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Nr. 287 Mittwoch 7 Dezember 1932

Kurze politische Nachrichten.

Der Preußische Staatsrat beschloß gegen die Stimmen der Kommunisten, gegen ein vom Landtag beschlossenes Gesetz Einspruch zu erheben, das auf Grund eines kommu­nistischen Antrages Enteignungsmaßnahmen zugunsten der Erbpächter der Grotzefehn-Gesellscbaft (Moorkolonien in Ostfriesland) vorsah. Der Berichterstatter hob hervor, daß dieses Gesetz gegen die Reichsverfassung verstoße

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Der Danziger Senat hat anläßlich des 83. Ge­burtstages des Generalfeldmarschalls von Mackensen an ihn folgendes Telegramm gesandt: „Zum 83 Geburts­tage fenbet dem hochverehrten Ehrenbürger Danzigs herz­lichste Glückwünsche der Senat der Freien Stadt Danzig."

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Die deutsche evangelische Kirchenge­meinde im Haag, die als älteste deutsche Äus- landsgemeinde auf eine inhaltsreiche Geschichte zurück­blickt, beging die Feier ihres 75jährigen Bestehens An dem Festgottesdicnst nahmen u. a. die Königin-Mutter Emma und der Prinzgemahl Heinrich der Nieder­lande teil.

SinFahnenjunkermterSKionageverdacht vor dem Reichsgericht.

Vorbereitung des Hochverrats zugunsten der KPD

Vor dem Vierten Strafsenat des Reichsgerichts steht der 1907 in Lothringen geborene Fahnenjnnlerunteroffizier Karl Eberhardt, württembcrgischer Staatsangehöriger, unter der Angeklagte der Vorbereitung des Hochverrats und des vcr- suchten Verrats militärischer Geheimnisse. Eberhardt war zu­letzt aus der Jnfanterieschule in Dresden und soll dort einen Obcrgesrriten Kreichelt zu überreden versucht haben, für die KPD. Nachrichten ver verschiedensten Art zu be­schaffen und zu liefern. Eberhardt soll dem Kreichelt Ver­sprechungen großzügigster Art gemacht haben.

Der Angeklagte leugnet mii aller Entschiedenheit, jemals mit der KPD etwas zu tun gehabt zu haben. Was Kreichelt oorbringe. sei nichts als Lug und Trug Kreichelt aber bleibt bet seiner Darstellung der Begegnungen und Besprechungen mit Eberhardt. Dem Angeklagten wird von Vorgesetzten und Kameraden dienstlich und persönlich das beste Zeugnis aus­gestellt

Der GLfimörder von Mempariwih.

Just best reitet alles.

In dem in G ö r l i t; zur Verhandlung kommenden Gift- niordprozeß wurde, nachdem der Angeklagte I u st erklärt hatte, daß er mit den Giftmorden nichts zu tun habe, die Beweisaufnahme fortgesetzt.

v . Die Hebamme Beria Struck Die Die zweite Frau Justs entbunden hat. hält den von dem Angeklagten behaup­teten Selbstmord der Frau für unwahrscheinlich Bei den Widersprüchen zwischen seinen Aussagen und denen der Zeugin beruft sich der Angeklagte immer wieder aus seine ..Schweigepflicht". Unter großer Spannung wurde dann

die Mutter der verstorbenen ziveiten Frau oes Angeklagten vernommen Sie sagt aus, daß die Ehe nicht glücklich gewesen sei. Oft habe sich ihre Tochter über schlechte Behandlung und auch über körperliche Mißhandlungen beschwert. Nach der Geburt des Kindes sei sie aber voller

Die vom Heidehof.

Roman v. Henriette Drey

Copyright by Romondienst „Tigo“ Berlin-Schmargendorf.

21 iNachdruck oerboten.)

Wenn das Päckchen zu einem fremden Soldaten kam, war's ruck nicht schlimm.

Wenn aber zu Clemens ... ach, dann würde er verstehen ... würde wissen, daß seine Mutter mit Schmerzen wartete.

Eine Freude kommt selten allein. Ehe die Woche zu Ende war, hielt die Bäuerin vom Heidehof mit Herzklopfen den ersten Brief ihres Sorgenkindes in der Hand.

Sie lief in die Schlafkammer, schob den Riegel vor und riß mit bebenden Fingern den Umschlag auf. Trank die Worte dürstend in sich ein ... Weinte. Las sie wieder und wieder.

Heiße Muttertänen fielen darauf.

Und doch war's nur ein kurzer, schlichter Brief. Aber einer, wie ihn der leichtfertige Clemens früher nie geschrieben hätte — früher, ehe die blutige Pflugschar des Krieges feine Seele durchackerte und Schutt und Geröll hinwegräumte. Und tief das Erdreich umbrach, so daß der ursprünglich gute Boden zutage trat.

„Ich hab's immer gewußt, Mutter, daß du meiner noch denkst. Ich hab's gefühlt durch die wilden Jahre. Und seit der Krieg wütet, hab' ich mich oft gesehnt, Dir zu schreiben. Aber es ist zuviel Schlimmes, was ich dir und dem Vater angetan habe. Ich hatte nicht mehr das Recht dazu. Hab' mein Kindesrecht verwirkt. Doch der Krieg gibt mir Ge­legenheit, zu sühnen. Daß du mir verziehen hast, weiß ich, denn ein Mutterherz verzeiht immer. Aber der Vater? Er hat mich verstoßen. Und er hatte Recht. Aber vielleicht kann ich ihm noch einmal beweisen, daß ich doch kein Ver­lorener, kein unwürdiges Glied am alten Stamme bin. Vielleicht lernt der Vater mich dann wieder achten und ver­gibt mir allen Kummer ..."

Frau Heidger faltete mit Inbrunst die Hände.

„Heilige Schmerzensmutter — so war dir gewiß zumute, als du nach langen, bangen Tagen deinen Sohn wieder­fandest!"

Sie ging zu Gerta und legte ihr den Brief auf den Schoß. Ob sie ihrem Mann davon sagte?

Vielleicht merkte er gar nicht, daß der Briefbote dage- wesen war, denn auf dem Hofe rumorte gewaltig die Dresch­maschine.

Aber nein, der Tyras, der Kettenhund, verriet stets sein Kommen, denn der Briefträger war sein geschworener Feind. Nie konnte der alte Thomas es unterlassen, dem armen Tyras aufreizend seinen Knotenstock hinzuhalten und kß! Eier^heraug"1^ "^I' ^" Wie besessen flog dann das om Ä ' £ ff moröert^ und riß fast Die Kette ab

ZukunfksplSne gewesen, so daß ein Selbstmord kaum anzu- nehmen wäre. Die weilercn Zeugen stellen Dem Angeklagten ein sehr ungünstiges Leumundszeugnis aus und bekunden, baß >Mst kurz nach dem Tode feiner zweiten Frau luftig gezecht und getanzt habe. Ein Schmclzcrmcister muß zugcbcn, dem An- geuagten schon im Jahre 1929 auf sein Bitten hin eine Hand­voll Arsenik, angeblich zur Rattenvergistmig, ausgchändiai zu havcrr.

Freiwillig aus dem Leben geschieden.

Selbstmord eines ostpreußischcn Ehepaares in München.

In einem Münchener Hotel wurden ein 59 Jahre alter Kaufmann und seine 18jährige Ehefrau mit Ver- giflungserscheinungen bewußtlos aufgefunden. Die Ehe­leute sind bald darauf im Krankenhause gestorben. Sie hatten größere Mengen eines Schlafmittels zu sich ge­nommen. Es handelt sich um den Kaufmann Eugen Sydath und seine Frau aus Braunsberg (Ostpreußen), über den Grund zur Tat ist nichts bekannt.

Selbstmord auf den Schienen.

Auf den Gleisen der Halle-Halberstädwr Eisenbahn wurden in der Nähe des Galgenberges die Leichen eines jungen Mannes und eines jungen Mädchens auf­gefunden. Beide haben sich von einem Zuge überfahren lassen.

Grauenhafter Selbstmord einer 67jährigen.

In Lemberg hat eine 67jährige Frau namens Do- bromilska in furchtbarer Weise Selbstmord begangen. Sie machte sich durch reichlichen Alkoholgenuß betrunken, begoß sich mit Öl und zündete dann ihre Kleider an. Nach einiger Zeit fanden die Nachbarn Die verkohlte Leiche der Frau.

Ver mischte Nachrichten

Drei Schwerverbrecher ausgcbrochen.

Bremen. Aus der Strafanstalt Bremen-Oslebshausen sind drei Schwerverbrecher entwichen. Von den Verbrechern sollen zwei Anstaltskleidung tragen, während der dritte angeblich in Zivil- oder Wärterkleidung, jedenfalls mit einer Dienstmütze versehen, die Freiheit erlangte.

Nationalsozialistischer Wortführer in der Lübecker Bürgerschaft gewählt.

Lübeck. Unter großer Anteilnahme der Bevölkerung trat die neugewählte Bürgerschaft erstmalig zusammen. Sämtliche 80 Mitglieder waren anwesend. Bei der Wahl des Ersten Wort­führers, der seit der Revolution von Den Sozialdemo­kraten gestellt wurde, stimmten fast sämtliche bürgerlichen Vertreter für den Nationalsozialisten Branncmann, der mit 40 Stimmen gewählt wurde.

Verheerendes Großfeuer in einer Odcnwaldgcnicinde.

Mannheim. Die Odenwaldgemeinde Gerlachsheim wurde in der Nacht von einem verheerenden Großserie: bcimgefud)!, dem zehn Scheunen und ein Wohnhaus vollständig zum Opfer fielen. Der durch Versicherung größtenteils gedeckte Brand­schaden beläuft sich auf insgesamt 120 000 Mark. Es wird Vrandstiftuna vermutet.

Selbstmord eines Deutschen in Nizza.

Paris. Nach einer Meldung aus Nizza hat sich in einem dortigen Hotel ein Deutscher namens Arthur Schnitter au3 Krefeld durch eine Kugel in den Kop' das Leben ge­nommen Der Selbstmörder. Der erst am Sc wend aus Kre­feld eine Geldüberweisung von 0000 F ancs erhalten batte, war nur noch im Besitz von fünf Frams.

Nah und Fern

- O Bullersahn erhält keine Entschädigung. Der Vierte Strafsenat des Reichsgerichts hat in der Angelegenheit Bullersahn folgenden Beschluß gefaßt: „Es steht Buller- jahn eine Entschädigung aus der Rcichskassc nicht zu, denn es ist weder feine Unschuld erwiesen noch bargetan, daß ein begründeter Verdacht gegen ihn nicht vorliegt."

O Raubüberfall im Berliner Osten. Im Osten Berlins, in der Friedrichsfelder Straße, wurde der 26iähriac Haus-

Nichtig! Da kam der Bauer auch jchon.

„Der Tyras machte so'n Mordsspektakel. War der Brief- träger hier? Was Besonderes?"

Einen Augenblick zögerte die Frau. Dann ging sie mit entschlossenem Gesicht einen Schritt auf ihn zu. "

„Sa, Mann. Ich habe einen Brief bekommen von Cle­mens, unserem Sohn."

Sie betonte nachdrücklich das letzte Wort.

Mit finsterm Gesicht griff er zur Türklinke. Aber sie ver­stellte ihm den Weg.

„Er ist ein anderer geworden — er bittet um Verzeihung ■ ■ ■ Hermann, ich will nicht gern etwas hinter deinem Rücken tun, aber . . ." Tränen heiserten in ihrer Stimme, „Hermann, er kämpft für uns, so gut wie unser Bernd. Da muß man vergessen können. Hermann, ich bin seine Mut- ter — ich antworte ihm!"

Unter den buschigen Augenbrauen des Heidehofbauern wetterleuchtete es. Nur mit Gewalt hielt er einen Zornaus­bruch zurück.

„Hermann! 0 Mann, fei nicht so hart!" rief die Frau bittend und faltete die Hände.

Da sagte er barsch: „Tu, was du nicht lasten kannst. Ich will uir nicht entgegen sein. Nur laß mich aus dem Spiel. Ich will nichts wissen und hören."

Mit Sachkenntnis und Hingebung stopfte Pfarrer Ingen- daal seine lange Pfeife, war; noch'ein Scheit in das luftig prasselnde Feuer und ließ sich aufatmend in den tiefen Le- deriesjel gleiten, um ein gemütliches Ruhestündchen, etwa auch ein kleines Nickerchen zü halten.

Behaglich entfaltete er die neueste Zeitung und ver­tiefte sich in die höhere Politik.

Raschelnd schlug das Zeitungsblatt um.

Bedächtig las her Pfarr°r weiter. Zog zuweilen die Stirne kraus, brummte ein mißbilligendes hm! hm! und ichüttelte den grauen Kopf.

Zuletzt kam als Nachtisch das unterm Strich.

„Ein kühner Ritt!" stand da.

Die bebrillten Augen gingen zusammenfastend darüber hin, stutzten — hafteten erstaunt auf einem Namen . . . spran­gen mit einem Ruck wieder nach vorn und lasen nun auf* merk'am:

Eine^wichtige Meldung mußte schleunigst nach einer an* bereu Stellung gebracht werden. Ein äußerst gefährlicher Ritt, vielleicht ein Todesritt über ungeschütztes^ von Gra­naten bestrichenes Vorgelände! Fünf, sechs Freiwillige stürzten gleichzeitig vor Zwei, die mit Pferden vertraut waren, wurden gewählt. Der eine ein ostpreußischer Ke- stUtspfleger, der andere ein niederdeutscher Bauernsohn. Beide erhalten die Meldung, und von Befehl, sofort zu- rückzukehren. Hastig werden die Pferde aus den tiefen Betonunterständen hervorgeholt. Wieder hinunter, die Gasmasken vorgeschnallt ---da schlägt draußen so ein Höllengeschok ein . . . und die Tiere wälzen sich am Bo-

sviri Alberi Siöfsm beim Dëlreictt seine? Häusë? ö^gèn ein Uhr nachts von zwei Männer überfallen. Durch Schläge mit der Faust oder mit einem harten Gegenstand wurde der Überfallene so bearbeitet, daß er bewußtlos zu­sammenbrach. Die Täter raubten ihm 2000 Mark ein­kassierte Mietgelder.

O Haftbefehl gegen die Schloßherriii von Walters- Hausen. In der noch ungeklärten Familienkragödie aus dem fränkischen Schloß Waltershausen ist eine sensationelle Wendung eingetreten. Wie vor kurzem berichtet wurde, war der Schlotzherr, Hauptmann a. D. Werther, erschossen und seine Gattin erheblich verletzt worden. Unter dem Verdacht, die Tat begangen zu haben, wurde der Chauffeur Karl Liebig in Haft genommen. Jetzt hat die Staats­anwaltschaft Haftbefehl anch gegen die Gattin des er­schossenen Schlotzbcsitzers, die sich in einer Privaiklinik be-

findet, erlassen.

O Unter Raubmordverdacht verhaftet, bei Kreuzburg (O.-S.) wurde auf Ersuchen anwaltschaft Prenzlau der 25 Jahre alte t

Schmardt berstaats- wirischaft- liche Arbeiter Zukowski aus Posen verhafte Zukowski ist eines im Landgerichtsbezirk Prenzlau verübten Raub­

mordes dringend verdächtig. Der Verhaftete, der vor wenigen Tagen bei einem Landwirt in Schmardt ohne Lohn in Dienst getreten war, wurde dem Gerichts­gefängnis Kreuzburg zugeführt.

O Eine Spinnerei durch Grotzscucr vernichtet. In der Spinnerei W. B. Siebel und Co. in Köln (Gummersbach) brach ein Feuer aus, das mit großer Schnelligkeit die Spinnerei, das Lager, die Wolfcrei und den Maschinen­raum erfaßte. Das Feuer vernichtete den größten Teil des Werkes; es entstand ein Schaden von 300 000 Mark schätzungsweise, der nur unzulänglich durch Versicherung gedeckt ist. Etwa 50 Arbeiter, die bisher noch in der Fabrik beschäftigt werden konnten, sind durch den Brand brotlos geworden.

O Dreifacher Kindesmord. Die ledige Arbeiterin Anna Guthermut in Völkcrsleier bei Aschaffenburg stand im Ver­dacht, ihr jüngst geborenes Kind getötet zu haben. Sie wurde deshalb in Haft genommen. Bei Nachgrabungen im Keller des Gemeindehauses wurde die Leiche des Kindes gefunden. Daraufhin hat die Verhaftete im Gefängnis gestanden, daß sie nicht nur dieses, sondern außerdem noch zwei früher geborene Kinder ums Leben gebracht habe. Die Nachforschungen im gleichen Keller bestätigten auch diese Aussage.

0 Blutige Saalschlacht in Obcrösterreich. In Losenstein- leithen (Obcrösterreich) entstand während einer Versamm­lung des Heimatschutzes eine Saalschlacht zwischen Heimat­schutzmitgliedern und Nationalsozialisten. Die in großer Stärke erschienenen Nationalsozialisten warfen Biergläser, Sessel und Teller gegen die Hcimatschutzmitgliedcr. Diese räumten darauf den Saal. IG Heimatschutzleute und 15 Nationalsozialisten wurden verletzt. Der Saal bot nach der Auseinandersetzung ein Bild der Verwüstung. Über 300 Biergläser, zahlreiche Teller, Glühbirnen und fast alle Fensterscheiben sind zertrümmert worden.

0 Großer Rauschgiftschmuggel. Die Pariser Polizei verhaftete eine fünfköpfige Rauschgiftschmngglcrbande, die regelmäßig aus dem Saargebiet nach Paris kam, um hier große Mengen von Kokain abzusetzen. Die Verhafteten stammen aus Kaiserslautern und Homburg. Für ihren schwunghaften Handel bedienten sic sich eines Automobils, mit dem sie über die saarländisch-französische Grenze fuhren, ohne von den Zollbeamten ungehalten zu werden. Bei ihrer Verhaftung wurden bei ihnen noch 600 Gramm Kokain gefunden.

0 Politisches „Schützenfest" auf einer Landungsbrücke. Aus Rio de Janeiro ivird berichtet: In dem Augenblick, da der ehemalige Präsident der Brasilianischen Republik, Arthur Bernardez, die Anlegebrücke des Dampfers bestieg, auf dem er sich nach Europa begeben wollte, wurden von einer Gruppe politischer Gegner Die sich auf Der Landungsbrücke eingefunben hacken 5t Revolverschüsse auf ibn abgegeben. Der Präsi bent kam mit dem Schrecken davon, während sein Sohn und sein Privatsckretär verletzt wurden.

den. üalb betäubt raffen die zwei Männer sich auf von ber berstenden Mauer, gegen die der Luftdruck sie aeschleu- dert bat. Neue Pserde heraus — rasch getattelt. Und wie Der Wind davon! Hinaus tn die Finsternis, die nur von blutroten Bränden und auszuckenden Leuchtkugeln erhellt wird! Hinaus tn den Totentanz der Granaten, die oft 21b* gründe vor ihnen aufreißen, in welchen Häuser. Bäum-, Wegstücke versinken. - Sie reiten in Abständen, damck nicht etwa ein Volltreffer beide zugleich zerschmettere D'? Meldung muß, muß, muß überbracht werden! Das Leben von vielen hängt daran! Weiter, weiter, tief auf den Sattel geneigt. Blitzende Geschosse rings. Der Kamerad Dorne ist nicht mehr zu erspähen . . . wohl gestürzt in io ein Granatloch — — da. jetzt sieht man ihn wieder, feine Umriffe heben sich vom brandroten Himmel ab. Vorwärts, mein Brauner! Wie rasend fagt’s dahin, über aestürzte Baume, Mauerreste, tiefe Löcher. In den Ohren sinnt das Blut. Weiter, weiter! — Längst ist der erste Reiter ver­schwunden — einer der Unbolbe grössten Kalibers erwischte ihn. Der zweite rast weiter, weiter. Sein Pferd bäumt sich — auf ein Hoar mär’s in einen klaftertiefen, wasser- gefüllten Granattrichter aestürzt. — Vorwärts, vorwärts

Und er überbringt die Meldung — bringt auf einem gleich gefährlichen Todesritt den Befehl zurück und sinkt bewußt- los vom Sattel. Sein Oberst heftet ihm selbst das Eiferns Kreuz an. Der Name des Braven ist Bernhard Heidger aus ...

„KathrinI" rief der Pfarrer schallend in den Hausflur hinaus.

Aber Kathrin hörte nicht sofort. Sie war bei einem Tâß- tf)en Kaffee mit ihrer Busenfreundin Lisbeth in einem inter­essanten Plausch begriffen.

„Kathrml! Schnell!" dröhnte es noch einmal mit Aus- v ‘""me.

„Hajaß, wat'n unrotes Schreien. Ick bin doch n» taub!" murrte Kathrm fand es aber für geraten, nunmehr schleu­nigst auf der Bildfläche zu erscheinen.

„Wat is der denn, Hähr?"

„Schnell meine Stiefel! Und wo ist denn mein Ueber» Zieher?! Hängl ja nicht am Haken!"

„Na, da war doch der Aufhänger an kaput."

»Rasch, ich muß ihn jetzt haben. Muß ausgehen!'

„Ja, ja, ich lauf schon. Wohin Senn?"

Aber der Pfarrer yab keine Antwort. Schnell fuhr er in Stiefel und Mantel, steckte eine zujammengefaltete Zeiluna in die Tasche und ging.

In der Tür rief er aber doch über die Schulter zurück: „Kathrin, falls was Dringendes kommen sollte: ich bin zum Heidehof."

Fort war er.

Kopfschüttelnd sah Kathrin ihrem Herrn nach und erging sich mit Lisbeth in allerlei Vermutungen über diesen plötz­lichen Besuch.

Gortsetzung folgt.)