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Nr. 296 1932 Fulda, Samstag, 17. Dezember 9. Jahrgang

Großer Warenhausbrand.

Ein Kaufhaus in Tokio in Nammen.

Vierzehn Todesopfer, mehr als hundert Schwerverletzte.

_ Das siebenstöckige Warenhaus Shirokiya in Tokio, das als das größte Kaufhaus in Asten bekannt ist, fiel einer furchtbaren Brandkatastrophe zum Opfer und wurde fast vollkommen zerstört. 14 Personen fanden den Tod in den Flannnen. Die Zahl der Verletzten geht in die Hunderte. 110 Schwerverletzte wurden mit Brandwunden, Knochen- brüchen oder inneren Verletzungen in die Krankenhäuser eingeliefert. Der Sachschaden beläuft sich aus mehr als sieben Millionen Den.

Das Feuer fand reichliche Nahrung in einer für Weihnachtsverkäufe eingerichteten Abteilung, in der sich viele Gegenstände aus Zelluloid befanden. Als das Feuer zum Ausbr"ch kam, befanden sich einschließlich des Personals

rund 2000 Personen im Warenhaus.

Es entstand eine furchtbare Panik. Massen von Flüchten­den ballten sich zu unentwirrbaren Knäueln zusammen. Viele Personen wurden niedergetreten. Das Vetter hatte sich inzwischen mit rasender Schnelligkeit durch die Stock­werke verbreitet. Alle Treppenaufgänge waren in un­durchdringlichen Qualm gehüllt. Mehrere Leute sprangen aus den Fenstern der oberen Stockwerke auf die Straße und trugen schwere Verletzungen davon. 40 Kellnerinnen des im höchsten Stockwerk gelegenen Restaurants gelang es, sich mittels schnell gefertigter Stricke aus Kimonos zu retten. Die männlichen Angestellten des Warenhauses

steckten Frauen und Kinder in Säcke, um diese an Stricken auf den Erdboden herunterzulassen. Einige dieser Säcke fingen jedoch Feuer und stürzten in die Tiefe. Bemerkenswert ist, daß sämtliche Tiere der Zoo­logischen Abteilung des Warenhauses, die eine Sehens­würdigkeit Tokios war, geborgen wurden, darunter Löwen, Bären, Affen, Störche, Kraniche und Hunderte von seltenen Singvögeln.

Flugzeuge beim Rettungswerk.

Da die Feuerwehrleitern an die Obergeschosse des Warenhauses, die lichterloh brannten, nicht heranreichten, wurden fünf Militärflugzeuge angefordert, die Seile und Schaumlöschapparate an Bord nahmen. Die Piloten kreisten in geringer Höhe über dem brennenden Gebäude und warfen den Feuerwehrleuten, die sich mit Gasmasken einen Weg auf das Dach gebahnt hatten, die Seile und Löschgeräte hinunter.

FranzösischeVertragstreue".

Störunssseuer gegen die

Gleichberechtigung.

Frankreich rückt offen von der Fünf­mächtevereinbarung ab.

In Genfer internationalen Kreisen erregt eine Denk­schrift der französischen Abrüstungsabordnung, m der gegen die amtliche deutsche Auslegung der Fünfmächtevereinbarung vom 12. Dezember Stellung genommen wird, großes Aufsehen. Diese Denkschrift, die einzelnen Genfer Stellen vertraulich übermittelt worden ist, deckt sich inhaltlich fast vollständig mit der von der halbamtlichen Havasagentur am 15. Dezember veröffent­lichten Stellungnahme , ,

Die Denkschrift sucht im wesentlichen die Fünfmachte- Vereinbarung in allen Punkten zu entwerten und betont, daß selbstverständlich im Falle eines Scheiterns der Ab­rüstungsverhandlungen der Versailler Vertrag weiter unbeschränkt in Kraft bleibe, daß ferner die Gleich berechtig ungs frage Deutschlands in unlösbaren Zusammenhang mit der Regelung der S i ch e r h e i t s frage gebracht sei und die Gleichberechti­gung wie auch die Sicherheit keineswegs Ausgangs­punkt, sondern lediglich eines der Ziele der Ab­rüstungskonferenz sei. Die deutsche Regierung habe ihre Forderung auf Anerkennung der qualitativen Gleich­berechtigung und der gleichen Geltungsdauer des kom­menden Abrnstunasabkommens nicht durchgesetzt. Teil V des Versailler Vertrages werde nur dann ab­geändert werden, wenn das künftige Abrüstungsabkom­men von sämtlichen Signatarstaaten des Versailler Ver­trages unterzeichnet und auch ratifiziert worden sei.

Dieses planmäßige französische Vorgehen nurb in allen unterrichteten Kreisen als ein o s s c n c s A b r ü ck e n der französischen Regierung von der Fünsmächteverein- barnng bewertet. Der Protest der kleineren Mächte im Hanptausschuß der Konferenz kann daher nur als der Auftakt zu einem planmäßigen französischen Vorgehen zur Entwertung der gesamten Fünftnächtevereinbarung auf- gekaßt werben. Die deutsche Regierung wird unter Be­rücksichtigung dieser Lage entscheidenden Kampf auf der bevorstehenden Januartagung des Hauptausschusses der Abrüstungskonferenz aufnehmen müssen.

*

Kaum ist die Tinte der französischen Unterschrift unter der Genfer Einigungsformel über die deutsche Gleichberechtigung trocken geworden, da setzt schon das halbamtliche StörvngHfeuer des französischen Aus­

Viele Personen, die sich aus das Dach geflüchtet hatten, darunter mehrere Telephonistinnen, sprangen, wahnsinnig vor Angst, in die Tiefe und blieben mit zer­schmetterten Gliedern liegen.

Unten auf der Straße, wo sich Tausende von Zu­schauern eingefunden hatten, sorgten mehrere Kompanien Militär für die Absperrung. Die Menge wich erst, als die Soldaten mit aufgepflanztem Bajonett die Umgebung des Warenhauses räumten.

Das Schirokiya Warenhaus in Tokio, das von der Brandkatastrophe betroffen worden ist.

Eisenbahnunglück im Würzburger Hauvtbahnhvf.

21 Leichtverletzte.

Freitag früh fuhr dèr D-Zug BreslauSaarbrücken vor dem Einfahrtsignal des Bahnhofes Würzburg-Haupt­bahnhof einen-erzng ,von hinten auf. Dabei entgleisten zehn Wagen des Güterzuges. Es haben sich insgesamt 21 Leichtverletzte gemeldet. Unter den Ver­letzten befinden sich 19 Reisende und zwei Schaffner. Die Verletzungen sind sämtlich leichter Natur, kleine Quetschun­gen, leichte Schnittwunden und dergleichen. Keiner der Reisenden hat in ein Krankenhaus übergeführt werden müssen; sie haben alle die Reise unmittelbar fortgesetzt.

Der augerichtete Materialschaden ist bedeutend. Es kann als ein Glück bezeichnet werden, daß es sich bei dem angefahrenen Zug um einen Güterzug handelte, da sonst das Unglück unabsehbarer Folgen gehabt hätte.

wärtigen Amtes oder wahrscheinlich der französischen Militärs mit Verdrehungen und Wortschiebungen ein. DieHeiligkeit der Verträge", die für Frankreich eine so große Rolle sweft. wenn es aus ihr für sich Kapital schlagen kann. verflüchtigt sich sofort in Schall und Rauch, wenn,diese Abmachungen für es unbeanem werden. Nach­dem Amerika und England d'es auf finanziellem Gebiete erfahren haben, geben die jetzmen Ausführungen zum Genfer Abkommen eine neue Illustration zurVer­tragstreue" Frankreichs. Frankreich scheint aller Welt immer wieder erneut zeigen zu wollen, daß es ver-^ sagt. wa große Vasilis am Znae ist und daß es nur Meister ist in den Winkelzügen kleinlichen Krämergeistes.

Ein Kabinett EbauiemvsHerrioi?

. Der von« französischen Staatspräsidenten mit der Neu­bildung der Regier-ing beauftragte frühere Innenminister Ehautemps gab die Erklärung ab, daß er ohne Herriot kein Kabinett bilden werde. Im Mittelpunkt seiner Erwägungen steht nach wie vor sein Freundschafts­verhältnis zu Herriot. Ehautemps ist bestrebt, eine Brücke zwischen der von Herriot vertretenen Auffassung in der Schulden frage und der Haltung der Stammer zu bauen. Die Mitglieder des Finanz- und des Auswärtigen Ausschusses der Kammer haben die Stimmung des Parla­ments sondiert und Ehautemps von dem Ergebnis ihrer Unterredungen mit zahlreichen Abgeordneten unterrichtet.

Kurze politische Nachrichten.

Der Bundesvorstand des Stahlhelm, B. d. F., hat beschlossen, den nächsten R e i ch s f r o n t s^o l d a t e n t a g in H a n n o v e r zu veranstalten. Der Stahlhelmtag in Hannover wird am 2. und 3. September 1933 stattfinden.

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Adolf Hitler ist in Berlin eingetroffen. Er hat an einer Sitzung der preußischen Landtagsfraktion teil- acnommen, um sich anschließend zu einer Gautagung nach Halle zu begeben. Am Sonntag nimmt Hitler an einer weiteren Gautagung in Hamburg teil.

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Italien, England, Lettland, Litauen, Finnland und die Tschechoslowakei haben die am 15. Tczeipber fällige Kriegs schulden rate bzw. die Zinsen _ an das Schatzamt der Vereinigten Staaten gezahlt. Frankreich, Polen, Belgien, Estland und Ungarn haben die Dezember­rate nicht bezahlt.

Gehemmter Fortschritt.

Wieder einmal: der 13.Was du nicht willst, daß ma» die tu' ..." - Die Wirtschaft im Angriff.

Wer abergläubisch ist, tonnte während der letzten Jahre in so manchem Geschehen der Weltgeschichte, das am 13. vor sich ging, so etwas wie eine Bestätigung finden. Und wieder ist es ein 13. gewesen, an dem wichtigstes welt­geschichtliches Geschehen erfolgte: Der Entschluß des fran­zösischen Parlaments, den Schuldenzahlungsvertrag mit Amerika nicht zu erfüllen. Denn dieser Entschluß stand bereits am 13. fest, als Herriot die Rednertribüne bestieg, um wenigstens zu erreichen, daß Frankreich unter den­selben Vorbehalten ober Bedingungen zahlte, wie England. Der sich diesem entgegensetzende Entschluß der Kammer war nur der Punkt auf dem i, das am 13. geschrieben wor­den war. Und das ist auf den Tag genau geschehen, vierzehn Jahre, nachdem Woodrow Wilson 1918 den französischen Boden betrat, um dem kriegszersleischten Europa den Frieden zu geben, den er vielleicht wollte, den die europäischen Großmächte England, Frankreich und Italien aber nicht znließen. Durch sein Eingreifen in den Krieg hatte er diese Mächte gerettet und zum Er­folge geführt, und nun wollen dieielben Mächte nur sehr ungern oder,, wie Frankreich und Bèlgien, gar nicht di e Ko stenihrer Errettung bezahlen.

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Wenn jede dieser europäischen Machte sich jetzt grund­sätzlich auf den Standpunkt stellte, aus naheliegenden weltwirtschaftlichen Ursachen und Erwägungen heraus überhaupt seine Kriegsschulden mehr be­zahlen zu wollen, so muß man deutscherseits doch wohl in aller Bescheidenheit darauf aufmerksam machen, daß man uns gegenüber auf der Lausanner Konferenz sich von dem Vorhaben nicht abbringen ließ, uns eine Re st zahlung von 3 Milliarden Reichsmark als Tribute auf­zuerlegen. Wenn dabei die Einschränkung gemacht worden ist, daß diese Zahlung erst erfolgen soll. wenn und sofern wir zahlungsfähig auf Grund eines sichtbaren wirtschaft­lichen Aufschwunges werden, so ändert das nichts an bei grundsätzlichen Forderung Frankreichs, daß wir eben auch in Zukunft noch eine Tributzahlung tragen und leisten sollen. Und schließlich können die Franzosen und Belaier nicht daran vorbei, daß ihrerseits eine Nicht­erfüllung von Verträgen mit Amerika vorliegt. ES entbehrt demgegenüber nicht eines gewissen vikanten Reizes, wenn acht Tage zuvor der französische Minister­präsident Herriot allerhöchst persönlich und ausdrücklich ver­sicherte, daß Deutschland niemals bindende Unterschriften offen verleugnet habe! Das Hoover-Feierjahr ebenso wie die Lausanner Beschlüsse gingen von einem deutschen Nichtzahlen können aus: was Amerika aber jetzt der französischen und der belgischen Regierung zum Vorwurf macht, ist nichts anderes, als daß diese Länder zwar zahlen könnten, aber nicht zahlen wollen.

Daß die Lausanner Beschlülle nicht zu einer Streichung der deutschen Tributrabiung führten, sondern an jener Restsumme von drei Milliarden festbielten daß außerdem ihre Ratifizierung abhängig gemacht wurde von einer befriedigenden Regelung der Kriegsschulden an Amerika", war beides wieder einmal, genau so wie beim Hoover-Feieriahr, Ursache dafür, daß ber^ als Folge von Lausanne erwartete weltwirtschaftliche Fort­schritt und Anstieg gehemmt und aebremit worden ist; auch hier wiederum trug Frankreich die Schuld an bietet Störung. Und daran kann man Wobl auch die zweite Feststellung schließen, daß nun bei einer Regelung der Krieasschitlden Amerika auf das verweilen wird w a s in Lausanne beschlossen wurde und wie dies zustande kam. In der Hauvtousschußsitzung des Reichsv-rbandes der deutschen Industrie hat der Vorsitzende. Dr. K r u v v v o n Bohlen und Halbach, gerade diese drei Feststpssunaen zum Ausgangspunkt seiner vroarammatilchen Aussstb- runaen über Laae und Zukunft der Wirtschaft gemacht und muhte nun wieder einmal b^a^en. daß leider die außen­wirtschaftlichen Wünsche und Röte nur im Zu­sammenhang mit der Regelung auch der außenvoli- tischen Fragen in Ordnung gebracht werden können. Diese nicht wcazuleugnende Verknüvfting übt eben einen bald stärkeren, halb weniger merfb-'ren. aber doch immer vorhandenen Druck ans auf den W'"en zur wirtschaft­lichen Besserung. Fgst scheint es, als führe btete wirt­schaftliche Ungeduld einen hoffnungslos enK" m v f gegen gnßenpolitilche Hemmunoen. obwohl man. wie Dr. Kruvv von Bohlen und Halbach sessn-n^u tu dürfen glaubte,zweifellos etwas hafsn"nassr'"idi^-r in die Zukunft schauen kann, als es noch in der ersten Hälfte dieses Jahres der Fall war".

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Gerade darum vermied es auch der neue Reichskanzler v o n S ch l e i ch c r in seiner Programmrcde mit betonter Ausdrücklichkeit, in diese wirtschaftspolitische Entwicklung einen Knick hineinbringen zu wollen. Vielmehr erklärte er was übrigens auch nicht auders zu erwarten war,

Kleine Leitung für eilige Leser

* Im Auswârligen Ausschuß des Reichstages gab Reichs- außenminister Freiherr von Neurath Erklärungen über bie Genfer Vereinbarungen ab.

* Bei einem Zugzusammenstotz im Würzburger Hauptbahn- hof wurden 21 Personen verletzt.

In Tokio brannte ein großes Warenhaus nieder. Vierzehn Personen fanden den Tod, mehr als hundert wurden schwer verletzt.