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N^. 299 Mittwoch, 21. Dezember 1932
Kurze politische Nachrichten.
Aus Weisung der Oberreichsanwaltschaft wurde in Berlin einer der höchsten Funktionäre der K o in in n - nist ischen Partei, der Reichs, agsabgeordnete <5 o h n Sch e'h r, von Beamten der Zentrale der Staatspolizei festgenominen und in das Polizeiaefänanis cin- geliefert.
Der Re ichs minister für Ernährung und Landwirtschaft, Freiherr von Braun, wird am Donnerstag, den 22. Dezember, um 19 Uhr, auf der Deutschen Welle über „D i e La n d w i r t s ch a f t ander Jahreswende" sprechen. Da es sich um die erste Rede des Reichsernährungsministers nach der Umbildung der Re-chsregierung handelt, wird der Rundfunkvortrag voraussichtlich auch auf die meisten anderen Sender übernommen werden.
In der Klage der evangelischen Landeskirche Sachsens gegen das Land Sachsen wegen Zahlung von Entschädigung an die Kirche hat der Staats- gerichtshof für das Deutsche Reich entschieden: Der Staat must für eine Reihe von Einkünften, die die Kirche nicht mehr hat, Ersatz l e i st c n. Er mutz zu den Besoldungen der Pfarrer und Kirchenbeamten Zuschüsse leisten und er muß außerdem in Höhe von fünf Millionen Mark n a ch z a h l e n, was er bisher zu zahlen verweigert hat.
. . Durch Notverordnung wird die Schlachtsteuer nunmehr auch in Mecklenburg-Strelitz mit Wirkung vom 1. Januar 1933 ab in Kraft gesetzt. Das Finanzministerium wird ermächtigt, falls Gegenseitigkeit verbürgt ist, die Attsgleichssteuer gegenüber anderen Ländern nicht zu erbeben
FGDAp. und Schleicher.
Unter der Überschrift „Der letzte Mann" veröffentlicht der preußische Pressedienst der NSDAP, vom 20. Dezember einen Artikel, in dem es u. a. heißt: „Der Endkamps ist im Gange, die Gegner haben längst ihre unfähigen Figuren vom Schachbrett des Systems gezogen und entsprechend dem rastlosen Porwärtsschreiten der Freiheitsbewegung immer neue Leute folgen lassen, es immer wieder fertiggebrachi, einen fähigeren und klügeren Gegner dem Nationalsozialismus entgegenzustellen. Der gewandteste und intelligenteste Kops soll dem verhaßten Feinde nunmehr Schach bieten: Zum Gegenspieler Adolf —Mtö j t < e r s auch vor der Mentlichkeit wurde der General v o n L ch l e i ch e r. Dieser Mann, der sich bisher sogar gewisser menschlicher Sympathien bei den ihn nunmehr sachlich scharf Bekämpfenden erfreute, ist tatsächlich endlich der letzte, den man zum Kampf mit Hitler herausstellen kann."
„So ist das jetzige große Ringen um die Nation ein Z w e i k a m p f geworden, zwischen den beiden Männern: Hitler oder Schleicher. Das ist die Parole dieser Tage und jeder von uns weiß, daß die Persönlichkeit Adols Hitlers, eines im Sturm erprobten eisernen Kämpfers, auch in diesem Falle über den klugen und gewandten Taktiker von Schleicher obsiegen wird."
Der Kampf ums Glück.
Roman aus dem Leben.
Urheberrecht durch Herold-Verlag Homburg-Saar.
1] (Nachdruck verboten.)
1.
In all den riesigen Betrieben, die sich um Steinwärder am Ufer der Elbe hinziehen, war die Arbeit in vollster Tätigkeit; die Lüste Widechallten und dröhnten von den tausenden von Hammerfchtagen, die auf die Eisenplatten der Schiffe niedersausten, ^u "en Jw schinenränmsn fauchten und brausten die Dampfmaschinen, dazwischen gellten die Rufe und Schreie der Arbeiter, während das gewaltige Poltern von riesigen Eisenblöcken für Sekunden den Lärm übertönte, der bis über die Elbe in die Stadt hineindrang.
Nur in der Steinthal'schen Werft hatte der gewaltige Atem der Arbeit ausgesetzt, die Maschinen und Werkstätten standen verlassen da und auf der großen Fläche, die sich zwischen dem Maschinenraum und den am Flußufer befindlichen Docks der Werft aus- dehnlc, sammelte sich eine große Anzahl von Arbeitern in schwarzen Gewändern und mit stiller, feierlicher Miene an.
Würdig schritt der alte Werkführer Johannsen mit seinem grauen Schifferbort und seinem unmodernen, schwarzen Anzug durch die Gruppen der Arbeiter.
„Wir haben noch ein paar Stunden Zeit," meinte er, sich an einige der älteren Arbeiter wendend, „am Ende wird die Beerdigung auch bis morgen hinausgeschoben werden müssen, denn der Sohn ist noch immer nicht von England eingetroffen.
Die angsredclen Arbeiter nickten nur in ihrer phlegmatischen, ruhigen Art und Weise und besprachen mit leiser Stimme die Ereignisse des letzten Tages und was sie heute in ihrer Feiertrach. hierhergeführt hatte.
Vor zwei Tagen war der alte Chef und Besitzer der Schiffswerft, Friedrich Wilhelm Steinthal, mitten in dem Maschinenraum von einem Herzschlag getroffen, worden und eine halbe Stunde darauf verschieden. Er war ein starker, großer Herr gewesen, in den sechziger Jahren, dessen leicht aufloderndes Temperament schon lange einen solchen Unfall hatte ahnen lassan. Seine Arbeiter, mit denen er wie ein Vater verkehrte und in deren Mitte er so plötzlich da- hingeschicdcn war, hatten den Sterbenden in das Betriebsbüro getragen, dann hätten sie zunächst an seine Frau telephoniert und den Arzt Herbeiger-Ufen. Letzterer hatte nichts weiter tun können, als den eingetretenen Tod zu konstatieren.
Bor allen Dingen hatte man dem Sohn und Erben des Hauses die Nachricht vom Tode seines Vaters übermittelt. Dieser war in seiner ganzen Erziehung darauf vorbereitet worden, das,väterliche Werk zu leiten, und befand sich gegenwärtig in Birmingham âMMnd in einer ZU größten HtM- «ich Muzerplattemverke
Unheil aus Mer Welt.
DachstuhMaph im Mieter MM.
Ein schadhafter Kamin die Ursache des Feuers.
Im rechten Flügel des Brüsseler Königsschlosses entstand ein Dachstuhlbrand, den ein Passant, der die starke Rauchentwicklung bemerkte, der Wache meldete. Die Feuer- tvehr fand den Brandherd sofort und konnte nach einer Stunde Arbeit jede Gefahr einer Ausbreitung des Feuers beseitigen. Die Ursache des Feuers war ein schadhafter Kamin der Zentralheizungsanlage. Der Sachschaden ist nur gering.
Blick auf das Brüsseler Schloss.
Entsetzliches FiNgzeugnnalück.
Abstürzendes Flugzeug setzt Haus in B r a n d.
Ein schweres Flugzeugunglück, das mehrere Tote und zehn Schwerverletzte forderte, ereignete sich in Antony, einem kleinen Ort unweit Paris. Ein Milètürjagdflug- zeug stürzte auf ein Haus, wobei der Benzinbehälter explodierte und das Gebäude und der Apparat in Flammen gerieten. Die beiden Insassen des Flugzeuges verbrannten bei lebendigem Leibe; während zehn Bewohner des Hauses zum Teil schwere Verletzungen erlitten.
_ Nachdem das Flugzeug mehreremal um einige Meter abgesackt war, aber immer wieder aufgefangen werden konnte, stürzte es plötzlich unter furchtbarem Getöse auf das Dach eines Hauses. Unmittelbar danach stieg eine Stichflamme gen Himmel. Der Brennstoff ergoß sich über das Wohnhaus, das bald nur noch ein einziges Flammenmeer bildete. Die Feuerwehr von Antony konnte nicht verhindern, daß die beiden Insassen des Apparates bei lebendigem Silbe verbrannten. Das Dach des Hauses war unter dem Gewicht des Flugzeuges eingestürzt und hatte die Einwohner unter den Trümmern begraben. Mit vieler Mühe gelang es der Feuerwehr, in.das_brermende Haus vorzudringen und zehn Einwohner zu bergen. Die Bewohner haben zum Teil schwere Brandwunden erlitten.
Wieder ein Anöounglück auf vereister Landstraße.
Baronin Langwetth von Simmern schwer verletzt.
Auf der vereisten Landstraße nach Wallus geriet der Wagen der Baronin Langwerth von Simmern ins Rutschen und vrallte mit einem Lastanto zusammen. Die
als.Ingenieur, um hort feine Kenntnisse an bereichern Hab M vervollkommnen.
Die Nachricht von dem Tode des Vaters hatte ihn indessen un- erklärlichcrweise nicht gleich erreicht. Daher kam es denn, daß Erich Steinchal nun am dritten Tage nach dem Tode seines Vaters noch immer nicht in Hamburg eingetroffen toerr. Der letzte füllige Zug, der von London über den Seeweg nach Hamburg Anschluß Hatter war bereits eingetroffen, ohne ihn mitzubringen, und man erwog schon, ob man das Leichenbegängnis nicht bis zum nächsten Tage aufschieben solle, als ein Auto in voller Hast die Straße heraufjagte und mit einem Ruck vor der Stein thrl'schèu Vikk« anhielt.
Im nächsten Augenblick lag Erich Steinthcü mit bent aus bent Herzen quellenden Austchrei: „Vater, mein Vatèrj," über dem Sarg gebeugt.
Eine bange, stille Pause, in Seither dem jungen Manne di« ganze Größe seines Verlustes aufging, trat ein.
Dann öffctè sich leise die Flügeltür zu beut Gemach und im Rahmen derselben erschienen Erichs Mutter und Schwestern. Erst nach einer Weile, als Erich wiederholt die wächsernen Hände seines Vaters gedrückt hatte, trat Fran Konstanze näher, um den Sohn zu begrüßen.
Mit leicht schwankenden Schritten ging Erich auf sie zu und sank ihr lautlos in die Arme, während die Tränen unaufhaltsam über; sein hübsches junges Gesicht rollten.
Sic tauschten kein Wort miteinander aus, denn Ivas sollten sie sich auch sagen? Für die ganze Größe des Schmerzes, den Erich empfand, war jedes Wort zu klein und nichtssagend.
Gertrud drängte sich an ihren Bruder heran und streifte ihm die Hand entgegen, die Erich innig in die seine schloß. Die Begrüßung Erichs mit seiner älteren Schwester Leontine und seinem Schwager, dem Gutsverwalter Klemens von Prangenheim, war Weniger herzlich.
Erich führte dann seine Mutter ans ihren Platz am Sarge. Wo er sie nach den letzten Lebensstunden des Vaters befragte. Ganz verstört und mechanisch war er darauf auf fein Zimmer gegangen und kleidete sich zum Leichenbegängnis um.
Inzwischen hatte man die Arbeiter auf dar Schiffswerft benachrichtigt, daß die Beerdigung ihres Chefs zur festgesetzten Zeit stattfinden würde, und nachdem ungefähr eine Stunde vergangen war, versammelte sich die schwarze Schar der Leute vor der Billa, um ihrem Prinzipal die letzte Ehre zu erweisen.
Mit all dem festlichen und historisch dekorativen Gepränge, das die Begräbnisse reicher Leute in der alten Hansastadl anszeichnet, wurden die sterblichen Ueberreste des alten Handelsherrn zu, letzten Ruhe bestattet. Im Mausoleum, als der Sarg in die Grnfl hinabgelassen wurde, löste sich noch einmal der große Schmerz bet UnvMtmmdton in laut Wâân LcLâ âââLü«r-sÄ
Baroneß Langwerth von Simmern, die am Steuer des Personenautos saß, trug schwere Kopfverletzungen und Schnittwunden im Gesicht davon, während die Baronin eine Gehirnerschütterung erlitt. Eine dritte Dame wurde gleichfalls schwer verletzt. Die Baronin Langwerth von Simmern ist die Gattin des ehemaligen Reichskommissars für die besetzten rheinischen Gebiete in Koblenz.
Der schwere Auiounfail bei Meißen.
Keine Schuld der Radfahrer.
.„Nach den Feststellungen des Dresdener Kriminakamts trisft die drei Radfahrer, denen der Unglückswagen der Reichsbahn hatte ausweichen wollen, keine Schuld an dem Unglück. Das Dienstauto ist auf der vereisten Straße ins Schleudern gekommen und mit den Hinterrädern abgerutscht.
Im großen Sitzungssaale des Gebäudes der Reichsbahndirektion Dresden fand im Beisein sämtlicher Direktionsmitglieder eine Trauersitzung für die tödlich verunglückten Kollegen, Reichsbahndirektor Por- korny und Reichsbahnodcrinspektor Lenke, statt, bei der P r ä s i d e n t D r. D o m s ch eine Ansprache hielt und auf die besonderen Verdienste der beiden Beamten hinwies.
Grippewelle in USA.
über 800 Tote in einer Woche.
Nach Mitteilungen des Gesundheitsamtes der Bereinig len Staaten hat sich die Grippewelle, die sich von bet pazifischen Küste her ausgebreitet bat, in den südlichen Staaten von USA. zu einer schweren Epidemie entwickelt. Allein in der Woche vor dem 3. Dezember sind in 89 Städten nicht weniger als 807 Personen an Grippe und Lungenentzündung gestorben. In den Staaten des Ostens und des mittleren Westens klingt die Epidemie dagegen ab.
Grippewelle auch in Böhmen.
Zu ungewohnter Zeit, bei kalter und trockener Witterung, hat sich eine starke Grippewelle in beinahe ganz Böhmen eingestellt. Ganz besonders macht sich die Krankheit in Nordböhmen bemerkbar. In Osseg sind nahezu 50 Prozent der Schulkinder erkrankt. In Postelberg sind der Bürgermeister, sämtliche Beamte des Stadtamtes und die Polizeibeamten erkrankt, so daß die Amtsgeschäfte von Hilfskräften und der Sicherheitsdienst von aushilfsweise eingestellten Nachtwächtern versehen werden müssen. Auch in Prag und Aussig machte sich die Grippewelle stark bemerkbar. Am meisten sind Kinder in Mitleidenschaft gezogen.
WareuhauSbrand in einer Vorstadt Londons.
London. In der Londoner Vorstadt Shoreditch wurde ein Warenhaus von einem Großseuer heimgesucht. Große Mengen Spielzeugwaren und Weihnachtsartikel verbrannten. Die FeuxrwtU konnte den Brand eindämmen, bevor er auf ante« tcUungen Übergriff,
Explosion in Tichifu. — 14 Tote
Peking. In Tschifu wurde das chinesische Munitionslager in die Luft gesprengt, wobei die aus 14 Mann bestehende Wache ums Leben kam.
Der Umsturzversuch in Argentinien
Buenos Aires. Im Zusammenhang mit dem Umsturzplan sind bis jetzt 111 Personen verhaftet worden Die Polizei hat insgesamt annähernd 4000 Bomben, die von den Umstürzlern bei der Durchführung des Putsches benutzt werden sollten, aus- gesundeu. Die argeiiliuische Regieruna erwägt, den verhafteten früheren Präsidenten Dr. Alvcar und andere im Zusammenhang mit dem Putschplan verhaftete führende Persönlichkeiten nach Europa zu deportieren. ob der Verblichene für seine Zurückgebliebenen ans ewia interne Wttft bleiben sollte.
Aber die Zeit und die rollende Stunde kümmert sich nicht an bte einzelnen Schicksale. Sie sorgt dafür, daß immer neue Sv ctantfie die alten verdrängen und das. was einü ans der cs-«» war, dem Schoße der Vergess.nheit anheimfällt. Uno so mustert sich schließlich auch die Familienglieder von der Bogräbnièstätt« losreißen und in die verwaiste Villa zurückkehren; ebenso mußte auch in der Werft und in den Fabriken bie Arbeit wieder ausgenommen werden nnb das tägliche Einerlei seinen altgewohnt«, W« Weiterâen.
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Zwei Tage sväter fand in der Steinthal'schen Villa da enger Familienrat statt
Anwesend waren: die Wiâve, 'Frau Konstanz, Erich, KlsmenL von PraiMnhsrm, in Vertretung feiner Frau. Gertrud, die ja noch nicht mündig war, hatte man doch nicht hinzugezogen, dafür aber deren Vormund, den alten Rechtsbeiftcrnd der Familie, I». strzrat Karsten. Ferner waren der alte Prokurist der Firma Rink» leben und Ingenieur Naumann, sowie der älteste Angestellte bet Firma, der alte Werkmeister Johannsen, hinzugezogen worbe»
Es wurden zunächst einige technische Fragen betreffs der weitere» Fortführung des Unternehmens verhandelt. Der natürliche Erb« war der Söhn des Hauses, Erich Steinthal, der kürzlich sein brew unbzwanzigstes Jahr vollendet hatte. Er wurde den Beamten bet Fabrik als der zukünftige und alleinige Chef der Firma vorgestellt.
Erich, dar die Werft und die Fabrik von früher her sehr gem» kannte, kündete sofort an, daß er eine Anzahl von Neuerungen plane, die er während seines Aufenthalts in England auSgearbeitet habe und die er nun seinem eigenen Unternehmen nutzbar mache« Wede. Der Ingenieur drückte sein volles Einverständnis damit aus, auch der Prokurist erhoffte sich davon große Botteile, nur bte alte Werkführer Johannsen stufte bet den Auseinandersetzung« seines neuen Chefs den Kopf, ohne indes besondere Einwendung« zu erheben. In seiner phlegmatischen Hamburger Art dachte erg „Neue Besen kehren gut", und „Es wird nichts so heiß gegessen ivie's gekocht wird". Man konnte es ja abwarten, in welchem Umfange die geplanten Neuerungen auch Wittlich durchgefühet toutibett.
Die Beamten wurden hierauf entlassen «nd nur dm engere F» milienkreis unter dem Vorsitz des Justizrates blieb zurück. Und jetzt kam eine Eröffnung, welche best hochfliegendan Plänen besungen Fabrikherrn schon einen Dämpfer auffetzen sollte.
(Fortsetzung folgt.)
Wirtz für Deine Heimatzeitung!