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Zul-a- und Haunetal * Zulöaer Kreisblatt

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Nr. 306 1932

Fulda, Freitag, 30. Dezember

9. Jahrgang

Auflockerung von Handelsverträgen.

Tas deutsch-französische

Wirtschafisabkommen.

Das System von Handelsverträgen, durch die die deutsche Wirtschaft mit der Weltwirtschaft verknüpft wurde, ist aufgebaut auf gänzlich anderen Voraussetzun­gen, als sie heute bestehen. Inzwischen ist die Weltwirt- schasi aus den Fugen gegangen und an ihre Stelle trat eine Mehrzahl einzelner Nationalwirtschaften mit dem Bestreben, sich selbständig zu machen und auf eigene Füße zu stellen: Das brachte eine allgemeine Tendenz, sich avzuschließen und die eigene Wirtschaft durch Zölle zu schützen. Die Staaten, die durch Handelsverträge, die ge­wissermaßen den Grundsatz derOffenen Tür" be­deuten, gebunden waren, gerieten in eine kritische Lage, denn ihrer offenen Tür standen mehr und mehr wachsende Zollmauern gegenüber. Zu diesen Staaten gehört auch Deutschland mit seinem System derMeistbegünsti- g n n g". Es sah sich daher durch die wirtschaftliche Ent­wicklung drinnen und draußen gezwungen, in seiner Han­delsvertragspolitik neue Wege zu gehen und langsam werden dazu die ersten Schritte getan. Die jetzt erfolgte Unterzeichnung eines Zusatzabkommens zum deutsch- französischen Handelsabkommen bedeutet eine, wenn auch nur schwache, Auflockerung der alten Bindungen, um die Möglichkeit zu gewinnen, allmählich Neues an ihre Stelle zu setzen.

In dem neuen deutsch-französischen Abkommen wird der Grundsatz der Meistbegünstigung aufrecht­erhalten, und auch die Zollbindungen werden grund­sätzlich zunächst beibebalten. Der Landelsvertraa ist aber

Der Zusammenbruch der Sutterpreise.

Reichs-Landbund fordert völlige Buttereinfuhrsperre.

Wie der R e i ch s - L a n d b u n d mitteilt, hat der ge- schästsführende Präsident, Graf von Kalckreuth, in Anbe­tracht des Zusammenbruches der Butter­preise, die am 29. Dezember mit 95 Mark gegenüber 135,5 Mark im Dezember 1913 je Zentner Berliner Notie­rung einen neuen Nekordtiefstand erreicht hätten, ein Te­legramm an den Reichskanzler gerichtet, indem die v ö l - lige Butteret n fuhr sperre gefordert wird. In dem Telegramm heißt es, daß im Lande allenthalben hellste Empörung über den infolge Tatenlosigkeit der Reichsregie­rung erfolgten völligen Zusammenbruch der Futterpreise herrsche. Es müßten endlich wirkungsvolle Maßnahmen zur Rettung der deutschen Milchwirtschaft getroffen werden. Bis zur Wiederherstellung geordneter Markt­verhältnisse und eines angemessenen Butterpreises müsse die völlige Buttereinfuhrsperre gefordert werden.

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Nachdem am Heiligabend bereits die Berliner Butter­notierung um zehn Mark für den Zentner herabgesetzt worden war, sah sich die Berliner Notierungskomrmsswn gezwungen, abermals einen A b st r i ch v o n acht Mark fe Zentner vorzunehmen. Das Angebot in deutscher Butter ist zur Zeit sehr stark. Absatz­möglichkeiten sind nur in beschränktem Umfange vorhan­den. Die Umsätze der Kleinhandelsgeschäfte sollen nach Schätzungen in der Weihnachtswoche ungefähr 30 Prozent geringer als zu der gleichen Zeit des Vor­jahres gewesen sein. Die Berliner Notierungskommission bezeichnet die Tendenz nicht mehr mit sehr ruhig, sondern mit flau, und setzte die Preise Fracht und Gebinde gehen zu Käufers Lasten wie folgt herab: 1. Qualität 95 Mark, 2. Qualität 88 Mark und abfallende Ware 79 Mark.

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Beschleunigte Durchführung der Agrarmatznahtnen.

Braun vom Urlaub zurückgekehrt.

Der Reichsminister für Ernährung und Landwirt­schaft Freiherr von Braun ist von seinem Weih- nachtsurlaub zurückgekehrt. Maßgebend für diesen Ent­schluß dürfte, wie die Landwirtschaftliche Wochenschau mitteilt, der erneut eingetretene Sturz der Butterpreue und die damit herbeigeführte weiterhin verschärfte Lage der bäuerlichen Peredelungswirtschaft gewesen sein. Die weiteren Agrarmaßnahmen, auch die Durchführung der Fettverordnung, würden nunmehr mit aller erforder­lichen Energie beschleunigt durchgeführt werden.

In einer amtlichen Mitteilung wird ferner gegenüber andersdenkenden Pressedarstellun- gen eindeutig erklärt, daß die Verordnung zur Neurege­lung der F e t t w i r t s ch a f t von den zuständigen Ministerneinzig und allein auf Grund des vorliegenden sachlichen Materials ausgearbeitet und auf Grund einmütigen Kabinettsbeschlusses vom Reichskanzler dem Reichspräsidenten vorgelegt worden sei. Behauptungen, daß der Reichspräsident besonde­ren Einfluß aus den Erlaß der Verordnung genommen habe, entsprächenin keiner Seife der Wahrheit". Der Reichspräsident habe sich den ihm vorgetragcnen Gründen, die auch amtlich bekanntgegeben worden seien, n i ch t v er­schlossen und die Verordnung alsdann unterzeichnet.

dadurch eIastischer geworden, daß beide Parteien nun­mehr das Recht haben, mit vierzehntägiger Kün­digung jede einzelne Zollbindung aufzuheben. Welchen Gebrauch hiervon die beiden Regierungen machen werden, wird die Zukunft lehren

Neu ausgenommen ist eine Währungsschutz­klausel, d. h. daß jeder Teil berechtigt ist, falls die Währung des anderen Teiles sich plötzlich um mehr als 10 Prozent verschiebt, Zollzuschläge zu erheben.

Der Saarnotenwechsel betrifft lediglich die Einfuhr von Zichorien zum Mindesttarif in Höhe von 100 Tonnen.

Parallel mit diesem Vertrage haben Verhandlungen stattgefunden über den Abschluß eines Devisen- abkommens. Danach werden im Warenverkehr mit Frankreich die gleichen Erleichterungen geschaffen, wie sie auf Grund ähnlicher Abkommen mit Italien und Schweden bestehen.

Verhandlungen über den Abschluß eines Reise­verkehrsabkommens sind noch nicht zum Abschluß gelangt.

Von zuständiger Stelle wird als Begründung für die Unterzeichnung noch mitgeteilt, daß angesichts der Tat­sache, daß unser Handelsvertragsnetz, das in den letzten Jahren aufgebaut worden sei, ohnehin in einer ge­wissen Auflösung begriffen sei, den deut­schen Unterhändlern daran gelegen hätte, einen handels­politischen Bruch mit Frankreich zu vermeiden, besonders da Frankreich seinen Import nach wie vor in G o l d be­zahle, was nur noch bet verhältnismäßig wenigen Län­dern der Fall sei.

11 Äle Butter.

Kampfansage des Westfälischen Landbundes.

Der Bundesvorstand des Westfälischen Lano- bundes faßte eine Entschließung, in der es u. a. heißt: Die Regierung von Schleicher denkt, obwohl sie fast die gleiche Zusammensetzung wie ihre Vorgängerin aufweist, nach ihren Verlautbarungen nicht daran, den Weg der Einfuhrkontingentierung durchgreifend zu be­schreiten. Die gleiche Regierung hat die von ihr selbst durch Die Rede des Reichskanzlers vom 15. Dezember er­weckten Hofsnungen, daß sie noch vor Weihnachten be­sonders dringliche Maßnahmen treffen werde,auf das grausamste enttäuscht". Wir sagen daher der Regierung den Kampf an. Wir fordern eine Regierung, die durch ihre Zusammensetzung und durch ihre gesamte Ziel­richtung eine wirklich nationalwirtschaftliche Leitung ge­währleistet und durch Stärkung der bodenständigen Kräfte dem deutschen Volke neue Lebensmöglichkeiten, insbeson­dere für die deutsch: Landwirtschaft, bringt. Unsere Be- russgenossen sordern wir auf, in diesem Kampfe wie ein Mann zusammenzustehen.

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Hausfrauen gegen die duller-Mrgarine

Der Reichsverband deutscher Haus­frauenvereine veröffentlicht eine Erklärung, in der es u. a. heißt, daß die Verordnung über den Verwen­dungszwang von Butter bei der Herstellung von Mar­garine den Verband schwer beunruhige. Eigene Beobachtungen der Verbraucher stimmten mit der Statistik dahin überein, daß die deutsche Erzeugung trotz abnehmen­den Butterkonsums und trotz steigender Erzeugung für den Inlandsbedarf bei weitem nicht ausreiche. 1931 habe cs einer Einfuhr von nicht weniger als 100 000 Tonnen Butter bedurft. Das sei ein Betrag, der das dies­jährige Kontingent von 55 000 Tonnen um annähernd die Hälfte übersteige. Habe also die deutsche Erzeugung schon bisher nicht annähernd den Verbrauch gedeckt, so sei es unverständlich, wenn von dieser Mindererzeugung noch annähernd 15 000 Tonnen dem regulären Verbrauch ent­zogen werden sollen.

Für die Landwirtschaft sei durch diese Maß­nahme keine wesentliche Hilfe zu erwarten. Die ohnehin schon notleidende städtische Verbraucherschaft aber werde unnötig verbittert und gereizt. Noch sei es Zeit, daß die Negierung von der Durchführung der Ermächti­gung absehe.

Zu den Ausführungen des Reichsverbandes deutscher Hausfrauenvereine sagt man im Deutschen Land­wirt s ch a f t s r a t, daß das jetzt vertraglich vereinbarte Butlerkontingent von jährlich 55000 Tonnen nicht etwa einem tatsächlichen deutschen Zuschußbedarf entspreche, sondern lediglich das Ergebnis eines handclsvertraglichcn Kompromisses sei. Schon heute zeige sich, daß diese Einfuhrmenge erheblich über die Aufnahmefähigkeit des deutschen Marktes hinausgehe.

Weiter sei festzustellen, daß durch die Butter­beimischung eine nicht unwesentliche V e r b e s s e r u n g der Margârinequalität ermöglicht werde. Eine Schädi­gung des Verbrauchers 'dürfte deshalb keinesfalls zu be- fürchten sein.

Wachsende Spargelder.

Dem alten, aber noch nicht ganz veralteten Sprichwort zufolge ist jene Frau die beste, von der man am wenigsten spricht. Der Vergleich ist vielleicht etwas kühn, aber es ist heutzutage wirklich ein Vorzug, wenn man von einem großen Geldinstitut möglichst wenigspricht" odermun­kelt". Denn was gesprochen wurde, war fast immer etwas sehr Unerfreuliches. Das größte Geldinsti­tut, die größteKreditmacht' in Deutschland sind heute aber immer noch die S p a r k a s s e n. Von ihnenspricht' man erfreulich wenig, obwohl sie allein über soviel Gelder verfügen, wie in den Bilanzberichten von allen deutschen Großbanken zusammen ausgewiesen werden.

Allmonatlich berichten die Sparkassen über den Stand der Einzahlungen, Auszahlungen und Zinsgutschriften: das geschieht in ein paar kurzen Zeilen, knapp, doch klar. Das ist aber auch notwendig, denn der kleine Sparer soll sich nicht erst durch einen Wust von Ziffern und Zahlen Hindurchwühlen müssen, um zu erkennen, wie es mit dem Institut steht, dem er fein Geld anvertraut hat. Allzuviele Zahlen und Ziffern machen heutzutage aber schnell mißtrauisch, wenn es sich dabei um Geld handelt!

Einen Augenblick schweift, wenn man jetzt den gün­stigen Novemberbericht der Sparkassen liest, die Erinne­rung zurück in jene trübe Sommerzeit des Vorjahres, als aus Gründen, mit denen die Sparkassen nicht dasgeringstezu tun hatten der große langdauernde Sturm auf diese Kassen erfolgte; rund 1,2 Milliarden haben sie damals binnen vier Monaten mehr auszahlen müssen, als ihnen an Einlagegeldern zu- flossen. Bis zum November zogen sich die Ausläufer dieser Panik hin, aber dann was das letzte Miß­trauen überwunden. Wenn trotzdem bis in Den September d. Js. die Auszahlungsziffer höher war als die der Einlagen, so hatte dies rein wirtschaftliche Gründe: Einkommensschwund, Vermögensverlust, Ar­beitslosigkeit fraßen gierig an den ersparten Geldern. Rund 1800 Millionen beträgt für die Zeit vom Mai 1931 bis zum September 1932 der Auszahlungsüberschuß, und es ist keine Lobeshymne für die Großstädte, daß hier das Maß der Abhebungen weit binausging über den Durch­schnitt, und daß z. B. der Anszahlungsüberschuß in Berlin mit 130 Millionen gerade so groß war wie der von ganz Bayern! Wie denn überhaupt der Sturm auf die Spar­kassen in Den Mittel- und Kleinstädten verhältnismäßig viel mildere Formen annahm, noch mehr übrigens in Landesteilen mit vorwiegend agrarischer Wirtschaftsstrnk- tur: am verhältnismäßig vernünftigsten benahm man sich in Niederschlesien.

Immer geringer wurde im Sommer 1932 dieser Aus­zahlungsüberschuß, und der Juli d. I. bedeutete mit 9,717 Milliarden den Tiefpunkt des Einlagebestandes. Dann aber ging es wieder aufwärts; denn schon der Ausgleich zwischen Einnahmen und Auszahlungen im August und September bedeutete für die Sparkassen einen Fortschritt. Daß dann aber im Oktober ein klarer Uberschuß der Ein­zahlungen über die Auszahlungen erzielt werden konnte, obwohl die letzteren wieder gestiegen waren, greift über die Feststellung einer bloßen Sparkassenbilanz hinaus: denn hieraus kann man wie überhaupt aus den Berichten der Sparkassen sich geradezu aufdrängende Rückschlüsse auf die allgemeine wirtschaftliche Entwicklung in Deutschland ziehen. Bis zum August etwa ging es unverkennbar abwärts, dann, nach einigem Zögern, aber langsam, Schrittlein um Schrittlein vorwärts und ein bißchen aufwärts. Denn das jetzt veröffentlichte Novemberergebnis zeigt wiederum einen klaren Überschuß der Einzahlungen über die Aus­zahlungen, ein Überschuß, der sich dann noch um den Be- trag der Zinsgutschriften weiter steigerte. Auch für den Dezember, dem Weihnachts- und Geschenkmonat, bewegten sich die Abhebungen in durchaus normalen Bahnen.

So konnten die Sparkassen endlich wieder auf­atmen, als das Jahr 1932 sich allmählich dem Ende näherte. Es geht wieder aufwärts mit ihnen und zu­gleich haben sie schon ein Viertel des großen Kredits, den sie bei der Reichsbank 1931 aus Mangel an unmittelbar flüssigen Mitteln aufnehmen mußten, im Laufe des Jahres 1932 zurückgezahlt. Kein Sparer zweifelt mehr an der Sicherheit des Geldes, das er einer deutschen Spar­kasse anvertraute. Und diese Sicherheit ist wieder so selbstverständlich, daß man darüber gar nicht mehr spricht! Sie bleibt auch selbstverständlich, wenn man die Spar­kassen von allen Experimenten verschont und sie ihre Sachen allein machen läßt. Dann wird sie gemacht!

Anklageerhebung gegen die Leitung einer zusammengebrochcue« Bausparkasse.

Frankfurt a. M. In der Strafsache gegen die verantwort­lichen Leiter des im August 1930 zusammengebrochenen KonzernsSelbsthilfe der Arbeit" ist Anklage gegen acht Vorstands-, Aussichtsrats- und Verwaltungsratsmitglieder er­hoben worden wegen fortgesetzten gemeinschaftlichen Betruges, Untreue und Gläubigerbegünstigung sowie KonkursvergebenS. Bezüglich der den Angeklagten weiter zur Last gelegten straf» baren Handlung ist die Außerverfolgungsetzung aus rechtlichen Gründen beantragt worden, desgleichen bezüglich der weiteren Angeschuldigten.

Kleine Zeitung für eilige Leser

* Der Inhalt deS neuen deutsch-französischen Wirtschaft-- abkommens wurde veröffentlicht.

* Die Preise am Berliner Buttermarkt erreichten ein« neuen Rekordtiesstand.

Bei einer Schlagwetterexplosion ht einem ungarischen Bergwerk fanden 13. Bergleute den Tad..