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Nr. 307 — 1932
Fulda, Samstag, 31. Dezember
9. Jahrgang
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Neujahr 1933.
7 1 ' ^ MM an die Wehrmacht.
Reichspräsident von Hindenburg hat zu Neujahr folgende Kundgebung an die Wehrmacht erlassen:
Zum Neujahrstag spreche ich allen Angehörigen der Wehrmacht, Neichsheer und Neichsmarine, meine herzlichsten Glückwünsche aus. Die alten Soldatentugenden, Treue, Gehorsam und Pflichterfüllung, sollen wie bisher die Richtschnur eures Handelns bleiben.
Berlin, 31. Dezember 1932.
Der Reichspräsident Der Neichswehrminister gez.: von Hindenburg. gez.: von Schleicher.
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AessaWkmpsang beim Reichspräsidenten
Reichspräsident v. Hindenburg wird am Neujahrstage das diplomatische Korps unter dem üblichen Zeremoniell empfangen, dabei wird der Doyen des diplomatischen Korps, der Apostolische Nuntius, eine Ansprache halten, auf die der Reichspräsident antworten wird. Neben dem Empfang von Vertretern der Wehrmacht usw. ist dann noch der Empfang der Neichsregierung von besonderer Bedeutung. Der Reichskanzler v. Schleicher wird im Namen der Neichsregierung dem Reichspräsidenten die Glückwünsche der Reichsregierung in einer Ansprache überbringen. Der Reichspräsident wird auch auf diesem Empfang eine Redè hallew
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Sol-atihher Geist gegen Verzweiflung und Kleinmut.
Die Nenlahrskundgebung des KyfshäuserbundeS.
In der diesjährigen Neujahrskundgebung, die der Vorstand des Deutschen Reichskriegerbundes „Kyffhäuser" an seine drei Millionen Mitglieder erläßt, heißt es: „Der starke, unerschütterliche Soldate n- glaube an die Zukunft des deutschen Volkes und seiner Ration wird auch im kommenden Jahre Leitstern des Kyffhäuserbundes sein. Als Soldaten, die im Weltkriege den hohen Wert des deutschen Menschen erlebt und tausendfach erprobt haben, rücken wir ab von denen, die kleinmütig und verzweifelt nicht mehr an die Lebenskraft unseres Volkes glauben. Wir sind unerschütterlich der Überzeugung, daß die Wiedererstarkung unseres deutschen Vaterlandes einzig und allein abhängig ist von dem
Willen zur Überwindung der zeitlichen Not.
Geschlossen in diesem Willen und durchglüht von der einzigen Liebe zum deutschen Vaterlande werden die 30 000 Kriegervereine des Kyffhäuserbundes auch im neuen Jahre ihre ganze Kraft einsetzen für die innere und äußere Befriedung und Befreiung unseres Volkes, für den Wiederaufstieg der deutschen Nation.
Die Kraft des soldatischen Geistes in der Gemeinschaft, zu der sich drei Millionen ehemalige Soldaten unter dem Symbol des Kyffhäusers zusammen- geschlossen haben, wollen wir immer stärker und immer tiefer schöpferisch gestalten für den Staat, das Vaterland, das ganze deutsche Volk.
Dieser soldatische Geist, der jenseits aller politischen, wirtschaftlichen und sozialen Bindungen steht, ist der Ausdruck höchster und reinster Willenskraft: er allein entspricht der großen Tradition unseres Volkes, und nur durch ihn kann unserer Nation wieder Freiheit, Achtung und Zukunft gewonnen werden. Darum reichen wir jedem die Hand, der erfüllt ist von dem soldatischen Geist, von dem Geist des Kampfes und Opferns, der Kameradschaft und der Pflichttreue."
Revolution in Spanien aufgedeckt.
Von der Polizei in Barcelona konnte eine kommunistisch-syndikalistische Revolution, die in allen Emzel- heiten vorbereitet war, im letzten Augenblick vereitelt werden. DaS Komplott wurde dadurch entdeckt, day in einem Laboratorium der Verschwörer eine Bombe explodierte, wodurch daS Bombenlager verraten wurde.
Es handelt sich hierbei um ein Bombenlager der Syndikalisten, das neben über 1000 schweren Bomben auch 2000 Zünder, 50 Kilogramm Dynamit, zahlreiche Pistolen und Gewehre enthielt. AuS Schriftstücken geht hervor, daß diese Waffen für ein groß angelegtes revolutionäres Unternehmen bestimmt waren, das gleichzeitig mit dem geplanten Eisenbahuerstreik losgehen sollte. Der Umsturzversuch sollte zusammen mit den Offizieren und Soldaten verschiedener Garnisonen in den nächsten -ragen vor sich gehen. Pläne von Kasernen sowie Aufstellungen über die Wohnungen von Trupvenkommandeurcn und Polizeioffizieren, die von den Syndikalisten verhaftet bzw. getötet werden sollten, wurden ebenfalls von der Polizei ans Tageslicht befördert. Die in letzter Zeit sich in Barcelona immer wiederholenden Bombenanschläge werden mit dem sozialistischen revolutionären Versuch als ÄorbereitmtLsLrbeÜ in Zusammenhang gebracht
Die Aeujahrswünsche der Klein- und Mittelstädte.
In jedem der auf den unglücklichen Kriegsausgang folgenden Jahre glaubten die Städte bereits den Tief- standihrerLeidensbahn erreicht zu haben. Jedes folgende Jahr belehrte sie aber dahin, daß sie noch Schwereres durchmachen müßten.
Im „Reichsstädtebund" veröffentlicht der Bundespräsident der gleichnamigen Spitzenorganisation der 16 0 0 deutschen Klein- und Mittel städte, Oberbürgermeister Dr. Belian, eine Betrachtung zur Jahreswende 1932/1933, in der es it. a. heißt:
„Das Jahr 1932 ist auf kommunalem Gebiete
ein Katastrophenjahr allergrößten Ausmaßes gewesen. Die finanziellen Sorgen, insbesondere um die Beschaffung der Mittel für die Erwerbslosenfür- sorge, sind gegen früher erheblich gewachsen. Dringlichste Aufgabe der Reichsregierung wird es sein, die von den Gemeinden und Gemeindeverbänden seit langem geforderte
Vereinheitlichung der Arbeitslosenhilfe und ihre selbständige Finanzierung zu beschleunigen, um die Gemeinden endlich von den unerträglichen Ausgaben für die Wohlfahrtserwerbslosen zu entlasten. Der schwerste Schlag, der zahlreiche preußische kreisangehörige Städte betroffen hat, ist ihre
Unterstellung unter die Staatsaufsicht der Landräte und unter die Verwaltungsgerichtsbarkeit der Kreisausschüsse. Man erstrebt den Abbau der Selbstverwaltungsrechte der Gemeinden und ihre Verlegung in die Kreisverwaltungen: Ein Weg, gegen beffen Gefährlichkeit warnend die Stimme erhoben werden muß. Das Leben unseres Volkes spielt sich in seiner Ursprünglichkeit nur i n den Gemeinden ab.
Die Wünsche der Mitgliederstädte des Reichsstädtebundes für das Jahr 1933 gehen dahin, daß die im Reich und in den Ländern zur Regierung Berufenen der Wirtschafts- und Finanznot, insbesondere der großen Arbeitslosigkeit, Herr werden möchten, daß es ihnen aber auch gelingen möge, die Liebe zum Staat und das Vertrauen zu seiner fach^nbigen Führung neu zu beleben und zu befestigen."
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Helft mii, Vröeii beschaffen!
Der NeujahrSwunsch des bayerischen Ministerpräsidenten.
Der bayerische Ministerpräsident Dr. Held übergibt der Öffentlichkeit einen Neujahrswunsch, der abschließend betont: „Ich bitte alle, die noch Vermögen, Einkommen und eine Existenz besitzen, eindringlich: Helft mit, Arbeit zu schaffen und durch die Arbeit Brot für die Millionen darbender deutscher Volksgenossen. Dann wird daS deutsche Volk wieder mit Mut die Arme recken und mit neu belebter Kraft den letzten sieghaften Anlauf zur Freiheit und zum Wiederaufstieg nehmen. Möge das Jahr 1933 dem deutschen Volk zu diesem Heil und der Welt zur Gerechtigkeit und Frieden gedeihen! Das ist mein Neujahrswunsch für alle Brüder und Schwestern in der bayerischen und deutschen Heimat!"
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Der Präsident des Deutschen Roten Kreuzes von Winterfeld-Menkin hat an die Mitgliedsvereine und Mitarbeiter des Deutschen Roten Kreuzes eine Neujahrskundgebung gerichtet, in der es heißt: So ungewiß das neue Jahr vor uns liegt, so gewiß bleibt unsere Aufgabe, unter dem Zeichen des Roten Kreuzes in unserer Nächstenpflicht zusammenzustehen und so aus unserer Gemeinschaft des Helfens die große Volksgemeinschaft des Helfens erwachsen zu lassen. „Die Not muß alles Trennende überwinden". Dieses Wort Hindenburgs zur Winterhilfe in diesem Jahre drückt Sinn und Ziel der Roten-Kreuz- Arbeit aus. Ein jeder von uns wird sein Teil daran helfen, den Weg unseres Volkes zu leiblicher, geistiger und seelischer Gesundung zu bereiten.
Die Vorfälle in Frankfurt a. M.
Die Verhafteten wieder sreigelassen.
Die Leitung der NSDAP, in Frankfurt a. M. teilt zu der zwangsweisen Befreiung der Fürsorgezöglinge mit, daß keine D i e n st st e l l e der NSDAP, mit den Vorfällen etwas zu tun hat. Lediglich der Landesspitzenleiter des Deutschen Jugendwerkes, das in keinerlei juristischem Zusammenhang mit der Nationalsozialistischen Partei stehi, habe sich für die ordnungsmäßige Erledigung der Vorfälle und für eine geeignete Unterbringung der entflohenen jungen Leute eingesetzt. Von der Kriminalpolizei wird noch mitgeteilt, daß die wegen Beteiligung an der gemalt- samen Befreiung von Fürsorgezöglingen verhafteten jungen Leute inzwischen wieder auf freien Fuß gesetzt worden sind, da sich der Verdacht gegen sie nicht bestätigt. Es sei fraglos, daß das Verhalten der Täter von irgendeiner nationalsozialistischen Parteiscite weder angeregt noch in direkter oder indirekter Form b e - einflußt war.
Rückblick.
Wahlen, Wahlen! — Tribute und Gleichberechtigung. Im Wirbel der Wirtschaft.
Wenn des vergehenden Jahres letzte Tage politisch in verhältnismäßiger Ruhe verstrichen sind und alles, was an parteipolitischen Wünschen und Sehnsüchten vorhanden ist, bis nach Neujahr Dertagt wurde, so steht dieser etwas schwindsüchtige Friede zu den zahlreichen innenpolitischen Waffengängen gerade des vergangenen Jahres in einem recht bemerkenswerten Gegensatz. Denn in bezug auf Wahlen hat ja das Jahr 1932 entschieden den Vogel abgeschossen und dafür hatte es bereits in der Weihnachtszeit 1931 die Vorbereitungen zu treffen. Und so gab es denn zwei Wahlgänge um den Reichspräsidenten, zweimal Wahlen zum Reichstag, einmal Preußenwahl und auch sonst so zahlreiche Wahlen zu Landtagen, daß wohl so ziemlich jeder Deutsche männlichen oder weiblichen Geschlecksts fünfmal sein höchstes — übrigens auch einziges — Staatsbürgerrecht auszuüben Gelegenheit hatte. Abgesehen von der Präsidentenwahl ist das Ergebnis des Wählens zum Reichstag und zu den Landtagen äußerst gering, denn das Jahr 1932 ließ den verfassungsrechtlichen „Typ" des Präsidialkabinetts in vollem Gegensatz zum Reichstag in die Erscheinung treten und sich auch bald zu einer solchen Selbstverständlichkeit entwickeln, daß man nur noch seine „Versöhnung" mit der Volksvertretung anstrebt. Die frühere überaus große Vielgestaltigkeit des Reichstages — und zahlreicher Länderparlamente — wandelte sich um in sehr viel einfachere Parteiformen, zwischen denen es aber gerade darum an „Übergängen" fehlt. Unter ihnen konnte die Nationalsozialistisch« Deutsche Arbeiterpartei über die größte Anhängerzahl verfügen, die jemals im Nachkriegs-Deutschland irgendeine Partei besessen hat. Der Höhepunkt dieser Entwicklung war der 31. Juli, der Tag der ersten Reichstagswahl, als die Nationalsozialisten 14 Millionen Stimmen auf sich vereinigten und 230 Abgeordnete „aus der Urne herausstiegen". Aber schon am 13. August erfolgte der Bruch zwischen Hitler und dem Kabinett Papen und die Versuche einer innenpolitischen „Flurbereinigung" in und mittels der zweiten Reichskabinetlskrise endeten derart, daß bei Jahresende diese innenpolitische Lage an offener und versteckter Kompliziertheit nichts zu wünschen übriglätzt.
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Aber auch in der Außenpolitik drängeln sich die „Probleme" allein schon auf dem Boden Europas, jedes immer komplizierter als das andere. Eins von ihnen ist aber im Laufe des Jahres 1932 doch gelöst worden, wenn auch rechtlich noch nicht bis zum letzten Buchstaben, so doch tatsächlich: die deutsche T r i b u t f r a g e. Am 6. Januar 1932 hatte der deutsche Reichskanzler offiziös, aber unzweideutig unseren „Gläubigern" mitgeteilt, daß Deutschland auch nach Beendigung des Hoover-Feierjahres Tribute nicht mehr zahlen könne. Knappe sieben Monate später hatte das „Nepararions- problem" nach dreizehnjährigem Bestehen aufgehört, eine „Frage" zu sein, die ständig unser Dasein als Volk bedrohte. Man spricht kaum noch von ihr — zu wenig vielleicht! —, und wenn dies geschieht, dann wie von etwas, was schon ziemlich weit hinter uns liegt. Um so verworrener wurde dann aber in letzter Zeit das „Pendant", die interalliierte Kriegsschuldenfrage, die eine noch beträchtlich größere weltpolitische und weltwirtschaftliche Bedeutung erhielt. Sie zu lösen ist Ausgabe des neuen Jahres, ist ein weiterer Schritt auf dem Wege zur Liquidierung des Weltkrieges. Aber es ging und geht sehr, sehr langsam vorwärts auf diesem Wege. Das Zentral- Problem in Europa heißt: d ie deutsch-französischen Beziehungen. Daß sie im Laufe des Jahres von Lavals über Tardieus und Herriols bis zu Boncourâ Ministerpräsidentschaft besser geworden seien, vermag man wirklich nicht zu behaupten: denn dies wird durch die Entwicklung der Abrüstungsfrage und der sie behandelnden Konferenz in aller nur wünschenswerten Deutlichkeit illustriert. Und so beherrschte nach Lösung der Tributsrage der gleichfalls schon im Februar eingeleitete Kamps um das Prinzip der deutschen Gleichberechtigung in der Sicherheits- und Rüstungsfrage bis vor kurzem unsere Außenpolitik. Wir erhielten dabei manch wohlwollendes Kopfnicken, aber um zum Ziel zu kommen oder doch zum mindesten diesem uns ein angemessenes Stück zu nähern, mußte Deutschland die eigene Kraft einsetzen.
Doch so kunterbunt es auch in der „Politik" durchein- andergeht, so ist dies alles doch ein Nichts gegen den tollen Wirbel in der „Wirtschaft", der jedesmal dann noch viel toller wurde, wenn die „Politik" dazwischengriff. Bei uns daheim und in der Welt draußen. Bis tief hinein in das Jahr 1932 wuchs die Krise und spottete aller Anstrengungen, ihrer Herr zu werden. In allen Industrieländern ebenso wie in den Gebieten der Welt, die industrielle oder agrarische Rohstoffe produzierten — bei diesen war es wohl noch schlimmer! — schrumpfte die Erzeugung ein, bis sie und der Welthandel etwa im Juli ihren tiefsten Stand erreicht hatten. Was nützten Devisen-
Kleine Zeitung für eilige Leser
* Reichspräsident von Hindenburg hat an die Wehrmacht eine Neujahrskundgebung erlassen.
* In Spanien ist eine von den Kommunisten geplant ge- tuefene Revolution aufgedeckt worden.
* Durch einen schwarzen Amokläufer sind vier Angehörige des amerikanischen Heeres gptätei wordm.