Aus Heffen-Naßau und Nachbargebèeten
Merkblatt für den 20. Dezember.
1552: Luthers Gattin, Katharina v. Bora, in Torgau gest. — 1795: Der Geschichtsforscher Leopold v. Ranke in Wiehe geb. — 1806: Sachsen wird unter Friedrich August L Königreich. — 1856: Der Schriftsteller Ferdinand Avenarius in Berlin geb. — 1921: Der Generaloberst Hans Hartwig von Beseler in Neubabelsberg bei Potsdam gestorben.
Wende deine Augen zurück auf dich selbst und hüte dich, Anderer Tun zu richten. Richtet der Mensch Andere, so mühet er sich vergeblich, irrt zum öfteren und versündigt sich leichtlich. Richtet und erforscht er sich aber selbst, so ist seine Mühe stets fruchtbar. Wie uns eine Sache am Herzen liegt, so urteilen wir häufig darüber. Denn das wahre Urteil verlieren wir leicht durch die Eigenliebe .... .
Thomas a Kempi s.
Wetterbericht.
Die Wirbeltätigkeit im Norden ist noch in vollem Gange. Es entwickeln sich dauernd neue Tiefdruckwirbel, die aber eine sehr nördlich gelegene Bahn einschlagen, während das kräftige festländische Hochdruckgebiet noch weiter bestehen bleibt. Dieses besteht zum größten Teil aus warmen und trockenen Luftmassen mit geringer Bewölkung. Nur im südlichen Teil desselben liegen noch flache Kaltluftschichten, die meist mit Nebel ausgefüllt sind. — Vorhersage bis Montag abend: Im südlichen Teil des Bezirks noch vielfach neblig mit leichten Nachtfrösten, Tagestemperaturen um Null, im nördlichen Teil des Bezirks und in Höhenlagen des südlichen Teils heiter und mild, allgemein schwache Luftbewegung, keine Niederschläge. — Witterungsaussichten für Dienstag: Fortbestand dess Hochdruckwetters.
* Fulda, den 19. Dezember 1932.
Sammlung des Evangelisch-Kirchlichen Hilfsvereins.
Der Herr Preußische Staatskommissar f. d. Regelung der Wohlfahrtspflege hat dem Evangelisch-Kirchlichen Hilfsverein zugunsten seiner Wohlfahrtsbestrebungen die Sammlung von Geldspenden und Liebesgaben in evangelischen Haushaltungen für das Kalenderjahr 1933 genehmigt.
Weihnachtsfeiern in der evangel. Gemeinde.
Wir werden gebeten, darauf hinzuweisen, daß heute, Montag, abend um 8 Uhr im evangel. Gemeindehaus die Weihnachtsfeier der Evgl. Mädchen-Jungschar stattfindet. Am Mittwoch, um 4 Uhr nachm., findet im großen Saal des Gemeindehauses die Weihnachtsfeier des evangel. Kindergartens statt.
Der goldene Sonntag in Fulda.
Aus dem grauen Frühwinter hatte sich der Sonntag endlich zu einem strahlenden Wintertag durchgerungen und machte schon äußerlich seinem Namen Ehre. Gegen 11 Uhr und früher kamen große Scharen Schau- und Kauflustiger von auswärts. Und diesmal hatten die Kauf- lustigen die Majorität. Die Bahnhofstraße hatte zeitweise das Gesicht, als ob etwas Besonderes „los" wäre, und tatsächlich waren die Geschäfte durchweg zufrieden; die
^ E zu hoffen gewagt hatte. Möglich, daß das schone Wetter dazu betgetragen hat. — Gekauft wurde vor allen Dingen praktisch, das Praktische in den billigeren Preislagen. Nun bleiben immer noch beinahe 5 volle Tage für die Unentschlossenen . . .
Landestheater des Biihnenvolksbundes.
Gute Lustspielideen sind selten, aber die Idee von Bruno Franks Komödie aus der Filmwelt „N i n a" ist ausgezeichnet und ihre dramatische Formung so gekonnt und geschickt, daß wir uns alle auf die Aufführung durch das Landestheater des Bühnenvolksbundes am 20. Dezember im Stadtsaal wirklich freuen können.
Der Filmstar Nina Galles zieht sich, des Treibens müde, ins Privatleben zurück. Eine ihr ähnlich sehende kleine Filmschauspielerin, das sogen. Double, übernimmt Rollen und Namen der berühmten Nina, und die ganze W^lt merkt den Schwindel nicht. Diese famose Idee ist in eine ebenso geistvolle wie gemütvolle Handlung gegossen, die -in erfreulichem Gegensatz zu den meisten Lustspielen noch einen guten dritten Akt mit der Rückkehr der Pseudo- Nina aus Amerika aufweist.
„Nina" ist die beste moderne Komödie, die das Landestheater auf p......'
Reinem diesjährigen Spielplan hat und dürfte eines guten Besuches und großen Erfolges sicher sein.
Der Kreuzbruder-Stammtisch bittet uns um Veröffentlichung folgender Zeilen:
Die im vorigen Winter gehegte Hoffnung, daß Not und Leiden unserer Mitmenschen den Höhepunkt überschritten hätten, hat sich leider nicht erfüllt. Riesengroß ist die Not gestiegen, und was damals als das Aeußèrste angesehen wurde, was von Menschen getragen werden kann, wäre heute für allzuviele noch ein, gemessen an ihrer Lage, verhältnismäßig erträglicher Zustand. Aber nicht nur größer ist das Leid geworden, auch immer weitere Kreise hat es tn seinen Vann gezogen. Menschen, die noch im vorigen Winter ein Scherflein für andere hatten, müssen nun selbst ihre letzte Hoffnung auf die milde Hand ihrer Mitmenschen setzen. Der Kreuzbruder-Stammtisch sieht deshalb in diesem Jahre davon ab, eine allgemeine Haussammlung zu veranstalten. Wir werden vielmehr unsere traditionelle Sammlung in einem kleineren Kreise vornehmen, bitten aber unsere Freunde und Gönner und alle, die noch eine Möglichkeit dazu haben, uns trotzdem ihre Gaben zukommen zu lassen. Im Vereinslokal, Gasthof „Germania^, wird jede, auch die kleinste Spende, dankbar entgegengenommen. Daselbst ist auch Gelegenheit geboten, durch Nagelung der Stammtischplatte einen Beitrag zu unserem Liebeswerk zu leisten. Unser offizieller Wohltätigkeitsabend findet, wie alljährlich, am 5. Januar 1933 abends 148 Uhr im Vereinslokal „Germania" statt.
Gucken Sie nicht bloO
bei Ihren Einkäufen in die Haupt-, sondern schauen Sie auch in die Nebenstraßen und prägen Sie sich ein:
Pfandhausstraße 5
gibt es guten Wein, in großer Auswahl und sehr billig, auch Schaumweine, Spirituosen und Likör und noch vieles mehr.
Bruno Dietrich
FULDA, Schloß-Kellerei und
Pfandhausstraße 5. - Fernruf 3281.
Auch kleinste Aufträge finden sorgfältigste Erledigung, Lieferung auf Wunsch frei ins Haus.
MtersâftKreis Hünfeld), 18. Dez. (Jede Woche F e u e r i n E i t e r f e ld.) Hier ist es schon zur Tradition geworden, daß es in jeder Woche einmal brennt. Innerhalb vier Wochen ertönte dreimal Feueralarm. Nachdem vor einer Woche das Anwesen der Witwe Hilpert niedergebrannt war, brach jetzt aus noch nicht genau ermittelter Ursache in der Polstermöbek- und Matratzenfabrik Franz Laibach Feuer aus, das die Fabrik vollständig einäscherte. Die Löscharbeiten waren dadurch erschwert, daß die Wasser- schläuche von dem letzten Brand her noch eingefroren waren und durch den hohen Wasserdruck platzten. Ter Schaden soll durch Versicherung voll gedeckt sein.
Hanau, 18. Tezbr. (Nach verwegener Flucht festgenommen.) In der Nacht zum Samstag stätte
ten Einbrecher zwei Firmen in der Nürnberger Straße einen unerwünschten Besuch ab. Durch die Wachsamkeit eines Hausangestellten wurden die Einbrecher aber verscheucht und flüchteten unter lebensgefährlichen Umständen über ein steiles Dach in ein Nachbarhaus. Dort stiegen sie durch ein Abortfenster in die Wohnung eines Spengler- meisters ein, dessen Mutter durch den Lärm wach wurde und sofort ihren Sohn benachrichtigte. Entschlossen und geistesgegenwärtig hielt der Sohn die Einbrecher solange in einem Zimmer fest, bis die benachrichtigte Polizei die ---verwegenen Diebe festnahm. Die körperliche Untersuchung
der Beibett Tatst soèrèe erste Neuste OiäechttVeck^KMe an den Tag. Zweifellos hat man in den beiden Feftgenom- menen jene Einbrecher zu suchen, die in der letzten Zeit starke Beunruhigung in die Bevölkerung trugen und schwere Einbrüche am laufenden Band begingen.
Fuldaer Filmschau.
„Die Tänzerin von Sanssouci".
Neues Theater.
Die Zahl der Fridericus-Filme hat sich um einen ver- mehrt. Wenn es bisher üblich war, Friedrich den Großen hauptsächlich als erfolgreichen Heerführer darzustellen, so ist diesmal hierin insofern eine Abwechslung geschaffen worden, als der große Preußenkönig in erster Linie als „Charmeur" interpretiert wird. Natürlich weiß sich der geniale Fridericus in angebrachter Distanz von der schönen Tänzerin Barberina zu halten, und das kleine Intermezzo mit ihr wird dazu benutzt, dem ^eind einen Streich zu svielen, der ihm den Sieg kostet. Obglei^ diese Singe nur einen schwachen historischen Hintergrund haben, so ist trotzdem diese Tatsache kaum als Mangel des Films zu werten. Man hat sich bewußt von der bloßen Wiedergabe historischer Tatsachen freigemacht und ist dazu übergegangen, um den Fridericus eine Handlung zu flechten, die eines feinen, liebenswürdigen Humors nicht entbehrt. Sie erzählt uns in erster Linie die Geschichte einer großen Tänzerin, die mit ihrem hervorragenden Können, mit ihrer Anmut und nicht zuletzt mt einer großen Dosis Unbescheidenheit selbst den Preußenkönig zu ihrem Untertanen macht. Fried- r i ch Zclnik ist der Regisseur. Er hat es verstanden, störende Längen zu vermeiden und die einzelnen Szenen schmissg und interessant auf die Flimmerwand zu bringen. Von den Darstellern seien Otto Gebühr als Fri deri- cus und L i l Dagover als Barberina erwähnt. Ihre Namen bürgen dafür, daß alle Besucher dieses Films auf ihre Kosten kommen und eine Stunde ungetrübter Freude erleben.
Wochenspielplan der Frankfurter Theater.
Opernhaus: Dienstag, 20. Dez., 20 Uhr: Hoffmanns Erzählungen. Mittwoch, 21. Dez., 19.30 Uhr: Margarethe. Donnerstag, 22. Dez., 19.30 Uhr: Don Carlos. Freitag, 23. Dez., 18 Uhr: Der gestiefelte Kater. Sonntag, 25. Dez., 15.30 Uhr: Der gestiefelte Kater: 19 Uhr: Der Rosenkavalier. Montag, 26. Dez., 15 Uhr: Im weißen Rößl; 19.30 Uhr: Die Csardasfürstin.
Schauspielhaus: Dienstag, 20. Dez., 20 Uhr: Moral. Mittwoch, 21. Dez., 20 Uhr: Der Verschwender. Donnerstag, 22. Dez., 20 Uhr: Hedda Gabler. Freitag, 23. Dez., 20 Uhr: Moral. Sonntag, 25. Dez., 17 Uhr: Faust I. Teil. Montag, 26. Dez., 15 Uhr: Der Hauptmann von Köpenick; 20 Uhr: Der Verschwender.
Börse und Handel.
Frankfurt «. M. (Buttergrotzhandelspreise vom 17. Dezember.) Das Buttergeschäst verlief weiterhin ruhig. Vorübergehend neigten die Preise etwas zur Schwäche, später bewirkte das knappe Angebot wieder ein Anziehen der Preise. Die Verkaufspreise des Großhandels lauten (in 1-Zentner- Tonnen): holländische Butter 129—132, deutsche Butter 128— 131 Reichsmark.
Frankfurt a. M. (Eiergrotzhandelspreise vom 17. Dezember.) Anfangs der Woche entwickelte sich im Frankfurter Eiergrotzhandel noch zufriedenstellendes Geschäft, im Verlause ließ es aber wieder stark zu wünschen übrig, die erhöhten Preise der Vorwoche konnten sich aber infolge der knappen Zufuhren behaupten. Die Umsätze beschränkten sich weiterhin nur auf die billigen Sorten, wogegen schwere Qualitäten vernachlässigt blieben. Es notierten in Pf. per Stück loco Frankfurt a. M.: Bulgaren 9—9.50, Jugoslawen 9—9.50, Rumänen 8.75—9, Polen 8.50—9, Holländer 8—12.50, Flandern 10—10.50, deutsche Frischeier 10—13.50. Kühlhauseier waren weiter knapp angeboten und notierten 7—9 Pf., in- und ausländische Mittel- und Schmutzeier 7—7.50 Pf. per Stück.
Frankfurt a. M. (Schlachtviehmarkt vom 19. Dez.; nichtamtlicher Vorbericht.) Ochsen: al) 26—29, a2) 23—25, b1) 20—22. Bullen: a) 24—27, b) 20—23. Kühe: a) 23—25, b) 20—22, c) 17—19, d) 12—16. Färsen: a) 28—30, b) 24—27, c) 20—23. Kälber: b) 33—35, c) 29—32, d) 24—28. Schafe: al) 23—25, b) 20—22. Schweine: b) 39—42, c) 38—42, d) 37—41, e) 36—39. Aufgetrieben waren: Rinder 1423, darunter Ochsen 312, Bullen 128, Kühe 495, Färsen 422, ferner Kälber 1010, Schafe 110, Schweine 4940. Marktverlauf: Rinder ruhig; Kälber, Schafe und Schweine mittelmäßig.
Verantwortlich für die Schriftleitung: Christian Seipel.