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Aus Heffen-Naffau und Nachbargebieien
Merkblatt für den 23. Dezember.
1827: Der österreichische Admiral Wilhelm v. Tegetthoff in Marburg a. d. Drau geb. — 1865: Der deutsche Heerführer Herzog Albrecht von Württemberg in Wien geb. — 1870: Nom wird Hauptstadt Italiens. — 1930: Der rumänische Politiker Vintila Bratianu in Bukarest gest.
Gebt Achtung, wenn Ihr Kinder lehrt, — Daß Ihr auf einmal nicht sie allzusehr beschwert. — Es geht der Jugend wie den Alten, — Wer alles fassen will, — Wird endlich nichts behalten. L i ch t w e r.
Wetterbericht.
Die Witterungsverhältnisse über Deutschland haben sich fast unverändert erhalten. Während der Süden mit Einschluß des Rhein-Main-Gebiets in den Niederungen kaltes und durch Nebel oder Hochnebelbildung meist unfreundliches Wetter zeigt, herrscht in den Höhenlagen und dem größten Teil Deutschlands heiteres und mildes Wetter (Höchsttemperatur am Mittwoch + 16, Hannover + 10, Feldberg im Taunus + 13, Feldberg im Schwarzwald + 11). Diese stabile Temperaturschwankung setzt einer raschen Witterungsänderung erheblichen Widerstand entgegen, doch befindet sich die Großwetterlage in einer Umgestaltung, die auch später für unser Wetter wirksam werden dürfte. — Vorhersage bis Donnerstag abend: In den Niederungen, besonders im Nhein-Maingebiet, vielfach Nebel- oder Hochnebelbildung, sonst trocken und vielfach aufgeheitert, Temperaturverhältnisse wenig geändert, meist östliche bis südliche Winde. — Witterungsaussichten für Freitag: Neigung zu Nebelbildung nachlassend, dafür aber aufkommende Bewölkung, im ganzen noch trocken, tagsüber über 0 Grad.
* Fulda, den 22. Dezember 1932.
Erwartung und Erfüllung.
Ueber dieses Thema sprach Dr. Eberhard Arnold, der Leiter des Vruderhofes, nach Beendigung des Krippenspieles in Fulda am 17. Dezember und führte aus, wie durch alle Jahrtausende und durch alle Nationen die geheimnisvolle Erwartung eines kommenden Zeitalters des Friedens un$ der Gerechtigkeit geht, daß es kein Volk auf der Erde gibt, dem die Erwartung eines Welterlösers unbekannt ist. Die Erfüllung dieser Erwartung wurde in der Weihnachtsbotschaft gegeben. Seit dem Geschehen sind aber wieder Jahrtausende dahingegangen, und hier und da hat die Menschheit etwas empfunden und ausgenommen von der Geburt und dem Leben, von der Wahrheit und Liebe des Erlösers und seiner Botschaft. Aber die großen Massen der Völker und die großen Zusammenhänge der Geschichte liegen noch heute in Verwirrung, in Uneinigkeit und Zerrissenheit, im Unfrieden und in der Ungerechtigkeit, in unbeschreiblicher Not des Geistes, der Seele und des Leibes. Fassen wir heutigen Menschen die Botschaft des Friedens und der Freude, die Botschaft der Weihnacht, die Nachricht vom Reiche Gottes? Schauen wir in Jesus, dem Unscheinbaren und Erniedrigten, die Erwartung und die Erfüllung? Sind wir bereit zu demselben Weg der Armut und des Kreuzes? — Tr. Arnold bezeugte, daß es zu allen Zei- tewssolche Memchenacaebep. hat. Le..diân,UeL gegangen „ sind, den Weg, auf welchem die Freude der Liebe in völliger Armut, völliger Gemeinschaft, ja völliger Arbeits- und Lebensgemeinschaft steht, wo alle Zerrissenheit und aller Eigennutz überwunden wurden, die Herrschaft des Mammons und der Unreinheit, des Mordes und der Lüge gebrochen, und statt gegenseitiger Verdrängung, Befehdung und Feindseligkeit die Gemeinsamkeit der gegenseitigen Hilfe, der gegenseitigen Freude und Liebe aufgerichtet war. Der Vortragende wies aber darauf hin, wie es in der jetzigen Notzeit mehr denn je darauf ankomme, daß Menschen aller Kreise und Stände und jeden Alters sich zu einem solchen Weg beispielhaften Lebens zusammenschließen, zu einem Leben, wo der Glaube in der Liebe tätig ist. Dr. Eberhard Arnold vertrat damit die Botschaft des Bruderhofes, der ja keine neue Lehrs aufgestellt hat, sondern als ein solcher Kreis anzusehen ist, der in aller Bescheidenheit ein Leben praktischer Liebe nach der Lehre von Jesus und der ihm vorangegangenen Propheten aufzurichten versucht.
Wir sind in der Nummer 298 unseres Blattes ja schon auf das Krippenspiel des Bruderhofes und die Ansprache Dr. Eberhard Arnolds eingegangen. Eine besondere Veranlassung zu diesem abermaligen Hinweis wird uns dadurch gegeben, daß der Buchverlag des Bruderhofes, der Eberhard Arnold-Verlag E. m. b. H., im Inseratenteil unserer heutigen Nummer einige seiner Werke anzeigt, die von der rechten Erwartung und Erfüllung, wie sie Dr. Arnold in seiner Ansprache vertrat, zeugen. Es ist übrigens interessant, daß die Quellen-Bücher des Eberhard Arnold-Ver- lages, die in Verbindung mit namhaften Gelehrten herausgegeben wurden, in allen Kreisen Eingang gefunden haben und auch von allen Konfessionen in gleicher Weise günstig beurteilt werden, was man aus den mit reichhaltigsten Rezensionen versehenen Prospekten ersehen kann, die der Verlag allen Interessenten kostenlos zustellt. Wir bitten, dieses Inserat besonders zu beachten.
Eisenbahn-Personen-Nachrichtem
Versetzt wurden die Lokomotivführer Göbel und Lückert von Fulda nach Bebra und Rottenführer Hermann Schmidt II von Bebra nach Burghaun.
Schaufenstereiudruch. — Ein Photoapparat als Belohnung.
In der vergangenen Nacht wurde an der Marktdrogeric und Photohaus Müller am Eemüsemarkt eine Schaufensterscheibe eingeschlagen und aus der Auslage zwei Photoapparate Marke „Leica" und „Kodak" entwendet. Der Geschädigte hat für die Wiederherbeischaffung der Apparate einen guten Photoapparat als Belohnung ausgesetzt.
Zwangsversteigerung Ein- und Verkaufsgenoffenschaft der Schmiede und Schlosser c. E. m. b. H. in Fulda.
Das auf die Firma der Ein- und Verkaufsgenostenschaft der Schmiede und Schloster e. E. m. b. H. in Fulda eingetragene Grundstück Petersberger Straße 3 (Haus und Hofraum) wurde am Mittwoch im Wege der Zwangsvollstrek- , kung versteigert. Der Einheitswert des Grundstücks ist auf 23 500 Mark festgesetzt. Sämtliche auf dem Anwesen lastenden Hypotheken fallen aus. Das geringste Gebot betrug 540,21 Mark. Das Höchstgebot gab mit 15 541 Mark der Schreinermeister Karl Herzig in Fulda ab. Zuschlagstermin ist am 28. Dezember.
Die Friseur-Geschäfte sind am Heiligabend bis 6 Uhr geöffnet, am 2. Feiertag bis vormittags 1» Uhr-
Wie verhütet man Weihnachtsbaumbrände?
überall in Deutschen Landen werden jetzt die Vorbereitungen für das deutscheste aller Feste, das Weih- nachtsfest, getroffen. Bereits die Adventswochen mit ihrem äußeren Symbol, dem Adventskranz und all dem heimlichen Schaffen, haben eine Vorfreude besonders bei den Kleinen und Kleinsten ausgelöst, die den Tag, an dem Vater und Mutter den Weihnachtsbaum festlich schmücken, nicht mehr erwarten können. Wie glücklich leuchten die Kinderaugen am Heiligen Abend beim Anblick des herrlichen Baumes, im Schein der leuchtenden Kerzen! Wie oft aber schon ist diese Glückseligkeit jäh zerstört worden. Alljährlich lesen wir von Bränden, Unglücks- und Todesfällen, weiche auf unvorsichtiger Behandlung des Christbaumes beruhen. Deshalb P o r s i ch t beim Aufbau des Baumes, besonders beim Anzünden am Weihnachtsfest selbst. Viel Unheil kann vermieden werden, wenn man folgende Vorsichtsmaßregeln beachtet: Man vermeide Unterlagen aus Teppichen, Tüchern, Papier und anderen leicht brennbaren Stoffen. Man stelle den Weihnachtsbaum frei im Zimmer auf, von Gardinen und Türvorhängen so weit entfernt, daß Zugluft sie den Kerzen nicht nahebringen kann. Der Weihnachtsbaum soll nicht auf flacher Erde, sondern etwas erhöht stehen, damit Kinder und Erwachsene durch die brennenden Kerzen nicht in Gefahr kommen. Die Kerzen müssen haltbar befestigt sein. Vermeide möglichst jeden Papierschmuck, unter allen Umständen aber Schmuck oder Figuren aus Zelluloid an und unter dem Weihnachtsbaum. Auf keinen Fall darf solcher Schmuck in der Nähe einer Kerze angebracht werden. Die Kerzen des Baumes sind von der Baumspitze ab nach unten anzuzünden, da man umgekehrt seine Kleider und sich selbst in Fenersgefahr bringt. Solange die Kerzen brennen, halte einen Eimer Wasser zur Vorsicht bereit. Ausgetrocknete Tannenbäume sollten nicht mehr durch Kerzen beleuchtet werden. Das vorzeitige Trockenwerden läßt sich dadurch verhindern, daß man den Baum in ein mit Wasser gefülltes Gefäß stellt. Außerdem sind im Handel Weihnachtsbaumrutschen zu haben, bei denen ein Wasserbehälter gleich eingebaut ist. Zündhölzer entferne man aus dem Bereich von Kinderhänden. Das Anzünden der Kerzen des Weihnachtsbaumes ist eine Tätigkeit für Erwachsene, die Kindern niemals erlaubt werden sollte. Häufig setzen Kinder statt der Kerzen ihre Kleider in Brand. Lasse auch Kinder nie allein in der Nähe brennender Weihnachtsbäume, wenn die Beaufsichtigung durch Erwachsene fehlt. Soll der Baum nach Gebrauch durch Verbrennen im Ofen beseitigt werden, so dürfen nicht zu große Zweige auf einmal in den Ofen gesteckt werden, da die Gefahr besteht, daß der Ofen infolge der lebhaften Verbrennung explodiert.
Schließlich wenden wir uns auch an die Vereinsvorstände, damit bei Festveranstaltungen, wo die Gefahr einer unvorsichtigen Behandlung des Christbaumes leicht zu befürchten ist, jedes Unglück vermieden wird. Achten wir auf diese Punkte, gehen wir mit ausreichender Vorsicht an die Ausstellung und die Behandlung des Weihnachtsbaumes, so können wir mithelsen, Brandschäden zu ver
meiden, so tun wir das unsrige, um vielleicht schönste Stunde ihre Lebens
den Kleinen die nicht zu zerstören.
Weihnachtsfeier im evangelischen
Kindergarten.
Der evangelische Kindergarten hielt am Mittwoch nachmittag seine diesjährige Weihnachtsfeier im Saale des evangelischen Gemeindehauses ab. Außer den zahlreichen Kindern hatten sich viele Eltern und Freunde des Kindergartens eingefunden, um an dieser schönen Feier teilzunehmen. War das ein Jubel und eine Freude als dis Kleinen die hellbrennenden Weihnachtsbäume und das Krippchen bewundern konnten! Sie sangen und erzählten in ihrer kindlichen Art von der Geburt des Heilands, der alle Menschen von ihren Sünden erlösen will. Es war in der Tat echte, wahre Kinderfreude, die da herrschte und die viele Erwachsene an ih'-e sorglosen Kinderjahre erinnerte. Herr Kreispfarrer Weber hielt eine kurze Ansprache, in der er betonte, daß der jetzige Kindergarten früher die Bezeichnung „Kleinkinderschule" trug, von der man aber seit einigen Jahren abgekommen sei. Man habe der Kleinkinderschule den Titel „Kindergarten" zugelegt. Und das mit Recht. Man sah die Kleinen als Blumen an, die in einem Garten aufwachsen sollen. Diese Kinderblu- men bedürfen des Lichts und der sorgsamsten Pflege. Das Licht für die Kleinen ist unser Herr Jesus Christus, der selbst gesagt hat: „Ich bin das Licht des Lebens". Die Lichter am Weihnachtsbaum deuten darauf hin, daß auch unsere Kinder Kinder des Lichts werden sollen. Daran mitzuarbeiten ist die höchste Aufgabe des evangelischen Kindergartens. Zum Schlüsse seiner zu Herzen gehenden Ansprache dankte Herr Kreispfarrer Weber allen Eltern, die in diesem Jahre dem evangelischen Kindergarten ihre Kleinen anvertrauten. Ganz besonderen Dank übermittelte Herr Kreispfarrer Weber Schwester M a r i e für ihre aufopfernde und liebevolle Arbeit an den Kindern. Mit dem Wunsche, daß Gott der Herr auch weiterhin die Arbeit im evangelischen Kindergarten segnen möge, schloß der Redner seine Ansprache. Im weiteren Verlaufe der Feier überreichte ein Mädchen nach dem Vortrag eines Gedichts Herrn Kreispfarer Weber eine Missionsgabe, damit das Christkind auch zu den Heidenkindern kommen könne. Die Anwesenden wurden sodann noch durch zahlreiche Gesänge und Deklamationen der Kinder erfreut. Trotz der großen Notzeit wurden die ca. 70 Kinder des Kindergartens reichlich mit Gaben bedacht, die die Kinderaugen heller leuchten und die kleinen Herzen höher schlagen ließen.
Zwangsversteigerung Stumpf in Fulda.
In dem Zwangsversteigerungsverfahren über das dem Eiseubahnkesselschmied Joseph Stumpf und dessen Ehefrau gehörende Wohnhaus Löherstratze 50, in dem im ersten Termin der Darlehnskassenverein Neuhof mit 1000 Mark Höchstbietender blieb, wurde diesem der Zuschlag versagt.
□ Bolkstrauertag 1933. Der Ausschuß für die Festsetzung eines Volkstraucrtages, der sich aus Vertretern der drei Religionsgemeinschaften sowie der großen Körperschaften und Verbünde zusammensctzt, hat einstimmig beschlossen, den Bolkstrauertag zum Andenken an die im Weltkriege gefallenen Helden auch im kommenden Jahre am fünften Sonntag vor Ostern, Reminiszere (12. März 1933), in ähnlicher Weise wie in den Vorjahren zu begehen. Der Tag wird in der üblichen Weise durch Gottesdienste, Läuten der Glocken im ganzen Reiche und Veranstaltungen von Saalseiern begangen. Sowohl die kirchlichen als auch die weltlichen Behörden haben ihre Unterstützung nach jeder RiLttma bin iumImL
Schwere Gasexplosion in Sachsenhausen.
Frankfurt a. M., 21. Dezember.
Heute abend gegen 9 Uhr ertönte im Hause Brückenstraße 75 im Stadtteil Sachsenhausen ein furchtbarer Knall, während gleichzeitig aus dem zweiten Stock die Fensterscheiben herausflogen. Die sofort erschienene Feuerwehr drang in die Wohnung ein, die einen wüsten Trümmerhaufen bildete und in der die Wand zwischen Schlaszimmer und Küche vollständig herausgerissen war. Im Badezimmer lag angekleidet in der Badewanne bewußtlos die 38- jährige Charlotte Teetzmann, die noch lebend ins Krankenhaus gebracht wurde. Sie hatte in der Absicht, sich das Leben zu nehmen, die Vadezimmertür abgedichtet und hierauf den Eashahn des Badeofens geöffnet. Da man im Hause schon seit längerer Zeit den Gasgeruch bemerkte, hatte der Bewohner des darllberliegenden Stockwerks — trotz aller Warnungen — mit dem brennenden Streichholz abgeleuchtet und so wider Willen die Explosion verursacht. An dem Auskommen der Frau wird gezweifelt.
- Schlitz. (Bran d.) Gestern, Mittwoch nachmittag, kurz nach 4% Uhr, erklang die Feuersirene. Es brannte der mit Heu und Stroh gefüllte Dachstuhl der Metzgerei und Gastwirtschaft von Wilhelm Weber in der Güntergasse. Hier hängen die Gebäude bis einschließlich des Spitals eng zusammen. Zum Glück herrschte Windstille, so daß die Feuerwehr, die mit der Motorspritze energisch eingriff, den Brand auf seinen Herd beschränken konnte. Auch die Spritze der Gräflichen Burggüterverwaltung nahm an der Bekämpfung des Brandes teil. Die Entstehungsursache des Feuers ist noch unbekannt.
Grünberg, 21. Dez. (Schließung eines ober- hessischen Bergwerksbetriebs.) Die den Vereinigten Stahlwerken, Sitz Düsseldorf, gehörige Braunsteingrube bei Stockhausen (Kreis Gießen) wird mit Ablauf dieses Jahres endgültig stillgelegt, da die Erzgebiete des Bergbaubetriebs erschöpft sind. Durch diese Betriebs- schließung verlieren etwa 80 Mann ihre Arbeitsstätte, denen bereits gekündigt ist.
Gießen, 21. Dez. (Forderungen des hessischen Viehhandels.) Hier fand eine aus Hesten und den preußischen Nachbargebieten stark besuchte Versammlung von Viehhändlern statt, die sich mit aktuellen Fragen der Viehhandelswirtschaft beschäftigte. Der erste Vorsitzende des Deutschen Viehhändler-Verbandes, Herr Kebbel-Berlin, hatte dabei das grundlegende Referat. Er begrüßte besonders die Anwesenheit des Schlacht- und Viehhofdirektors Dr. Lang-Frankfurt a. M., wies dann eingehend auf die ständig zunehmende Verschlechterung der Wirtschaftslage des Viehhandels hin und forderte die Beseitigung, mindestens aber eine erhebliche Senkung der Seuchenbekämp- fungs-, Impfung- und Viehhofgebühren, ferner einen Abbau der hohen Schlachtsteuern und der Eisenbahntarife. ^Leiter wandte er sich gegen die Subventionen an Genossenschaften und gegen die jetzige Höhe der Umsatzsteuer. Schließlich trat er energisch gegen Planwirtschaftsgedanken und für die Beibehaltung der freien Wirtschaft ein. In einer umfangreichen Aussprache wurde diesen Forderungen von allen Rednern zugestimmt, insbesondere wurde dabei auch gefordert, daß der preutz. Staat die Kosten des von ihm zu diktierten Preisen gelieferten Jmpfungsserums erheblich senken müsse.
Gießen, 21. Dez. (Flammentod einer Frau.) Gestern nachmittag wurde die 61 Jahre alte Frau des Reichsbahnassistenten Jendroszek in Nidda mit schweren Brandwunden am ganzen Körper in die hiesige chirurgische Klinik eingeliefert, wo sie einige Stunden später verstarb. Die bedauernswerte Frau war bei Arbeiten in ihrer Küche dem offenen Feuer zu nahe gekommen, wobei ihre Kleider Feuer fingen, so daß sie bald in Hellen Flammen stand.
Frankfurt a. M., 20. Dez. (EinEeistesschwacher vermißt.) Seit Sonntag nachmittag wird der am 11. 3. 1879 in Frankfurt a. M. geborene Kaufmann Ignatz Aaron, Hanauer Landstraße wohnhaft, vermißt. Er ist am Nachmittag von zuhause fortgegangen und wollte angeb'ich nach Bad Soden einen Spaziergang machen. Von diesem ist er nicht mehr zurückgekehrt. Schon vor einigen Wochen ist er einmal von zuhause fortgegangen und umhergeirrt, bis er nach einigen Tagen wieder gefunden werden konnte. Aaron ist geistesschwach und völlig mittellos. Er ist etwa 1,65 m groß, dunkelblond, Glatze, bekleidet mit weichem, braunem Filzhut, schwarzem Ueberzieher mit Samtkragen mb grauem Anzug. Falls er gesehen wird, ist er anzu- ,alten. Sachdienliche Mitteilungen erbittet die Vermißten- telle im hiesigen Polizeipräsidium.
Frankfurt a. M., 20. Dez. (4 000 N e u e i n st e l l u u- gen bei der J.-G. Farbenindustrie.) Die J.-G. Farbenindustrie hat in den letzten Monaten ihre Belegschaft in ihren eigenen Werken durch Neueinstellungcn im Zusammenhang mit einem Arbeitsbeschaffungsprogramm, das über die von der Regierung durch die Steuergutscheine geschaffenen Möglichkeiten hinausgeht, schon um 4000 Personen vermehren können.
Frankfurt a. M., 21. Dez. (Gehcimbrenncrei imTaunus.) Beamten der hiesigen Zollfahndungsstclle gelang cs Dienstag nachmittag, einen guten Griff zu machen. Schon seit mehreren Wochen wurde der als Schwarzbrenner bekannte Hermann Fischer aus Hattersheim von der hiesigen Staatsanwaltschaft gesucht. Es standen gegen Fischer mehrere Gerichtstermine an, aber es war nie gelungen, ihn vor Gericht zu zitieren, stets blieb er fort. Das hatte, wie sich jetzt ergab, gute Gründe, denn Fischer saß im Taunus und brannte heimlich aus Korn Branntwein, und zwar in der sogenannten „Roten Mühle" bei Altenhain. Dort hatte er mit neuen Apparaten eine Geheimbrennerei eingerichtet. Als man Nachsuche nach Fischer hielt, konnte man ihn zunächst nicht finden. Die Beamten gaben aber die Nachforschungen nicht auf und man entdeckte unter einer Scheune ein Entlüftungsrohr. Hier hatte sich Fischer versteckt, der gehofft hatte, auch diesmal entwischen zu können. Fischer wurde verhaftet.
Frankfurt a. M., 21. Dez. (Zusammenlegung von Finanzämtern.) Der Reichsfinanzminister hat bestimmt, daß das Finanzamt in Diez mit dem Finanzamt in Limburg, das Finanzamt in Bad Schwalbach mit dem Finanzamt in Wiesbaden, das Finanzamt in Fritzlar mit dem Finanzamt in Homberg, das Finanzamt in Hünfeld mit dem Finanzamt in Fulda, das Finanzamt in Westerburg mit dem Finanzamt in Hachenburg zum 1. April 1933 vereinigt werden.
Frankfurt a. M., 21. Dez. (DasVerfahren gegen Pfarrer Probst eingestellt.) Das von - der Staatsanwaltschaft gegen Pfarrer Probst wegen Aufreizung zu Gewalttätigkeiten eingeleitete Ermittlungsverfahren ist eingestellt worden. Ueber die Gründe läßt sich die Staatsanwaltschaft nicht aus.