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Nr. 305 — 1932
Fulda, Donnerstag, 29. Dezember
9. Jahrgang
Hilse für die bäuerlichen Wirtschaften.
Margarine mit Butter.
Die Notverordnung zur Regelung der Fettwirtschaft
Zur Förderung der Verwendung inländische: tierischer Fette ist die Reichsregierung durch eine Notverordnung des Reichspräsidenten ermächtigt wurden, einen V e r w c n d u n g s z w a n g für Butter bei der Herstellung von Margarine in Ergänzung des schon seit dem 1. Dezember 1930 bestehenden Verwendungszwanges für Talg und Schmalz anzuordnen.
Die Reichsregierung wird ferner ermächtigt, Vorschriften über den U m f a n g d e r H e r ste l l u n g von Margarine, Kunstspeisefett, Speiseöl, Pflanzenfetten und gehärtetem Tran zu erlassen sowie einen Verwendungszwang von inländischen Ölsaaten in den Ölmühlen anzuordnen. Schließlich enthält die Verordnung noch Bestimmungen, die die Reklame für Margarine und Kuiist- speisefeit beireffen und Mißbräuchen auf diesem Gebiete entgegenwirken sollen.
Bei der Reichsregierung besteht der Wunsch, die mit der Verordnung angestrebten Ziele im Wege f r e i Willi g e r V e r e i u b a r u n g e n mit der Margarine- und Ölmühlen-Jndustrie zu erreichen, so daß die Ermächtigung der gesetzlichen Regelung gar nicht Anwendung zu finden braucht.
*
Diese Maßnahmen sollen, wie amtlich mitgeteilt wird, den bäuerlichen Wirtschaften helfen, die auf das schwerste unter der allgemeinen Wirtschaftskrise und dem Tiefstand der Preise für die Produkte der Vieh- und Milchwirtschaft leiden. Der Erlös aus diesen Betriebszweigen lag bereits im vergangenen Wirtschaftsjahr mit nur noch 4,3 Milliarden Mark u in 2,1 Mil liarden unter dem Erlös im Wirtschaftsjahr 1928/29. Das Schicksal der bäuerlichen
-Nrngsvolt auch deshalb, weil von ihr das Gedeihen des gesamtwirtschaftlich unentbehrlichen Siedl ungs Werkes abhängt.
Die jetzt vorgesehene Regelung der Fettwirtschaft stellt eine Ergänzung der Kontingentierung der Einfuhr von Butter und Schmalz dar. Sie soll den Anteil der ausländischen Rohstoffe bei der Margarineherstellung zugunsten der einheimischen tierischen Fette einschließlich Butter zurückdrängen. Die Margarineindustrie verarbeitet heute zu etwa 97—98 Prozent Rohstoffe ausländischer Herkunft, und zwar vor allem pflanzliche Öle und Tran. Ursprünglich war Rindertalg der Grundstoff der Margarine. Noch im Jahre 1913 betrug der Anteil der tierischen Fette (Talg, Schmalz) etwas mehr als die Hälfte. Der B u 1 t e r m a r k t soll durch Verarbeitung gewisser Mengen bei der Margarineherstellung entlastet werden. Im Verhältnis zur Gesamtmargarineerzeugung sind die für die Beimischung in Frage kommenden Buttermengen gering, so daß die Butterbeimischung keinen Einfluß auf den Margarinepreis, soweit es sich um Margarine für den Verbrauch der breiten Massen handelt, haben wird.
Ist die Butter-Margarine haltbar?
Eine Zeitung hatte gemeldet, daß die Margarine eine Umschlagdauer von sechzig Tagen habe, während die meistverwendete Bauernbutter nur zwölf Tage haltbar sei. Es sei demnach zu befürchten, daß bei der Beimischung von Butter zur Margarine auch die Margarine in zwölf Tagen ranzig werden würde. Von zuständiger Stelle wird hierzu mitgeteilt, daß die Haltbarkeit einer Margarine, deren Umschlagsdauer sechzig Tage beträgt, nur durch Beimischung von Benzoösäure erreicht werde. Wenn diese Beimischung zur Margarine nicht erfolge, würde auch diese nach einigen Tagen ranzig werden. Nachdem nunmehr der Veimischungszwang von Butter zur Margarine eingeführt worden sei, werde auch der mit Butter vermischten Margarine B e n z o ö s ü u r e beigemischt werden und dadurch dieselbe Haltbarkeit wie bei der nicht mjt Butter vermischten Margarine erzielt werden.
Das Waffenlager in her Eierkiste.
Kommunistenwafsen in Hamburg beschlagnahmt.
Die Hamburger Polizeibehörde teilt mit: Polizeibeamte beobachteten in St. Pauli, wie von einem Gc- schäftsauto von mehreren Männern eine schwere Kiste abgeladen und in einen Hausflur geschafft wurde. Die Transporteure erklärten auf Befragen, daß sich in der Kiste Eier befänden. Die Polizeibeamten gaben sich mit dieser Auskunft nicht zufrieden und stellten fest, daß die Kiste
mehrere Gewehre und Karabiner Modell 98, Pistolen, eine Granate, einen Granatzünder, eine Kugel- handgranate, acht scharfgeschliffene Seitengewehre und verschiedene Pistolenmunition enthielt. Nun schritten die Beamten zur Festnahme der ungehaltenen vier Männer. Bei der im Anschluß hieran vorgenommenen Durchsuchung eines in der Nähe des Abladeortes befindlichen Kellers wurden in einem Korb zwei Armecpistolen, Munition sowie kommunistische Broschüren, Saminclbogen des Roten Masseuselbstschutzes, ein Morsealphabet sowie Flugblätter gefunden und beschlagnahmt. Die Fest- genommeuen erklärten, daß sie der Kommunistischen Partei angehörten. Im Laufe der Nacht wurden noch Mehrere Personen festgenommen.
Absatzförderung einheimischer Futtermittel.
Durch Verordnung des Reichspräsidenten wird das Maismonopol auf Reis, Neisabfälle, Rückstände von der Stärkeerzeugung aus Reis usw. ausgedehnt.
Der Zweck des Mais Monopols war es, eine übermäßige Einfuhr ausländischer Futtermittel im Interesse der Verwertung deutscher Futtermittel fernzuhalten. Die Lösung dieser Aufgabe wurde durch eine steigende Einfuhr von Reis und Neisabfällen mehr und. mehr gefährdet.
Im Hinblick auf die große inländische Ernte an Kartoffeln, Hafer, sonstigen Futtergetieiden und Futtermitteln, die die Futterversorgung der inländischen Viehhaltung zu angemessenen Preisen ermöglicht, und angesichts ihrer Bedeutung für den gesamten Getreidemarkt war deshalb zur Sicherung des Absatzes und der Verwertung dieser inländischen Erzeugnisse auf dem Futtermittelmarkt die Einbeziehung von Reis und Reisabfällen in das Maismonopol unerläßlich. Die Preise für Speisereis sollen durch diese Regelung nicht beeinflußt werden.
* Einfuhrerschwerung für Frühkartoffeln.
Die deutsch-holländischen Zollverhandlungcn.
Die Reichsregierung hat auf eine Anfrage der holländischen Regierung bezüglich Verhandlungen über einen neuen Zolltarifvertrag erwidert, daß sie zur Aufnahme solcher Verhandlungen bereits im Laufe des Januar bereit sei, daß jedoch bei ihr gegen die Fortdauer der bisherigen Zollvereinbarungen für die Dauer der Verhandlungen ernste Bedenken bestünden. Diese Stellungnahme der deutschen Regierung bedeutet, daß für eine große Zahl von aus Holland nach Deutschland cingeführten Erzeugnissen ab 1. Januar 1933 â ueueu £ oui# ne . n Ä raft treten.
Nach einer Veröffentlichung der Direktion für den holländischen Landbau werden durch Die höheren Zollsätze getroffen: Kartoffeln, Tomaten, verschiedene Blumen wie Geranien, Fuchsien, Reseda usw., Hyazinthen-, Tulpen- und Narzissenzwiebeln, soweit sie nicht in Postpaketen von über fünf Kilogramm Gewicht eingeführt, werden, ferner kondensierte Milch. Am stärksten ist die Steigerung des Zollsatzes für K a r t o f f e l n in einer Zeit vom 15. Februar bis 31. März, nämlich von 1 auf 20 Mark je 100 Kilogramm, bei den übrigen genannten Erzeugnissen erfahren die Zölle eine Steigerung von 33 bis 233 Prozent, während der Zoll für Weißkohl eine Verminderung um 33 Prozent erfährt.
„Konimgeniierung, eine Lebensfrage der Landwirtschaft."
Ein bemerkenswerter Artikel des Baucrnsührers Heim.
Der bekannte Bauernführer Dr. Heim unternimmt in einem Artikel im Straubinger Tagblati einen aufsehenerregenden Vorstoß in der Kontingentierungsfrage. Er knüpft an die Forderungen des christlichen Gewerkschaftsführers Otte an, wonach die christlichen Gewerkschaften in einer landwirtschaftlichen Kontingentierung eine Schädigung der industriellen Ausfuhr und damit eine Vergrößerung der Arbeitslosigkeit erblicken. Dr. Heim bedauert, daß diese Forderungen der christlichen Gewerkschaften ohne jeden erläuternden Vermerk und ohne jede Einschränkung abgedruckt wurden. Es sei auch bei den Wahlen vorgekommen, daß sogar Reichstags- kandidaten der Bäuerischen Volkspartei in ihren Reden gegen die Kontingentierung Stellung genommen hätten. Die Kontingentierungsfrage sei für die Landwirtschaft die wichtigste und nach der gegenwärtigen Lage eine Lebensfrage. Wenn in solchen Fragen eine Partei die Unterstützung nicht r e st l o s gewähre, dann dürfe sie sich nicht wundern, wenn die größte Berufsgruppe ihre Wähler, vertreten durch die christlichen Bauernvereine, das nicht ohne Auswirkungen hinnehme.
Kranlreichs Finanzen.
Die Französische Kammer hat mit 524 gegen 53 Stimmen das vorläufige H a u s h a l t s z w ö l f t e l verabschiedet, das sich auf etwa 4,6 Milliarden Franc bc= läuft. Finanzminister Chöron hatte den Finanzplan zuvor eingehend begründet. Der Plan sieht weiter eine Reihe von Jonder best immungen vor, u. a. die Ausgabe von fünf Milliarden S ch a tz a n w e i s u n g c n zur Auf- füllung der Staatskasse und die Ermächtigung für die großen Eisenbahngesellschaflen, 1,3 Milliarden Franc durch eine A »leihe aufzunehmen. Die Sozialisten stimmten für den Finanzplan.
Der U in lauf der Schatzanweisungen beläuft sich nach Ausführungen des EeNeralberichterstatters des Haus- Haltsausschusscs der Kammer auf neun Milliarden Franc. Dazu wird man voraussichtlich noch anderthalb Milliarden zählen müssen, sobald die algerische Staatsanleihe verabschiedet ist, so daß dann int Laufe des Jahres und einschließlich der jetzt verabschiedeten sünf^ Milliarden insgesamt für 15,5 Milliarden Franc Schatzanweisungen im Umlauf sind. Fügt man diesen 15,5 Milliarden noch die 27 Milliarden Kriegsanleihe hinzu, so ergibt sich eine laufende innere Schuld von über 40 Milliarden
Deutschtum in Mot
Wenn man auch plötzlich auftauchende französische Meldungen darüber, Deutschland wolle demnächst in Genf die Korridorfrage aufrollen, als eine politische Abwehr aktion Pariser Kreise betrachten darf, so ändert das nichts an der Tatsache, daß für uns Deutsche jedenfalls nicht bloß jene Korridorfrage, sondern überhaupt das ganze deutsche Minderheiten Problem im jetzt vor sinkenden Jahre wieder erheblich brennender geworden ist. Bekanntlich gibt es eine Institution, die bei den offiziellen „Siegern im Weltkrieg", also vor allem bei den ncugegründeten „Nationalstaaten", außerordentlich unbe liebt ist: das ist der Europäische Nationalitäten Kongreß, die Vertreter aller nationalen Minderheiten. Er pflegt nämlich ohne jede Scheu vor dem Völkerbund und dessen sanften Reden und noch sanfterem Handeln ungescheut den Finger auf die blutenden Wunden zu legen, die den Minderheiten überall und immer tiefer geschlagen werden. Hierüber hat er nun auch in einem dicken Band über die Entwicklung während des Jahres 1932 berichtet: und es ist wie ein Gang rings um Deutschland und durch deutsche Not hindurch, wenn dort Rechenschaft darüber abgelegt wird, welch bisweilen unglaublicher Behandlung gerade die deutschen Minderheiten ausgesetzt sind. In den bat tischen Kleinstaaten Estland, Lettland und Litauen bat sich die Unterdrückung der dort kulturell tragenden schickn, nämlich des Deutschtums, ununterbrochen fortgesetzt; neben der Kirche sind besonders die Schulen jene Punkte, bei denen die staatlichen anderen Übergriffe einseye». Ob Dorpat in Estland oder Riga in Lettland oder das Memel- aeut' unter Litauens Druck, — überall ist cs dasselbe. Die Kirche» und in Massen die Schulen werden geschlossen, beraubt oder „nationalisiert". Und wir müssen uns darüber klar sein, daß diese Entdeutschungspolitik überall Erfolge verzeichnen kann.
Im Osten und Südosten, in Polen, der Tschechoslowakei und in Südslawien geschieht die Verfolgung des Deutschtums mit steigender Heftigkeit und ohne jede Rücksicht aus Minderheitenverträge oder Beschwerden beim Völkerbund. Der Generalangriff auf die deutsche Schule geht weiter und rückt vorwärts: außerdem ist er begleitet von zielbewußter wirtschaftlicher Benachteiligung der Deutschen. „Rechtlich" bat sich in Jugoslawien die schul- politische Lage für das Deutschtum etwas erleichtert, aber tatsächlich bleiben die alten Hindernisse. Leider bestehen diese Hindernisse für die deutsche Schule auch in — Ungarn!
Weiter geht der Weg deutscher Volksnot über Rumänien, wo man nichts von den vielen Versprechungen der verschiedensten Regierungen an die Minderheiten, die besonders an die Deutschen abgegeben worden sind, gehalten hat. Keinerlei gesetzliche Regelung der Sprachen- und Schul-, der Kirchen- und Univcrsitätsfragen ist erfolgt.
Am trostlosesten sieht cs natürlich in Südtirol aus, wo die Entdeutschungspolitik nicht nur so unsagbar viel Grausames, sondern auch geradezu — Kindisches an sich hat. Ein Recht für das dortige Deutschtum gibt es gar nicht und der Völkerbund darf für die Südtiroler nicht existieren. Nicht einmal in den — Kindergärten darf ein deutsches Wort gesprochen werden, erst recht nicht in der Schule. Jeglicher deutscher Privatunterricht wird verfolgt und mit Gefängnis bestraft, er außerdem wegen „Gefährdung der öffentlichen Sicherheit" (!) verhindert. Man erzwingt weiter die Italienisierung der Namen auf Aufschriften und Grabmälern, und der Gerichtsvräsidem in Bozen untersagte den Rechtsanwälten, im Gerichtsgebäude auch nur ein einziges deutsches Wort auszusprechen, selbst nicht in Privatgesprächen. Ganz besonders scharf ist der Truck der Schulbehörden auf die Kinder, sich der faschistischen Jugendorganisation, der „Ballilla", anzuschließen; und um die „Konkurrenz" der katholischen, also deutschen Jugendverbände, die man jetzt dulden muß, möglichst auszuschalten, ist diesem jede sportliche Betätigung verboten worden. Übrigens ist jetzt auch der letzte deutsche Lehrer aus Südtirol nach der Lontbardei oder noch weiter nach Italien hinein versetzt worden.
Tas ist — andeutungsweise nur — das Ergebnis einer Wanderung durch die Not der deutschen Minderheiten.
Alterspräsident Litzmann legt sein Neichstagsmandat nieder.
Berlin. Der bisherige Alterspräsident des Reichstages, General Litzmann, bat sein Reichstagsmandal niedergelegt. Die Nationalsozialisten hatten ihn für die Reichstagswahl offenbar nur deshalb aufgestellt, um eine neue Alterspräsident- schaft der kommunistischen Abgeordneten Frau Zetkin zu verhindern. Die Nationalsozialisten sind bekanntlich auch grundsätzlich gegen die Ausübung von Toppelmanvawn. «ür General Litzmann, der außerdem noch preußischer Landtags- abgeordneter und Alterspräsident deS Preußischen Landtages ist, ist Oberleutnant a. D. Friedrich Krüger-Berlin in den Reichstag nachgerückt.
Kleine Zeitung für eilige Leser
* Die Reichsregierung wird durch Notverordnung er nrâchtigt, de» Beimischungszwang von Butter zur Margarine anzuordnen.
* In das Maismonopol wird Futtcrrcis einbc,zogen.
* Die Hamburger Polizei fand bei Mitgliedern der Kommunistischen Partei Waffen und MunUiort. Mehrere Personen wurde« verkästet.