würde. Aber Renate war ,-.W^es nur kommt!" faßte sie nach einer Werle sinnend

»daß zwei Brüder so verschieden fein können, wie Karl und du!"

Du weißt doch, daß wir zwei Mütter hatten, wenn auch der Vater der gleiche ist. Und mir Aerzte glauben, daß die Mutter wohl ba» meiste an Geist und Charakter zu gebe« hat"

»Dann müßtet ihr Männer immer sehr vorsichtig fein mit eurer Wahl! Denn gute und kluge Kinder zu haben, ist doch das größte Glück!"

Ja, du hast recht! Ein Glück, das länger währt, als die Schönheit einer Frau, und da» bis ins Alter hineinreicht, wenn man das Glück der Verliebtheit längst vergessen har!"

Darum mußt du Eva-Marie heiraten. Heinrich! Sie ist gut und treu! Und ihr Herz ist so edel und aufrichtig daß man stets weiß, was sie meint, und wie sie es meint! Auch ihr Zorn gegen Schwester Elisabeth war ehrlich und gerecht! Weißt du, ich möchte am liebsten eine andere Pflegerin haben "

Dr. Andresen sah nachdenklich vor sich hin.

Liebe Schwägerin gerade jetzt ist ein schlechter Zeit- punft für diesen Wechsel. Wir sind wohl beide der Ansicht, du und ich, daß Schwester Elisabeth exakt ihre Pflicht erfüllt. Ich bin außerdem der Meinung daß sie gerade jetzt 'chwer entbehrlich ist, da sie die Entwicklung deines Leidens mit­erlebte und darum lehr genau Bescheid weiß Eine andere könnte dir jetzt leicht unnötige Schmerzen machen Das ist zu vermeiden Und da du selbst damit einverstanden bist, daß wir dir durch eine Operation zu helfen suchen, kommst du ja doch für eine Zeit in die Klinik und die Schwester auf Urlaub!"

Renate sah träumend in weite Fernen.

Hat es denn überhaupt Sinn, dieses Operieren?"

Ganz ohne Zweifel," versicherte der Arzt.Du wirst dich bald wohler fühlen, und diese ziehenden und drückenden Schmerzen quälen dich dann nicht mehr!"

Aber Heilung gibt es nicht?" forschte die Kranke

Liebe Renate! So dachte man früher! Heute ist die Wis­senschaft weiter!" lenkte Dr. Andresen ab. Was sollte er sagen?

Er verabschiedete sich dann von Frau Renate und ver­sprach Eva-Marie zu schicken.

6.

Inzwischen saß Schwester Elisabeth bei Karl Andresen und verklagte geschickt Eva-Marie Sie bauschte die Geschichte von der Aufregung "^d den Briefen noch einmal auf und ließ durchblicken, daß es sich vermutlich um frühere, gewiß weit zurückliegende Beziehungen der gnädigen Frau gehan­delt habe, und daß sie glaube, Herrn Karl Andrèsens Ramen dabei nennen gehört zu haben Der Mann stand auf und ging nervös auf und ab. Die beiden Damen waren sehr ver­traut geworden, sie duzten sich sogar, sollte Renate der Freun­din, ihr Herz ausgeschüttet haben?

(Fortsetzung folgt.)