Einzelbild herunterladen
 
  

Nr. 306 Freitag, 30. Dezember 1932

Kurze polièische Nachrichten.

Zu dem am 1. Januar 1933 beim Reichspräsi­denten stattfindenden Empfang des Diplomatischen Korps, der Neichsregierung und der Vertreter der Wehr­macht wird, wie das Reichswehrministerium mitteilt, von der Wachitruppe eine verstärkte Ehrenwache ge­stellt

*

In den letzten Wochen haben deutsch-polnische Wirtschaftsverhandlungen stattgefunden, die voraussichtlich in den ersten Tagen des Januar zu einem Abkommen führen dürften. Deutschland hat Polen ein k l e i n e s B u t t e r k o n t i n g e n t zu den Marimalzöllen gewährt, dagegen hat Polen die Einfuhr eines Kontin­gents von Häuten und Fellen in einem besonderen Zustand der Verarbeitung bewilligt.

Eniiauschie Hoffnungen.

Eine Betrachtung des deutschen Handwerks an der Jahreswende.

Das Jahr 1932 war für das deutsche Handwerk ein Jahr großer Enttäuschungen. Seine wirtschaftliche Lage verschlechterte sich von Monat zu Monat. Aus­reichende Beschäftigung fehlte in allen Zweigen. Die we­nigen Aufträge, die noch vorhanden waren, wurden dem Handwerk durch die sich immer mehr breitmachendc Schwarzarbeit streitig gemacht. Selbst das Weih­nachtsgeschäft, auf das sich alle Hoffnungen setzten, entsprach nicht den Erwartungen. Dazu nahm das B o r g- Unwesen weiter überhand. Es wäre für das Handwerk eine aufrichtige Neujahrsfreude, wenn endlich einmal die Käuferschaft sich bemühte, ihre Rückstände zu be- zahlen.

Die große Notlage im Handwerk erheischt besondere Maßnahmen. So fordern der Reichsverband des deutschen Handwerks und der Deutsche Handwerks- und Gewerbe- kammertag die

Einschränkung der Eewerbefreèheit.

Dies Verlangen des Handwerks geht letzten Endes von der Erkenntnis aus, daß sich die Ablösung des gegenwärtigen Wirtschaftssystems durch eine berufsständisch ge­ordnete Individualwirtschaft nicht länger mehr aufhalten läßt, eine Individualwirtschaft, die die Erhaltung der Einzelpersönlichkeit verbürgt, der Freiheit des einzelnen aber auch durch die Einordnung in einen Gemeinschaftszusammenhang notwendige Grenzen zieht.

Was das Handwerk in erster Linie braucht, ist Arbeit. Die Neichsregierung Papen hat durch die Bereitstellung eines Sonderbetrages von 50 Millionen Mark für die Vor­nahme von Älthausreparaturen eine recht günstige Teil­belebung der Wirtschaft erreicht. Dieser Weg sollte mit aller Energie weiter beschritten werden.

Seft Jahren verlangt das Handwerk die Mitwirkung eines Vertrauensmannes der mittelständischen Wirtschaft an entscheidender Stelle. Auch das Jahr 1932 brachte die­ser Forderung keine Erfüllung. Der Reichsverband des deutschen Handwerks hat daher erneut die Forderung nach Errichtung eines besonderen

Neichsministeriums für den gewerblichen Mittelstand erhoben. Ihre Verwirklichung wird dem Handwerk wieder neuen Mut und neue Hoffnung geben können.

angmaMM^^^ IIHIMBM MIIWSM

Der Kampf ums Glück.

Roman aus dem Leben.

Urheberrecht durch Herold-Verlag Homburg-Saar.

8] (Nachdruck verboten.)

Gertrud, die alles mit angehört hatte. erinnerte sich plötzlich ihrer einstigen Spielgesährlin, der kleinen Johanna, welcher sie durch die langen Pensionsjahre entfremdet worden war, und bat ihre Mutter jetzt:Mama, die arme Johanna darf nicht so allein bleiben, ich werde mich sofort auziehen, und sie tn unser Haus holen. Hier soll sie solange bleiben, bis ihr Vater genesen ist und sie eine neue Heimat hat!"

Frau Konstanze willigte ohne weiteres ein und Gertrud machte sich mit der Engländerin aus den Weg. um Johanna zu holen.

Frau Konstanze lenkte dann das Gespräch, um ihren Sohn auf andere Gedanken zu bringen, von dem Ünglückssall ab und besprach mit ihm die Neuerungen und die geplanten Erweiterungen der Werft.

Auch sie war von den Bedenken, die der alte Justizrat geäußert hatte, und von der gegenteiligen Meinung ihres Schwiegersohnes augesteckt und hätte am liebsten gesehen, daß der Betrieb in der alten Weise fortgeführt worden wäre, oder aber daß man, wie es geplant war, eine Aktiengesellschaft gebildet hätte.

Frau Konstanze brachte mehrere Einwendungen vor, worüber Erich sich entrüstete.

Mittler, du hast ja den Augenblick sehr günstig gewählt, um mir den Mut zu dem neuen Unternehmen zu rauben. Jetzt, wo mir bei dem ersten Schrill dazu das Unglück mit dem allen Johannsen passiert jst, jcyl, wo du selber sagst, ich dürfe mir meine Energie, meine Schaffenskraft nicht rauben lassen, jetzt solltest du am wenigsten an dem Entschluß rütteln, den ich doch nur zum Besten des Unternehmens, zum Besten der Familie gefaßt habe!"

Bedenke aber, lieber Sohn," entgegnete die Mutter,wenn die Sache nicht so ausgeht, wie du dir vorgcnommen hast, wenn die großen Bestellungen, die doch notwendig werden, ausbleiben, dann hast du das Unternehmen mit einer furchtbaren Schuldenlast belegt, dann ist vielleicht alles für uns verloren!"

Nun, freilich, wenn du so denkst, wenn du glaubst, daß ich nicht auch die nötige Kundschaft, die erforderlich ist, zu erwerben im­stande bin, so wäre es besser, man ließe alles beim alten. Aber ich habe mich auch in dieser Beziehung schon umgesehen. Ich weiß, daß einige unserer größten Schiffsreeder, welche jetzt bei der Konkurrenz arbeiten lassen, durchaus nicht sehr zufrieden sind und daß es nur einer kleinen Unterbietung der Preise bedarf, um sie zu unserm Unternehmen herüberzuziehen "

Ta ließ der alte Justizral sich melden, der, wie er sagte, in der soeben besprochenen Geldangelegenheit erschien, und nicht lange darauf kam auch Prangcnheim, so daß eS fast den Anschein hatte, als hätten die beiden Herren sich verabredet, zu gleicher Zeit in der Villa rusammenLUlvesten. .

Vorskandssktzuna des Aelchèsiâdlekmndes

Die Forderungen zur Wohlfahrttzhilfe und Arbeitsbeschaffung.

Der Gesamtvorstand des Reichsftädtebundes trat in Berlin zu einer Sitzung zusammen. Es wurde hervorgehoben, daß die Notlage der kreisangehörigen Klein- und Mittelstädte in großen Teilen Preußens be­sonders dadurch verschärft werde, daß die Bezirks- sürsorgeverbände kLandkreise) die gesetzlichen Er­stattungen der Fürsorgekosten an die Gemeinden vielfach nicht mehr leisten könnten, so daß bei den Städten die Aufrechterhaltung der öffentlichen Fürsorge ernstlich in Frage gestellt sei. Der Vorstand erhob daher erneut die Forderung nach einer direkten Beteiligung der kreisangehörigen Städte an der Wohlfahrtshilfe des Reiches, da nur so die Auszahlungen der Unter­stützungen an die Wohlsabrtserwerbslosen einigermaßen sichcrgèsteklt werden könnten. Dringlichste Aufgabe der Re'chsregierung bleibe aber die seit langem geforderte organisatorische Vereinheitlichung der Ar­beitslosenhilfe in der Hand der Gemeinden und zweitens ihre selbständige Finanzierung, um die Ge- meinven von den unerträglichen Ausgaben für die Wohl­fahrtserwerbslosen endgültig zu entlasten

Die Klein- und Mittelstädte seien durchaus bereit, positiv an der Lösung des Problems der Arbeits- be s ch a f f u n g mitzuwirken. Sie seien aber nicht mehr in der Lage, im Rahmen der kommenden Arbeitsbeschaf­fung weitere Lasten aus eigenen Mitteln zu finan- zieren. Auf die Dauer sei es untragbar, den Gemeinden eine neueVerschuldung aufzuerlegen, die weitere dauernde Zins- und Tilgungslasten mit sich bringe. Im übrigen könnten im Rahmen der kommunalen Arbeits­beschaffung nur solche Arbeiten in Frage kommen, die not­wendig und volkswirtschaftlich wertvoll sind. Angesichts der großen Notlage im Handwerk und im Hinblick auf die noch der Ausführung harrenden Arbeiten müßten unver­züglich weitere Neichszuschüsse von etwa 200 Millionen Mark für Hausreparaturen, Wohnungsauftei­lungen und Umwandlung von gewerblichen Räumen in Wohnräume zur Verfügung gestellt werden. Mit Rück­sicht auf die besonderen Verhältnisse in den kleinen Städten habe der Neichsstädtebund beantragt, den Mindestbetrag für Reparaturen, auf die Zuschüsse gewährt werden, von 250 Mark auf 100 Mark herabzusetzen.

Die heimatliche Tageszeitung für Stadt u. Land unentbehrlich.

Gercke: Wiederherstellung der Kaufkraft tut not.

Der Reichskommissar für Arbeitsbeschaffung, Dr. G e r e k e, veröffentlicht in der Zeitschrift Der Heimatdienst einen Artikel überDie Bekämpfung der Arbeitslosigkeit". Er vertrete keinesfalls Notständsarbeiten oder im her­kömmlichen Sinnezusätzliche" Arbeiten, so betont Dr. Gereke, sondern die Durchführung r e g u l ä r e r A r b e i - ten der öffentlichen Hand, für die die Arbeitskräfte zu n o r in a l e m L o h n herangezogen werden müßten. Nach den Feststellungen des Instituts für Konjunkturforschung hätten wir gegenwärtig eine Arbeitslosigkeit von mehr als sieben Millionen Menschen. Zusammen mit den Angeho- riaen der Erwerbslosen lebten rund 1 5 Millionen Deutscher von öffentlichen Unterstützungen, belasteten damit nicht nur die öffentlichen Etats, sondern fielen auch für den Konsum weitgehend aus.. Es sei deshalb von Anfang an sein Bestreben gewesen, der Auffassung zum Durchbruch zu verhelfen, daß die Wirtschaft nur wieder belebt werden könne, wenn möglichst viele Arbeitslose z u vollem Lohn eingestellt würden, damit wieder jene Kaufkraft hergestellt werde, die zur Verbesserung des Absatzes von Landwirtschaft und Industrie dringend nötig sei.

^»«»snRnifflHsmmK^M

Ganz unerwartet rückte jetzt der Justizral mit Bet Nachricht her- aus, daß sich im letzten Augenblick Schwierigkeiten bei der Be­schaffung der großen Hypothek eingestellt hätten.

Friedrich Wilhelm Sieinihal mar ohne Testament gestorben, und wenn es auch selbstverständlich war, daß das Unternehmen und die Werft auf den einzigen Sohn übergehen würde, so mußte doch eine Auseinandersetzung über die Erbschaft mit den anderen Ge­schwistern ftattfinben; so verlangte es das VormundschaftSgericht. Und ferner verlangten es auch die Geldgeber Sie wollten klar in der Sache sehen und es mußte daher, bevor die Hypothek aus­bezahlt wurde, die Einwilligung der anderen Erben und des Vor­mundschaftsgerichtes vorgelegt werden.

Es war dies ein Schachzug, den der GutSverwalter in selbst­süchtiger Absicht eingeleitet hatte und womit er verhindern wollte, daß Erich selbstständig in der Fabrik schalten und walten könne.

Erich nahm die Ausführungen Beg Justizrates ganz konsterniert entgegen. Er hatte geglaubt, daß die Sache so gut wie perfekt sm Nun sollte er sich aufs neue mit den Verwandten herumschlagen

Ich sehe," sagte er resigniert,daß ihr durchaus verhindern wollt, was ich im Interesse des Unternehmens zu tun für unerläß­lich erachtete. Nun, gut, so stelle ich euch vor die Allernaiivc: Ent­weder gebt ihr die formelle Einwilligung dazu, daß ich das Geld zur Verfügung bekomme, dann will ich auch ferner meine ganze Tatkraft dem Unternehmen widmen, oder ihr versagt sie mir, dann trete ich überhaupt zurück, verzichte auf die Erbschaft und gehe nach England, wo ich- mein Brot als Ingenieur finde."

Tas ist nicht dein Ernst!" sagte Frau Konstanze mit Ent­rüstung.

Es ist mein Ernst! Wenn man mir die Hände und Füße binden will, so gehe ich lieber woanders hin. wo ich meine Täligkeit frei entfalten kann!"

Auch der Justizrat und Prongenheim waren von diesem Aus­gang nicht besonders erbaut. Das halten sie nicht erwartet.

Erich blieb fest und alle Ermahnungen der Mutter, doch nicht das väterliche Erbteil im Stich zu lassen. fruchteten nichts, so daß tchließtich ote beiden Gegner selbst einsahen, sie müßten dem junger Erben entgegenkommen.

Ta man aber nicht alles auf eine Karte setzen wollte, so schlugen sie vor, die geplanten Vergrößerungen nach und nach stattfinden zu lassen und ebenso das erforderliche Geld auch erst nach und nach zu bewilligen.

Andererseits sah Erich ein, daß er, um nicht alles zu verlieren,' nachgeben müsse. Zwar verhehlte er sich nicht, daß alles halbe Werl bedeutend weniger Nutzen bringen würde und daß an diesem Zö­gern und Zaudern das ganze Unternehmen scheitern könne. Man kam also überein, daß zunächst nur die Halste der erforderlichen Summe als Hypothek ausgenommen werden sollte, und Erich mußte dementsprechend seine Pläne um die Hälfte reduzieren.

Er war sehr mißmutig, fügte sich aber schließlich in alles.

Dix langandauerndc Sitzung wurde durch die Ankunst ClertrudS unterbrochen, welche ihre wiedergewonnene Freundin in das Haus des FabrichesitzerL einführte.

Die Landkreise bei Schleicher.

Arbeitsbeschaffung durch öffentlich« Aufträge und durch Siedlung. Finanzierung ohne inflationi­stische Hilfsmittel. Keine weitere kommunale Verschuldung.

Der Reichskanzler empfing am 21. Dezember unter Führung des Präsidenten Dr. von Stempel Vorstarrds- vertreèer des Landkreistages. Anknüpfend an die Rund­funkrede Schleichers, in der als vordringlichste Regierungs­aufgabe die Arbeitsbeschaffung bezeichnet wurde, trugen die Vertreter die Auffassung des Landkreistages über die­ses wichtige Gegenwartsproblem vor. Nur schleunige Arbeitsbeschaffung könne die schwere finanzielleLagederLandkreise, v 0 r allem im Hinblick auf die Wohlfahrtserwerbs­losenlasten erleichtern. Vergebung öffentlicher Arbeiten sei einzig und allein in der Lage, wirksame Er­leichterung auf dem Arbeitsmarkt zu schaffen. Eine solche Maßnahme würde nicht nur eine Senkung der Wohlfahrts­erwerbslosenlasten, sondern auch eine weitere wesentliche Erleichterung auf dem allgemeinen Arbeitsmarki bringen. Eine Finanzierung lediglich durch Dar­lehen müsse wegen der damit verbundenen nicht zu verantwortenden Vermehrung der kommunalen Schulden vermieden werden. Die Einbeziehung der Steuergutscheine in den Finanzie­rungsplan entspreche auch der Auffassung der Landkreise.

Mit dem Plan der Auflockerung der Groß­städte stehe der Reichskanzler völlig aus dem Boden der Landkreise. Wenn die Großstädte aufgclockert und der Um­schichtungsprozeß der Bevölkerung wirksam gestaltet werden solle, könne die Mithilfe der Landkreise nicht entbehrt wer­den. Die Landkreise seien als kommunalpolitische Betreuer des flachen Landes zur Mithilfe bei dieser ftaatspolitisch wichtigen Ausgabe bereit.

Der außerordentlich fruchtbringende Gedankenaustausch sichert eine Zusammenarbeit von Reichsregierung und Landkreisen aus dem wichtigsten Arbeitsgebiet der Gegen­wart im vollen Umfang.

Der Mord an dem SA-Mann Hentsch.

Hentsch durch drei Schüsse getötet.

über das Ergebnis der Öffnung der Leiche des er­mordeten Nationalsozialisten Hentsch wird folgendes be­richtet: Der Befund ergab, daß drei Schüsse aus Hentsch abgegeben worden sind. Der eine der Schüsse, der

beim Durchgang durch die Lunge eine Arterie aufgerissen hat, hat den Tod des Hentsch herbeigeführt. Im Körper des Ermordeten wurde ein Geschoß gesunden; ein weiteres Geschoß, wahrscheinlich das, welches die Lunge durchbohrte, steckte in der Klei­dung. Der Tod Henèschs ist nicht durch Ertrinken, sondern infolge des Lungenschusses eingetreten.

Die flüchtigen mutmaßlichen Täter, der SA.-F ührer Schenk und die beiden SA.-Leute Fränkel und Woicick, waren ebenso wie der Ermordete Mitglieder des Nachrichtensturms der Dresdener SA. Die mutmaß­lichen Mörder sollen sich in Italien befinden; positive An­gaben, die zur Begründung dieser Vermutung Anlaß geben könnten, bestehen jedoch nicht.

Motorspritze durchbricht Brückengeländer

Ein Toter, vier Schwerverletzte.

Eine Motorspritze aus dem württem bergischen Schwarzwalddorfe Stockach wurde zu einem Brande nach Mühlingen gerufen. In der Nähe der Kosakcubrücke kam der schwere Wagen in einer scharfen Kurve infolge Glatteises ins Rutschen, durchbrach das Geländer der Brücke, stürzte eine steile Böschung hinunter und legte sich im Bach auf die Seite. Von der 15 Mann starken Be­satzung war der Friseur Hepp sofort tot, vier andere Feuerwehrleute erlitten schwere Verletzungen und wurden nach dem Krankenhaus Stockach gebracht.

Hier, Mama." tagte sie indem sie Johanna ihrer Mutter w. führte.bringe ich dir die arme kleine Johanna!"

Frau Kanstanze ging dem jungen Mädchen sehr liebevoll ent­gegen und hieß sie willkommen

.Mein arme? Kind." sprach sie,wir verstehen Ihren Schmerz und alles was in Menschenmacht liegt, soll geschehen, um Ben- leiben 51t mildern Bleiben Eie bei uns und feien Sie versichert, baß Lie wie ein Kind des Hauses gehalten werden sollen!"

Johanna neigte sich dankend über die Hand Frau Konstanze's und süßte sie.

Johanna hatte nur mit schwerem Herzen die Einladung ange- nummern konnte sich aber dem liebevollen ©ntgegenfommen der einstigen Spielgenossin nicht entheben Die anwesenden Herren erfuhren nun ebenfalls von dem Unglückffall Johannsens und äußerten ihre Meinung darüber, die in dem Resultat gipfelte, daß nach Lage der Sache Erich nicht die geringste Schuld treffe und er sich durchaus keine Gewissensbisse zu machen brauche.

Ach, was vcrstehl ihr davon!" sagte Erich, ging zu Johanna drückte ihr die Hand und fragte sie: ..Dann werden Sie wieder etwas Don Ihrem armen Vater hören?"

Johanna sagte ihm, daß sie die Erlaubnis des Doktors Kirch berg habe, täglich zweimal in bei Klinik vorzusprechen.

--Ich werde Sie, so oft es mit möglich ist, begleiten." sagte Erich --und wenn es nrit einmal nicht möglich ist. werden Sie mir regelmäßig sagen, wie es um Jbren Vater bestellt ist. Nicht wahr Fräulein Johanna, ich darf doch Darauf rechnen?"

eie nickte nur und wandle sich dann wieder Gertrud zu denn sie hatte bemerft, daß Frau Konstanze die Intimität Erich- ihr gegenüber mit leisem Argwohn beobachtn holte.

Frau Konstanze dachte unwillkürlich, als sie chren Sohn neben Bent hübschen jungen Mädchen stoben sah-Habe ich wohl auch recht getan, daß ich sie in unser Haus genommen habe? SoNle der Unglücksfall, der beute nachl den alten Werkführer betroffen hat, hier noch weitere Kreise ziehen wollen?"

Lie sagte nichts, um ihren Sohn nicht argwöhnisch zu machen, aber sie nahm sich vor, die Augen offen zu halten, um ein weiteres Unglück zu verhindern.

8.

Als Johanna am Nachmittag des ersten Tage« fort regangen war, um ihren Baier zu besuchen, und bintc hor ihre Wohnung ausgesucht halte, konnte sie trotz ihres Versprechens nicht in die Steinthal'sche Villa zurückkehren

Sie sandte vielmehr einen Boten mit einem Brief, in welchem sie hat, man möge nicht auf sie warten, sie könne leibet n ch, in Die Villa zurückkehren, sondern müßte in ihrer Wohnung bleiben, Frau Konstanze, bie Biese Einschließung des jungen Mädchens im Grunde nicht ungern sah, zuckle doch lehr erstaunt die Schultern Was sonnte da vorgefallen sein? Welche Gründe konnte das Uinge Mädchen haben, in der vereinsamten väterlichen Wohnung bleiben zu müssen?

(Fortsetzung folgt.)