Englands zweite Schuldennote an di-ilöA.
Die zweite englische Kriegsschuldennote an Amerika ist setzt veröffentlicht worden. Einleitend begrüßt es die englische Regierung, daß sich die Regierung der Vereinigten Staaten zur Erösfnung von Besprechungen für eine R e v t s t o n der Kriegsschulden einverstanden erklärt hat. Danach führt die Note die Gründe aus, warum eine Wiederaufnahme der Schuldenzahlungen die W e l t- Wirtschaftskrise erneut verschärfen würde.
In der Note wird eingangs betont, daß Reparationen und Kriegsschulden zerstörende Ausgaben im Gegensatz zu den produktiven Anleihen seien. D e u t schlau d sei das erste Land gewesen, das von den Schwierigkeiten betroffen worden sei. Die englische Regierung weist dann nach, daß ihre Schuldenzahlungen durch die Entwertung des Pfundes, durch das Sinken der Weltmarktpreise und das Mißverhältnis zum ursprünglichen Goldwert der Schulden berührt worden seien. Es wird auch aus den Einfluß der amerikanischen Zölle hingewiesen. Bei Wiederaufnahme der Kriegsschulden- zahlungen kündigt England für diesen Fall Einschränkungen beim Ankauf amerikanischer Waren an, was zu einem entsprechenden Verlust für den amerikanischen Produzenten führen müsse.
Ein weiteres Kapitel befaßt sich mit dem Lausanner Abkommen. Wenn Amerika aus der Wiederaufnahme der Schuldenzahlungen bestehe, so müsse England mit seinen Schuldnern Frankreich, Italien, Portugal, Südslawien, Rumänien und Griechen- land die Frage der Zahlungen wieder erörtern. Die Schuldnerländer würden ihrerseits von Deutschland Zahlungen gemäß dem Doung-Plan zu fordern haben, und England würde dasselbe tun. Ohne eine Revision der Kriegsschuldenverpflichtungen könne das Lausanner Abkommen nicht ratifiziert werden. Die Reparationsfrage würde ungeregelt bleiben.
Die englische Regierung erklärt, daß die vorhandenen Gold- und Devisenreserven zur Zahlung von 95% Millionen Dollar am 15. Dezember nicht ausreichen und daß auch die Währungsschwierigkeiten bestehen bleiben würden, wenn die Zahlung in einem verblockten Pfund- konto geleistet würde. Es bliebe nur die Zahlung in Gold übrig, wodurch die Goldreserven der Bank von England erheblich beansprucht würden.
Hugenberg beim Reichspräsidenten.
Wie angekündigt, hat am Freitag nachmittag der Empfang des Führers der Deutschnationalen Volkspartei, Dr. Hugenberg, durch den Reichspräsidenten von Hindenburg zu einer Besprechung über die politische Lage stattgefunden.
Hriler im Thüringer
Kommunalwahttampf.
Adolf Hitler sprach anläßlich der bevorstehenden thüringischen Kommunalwahlen in A l t e n b u r g. Er hielt die Kommunalpolitik nur dann für fruchtbar, wenn ihr eine fruchtbare Reichspolitik vorausgehe. Es hätten viele nicht verstanden, daß er am 13. August nicht in die Regierung gegangen sei. Heute aber würde man den Kopf schütteln, wenn er es getan hätte. Der Nationalsozialismus sei die einzige Plattform, auf der ein neues Reich erbaut werden könne. Auf die Berliner und westdeutschen Streiks eingehend, erklärte er, daß er nicht für den Streik, wohl aber für das Leben der Arbeiter besorat sei. Die Verhandlunaen in
Berlin hRten nur den Zweck gehabt, die NSDAP. in? Unrecht zu setzen, ihn selbst aber tn eine Falle zu locken. Man solle nicht glauben, daß er in eine Falle gehe, die ihm bereits schon einmal gestellt worden sei. Für die nächste Zeit, erklärte Hitler, sei nichts weiter zu erwarten als die Fortsetzung seines Kampfes. Er als Fanatiker würde sein Ziel erreichen. Noch heute sei er jederzeit bereit, die Verantwortung zu übernehmen. Aber, wenn man das nicht wolle, so sei er auch bereit zum Kampf. *
Entgegen Meldungen über die angeblich außerordentlich schwierige Finanzlage der R S D A P. stellt die Nationalsozialistische Korrespondenz fest, alle dlcse durchsichtigen Behauptungen über die finanziellen Schwierigkeiten der NSDAP, seien ausschließlich tendenziöse E n 1 st e l l u n g e n zu dem Zweck, das Ansehen der nationalsozialistischen Organisation zu beeinträchtigen. Die Finanzlage der NSDAP, sei nach wie vor ae s u n d und nickt au erschüttern.
Gia-ieiag und Gewerkschaften.
Wie der Deutsche Städtetag mitteilt, hat Präsident Dr. Mulert mit dem Vorsitzenden des Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbundes Th. Leipart und darauf mit dem Vorsitzenden des Deutschen Gewerkschaftsbundes B. Otto eingehend das vom Deutschen Städtetag beratene kommunale Arbeitsbeschaffungsprogramm besprochen. Es wurde festgestellt, daß die bisherigen Maßnahmen zur Wiederbelebung der Wirtschaft nicht ausreichen. Infolgedessen müsse eine Beteiligung der öffentlichen Wirtschaft an den Steuergutscheinen gefordert werden. Der Vorstand des Deutschen Städtetages werde der Reichsregierung Pläne für den Aufbau und die Finanzierung eines kommunalen Arbeitsbeschaffungsprogramms vorlegen, dessen Durchführung und Finanzierung alsbald möglich sei, so daß mit den dringlichen Arbeiten noch vor Einsetzen des Winters begonnen werden könne.
Vermischte Nachrichten
Ein bedeutsamer Schlag gegen die KPD.
Berlin. Wie das Polizeipräsidium mitteilt, stellt sich die Aushebung der P a tz f ä l s ch e r w e r k st a 11 in der Kaiserallee, bei der etwa 2000 fälschlich angesertigte in- und ausländische Behördenstempel beschlagnahmt wurden, immer mehr als ein bedeutender Schlag gegen die KPD. heraus. Einer der Fälscher ist der Metallarbeiter Karl Wiehn, bei dem anderen handelt es sich um einen Zeichner Erwin Kohle« aus Pankow. Es wurden bei ihnen kommunistische Abzeichen bzw. komunistische Schriften gefunden.
Die Neuordnung beim Deutschlandsender.
Berlin. Die Retchsrundsunkaesellschafl teilt mit: Die Deutsche Welle G. m. b. H. wird ab 1. Januar 1933 unter der Bezeichnung „D e u t s ch l a n d s e n d e r G. m b. H." den Reichssender in Königswusterhausen unter eigener Verantwortung bedienen. Die Programmgestaltung dreses Senders, in die sich bisher Deutsche Welle und Reichsrundfunkgelell- schaft teilten, liegt in Zukunft allein in den Händen der Leitung des Deutschlandsenders. Intendant des Deutschland- senders wird Prof Dr. Schubotzsein.
Revolveranschlag im österreichischen Handelsministerium.
Wien. In den Räumen des Wiener Handelsministeriums verübte der pensionierte Amlsra, Kares einen Revolveranschlag aus einen Amisdiener, der an der Schläfe verletz, wurde. Der Anschlag wurde in dem Augenblick ausgefüh«, als der Diener 3^ 000 Schillinge Gebaltsgelder von einem Amtsraum in den anderen brachte. Im Verhör legte Kares ein Geständnis ab, aus dem hervorgehl, daß er, um den hohen Ansprüchen einer befreundeten Dame genügen zu können, er sich auf diese Weise habe Geld beschaffen wollen.
Nah und Jerrt
O Eine halbe Million Schmiergelder. Ein Schmiergelderskandal von größtem Ausmaß ist von der Berliner Staatsanwaltschaft aufgedeckt worden. Im Mittelpunkt dieser Angelegenheit steht der Perkaufsdirektor der I. S. Preuß-Werkstätten für Buch- und Kunstdruck in Berlin und ein Angestellter der zum J. G. Farben-Konzern gehörigen Agfa, gegen die Haftbefehl erlassen worden ist. Der Verkaufsdirektor ist geständig, im Laufe der Jahre Schmiergelder, deren Gesamtbetrag auf mindestens 500 000 Mark geschätzt wird, an den Angestellten der Agfa gezahlt zu haben.
O Vom Wagen geschleudert und in der Elster ertrunken. In der Elster wurde der in Reiterkreisen bekannte Geraer Rechtsanwalt Dr. Fritz Bauch ertrunken ausgefunden. Er wa mit seinem Dogcart nach Hause gefahren. Wahrscheinlich ist das Pferd scheu geworden, hat den Wagen umgekippt, und Dr. Bauch ist in die Elster gestürzt und ertrunken. Das Pferd traf um Mitternacht mit dem leeren Wagen vor dem Stall ein.
O Die Bluttat auf Schloß Waltershausen. Die Bluttat auf Schloß Woltershausen, bei der der jetzige Besitzer, Hauptmann a. D. Waldemar Werther, getötet und seine Frau schwer verletzt wurden, hat ihre Aufklärung gefunden. Frau Werther sonnte im Krankenhause kurz vernommen werden. Sie sagte aus, daß der Schloßgärtner und Chauffeur Karl Liebig, dem gekündigt worden war, aus Rache die Schüsse abgegeben habe. Der Beschuldigte wurde verhaftet.
O Der Brief in der Kartoffel. Als eine Arbeiterfrau im Ruhrgebiet beim Schälen von Kartoffeln war, die ihr die Winterhilfe kostenlos zur Verfügung gestellt hatte, fand sie in einer sorgsam wieder verschlossenen Kartoffel eine kleine Blechschachtel mit dem Brief eines Bauern aus der Gegend von Pasewalk, der darin anfragte, ob die Winterhilfe die Kartoffeln ebenso kostenlos weitergeliefert habe, wie er sie übergeben hatte.
O Ein Zahntechniker als Falschmünzer. Eine Strafkammer in Hamburg verurteilte einen Zahntechniker, der etwa 1300 falsche Fünfmarkstücke hergestellt und in Umlauf gebracht hatte, zu vier Jahren Zuchthaus. Seine Frau wurde zu zwei Jahren Gefängnis verurteilt.
O Der Sohn des Afrikaforschers Roß zum Tode verurteilt. Der 20jährige Sohn des früheren Afrikaforschers Major Roß, Charles William Roß, wurde wegen Ermordung von Miß Margarete Keppie und Miß Winifred Stevenson in Nairobi (Ostafrika) zum Tode verurteilt. Die beiden Mädchen waren im Oktober d. J. mit Roß im Auto zu einer Kinovorstellung gefahren, aber nicht zurück- gekehrt. Nach fünftägiger Suche, an der die gesamte Bevölkerung, die Polizei und sogar Flugzeuge teilnahmen, sand man die beiden Mädchen tot am Rande des größten afrikanischen Kraters, des Menengai. Roß hatte sich einige Tage darauf der Polizei gestellt. Seine Freunde behaupteten, daß er an „Blutlust" leide.
Zwei junge Leute durch eine stürzende Erdwand getötet.
Durch eine stürzende Erdwand wurden zwei Mitglieder des freiwilligen Arbeitsdienstes, die beim Straßenbau im Oberamt Balingen (Württemberg) beschäftigt waren, verschüttet und getötet. Die beiden jungen Leute arbeiteten in einem Tunnel dutck den die Erdmassen Rollwagen auf einen anzulegenden Damm befördert wurden. Plötzlich brach eine Wand in sich zusammen und beide wurden unter den nachstürzenden Erbmassen begraben. Während der eine sofort tot war, erlag der andere bald nach dem Unfall seinen Verletzungen.
Die vom Heidehof.
Roman o H e n r > e t t e V r e y
Copyright by Romondrenft „Digo" Berlin-Schmargendorf.
18, (Nachdruck verboten.)
Dann besann sie sich und sagte leichthin: „Muß wohl nicht sein. Wenn's was Besonderes wäre, hätte Richard es schon geschrieben."
Ungewiß sah Frau Heidger sie an. Sie hätte gern eine Ditte ausgesprochen. Ob Richard vielleicht...
Aber eine Scheu hielt sie zurück. Diesem Mädchen konnte sie nicht von dem einen sprechen!
Es hatte eine Zeit gegeben, da sah sie die beiden oft nebeneinander. Und sie hatte gedacht, das das schlanke, kluge, ruhige Mädchen eine feine Frau für ihren zukünftigen Doktorsohn sei, die en Durchgänger wohl zügeln könne. Denn eine städti- sche Frau, |o wie früher die schöne Lora? — nee, nee, da käme Leichtsinn bei Leichtsinn, das tat kein gut!
Ader diese Adelheid, das wäre die rechte gewesen? Es sah auch einmal jo aus, als ob die beiden sich gern sähen. Aber sie hatte sich wohl getäuscht. Schade.
Die Frau seufzte.
„Also ich sehe gleich morgen mal nach, Adelheid," sagte sie- zum Schluß, und das Mädchen ging. —
Heute nun war die Musterung. Prüfend ließ die Herrin vom Heidehof die schneeigen Gewebe durch die Hände gleiten. Da lagen noch drei dicke Rollen von der verstorbenen Annemöhne. Wohl ein bißchen grobfädig, nicht so ebenmäßig und ohne Knoten gesponnen; aber wie gemacht für Bettlacken.
Und Dort Stück bei Stück von der Großmutter und Urgroß- mutter her! Alle hatten die Truhen gefüllt gehabt und die Schatze des Hauses vermehrt. Bloß die schöne Lora hatte nichts hinzugelan, die hatte bloß ausgebraucht — wenn auch lust nicht das Leinen, denn das war ihr zu grob und plump. . r?£ne , u?" dorr hatte die Bäuerin in jungen Jahren noch selbst gesponnen. Die heutige Jugend wollte ja vom Spinnen nichts mehr wissen, die hielt es mehr mit dem feinen gekauften Zeug. Na, das war ja auch danach!
Annemarie überschaute mit lebhaften Augen die Reihe von Leinen- und „Gebüd"stücken und streichelte liebkosend da- ruber.
Das war angenehme Aussicht auf ihren eigenen Brautschatz. Wurde ein stattlicher Brautwagen werden, der einmal durch das große Hoftor des Brinkhofes hereinfuhr, von bekränzten Ochsen gezogen! Kein Denken daran, daß die Trina soviel zurückbrachte, wie die Heidgerstochter sich leisten konnte!
„Also diese Stücke sind für's Lazarett," bestimmte Frau Heidger drei mittelgroße Rollen, nicht ohne einen kleinen Seufzer des Bedauerns. „Run komm, daß wir die anderen wieder hinauftragen."
„Aber Mutter, hier dies eine Stück ist doch so fein; das toâr’ doch besser zu Hemden für meine Aussteuer," widersprach Annemarie.
Aber die Frau entschied kurz: „Es bleibt dabei. Ist noch mehr von der Sorte. Komm, faß anl"
Schmollend gehorchte das Mädchen. Die beiden trugen in dem großen Wäschekorb, so viel er fassen konnte, keuchend die
treppe empor, um Die Schätze wieder an Ort und Stelle zu verstauen.
Gena blieb allein zurück In ihren Augen glomm wiebei Der rätselhafte Ausdruck Ein Feuer, das immer unter der Asche schwelte und bei jedem Anlaß losbrechen konnte.
Mit keinem Wort hatte sie sich an der Sache beteiligt. Sie saß, den Kops tief über eine Flickarbeit gebeugt — aber der kurze Saum, an dem sie nähte, wurde nie fertig.
Als die Tür sich hinter Mutter und Schwester schloß, sank ihr die Arbeit aus den Händen.
Starr sah sie vor sich hin.
Auf der Ofenbank neben ihrem Fahrstuhl lagen noch fünf, sechs Leinwandballen.
Sie strich mit scheuen Fingern über den nächsten.
Sie ... o sie würde nie eine Aussteuer brauchen! Für sie gab es kein Frauenglück, kein Beglücken eines anderen, kein Eigenleben. Rie würde sie im eigenen Heim schalten können, nie würden Kinder um ihre Kniee spielen.
Ihren Reichtum an Liebesfähigkeit, an Hingebung — keiner begehrte diesen ungehobenen Schatz. Für ihre Sehnsucht, ein Glück sich zu bauen, für ihre drängende Arbeitskraft gab es kein Feld der Betätigung.
Eine taube Blüte, die nie Frucht bringen konnte! —---- 3a, wäre sie gleichgültig und gefühllos, wäre sie geistes- trage und stumpf — leichter wärs zu tragen. Aber so — aber so!. ..
Sie krampfte die Hände zusammen. O die Quaf, Immer gefesselt zu sein — hoffnungslos!
Niemand wußte, was sie innerlich litt, niemand verstand ihr seelisches Entbehren. Ach, was wissen auch die Gesunden, Starken, Unbekümmerten, Gesättigten von der Seelennot eines, der vor lebendigen Quellen steht und seinen brennenden Durst nicht löschen Darf! Der mit hungriger Sehnsucht den andern nachschaut, die zu den Festen des Lebens gehen — denen alle Lichter strahlen, denen alle goldenen Tore offen stehen . . . während er selbst seinen Jammer in Dunkelheit verbergen, feine Tränen nach innen weinen muß, Damit sie ihn nicht bemitleiden!...
Gertrud Heidgers stolze Feuerseele hatte wieder einmal den Halt verloren, brach zusammen unter ihrer Last.
Und nun stürzten auch die Tränen hervor, wie ein angestauter Quell, und überströmten das junge Gesicht. Ein armes Menschenkind schluchzte sein herztiefes Weh ins Leere hinein.
Droben wurde ein Schrank zugeschlagen. Gerta fuhr zusammen, trocknete hastig ihr Gesicht.
Gewaltsam faßte sie sich.
Niemand durfte das sehen! Gut, daß sie mit dem Rücken 3um Fenster saß, dann bemerkte die Mutter ihre geröteten Augen nicht. . . ach, da mußte sie fast lächeln. Aber es war ein wehes Lächeln: Es war doch keiner da, der sie mit Augen sorgender Zärtlichkeit beobachtete!
Siefauf atmete das Mädchen. Wie konnte das nur geschehe? Wieder einmal war sie schwach geworden. Sie wollte doch stark fein — wie die da draußen, wie die Frauen und Mutter, die klaglos ihr Liebes Hingaben!
O sie war es nicht allein, die im Schatten stand, die tiefgebeugt unter Lebenslüsten wankte! Diese Erkenntnis war Gertrud Heidger durch Den Kriea aukaeaanaen.
Wieviel edelstes Menschentum, wieviel Zukunstshoffnungen, wieviel herrliche Kraft, die alle Wüsten Der Welt in fruchtbringende Aecker hätte umschaffen und Millionen von Menschen hätte zum Segen sein können» wurde niedsrge- stampft vom Krieg!
Und die heimkehrten — zerbrochen, siech, nur noch Ruinen ihrer stolzen Manneskraft --o nein, Gerta hatte kein Recht, die Hände anklagend zum Himmel zu heben. Sie war nur ein winziges Glied in der unabsehbaren Kette der Müden, Lichtlosen, Siechen, Zertretenen. Es gab Lasten, die schwerer wuchteten ...
Als Gertrud Heidger dies alles in leidgefüllten Monaten zum Bewußtsein gekommen war, da lösten sich langsam, langsam ihre Gedanken von dem eigenen Schicksal und suchten tastend die Wege zu fremdem Leid.
Und da wachte in ihrer Seele alles ursprüngliche Gute und Großzügige auf. Für andere leben, andern dienen, vor allem den Allernächsten! Wärme und Traulichkeit um sich verbreiten! Tränen trocknen, Wunden heilen . . . Oder wenn dazu keine Möglichkeit war, so konnte sie wenigstens die Hände regen und den Tapferen, die draußen" ihr Leben für die Heimat- schölle einsetzten in Frost und Kälte, wärmende Hüllen arbeiten.
Das tat Gerta denn auch mit allem Eifer; und es war stau« nenswert, was sie zustande brachte Und in dem Maße, als das ehedem so verbitterte Mädchen sich selbst vergaß und Die Augen auf das abgrundtiefe Menschheitsleid gerichtet hielt, wandelte sich die Bitterkeit in stille Wehmut und Ergebung, fand das unruhige Herz Ruhe und Frieden.
Nur zuweilen, wenn — wie soeben — all ihr Entsagen sie mit leeren Augen ansah, konnte es noch geschehen, daß urplötzlich die Flutwelle des Wehes wieder hoch anschwoll und ihr den Boden unter den Füßen wegspülte.
Doch das waren Rückfälle, die immer seltener wurden. Gerta Heidger kämpfte sich allmählich durch zur Höhe abgeklärter Weiblichkeit. —
Die Mutter und Annemarie kamen mit dem leeren Korb zurück.
„Hajaß, da fühlt man feine Arme!" lachte letztere gutgelaunt; denn die Mutter hatte ihr oben noch zwei Stücke des feinsten Gespinstes für ihren Extra-Hamsterkasten geschenkt. „Für dich is dat eigentlich zu schwer, Mutter; laß Hanne beim letzten Korb helfen. Hanne! Komm, pack mal an!" rief sie in die Spülküche hinein.
Eilig kam Hanne gelaufen und trocknete sich noch unter der Türe die Hände an der blauleinenen Schürze ab. Bewundernd sah sie auf die Leinwandrollen.
„Jess' Marjosep, wat'n Werks! Wenn man davon so'n Stücker drei vier in de Kist hat, könnt mer lachen! Laß man, Annemarie, bat kann ick alleinig!"
„Nee, ich muß doch noch alles fortpacken. Un auf'm Kornboden is auch noch nich umgeschaufelt."
„Tu auf de Aepfelkammer auch qleich de Aepfel untiefen, Annemarie! Un bring 'n paar Goldreinetten für Bernd sein Paket!" gebot die Frau.
„Ja, ich schick Wilhelm auch gleich eines, der ißt aber lieber die roten Paradies/
DU bettlen*6” trä^rnb. in das fianii^k^einlie^a^