Nr. 300 Donnerstag, 22. Dezember 1 932
Kurze politische Nachrichten.
In einem Tagesbefehl des Chefs des Stabes, Röhm, wünscht dieser allen SA.- und SS.-F ü h re r n und -Männern, insbesondere aber denen, die die Festtage hinter Gefängnismauern begehen müssen, ein ungetrübtes Weihnachisfest und die kampffrohe Zuversicht aus ein frohes Jahr 1933, das als lange ersehntes Ziel des Kampfes dem deutschen Volk und Paierland seine Freiheit und Brot wiederbringen soll.
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Unter dem Vorsitz des ehemaligen Präsidenten der Kommunistischen Jnternationlae und der jetzigen Roten Akademiker, Bucharin, wurde in Moskau die Konferenz zur Vorbereitung des zweiten Fünf- Jahres-Plans eröffnet. Bucharin hielt eine Rede über die Aufgaben der Sowjetunion und den zweiten Fünf-Jahres-Plan, der entscheidenden Charakter für den Sozialismus trägen solle.
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An Stelle der verstorbenen Abgeordneten Frau Anna Therese Rawengel tritt der kaufmännische Angestellte Dr. H a n s B r u n o w, Berlin-Grünau (Deutschnational), in den Reichstag ein.
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Nachdem der Führer der KPT., Heinz Neumann, vor der Partei und den Komintern — wie verlautet — „seine politischen Fehler anerkannt habe", wird er wieder in die V e i t u n g des westlichen Büros der kommunistischen Internationale berufen werden. Man will ihm in der p o l i t i s ch e n Führung der KPD. Wieder großen politischen Einfluß einräumen.
Ser Kampf um Deutschlands Wehrrecht-
Reichsaußenminister Freiherr von Neurath veröffentlicht im Heimatdienst eine Abhandlung über das Thema: „Die Anerkennung von Deutschlands Gleichberechtigung in der Wehrfrage". In dem Artikel heißt es u. a.:
Die als Abschluss der Fünfmächtebesprechung in Gens am 11. d. M. unterzeichnete Erklärung bedeutet einen entschiedenen Erfolg der bisherigen deutschen AbrüstunoS. Politik. In dieser Erklärung ist die deutsche Gleichberechtigung — daran kann keine Anslegungskunst etwas ändern — unzweideutig anerkannt.
Sie ist nicht, wie die erste Formel Herriots wollte, als Ziel, sondern als einer der leitenden Grundsätze der Abrüstungskonferenz bezeichnet und soll in der K Invention praktisch verwirklicht werden. Die pH» per. Or » rung die Rede ist. fordern auch wir, da wir das Mindestmaß nationaler Sicherheit nach Art. 8 der Völkerbundsatznng nicht besitzen, sondern gerade durch die praktische Durchführung der Gleichberechtigung im Rahmen der allgemeinen Abrüstung erreichen wollen. Seit der Fünfmächtevereinbarung vom 11. Dezember d. J. ist der Artikel 53 des Konventions- enlwnrfs, der Deutschland und den anderen abgerüsteien Staaten die Gleichberechtigung aberkannte, tot. Er wird künftig nicht, wie es Dieser Artikel wollte, zweierlei Recht in der Wehrfrage., sondern
nur noch gleiches Recht für alle geben. Die 91brüftung6b< wention. die von der Konferenz ausgearbeitet werden foK wird für uns genau so gelten wie für die ande'en und den Teil V des Versailler Vertrages ersetzen. Die Aneickennung unserer Gleichberechtigung in der Wehrfrage war eine Forderung des ganzen deutschen Volkes. Diese Geschlossenheit des deutschen Volkes bat wesentlich zum bisherigen Erfolg beigetrogen. Sie wird auch für die Verhandlungen über die praktische Durchsetzung der Gleichberechtigung im einzelnen notwendig sein. Ich zweifle nicht daran, daß wir auch in Zukunft auf sie rechnen können.
Wie feiert die Welt Weihnachten?
Von Fritz Heinz Reinhardt.
Man kann sich kaum einen Begriff machen, w i e verschieden das Weihnachtsfest in allen Ländern der Erde gefeiert wird. Schon jenseits der westlichen Grenze des Deutschen Reiches, in F r a n k r e i ch , ist Weihnachten fast ein karnevaleskes Vergnügen, denn der Pariser schließt am Heiligabend die Haustür hinter sich ab, um zunächst einmal in eines der vollbesetzten Theater oder Varietes zu gehen. Nach 12 Uhr beginnt „Reveillon", eingeleitet durch ein umfangreiches Festmahl in überfüllten Restaurants, und nach dem Souper wird in allen Lokalen bis 7 Uhr früh getanzt.
Zwar ist dem Christbaum ein bescheidenes Plätzchen im Kinderziinmer eingeräumt worden, aber er hat keine symbolische Bedeutung, ist nur Spielzeug wie der Bär oder die Puppe. In der Schule wird das deutsche Weihnachtslied „O Tannenbaum . . ." in einer französischen Version „Man hon sapin . . ." gesungen, im großen und ganzen jedoch ist Lichterbaum und Kinderfreude am weihnachtlichen Gabentisch ein unbekannter Begriff.
Ähnlich sind die Weihnachtssitten im Süden. Den Kindern der Sonne hat das Sicgesfest des Lichtes weniger zu sagen als uns in Schnee und Frost Ausgewachsenen. Je höher und heiterer der Himmel, um so gelinget das Bedürfnis nach einer heimeligen, auch von innerer Wärme durchschwingten Stube.
In Spanien ist das Weihnachisfest natürlich ein christliches Fest mit Messe und Gottesdienst in den Kirchen, doch ohne Weihnachtsbaum und Lichter, nur ein Fest des guten Essens.
Die Italiener decken zu Weihnachten den Essenstisch ebenfalls reichlicher als sonst: es gibt Aal, Kapaun und Kuchen, man wünscht sich gegenseitig Glück, wie man das zu Neujahr, Ostern. Pfingsten und Mittaugust tut, doch aus keinem Gabentisch häufen sich die Geschenke, von keinem Christbaum glänzen die Lichter und spiegeln sich W den Augen beglückter großer untz kleiner Kinder. Am
Vermischte Nachrichten
Hindenburg begnadigt den dänischen Hauptmann Lrmbourn.
Berlin. Der Reichspräsident von Hindenburg hat den dänischen Hauptmann Lcmbourn, der wegen Spionage vom Reichsgericht zu einer mehrjährigen Strafe verurteilt worden war, anläßlich des Weihnachisfestes begnadigt. Hauptmann Lembourn hat übrigens seine Strafe bis aus ein halbes Jahr verbüßt.
Drei Versonenzugwaaen in Wuppertal entgleist.
Wuppertal. Rei der ßinfahrt in den Havwbabnbof Wuvpertat-Elberield entgleisten drei Waaen des von Köln kommenden Personenzuges 553. Drei Personen wurden leicht verletzt.
Riesenschmuggel mit belgischen Zigaretten aufgedeckt.
Köln. Die Zollsahndimosstelle Köln bat einen Post- und kitenbahnlchmuogel aufgebeeft durch den nachweisbar 350 000 geschmuggelte Zigaretten nach Köln weirergeleitet wurden. In Köln wurden bereits zwei Perbastungen vorgenommen.
DaS Urteil im Beuthener HaNcnschwimmbadprozrh.
Beuchen. Im Prozeß wegen des Einsturzes des Rembener Hallenschwimmbades wurde der Architekt und Bauleiter Leschzvnski zu 3000 Mark Geldstrafe, hjEsweise 30 Tagen Gefängnis. verurteilt. Die übrigen Angeklagten wurden frei« gesprochen. — Oktober 1929 war ein Teil des im Rou bekind- licken Schwimmbades einoestürzt. Dabei hotten fünf Arbeiter den Tod gefunden: 18 andere wurden verl-tzt. Die ßnnltt» lunoen führten nach drei Stabren rum Prozeß gegen die sieben Hauptbeteiligten an dem Bau des Bades.
Großer Fabrikbrand durch Brandstiftung. .
Schwerin. In der Nacht brach in der PianoforldsäbrK Meyer ein Brand aus. In dem dreistöckigen Fabrikgebäude standen die unteren Räume bald in Flammen. Nach der Ab- iöschung stellte die Kriminalpolizei mehrere Brandherde fest, von denen der eine aber nicht zur Entzündung gekommen war. Zwischen den einzelnen Räumen waren durch benzingetränkte Papierstreifen Zünder von einem Brandherd zum anderen gelegt. Wäre das Feuer auch nur eine halbe Stunde später entdeckt worden, so wäre wahrscheinlich die Fabrik vollständig eingeäschert worden.
Kaiser Wilhelm leicht erkrankt.
Amsterdam. Wie aus Doorn gemeldet wird, ist Kaiser Wilhelm an einer leichten Erkältung erkrankt, in deren Gefolge sich rheumatische Anfälle eingestellt haben. Der Leibarzt hat dem Kaiser empfohlen, das Zimmer zu hüten.
Eisenbahnunfall in Antwerpen. — 18 Verletzte.
Brüssel. In Antwerpen fuhr ein» Lokomotive, als sie vor einen Personenzug gekoppelt werden sollte, heftig auf den Ver- sonenzug auf. 18 Personen erlitten Quetschungen und andere Verletzungen.
17 Verletzte bei dem Flugzeugunglück in der Pariser Borstadt.
Paris. Zu dem Flugzeugunglück in der Pariser Vorstadt Antonv ist ergänzend zu melden, daß sich an Bord des Flugzeuges entgegen der ersten Hinnahme nur ein Flieger befand, der bei dem Unglück verbrannte. Bei dem zweiten Todesopser bandelt es sich um eine Frau, die mit ihren beiden Enkelkindern vaS Haus bewohnte. Die Zahl der Verletzten beträgt insgesamt 17.
500 AmnestierungSfälle in Hamburg.
Hamburg. Zur Durchführung der Reichsamnestie haben die Hamburger Gerichte umsangre'che Vorbereitungen getroffen Man schätzt die Zahl der gesamten Amnestierungen in Hamburg auf rund 500. Damit würden etwa 20 Prozent aller Hamburger Strafgefangenen amnestiert werden.
500 Wohnhäuser niedergebrannt.
Tokio. Die japanische Stadt Jtoigawa (Provinz Niigaial wurde von einem gewaltigen Großseuer heimgesucht, dem 500 ^elmÈämiLt. Amu JSpjerJicjcn. Die Zahl der Todesopfer wird auf zehn geschätzt.
Acht Tote bei einem SchiffSzusammeustoß.
London. Der englische TOÖ-SonnemSampfer „Gateshead" wurde von dem holländischen Dampfer „Miranda" (1300 Tonnen» in dichtem Nebel auf der Höhe des ostenglischen Hafens Seaham gerammt. Die „Gateshead" sank innerhalb von zwei Minuten. Der Kapitän und sieben Mann der Besatzung, die sich im Schiffsraum befanden, ertranken. Fünf Mann konnten Geleitet werden.
Nah und ftern
O Wieder ein Toter der „Niobe" geborgen. Von einem deutschen Kreuzer, der sich in den dänischen Gewässern aufhält, wurde mitgeteilt, daß durch Fischer eine an der Untergangsstelle der „Niobe" geborgene Leiche in den Hafen von Rödby gebracht worden sei. Das sofort dorthin entsandte Torpedoboot „T. 155" übergab den Toten an das Marmelazarett Kiel-Wik. Nach einwandfreien Feststellungen ist der Tote der Signalgefreite Joseph van Gemeren, der aus Oberhausen-Sterkrade im Rheinland stammt.
O Tabakschmuggel in Altona. In Altona wurden von einer Schupostreise mehrere Leute beobachtet, die mit einer Autodroschke vor einem Hauke vorfubren und Waren ab-
Wethnachtsabend zieht man geschäftig von Kirche zu Kirche, um die dort ausgestellten Krippen zu bewundern. Um Mitternacht läuten alle Glocken, ehe die ersten Christmetten beginnen. Das ist dann ein Augenblick voll Wunder und Weihe, wenn die Luft von den Klängen rauscht und von der schwarzen Samtdecke der Nacht das Echo der bronzenen und silbernen Stimmen widerballt. Vierzehn Tage nach Weihnachten aber, am Dreikönigsfest, werden auch in Italien die Kinder von ihren Eltern beschenkt. Ihre Strümpfe werden mit Süßigkeiten gefüllt, und neben ihren Betten finden sie Spielsachen und nützliche Dinge.
In Afrika ist zwischen Weihnachten und Neujahr die heißeste Zeit des ganzen Jahres. Die dort lebendem Christen behelfen sich mit dem kümmerlichen Ersatz eines künstlichen Tannenbcmmcs, neuerdings auch mit Zypressen und dem weißen afrikanischen Dornbusch, hoch wird die Glut der Kerzen in der schwülen Trovennacht häufig geradezu entsetzlich, die Lichter biegen sich in den heißen Zimmern und zeigen mit den qualmenden Spitzen nach unten.
Amerika hat fast dieselben Weihnachtsbräuche wie England. Mistelzweige, verschwenderisch über alle Räume des -Hauses verteilt, vertreten die Stelle des Tanncu- baums. Diese Mistelzweige werden besonders von der Jugend hoch in Ehren gehalten. denn wer unterm Mistel- zweia steht, der muß sich,'alter Sitte gemäß, von jedem, der Wert daraus legt, küssen lassen.
Im übrigen ist Weihnachten für den Amerikaner mehr eine Angelegenheit des Magens als des Gemütes: die amerikanischen Ärzte haben nach Weihnachten Hoch- konjunktnr zu verzeichnen. Truthahn nnd Kronsbeerenkompott sind zum Feste unerläßlich. Doch den Höhepunkt der Feststimmung bedeutet es, tvenn im verdunkelten Zimmer der mit Rum (!) übergossene brennende Plumpudding auf der Tafel erscheint.
In Hollywood, betn Filmparadies, stellen die Weillnachtèlläume mit bunten Kugeln und unzähligen künstlichen Kerzen strahlend längs des Broadway und flankieren als glitzernde Schildwache den feiertäglichen
küben. M'e - Beamern -siMâ fest,' Wi eS sich VK f" abgeiadenen Ware um Schmuggelgut handelte, durchsuchten die Wohnung, in der die Ware versteckt worden war, und fanden mehrere hundert Pakete unverzollten holländischen Tabak. Der Wohnungsinhaber, der sich in einem Schuppen versteckt hatte, wurde festgenommen, ebenso seine Ehefrau. Die Schmuggelware wurde bc schlagnahmt.
O <5ine Doppelhinrichtung in Rybnik. In Rybnik wurde das Urteil an den beiden zum Tode verurteilten Mördern des Landwirts Duda aus Cissowka vollstreckt, da der po-lnische Staatspräsident von seinem Begnadigungsrechte keinen Gebrauch gemacht hatte. Der Scharfrichter, der am Abend vorher ein Todesurteil im Gerichtsgefängnis von Wadowice vollstreckt hatte, traf verspätet ein, so daß die Urteilsvollstreckung sich um zwei Stunden verspätete.
O Der erste französische Verwundete des Weltkrieges gestorben. In Mülhausen ist der erste französische Verwundete im Weltkrieg, Laibe, gestorben. Er gehörte zur Zollbrigade, die die ehemalige Grenze überwachte, und wurde beim Übergang der Teutschen bei Suarce am 2. August 1914 verwundet.
O Großseuer in einer englischen Klavierfabrik. Ein Großfeuer vernichtete die englische Klavierfabrik Wition and Wilton fast vollkommen. Die vierstöckige Fabrik brannte innerhalb von zwei Stunden bis auf die Mauern nieder. Ter Sachschaden wird auf rund eine halbe Mil lion Mark geschätzt.
O Flugzeuge über dem Himalaya. Fünf englische Militärflugzeuge haben, wie das englische Lustfahrt- ministerium mitteilt, einen erfolgreichen Langstreckenflug über bisher unerforschte Gebiete des Himalayagebirgcs ausgeführt, wobei viele wertvolle Aufnahmen gemacht wurden. Tie Flugzeuge überflogen u. a. auch den rund 8000 Meter hohen Berg Rakaposchl.
O Sechs Tote, vierzig Verletzte bei einem Eisenbahnunglück. In der Nähe der brasilianischen Stabt Fortaleca ereignete sich infolge Zugentgleisung ein schweres Eisenbahnunglück. Fünf Fahrgäste und der Heizer wurden getötet und vierzig Personen verwundet.
O Bahnhofkino statt Wartcsaat. Tie englische Spd- llahngesellschafi will auf dem Viktoriabahnhos in London ein Kurzfilmtheater einrichten, ähnlich wie es sich ans dem Bahnhof St. Lazare in Paris befindet. Tas Batzn- Hofkino soll Wochenschau-Pi und kurze Grotesken zeigen. Damit die Reisenden nichi ihre Züge versäumen, werden zwischen den Filmen immer die Abfahrtzeiten angezeigt.
0 Mammutfunvc im Polarmeer. Einer Meldung aus Leningrad zufolge haben die Mitglieder bei russischen Polarerpedition, die zum Überwintern auf der Wrangel- Insel zurückgeblieben sind, 52 Mammutstoßzähne gefunden, von denen einzelne ein Gewicht voy 96 Pfund haben. Die Zähne sind sehr gut erhalten.
Dermischies
— Mohrenkopf in vier Instanzen. WaS ein Mohren- kspf ist, weiß feder auch nur einigermaßen vernunftbegabte Mensch. Um das gleich von vornherein ohne jede Witzelei zu sagen: es handelt sich nicht um den Kopf eines Mohren von der Art des Othello, sondern um jenes köstliche Gebäck mit Cremesüllung, das rund herum einen Überzug von Schokolade hat. Aber darin liegt eben die Selbsttäuschung des Mohrenkopfessers: in vielen Fällen ist es nämlich gar keine Schokolade, sondern eine schokoladeähnliche Mischung von Kakao, Erdnußöl und anderen Dingen. Unb darum griff der Staatsanwalt in den Mohrenkopf ein und erklärte ihn für den Nahrungsmittclgesctzcn nicht entsprechend. Und diese eminent wichtige Angelegenheit ist durch vier Instanzen gegangen: Amtsgericht, Strafkammer, Kainmergericht und dann wieder einmal Strafkammer. Acht hochgebildete Sachverständige unb zwölf anerkannte Mohrenkopfesser waren vor Gericht auf« marschiert, um ihre Ansichten über den Mohrenkopf- Überguß zu äußern. Ein Sachverständiger ließ die Geschichte des Mohrenkopfes seit 1822 Revue passieren und ist zu dem Ergebnis gekommen, daß schon nach den Befreiungskriegen der Mohrenkopfüberguß aus Kakao, Zucker und so weiter bestand. Ein anderer Sachvei-ständiger hat gewissenhaft zwanzig Mohrenköpfe allein aufgegessen und nur bei einem von ben zwanzig richtige Schokolade entdeckt. Worauf denn die raffinierte Frage aufgeworfen wurde: „Was ist denn überhaupt Schokolade?" Und worauf dann die klassische Antwort erfolgte: „Schokolade, das ist eben ein Gemiscb von Kakao und Zucker — na und so!" Und infolgedessen ist man eigentlich mit dem Mohrenkopf jetzt genau so weit wie in der ersten Instanz. Aber die vierte Instanz kam trotzdem zu einer Verurteilung des beklagten Mohrenkop-ber- stellers, indem sie das unumstößliche Gesetz auf stellte, daß ein Mohrenkopsüberauß unbedinat von Schokolade sein müsse.
Bummel. Beim Beschenken entwickelt der Amerikaner seinen praktischen Sinn: man schenkt meistens Bons und überläßt cs dem Beschenkten, sich für den Wen des Gutscheins selbst etwas auszusuchen.
Eine ganz besondere Weihe gewinnt daS hohe Fest im Morgenlande, in Palästina, da, von wo cs einst zu uns gekommen ist. Still und feierlich flimmern die hohen Wachskerzen in der balbbunflen Nische über dem heiligen Grabe . . . Brausende Gesänge und eine bunte, vielartige Menge in den Kirchen Jerusalems! Hier scheint alles von doppelter Inbrunst erfüllt zu sein: vielen, die von der Frömmigkeit nichts wußten, greift hier eine übermächtige Bewegtheit ans Herz.
Tausende von Pilgern versammeln sich am Heiliaeu Abend in 'Bethlehem, um der feierlichen Messe der Christenheit, der Mitternachtsmesse in der Geburtskirche Christi, beizumollnen. Sie _strömen zu Tausenden über die windungsreiche Straße, die von Jerusalem nach Bethlehem führt. An der Mauer der Weisen aus dem Morgenlande, am Elias-Kloster, an Rahels Grab und an der Davids- Maner führt ihr Weg vorbei, in die Kirchs Christi Geburt, die über der Stätte erbaut worden ist, wo nach heiliger Überlieferung einst der Erlöser der Welt geboren wurde. Die feierlichste aller Weihnachtsmessen wird hier zelebriert. TiPloinaische^Pcrtreter dèr katholischen Länder stehen hier Schulter an Schulter mit den Bauern von Bethlehem und deren Frauey» bie, ihre eigenartige mittelalterliche Trächt noch nicht abgelegt haben. Touristenschiffe beschleunigen ihre Fahrt, um noch rechtzeitig anzukommen, damit ihre Passagiere vor Mitternacht in Bethlehem sein können. Von staifa über ?iazarctd und Sichem führt die traditionelle Weibnachlsroute nach Bethlehem. Eine halb natürliche Höhle ist dort als der Stall geheiligt, in dem Christus geboren wurde. Er ist heute mit Marmor auSgekleidet, rnb der silberne Stern auf dem Altar trägt die lateinische Zuschrift: „Hier wurde von der Jungfrau Maria Jesus Christus gehören." In dieser Marmorgrolre wird das Sbangelium in griechischer Sprache gelesen, die Weih- rachtsbotschast, die iu der gleichen Nacht über alle Lande terfüubci wird, * '