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Corrida de Toros.
Skizze von Alexander von Keller-Wien.
„Eldictador... Elimparcial... Corridadetoros ..." schrien die Zeitungsjungen und huschten vorbei, als sürchteten sie, irgend wohin zu spät zu kommen.
Ich lag vor der alten Kirche in Zacatecas in Mexiko. Neben mir saß der Berliner Ingenieur Walter Kruse. Wir betrachteten die Menschen. Rote Ponchos, hellblaue Rebozos, weiße schwarze und gelbe Gewänder verwoben sich im Licht zu wandernden, farbigen Klecksen unter der Sonne, die ihre Strahlen unerbittlich zur Erde schleuderte. Unter den alten Bäumen war es trotzdem kühl. Die Blumen wiegten sich leise im Winde. Zierliche Kolibris flitzten durch die Luft und flatterten wie Schmetterlinge. Die Blüten dufteten betäubend, And das Waffer der Springbrunnen führte ernste, geflüsterte Selbstgespräche. Wir träumten, bis Kruse aufsprang. Er war manchmal ruhelos und neugierig, und das Wort „Corrida" riß ihn fort. „Das müssen Sie sich ansehen", sagte er und zog mich hinaus in die Sonne.
Wir trabten durch die Stadt, die lange Alameda hinab — mitten in einer Menschenmenge. Es waren Spanier, Indios und zwischen ihnen die dreiundzwanzig Mischungsprodukte, die sie im Laufe der Jahrhunderte geschaffen. Von einer nahen Hazienda ritt der Patron — hinter ihm seine Administradores, hinter diesen ihre sechshnndertsünfundzwanzig Ayudantes. Es war ein Glück, daß die keine Begleitung mehr nötig hatten.
Wir kamen an die Kartenschalter, kleine turmähnliche Gebäude mit Schießscharten. Mit den Fingerspitzen reichte man das Geld hinein — mit den Fingerspitzen schob der unsichtbare Kartenvertäufer die Karten heraus. Alles praktisch angelegt, damit niemand den Revolver hineinschieben kann ...
Mexiko ist das Land der Sonne. Für den Schatten muß man zahlen. Die Plätze in der Sonne — Sol — kosteten drei Pesos, die im Schatten — Sombra — zehn.
Bor uns stand ein riesiger, schmuckloser Holzbau. Wir gingen durch eine Kette von schwerbewaffneten Soldaten, eine weitere Kette schwatzender Indios, und dann standen wir bc- säubt in der riesigen Arena — betäubt vom Licht und von Farben, vom Brüllen und Schreien.
Irgendwo ganz oben sind unsere Plätze. Ein alter Herr, in einem anderen Land, ein würdiger Senator, zeigt zwischen den Sitzen umher, hält einen Trichter an den Mund und brüllt; er brüllt, was ihm gerade einfällt, vollkommen würdelos und lächerlich. Er ruft den Leuten auf der Sombra-Seite Beleidigungen zu. Bon drüben antwortet ein zweiter Methusalem, und das Publikum gröhlt.
Endlich ebbt der Lärm ab. In eine weit in die Arena geschobene Loge tritt der Alkalde, neben ihm ein Trompeter. Ein langgezogenes Trompetensignal. Eine Tür an der Sombra fliegt auf, und die Stierkämpfer ziehen in die Arena. Faschrngsumzug. Von der Höhe sehen sie bum aus. Hinter ihnen traben zehn angeschirrte Maultiere — das Todesgespann; sie werden den toten Stier aus der Arena schleifen.
, Ein langweiliges Tücher- und Hüteschwenken — ein endloses Geschrei — alles zusammen erinnert an Szenen auf einem Bahnhof am Sonntagnachmittag. Dann ein zweites Signal — da ist der Stier auch schon in der Arena Er senkt den Kopf, trommelt mit den Borderfüßen und schwenkt den Schweif. Das ist seine Begrüßung. Das Publikum brüllt; der Stier bleibt regungslos stehen und lauscht. Er scheint den Eindruck zu haben, daß es Geschöpfe in seiner Nähe gibt, die dem Tollhaus entsprungen sind.
Dic^CaPeadores schleichen um ihn herum wie bösartige Hunde. Sie winken mit bunten Tüchern und geben sich alle Mühe. Der Stier dreht sich um und geht in eine Ecke.
Ein Schatten nähert sich chm von rückwärts, ein Mann zu Pferd mit einer langen Lanze. Er reitet ein elendes Pferd, das widerwillig vorwärts geht. Aber der Stier hat Mitleid mn der Kreatur. Er beschnüffelt den Gaul, senkt den Kopf und bleibt ruhig... bis ihn der Picador mit der Lanze ins Genick zu stechen beginnt, bis das gequälte Tier sein Mitleid vergißt und wie aus einer Kanone geschossen gegen das Pferd anrennt. Ein dumpfer Krach — das Roß liegt am Boden, und der Stier stürmt weiter, gegen die Capeadores, die ihren
Vom Tiergarten in uns.
Von Dr. E. Feige- Breslau.
,Mie die andere Hälfte lebt", beschrieb Professor Rover! .Hegner kürzlich in einem Vortrage: Er meinte damit die große Zahl der im Menschen lebenden, mit dem bloßen Auge unsichtbaren kleinsten tierischen Lebewesen, die 25 verschiedenen Ordnungen von Urtierchen, Protozoen. Obwohl wir es faum merken, bilden wir fast alle dauernd die Heim- und Nahrungsstätte dieser Mitbewohner unserer Eingeweide. Manche diese: kleinen Kostgänger sind harmlos, manche vielleicht auch unsere Freunde, manche aber können zu sehr ernsten Feinden unseres Daseins werden. Es ist, wie Hegner sagte, nicht richtig, irgend einen Verwandten oder Kollegen als ein einziges Individuum anzusehen, er bildet in Wirklichkeit einen ganzen Tiergarten, nur daß seine Insassen wegen verschlossener Türen für uns nicht sichtbar sind.
~ Diese winzigen Mitbewohner des Menschen- und auch des Tierkörpers wählen teils unsere Verdauungsorgane, teils die Blutbahn als Aufenthaltsort. Sie treffen also eine bestimmte Auswahl, sie sind genau so wie der sie beherbergende Mensch selbst auf eine bestimmte Nahrungs- und Wohnungsumwelt angewiesen. Und gerade unter den mundbewohnenden Urtierchen lebt ein Verräter, der bei Verfeinerung unserer Unter- suchungsmethoden manchmal unangenehm werden könnte. Einc Art dieser Protozoen, die Amöben ohne feste Körperform, leben in dem den Zahnorund umgebenden Weinstein, und sie können nicht anders als durch unmittelbare Berührung von Mund zu Mund übertragen werden. Wer also jemals solche Mund- amöben erworben hat^mus; auch schon Küsse verteilt haben. Für den gerichtlichen Schuldnachweis ergibt sich daraus einc wichtige Schlußfolgerung. Reben dieser indiskreten Amöbe lebt übrigens in unserem Munde noch ein zweiter Vertreter der Urtierchen, ein sogenanntes Geißeltierchen, das an seinem Körperendg eine feine Schnur trägt Auch über diesen Mit bewohner brauchen wir weniger zu erschrecken als über die Zahlreichen Bakterien in der Mundhöhle, weil er harmlos zu sein scheint, obwohl er bei Kranken häufiger auftritt als bei Gesunden.
Toch auch der Aufenthalt in einem so geruhsam erscheinenden Wohngebiet, wie es der menschliche Körper vorftèllt, muß erkämpft werden. Zwei Ordnungen von Urtierchen leben in unseren kleinen Eingeweiden und sind dort durch den sich lebhaft fortschiebenden Nahrungsbrei mit dem Hinauswurf bedroht. Die eine Form, wiederum ein Geißeltierchen, hat sich deswegen eine Saugscheibe angeschafft, mit der sie sich an der Eingeweidewand festklammert, während die andere Forni — zu de: Gruppe dèr Coccidien, die auch die rote Ruhr des Rindes veruUacheqi, gchörig —.sich durch.Eindringen in-ie Wandzellen
Heldenmut vergessen und blitzschnell über die Holzplanken klettern.
Das Pferd wird abgeschlcppt, und der Stier trabt langsam in die Mitte der Arena. Er mustert mit kleinen, wilden Augen die lächerlichsten Figuren des grausamen Spiels: die Bandcrilleros. Er sieht sich die Leute genau an — stürzt plötzlich vor, mit donnernden Hufen, und jagt die Nachfolger Don Quichottes über die Planken. Er trabt einmal um die Arena. Da kommen die Banderilleros zurück, und nun geht es blitzschnell. Wütend versucht der Stier den Stichen der Banderilleros zu entkommen. Aber es sind ihrer zu viele. Sie fallen ihn von allen Seiten an; sie quälen ihn, bis er schwer atmend stehen bleibt und unwillig den Kopf schüttelt. Ein Trompetenstoß — der Toreador steht vor dem müden, abgehetzten, verzweifelten Tier. Ein rotes Tuch flattert, wird jäh weggezogen. Eine lange Klinge blitzt in der Sonne und verschwindet. Ein langer, jammernder Schrei fliegt durch die Stille. Der Stier hebt den schweren Kopf und sieht hilflos umher. Er sucht vergebens nach Menschlichkeit. Er schüttelt sich, tritt einen Schritt zurück und bricht mit dumpscn Krach nieder.
Die Hölle ist los. Das Publikum rast vor Begeisterung. Hüte, Uhren, Ringe, Armbänder, Fächer, Handschuhe, Blumen, Münzen fliegen in die Arena. Walter Kruse steht neben mir, brüllend wie ein Scewart, und schleudert Gegenstände in die Tiefe.
Wir stehen wieder im hellen Sonnenlicht auf der Straße. Pfui Teufel — ich fühle einen salzigen Geschmack auf der Zunge, und ein tiefer Ekel überkommt mich. „Ihre Begeisterung", sage ich grollend zu Kruse. „Ich muß fo' /
„Ah", meint Krufe, „das war eine Kleinigkeit. Ich hab, dem Toreador nur zwei Schuhe, einen Hut, eine Weste, einer Trichter, eine Jacke, eine Hose und eine Tabaksdose zugeworfen."
„So? Ich bedauere Sie wirklich."
„Mich?" lacht Kruse dröhnend. „Bedauern Sie liebe: den alten Kerl, der neben mir gesessen und so begeistert getan hat! Die Sachen gehören nämlich ihm."
Die „Schwarze Ferkel"-Runde untersucht die Erdgestalt.
Eine lustige Strindberggeschichte von Alfred Hein.
In den literarisch kriegerisch-bewegten Jahren 1892 und 1893 hatten deutsche Freunde Strindberg nach Berlin geholt. Schon waren die beiden in Frauenhaß anklagenden Dramen des Schweden „Der Vater" und „Fräulein Julie" von der Freien Bühne aufgeführt. Der Berühmte erschien trotzdem unglücklich und mißtrauisch, von Geldnot verfolgt, an der Spree und ließ sich zunächst einsam und wie fast immer mit der Welt zerfallen in Friedrichshagen nieder. Doch heiterte bald die viel besungene Tafelrunde im „Schwarzen Ferkel" in der Wilhelmstraße den Dichter auf.
Hier fand er den norwegischen Maler Edward Munch, die nordischen Dichter Adolf Paul und Holger Drachmann, den Polen Prszybyfzewski und das deutsche Dreigestirn Richard Dehmel, Otto Erich Hartleben, Karl Ludwig Schleich. Wenn diese erlesene Runde allein versammelt war, öffnete Strindberg den Freunden die sonst ängstlich verschlossen gehaltene Seele, ja er begann mit Schleich um die Wette Lieder zur» Gitarre zu singen, und restlose Glückseligkeit spiegelte sich aus dem Dichterantlitz, wenn nach Mitternacht Prszybyszewski sich ans Klavier setzte und mit Schumanns „Ausschwung" die Seelen emporriß. Denn er liebte wie Kleist und Shakespeare die Musik über alles.
Strindberg verlebte — er hatte sich gerade von seiner ersten Frau scheiden lassen — in Berlin das glücklichste Jahr seines Lebens. Nur wenn in den fröhlichen Kreis des „Schwarzen Ferkels" neugierige Fremde eindrangen, verschwand der Dichter mit seinen deutschen Busenfreunden Otto Erich und Karl Ludwig, um in einem kleinen Nebenzimmer tiefsinnige Gespräche zu führen.
„Warum haßt Du die Frauen?" fragte Otto Erich Hartleben einmal bei solcher stillen Gelegenheit, als Strindberg gerade ein schwedisches Liebeslied vor sich hin summte. — der Eingeweide hilft. Zum Glück sind diese keineswegs harmlosen Insassen unseres inneren Tierparks beim Menschen seh: selten. In den großen Eingeweiden haben sich aber schon zehn verschiedene Ordnungen von Urtierchen angesiedelt, deren Lebensgang sich sehr ähnelt. Auch sie können wir zumeist als harmlose Kostgänger bezeichnen, wenngleich zwei Formen, je eine Amöbe und ein Wimpertierchen — so benannt wegen des zur Fortbewegung dienenden Wimpersaums am Körperrande —, die oft tödlich verlaufende Dysenterie verursachen können. Durchschnittlich beherbergt der zehnte Teil der Bevöl- kerung die für die Ruhr verantwortliche Amöbe, wegen de: wechselnden Körpergestalt auch deutsch als Wechseltierchen zu bezeichnen; doch ist der Körper gewöhnlich stark genug, diese unangenehmen Gäste im Zaum zu halten. Immer gelingt bas jedoch nicht; das besonders starke Auftreten dieser Ruhr in Tropengebieten zeigt, daß besondere Lebensumstände in den verschiedenen Wohngebieten die Widerstandsfähigkeit bes menschlichen Körpers erschüttern können. Der andere Ruhrerreger, wieder zu der Gruppe der bewimperten Urtierchen gehörig, ist dem Menschen mit den Affen und Schweinen gemeinsam. Letztere, die sehr oft als Wirte dieser Form bienen, werden von ihren Kostgängern offenbar wenig behelligt, doch können empfindliche Menschen die ^ur Vermehrung dienenden Dauersporen aufnehmen und an der Ruhr erkranken. Trotzdem brauchen wir im allgemeinen nicht ängstlich zu sein. Obwohl gerade diese Urtierchenform in unserer Nahrung und im Trink- ivasser häufig vorhanden ist und so in den Körper gelangt, sind bei uns die Ruhranfälle doch nicht sehr häufig. Für empfindliche Personen ergibt sich aber die Regel, nur gut gekochtes Schweinefleisch und gekochtes Wasser zu sich zu nehmen.
Auch bei den anderen Eingeweideprotozoen scheint die Kostgängerei harmlos zu verlaufen, obwohl bis zur Hälfte alle: Menschen in manchen Gebieten ihre Träger sein können. Vielleicht gibt es noch Ueberraschungen, bisher hat man aber vor besonderen Schädigungen wenig wahrgenommen. Jede Veränderung der Lebensweise kann aber günstige Bedingungen für eine gefahrdrohende Entwicklung unserer unfreiwilligen Gäste schassen, sofern das natürliche Gleichgewicht zwischen den Kräften des Wirtes und des Gastes gestört wird. Merkwürdig ist es jedoch, daß diese Einwohner dèr großen Eingeweide bei den fleischfressenden Tieren selten beobachtet werden, um sc häufiger dagegen bei den Pflanzenfressern. Das gab den Anlaß zu genaueren Versuchen, um die Einflüsse der in der Nahrung enthaltenen tierischen Eiweißkörper auf die Unterdrückung dieser Eingeweidetierchen und umgekehrt der in der pflanzlichen Nahruna vorherrschenden .Kohlehydrate auf die Förderung der kleinen Schmarotzer zu erkennen. Besonders das Kasein, der Käsestoff, scheint sehr günstig zu wirken, denn eine daran reiche Kost vermochte manche der Cingewetde-Lrtivrchen
„Vielleicht", äußerte der Dichter leise, und das sonst gewöhnlich offiziersmäßig bärbeißige Gesicht mit dem Katcrschnurr- bart erhielt schöne verträumte Züge, „weil ich sie zu sehr hebe... Weil ich in jeder Frau, für die ich mich begeistere, das weibliche Ideal suche unb. mich, wie es nicht anders sein kann, bald jämmerlich enttäuscht sehe."
„Mensch, machst Du Dir das Leben unbequem!" prostete ihm Otto Erich zu. Karl Ludwig meinte, er müsse zwar als Mediziner, von der Unvollkommenheit der menschlichen Fähigkeiten überzeugt, Strindbergs Streben nach den Idealen für geradezu unnormal erklären; jedoch werde man bald erkennen, daß der Dichter mit seiner Nietzsche-Peitsche zum mindesten zur Vervollkommnung fraulichen Fühlens und Liebens beigetragen habe. Denn nicht die, um mit Goethe zu sprechen, bringen die Welt vorwärts, die sich im Ueblichen und Breitgetretenen zurecht finden, sondern jene, die wie Strindberg immer wieder das menschlich Unmögliche von ihr ertrotzen wollen.
Otto Erich konnte sich aber noch immer nicht beruhigen und fragte Strindberg, ob er denn glaube, je eine vollkommene Frau zu finden, er, der sonst von nichts überzeugt sei, was er nicht mit eigenen Augen gesehen und erkannt habe.
Obwohl alle drei schon viel getrunken hatten, schwieg Strindberg plötzlich sein von den Freunden als unvergeßlich und unnachahmlich geschildertes würdiges, in sich zurückgezogenes Schweigen. Karl Ludwig-Schleich fürchtete, Strindberg würde im nächsten Augenblick hochspringen uns, wie es dann seine niemand schonende Art war, einfach grußlos davon laufen. Er lachte daher jäh hell auf, klopfte dem Dichter auf die Schulter und sagte: „Ja, unser großer August, er glaubt bestimmt nicht einmal, daß unsere Erde eine Kugel ist."
Strindberg trank sein Glas aus, sah über die beiden Köpfe der Freunde hinweg in die Ferne und zischte dann verächtlich unter seinem Schnauzbärtchen hervor: „Das ist ja alles Bücherwissen. Wer von Euch will mir das ernsthaft beweisen?"
Der dicke Hartleben preßte seine Hängebacken sinnend in den hohen steifen Kragen, den man dazumal trug, so daß sich ein dreifaches Kinn bildete, und sprach: „Det wollen wir gleich haben. Jetzt ist es halb drei Uhr nachts, da ist die Friedrichstraße vom Belle-Alliance-Platz bis zum Stettiner Bahnhof wie leergefegt. Ick nehme den langen Besen vom Schwarzen- Ferkel-Wirt und stelle mich an der Kreuzung Leipziger Straße auf. Ihr aber legt Euch Unter den Linden auf den Bauch und gebt acht, wie mein Besen gleich einem Segel auf dem weiten Meer langsam entschwindet, wenn ich mich auf den Belle-Alliance-Platz hin zurückziehe..."
Das Trio war so weinfröhlich, daß der Vorschlag zur Tat wurde, zumal Strindberg keineswegs im Scherz, sondern immer wieder mit eigensinnigen Gegenbeweisen an seiner vorgefaßten Meinung festhielt. Schleich und Strindberg legten sich wahrhaftig im Morgengrauen Unter den Linden auf den Bauch und hielten nach dem besenbewaffneten Hartleben Ausschau, der sich langsam nach der Leipziger Straße entfernte und schließlich dort postierte. Schleich begann Strindberg einen wissenschaftlichen Vortrag über die Erdkrümmung zu halten. Die Demonstrationen durch Otto Erichs Besen aber mißlangen, weil der Dichter des „Rosenmontag" doch schon so vollgeladen hatte, daß es ihm nicht mehr möglich war, an der Leipziger Straße still zu stehen.
Strindberg wurde über den Wankenden wütend und brüllte mit einer Stimme, die einem Oberst aus den Schweden- heeren des Dreißigjährigen Krieges Ehre gemacht hätte, die Friedrichstraße weit hinunter einen echten schwedischen Fluch. Darob hielt zwar Otto Erich in seinem Schwanken nicht inne, aber vom Brandenburger Tor her kam auf das Gebrüll des Dichters eine berittene Schutzmann-Patrouille angeraff, und im nächsten Augenblick wurden Schleich und Strindbc^a aus ihrer wissenschaftlichen beobachtenden Bauchlage von harten Polizistenfäusten emporaerissen.
So hat die preußische Polizei, die im übrigen, nachdem Karl Ludwig Schleich - sich und seine Gefährten legetimiert hatte, das seltsame Dreimänner-Kollegium ungeschoren ließ, auf dem Gewissen, daß Strindberg gestorben ist, ohne an die Kugelgestalt der Erde zu alauben.
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zu vermindern oder ganz zu unterdrücken. Auf der anderen Seite wurden sie durch die reiche Aufnahme von Stärke ungeheuer gefördert. Wo solche Urtierchen gefahrdrohend werden oder ein Seuchenherd verbreitet ist, dürfte wie in vielen anderen Fällen auch eine Kostveränderung günstige Aussichten für eine Stärkung der Abwehrkräfte des Körpers bilden. Das beweisen nicht nur Versuche mit Ratten, welche bei überwiegender Fleischnahrung ihre Eingeweideprotozoen verloren, sondern auch Versuche am Menschen. Mahlzeiten mit starker Fleischgabe, zur Geschmacksanregung durch Pfeffergurken und Erdbeeren ergänzt, ergaben sehr gute Wirkungen bei Verdauungsstörungen, die durch gewisse Eingeweideprotozoen hervorgerufen waren, manchmal verschwanden die Krankheitserscheinungen und zugleich auch die Urtierchen innerhalb einer Woche. Die einseitige Bevorzugung der Pflanzenkost samt also zu Gefahren führen, da diese eine Mastform für die Einge- weideprotozoen bildet.
Es ist auch nicht unwesentlich, daß selbst die krankheitserregenden Formen unter den im Menschen schmarotzenden Urtierchen ihre unheilbaren Einflüsse offenbar nur ut bestimmten Gebieten ausüben. Die körperliche Umwelt muß demnach unter bestimmten Lebensbedingungen stehen, damit unsere Mitbewohner ihre gefährlichen Untugenden entfalten können. Das tun sie als Bewohner der menschlichen Blutbahn denn auch sehr gründlich, wie die durch ein Geißeltierchen (Leify- mannia) hervorgerufene „Schwarze Krankheit" :m tropischen Asien, Hautgeschwürerkrankunaen in Südamerika und ander - wärts mit unzähligen Todesfällen beweisen. Und gar die Erreger der Schlafkrankheit ans derselben Urtiergruppe haben weite Teile Afrikas völlig unbewohnbar gemacht, erst neuerdings sind erfolgversprechende Heilmittel dagegen auch m Deutschland entdeckt worden. Leider laßt sich aber die Uever- trägerin der Erreger der Schlafkrankheit, die Tsetsefliege, kaum ausrotten, da sie diese Geißeltierchen im wahrsten Sinne des Wortes immer wieder mit dem Blute wilder Tiere, besonders der Antilopen, auffaugen kann und nicht auf den Menschen allein angewiesen ist. Für die halbwegs gemäßigten Zonen ist aus unserem inneren Zoologischen Garten auch die besonnte Malaria, das Wechselfieber, zu erwähnen, die in Italien zu einem verderblichen Auf und Ulb der (Geschichte geführt haben soll. Die durch die Malariamücke (Anopheles) übertragenen Erreger des Wechselfiebers haben die Urbarmachung fruchtbarer Erdgebiete verhindert. , .
Es geht also keineswegs völlig friedlich in unserem uuuru Zoologischen Garten bor. Bisher ist cs nur gelungen, ein kleines Nebenfensterchen gelegentlich hineinzusehen, vu - leicht kommen unsere kleinsten „Haus"-Tierchen aus "gen einem Grunde bald in Mode wie heute die Vitamine und o . ?j2MWd SÜLhlW.