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Ein Nundgang durch Fuldaer Geschäfte.

Nur noch acht Tage bis zu Weihnachten! Da gilt es auch für den Unentschlossenen, sich aufzurappeln und an die „Christkinderchen" zu denken. In den letzten Jahren, wenn ^Weihnachten in Giebt kam, klagten wir zwar darüber, daß wir diesmal ganz bestimmt nicht mehr in der Lagee sein werden, etwas zu schenken. Aber in den letzten Wochen vor dem Fest wird ein solcher Sturm entfesselt, daß dem nur ein steinernes Herz widerstehen könnte. Und das Schenken ist ja in diesem Jahre bei dem festen Stand unse­rer Mark so leicht gemacht, alle Waren sind so erstaunlich billig geworden, daß man wahrhaftig als Fuldaer stolz sein kann auf die Leistungsfähigkeit unserer Geschäftswelt. Wir kaufen natürlich nur da, wo der Geist des Persönlichen und des Vertrauens herrscht, nicht nur aus Gründen der Tradi­tion, sondern in unserem ureigensten Interesse. Der Käu­fer, der einigermaßen auf kultivierten Geschmack Anspruch macht. kauft in keinem Ramschbazar, er läßt sich auch seine Wünsche sozusagen nicht uniformieren, er will wählen kön­nen und fachmännisch beraten sein. Fulda ist auch die Einkaufsstadt für die nähere Umgebung; die drei Sonn­tage vor Weihnachten wurden von jeher gern von unseren ländlichen Nachbarn zum Einkauf benutzt. Sind die Ein­käufe gemacht, dann läßt man sich wohl auch in einer der gemütlichen Fuldaer Wirtschaft nieder und erholt sich von den Anstrengungen der Einkaufsreise. Machen wir daher einmal einen Rundgang durch Fulda mit einigen Stich­proben in der großen 'Auswahl des Eeboten"n. Mr kommen vom Bahnhof; wenn nicht gerade der böse Rück­koppler am Werke ist, vernebmen wir vor der neuen Fttiale des E l e k t r o -H a u s e s Backes die schönste Rundfunk­musik. Radio ist natürlich immer noch Trumpf, wir lallen uns die neuesten Geräte vorführen und nehmen die Ee- leaenheit wahr, uns über die Fortschritte auf elektrotech­nischem Gebiet für Haushalt und Küche, Badezimmer etc. zu unterrichten. Einige Schritte weiter werden wir an Trouts Ecke von einer kleinen Gemäldeausstellung unseres Rhönmalers Pedro Schmiegelow gefesselt. Tante "Emma schwärmt ja nur für „alte Kunst", aber der vorlaute Haus-Joachim rechnet der Tante vor. was die Schmiege- lom'sthen Bilder in 20 oder gar 50 Jahren wert sein wür­den! Ein gutes Bild ist immer willkommen — und ist nicht die schlechteste Kapitalanlage. — Am Kaiser Friedrich- Denkmal wird der brennende elektrische Weilmachtsbaum in Augenschein genommen, er macht sich in der Tat nicht schlecht an diesem Platz. Dabei wird wieder die alte Streitfrage aufgeworfen: „Wachskerzen o^er elektrische Glühkerzen?" kkür die Vereinsweihnachtsbäume sind ent­schieden die elektrischen Lichter vorzuzieben, im eigenen Heim kann es jeder balten. wie er es für gut findet — stimmungsvoller sind i ebenfalls die Wachskerzen — gefabr- los ist iedoch die elektrische Beleuchtung saber bitte nicht in verschiedenen Farbenif. — Während dieser Debatte sind wir am Steinmeg. beim Schirmhaus Grau ange­kommen. Frl. Grau verstellt das Dekorieren aus dem FF., das wurde schon auf der Weih^ochtsmelie verfloßenen An­gedenkens immer anerkannt. Ein Schirm war in unserer Jugendzeit ein recht nüchternes Gestell, einer soll g"s wie der andere. Heute bat jeder Schirm fernen „Gbarn*^“, die Wandlung ist offenbar vom fernen Osten beeinflußt, Japan und China oakmn die ersten Modelle für den „Stil- schirm" ber. Die Schirme sind schöner geworden und — billiger, daher als praktische Eelchenke immer willkommen. Mir hipncrt ein die Zentralpallage. da steht ja nun auch ein Meibnachtsbaum. aber die Kusber Kinder machen sich an der Beleuchtung gern zu schaffen. so daß die „Kerzen" öfter ergänzt werden müssen. In der Central-Dro­gerie finden wir eine reiche Ausmabl von Geschenken. Wer die Wahl hat, hat da tatsächlich die O"ol! Hans- Joachim liebäugelt mit einer modernen Rollfilm-Camera, die jungen Damen schwärmen für br eleganten Par- fümeriepackunaen. „4711" oder „Gegenüber" u"d wie die Marken alle Heiken. Tante Emma ist mehr fürs Altge­wohnte und bleibt bei ihrem Lavendeloeist. den sie schon seit Jabren von Pa"lv bezieht. Die Marttstraße Hot sich seit Kriegsende gut herausgemacht. — mancher alte Name ist ia leider verschwunden, aber viele solide, alte Fuldaer Geschäfte, „Eisen-Ruppel" und wie sie alle beißen, grüßen uns auch in modernster Ausmachung als alte Vertraute und laden zur zwanglosen Besichtigung und zum Kaufe ein.

Vor K a l b ' s am Buttermarkt verliert sich Tante Emma ganz in alten Erinnerungen: „M. Kalb, Sohu, ja, das ist die Firma, wo ich vor 40 Jahren meine Ausstaffierung in Haushaltungssachen kaufte, — ihr wißt ja gar nicht, wie der Buttermarkt damals ausgesehen hat. Seht, Kinder, bei Kalbs mußte man 5 oder 10 Stufen hoch steigen zum Laden, vor der Treppe war ein Kellerloch, das mit einer Viechtür bedeckt war, die Kinder trommelten darauf herum, daß es einen Höllenlärm gab, — und am Eck, bei Höflings, stand die Pumpe, im Winter in Holz und Stroh verpackt, so daß nur der Schwengel und das Wasserrohr hervorsahen. Das gute Meißner Service, das ich damals bei M. Kalb kaufte, lebt heute noch, — das waren noch Zeiten!" Wir besichtigen die herrlichen Luxus- und Cebrauchsgegenstünde der Firma M. Malb Sohn — auch in den besseren Quali­täten sind die Preise so niedrig, daß schon eine große Dosis — sagen wir mal „Massensuggestion" dazu gehört, sich bei landfremden Leuten mit Ausschußwaren einzudecken. Die wenigsten Käufer wissen übrigens, daß bei Artikeln der Porzellan- und keramischen Branche eine mehrfache Sor­tierung stattfindet. Der Laie sieht die Fehler nicht an den aussortierten Stücken, deshalb sollte er schon im soliden Fachgeschäft kaufen, er hat dann die Gewähr, nur beste fehlerfreie Stücke zu bekommen, an denen auch der Kenner seine Freude haben kann. Bei den ausgestellten Backformen kam Tante Emma auf ihre Weihaachtsbäcke- rei zu sprechen, beim Einkauf der Zutaten sollte man auf das Zeichen „Edeka" achten, jedes Stadtviertel hat meh­rere Edekaläden, es gibt dort auch die roten Sammelrabatt- marken. In der Karlstraße hören wir zur Abwechslu rg wieder 5 Minuten Schallplattenkonzert im Funkhaus Leibold. Die Auswahl in Radioapparaten ist riesen­groß, — und wie vereinfacht ist heute die Handhabung! Was war das in den Kindertagen des Radio anno 20/22 für eine umständliche Montage mit dem Drähtegewirr, das sich kreuz und quer durch das Zimmer zog und alles verun­staltete! Heute, ein kleiner, elegant politierter Kasten, der zu jeder Einrichtung passend geliefert wird, ein bißchen Drehen, — und man kann sogar Moskau hören! Hans- Joachim ist zurückgeblieben. er hat eine besondere Asber- raschung, — sein Papa muß sich nach der Decke strecken, — da hat nun der Kleine „dem Glück die Hand geboten" oben am Vuttermarkt in der Elückskollekte von Paul Plap­pert, und einen Glücksbrief von seinem Taschenaeld für Papa gekauft, — am Ende war der Knirps am besten be­raten von allen. Was wäre das 'ne Frepde. wenn .... Toi. toi, toi, beschreiben wir Hans-Joachims Elückslofe nicht! ■—

Die soliden Stricksachen. Marke „Magnet" pflegt Tante Emma in der „Köhlers-Mange" zu kaufen. Franz Köhler in der Löherstratze biete für jeden etwas, vom Baby in der Wiege bis zur Großmutter im Sorgenstuhl findet hier iedes Akter etwas Geeignetes, solid und niedrigste Preise! Für die Wintersportler in der Familie wirb dann noch im Schuhhaus Kind Skibedntt beravs- geiucht und bis zum Hl. Abend zurückgestellt. Hoffentlich gibt's bis dahin kein Tauwetter. E'n derber F"ßball als ergänzendes Geschenk für die angehenden Meistettchafts- spieler wird noch mitgenommen dann wenden wir uns wieder dem Stadtinneren zu. Wir können mit dem Post­auto bis auf den Friedrichsmarkt fahren — aber wir ziehen vor, durch die weihnachtlichen Fuldaer Geschäftsstraßen zu bummeln. Man sollte doch meinen, die Fuldaer müßten soviel ßoWpafriotismits aufbringen können dak sie die alten Fuldaer Namen, die z"m Teil schon seit Jahrhun­derten in der Fuldaer Geschichte einen guten Klang haben, nicht untergeben ließen und in feber Weise unterstützen würden. — An der Karlstraßenecke nehmen wir bei Anton Gutberlet die reich dekorierten Schaufenster in Augenschein und merken uns verschiedene vorteilhafte Angebote für den Weihnachtsbedarf vor. In der Kanal­straße, im Reformhaus L. e et e vergeßen wir nicht die Neuformartikel, — die köstlichen vnoergorenen Trauben­säfte sind in vielen Fuldaer Familien unentbehrlich ge­worden. — auch der Rohköstler kommt bei L. Decke auf seine Rechnung, er findet alles, was er braucht. Auf dem Rückweg fesselt uns in der Mittelstraße die glänzende Aus­lage der Firma Hassinger. Wir finbmt da nicht nur Luxusartikel, sondern auch recht praktische Geschenke, Wecker,

Taschenuhren,' Ahrketten —* abtt alles 'in den • schönsten Formen. Silberne Sachen sind außerordentlich billig ge­worden, — etwas Echtes macht immer Freude. Wir gehen dann durch die Mittelstraße. Im S1 r u in p f h a u s Willigsecker lockt der solide Kinder-, Damen- und Herrenstrumpf. Herrenartikel, Selbstbinder, Kragen und solide Untermenge der Firma Willigsecker haben ihren be­sonderen Ruf und werden von der anspruchsvolleren Kund­schaft immer gern gewählt. In der Friedrichstraße fesselt uns schon das Aeußere des gediegenen Fachwerkbaues der Firma J. Mollenhauer Söhne. Was wäre Weih­nachten ohne die Musikinstrumente und die Musikalien der Firma Mollenhauer! Wir lassen uns in den stilvollen Räumen einige Elektrolaplatten vorführen. Eine große Auswahl in Kleininstrumenten aller Art wartet hier auf die musikalischen Fuldaer. Neben Ehrendiplomen und Auszeichnungsurkunden bewundern wir einen Ausstel­lungsschrank, der die Weltkugel umreist hat mit den er­lesensten Fabrikaten der Firma Mollenhauer. Aber auch die Kindermusikinstrumente, wie Flöte, Geige oder Mund­harmonika finden wir hier nicht vernachlässigt, jedes Stück fachmännisch durchgeprüft und gestimmt. Gute Musik ist kein Luxus und sollte im deutschen Haus gerade in dieser Notzeit wieder mehr gepflegt werden. Es muß ja kein Klavier sein. — eine Mandoline oder Violine sollte jeder musikalische Fuldaer sein eigen nennen. Gegenüber der Firma Mollenhauer, vor der Niederlage der bekannten Nähmaschinenfirma Singer gibt es eine kleine Verkehrs­stockung. Die reizende Puppennähschule ist aber auch zu nett! Für die jungen Brautleute in der Familie wäre wohl so eine echte „éinger“ das praktischste Geschenk. Tante Emma notiert sich in Gedanken den Wunsch der jungen Leute. — mal sehen, wenn keine neue Notverordnung da­zwischen kommt, die Tantchens kleine Pension noch mehr kürzte, wäre darüber zu reden — evtl, mit „Stottern", die Zahlungsbcdinqunam sind ja so leicht gemacht, und man hätte etwas fürs Leben. —

Das Festkleid, den Tamenmantel, die soliden Stoffe kaufen die Fuldaer gern bei der alten Firma H. Bütt­ner, es gibt Tage, an denen sich sozusagen „Ganz Fulda" — wenigstens der weibliche Teil — bei der Firma Büttner trifft. In Fuldaer Bürgerkreisen gehört ber Einkauf bei der Firma Büttner zur Traditio" und es wird auch immer so bleiben. Die sachverständige Tante Emma bringt ihre Erfahrung seit einem halben Jahrhundert auf die fu^e Formel „^as Gute billig — und das Billige gut!" — And wenn's Weihnachten nicht zu einem neuen Mantel langt oder das Kleid ist N'cht mehr so tadellos. da ist guter Rat auch nicht teuer. — für wenig Geld rei"igt Kömvel in der Nonnengaße die Sonntaasiachen. Bis zum Frübiahr geht's dann noch mit, — und bis dahin wird's uns baff-"t: lich im ofeeweHen wieder besser geben. Hans-Joachim hat natürlich vergessen, die mitgegebenen Platten von der stimmungsvollen Familicnaufnahme unter bem Advents­kranz zum Entwickeln in die M a r k t d r o g e r i e zu bringen. Wir kehren deshalb noch einmal um und besuchen die Marktdrogerie am G-mill-markt. Der moder"e Ver­kaufsraum zeigt eine Uebersicht in allen ^titeln bei Branche dgß einem die W"lll wehe tut. Ich für meinem Teil würbe mir e'"iae haschen ber gvt aeGger'ev arr^g, bosUn vom Cbrilttind besiegen No^ etwas W'-ü'iaes haben mir vergesien — aber Herr Müller bat in Telefon­anschluß. und so rufen wir von der Marttdroge^'e aus a": 343^ Kohlenkontor Ferrenbach. schißen Eie gefälligst noch vor dem Feste 10 Zentner R> ßtohlen und IO 2 en^ner Briketts, in der Sorte wie gehabt — almr b’tte nur vormittags. fXa, was ^ärp f,„H dos s-hä-si» Fest ohne ei"e warme Stube. Da hat übrigens ein F"t>-ger. der nicht genannt fein will, an verschiedene Erwerbslose je 5 Zentner Briketts geschickt. — na He Freude von den Leuten! ^er Svender hat zur Lösung der „sozialen Frage" mebr beiaettaaen als alle Theoretiker mit ihren programmatischen Entwürfen. —

N"" ist es 0" jedem ei-zel-mn. die lebte Woche vor dem Feste zu rflegfamer Vorbereitung auszu nützen auf r^ß es gl'en zur F"evde w"rde den Schenkenden und den Be­schenkten. Ein vaar frobe Tage voll Weihnach^sstimmung wiegen viele Wochen ber Sorge auf' — Aber nj-wand sollte mit dem E'n*a"fe seiner ,.CHristki"derchen" warten bis auf die letzte Minute, — die Vormittagsstunden der kommenden Woche wollen tüchtig ausgenützt w"-b'n im allgemeinen Interesse. Spekulatius.

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