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Versiegte Arzneiquellen.

Die Benachteiligung der Kassenkranken. Keine Verwendung, aber auch keine zu engen Fesseln. Umkämpfte Richtlinien.

Von Stadtfürsorgearzt Dr. med. Heinz Hei tau, Berlin.

Arzt und Apotheker erfreuen sich im allgemeinen keiner großen Beliebtheit. Die Inanspruchnahme beider ist durch Krankheit bedingt und mit unvorhergesehenen Geldausgaben verbunden. Diese Sorge war allerdings einem Teil der Bevölkerung bis vor kurzem abge- nommen durch die deutsche Krankenversicherung. Inzwischen ließen Wirtschaftskrise und steigende Zahl der Arbeitslosen die Einnahmen der Krankenversicherung zurückgehen und zwangen zur Einführung von Sparmaßnahmen. Gegen vernünftige Sparmaßnahmen wird niemand etwas einzuwenden haben. Wenn aber auf einem Gebiet durch übertriebene Vorschriften Schaden hervorgerufen wird, dann ist es Zeit zu warnen.

Die ausreichende Arzneiversorgung der Versicherten ist in Frage aestellt. Bis zum Erlaß der ersten Notverordnung des Reichspraw deuten vom 26. Juli 1930 wurde den Versicherten mit wenigen Ausnahmen die Arznei kostenlos gewährt. Durch die Notverordnung wurde eine einmalige Krankenscheingebühr von 0,50 und eine Gebühr von 0,50 ^ für jede ärztliche Verordnung eingefuhrt. In der Familienversicherung müssen die Kranken sogar in allen Fallen 50 Prozent der Arzneikosten tragen. Die Krankenkasse hat keine Möglichkeit in Notfällen die vollen Arzneikosten zu übernehmen le­benswichtige Arzneien können nicht abgeholt werden, weil die Kostcn- anteile nicht aufgebracht werden können. Der Apotheker hilft, wo er kann. Es geht aber heute auch den Apotheken schlecht, cm gro­ßer Teil hat mit erheblichen Schwierigkeiten zu kämpfen, so daß er nicht so helfen kann, wie er möchte. Hier sollte eine Än­derung der Krankenversicherung Erleichterung bringen. Ebenso wie eine Herabsetzung der Arzneikostenbeteiligung (von 0,50 -# für lebe Verordnung) angebracht ist. Weitere Maßnahmen zur Drosselung des Ärzneiverbrauchs der Krankenversicherung sind der Regelbetrag auf die Richtlinien des Reichsausschusses für Aerzte und Kranken­kassen für wirtschaftliche Arzneiverordnung. Der Regelbetrag ist ein kompliziert errechneter Betrag, der dem Arzt bei der Arzneiverord­nung zugebilligt wird. Ueberschreitet der Arzt diesen Betrag, dann wird die Bezifferung von seinem Kassenhonorar abgezogen. Der Arzt wird also bestrebt sein, so billig wie möglich zu verordnen.

Die Richtlinien für wirtschaftiche Arzneiversorgung siiid am schärf­sten umkämpft. Sie stempeln in ihren Auswirkungen den Kassen­patienten zum Patienten zweiter Klaffe. In zahlreichen Verordnun­gen wird der Arzt angehalten, billig zu verordnen, ja darüber hin­aus muß er so verordnen, daß der Kranke sich die Arznei ans dem verordneten Arzneimittel selbst Herstellen soll. Der Kranke wird angehalten, sich Lösungen von den empfindlichen Iod- und Bromsalzen selbst anzufertigen, Tees selbst zu mischen, Abgüsse und Abkochun­gen von bestimmten Drogen selbst zu bereiten, obwohl dem Apothe­ker für die Bereitung derselben im Deutschen Arzneibuch genaue Vorschriften gemacht sind, die weder Arzt noch Patient kennen. Kein Wunder, daß auch in ärztlichen Kreisen diese Richtlinien lebhafter Kritik begegnen. Besonders die Herstellung von Lösungen durch den Kranken wird mit Recht als eine unmögliche Forderung bezeichnet.

Man kann sich den kritischen Aeußerungen der Aerzte nur an­schließen. Auch der Kassenkranke hat ein Recht auf ausreichende Arzneiversorgung. Die verantwortungsvolle Arbeit des Apothekers läßt sich nicht ausschalten. Es wirb durch solche übertriebenen Maß­nahmen aber auch die Existenz der deutschen Apotheke und damit die Aufrechterhaltung einer geordneten Arzneiversorgung gefährdet. Der Schaden an der Volksgesundheit wird wesentlich größer sein als die bestenfalls erzielten Einsparungen.Verschwendung von Geldern für Medikamente und Apparate", so schreibt die ZeitschriftDer Kassenarzt" dazu, ist mit allen Mitteln zu unterbinden. Man gerate aber nicht in das andere Extrem, die Aerzte zurNur Wirtschaft­lichkeit" mit derartigen Richtlinien erziehen zu wollen. Wenn schon Richtlinien und notwendig sind sie natürlich, dann solche, die ernst zu nehmen sind, die von Praktikern verfaßt werden und in aller Oeffentlichkeik vorher zur wiffentschaftlichen Diskussion stehen. Dann weroen sich auch die Aerzte ihnen gern fügen, während jetzt die Empörung der Aerzte gegen solche Maßnahmen sich auf die Patien­ten zu übertragen droht. Und den Schaden wird die Volksgesundheit haben! ,

Diesem Zitat ist nichts mehr hinzuzufügen. (Darmst. Tagbl.)

Vermischtes

= Hundetreue. Ein seltenes Beispiel von Treue bis zum Tode bewies der Führerhund eines Kriegsblinden aus Schönebeck - Bad Salzeimen in der Provinz Sachsen. Der Kriegsblinde hatte den Hund, da er nicht in allen Fällen genügte, nach Berlin verkauft. Nach einem

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Der Kampf um Glück.

Roman aus dem Leben.

Urheberrecht durch Herold-Verlag Homburg-Saar.

28] (Nachdruck verboten.)

Johanna sah freudig lächelnd, mit strahlendem Gesicht zu ihrem Vater hinüber, und auf diesem Gesicht stand das ganze, stolze Liegesbewußtsein geschrieben.

Barer und Tochrer nahmen kurzen Abschied. Johannsen küßte seine lochtet auf die Stirn:Immer Kopf hoch, mein Kind! Tu hast dich mit deiner Liebe vor niemand zu schämen und zu fürchten!"

Schanna nickte entschlossen. Es lag etwas in ihrem Gesicht, das sagte:Sie sollen es nur wagen! Ich werde meine Liebe zu verteidigen wissen!"

Vaier läßt sich entschuldigen," sagte Johanna zu Gertrud,er lieg! immer noch tm Bett, er hofft aber recht bald wieder einmal auf deinen lieben Besuch "

Gertrud sah ein wenig erstaunt Johanna an. Jetzt in einem ge­schmackvollen modernen Skib mit dem hübschen runden Hut sah man erst, wie hübsch Johanna war: ja, Gertrud fand sie nicht nur hübsch, sondern direkt elegant und vornehm und heimlich gestand sie sich, daß dieses einfache Mädchen sich mit jeder vornehmen Dame messen könne.

Johanna ging noch für einen Augenblick zu der Nachbarin, um ihr Bescheid zu jagen; gleich darauf trat sie mit der Freundin auf die Straße.

Sie gingen ein Stückchen zu Fuß die Straße hinunter. Gertrud, die bei ihrem ganzen Vorhaben von den besten, ehrlichsten Ab­sichten beseelt war, bekam plötzlich doch leise Bedenken, wie die Muller das junge Mädchen aufnehmen würde und ob sie auch wirklich recht daran getan hatte, sich in eine jo heikle Angelegen­heit zu mischen

^cdenitlls hielt sie es für bester, wenn Johanna und sie vo-r- laung nicht zusammen gesehen würden: sie rief deshalb an der naemten Straßenecke eine Taxe heran Zu Johanna sagte sie, während der Wagen heranfuhr iEs ist leich möglich daß Mama vormittags fortgeht, wir müssen uns deshalb beeilen sie zu treffen." °

Johanna erwiderte nichts, sie war zu sehr mit ihren eigenen ©ebanfen beschäftigt; ruhig stieg sie mit der Freundin in das Gnahrl, welches die beiden Mädchen, nachdem Gertrud die Adresse genannt hatte, tn scharfem Tempo aus dem lebhaften St Pauli hinaus und am Heiliggeistfelde vorbei nach der vor dem Tamm­tor gelegenen Steinthalschen Villa brachte.

*

Hier herrschte noch immer dumpfe, stumpfe Verzweiflung. Ein lähmender Schrecken lag über dem Hause.

Monat wurde der Hund eines Morgens zufammengevrochen vor dem Hause des Kriegsblinden aufgefunden. Der treue Hund hatte seinen früheren Herrn von Berlin aus gesucht und war 32 Tage umherirrend unterwegs gewsen, bis es ihn wieder gefunden hatte. Das arme Tier bezahlte seine Treue mit dem Leben, denn'es war so erschöpft, daß nichts weiter übrig blieb, als ihm eine Spritze zu geben, die es von weiteren Qualen erlöste.

's isch a soo recht". In der Neckargegend hört man oft die Redensart:'s isch a soo recht". Man will damit zum Ausdruck bringen, daß man auch mit einer anderen Lösung als der gewünschten zufrieden ist. Der Redensart soll folgendes zugrundeliegen: Ein biederer Schuhmacher­meister hatte mit seinem Lehrbubey eine handgreifliche Aus­einandersetzung, die damit endete, daß der Bub entwich, als der Meister ihm einen handfesten Schuhleisten nach­werfen wollte. In dem Augenblick, wo der Bub zur Tür hinaus entweicht, erscheint im Türrahmen die Meisterin. Der Uebeltäter entwischt und das Wurfgeschoß fliegt ihr an den Kopf,'s isch a soo recht", schmunzelt der Meister und beginnt einen neuen Pechfaden zu drehen.

Nationale Babywoche".

In den Vereinigten Staaten ist es Sitte, gewisse Tage und Wochen des Jahres für besondere soziale oder wirt­schaftliche Zwecke zu reservieren. Eine nationale Gesell­schaft hat sich die Mühe gemacht, eine Liste ber_gesetz­lichen und öffentlichen Feiertage und der besonderen Wochen und Tage Amerikas" für das neue Jahr heraus- zugeben. In dieser Liste sind nicht weniger als 30 Wochen für besondere Zwecke reserviert. Es befinden sich unter diesen Sonderwochen einenationale Eierwoche", einenationale Musikwoche", einenationale Rosinen­woche", einenationale Babywoche", eineWoche der Dichtkunst", eineWoche der Mohnblumcuknospen", eine Woche zur Verhütung von Bränden", eineSüßigkeiten- woche", eineApfelwoche" usw. Unter den 42 besonderen Tagen, die zu beachten sind, finden sich auch einige von großer Originalität. Es gibt da einenTeile mit dem andern-Tag", einenSpartag", einenMache dein Testa- ment-Tag", einenTag für das eigene Heim", einen nationalen Fischtag" und einenmenschlichen Sonntag". Wenn die Amerikaner alle diese besonderen Wochen und Tage gehörig beobachten, werden sie wohl kaum noch viel Zeit für andere Dinge übrighaben, zumal sie sich an einigen der besonderen Tage und Wochen, wie zum Bei­spiel in derSüßigkeitenwoche" und in derRosinen- wochc", so gründlich den Magen verderben werden, das; sie dann noch besondere Natronwochen werden einschieben müssen.

Winierkost.

Wie unsere Wohnung, so verlangt bei Eintritt des Winters auch das Körperinnere eine gewisse Anheizung; denn zur Aufrechterhaltung der normalen Körpertempera­tur gegenüber der kalten Autzenluft mutz auch der Ver­brennungsprozeß, der sich ständig in unserem Körper voll­zieht, erhöhten Ansprüchen gewachsen sein. Das not­wendige Heizmaterial dafür liefert uns die tägliche Nahrung.

Unser Körper bedarf zu feiner Erhaltung und Leistungsfähigkeit einer bestimmten Menge von Nähr­stoffen, deren wesentlichste Eiweiß, Fett und Zuckerstofse sowie Mineralsalze und die sogenannten Ergänznngs- nährstoffe (Vitamine) sind. Das jeweilige Mengenver­hältnis ist dabei hauptsächlich abhängig von Alter, Beruf und Jahreszeit sowie vom.Heizwert" der einzelnen Nahrungsmittel. Hinsichtlich dieses stehen die Fette in der Liste obenan. Man wird also, wenn es wie im Winter gilt, auch innerlich tüchtig eintzuheizen, den Fettgenuß (Butter, Fett, Speck, Margarine, Ol usw.) zweckmäßig etwas mehr als sonst in den Vordergrund der Ernährung stellen.

Als Eiweißspender kommen hauptsächlich Fleisch, Eier und Milch in Betracht. Auch auf den Seefisch sei

Erich war verschwunden und hatte sich nicht wieder blicken lassen. Frangenheim hatte das Haus ebenfalls unter furchtbaren Verwünschungen verlassen, und seine Gattin, aufgerüttelt aus ihrer kühlen Apathie gegen alles, was sie nicht direkt anging, war ihm gefolgt, Angst, Grausen und Verzweiflung in den sonst so kühlen Augen.

Frau Konstanze hatte die ganze Nacht keinen Schlummer ge­funden. Mit weißen Haaren und ticfeingefallenen Zügen hatte sie sich am Vormittag aus dem Bett erhoben. Sie tat nichts, denn sie wuß.e ja nicht, was sie tun sollte, um dem Verderben Einhalt zu gebieten, das über ihr Haus hereinzubrechen drohte. Sie ergab sich vorläufig in das Unabänderliche und hoffte, daß von Erich oder von Wohlertsen irgend eine Nachricht kommen würde, nach welcher, sie dann ihr Tun und Lasten zu richten haben würde.

Einen Wagen hörte sie plötzlich vor dem Vorgarten halten, sie konnte ihn nicht sehen, denn das Fenster des Erkers ging nach der entgegengesetzten Seite Für einen Augenblick fuhr Frau Kon­stanze aus ihrem Sinnen empor, aber sie sank gleich wieder zurück. Sie hoffte auf irgend eine Nachricht, aber sie fürchtete sich auch davor.

Ta öffnete Josef wieder leise die Tür und wollte sich seiner Herrin mit einer vorsichtigen Meldung nahen, aber er kam nicht zur Ausübung seiner Pflicht. Gertrud, die rasch mit Johanna hinter ihm eintrat, schob ihn beiseite.

Lassen Sie nur!"

Und lebhaft wandte sie sich an ihre Mutter, die ihr den Rücken zuwandte:Mamachen, da bin ich wieder! Ich habe dir auch je­mand milgebracht!"

Mit einer plötzlichen Ahnung richtete sich Frau Konstanze empor und wandte sich um.

Mitten im Zimmer, tiefe Röte im Gesicht, stand Johanna Jo­hannsen

Frau Konstanze zitterte unwillkürlich vor Aufregung, sie wollte- etwas sagen, brachte aber kein Wort über ihre Lippen.

Da hielt es Johanna für geboten die alte Frau anzureden, aber wie sie die Augen zu ihr aufschlug und die Lippen öffnen wollte, verstummte sie plötzlich wieder. So sehr entsetzte sie der Anblick dieses gramdurchfurchten Gesichts und in jähem Schrecken fühlte sie die Anklage gegen sich geschleudert:An dem Elend an dem Jammer dieser Frau trägst d u die Schuld!" Und ihre ganze frohe Sicgesgewißheit verflog in alle Winde.

24.

Was zwischen Frau Konstanze und Johanna verhandelt wurde, hat niemand gehört, da kein Zeuge bei dieser Unterredung zu­gegen war.

Gertrud hatte gleich, nachdem sie gekommen war, auf einen Wink ihrer Mutter das Zimmer verlassen.

Aber es mußte etwas Gewaltiges gewesen sein, was Frau Kon­stanze dem jungen Mädchen gesagt hatte, etwas, das geeignet war, ihr felsenfestes Vertrauen in ihre Liebe zu erschüttern, oder etwas, das starker war als ihr Mut zum Glück.

hier als billigen, vollwertigen Eiweißträger hingewiesen, der zudem and) Vitamine und Mineralsalze in reichlichen Mengen enthält. Glücklicherweise tritt dies besonders gerade für die billigen, fetten Fische (Hering, Bückling und Sprotte), aber auch für Schellfisch und Kabeljau zu.

Weitere Vitaminträger sind frisches Obst und frisches Gemüse, indessen diese fehlen zur Winterszeit meist ganz oder sind doch nicht für jedermann erschwinglich. Be­sonders Kindern gebe man daher, wo es augeht, Apfel und Nüsse, Apfelsinen und Mandarinen, oder auch die gut schmeckenden Fruchtsäfte. Diese eignen sich ebenso mie Ge­müse oder Zitronensaft auch als Anlage zur Milch des Säuglings und des Kleinkindes. Da die Milch im Winter, wo das Vieh nicht hinaus auf die Weide kommt, erheblich ärmer an Vitaminen ist als im Sommer, be­darf das wachsende Kind einer solchen Nahrungszulage.

Die nötigen Zuckerstoffe und Mineralsalze beziehen wir am billigsten durch die Kartoffelu. Um von ihrem Nährwert nichts zu verlieren, sollte man Kartoffeln stets in der Schale kochen oder am besten dämpfen.

Der Winter stellt also, wie man sieht, an die Kochkunst der Hausfrau, die eine gesunde Küche führen will, allerlei Anforderungen, denen aber mit einigem Wissen und Wollen nicht schwer zu genügen ist. Dr. C. K.

Börse und Handel.

Frankfurt a. Bk. (B u t t e r g r o ß h a n d e l s p r e i s e vom 21. I a n u a r.) Auch im Vuttergeschä't waren die Preise weiter erholt, und das Geschäft war etwas lebhafter. Bevor zugt wirb meist die billige liiddeutsche Butter, während hol ländische und norddeutsche Ware nur wenig gefragt war. Der größere Milchverbrauch und das kalte Wetter haben die Zufuh ren verringert. Die Verkaufspreise des Großhandels lauten (in 1-Ztr.-Tonnen): Holländische Markenbutter 117121, deutsche Markenbutter 105108, südd. Butter 9» -105 RM.

Frankfurt a. M. (E i e r g r h a n d e l sp r e i s e vom 21. Jan u a r.) Der Absatz gestaltete sich in der abgerarrfeuen Woche etwas besser, doch werden nach wie vor nur die billigsten Sorten bevorzugt. Infolge des Frostwetters hat die Neupro duktion merklich nachgelassen, so daß die Preise etwa X% Pf höher liegen, deutsche Frischeier waren 1% Pf. fester. Es notierten in Pfennig per Stück loco Frankfurt (Main) ; Bul garen 7.258, Jugoslawen 7.508, Rumänen 7.508, Ho! iänber 7.259.75, Flandern 88.15, ungestempelte bayerische Land ei er 88.75, deutsche Frischeier 8.2511.

Frankfurt a. M. (Schlachtviehmarkt vom 2 3. Jan. nichtamtlicher Vorbericht.) Ochsen: al) 2528 bl) 2224, c) 1921. Bullen: a) 2426, b) 20 bis 23. Kühe: a) 2123, b) 1820, c) 1517, b) 1214. Färsen' a) 2628, b) 2325, c) 20-22. Kälber: b) 3135, c) 2730, d) 2226. Schafe: al) 2426, a2) 2023. Schweine: b) 36 bis 39, c) 3639, d) 3538, e) 3236. Aufgetrieben waren Rinder 1508, darunter Ochsen 360, Bullen 126, Kühe 510, Färsen 416, ferner Kälber 682, Schafe 110, Schweine 4016 Marktverlauf: Rinder schleppend, Kälber, Schweine und Schafe mittelmäßig.

Amtliche Berliner Notierungen vom 21. Januar.

* Devisenbörse. Dollar 4,20-4,21; engl. Pfund 14,1214,16; boll. Gulden 169,18169,52; Danz. 81,7781,93; franz. Franc 16,4216,46; schweiz. 81,1281,28; Belg. 58,3058,42; Italien 21,5421,58; schwed. Krone 76,9277,08; dän. 70,9871,12; norweg. .72,4372,57; tschech. 12,4612,18; öfters. Srüillina Argenttn

* Produktenbörse. Im Zeithandel erfolgte nach reichlichen Abgaben besonders am Roggenmarkt intensivere Stützung, so daß im Verlaufe eine leichte Erholung der schwachen Notierun­gen aufkam. Abladungsware märkischer Herkunft wird weniger als bisher offeriert.

Handelsrechtliche Licferungsgeschäfte. Weizen: Mär; 199,50199, Mai 201,50200,50; Roggen: März 1'59159 bis 159,50. Mai 161,50161161,25; Hafer: März 121 bis 121 Br., Mai 124123,75 Vr.

* Berliner Butternotierungen. 1. Qualität 90, 2. Qualität 83, abfallende Sorten 76 Mark je Zentner.

Ganz gebrochen verließ Johanna nach ungefähr zweistündiger Unterredung das Zimmer Frau Konstanze war ganz erschöpft m ihren Sessel zurückgesunken, nachdem sie noch einen zärtliche« Jbidjieb von dem jungen Mädchen genommen hatte.

' Als Johanna sich heimlich wie eine Sünderin aus der Villa schlich, blickte sie sich scheu nach allen Seiten um, um keinem zu begegnen. Ihre Augen waren rot vom vielen Weinen. Jetzt war ihr Tränenquell versiegt; der höchste Schmerz, die grausamste Verzweiflung kennt keine Tränen, die Natnr versagt in diesem Falle den lindenden Trost.

G.ucklich gelangte Johanna ungesehen durch den Vorgarten uns obald sie das hohe Gittertor hinter sich ins Schloß fallen hörte, begann sie mit fliegenden Schritten die Slraßc hinabzulaufen, immer vorwärts - weiter - weiter, fort von dem Unglückshause, wo man ihr alles genommen hatte, was den Inhalt ihres Lebens z

Sie achtete nicht auf den Weg. sie lief nur immer weiter, bog aus einer Straße in die andere ein, kam in freie Alleen und Wege und befand sich nach ernstündiger Wanderung plötzlich auf der hohen Brücke, welche sich breit und prächtig über den Hafen spannt und gewissermaßen den südlichen Abschluß der Hafenanlagen bildet.

Sie war müde von dem raschen, anhaltenden Gehen und lehnte sich an einen der Brückenpfeiler, um einen Augenblick st.hcn zu bleiben. Sie empfand auch das dringende Bedürfnis, ein klein wenig Klarheit in ihre wirren Gedanken zu bringen.

Ihr erster Entschluß war, sich nicht mehr daran zu erinnern, was sie gehört hatte, sondern vorwärts zu denken an das, was nun geschehen sollte. Und da gab es eigentlich nur eins, und das war der Todcssprnng hier von der Brücke herab. Ja, ja, das war das einzige, das letzte, das alles beruhigende Mittel. Ob sie zer­schmettert auf eins der Boote sprang, ob die Elbe sie direkt in ihre Arme nahm und sie in ihre schwarze Tiefe hinabzog, das war einerlei, nur der Sprung von der Brücke konnte sie retten.

Sie blickte um sich; sie hatte bisher gar nicht bemerkt, daß die Brücke von zahlreichen Passanten belebt war. Jetzt erst sah fi6 daß zwar viele Männer, Frauen und Kinder vereinzelt und im Knäuel sich an ihr vorüberdrängten, daß aber feiner auf sie achtete. Sie mürbe deshalb einen Zeitpunkt abwarten müssen, wo bet Verkehr auf der Brücke ein wenig nachließ, einen Augenblick, um kein' Mensch sich in ihrer nächsten Nähe befand.

Und wie sie so grübelte, da umschrillte es sie plötzlich, als feiet alle Furien der Hölle losgelasscn, und packte cs sie jäh ings wie: mit eiserner Faust, daß sie zurückfuhr mit einem halbersticktc» Schrei.

Ueber den Hafen hin hatte ein heiserer Pfiff gehallt, dem gleich i darauf ein zweiter, ein dritter, ein vierter folgte, wonach es von allen Seiten und in allen möglichen Tonarten pfiff, brüllte, schrie' und heute aus allen Fabriken, von allen Schiffen: die Mit'' tagsstunde.

(Fortsetzung folgt.)