Iul-aer Mnzeiger
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Nr. 46 — 1933
Fulda, Donnerstag, 23. Februar
10. Jahrgang
Der Wahlkampf.
Hitler an die Nationalsozialisten.
Äußerste Disziplin verlangt.
Wie die Neichspressestelle der NSDAP. mitteilt, hat der Führer,der NSDAP., Adolf Hitler, folgenden Aufruf an alle Nationalsozialisten erlassen:
Nationalsozialisten!
Provokatorische Elemente versuchen unter dem Deckmantel der Partei durch Störung oder Sprengung, insbesondere von Zentrumsversammlungen, die natloual- sozialistische Bewegung zu belasten. Ich erwarte, daß alle «ionalsozialisten sich äußerster Disziplin gegen diese Ab- Men wenden. Der Feind, der am 5. März niedergerun- gen werden muß, ist der Marxismus! Auf ihn hat sich die gesamte Propaganda und damit der gesamte Wahlkampf ^n konzentrieren.
Wenn das Zentrum in diesem Kampf durch Angriffe gegen unsere Bewegung den Marxismus unterstützt, so werde ich selbst von Fall zu Fall mich mit dem Zentrum auseinyndersetzen, diese Angriffe zurückweisen und damit erledigen.
Im übrigen: Besucht keine gegnerischen Versammlungen, sondern sorgt dafür, daß unsere eigenen Versammlungen zu gewaltigen Kundgebungen der erwachenden Nation werden!
Nationalsozialisten! Ihr habt seit vierzehn Jahren die deutsche Erhebung vorbereitet, Ihr müßt sie heute vollenden! Adolf Hitler.
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Kampffront Schwarz- Weiß -M.
Ein Aufruf der Führer.
Die Führer der Kampffront Schwarz-Weiß- Not veröffentlichen folgenden Aufruf:
„Die Negierung der nationalen Erhebung ryst das deutsche Volk am 5. März zur Wahl, auf daß es die Bahn frei mache für die rettende Tat. Diese Regierung ist k e i n Parteiregiment, sondern der im Angesicht Hindenburgs feierlich beschworene Bund aller nationalen Kräfte.
Wir Führer der Kampffront Schwarz-Weiß-Rot haben von ieher für das fruchtbare Zusammenwirken aller deutschen und gegen den Herrschaftsanspruch selbstsüchtigen Parteigeistes gekämpft.
Auch in diesem Wahlgäng ringen wir nicht um die Ausdehnung der eigenen Macht innerhalb der Regierung, sondern allein um die Vertiefung und Befestigung der nationalen Einheit. Wir sind aber entschlossen, diese mühsam errungene Einheit gegen jeden erneuten Angriff des Parteigeistes bis zum Äußersten zu verteidigen.
Denn das deutsche Volk will Führer, denen das Vaterland über der Partei steht
Es fordert Männer, die sich in Demut beugen vor der ^M der Verantwortung, die sie vor Gott und dm Paterland tragen. Leuchtendes Vorbild solchen selbst- wsen Dienstes an der Gesamtheit ist uns allen der Ge - "sra l fe l d m a r s ch a l l von Hindenburg. In feinem Namen und in seinem Sinne führen wir den Wahl- 'amvf, auf daß sem Wort wahr werde: „Ich will von Par- ■feien nichts wissen. Das ganze Deutschland >"U es fein!" Deutsches Volk, entscheide dich? Du willst keinen Rückfall in Parteiherrschaft, sondern Bewah- ^nn und Vertiefung der endlich errungenen nationalen iniaung. Folge uns!
U n ter Schwarz - Weiß - Rot mit Hindenburg für ein neues Deutschland!
. Generalfeldmarschall von Mackensen — von ^apcn — Hugenberg — Franz Seldt e."
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Die Bischöfe zu den Wahlen.
_ Die in der Fuldaer Bischofskonferenz vereinigten -verhüten der deutschen Diözesen richten an die Katho- ulen eine Mahnung zu den bevorstehenden politischen ^ntsck^idungcn. in der es heißt:
„Die bevorstehenden Wahlen haben nicht nur in politischer Hinsicht, sondern auch wegen des Einflusses auf Schutz und Förderung der religiösen und sittlichen Güter M stanz eit Volkes und auf die Stellung der Kirche im ossentlichen Leben eine überaus große Bedeutung. Dies Vvt uns Anlaß, in entscheidender Stunde ernst und ein« Uhlich alle katholischen Christen an dw vaterländische mucht zu erinnern, von ihrem Wahlrecht so gebrauch zu machen, wie es der Verantwortung des Irenen Staatsbürgers und treuen katholischen Christen entspricht. Wir erneuern daher unsere Mahnung: Wählet ungeordnete, deren Charakter und erprobte Haltung
tâ von ihrem Eintreten für Frieden und soziale Willfahrt des Volkes, für den Schutz der konfession-llen Men, der christlichen Religion und der katholischen Me» Hütet euch vor Agitatoren und Parteien, di- des vertrauens des katholischen Volkes nicht würdig sind."
Die Wahlparole des Deutschen Landvolks.
uw. Deutsche Landvolk lChristlichnationale Ämtern« sè^â- vEsmrtei) gibt bekannt: Entsvrechend der kon- ftX v AGrundeinstellung des deutschen Bauerntums domu^ deutsche Landvolk im Lager der Rechten. Sein Ja ist die Zusammenfassung aller christlichen
11 wm Kräfte für den nationalen Wiederaufbau, In
der Wahlentscheidung des 5. März kämpft es Seite an Seite mit dem Stahlhelm, der als der überparteiliche Träger der Kampffront Schwarz-Weiß-Rot das gleiche Ziel nationaler Zusammenfassung verfolgt.
Die Deutschvölkische Freiheitsbewegung fordert ihre Anhänger in einem Aufruf auf, die Kampffront Schwarz- Weiß-Rot zu wählen.
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Wahlaufruf des Reichsverbandes
des Deutschen Handwerks.
Mit Rücksicht auf die bevorstehenden Wahlen übergibt der Reichsverband des Deutschen Handwerks nachfolgenden Aufruf der Öffentlichkeit:
„Parlamente und Regierungen des letzten Jahrzehnts haben eine ausreichende Berücksichtigung des Handwerks vermissen lassen. Die gesamte Wirtschafts- und Sozialpolitik der Nachkriegszeit war befangen in den Gedankengängen des Liberalismus und des auf seinem Boden gewachsenen Sozialismus. Sie hat es nicht vermocht, dem gesamten Mittelstand den notwendigen Schutz und die notwendige Förderung zu geben. Daran haben auch verfassungsmäßige Versprechungen nichts geändert. Seit Jahren erhebt das Handwerk die Forderung nach einer grundsätzlichen Wandlung der Wirtschaftspolitik und der Wirtsch afts - Organisation Schon immer hat es das Handwerk als eine Selbstverständlichkeit betrachtet, daßder Schicksalskampf des deutschen Volkes nur auf einer wahrhaft nationalen Grundlage geführt und nur tn einer Ge- sinnungsgemeinschafi gewonnen werden kann, die alle Gruppen und Stände umfaßt. So rufen wir das Handwerk für die bevorstehenden Wahlen abermals zur Sammlung aller .aufbauwilligen Kräfte auf Aufgabe des Berufsstandes bleibt es, in diesem Sinne mitzuwirken am Ausbau der deutschen Volksgemeinschaft. Das Handwerk kann sich am 5. März nur für solche Parteien entscheiden, die den Willen zur nationalen Einigung über Tagesstreit und Parteigezänk stellen: Das Handwerk kann nur den Parteien seine Stimme neben, die auf dem Boden des Berufs standsgedankens stehen und sich für seine Verwirklichung einsetzen. Deutsches Handwerk: Wahlrecht ist Wahlpflicht!"
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Gesprengte Versammlungen.
Vom Polizeipräsidium Krefeld wird zu der Sprengung der Zentrumswahlversammlung, in der der ehemalige Reichsarbeitsminister Stegcrwald sprach, folgender Polizeibericht herausgegeben: „Die am 21. Februar in der Stadthalle stattgefundene Versammlung der Zentrumspartei war von etwa 1200 Personen besucht, darunter auch einem großen Teil Angehöriger anderer Parteien und Verbände. Die Versammlung mußte frühzeitig ausgelöst werden, da infolge einer Äußerung des Redners Rufe und Gegenrufe erfolgten, die sich in Verbindung mit dem Werfen einer Rauchpatrone bis zum Tumult steigerten. Ta sich die vom diensthabenden Polizeioffizier zunächst angeordnete Räumung der Galerie als nutzlos erwies und sich inzwischen an mehreren Stellen des Saales Schlägereien entwickelten, sah sich dieser veranlaßt, die Versammlung für aufgelöst zu erklären. Die Räumung des Saales vollzog sich ohne weitere Zwischenfälle."
über das Befinden Dr. Stegerwalds wird von der Zentrumspartei in Krefeld mitgeteilt, das; Stegerwald sich wohlauf befinde. Außer einigen Beulen hinter den Ohren, die von Faustschlägen herrührten, habe Stegerwald keinerlei Verletzungen davongetragen.
Die Vorgänge in Krefeld haben bereits zu, Besprechungen im preußischen Ministerium des Innern geführt. Der Reichskommissar für Preußen, Vizekanzler von Papen, läßt erklären, daß er die Vorfälle auf das schärfste mißbillige. , .
Auch in Münster, wo Dr. Wirth, und in Trier, wo Landtagsabgeordneter Letterhaus sprach, nahmen Zen- trumsversammlungen einen stürmischen Verlauf.
Zu den Vorgängen in Krefeld erklärt Reichsminister Göring, daß er in einem Telegramm an dir Zentrumspartei schärfste Untersuchung der bedauerlichen Vorfälle zugesichert hat, daß er ferner Maßnahmen getroffen hat, die in Zukunft fache Vorgänge zu verhindern geeignet sind und die sichere Durchführung der polizeilich genehmigten Versammlungen gewährleisten.
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Reichsminister Göring hat an die SA. und SS. und Stahlhelmer einen Ausruf gerichtet, in dem er seine Kameraden bittet, dem deutschen Volke letzt zu beweisen, daß Disziplin, Pflichttreue und Kameradschaft eine der vornehmsten männlichen Tugenden sind. Höchste Wachsamlen sei geboten. Steht fest zusammen, so schließt der Aufruf, und vor allem mit dem, der ganz und gar mit 2etb und Seele zu Euch gehört.
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General Litzmann in Frankfurt a. b. O.
Tie RSDA P. eröffnete den Wahlkampf in Frankfurt a d. C. mit einer großen öffentlichen Kundgebung, auf der General Litzmann sprach. Litzmann erklärte, er sei schon einmal Kandidat der Ns^.A P. gewesen und habe damals die Reichstagssitzung eröffnet. Seme
sehr ernste Mahnung an den Herrn Gènerakseldmarfchall habe ihre Früchte getragen. Er habe es nicht gern getan, so ernste Worte an seinen ehemaligen Kriegskameraden zu richten. Aber da seine Briefe ihn nicht erreicht hätten, hätte er im Reichstag sprechen müssen. Run sei der Erfolg da. Litzmann legie dann ein Bekenntnis ab zu seinem Führer Adolf Hitler. Hitler, den man anfangs vielfach für verrückt gehalten habe, fei ein geborener Führer. Er, Litzmann, sei viel älter als Hitler, aber er beuge sich gern unter den so viel jüngeren Mann, weil er seine große Überlegenheit anerkenne. Der General bat am Schluß feiner Ausführungen, ihn zu ermächtigen, dem Reichskanzler mitteilen zu dürfen, daß in der Ostmark eine begeisterungsfähige, von Vertrauen zu ihm erfüllte Bevölkerung lebe.
Versammlungen im Reich.
In Königsberg sprach in einer Wahlversamm- lung der preußische ^raktionsführer der NSDAP., Kube. Er erklärte^ schon in den nächsten Wochen würde die
Staatsanwaltschaft einen Nationalsozialistischen Ws erhalten, und dann würde man Braun, Severing unb andere vor Gericht zur Verantwortung ziehen. Be- sonders auch bei den Polizeipräsidien würde man ersuchun gen nach den Spitzelgeldern für die in die NsDAP. entsandten Polizeispitzel anstellen.
Der Reichslägsabgeordnete von F r c v t a g h - Loringhoven führte auf einer denckchnationalen Wahlversammlung in Lübeck aus, die fünf Wahlen des Vor- kahres seien Vorvostengefechte gewesen. Heute marschiere die geeinigte Rechte in zwei Heeressäulen zu einem Ziel. Die Ursache des Elends liege in der Außenvolitik. Hugenberg habe mit der Übernahme von vier Ministerien eine ungeheure Verantwortung auf sich genommen. Von i^m dürften wir erwarten, daß er seine Pläne und Gedanken durchführe. Oberster Leitsatz der nationalen Regierung werde es fein, den Bauern und dem Mittelstände zu helfen. Die zweite große Aufgabe fei dieÄnsro^'—a v-s Bolschewismus, die dritte der Kampf um die Wiedererlangung der Freiheit und der Wehrhoheit.
Ein zweites Todesopfer des Hamburger Feuerüberfalls.
Der gemeldete Feuerüberfall auf ein nationalsozialistisches Verkehrslokal in Hamburg hat ein zweites Todesopfer gefordert: ein Altonaer Passant, der einen Nierenschuß davongetragen hatte, ist im Altonaer Krankenhause gestorben. Es handelt sich um den 63 Jahre alten Wilhelm Schnör'lng.
In der Humboldtstraße in Hamburg wurden SA.- Leute, die von mehreren Ordnungsvolizeibe'amtcn begleitet waren, von Kommunisten angegriffen. Die Kommunisten gaben Revolverschüsse ab, worauf die Ordnungspolizeibeamten gleichfalls von ihren Schußwaffen Gebrauch machten. Die Angreifer flüchteten und entkamen. Ob Personen verletzt worden sind, steht noch nicht fest.
Ein Toter, sechs Verletzte in Hannover.
Im Listerturm in Hannover fand eine Wahlversammlung der SPD. statt, bei der es zu Streitigkeiten mit politischen Gegnern kam. Im Zusammenhang damit entstand vor dem Lokal eine Schießerei, die einen Toten und sechs Verletzte zur Folge hatte. Die Verletzten wurden in ein Krankenhaus eingeliefert.
Politischer Zusammenstoß in Kiel.
In Kiel kam es zwischen SA.-Leuten, die von der Nord-Ostsee-Halle, wo Staatsminister Klagges gesprochen hatte, zurückkehrtcn, und Reichsbannerleriten, die einen Umzug veranstaltet hatten, zu einem Zusammenstoß, bei dem mehrere Personen durch Mesicrstichc verletzt wurden. Näheres war von den amtlichen Stellen noch nicht zu erfahren.
Ein neuer AnMag auf Roosevelt.
Ein Paket mit einer Höllenmaschine.
Die Geheimpolizei in Washington gibt bekannt, daß ein neuer Anschlag auf Roosevelt verhindert werden konnte. Auf dem Hauptpostamt in Newyork traf ein in Watertown abgesandtes, an Roosevelt adressiertes Paket ein. Bei der Öffnung stellte man fest, daß das Paket eine Höllenmaschine enthielt.
Den Postbeamten war die mangelhafte Verpackung ausgefallen, so daß eine Untersuchung vorgenommen wurde. Dabei stellte sich heraus, daß in dem Paket eine Reihe von Jagdpatronen mit Draht zusammengebündelt war. Allem Anschein nach handelt es sich um die Arbeit eines Amateurs. Die Konstruktion des Sprengkörpers war so mangelhaft, daß er keinesfalls gefährlich werden konnte. Von Washington aus sind sofort Beamte nach Watertown entsandt worden. Das Paket war adressiert an: „Franklin D. Roosevelt. Washington."
Kleine Jeitunst für «Mae Leser
* Adolf Hitler hat in seiner Eigenschaft als Parteiführer einen Aufruf an die Nationalsozialisten erlassen, in dem er befiehlt, feine gegnerischen Versammlungen zu besuchen.
* Im Hauptausschuß der Abrüstungskonferenz gab Bot schafter Nädolnv den grundsätzlichen Standpunkt der Neichs- regierung zu den französischen Vorschlägen auf Vereinheit- lichung der Heere bekannt.
* Auf Franklin D. Roosevelt, den künftigen Präsidenten der Vereinigten Staaten, war ein neues Attentat geplant: es wurde ihm nach Washington ein Paket mit einer Hüllen- umtobte gesandt.