Zulöaer Anzeiger
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Nr. 35 — 1933 Fulda, Freitag, 10. Februar 10. Jahrgang
Verstärkter Zollschutz.
Zollerhöhungen zum Schutze der Landwirtschaft.
Für Vieh, Fleisch und Schmalz.
Amtlich wird mitgeteilt: Auf Vorschlag des Reichsministers für Ernährung und Landwirtschaft, Dr. Hugenberg, hat die Reichsregierung zunächst zugunsten der besonders schwer dauicderlicgcndcn deutschen Landwirtschaft eine Reihe wichtiger Zollerhöhungen beschlossen. Es handelt sich um eine Verstärkung des Zollschutzes für lebendes Vieh, Fleisch und Schmalz. Auf diesen Gebieten soll jede überflüssige Einfuhr vermieden werden.
Im einzelnen ist zu den Zollerhöhungen für landwirtschaftliche Erzeugnisse zu melden: Es werden erhöht: der Zoll für lebendes Rindvieh auf 50 Mark je Doppelzentner, für Schafe auf 45 Mark und für lebende Schweine auf 50 Mark, die Fleischzölle für frisches Fleisch auf 100 Mark, für Fleisch, einfach zubereitet, auf 150 Mark und für Fleisch zum feineren Tafelgenuß auf 280 Mark je Doppelzentner. Ein Einfuhr- bedarf liegt bei diesen Erzeugnissen nicht vor. Die deutschen Viehbestände sind größer als vor dem Kriege und reichen für die einheimische Bevölkerung aus. , Ein Eingreifen war auf diesen Gebieten dringend, da d i e P r e i s e im Verhältnis zur Vorkriegszeit hier besonders niedrig liegen. Die Reichsrichtzahl bei Rindern beträgt 53 Prozent, bei Schweinen 67, bei Schafen 64, bei Vieh insgesamt 62 Prozent gegenüber der Vorkriegszeit.
Die Erhöhung des S ch m ä l z z o l l e s auf 50 Mark hat die Aufgabe, eine stärkere Deckung unseres Fett
Frankreichs Alpdruck.
Französische Alarmruke.
Der „Alpdruck der Koalitionen", unter dem seinerzeit Bismarck, wie er erzählt, gelitten hat, scheint jetzt auf Frankreich übergegangen zu sein. Es sieht in jeder selbständigen Regung des nationalen Deutschlands eine Spitze gegen sich, und hinter jeder freundschaftlichen Äußerung des Auslands Deutschland gegenüber wittert es voll Mißtrauens und schlechten Gewissens ein a n t i f r a n z ö s i s ch e s Bündnis. Darüber hinaus bemüht es sich aber auch, ohne selbst an ihr Bestehen zu glauben, Gerüchte über Offensivgeheimabkommen Deutschlands mit anderen Ländern in die Welt zu setzen, um bei anderen Interessenten gegen Deutschlands außenpolitische Bemühungen zu Hetzen und Gegenminen zu legen. So hat die letzte Sitzung des Auswärtigen Ausschusses der Französischen Kammer unter dem Zeichen angeblicher d e u t s ch - italienisch-ungarischer Beziehungen gestanden.
Dabei wurde von feiten des rechtsstehenden Abgeordneten Aburnegary die Behauptung aufgestellt, daß Wischen diesen drei Mächten am 7. August v. I. ein defensiv- und Offensivabkommen unter- ^itet worden sei. Herriot soll daranf erklärt haben, "aß er ein derartiges Abkommen zwar vermute, daß er über den Quai d'Orsay verlassen habe, ohne positive Beweise dafür in Händen au haben.
bedarfes aus einheimischer Erzeugung yerbeizu- führen. Diese Maßnahme ist für unsere Schweinezucht von nicht zu unterschätzender Bedeutung. Der außerordentliche Tiefstand der Schweinepreise hat zu einem nicht unerheblichen Teil seinen Grund in den Absatzschwierigkeiten für Schweinefett, die unter dem Einfluß einer steigenden Schmalzeinfuhr eingetreten sind. Die erhöhten Zollsätze treten mit Ablauf der Zollbindungen im deutsch-schwedischen Handelsvertrag am 15. F e b r u a r 19 3 3 in Kraft.
Die bisherigen autonomen Zollsätze
sahen wie folgt aus: Lebendes Rindvieh 27, Schafe 22,50, lebende Schweine 27, Frischfleisch 45, Fleisch einfach zu- bereitet 60 und Fleisch zum Tafelgenuß 120 Mark. Der ursprüngliche autonome Zollsatz für Schmalz von 12,50 Mark war inzwischen bereits heraufgesetzt worden.
*
Reichslandbund fordert völlige Buttereinfuhr- sperrung.
Der R e i ch s l a n d b u n d hat ein Telegramm an den Reichskanzler und den Reichsernährungsminister gerichtet, in dem erklärt wird: Da für den Butterpreis, der am Donnerstag wieder um fünf Mark gefallen sei, ein weiterer Sturz zu befürchten wäre, müsse die Reichsregierung sofort eingreifen. Der gegenwärtige Notstand rechtfertige die sofortige völlige Sperrung der Grenzen gegen Butterüberschwemmung und" scharfe sonstige Eingriffe zur Marktbereinigung.
Er soll schließlich erklärt haben, daß zuin mindesten zwischen Deutschland und Ungarn einerseits und Ungarn und Italien andererseits ein derartiger Vertrag unterzeichnet worden sei.
Zu diesen Behauptungen des französischen Abgeordneten über ein deutsch-italienisch-ungarisches Geheimabkommen wird von zuständiger deutscher Stelle erklärt, daß hiervon nichts bekannt sei. Eine ähnliche Behauptung ist übrigens schon vor einigen Wochen aufgestellt und bereits damals dementiert worden.
Im übrigen bezeichnete in der französischen Ausschußsitzung Herriot die gegenwärtige außenpolitische Lage als äußer st ernst, gab aber der Hoffnung Ausdruck, daß die nationalsozialistische Bewegung in Deutschland und vor allem der Kampf gegen den K o m m unisinus dazu beitragen würden, die französisch-russischen Beziehungen zu verbessern. In diesem Zusammenhang erklärte Herriot, daß in der nächsten Zeit in Moskau und Paris an der französischen und der russischen Botschaft wieder Militärattaches ernannt werden sollen.
Ubarnegary erklärte ebenfalls in der deutlichsten Absicht, sich bei Rußland anzubiedern, daß der Reichskanzler Frankreich und den übrigen Großmächten demnächst ein Bündn i s gegen den Ko mmuni s mus anbieten werde, daß man sich französischerseits aber vor einem derartigen Angebot h ü t e n m ü s s e.
SWi) Mf das hsllälidislhe Meaterelslhiff
M ^ in den ostindischen Gewässern.
Nach einer Meldung aus Batavia hat das gegen die Meuterer eingesetzte Geschwader den Panzerkreuzer „Sieben Provinzen" in der vergangenen Nacht, um 1.40 Uhr deutscher Zeit, in Sicht bekommen. Inzwischen sollen die Meuterer durch Gewalt zur Kapitulation gezwungen worden sein. Eine neue Meldung aus Batavia besagt folgendes:
Die aufrührerische Mannschaft des niederländischen Schlachtschiffes „Sieben Provinzen" hat kapituliert. Bisher sind folgende Nachrichten über den Vorgang eingetroffen: Heute früh forderte der Befehlshaber des Geschwaders durch Funkspruch die Meuterer auf, bedingungslos zu kapitulieren, falls sie nicht wollten, daß Gewalt gebraucht werde. Er verlangte, das Schiff solle stoppen, die niederländische Flagge hissen und auf dem Deck eine weiße Fahne zeigen. Nach 10 Minuten kam die Antwort: „Hindert uns nicht". Nun wurde eine Bombe neben dem Schlachtschiff ins Wasser geworfen. Da das Meutererschiff noch immer keine Anstalten traf, sich zu ergeben, warf ein Dornierflugboot eine zweite Bombe ab, die ein T r e f f e r war. An Bord entstand ein Brand, der aber nicht ernster Natur war. Die Mannschaft v e r ließ d as Schiff in Booten, sendet aber noch immer drahtlose Botschaften. Weitere Nachrichten sind noch nicht eingegangen.
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Die Kapitulation der „Sieben Provinzen".
Batavia, 10. Febr. (Funkmeldung.) Die Begegnung der ausgesandten Kriegsschiffe mit dem Meutererschiff „Sieben Provinzen" entwickelte sich genau nach dem vorher entworfenen Programm. Der Kreuzer „Java", die Torpedobootjäger und Unterseeboote wurden in Bereitschaft gehalten, um nötigenfalls aus größerer Entfernung mit Schiffsartillerie und Torpedos in Aktion zu treten. Die Flugzeuge gingen sofort mit Bomben zum Angriff über und überflogen das Meutererschiff. Die auf dem Schiff explodierte Bombe, die etwa % Stunden nach der Sichtung der
Der Kapitän ohne Schiss
Unsere Aufnahme zeigt Kapitän P. Eikenboom, dessen Äüstenpanzerschifs „De Zeven Provincien" von ein- geboreuen Meuterern entführt wurde.
Deutscher Schritt in Stockholm.
I Göring protestiert gegen Beleidigung Hitlers.
Der deutsche Gesandte in Stockholm, von Rosenberg, hat bei dem stellvertretenden Außenminister Unden Vorstellungen wegen der unfreundlichen Haltung eines Teiles der schwedischen Presse gegenüber der neuen Reichsregierung erhoben. Der deutsche Gesandte hat darauf hingewiesen, daß solche Presseäußerungen die politische Atmosphäre zwischen den Staaten verschlechtern könnten. Er hat dafür, wie von Berliner unterrichteter Seite erklärt wird, bei den schwedischen Instanzen volles Verständnis gefunden. In Stockholm ist zugesagt worden, entsprechend âuf die Presse einzuwirken.
Reichsminister Göring hat wegen der besonders unfreundlichen Stellungnahme einer Göteborger Zeitung an dieses Blatt ein Telegramm gerichtet, in dem er bittet, die Angriffe auf Hitler "und die neue Reichsregierung cin- zustellen. Dieses Telegramm stellt, wie von unterrichteter Seite erklärt wird, keine Regierungsaktion dar, da es der Privatinitiative Görings mit Rücksicht auf seine guten Beziehungen zu Schweden entsprungen sei.
Als private Äußerungen sind auch die Telegramm- Wechsel des Reichsministers Göring imb anderer Regie- rungsmitglieder mit italienischen Ministern zu betrachten.
Reichstags - Überwachungsausschuß wieder «inberusen.
Der Überwachungsausschuß des Reichstages ist jetzt bon seinem Vorsitzenden, Löbe (Soz.), aus Dienstag, H. Februar, 12 Uhr, einberufen worden. Dre ^agcsord- nung ist unverändert geblieben. Auf ihr stehen die sozml- demokratischen Anträge auf Sicherung der Wahtsrethelt Mrd auf Weitexberatung der Osthilfe.
Ein zweiter Brief Löbes au Göring.
Löbe hat an den Reichstagspräsidenten Göring ein zweites Schreiben gerichtet, in dem er für die Bereitwilligkeit zu einer Vermittlung anläßlich der Zwischenfälle im Ausschuß dankt, aber betont, daß eine solche direkte Auseinandersetzung mit dem nationalsozialistischen Abgeordneten Dr. Frank II ihm unmöglich erscheine. Löbe erklärt dann, die Beschimpfungen der nationalsozialistischen Ausschußmitglieder gegen ihn seien „zehnmal schwerer als der Ausdruck, der ihm in völlig entstellter Form aus einer Wählerversammlung zugeschoben" werde. Unter diesen Umständen hätten sich die Nationalsozialisten bei ihm zu entschuldigen. Löbe wiederholt dann das Ersuchen, einen geordneten Verlauf der Ausschuß- verhandlungen zu ermöglichen und bittet den Reichstags- Präsidenten, an den Ausschußverhandlungen selbst teilzu- uehmen, um damit Zeuge etwaiger neuer Storungs- vcrsuche zu sein.
Wahtabkommen der Mitte.
Deutsche Volkspartei, Christlich-Sozialer Volksdieust und Deutsche Bauernpartei haben ein von ihren Partel- leitungen vorbereitetes technisches Wahlabkommen in Kraft gesetzt, das dazu dienen soll, alle Möglichkeiten des Wahlgesetzes zugunsten der Sicherung aller für diese Parteien abgegebenen Stimmen auszuschöpfen. Die drei genannten Parteien stellen zu diesem Zweck einen g c m eins a m e n R c i ch s w a h l v o r s ch l a g auf, an den alle einzelnen selbständigen Kreiswahlvorschläge dieser Parteien angeschloffen werden. Die Deutsch-Hannoveraner sind ihrerseits wiederum dem Christlich Sozialen Volksdienst nm ^'^im'gleiches Abkommen ist für die preußischen Landtaaswahlen zwischen der Deutschen Volkspartei und dem LHListlichâr'ralen PoUMenst aeschhosien worden.
„Sieben Provinzen" abgeworfen wurde, wog 50 kg. Die Folgen des durch sie verursachten Brandes sind offensichtlich nicht ernstlich. Nach dem Ausbruch des Brandes erfolgte die Kapitulation des Schiffes. Wäre sie nicht erfolgt, dann wären die Flugzeuge dazu übergegangen, Bomben von 200 kg. Gewicht abzuwerfen. Die Bemannung ging nach der Uebergabe in die Boote, die von dem konzentrisch herankommenden Einheiten des Geschaders im Empfang genommen wurden. Der Panzerkreuzer „Sieben Provinzen" steht jetzt wieder unter dem Kommando der Offiziere. —'Die Kapitulation erfolgte etwa 3 Uhr morgens mitteleuropäischer Zeit.
Die Danziger Flieger in München.
München. Die auf einem Fluge durch Deutschland befindlichen Danziger Flieger sind in München eingetroffen. Ein Geschwader der deutschen Verkehrsfliegerschule Schleichheim war den Danziger Fliegern entgegengeflogen. Vertreter der Staatsregierung, der Stadt, des Vereins für das Deutschtum im Auslande, der Reichswehr und der Landespolizei hatten sich zu dem Empfang, bei dem kurze Ansprachen ausgetaüscht wurden, eingefunden. Der Flugplatz in Oberwiesenfeld war in den deutschen, den bäuerischen, den Münchener und den Danziger Farben geschmückt.
kleine Zeitung für eilige Leser
* Zollerhöhungen zum Schutze der Landwirtschaft wurden für Vieh, Fleisch und Schmalz von der Reichsregierung bc schlossen.
* Die Zahl der Arbeitslosen weist mit 6014 000 eine ver hält» is mäßig geringe Steigerung aus. Es machen sich Zeichen tonjunhurcUcr Besserung bemerkbar.
* Tas Namensschild des Kreuzers „Emden" soll von dem australischen Minister in London. Bruce, dem Rcichspräsi Semen überreicht werden.