Anfällige Kinder.
Von Dr. J. Peiser.
R H.V. Wenn der Sommer vorüber und der Herbst ins Land gegangen ist, dann mehren sich die Erkältungskrankheiten. Diese Beobachtung wiederholt sich in jedem Jahre und erscheint derart gesetzmäßig. daß eine Erkältung oft geradezu schicksalsmäßig hingenommen wird? Namentlich Kinder werden zahlreich von „Erkältung" ergriffen und nicht wenige zeigen eine Ncingung und Bereitschaft „sich zu erkälten".
Solche Menschen, welche sich „sehr leicht erkälten", nennt der Sprachgebrauch „anfällig", und oft wird der Arzl befragt, warum z. B. das Kind „so anfällig" sei uud wie dem abgeholfen werden könne.
Der Begriff der Erkältung ist trotz ihrer Häufigkeit noch star^ umstritten. Viele Ärzte erkennen eine Erkältungskrankheit überhaupt nicht an. Sie vertreten den Standpunkt, daß die sogenannte Erkältung stets auf einer Infektion beruhe, auf einer Ansteckung durch einen anderen, an der gleichen Krankheit leidenden Menschen. In der Tat läßt sich in der Mehrzahl der Beobachtungen eine Ansteckungsquelle in der Umgebung des Erkrankten feststellen, und es ist zweifellos näherliegend, die frische Erkrankung durch Uebertragung von einem anderen her zu erklären, als sie auf einen Begriff zurückzu- führen, dessen Erklärung schwierig ist. Es ist oft nicht leicht, die Ansteckungsquelle ausfindig zu machen, allein bei Kindern gelingt dies häufig. In der Regel sind es die Geschwister, Spielgefährten, die Schulkameraden, die Pflegepersonen, wenn diese mit einem Schnupfen oder einem Katarrh der oberen Luftwege behaftet sind. Keine Krankheit ist so leicht übertragbar als ein „harmloser" Schnupfen, und die Übertragung eines Rachen- oder Luftröhrenkatarrhs durch die beim Husten und Riesen verstreuten Tröpfchen ist der Allgemeinheit noch immer viel zu wenig bekannt. Es ist unbestreitbar, daß in den öffentlichen Verkehrsmitteln zahlreiche Katarrhe übertragen werden, die hinterher als Erkältungskrankheiten gelten, well die ursächlichen Zusammenhänge nicht erkannt woroen sind. So muß auch das häufige Uebergreifen einer „Erkältung" von einem zum anderen Familienmitglied darauf hinweisen, daß eine übertragbare Krankheit vorliegt. Und die Erkältung auf dem Schulweg ist unschwer durch Ansteckung von einem Schulkameraden zu erklären.
Gegen diese scheinbare Erkältung in Wirklichkeit Ansteckung, gibt es ein probates Mittel, das ist die Hustendisziplin. Wenn die Erwachsenen und die Kinder Hustendisziplin üben wollten, wenn sie nicht hemmungslos in den Raum hinein husteten und freitoeg niesten, sondern sich dabei abwenden oder ein Taschentuch vor Mund und Nase nehmen wollten, dann würde die Verstreuung von Tröpfchen und damit die Übertragung von Katarrhen auf ein Mindestmaß zurückgedrängt werden.
Andererseits ist nicht zu leugnen, daß unter gleichen Verhältnissen nicht jeder Mensch sich „erkältet". Zum Zustandekommen der Erkältungskrankheit ist eine persönliche Bereitschaft notwendig. Eine solche wird durch übermäßige, insbesondere einseitige Abkühlung, sowie vollständige oder teilweise Durchnässung geschaffen. Darüber hinaus gibt es Zeiten gesteigerter und verminderter Anfälligkeit. Am sinnfältig- sten treten diese im Kindesalter in Erscheinung. Kleinkinder sind am anfälligsten; die Anfälligkeit läßt erst gegen das 10. Lebensjahr wesentlich nach. Vorausgegangene Erkrankung oder Erschöpfung Hinterlagen für längere Zeit erhöhte Anfälligkeit. Viele Menschen zeigen eine angeborene, anlagemäßig bedingte Anfälligkeit; aber auch unzweckmäßige Ernährung, insbesondere Überernährung mit sogenannter kräftiger Kost und übermäßige Flüssigkeitszufuhr steigern die Anfälligkeit. Zu wenig Beachtung findet immer noch die Tatsache, daß zu dichte Belleidung, namentlich wenn sie vermehrte Schweißabsonderung Heroorrust, die Widerstandsfähigkeit gegen Erkältungskrankheiten herabsetzt. $
Damit ergeben sich die Gesichtspunkte, welche die Erkältungsbereitschaft herabzusetzen geeignet sind. Vermeidung jeder Verweichlichung, zweckmäßige nicht zu dichte Bekleidung, insbesondere poröse UnterUeibung, regelmäßige Hautpflege (mir wissen heut, daß die Haut für die Abwehr von Erkrankung eine besondere Rolle spielt) mäßige Ernährung ohne Festlegung auf bestimmte Systeme, jedoch unter Beachtung frischer Gemüse und frischen Obstes, Frellustgymnastik. Sog. Abhärtung durch Wasserprozeduren wird oft übertrieben, wertvoller ist Abhärtung durch Lufteinwirkung. In diesem Sinne wirkt auch eine Erholungsreise, wenn sie mit einem Klimawechsel verbunden wird. Es muß nicht eine Sommerreise sein, auch eine Winterreise kann Anfälligkeit heabsetzen. Wer im einzelnen Beratung wünscht, erhält sie am besten bei dem Arzt seines Vertrauens, der seinen Stolz darein setzt, Krankheiten nicht erst zu Hellen, sondern schon zu verhüten.
Gedenket der hungernden Vögel! Vor allem vergeßt nicht, sie bei Glatteis und Schnee zu füttern. Kein frisches Brot, keine Kartoffeln zum Füttern verwenden!
Der Erbauer des Eiffetturmes.
Zur 100. Wiederkehr von Gustave Eiffels Geburtstag.
Am 15. Dezember 1832 wurde in Dijon der Ingenieur Alerandre Gustave Eiffel geboren. Größere Eisen- konstrnktionen, besonders der Bau eiserner Brücken und Viadukte in Frankreich und in Portugal, hatten ihn frühzeitig weit bekannt gemacht. Ferner schuf er den Staats- bahnhof in Budapest, den Pavillon der Stadt Paris für die Weltausstellung 1878 und die 100 000 Kilogramm schwere, leicht von einer einzigen Person bewegbare
Blick aus den Eiffelturm.
Kuppel auf dem Observatorium'in Nizza. Seinen Ruhm aber schuf der nach ihm benannte 300 Meter hohe eiserne Turm, den er zur Pariser Weltausstellung von 1889 auf dem Marsfelde errichtete.
Der bis zur ersten Etage reichende Unterbau des Eiffelturmes hat die Form einer vierseitigen abgekürzten Pyramide, deren Grundfläche ein Quadrat von 129,22 Meter Seitenlange darstellt. Die erste Plattform, die ein Quadrat von 65 Meter Seitenlänge bildet, liegt 57,63 Meter über dem Boden. Der mit Skulpturen und Malereien geschmückte Raum dient als Restaurant. Ganz ähnlich, nur mit steiler ansteigenden Eckpfeilern, ist auch die abgekürzte Pyramide der zweiten Etage konstruiert. Der Fußboden liegt hier 115,73 Meter über der Erde. Diese zweite Plattform hat 30 Meter als Quadratseite und ist als Glassalon ausgeführt; sie enthält ein Büfett. Von nun ab nähern sich die vier Pfeiler immer mehr und verschmelzen in 190 Meter Höhe zu einem einzigen, der das dritte Stockwerk (276,13 Meter hoch) trägt. Es hat eine Quadratseite von 16,50 Meter und besitzt vier vorspringende Balkons, von denen aus man eine Aussicht von 140 Kilometer Weite hat. Von diesem letzten Raume, der dem Publikum zugänglich ist, führt eine Wendeltreppe zu mehreren Laboratorien. Hierüber liegt der Leuchtturm mit festem Feuer und sich drehenden blauen, weißen und roten Scheiben. Große elektrische Scheinwerfer gestatten die Erleuchtung eines Umkreises von 10 Kilometer zur Nachtzeit. Über der Kuppel des Leuchtturmes liegt in 300 Meter Höhe über der Erde eins Terrasse von 1,40 Meter Durchmesser, die wiederum wissenschaftlichen
Beobachtungen bient7 Die Zahl 5er Stufen" bis Mr Spitze des Turmes beträgt 1792. Das Gewicht des Turmes mit allen zugehörigen Teilen beträgt etwa neun Millionen Kilogramm. Die Baukosten betrugen 614 Millionen Francs.
In seinen letzten Lebensjahren — er starb erst 1923, wurde also über 90 Jahre alt — ging es Eiffel schlecht'. Er, der nach der Erbauung des Turmes hochgeehrt worden war, wurde in dem berüchtigten Panamaprozeß wegen mißbräuchlicher Verwendung von Geldern der Panamagesellschaft zu zwei Jahren Gefängnis und einer hohen Geldstrafe verurteilt. Das Urteil wurde dann vom Kassationshof wegen Verjährung aufgehoben, aber mit bem Ruhme des großen Ingenieurs war es vorbei.
Lied der Schiläufer.
Von Anton Fendrich.
Wir sind Frau Holles Husaren, Die Ritter vom schwarzen Brett, Wir jagen, wir fliegen, wir fahren Mit Teufel und Tod um die Wett'.
Am Duck steht unsere Hütte, Die Hütte ist unser Schloß, Dort satteln wir zum Ritte Das schmale Flügelroß.
Der Sturm ist unser Trompeter,
Der Hunger unser Koch, Winsbräute hat ein jeder — — Die Bräute warten noch.
Und schlägt das Herz, das volle,
Uns doch einmal zu heiß, So schlägt unsre Herrin, Frau Holle, Um uns einen Harnisch von Eis.
Es pflügen die schwarzen Bretter Sich Furchen im weißen Feld-- Aus Menschenaugen seh'n Götter Die lohende neue Welt.
So jagen wir Husaren, Am Wald äugt still ein Reh-- Frau Holle, wir offenbaren Dein Geheimnis vom Feuer und Schnee.
Turnen, Sport und Spiel.
Von 50 000 Wienern begrüßt wurde Österreichs National- FußbaUelf bei ihrem Eintreffen in Wien Am Bahnhof wurde die Mannschaft durch den Bundeskanzler Österreichs, Dollfuß, feierlichst in Empfang genommen In den Straßen kamen die Wagen, in denen die Els saß nur schrittweise vorwärts, so stark war die Anteilnahme der Wiener Bevölkerung
Gute Wintersporlbedingungen findet man im Augenblick nur in den höchsten Lagen der schlesischen Gebirge sowie in den bayerischen Alpen im Zugspitzgebiei In den übrigen Gebirgen kann bei der nur geringen Schneehöhe Ski- und Rodelsporl im allgemeinen nur stellenweise ausgeübi werden; im Erzgebirge haben geringe Neuschneefälle Die Sponverhält- niffe etwas verbessert. Aus Dem Schwarzwald und Den westdeutschen Gebirgen liegen keine neuen Meldungen vor. In der Schwc i z herrscht fast überall ausgezeichnetes WWW weiter; es ist nicht sehr kalt Dort, dafür ist aber Die Schneelage überall ausreichend.
Der Deutsche Damenruderverband wird sich auf Grund eines Beschlusses feiner Hauptversammlung dem Deutschen Ruderverband anschließen. Die Führung wird ein Unterausschuß für Frauenrudern im DRV. übernehmen. Beim Verbandstag in Hamburg sollen folgende Forderungen vertreten werden: 1. Der Unterausschuß wird nur von Frauen gewählt; 2. der Vorsitz wird einer Frau übertragen; 3. die Vorsitzende des Unterausschusses muß dem Hauptausschuß des DRV. angehören; 4. die Frauen haben in Dem neuen Unterausschuß eine Dreiviertelmehrheit. Die Meisterschaftsregatta der Frauen soll 1933 in Leipzig ausgetragen werden. Der DRV. wird durch den übertritt um 48 Vereine mit 3000 Mitgliedern verstärkt.
Die vom Heidehof.
Romano. HenrietttBreH.
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27) (Nachdruck verboten.)
Nein, wir müssen es lernen, die kleinen Freuden des Lebens dankbar anzunehmen. Aus einzelnen Steinchen müssen wir uns das Haus des Glückes bauen. Wenn wir nicht mitten in der Sonne wohnen dürfen, so sollen wir uns doch an jedem lieben Sonnenstrahl freuen, der unser Dunkel erhellt!" Gertrud nickte. Und senkte dann beschämt den Kopf. „Du hast recht Aloys. Ich denke nur nicht immer daran. Es ist so schwer... so schwer--"
„Versuch es nur!" ermutigte er. „Du hast eine starkmütige Seele. Aber denk nicht mehr, keiner brauche dich. Sag, wer schreibt wohl schönere Briefe ins Feld? Bernd würde deine hübschen Episteln doch sehr vermissen. Und erst Clemens, der arme Schelm! Nein. Gerta, es mag dich keiner entbehren. Ich wette sogar, du mußt der Hanne ihre Briefe an den Schatz aufsetzen, was?"
Sie lachte hellauf.
„Da irrst du aber ganz gewaltig, Aloys! Die Hanne ist mir über! Sie kam freilich zu mir mit der Bitte, und ein paarmal hab ichs auch versucht. Aber mein Stil genügt dem poetischen Gemüt unserer Hanne offenbar nicht. Sie schüttelte verlegen den Kopf, als sie mein Geschreibsel las, und lächelte — weißt du, so ein bißchen mitleidig. Und sagte: es sei ganz nett, aber so komisch und einfach, so gebildet. „Nee, dat is nix for mein August, der is wat Besseres gewohnt. Dat muß so’n bißchen pötisch (poetisch) sein! Er is nämlich arg für die Pösie. Vorigte Woch' hat er mir so'n Versken von Drei Röslein rot geschrieben. Nee, ick will et doch man lieber alleinig tun!" — Also schmählich blamiert habe ich mich."
Aloys lachte. „Siehst du, von Liebesgeschichten laß de,ne Finger nur schön! Da bist du nicht sachverständig."
Gertrud errötete flüchtig und wechselte schnell den Gesprächsgegenstand.
Von Clemens iprachen sie, wie so oft.
„Er hat dir also nicht geantwortet?"
„Nein, Gerta. Aber ich hab's gestern zum zweiten Male versucht. Habe auch Richard die Adresse von Clemens mitgeteilt. Die liegen zwar weit auseinander, aber Richard kann ihm dann doch wenigstens schreiben."
Er blätterte in einem Buche, das er von der Fensterbank nahm, warf aber bet dem Erwähnen von Richard L^esefeld einen forschenden Blick auf Gerta, deren Gesicht plötzlich wieder einen müden Ausdruck hatte. _
Armes Kind... Sie schien es noch immer nicht verwunden zu haben.
Ueber Getrud Heidgers Lippen war nie ein Wort gekommen von ihrem verschwiegenen Weh, das sie sich selbst nur mit brennender Scham eingestand. Nie hätte sie es verraten, auch ihrem vertrauten Freund nicht, daß ihr heißes Herz, ihre Frauensehnsucht Hände ausstreckte nach einem Glück, zu dem es für sie keine Brücke gab.
Aber dennoch hatte sie es oft gespürt, daß ihr Jugendfreund um ihr heimliches Herzweh wußte und in seiner zartfühlenden Weise ihr half, zu gesunden.
Nicht ohne Erfolg. Mehr und mehr lernte das aufsässige Herz schweigen . . lernte Gerta das riMjige Lächeln der Entsagung. Aber ganz wollte die Wunde sich noch immer nicht schließen.
Unschlüssig sah Aloys sie von der Seite an. Dann sagte er, anscheinend ganz unbefangen:
„Ein prächtiger Mensch ist übrigens der Richard. Strebsam, menschenfreundlich, eine durchaus offene und ehrliche Natur. Dabei das sonnige Gemüt! Für einen Arzt ist das ein wahrer Schatz, für seine Kranken ebenso gut wie Arznei. Menschen seiner Art brauchen wir in unserer kranken und trüben Zeit. Was meinst du, Gerta?"
„Weiß nicht. Hab ihn lang noch nicht gesehen," erwiderte das Mädchen kurz.
„Aber du kennst ihn doch! Er ist noch genau so warmherzig wie früher. Gott erhalte ihm seinen frohen Sinn! Wir beide aber wollen von fern mit herzlicher Anteilnahme die Laufbahn unseres Jugendfreundes verfolgen, gelt, liebes Schwesterlein?"
Sie nickte nur stumm, sah ihn aber nicht an.
„Ich wünsche nur," fuhr Aloys fort, „daß unser Herrgott ihm später ein schönes Familienleben schenkt, eine liebevolle, fröhliche, gesunde Frau! Denn ein Arzt sieht und erlebt draußen so viel Leid und Siechtum, tut so viel Einblicke in hoffnungsloses Elend, in Schuld und Laster und zerbrochenes Menschentum, daß fürwahr ein starker Mut dazu gehört, noch an das Gute und Gesunde, an den Aufstieg zu glauben. Da sollte er wenigstens in seinem Heim Gesundheit und Frohsinn und Verstehen finden, sonst muß er ja zusammenbrechen."
Er schwieg und beschaute aufmerksam die Lenkstange des Fahrstuhls.
Gerta wandte ihm langsam ihr Gesicht zu, dessen aufsteigende Röte allmählich einer tiefen Blässe wich.
Sie hatte verstanden . .. Aber offen und frei schauten ihre dunklen Augen ihn an.
„Ja, Aloys," antwortete sie leise. „Das wollen wir ihm von Herzen wünschen." —
Draußen hob sich der Wind. Staub flog herein. Der Him» me^überzoL sich dunkel.
„Jetzt muß ich aber eiligst heim, Kind, ehe das Gewitter 'losbricht. Du bist Ü^ch nicht bang, Gerta?"
„Nein. Auer, Aloys, du darfst nicht gehen; Mutter würde schön schimpfen. Du bist doch nun einmal ihr Liebling. Sie muß jeden Augenblick kommen. Aller Zorn würde sich ja über mein schuldiges Haupt entladen wenn ich dich gehen ließe." v
Der junge Mann lachte, griff aber zum Hut.
„Danke, Gerta, heute nicht. Vielleicht morgen. Ich habe ja noch zwei ^erientaae mo^nr« Muster ist otsein m Amts. Seit sie gichtgelähmt im Sessel sitzen muß, ängstigt sie sich vor Gewittern. Also leb wohl, Kind."
Er bot ihr die Hand.
„Dann freilich muß du gehen. Bis morgen also, gelt? . ; - Aloys," fügte sie leise hinzu und hielt seine Hand noch fest, „ich danke dir. Du weißt in allen Dingen die rechten Worte . . . Und verstehst alles."
Er strich ihr leicht mit der Hand über's Haar.
„Ich möchte dich gern glücklich sehen, Kind. Und du wirst es auch noch einmal!"
Sie lächelte mehmütig.
„Doch, Schwesterlein, auch deine Stunde kommt noch. Wenn später einmal — ewig kann dieser unselige Krieg doch nicht währen, Gerta — wenn Bernd seine Trina heimgeführt hat . . . die Trina Brinkhoff ist doch ein gutherziges Mädchen, die wird dir keinen Spahn in den Weg legen — und wenn dann hier mal so ein paar Blondköpfe herumspielen .. sag, Gerta, fängt dann nicht deine Aufgabe, dein Leben an? Ein Kind ist für jedes weibliche Gemüt, auch ohne leibliche Mutterschaft, etwas Köstliches, Heiliges! Ich glaube, dir wird die Hauptarbeit zufallen. Denn die Mutter hat die Hände voll Arbeit und wird dir gern diese Kleinode anvertrauen. Kleine weiße Seelchen zu bilden, das Erwachen des Geistes zu beobachten, täglich Wunder zu erleben .. . geliebt werden, und später, wenn sie heranwachsen, den jungen Seelen Führerin zu sein — -*- Gerta, ist das kein reicher Lebensinhalt? ... Ja, ich wiederhole es: du wirst noch einmal glücklich werden!"
Er warf einen Blick durch's Fenster.
„Da fallen schon die ersten Tropfen! Nun, 's ist nur em Sprung bis zu uns. Ich lauf’ schnell über die Wiesen. Grüge die andern. Bis morgen!"
Gerta saß still da und schaute ihm durchs Fenster nach, w'.e er jenseits des Gartens mit langen Schritten die Wiese überquerte und drüben zwischen den Kopfweiden verschwand.
Ein feuchter Glanz stand in ihren Augen. Die Hände lagen still gefaltet.
„Du wirst noch einmal glücklich werden," hatte er gesag-
(Fortsetzung folgt.)