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Kastel, 2(1. Dez. (Schonzeit für Muffelwild i m Bezirk Ka ssel.) Die Schonzeit für das Muffel­wild ist für den Regierungsbezirk Kassel durch Beschluß des Bezirksausschusses vom 16. Dezember 1932 auf das ganze Kalenderjahr 1933 ausgedehnt worden.

Marburg, 20. Dez. (Trauung i m Gefängnis.) Eine nicht alltägliche Trauung wurde gestern vormittag auf dem Marburger Standesamt vorgenommen. Ein junger Mann aus Frankenberg, der sich im Marburger Ge­fängnis in Untersuchungshaft befindet, schloß mit einem jungen Mädchen aus Jesberg den Bund der Ehe.

Gießen, 20. Dez. (Das Autounglück bei Eie­hen. — Ein zweites Todesopfer.) Der bei dem schweren Autounglück bei Steinbach am Sonntag, bei dem — wie gemeldet — die Ehefrau Habenicht aus Gießen töbt lich verunglückte, schwer verletzte Volkswirt Eickworth aus Gießen ist heute früh in der hiesigen Chirurgischen Klinik seinen schweren Verletzungen ebenfalls erlegen. Der mit verunglückte Ehemann Habenicht befindet sich in der Klinik auf dem Wege der Besierung.

Grünberg, 20. Dez. (Eine Glocke beim Läuten a b g e st ü r z t.) In der Kirche des Nachbardorfes Groß- Eichen fiel am Samstagabend, während die Gemeinde in der Kirche zur Andacht versammelt war, die Glocke beim Schlußgeläute aus dem Kirchturm herab. Als ein Glück ist es anzusehen, daß die Decke des Kirchenschiffs von der Glocke nicht durchschlagen und dadurch ein schweres Unglück für die Kirchenbesucher verhütet wurde. Der Absturz der Glocke ist auf einen Bruch in der Aufhangvorrichtung zu­rückzuführen.

Nidda, 20. Dez. (15 00 Mark Pachtgeld ge- stöhlen.) In dem Orte Echzell wurde einem Landwirt das erst durch strengste Sparsamkeit angesammelte Pacht­geld in Höhe von 1500 Mark gestohlen. Wie der Diebstahl möglich war und wer der Täter ist, weiß man noch nicht. Der Vorfall ermahnr erneut dazu, größere Geldbeträge nicht zu Hause aufzubewahren, sondern sie zur Kaste zu bringen.

Büdingen. (A u t o u n f a H.) Ein mit Mann, Frau und Kind besetztes Auto aus Frankfurt a. M. verunglückte am Sonntagmittag in der Nähe des Bahnübergangs bei Mittelgründau auf der Straße nach Büdingen. Die durch den Frost glatte Straße brachte das Auto ins Schleudern, und der Fahrer konnte einen Anprall gegen einen Baum ri*t webr vermeiden. Der Mann erlitt Verletzungen am Kopf und hatte einen starken Blutverlust, die Frau fam

mit einer Gehirnerschütterung und das Kind unversehrt davon. Ein Büdinger Kaufmann brachte die Verunglück­ten ins Mathilden-Hospital.

Frankfurt a. M., 19. Dez. (Unglaubliche Leicht­gläubigkeit eines jungen Mädchens.) Am Sonntagabend wurde in einem Café in der Taunusstraße ein ganz gerissener Heiratsschwindler von der Polizei fest­genommen. Es handelt sich um den 35 Jahre alten, in Kettwig geborenen Kaufmann Josef Pabelik. Erst kürz­lich lernte er in einem Café an der Konstablerwache ein junges Mädchen kennen und spendierte ihm einige Tasten Kaffee. Er verabredete sich dann für den nächsten Sonn­tag. Schon nach ganz kurzer Bekanntschaft erzählte er dem Mädchen, daß er dringend eine größere Summe Geldes be­nötige. Tatsächlich gab ihm das Mädchen auch zunächst einen Betrag in Höhe von 500 Mark. Bald stellte er je­doch weitere Forderungen und erhielt nochmals 150 Mark. Der „Kavalier" machte dem Mädchen dann den Vorschlag, sich ihr Gehalt im voraus bezahlen zu lasten, da er noch Geld haben müßte. Nunmehr wurde das Mädchen jedoch mißtrauisch und erkundigte sich bei der Polizei. Pabolik wurde darauf gestern abend in einem Café in der Taunus- straße festgenommen. Es ist anzunehmen, daß er noch wei­tere Mädchen auf ähnliche Art geschädigt hat. P. ist schon mehrfach wegen Betrugs vorbestraft.

Frankfurt a. M., 20. Dez. (Wieder ein schwerer Raubüberfall in Frankfurt. — Das Opfer schwer verletzt.) Der 50 Jahre alte Kaufmann August Scheuerling, der eine Motorradfirma im Hause Zeil 10, vertritt, war am Dienstagabend kurz vor 8 Uhr noch in seinem Büro beschäftigt, als es an der zum Haus­flur führenden Tür klopfte. Auf die Frage des Scheuerling, wer da sei, wurde ihm zur Antwort, daß der Draußen- stehende Sachen für eine Firma Schneiden abholen wolle. Scheuerling öffnete aber die Tür nicht, er forderte vielmehr den Unbekannten auf, am andern Tage wiederzukommen. Im gleichen Augenblick schlug der Draußenstehende mit einem Hammer die eine Glasscheibe der Tür ein, öffnete durch die so entstandene Oeffnung die Tür von innen und drang auf den Vorplatz. Darauf versetzte er dem über­raschten Scheuerling mehrere wuchtige Schläge mit einem Hammer auf den Kopf. Zwischen beiden entspann sich ein kurzer Kamps. Der Täter wollte dem Ueberfallenen die Brieftasche aus dem Rock reißen, fand aber nur einige Ge­schäftspapiere, die er sogleich fortwarf. Um die gleiche Zeit betrat ein im gleichen Haus wohnender Mieter den Haus­flur, der den Vorgang bemerkte. Der Täter ließ nun von

seinem Opfer ab und ergriff die Flucht. Der hinzugekom- mene Mieter bemühte sich zunächst um den erheblich ver­letzten Scheuerling, der dem Heiliggeist-Hospital zugeführt wurde, wo er sofort operiert werden mußte. Er hat vier bis fünf Schlüge auf den Kopf erhalten, so daß die Schädel­decke durchschlagen wurde. Mit welcher Wucht die Schläge geführt wurden, geht daraus hervor, daß der Hammerstiel abbrach. Es gelang dem Täter nicht, sein Opfer zu be­rauben. Auffallender Weise hat am Montag, also am Tage vor der Tat, abends gegen ^7 Uhr bei Scheuerling eine Person angerufen, die vorgab, für einen Kraftwagen Interesse zu haben und noch nach Geschäftsschluß die Sache besprechen wolle. Die Kriminalpolizei ist der Ansicht, daß der unbekannte Anruser mit der Person des Täters iden­tisch ist. Der Täter wird wie folgt beschrieben: Mitte der 20er Jahre, 1,70 bis 1,75 m groß, hat hellblondes Haar, trug einen dunklen Mantel, eine lange Hose, die heller als der Mantel war, und eine Sportmütze.

Eroß-Ostheim, 19. Dez. (V o in Lastauto tödlich überfahren.) Der einen Malztransport der Brauerei Eder begleitende Heinrich Straulino von hier ist am Sams­tag in der Nähe von Straßbestenbach tödlich verunglückt. Er wird wahrscheinlich vom Lastauto hinten herunterge- fallen und überfahren worden sein, was vom Kraftfahrer aber nicht bemerkt wurde, bis ihn ein Radfahrer davon verständigte.

Mainz, 20. Dez. (E i n Unverbesserlicher.) Die Frau des oft bestraften 30jährigen Schlossers Damm von hier war längere Zeit als Putzfrau in einer hiesigen Villa tätig. Im Sommer dieses Jahres verreisten die Inhaber Der Villa auf mehrere Wochen und überließen ihrer Putz­frau die Schlüsiel zur Betreuung des Kanarienvogels, der Blumen usw. Die Putzfrau wiederum betraute ihren Mann mit diesen Arbeiten in der Annahme, daß dieser, nachdem er sich fünf Jahre tadellos geführt hatte, seine Finger von fremdem Gut lasten würde. Eines Tages aber brach er sämtliche Türen, Schubladen usw. in der Villa auf, durchwühlte alles, richtete eine heillose Verwirrung an und stahl für mehrere tausend Mark Silbergegenstände, Kleidungsstücke und Wäsche. Einen Teil der Wertsachen verkaufte oder versetzte er, während er die übrigen Sachen von der Kaiserbrücke aus in den Rhein geworfen haben will. Der Verdacht fiel zuerst auf Unbekannte, und erst nach längerer Zeit konnte Damm als Täter überführt wer­den. Das Bezirksschöffengericht verurteilte ihn gestern wegen schweren Diebstahls im wiederholten Rückfälle zu 2 >4 Jahren Zuchthaus und drei Jahren Ehrverlust.

Gestorben:

Josef Diegelmann, Fulda, Pfandhausstraße 14, 87 Jahre alt. — Beerdigung: Donnerstag nachmittag 4.15 Uhr auf dem neuen städt. Friedhof.

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