Brand im Armenviertel von Tokio.
14 Tote geborgen, 3 0 Vermißte.
In Fukugawa, dem Armenviertel von Tokio, brach ein Brand aus, dem nach den ersten Schätzungen vierzehn Menschenleben zum Opfer gefallen sind. Außerdem werden 30 Personen, darunter 15 Kinder, vermißt. Zahlreiche Einwohner wurden mit schweren Brandwunden in ein Krankenhaus gebracht. Der Brand entstand, als die meisten Bewohner noch im Schlaf lagen. In den leichtgebauten Holzhäusern fanden die Flammen so reiche Nahrung, daß sie sich mit rasender Schnelligkeit ausbreiteten.
Riesenbrand m Chitago.
In C h i k a q o wurde ein fünfstöckiger Getreidespeicher mit 1350 000 Bushel Weizen Inhalt durch mehrere Staubexplosionen zerstört. Das Gebäude brannte vollständig nieder. Der Schaden wird aus 7!— ^lUnn Do^ar geschäht. 35 Löschzüge waren zur Bekämpfung des Ricsenbrandes aufgeboten worden.
Der ehemalige Oberfiteuinani von Giechow verhaftet.
Unter dem dringenden Verdacht des Betrüge«.
In Berlin wurde der frühere Rittergutsbesitzer Karl Thilo von Ltechow unter dem dringenden Verdacht des Betruges verhaftet. Thilo von Ltechow soll als Oberstleutnant dem Gefolge der verstorbenen Kaiserin ungeteilt gewesen sein. Leine Familie gehört zum ältesten märkischen Adel. Der ehemalige Rittergutsbesitzer wohnte zuletzt in vornehmen Wohnungen in Berlin und lebte auf aratem Fuße, ohne zu bezahlen.
Rauchbomben im Wiener Poftsparkassenami.
Raubüberfall oder Dummerjungrnftreich?
Jm Hauptlassensaal des Postsparkasienamtes in Wien wurde eine starke Rauchentwicklung bemerkt; sie rührte von Rauchbomben her, die in einem Papierkorb eingeschmuggelt worden waren. Die Beamten schlossen sofort ihre Schalter und gaben Alarmsignale, worauf sich die Tore der Bank selbsttätig schlossen. Infolge des Rauches, der Tränen und Husten erzeugte, verließen die Anwesenden panikartig den Saal und drängten auf die Straße. Der Portier war klug genug, die Tore zu öffnen, so daß es zu Unfällen nicht gekommen ist. Die Polizei glaubt, daß die Tat von einem jungen Burschen begangen wurde, der aus einem Fenster flüchtete.
Es ist noch ungeklärt, ob es sich um die Vorbereitung für einen Raubüberfall oder um einen dummen Streich handelte. Ein Anhaltspunkt für einen Anschlag aus politischen Gründen liegt nicht vor. Wegen des starken Geldbedarfs infolge der Weihnachtsfeiertage waren die Kassensäle zur Zeit der Tat besonders stark gefüllt.
Nah unb Fern
O Weihnachtskarpfen für den Reichspräsidenten. Einer schon zur Tradition gewordenen Gepflogenheit folgend, haben auch in diesem Jahre wieder die schlesischen Karpfenzüchter dem Reichspräsidenten v. Hindenburg zum Weihnachtsfest einen Karpfen übersandt. Es handelt sich um ein besonders stattliches Exemplar im Gewicht von acht Pfund.
O 102 Jahre alt Die Großmutter des mecklenburgischen Staatsministers Dr. Scharf, die verwitwete Hofbesitzersfrau Scharf in Penzin bei Bützow, konnte am 23. Dezember ihren 102. Geburtstag feiern. Sie dürfte die älteste Me<t<enburaerin sein.
Der Kampf ums Glück.
Roman aus dem Leben.
Urheberrecht durch Herold-Verlag Homburg-Saar.
4] (Nachdruck verboten.)
Man befand sich Ende Mai; der Tag war sehr warm gewesen, AIS Erich au» dem Büro trat, wehte ein leichter küPer Wind doa der Elbe feuchten, erfrischenden Wasserdust herüber. Erich schob seinen Hut auS der Stirn und schritt in seinen Gedanken versunken an dèm Portielhâuèchen vorüber. Bor der Tür desselben stand in blühendes junges Mädchen im hellen Sommerkleid und unterhielt sich mit dem anen, graubâr.igen Portier. Als Erich sich dem Hause näherte, trat das Mädchen beiseite und Mittle neugierig und lächelnd unter dem weißen Strohhut hervor den Vorübergehenden an. Der hob unwillkürlich den Blick, seine Augen begegneten denen bei Mädchens, erstaunt blieben sie auf der jugendlichen Gestalt haften; das Mädchen knickste und errötet« in sichtlicher Verlegenheit.
Johanna," sagte Erich, „ist eè denn die Möglichkeit, du bist es? Ah, Verzeihung, — Sie sind es, Fräulein Johanna, denn Sie sind in den paar Jahren, daß ich Sie nicht gesehen habe, eine richtige Dame geworden!"
»Herr Erich," flüsterte die Klein«, „ich habe noch gar nicht Gelegenheit gehabt, Ihnen mein herzlichstes B-ilerd auszudrück-n!"
Ihre Wangen röteten sich ein wenig und sie streckte Erich eine tveitze, kleine Mädchenhand entgegen.
Erich nahm sie und drückte sie fest. „Ja. meine kleine Johanna, ein schwerer Verlust. Aber wie kommt ei, daß ich Sie noch nicht bei uns im Hause gesehen habe? Sie waren doch sonst ein täglicher Gast in unserem Hause?"
-Ich habe jetzt keine überflüssige Zeit mehr Seitdem die Mutter tot ist, muß ich dem Daler die Wirtschaft führen, und dann — die alten Zeiten, als wir Kinder waren, sind vorüber!"
„Ja. ja, die sind vorüber!" sprach Erich ihr etwas zerstreut nach. We um nur etwas zu sagen, fuhr er fort: „Was tun Sie denn hier?"
„34 warte ans Vater, um ihn abxiholen!" erwiderte sie.
„So, so," meinte er, „richtig, ei ist ja gleich Schluß der Ar- beiiszeit!"
Er wußte nicht recht, was er n-ch todter sagen sollte, denn ei schien ihm nicht angebracht, in seiner gegenwärtigen Lage alS Fa- brikherr noch weiter alte Kindererinnerungen auszu frischen, und oaium verabschiedete er sich schnell.
„Ich hoffe, ich sehe Sie jetzt öfter einmal!" Damit reicht« er ihr die Hand, lüfte seinen Hut und ging.
Lange sah Johanna ihm nach „3a, la, wir sind keine Kinder mehr," flüsterte sie, „es hat sich alles geändert, und «h glaube, Herr Erich Sternthal am allermeisten!"
" O Zuchthaus für Autodiebe. Von einer großen Sonder- firafkammer beim Landgericht III in Berlin wurde nach mehrwöchigen Verhandlungen eine siebzehnköpfige Autodiebesbande, die in Berlin lange Zeit ihr Unwesen getrieben hatte, abgeurteilt. Der Führer der Autodiebes- bande, der Kaufmann Wechlin, wurde zu vier Jahren sechs Monaten Zuchthaus, der bekannte Hochstapler Oertel- Eglofsstein, der zu den Helfershelfern Wechlins gehörte, zu zwei Jahren sechs Monaten Zuchthaus verurteilt. Mehrere andere Angeklagte erhielten ebenfalls Zuchthausstrafen.
O Baron Zedlitz bleibt in Haft. In der Khnauer Muni- lionsfundangelegenheit fand in Waldenburg ein Hast- Prüfungstermin statt, da für Baron Zedlitz und Forster Tietze Haftentlassungsanträge gestellt waren. Die Haftbefehle bleiben jedoch aufrechterhalten.
O Ein Postraub aufgeklärt. Der in der Nacht zum 15. Dezember in einem der Post gehörenden Schuppen beim Bahnhof Neustadt an der Aisch verübte Raub einer Kassette mit 11 000 Mark Inhalt ist aufgeklärt worden. Von dem entwendeten Gelde wurden 7000 Mark, die in einer Scheune in Neustadt versteckt waren, wieder beigebracht. Als Täter wurden drei Personen festgenommen, unter ihnen ein entlassener Postangestellter. Die Verhafteten haben ein Geständnis abgelegt.
O Selbstmord eines Studenten namens von Bethmann- Hollweg. Aus der Straße Rosenheim—Kufstein hat sich ein junger Mann von einem Zuge überfahren lassen, wobei ihm der Kopf vom Rumpfe getrennt wurde. Aus einem zerrissenen Paß, den man fand, ergab sich daß es sich um den 22 Jahre alten Studierenden der Rechte an der Universität Göttingen, Johann Georg von Bethmann- Hollweg, Sohn deö in Schlesien wohnhaften Botschaftsrates a. T. von Bethmann-Hollweg, handelt. Der junge Bethmann-Hollweg war vor einigen Tagen mit seiner Mutter von Trier nach München gekommen. In der Rosenheimer Gegend verbreitete Gerüchte, daß es sich bei dem Lebensmüden um einen Sohn des früheren deutschen Reichskanzlers von Bethmann-Hollweg handelt, sind unzutreffend.
O Furchtbares Familiendrama. Nach einer Meldung aus Madrid ereignete sich in der spanischen Stadt Morella ein furchtbares Familiendrama. Die Frau eines Arbeiters hatte sich mit ihren drei Kindern an den nahen Fluß begeben, um Wäsche zu waschen, als sie plötzlich vom Wahnsinn ergriffen wurde. Sie stieß ihre drei Kinder in den Fluß und sprang ihnen dann nach. Alle vier ertranken.
Vermischtes
— Mütter singen zu wenig. Mit einer ebenso sonderbaren wie interessanten Sache beschäftigte sich dieser Tage die Wiener Gesellschaft für Kinderheilkunde: es entspann sich nämlich eine lebhafte Debatte der gelehrten Herren über die Heilkraft der Musik und die geradezu lebenswichtige Bedeutung des Wiegenliedes, das sehr zum Schaden der Kinder nahezu völlig abgekommen sei. Die modernen Mütter sängen wohl am Klavier und in Gesellschaft, aber an der Wiege ihrer Kinder sängen sie nur noch selten. So erklärten die Mediziner. Den Anlaß zu dieser lehrreichen Aussprache bildere die Leidensgeschichte eines Säuglings, der nach einer Erkrankung die üble Gewohnheit des Wiederkauens angenommen hatte. Das arme Kind konnte keinen Bissen im Magen behalten und wurde mit der Zeit bedrohlich unterernährt und entkräftet. Man konnte es nur dadurch retten, daß man den Unterkiefer nach dem Esten mit einem Tuch an den Oberkiefer band; dann erst behielt der kleine Patient die aufgenommene Nahrung bei sich. Hier nun warf ein berühmter Wiener Kinderarzt ein, daß solche Maßnahmen oft überflüssig würden, wenn man die nervösen Kinder durch Musik ablenkte. Das Kind sei auf Musik eingestellt und in erster Linie auf die natürlichste Musik, den Gesang. Dir Wiegenlieder, die man ja auch bei allen Naturvölkern antreffe, schwänden bei uns aber leider immer mehr. In den SäuglingSanstalten besonders werde infolge der harten Anstaltsdisziplin den Säuglingen der Gesana
4.
Ungefähr vierzehn Tage waren vergangen. Erich war auf dem Doge, seinen Willen durchzusetzen. Obwohl er nach seiner Ansicht alt alleiniger Erbe der Fabrik eS gar nicht nö.ig gehabt hätte, die Einwilligung von irgend jemand nachzusuchen, hatte er es doch vorgezogen, seine geplanten Aenderungen und Vergrößerungen im vollen Einverständnis mit der Familie vorzunehmen. Er hatte dabei einen harten Kampf mit feinem Schwager zu bestehen, der in erster Linie daraus bedacht war, daß das Vermögen, welches die Steinthal'sche Werft repräsentierte, nicht angetaftet würde. Eich aber bestand unbeugsam auf seinem Willen und war vor allem bemüht, seiner Mutter vollstes Vertrauen zu erringen. Gertrud, die jüngere Schwester, welche noch minderjährig war, flimmerte sich übe.haup! noch nicht um Vermögen und Geschäfte, und da der alte Rech.Sbeistanü, Justizrat Karsten, in der Vergrößerung oer Werst einen zwar kühnen, aber immerhin aussichtsr-'chen Schachzug erblickte, so hatte Erich die beste ^ostmmg, Sieger zu bleiben.
Ihm schien die Beschaffung deS nötigen Kapitals nur noch eine Frage der Zeit zu fein, und darum hatte er bereits begonnen, mit feinem Ingenieur Pläne für die neuen Anlagen auSjuarb.'.La. Er hatte den Mut und den Unternehmungsgeist der Jugend. Da er in England sehr gelernt halte, so zweifelte er nicht daran, die väterliche Schiffswerft einer neuen, großen Zukunft en,gegenzuführen. Ob er aber auch die nötige Energie und Rücksichlsiosigkeit, die zu einem derartigen Unternehmen gehörte, haben würde, fragte er sich nicht und bei seinem Charakter, der zwischen Unternehmungslust und einer gewissen Weichheit schwankte, war das vielleicht recht zw-iftchaft.
Inzwischen wurden jeinen Anordnungen gemäß die Arbeiten auf der Werft in ganz besonders verschärf.em Tempo betrieben; er wollte soviel wie möglich alle älteren Aufträge vollendet w ssen, ehe er mit den Neubauten begann, man arbeitete daher auf der Steinthal'schen Schiffswerft von morgens früh bis in die sinkende Nacht. Man haue außerdem neue Arbeiter engagiert, um sich in Tages- und Nach.fchichten ablBfen zu können.
Den Arbeitern war der doppelte Verdienst zwar sehr angenehm, nicht aber in gleichem Maße den festangestellten Beamten, welche für ihre Ueberarbeiten keine Extraentschädigung zu beanspruchen hatten.
Johannsen, bei alte Werksührer der sich in bezug auf die Neuerungen im prinzipiellen Gegensatz zu seinem Chef befand und trotz keiner Zurückhaltung mchrsacb den Anordnungen widersprochen hatte, wollte nunmehr bew.is , daß es keine persönliche Trägheit fei, die ihn veranlaßt hatte, vor dem Uebereifer zu warnen; er wollte ferner beweisen, daß er trotz seines Alters der eifrigste auf feinem Posten sei, und so befand er sich von morgens fünf Uhr bis nachts um zehn und nocy später in den Werkstätten, unermüdlich schaffend, ohne Rücksicht auf seine Gesundheit.
Draußen brannte die Junisonne. In den Maschinenräumen herrsch.« eine unerträgliche Hitze, aber Johannsen schien daS nicht zu spüren; er ging mittags nicht mehr nach Hause, sondern aß in einer der benachbarten Kantinen, undwenn er abends todmüde
völlig entzogen. Mütter brauchen nicht besonders schön zu singen, wenn sie ihren Kindern etwas vorsingen — cs genügt, daß sie überhaupt singen.
— Der Ober - Sänger. Dieser Ober-Sänger ist ein richtiger Opersänger, der in einem Düsseldorfer Kaffeehause als „Ober", d. h. Oberkellner, seines Amies waltet unb dabei Opernarien singt. Das wäre an sich nicht wunderbar, denn warum soll ein „Ober" nicht Arien singen! Das merkwürdige ist nur, daß dieser „Ober" seine Arien singt, während er die Gäste des Kaffeehauses bedient. Er bringt zum Beispiel ein Kännchen Kaffee und singt dabei ein Stück aus dem „Troubadour" — „O Leonore" oder sonst was. Oder er serviert ein Glas Pilsener und begleitet diese rein geschäftliche Handlung mit dem „Nie sollst du mich befragen" aus dem „Lohen- grin". Und die ihn zu hören Gelegenheit hatten, erklären, daß er sehr hübsch singe. Und seine ganze Geschichte und warum er ein „Ober-Sänger" geworden ist — das alles weiß man natürlich auch schon. Er hat als Sohn einst vermögender Eltern das Konservatorium besucht, mußte aber, da er mittellos wurde, sein Musikstudium aufgeben und ist dann Kellner geworden. Um aber nicht ganz aus der Musik herauszukommen, hat er eines Tages seinen Chef gefragt, ob er denn nicht während des Servierens ein bißchen fingen dürfe. Und da der Chef nichts dagegen, sondern sogar viel dafür hatte, singt der „Ober" jetzt, während er den Kaffee und den Kuchen bringt und den Betrag dafür nebst 10 Prozent Bediennngsgeld einkassiert. Und die Düsseldorfer freuen sich, und viele von ihnen geben gern noch ein bißchen mehr als 10 Prozent. Und noch etwas muß gesagt werden: der Bruder dieses „Ober-Sängers" ist wirklicher Opern- sänaer in Berlin an der Staatsover!
Zeitgemätze Betrachtungen.
(Nachdruck verboten.) Bescherung!
Die Welt, erfüllt von Sturm und Streit, — will nichts vom Frieden wissen, — jedoch zur lieben Weihnachtszeit — möcht' sie ihn nicht vermissen, — da klingt es durch die Lande weit: — Latz alle Zwietracht heut' beiseit, — heut sollst Du fröhlich werden — und Friede sei auf Erden!--
Wo Friede herrscht, wird Freude sein — und frohe Lieder schallen, — da stellt ein lieber East sich ein, — der liebste wohl von allen, — er steigt herab aus dunllm Tann — und er genießt als Weihnachtsmann — die innigste Verehrung, — er bringt ja die Bescherung.--
Zwar ist die Not der Zeit noch groh, — das gibt ihm zu bedenken — und nötigt ihn bedingungslos — sich etwas einzuschränken, — doch er beweist uns wohlbedacht, — wer andern eine Freude macht — selbst durch die kleinsten Gaben, — wird selber Freude haben.--
Zum Weihnachtsfest soll um uns her — die holde Eintracht walten, — drum ist auch keine Sitzung mehr — im Reichstag abgehalten, — doch trat auch hier zur Weihnachtszeit — der Weihnachtsmann in Tätigkeit — und förderte zu Tage — die Amnestie-Vorlage.--
Wir hatten wieder nach der Wahl — den Wechsel der Regierung, — nun übernahm ein General — die zielbewußte Führung, — er hat dem deutschen Volk erklärt: — Ich komme hier nicht mit dem Schwert, — ich will vor allen Dingen — Arbeit und Frieden bringen!--
So wurde uns zur Weihnachtszeit — ein kurzer Traum beschieden, — bald stören wieder Sturm unb Streit — den Burg- und Weihnachtsfrieden, — wenn erst der Reichstag wieder tagt, — dann wird manch scharfes Wort gesagt, — man neigt nicht zur Bekehrung — und dann kommt die Bescherung.--
Doch was auch kommen mag und kann, — das soll uns heut' nicht stören, — wir wollen heut' vom Weihnachtsmann — nur frohe Botschaft hören; — sie kündet uns: Seid unverzagt, — wer gläubig kämpft und fröhlich wagt, — den führt auch wieder weiter — der Weihnachtsstern! ErnstHeiter.
in sein Heim kam, so wartete fein Töchterchen Johanna auf ihn, um ihn mit besorgten Vorwürfen zu empfangen:
„Aber, Vater, das geht doch unmöglich so weiter, das kannst du doch nicht auf die Toner aushalten bei deinem Alter, das kann doch der H:rr Erich auch nicht von uir verlangen; — du muß. ja krank werden, bei einer derartigen Ülnftreiw q."
Johannsen schüttelte dazu nur den Kopf. „Soll ich mir etwa sagen lassen, daß ich meiner Stellung nicht mehr gewachsen bin?" entgegnete er. „Schließlich geht ja diese Hetze auch vorüber unb wir werden wieder ruhigere Zeiten kriegen!"
Er besaß den eigensinnigen Stoz der alten Leute, die lange W einem Unternehmen angestellt sind; er wollte sich, wie er sagte, nicht durch die neue Rich.ung u^tertriegen lassen.
Johanna hatte sich vorgenommen, selbst einma. mit Herrn Erich darüber zu sprechen, aber sie wußte nicht recht, wie sie cs anfangen sollte, ohne aufdringlich zu erscheinen. Sie sah Erich selten unb immer nur ganz flüchtig und vorübcrgeh-nd In ote ©teilt' thal'sch« Villa auf der Uhlenhorst kam sie gar most mehr.. Sie hatte einst als Kind mit den Kindern des Fa »»besttzers gespielt; ganz besonders war sie Spielgefährtin der M-’en Gertrud gewesen, als aber diese vor einigen Jahren in eine französisch« Pension in Lausanne geschickt wurde, hatte die Freundschaft aufgehört und war auch nicht mehr erneuert worden; denn Gertrud war als junge Tome zurückgekchrt und hatte nunmehr andere g-cs^llsä;oft- liche Verpflichtungen, als daß sie noch an die einstige Spielgefährtin denken konnte.
Und wieder war es ein Tag heißester Arbeit gewesen. Johannsen stand von früh MS spät auf seinem Posten; zwar spurte er bei der Ueberarbeitung, daß sich doch das Alter bemerkbar zu machen begann; er fühlte ab und zu ein eigentümliches Schwm- delgesühl, das feine Sinne manchmal zu verdunkeln drohte, aber er selbst wollte dieser Schwäche nicht nachgeben.
Erich, der mit seinen Plänen und Geldangelegenheiten sehr viel zu tun hatte, kam nur selten in die Fabrik und wenn er dann den Alten immer mitten in der Arbeit traf, so sagte er wohl im Vorübergehen zu ihm: Lieber Johannsen, Sie müssen sich mcyr schonen," worauf Johannsen ihm erwiderte: „Später, Herr Eri-Y, später, wenn alles wieder im rechten Gange ist."
Von der eigentlichen Ueberanstrengung des Mannes hatte der junge Ch-f somit gar keine Ahnung.
Ta der heutige Tag Heißer war als die anderen Tage und die Auf. râge, die man fertigftellen wollte, ihrem Ende zugingen, * man beschlossen, von nun an abends um neun Uhr die Arbeit ein- zustellen.
Johanna, die davon wußte, hatte sich gegen halb neun Uhr «u dem Portterhouse der Schiffswerft eingefunden, um ihren va ‘1 abzuholen.
Drinnen im Maschinenraum war beim grellen Licht der irischen Sonnen die Arbeit noch im vollen Gange, die . Maschinen brausten und zischten, die Treibriemen iâustcn die Lust: die starken Eikenvlatlen boaen fiäi unter den . klingenden tzammerschlägen nerviger Arbeiterarme.