genoss H, von einer dunklen, ' schönen Sjimme OânO ttnirbigf eiten zu hören. — Bonstedt stand einmal airf Rauch aus dem Fenster zu lassen. Da stieß er an die Schreibmaschine. Schauderhaft, dachte er, und dann, höchst gelegen. „Da sind Briefe vom Urgroßvater, die ich keiner fremden Hand zum Kopieren geben möchte!"
Also, er kam wieder. Der Urgroßvater hatte nämlich in einer höchst kniffligen Art geschrieben, die zu entziffern man zu zweit sein mußte.
Wolf und Werner zählten ihre Geldvorräte. Sie waren sehr aufgeregt; denn Onkel Achim hatte sie eingetaden, den Einkauf des Lautsprechers bei ihm zu bereden.' Sie saßen in seinem hübschen Wohnzimmer, tranken Milchkaffee und zitterten. Wenn nun Onkel Achim einen unerschwinglichen Preis nannte, was dann? Onkel Achim fragte so allerlei nach Mama, ob sie oft ausginge und dergleichen. Natürlich war das, weil er wissen wollte, ob man den Lautsprecher unbemerkt in die Wohnung bringen könne. Endlich verlor Wolf die Geduld. Er sagte: „Wir" haben elf Mark siebzig, nicht wahr, das reicht doch?" Onkel Achim sah sehr ernsthaft aus: , Ja, damit läßt sich schon etwas machen. Aber wie wäre es, wenn ich den Ankauf tätigte? Ich kenne nämlich eine Firma, bei der ich großen Rabatt bekomme." Sie händigten ihm die Gelder aus. Onkel Achim schob die Hälfte als zu viel zurück. Und cs wurde verabredet, am 24. Dezember mittags sollten üe den Lautsprecher bei ihm abholen.
Ach, wie grenzenlos würde sich Mutti über den Lautsprecher freuen! Wenn nur Wolfs Weihnachlszeugnis ... Er bereitete sie vor: , So schrecklich, wie wir fürchten, fällt es 'ielleicht doch nicht aus. Mutti. Meinst Du Onkel Achim 't mit zehn Jahren schon Primus gewesen?"
„Er war Kadett", antwortete die Mutter und sah so trän"' wisch aus.
Am 24. Te-ember rannten sie zu Onkel Achim. Wolf mar r'br stolz. Wenn dies möalich sein könnte, daß ein "ist '^'or sich verschreibt, so hätte er es von seinem Zeugnis gedacht. Eine Zwei im Latein, eine Eins tm Singen. Ja, das ist die Liebe der Matrosen, Hofgesang bringt Glück.
Bei Onkel Achim stand ein fabelhafter Lautsprecher. „Okkasion", sagte der Onkel, und sie kannten das Wort von Ladenauslagen her. Onkel Achim gab noch etwas mit: ein Bild von Bonstedt. Das sollten sie Mutti hinstellen, er wolle es ihr schenken. Sie rasten heim. Mutti war weg. Der kleine Baum mit den Kerzen stand da. Der Lautsprecher paßte in den Steckkontakt. Er tönte. Mutti kam heim. Der Lautsprecher verstummte. „Dieses Jahr bauen wir zuerst auf", schrien die Jungens. Frau von Bonstedt ersuchte sie, sich mal gründlich zu waschen, und frisch anzuzrehen. Und dann ging sie mit Paketen in ihr Schlafzimmer. Sie riegelte hinter sich ad, kleidete sich um, glitt auf ihren Bettrand! Tränen kamen ihr. War sie denn nicht glücklich mit ihren guten Jungens? Warum mußte sie heule so viel nach Bonstedt denken? Und an ihr frauliches Alleinsein? Warum stand immer Achims Gesicht vor ihr? Gewiß war er draußen, vielleicht mit lustiger Gesellschaft, froh, heiter — —
Es klingelte. Die Jungen hörten es nicht. Sie liefen zwischen Lautsprecher und Fenster umher. Wurde es nicht endlich dunkel, daß man den Baum anzünden konnte?
Drüben in dem winzigen Schlafzimmer der Jungens waren Achim und Dgnetr. Sei» Entschluß stand schon seit Tagen fest. Seine Frage war formuliert. Aber wie würde die Antwort sein?
Doch nun gab «4 gar nicht Frage und Antwort. Sehnsucht führte Lippen zueinander. Blondhaar und dunkles Haar waren einander ganz nahe. Mannesarme umfingen die kühle Schlankheit einer Frau, Nie nun wieder wußte: Ich bin jung, jung, jung —
Wolf und Werner konnten ihre Ungeduld nicht mehr meistern. Sie ließen die Baumkerzen entbrennen.
Tann stand Wolf am Taster des Lautsprechers, vor dem da? Bild von Bonstedt aufgebaut war. Ter Heine Werner überschrie sich auf dem Korridor, krähte: „So komm doch, Mutti, so komm doch!"
Frau von Bonstedt kam. Wolf knipste an. Der Lautsprecher gab sagenhafte Bläserchöre von Türmen sagenhafter Kleinstädte wieder. Der Baum erstrahlte. „Aber Jungens, Jungens — ich finde ja keine Worte —"
, Und das Bild von Bonstedt schenkt Dir Onkel Achim. Und den Lautsprecher haben wir Dir gekauft, jawohl und nicht auf Stottern, Mutti, wir haben eS anders geschafft."
Unter der Tür tauchte Achim von Bonstedt auf.
Wolf der kleine Kavalier, war betreten und er konnte nicht hindern, daß sein Bruder auf Onkel zustürzte und den beiderseitigen Gefühlen Ausdruck gab: „Und nun haben wir gar nichts für Dich gekauft. Onkel Achim!"
Toch Onkel Achim lachte so hell und froh, daß es für Sekunden den Lautsprecher übertönte und rief: ,Ohne Sorge! Muttchen schenkt mir, daß Ihr zu mir nach Bonstedt kommt."
Australische Weihnacht.
Skizze von Annie Francè-Harrar.
Daß er von versöhnlichem Charakter gewesen wäre, konnte eigentlich niemand von ihm behaupten. Sondern eher von einer hartnäckigen Verstocktheit, die ihn von Zeit zu Zeit durchaus und völlig ungenießbar machte. Es war da nichts mit ihm anzusangen. Er saß wie eine Tarantel in ihrer Höhle und war jederzeit bereit, mit giftigem Biß den" Störenfried seiner boshaften Bockigkeit anzuzallen.
Er war nicht klug, er war nicht dumm. Er war eben nur halsstarrig und unzugänglich. Wahrscheinlich hatte er etwas, das „Herz" hieß, noch nie an sich erlebt.
Die alte Frau, die sich seiner annahm, damit er nicht ins Waisenhaus gesteckt wurde, kannte seine mürrische Art gut genug. Hing sie an ihm, so war das eher, weil sie selber etwas brauchte, das sie liebhaben, an das sie ihre Sorgen, Wünsche, Hoffnungen heften konnte. Dieser Hilbert war der Sohn ihrer Lieblingsnichte, die eine allzufrühe Heirat mit einem allzufrühen Tode bezahlt hatte. Der Mann — ach Gott, es ist so leicht, eine zweite Frau zu finden, wenn die erste so sanft, nett und bescheiden war. Der legte gar keinen Wert darauf, den Jungen bei sich zu behalten. Was sollte er denn auch mit ihm?
Er kam also zur Großtante. Gedankt hat er es ihr nie. Er war von der Sorte, die alles selbstverständlich fand. Tie betuliche Art, mit der sie ihn versorgte, war ihm gräßlich. Seelische Verpflichtungen gab es für ihn nicht. Sie fand keinen Zugang zu ihm, sondern nur unfreundliche Ablehnung. „Undank", sagte sie. Also begoß sie diesen Undank recht sichtbar mit Tränen, die ihm wieder ihre Nähe unerträglich machten. - Die zwei stießen sich aneinander, wo sie es vermochten. Die Bedürfnisse des Herzens (soweit bei ihm davon die Rede sein konnte) waren nun einmal nicht auf einen gleichen Nenner zu bringen. Er haßte ganz ehrlich alles, was mit ihren paar sauberen Altjungsernstübchen, mit Kanarienvogel, Singuhr und dem merkwürdig abgestandenen Geruch altmodischer Man- tillcn zusammenhing, die sie so gern an seinem Arm Sonntags in einem netten .Kaffeegarten spazieren geführt hätte. Sie fand ihn roh. undankbar, fleaelbast und bejammerte bei allen Nachbarinnen ihr Schicksal, das ihre gefühlvolle Anhänglichkeit an die arme tote Berta ihr so übel belohnte.
Hilbert war noch nicht ein halbes Jahr mündig, da wanderte er nach Australien aus. Hauptsächlich darum, weil ihm da? der Kontinent schien, wo er von der Großtante am
Er batt/zulctzt als Gärtner und in einer großen Hühnerzuchtanstall gearbeitet, ein langer, em bißchen schwerfälliger Bursche, der aber für alle Tinge schnell einen praktischen Griff herausfand. Er verstand seine Sache und noch hundert kleine Brauchbarkeiten dazu. Er dachte, jo einem wie ihm könne es nicht seh! geben. Es ging auch nicht fehl.
Schnell genug erhielt er Arbeit auf einer gewaltigen Kälberfarm da oben tm heißen Norden, ein paar Tagereisen von Brisbane entfernt. Er saß nun ziemlich allein draußen in einem Ranch inmitten tropischer Wälder. Die Einsamkeit war ihm recht. Kälber zu versorgen, kam ihm nicht, schlimmer vor als Hühner füttern. Aus Frauen machte er sich nichts. Die Alte in der Heimat war auch eine Frau — danke bestens! So ein wehleidig anspruchsvolles Wesen, das ununterbrochen nette Worte, Händedrücke, Streicheln, womöglich sogar Küsse verlangte.
Mari« mit dem KesuSkindlein, Gemälde «rS >h 8«l«te L»rst«t m Rom.
Der 8roßt«»tr Nette et euer Kurte geschrieben: Da bin ich, da bleibe ich, es geht mir gut. Gruß! Sonst nichts. Das konnte sie schließlich verlangen.
Merkwürdig, daß tolch einen innerlich grobklotzigen, noch gar nicht aufgetauten Menschen doch auch daS Heimweh packen kann! Es war nicht tm ersten Jahr, auch nicht im zweiten, «bei so im »ritten fing M au. Er wurde erheblich sanftmütiger, der lange Hilbert, «n» seinen Kälbern erzählte er endlose Geschichte »on »er Armen Gasse und Sen Schulkameraden, und wie es in einer deutschen Gärtnerei aussieht. Auf englisch natürlich, sonst hätten sie's nicht verstanden. Nur von der Großtante kam kein Wort darin vor.
Tie alte Frau war so maßlos gekränkt gewesen, daß der Pflegesohn vor ihr nach Australien flüchtete (denn diesen Zusammenhang fühlte sie sehr wohl heraus), daß sie es fertig brachte, chm zwei Jahre lang nicht zu schreiben. Nicht, daß sic chn weniger liebte »der ihr Testament zu seinen Ungunsten verändert hätte. Aber er sollte es fühlen, wie es ist, wenn man son dem einzigen Blutsverwandten keinerlei Nachricht erhält.
Der Hilbert aber fühlte gar nichts, sondern »ergoß sie rmtach. Und das war ihm gerade recht.
Tann, io um du dritten Weihnachten herum, kam ein Paket. Der Boy, der ihn mit Lebensmitteln versorgte, brachte es mit aus den Ranch hinaus. Als er fort war, entschloß sich der lunge Mensch, es in öffnen. Die Handschrift der Großante kannte er; am liebsten hätte er es gleich zurückgeschickt. Aber Nachricht von daheim — daS brachte er doch nicht über sich! — Damals nicht mehr.
Er fand in Ser Schachtel ein kleiner künstliches Christbäumchen mit winzigen mageren Kerzen, die halb ab- geschmolzen waren von der Hitze. Mitten im Baum steckte eine gläserne Glocke, darauf war schrecklich kitschig ein rubinrotes Herz gemalt und auf dem wieder stand, breit und gleißend: Gedenkei Eurer Lieben zum WeihnachtSfeste! Kein Brief, sonst nichts. Aber als er sich berunterbeugte, um die Sache genauer anzusehen, da kam ihm ganz dünn und fern der gehaßte Man- llllengeruch entgegen. Und mit einmal überfiel ihn wieder die ganze Abneigung, und das Unerträgliche seines einstigen Daseins machte ihm die Zunge bitter und nahm ihm den Atem. Und da konnte er nichts anderes tun, er packte das Bäumchen samt der Glocke, trug eS hinaus und warf eS nach halbstündigem, wütenden Marsch wett in den Wald hinein, in ein Dickicht, das jenseits der Rodung zwischen Palmen und Eukalypten auswuchs.
Aber in dieser Nacht heulte er zum erstenmal, ohne daß er eigentlich wußte, warum.
Diese ganze Sache hatte sich so um Anfang Dezember abgespielt. Tann gingen die Tage weiter, einförmig, heiß, ereignislos. Geschrieben hat der Hilbert nicht. Er könnte den Brief ia setzt ohnedem nicht befördern, redete er sich vor sich selber aus.
Den Morgen vor dem 24. Dezember sah er eine Herde Emus ganz in der Nähe. Näher als je bisher Er ging ihnen nach, hatte Glück, konnte sich anschleichen. Ein paar Junge waren darunter, die gedachte er lebendig zu fangen, zur Gesellschaft. Es war natürlich Unsinn, lebende Emus erwischl man höchstens zu Pferd auf offener Ebene. Aber das wußte er wohl nicht so genau. Richtig verlor er sie aus dem Gesicht, als sie über eine Waldlichtung liefen. Da stand er, glühend von Schweiß und Jagdfieber und mußte sich sagen, daß es nun das einzige sei, zurückzukehren und an die Emus nicht mehr zu denken.
Aber das war nicht so leicht. Der australische Wald da oben im Norden ist ein richtiger tropischer Urwald mit Riesenbäumen und Lianen. Unübersicytlich, verworren, weglos. Es war nicht einfach gewesen, so weit einzudringen. Das Heraus- sinüen aber erwies sich als weit schwieriger. Der Hilbert, so viel wußte er, ging der Sonne nach und vermied es, sich um- zudrehen. Sonst sah ein Baum wie der andere aus und eine blaue Lilie so wie die nächste. Er wurde durstig, müde, und es kam kein Ende. Ungeduldig kämpfte er sich weiter, stach sich an den Dornen, hörte Schlangen rascheln, ärgerte sich über die Flüge rosenroter StafaDuS.
Bis in den Spätnachmittag marschierte er so, hätte natürlich längst im Ranch sein müsse«, schrie ein paarmal, bekam f$ftolwtäëi*U* twe» M unzart meh ihm a&aA w «Uw« anleM
erschöpft', und sehr verzagt. Dachte an die vielen aufbrauhMm Geschichten von Leuten, die im Skrub umgekommen sind, fürchtete sich nicht gerade, fühlte sich aber doch höchst unbehaglich, vor allem seiner ausgedörrten Kehle wegen. Machte sich zuletzt schon darauf gefaßt, daß er da draußen übernachten müsse und daß ein wirklich recht unwahrscheinliches Glück dazugchöre. wenn er sich moraen zurückfinden solle.
Da iah er etwas glitzern, das ihn neugierig machte, rot wie eine Blume, aber doch anders. Es schaukelte, spielte in scharfem Gleißen. Es war nicht ganz leicht, hinzugelangen, ungeheure nadelscharfe Gräser sperrten den Durchgang. Endlich gelang es doch. Und dann entdeckte er etwas, davon halten ihm nur alteingesessene australische Boys erzählt, aber er hatte es nie glauben wollen. Da hatten Laubenvögel ihren Spiel- und Hochzeitspalast gebaut, an zwei Baumstämmen empor, dazwischen feines Reisiggeflecht. Rechts und links ebensolche geflochtene Türme, der eine doppelt mannshoch. Verwelkte Orchideen, die von den verliebten Bogelmännern einmal zum Schmuck hineingesteckt worden waren, ließen vermuten, daß augenblicklich das Gebäude verlassen^ sei. Aber oben in der Spitze, da befand sich das, was ihn geblendet und hergelockt hatte. Nicht ohne Mühe turnte er hinauf, griff danach - spürte die gläserne Weihnachtsglockc vom Christbaum der Großtante in der Hand. Den er fortgeworfen und dessen die putzlustigen Laubenvögel sich bemächtigt hatten.
„Gedenket Eurer Lieben zum Weihnachtsfeste!" stand breit und kitschig darauf.
Dem Hilbert wurde es sonderbar schwach in den Knien. Er setzte sich, nein er fiel mehr zu Boden. Die Augen Der schwammen ihm, Aufregung, Durst, Angst, Gefahr stießen einen Stein von feinem Herzen, die Kehle aufwärts. Und da lag der lange Mensch und schluchzte, wie er nie in seinem Leben geschluchzt hatte. Hielt das Glas mit dem roten Herzen dazu fest in der Hand und streichelte cs, als fühle es etwas von den ungesagten Empfindungen, als sei es gewissermaßen die alte Frau selber, die ihm hier das Leben gerettet hatte. Und deren weichmütige und sehnsüchtige Altjungfernliebe ihm plötzlich verständlich wurde, so daß er alles begriff und Abbitte tat und den gigantischen Berg ihrer Aufopferung und Güte gar nicht mehr ertragen zu können vermeinte.
Denn nun erkannte er auf einmal das Gestrüpp, wohin er das Bäumchen damals geschleudert hatte, wußte, ein paar Minuten davon begann die Rodung, fühlte sich sicher, geborgen, aus aller Not. Da lag noch das künstliche grüne Nadelgewächs, die Vögel hatten nichts mit ihm anfangen können, hatten nur, weil sie allen Schmuck lieben, èaè glitzernde Glasding heruntergcpflückt und zu oberst in ihren 'Spielbau gehängt. Niemand, die Tiere, er selber und no6) weniger die ferne Großtante hatten wissen können, welche $e= deutung alles das für ihn haben würde. Und daß eine Wandlung seines Ichs daran hing, die er nie für möglich gehalten hätte.
Mit der nächsten Europapost ging von Brisbane ein Briet in eine kleine deutsche Stadt, und der sagte in ungelenken Sätzen so viel Liebes und Gutes, daß eine alte Frau total verwirrt und fassungslos las und noch einmal las und dann nichts Besseres tun konnte, als weinen, ganz still und w beglückt, wie eben eine alte Frau bei der letzten großen Freude ihres Lebens meint
Wie große Musiker Weihnachten feierten.
Von Wilhelm Heimann -Weimar.
Johann Sebastian B a'ch, der trutzige Eisenacher, der größte Organist all et Zeiten, hat sich in seinen 'itngeu Jahren von den Thürinsier Konsistorien oft ben T W schlüssel geben lassen; mancher Pfarrer war damit nichi ^einverstanden, weil man nicht haben wollte, daß Bach in nächtlicher Stunde immer so weltvergessen in die Tasten griff. Um die Weihnachtszeit aber, da merkte man nicht daß Bach bis tief in die Nacht hinein spielte, denn fast im Dunkel saß
dem Klavier als sonst, so lange, Herr Becthor
er auf der Orgelbank; zwischen die Orgelprospekte hatte ei ein Kerzlein gestellt. Bach gestaltete einen Weihnachtschoral, ein Stück voll himmlischer Seligkeit und Freude zugleich. Sc ein Werk schrieb er mit dicker Gänsefeder auf gelbes, hartes Papier, wenn er so vor Weihnachten auf der Orgelbank saß. — Bach hatte in zwei Ehen zusammen 22 Kinder: als sie älter wurden, war es seine größte Freude, mit ihnen die alle ein Instrument gut spielen konnten, ein Weihnachtslied einzuüben; die Kleinsten mußten fingen. Die Bachin fang ordentlich mit. Und wenn nun Weihnacht kam, draußen tiefer Schnee lag, da wußte das ganze Städtchen, daß es in Bachs Hause wieder ein Fest gab: Die Kinderlein spielten und saugen. Dem lebenstrutzigen Johann Sebastiatt. Bach, der es gar schwer hatte mit den vielen Kindern und dem kleinen Kantorengehalt, kamen oft die Tränen. O Götter^ gäbe Musik, was wäre die Weihnachtszeit ohne dich?... Umso hieltcn's dann die Bachkinder bis zu dem Tage, da bei« letzte Bach die Fiedel aus der Hand legte. Ter alte Johan« Sebastian aber mag in der Heiligen Nacht , gar oft vom Himmel heruntergescham haben zu den Kindern, die w musizierten wie er einst.
Ludwig van B e c t h o v e n aus Bonn war ein« absonderliche Musikantengestalt, ein oft aufbrausender Hitzkopf, ein harter Schädel. Er ging immer seinen eigenen Weg. Ihn zog es selbst um die Weihnachtszeit selten in du Kirche. Ganz wenig hat er in die Orgeltasten gegriffen, ihw war die klarlinige' Melodik aus dem Klavier, aus dem Spinett lieber. "Dieser übermännliche Beethoven wurde weich, wenn die Weihnachlszeit kam; da spielte er länger am
‘ st. so lange, bis der Wirt des Hauses kam und sagte: „Herr Beethoven, wir wollen schlaf Warum spielen Sie denn wieder bis in die Nacht hinein? Worauf Beethoven gar keine Antwort gab, sondern vor Ww noch fester in die Tasten griff. Dann 'schlug er die düsteren Akkorde aus den ersten Takten der fünften Sinfonie an. Aus war es mit der Weihnachtsstimmung! In Wien zog er abends gerne hinaus in Gottes freie Natur, in die weihnachtliche Gegend. Lichter aus friedvoll träumenden Häusern vergoldeten die Welt. Beethoven liebte es, auf Anhöhen zu stehen, auch zur Winterszeit, um weit Ausschau zu halten. Und wenn die Welt so still und friedlich vor ihm lag, da weihnachtete es in seiner Seele, da wuchsen die Melodien aus seinem Innern heraus. Er nahm ein Gtückleiu Papier, schrieb eine liebliche Melodie darauf und versteckte sie tiej tm Mantel, bis der erste Wcihnachtsscicrtag kam. Dann setzte er sich an da? Klavier und stimmte eine Hymne an auf Gottes Güte, die ben Menschen einen Tag des wahren Friedens schenkt. Abends nahm er dann die Melodie, Ivano Zweige vom Tannenbaum darum und senkte das Haupt darüber Tcr truhtae Beethoven wurde wieder rum Kino.
Der HilfSgeistlichc Joseph Mohr aus Oberndsr bei Salzburg war ein stiller Mensch, der Sinn für ÖM1 heim Gottesdienst hatte. Mit ihm zusammen wirkte der Lehrer und Organist Franz Xaver Gruber, der am Ersten Weihnachtsfeiertag 1787 das Licht der Welt erblickte. Um ote Weihnachtszeit gefielen ihm die Stücke nicht mehr, r immer wieder aus dem alten, abgegriffenen Kirchen-OM- buch genommen werden mußten. Am Heiligen Abend, i war's, setzte er sich an die Orgel, unb es fielen ihm Tran von den Augen. Er strich diese heimlich weg, griff m Tasten, denn Musik ist eine göttliche.Trösterin. Er mit dem Herzen itnb nun wurde die Melodie: „S t Nacht, heilige Nacht" geboren. Am selben Abenv hatte Mohr den Liedtext erdacht. Und "" Krubers 0 tag 1834 ward dies deutsche Liedlein gedruckt. Noch beut Amat nA hmtA bin maihnaehilubli Lttt btt W«t»v 8*=