Nr. 285 Montag 5 Dezember 1932
Der Tag von Leuchen.
Zum 5. Dezember.
Am 5. November 1757 hatte Friedrich der Große bei Noßbach die Franzosen und die Reichsarmee vernichtend geschlagen. Vier Wochen später, am 5. Dezember, schlug er bei Leuthen im Kreise Neumarkt in Schlesien die Österreicher, die unter dem Befehl des Prinzen Karl von Lothringen standen. Es war eine der glorreichsten Schlachten des Siebenjährigen Krieges, und heute noch, nach 175 Jahren, wird sie mit Recht als eine der Meistertatcn des großen Königs verherrlicht. Napoleon I., der sich auf das Kriegführen verstand, bezeichnete Leuthen als „ein Meisterstück von Bewegungen, Manövern und Entschlossenheit; diese Schlacht allein würde hinreichen, Friedrich unsterblich zu machen und ihm seinen Rang unter den größten Feldherren anzuweisen".
Die Schlacht, die mittags ein Uhr begann, dauerte nur drei Stunden und war ein Erfolg von Friedrichs berühmter „schiefer Schlachtordnung", überall sah man während der ganzen Schlacht den König persönlich, überall hörte man seine Stimme, die auch dem Furchtsamen Mut einflößte. Die Dunkelheit, die gegen vier Uhr einbrach, verhinderte die völlige Vernichtung der Österreicher, die sich in wilder Flucht befanden: sie hatten 10 000 Tote und Verwundete (bei einer Truppenzahl von 82 000 Mann), und 12 000 Mann gerieten auf dem Schlachtfelde in Gefangenschaft. Aber auch die Verluste der Preußen waren groß: 6300 Tote und Verwundete (von 33 000 Mann, mit denen der König die Schlacht begonnen hatte). bedeckten das Schlachtfeld, darunter mehr als 200 Offiziere.
Noch in der Nacht nach Leuthen begab sich der König mit drei Bataillonen und einem Kürassierregiment nach Lissa (Deutsch-Lissa), um sich des Überganges über die Weistritz zu bemächtigen. Mit wenigen Begleitern ritt er nach dem Schloß Lissa (es gehörte dem Fürsten Putbusi, um daselbst Quartier zu nehmen. Hier soll er das so oft geschilderte und von Adolf Menzel in einem berühmten Bilde verewigte Begegnis mit den Offizieren des österreichischen Generalstabes gehabt haben. Er war in Gefahr, von den vielen Offizieren gefangengenommen oder erschossen zu werden. Trotzdem sagte er mit der größten Ruhe: „Bon soir, messieurs! Sie haben mich wohl hier nicht vermutet? Kann man denn hier auch noch mit unterkommen?" Die Offiziere geleiteten ihn darauf ehrfurchtsvoll in das obere Stockwerk, und die preußischen Offiziere, die bald nachher in größerer Anzahl eintrafen, befreiten ihn von aller Gefahr.
Das .freer folgte dem Könige nach Lissa. Wahrend die Bataillone über das schneeglitzernde, von Toten und Verwundeten bedeckte Schlachtfeld marschierten, begann ein alter Grenadier mit lauter Stimme zu singen: „Nun danket alle Gott!" Die anderen Soldaten fielen ein, die Feldmusiken desgleichen, und bald klang, von 25 000 Kriegern gesungen, durch die Wintcruacht erschütternd und Herzzerreißend der „Ehoral von Leuthen": „'Jlun danket alle Gott mit Herzen, Mund und Händen, der große
Dinge tut an uns und allen Enden."
Bestrafung der Ruhestörer an der Universität.
Breslau. Die akademische Disziplinarbehörde hat über die bei den Unruhen am 10. und 17. November ermittelten Ruhestörer das Ureil gefällt. Sämtliche 14 Angeschuldigte wurden bestraft: vier mit einem Verweis, neun mit der Androhung der Entfernung von der Universität, ein Student mit Nichtanrechnung des laufenden Halbjahres auf die vorgeschriebene Studienzeit.
Die vom Heioehof.
Roman v. Henriette Drey.
Copyright br Romanoionst „Digo" Berlin-Schmargendorf.
19 (Nachdruck verboten.)
„So, nun hilf mal flink die Hemden Nachsehen, Gerta," sagte die Bäuerein, als sie. allein waren.
Das Rote Kreuz war nämlich äußerst dankbar für gebrauchtes Leinen. Das war weich und geschmeidig, köstlich zum Verbinden. Es lag da eine ganze Menge Leintücher und Hemden, die nicht mehr ganz waren. Da fand sich wohl manches Stück, das man ausmerzen konnte.
Die Frau breitete die schneeweißen, von Gerta schön gefalteten Stücke auseinander. Wo etwa nur ein kleiner Schaden war, die bekam Gerta zum Flicken auf den Schoß, die andern legte sie auf die Ofenbank.
„Mutter, mein Haufen ist schon größer als der fürs Lazarett!" lachte Gerta. „Da flickt man sich tot und wieder lebendig! Geh, nimms nicht so spitz, wir haben ja noch genug. Bèrnb hat die ganze Kommode noch voll neuer Hemden, und Later auch."
„Ja, ja, hast recht, wenn man's denkt. Ist gut, daß der Berg mal weggeräumt wird," gab die Mutter zu und warf nnbe- jehen ein paar Stücke zu dem kleineren Teil.
Dann kam ein Hemd von feinerem Leinen War das von Bernb? Der hatte doch nicht diese kleine Fältchen vorn an der Hemdbrust.
Sie breitete es auseinander — und starrte darauf hin Es frug den Namenszug von Clemens und war wohl damals aus versehen zurückgeblieben. ...
Der Frau zitterten die Knie, sie sank auf einen Stuhl.
Und als hätte es nur dieses geringfügigen, zufälligen Anlasses bedurft, um den Bann der Zurückhaltung zu sprengen, den Sorgenbecher zum Ueberfließen zu bringen .. . legte sie mit einemmal den Kopf über die Lehne von Gertas Fahrstuhl und schluchzte auf.
fefj'S ®erta “ °b er no$ lebt? » -. Ob ich ihn noch wieder- Das Mädchen strich leise über der Mutter Scheitel, scheu, tn ungewohnter Zärtlichkeit.
$aÖ sie endlich sprach! Von dem einen, beffen Name hnrh£» «m?“ e" unö sln den doch zwei immer dachten. Zwei . .. vielleicht drei
„Weine nicht, Mutter. Er kommt gewiß wieder Sollen wir mal durch den Herrn Pfarrer nachforschen lassen?' Oder bester noch, ich schreibe Aloys Leywater darum.« °
„Der Vater gibt es nit zu," weinte bie »trau o
— mein Kind! Mein armer Jung!« GIemen3
Oerta dachte einen Augenblick nach. Dann meinte sie^
Aus dem Gerichtssaal.
Das Urteil im Bullerjahn-Prozetz:
Der Angeklagte freigesprochen.
Mangel an Beweisen für die Schuld.
Senatspräsident Dr. Bünger als Vorsitzender des Vierten Strafsenats des Reichsgerichts nett te folgendes Urteil im Wiederaufnahmeverfahren Bullerja
Der Angeklagte Obcrlagcrve!- ; Walter Bullerjahn wird unter Aufhebung des Urteil des Vierten Strafsenats des Reichsgerichts vom 11. Dezember 1925 aus Mangel an Beweisen freigesprochen. Die Kosten fallen der Staatskasse zur Last.
Ein großes Polizeiausgebot sorgte während der Urteilsverkündung für Aufrechterhaltung m Ruhe und Ordnung sowohl im dicht besetzten Verhandlung-Jaale wie auch aus dem Platze vor dem Reichsgericht, aus dem ich große Mengen Neugieriger versammelt hatten.
In seiner Begründung des Urteils
betonte Senatspräsident Dr. Bünger noch einmal, daß die Freisprechung mangels ausreichenden Beweises für die Schuld des Angeklagten erfolgt sei. Bullerjahn bleibe aber in nicht unerheblichem Maße verdächtig. Es heißt dann in der Begründung weiter:
Die Vernehmung des Generaldirektors von Gontard
ist erfolgt. Er wurde oft und eingehend vernommen, und vom Fragerecht der Verteidigung ihm gegenüber ist weitgehend Gebrauch gemacht worden. Er hat das, rs er von Äußerungen der Engländer bekundete, nach Auffassung des Senats nicht frei erfunden. Er hat sicher manches gehört. Es fehlte für ihn doch auch jeder Anlatz, um bewußt Falsches zu bekunden, etwa aus Feindschaft gegen den Angeklagten. Sie besteht nicht und hat nie bestanden. Er ist auch von T.tUerjabn selbst nicht als Feind angesehen worden. Auch die Annahme, daß das Werk Vorteile durch den Verrat gehabt habe, ist nicht erwiesen. Aber die Aussage des Zeugen von Gontard, aus sich heraus beurteilt, ist nicht geeignet, als Beweisgrundlage für eine Verurteilung des Angeklagten gewertet zu werden. Sie ist dazu viel zu unbestimmt. Geldgier ist auch kein Beweggrund, der zum Landesverrat durch den Angeklagten geführt haben kann. Die ganze Eigenart des Angeklagten, wie sie sich dem Senat im Laufe der Verhandlungen dargestcllt hat, sprechen dagegen, daß er einen von langer Hand vorbereiteten Landesverrat begangen hat, daß er Landesverräter von Profession ivar, oder daß er aus irgendwelchen sonstigen Gründen ohne bestimmten Anlaß sich hätte bereitgefunden, Landesverrat zu begehen. Hat er die Tat begangen, so ist das aus die Sch r o t t sch i e b u n g e n zurückzuführen, die ihm vorgeworfen worden sind, an denen er aber unschuldig war. Das alles hat ihn erbittert, und aus dieser Erbitterung heraus kann er den Verrat begangen haben.
Luther über die Steuergutscheine.
Reichsbankpräsident Dr. Luther sprach auf der Jahrestagung des Bundes der Freunde der Technischen Hochschule München über „Wirtschaft und Währung". Dr. Luther betonte zunächst, die Ansicht, daß sich der in dem Regierungsprogramm Papens enthaltene privatwirtschaftliche Belebungsgedanke nicht bewährt habe, stelle ein vorschnelles und unbegründetes Urteil dar. Der Steuergutscheingedanke müsse mehr in die breite Masse der Steuerzahler einbringen. Von den 700 Millionen, Mark, die für
die öffentliche Arbeitsbeschaffung bereitgestellt seien, sei bis heute nur ettoa die Hälfte durch wirkliche Auftragserteilung verwertet worden.
Die 700 Millionen Mark Lohnprämien in Form von Steuergutscheinen seien noch so gut wie unbelegt, da anscheinend nur recht wenig Neueinstellungen im Hinblick auf die Prämiensteuergutscheine erfolgt seien.
Dr. Luther vertrat die Anschauung, daß die Verlegung dieses Teiles der Reichshilfe auf die Seite der öffentlichen Auftragserteilung auch vom privatwirtschaftlichen Standpunkt aus das Umbiegen in eine gesündere Richtung darstellen würde.
„Dagegen kann er nichts haben. Ä: brauchst ja weiter keinen Schritt gegen seinen Willen zu tun. Und wir könnens ihm ja verschweigen, bis Bescheid da ist. ' er ich denke: eine Mutter hat das Recht zu wissen, ob ihr Kind noch lebt! Da hat keiner dreinzureden."
„Gerta, du bist ein gutes Kind," flüsterte die Mutter ausstehend. Und wohl zum ersten M kam ihr die Ahnung, daß der Wert eines Menschen nicht bl / m seiner Arbeitskraft besteht und dem, was er an greifbaren Dingen schafft, sondern daß es gerade die körperlich Hintangesetzten, die „Ueberzäh- ligen" und Leidenden sind, von denen am meisten Licht und Trost und Verstehen kommt; die das Schwere zart und behutsam und mit gütigem Mstfühlcn tragen helfen.
Unb da geschah etwas, dessen Gèrta sich nur aus der aller- erften Kindheit dunkel zu entsinnen vermochte: die stille, zurückhaltende Frau beugte sich über ihr verkrüppeltes Kind und küßte es mit einem echten Mutterkuß.
, Das war nach der ersten, tagelangen, mörderischen Schlacht, die Clemens Heidger erlebte.
Erlebte? War das noch ein lebendiges Erleben — diese grauenvolle Hölle? Dieses zermürbende Hocken mit glasigen Augen im Stollen, wenn die wütenden Mörsereinschläge den Boden schwanken machten, daß er zuckte wie in Pein — das stundenlange Liegen auf durchweichtem Boden, während es vom Himmel zackige Eisenstücke regnet — wenn alle Fibern beben van dem Höllenlärm im Ohre, von dem Dröhnen und Heulen des Schrappnells, das einem mit wildem Brüllen ins Gesicht springt . . . wenn der Donnerkrach der Granaten direkt das Gehirn zu zerschmettern scheint; nein, das war kein bewußtes Erleben, kein menschliches Erfassen mehr!
Jedes Denken war da ausgeschaltet, alle Nervenkraft zermalmt.
Nur ein dunkler Drang — die harte Pflicht, Zwang vorwärts. Nur ein Gefühl stand unverrückt über allem Grausigen, stand wie ein mächtig antreibendes Schwungrad hinter einem: der Befehl „Voran!"
Nun lag die Hölle hinter ihm.
Ruhetage hinter der Front! . . i
Auf rüttelnden Lastautos waren die völlig Erschöpften bis Zu einem Dorse geschafft worden, das ihnen dürftiges Unterkommen bot.
Wohl reckten zumeist brandgeschwärzte Mauern wie spärliche Knochenreste in die Lust. Aber eine Anzahl Häuser stand doch noch: und in den Kellern und auf ein paar umliegenden Bauernhöfen konnte man sich schon einrichten
Glücklich, wer ein wahrhaftiges Beri eroberte! Sonst war ein Strohsack schon Wonne!
Fast pue sie gingen und standen. fielen die Ucbermübeten in den bleischweren, todesähnlichen Schlaf äußerfter Erschöpfung. —
Clemens Heidger schlief nicht. Er lag mit schmerzhaft weit geöffneten Augen . . . starrte in das Dunkel. Noch immer überflog ein krampfhaftes Zucken seine Glieder. Noch immer
Ist der erste deuische Gasangriff verraten worden?
Ein ehemaliger Langemarcklämpfer vor dem Reichsgericht.
Vor dem vierten Strafsenat des Reichsgerichts begann ein Prozeß wegen Kriegsverrats gegen den am 20. August 1891 in Seeberg (Thüringens geborenen Autosübrer August Jäger. Jäger wird beschuldigt, in der Nacht zum 14. April 1915 in der Stellung vor Langemarck zu den Franzosen übergelausen zu sein und ihnen verraten zu haben, daß in dieser Nacht
der erste deutsche Gasangriff durchgeführt werden solle. Jäger leugnet, übergelausen zu sein, behauptet vielmehr, er habe sich in der Nacht verirrt. Seine früheren Kameraden aus dem Graben sind als Zeugen geladen. Ihre Aussagen über den Angeklagten lauten nicht günstig. Ebenso hat seinerzeit der Kompagnieführer, der im September 1916 gefallene Seu tu ant Herrberger, in einer eidlichen Aussage den Angeklagten als „Feind" bezeichnet.
Das Leipziger KriegSverratsvcrsahrcn bis 9. Dezember vertagt.
Bei der Fortsetzung des Verfahrens gegen den Kraft- Wagenführer August Jäger wegen Kriegsverrats vor dem vierten Strafsenat des Reichsgerichts gelangte zur Verlesung ein in der „Revue des Vivants" erschienener Artikel des französischen Generals Ferry, der in der fraglichen Zeit französischer Abschnittskommandeur war. In diesem Artikel wurde dargelegt, daß ein Angehöriger der 6 Kompanie des 234. Reserve-Insanterieregimcms namens August Jäger übergelausen sei. Dieser Überläufer hätte erzählt, daß ein Gasangriff bevorstehc und daß eine ganze Anzahl Batterien zu je fünf Gasflaschen im feindlichen Graben eingebaut worden fei. Außerdem habe er auch mitgctcih, daß ein 38-Zemimelcr- Geschütz aus Betongrundlagen im Hinterlande ausgestellt worden sei. Die Angaben des Überläufers Jäger hätten nach dem Inhalt des Artikels bei den Franzosen an der Front wie eine Bombe einqeschlagen. Hierzu fragt der Vorsitzende den Angeklagten: „Wie ist das denkbar bei Ihrer sonstigen Einstellung, daß der General Ferry so genaue Einzelheiten angibt und sagt, „ein deutscher Überläufer namens August Jäger" und bezeichnet genau Ihre Kompanie und Ihr Regiment?" Jäger: „Das war ich nicht, ich habe solche Angaben nie gemacht." Der Verteidiger beantragte, die Kriegstagebücher und die Stammrollen der Marburger Jäger cin- zufordern, die 1915 im Anschluß an das Reserve-Infanterieregiment 234 die Stellung gehalten hatten. Von diesen Marburger Jägern sollen in der kritischen Zeit mehrere über» gelaufen sein. Es sei die Frage, ob nicht in diesem Regiment ein Soldat namens August Jäger gewesen sei. Diesem Antrag wurde schließlich stattgegeben. Die entsprechenden Akten müssen in den Archiven eingebolt werden. Zu diesem Zweck wird die Verhandlung bis zum 9. Dezember vertagt.
Wolle man die großen, noch unausgeschöpften Mög lichkeiten des Regierungsprogramms zum Teil auf neuem Wege ausmitzen, so dürfe man nicht vergessen, daß
der Kreditausweitung unüberschreitbare Grenzen von der Währung s fette her gesetzt seien. Selbstverständlich müsse auch bei einem geänderten Verwendungszweck der 700 Millionen die Form der Steuergutscheine beibehalten werden Bei der Vergebung der öffentlichen Arbeiten sollten recht viele kleine und mittlere Unternehmer hcrangczogcn werden. Die Reichsbank habe die Aufgabe, darauf zu achten, daß sich nicht im Zusammenhang mit ver größerter Arbeitsbeschaffung eine k ü n st l i ch e Preisbewegung zeige. Sollten Steuergutscheine unter Aufhebung des bisherigen Verwendungszweckes zur Finanzierung öffentlicher Aufträge verwendet werden, so stehe die Reichsregierung vor der schweren Frage, den Gemeinden die Bezahlung dieser Steuergutscheine weitgehend zu erleichtern, und der Zweck würde dann sein, ben Gemeinden Möglichkeiten über das Maß ihrer gegenwärtigen Leistungsfähigkeit hinaus zu eröffnen.
Wirb für Deine ^« niatf«11 n !
■BUMMWWMMMMI«III l'iflWi »SWMWKMMWWWMMMI erfüllte ein quälender Lärm sein Gehirn, ;o als drucke eine schwere Last es nieder.
Unerträglicher Kopfschmerz peinigte ihn. Jeder Gedank^- verursachte körperliche Qual — und doch konnte er den -.rr- lichternden Gedanken nicht gebieten, konnte Die grausigen B I- der nicht abschütteln.
Er sah, sah — und ob er auch die Augen eindrückte und verzweifelnd die Fäuste an die Schläfen preßte, das half ihm nichts.
Er sah junge Regimenter mit Singen in den Kampf ziehen, sah sie von Maschinengewehrfeuer hingemäht, die lieben Kameraden. Hörte gellende Schreie, Todesröcheln, Beten, . . . Sah Grauköpfe mit grimmiger Wut oorstürmen.
. . . Hörte unter sausenden Kolbenschlägen das Krachen von Knochen — hörte seinen Nebenmann schreien: „Mit Gott mr König und Va . . ." Weiter kam er nicht. Eine Granate riß ihm das Wort mitsamt dem Kopf weg: zwei Schritte taumelte der Körper nach vorwärts und schlug hin.
O Grauen — Grauen' . . .
Und Clemens sah, wie in den höllischen Granatentanz einer mit dem Ausdruck verzweifelten Schreckens den Kops duckte, aschfahl, mit verstörtem Blick — und plötzlich lachte, lachte! Irrsinnig lachte . .
„O, nicht mehr denken müssen, n-cht mehr denken' Vergessen können! Das eigene Ich auslöschen können!" stöhnte Clemens Heidger. „O Vaterland, Vaterland, teuer wirst du erkauft!"
Er erhob sich schwerfällig, ging mit taumelnden Schritten ins Freie. Draußen in der frischen Luft würde ihm besser werden.
Er lehnte an einem zerborstenen Gemäuer.
Von fern her kam das Murren der Kanonen. Ab und zu der dumpfdröhnende Einschlag eines großkalibrigen Riesenge- schützes.
Rings am Gesichtskreis standen da und dort flackernde Vrände. gleich lodernden Fackeln ausgesteckt — ein schaurigschönes Bild.
Weit drüben rechts die heißumstrittene Höhe — in mörderischem Kampf genommen, fünfmal vom Feind zurückgewonnen und fünfmal ihm wieder entrissen — sah es nicht aus, als stände der Hügel in rotem Feuer, dessen zuckende Flammen durch die dicken Rauchvorhänge hindurchleuchteten.
Und über den schwarzen Rauchmassen des brennenden Berges zogen die Schrappnells leuchtende, sprühende Kreise von elektrischem Blau.
Zauberhaft schön war das!
Wie mit magisch gesesjellen Blicken starrte Ji lernens auf das großartige Farbenjpiel, auf die schreckliche Schönheit bte» les âriegsgemäldes.
Bon den schweren Geschützen stiegen Leuchtkugeln empor gleich feurigen Schlangen, fraßen sich in die schwarzblaue Finsternis, strahlten in Violett, Orange, Heliotrop, zersprühten endlich zu goldroten und mimen Bällen, aefolat von kleinen