Nr. 280 Dienstag 29 November 1932
Kurze politische Nachrichten.
Der Völkerbundrat genehmigte das zwischen Danzig und Polen abgeschlossene Abkommen, in dem sich die polnische Regierung u. a. zur Z u r ü ck z i e h u n g d e s Zlotyabkommens verpflichtet. Ferner beschloß der Rat, das Mandat des amtierenden Völkerbundkommissars Rosting bis zum 1. Februar zu verlängern.
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Der Parteitag der badischen Sozialdemokratie hat sich geschlossen gegen den Abschluß des Kirchenvertrages mit dem Vatikan (Konkordat) ausgesprochen. Da das Zentrum von dem Zustandekommen des Konkordats seine weitere Zusammenarbeit mit der SPD. in der Regierung abhängig macht, wird es nun zu einer Regierungskrise kommen.
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Im Alter von 85 Jahren ist der frühere wngjâhrige Generalsuperintendent für Schleswig, D. Theodor Kaftan, in Baden-Baden gestorben. Mehr als 30 Jahre hat D. Kaftan das kirchliche Führeramt in der deutschen Nordmark bekleidet.
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Der Nobelausschuß beschloß, in diesem Jahre den Friedensnobelpreis nicht zur Verteilung zu bringen. Der für dieses Jahr vorgesehene Betrag wird satzungsgemäß für das nächste Jahr zurückbehalten.
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Der „Wehrwolf" beschloß auf seiner Reichsführertagung in Eisleben, da er trotz seiner Ablehnung des Parlamentarismus die Selbstverwaltung der Gemeinden uneingeschränkt bejahe, bei den kommenden preußischen Gemeindewahlen mit eigenen Listen aufzutreten.
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Der schweizerische Bundesrat beschloß grundsätzlich, daß eine Beschäftigung von Kommun i st e n im Bundesdienst nicht mehr in Frage kommen könne. Die Statuten der Partei forderten zum Streik auf, der laut Gesetz den Beamten verboten ist.
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Am 1. Januar 1933 tritt das neue argentinische Einwanderungsgesetz in Kraft, das scharfe Bestimmungen für die Einwanderung von Angehörigen aller Rationalitäten enthält und sie von dem Vorhandensein ausreichender persönlicher finanzieller Mittel abhängig macht.
Nah und Fern
O Museumsdieb, der gegen sich selbst Strafanzeige erstattete. Das Schneüschöffengericht in Perlin verurteilte den arbeitslosen Dreher Dallmann wegen Diebstahls zu drei Monaten Gefängnis. Dallmann hatte in dem Museum für Völkerkunde ein chinesisches Gemälde im Werte von 25 000 Mark entwendet. Als er den Kunstgegenstand nicht loswerden konnte, meldete er sich bei der Polizei und ließ sich verhaften.
O Phosgengas im Vorlesungssaal. Während eines Versuchs im Physiologischen Institut der Universität Halle versagte der Verschluß einer Phosgenstahlflasche, so daß das giftige Gas ungehindert ausströmen konnte. Die Studenten wurden von einem beftiaen Stickhustenreiz be-
Unheil aus
Oie Reiiungsarbeiien auf den Oelbrückschächten.
Der Bergmann Woitkowski unter tragischen Umständen gestorben.
Einer der bei dem Unglück auf den Delbrückschächten bei Hindenburg verunglückten Bergleute, der Füller Woitkowski, dessen Oberkörper freigelegt worden war, der aber nicht geborgen werden konnte, weil sein Bein unter einem Felsblock eingeklemmt war, ist an Herzschwäche gestorben. Die Rettungsmannschaft war in dem Umgchungsstollen, dessen Anlage der Bergung Woit- kowskis dienen sollte, bereits bis auf 50 Zentimeter an ihn herangekommen. Es bleibt abzuwarten, ob cs überhaupt möglich sein wird, die Leiche Woitkowslis und der in seiner Nähe liegenden beiden anderen Verunglückten zu bergen, da die Bergungsmannschaft in Gefahr schwebt, durch herabbrechende Kohlenmasscn selbst verschüttet zu werden.
Fahrlässigkeit des Schaffners verschuldete das Seilschwebebahnunglück.
Nach dem amtlichen Untersuchungsergebnis des Unglücks auf der Seilschwebebahn zum „Schau- insland" bei Freiburg in Baden ist durch grobe Fahrlässigkeit des Schaffners (der tödlich verunglückte) die Kabine auf der Bergstation nicht an das zweite Zugseil gekuppelt worden. Dieses lief vielmehr lose mit und erfaßte an der Unfallstelle die Kabine von unten und hob das Laufwerk vom Drahtseil ab. Ferner konnte nur eine ganze Kette von Unterlassungen des Schaffners im Anschluß an den unvorschriftsmäßigen Kupvelungsvorgang zu dsm Unfall führen, denn er hätte diesen mit Hilfe der Sicherheitseinrichtungen verhindern können. Irgendein Fehler in der Anlage, im System und in der Konstruktion lag nicht vor.
fallen und mußten fluchtartig den Raum verlassen. Durch die Feuerwehr konnte die Gefahr nach kurzer Zeit beseitigt werden. Es besteht die Hoffnung, daß keiner der Studenten Schaden an seiner Gesundheit erlitten hat, doch bleibt zu beachten, daß Phosgenvergiftungen sich oft erst nach einiger Zeit auswirken.
O 200 Schafe bei einem Feuer umgekommen. In Einzingen, Landkreis Weimar, brach nachts, in einem landwirtschaftlichen Anwesen Feuer aus. Die in dem Gehöft untergebrachten 200 Schafe der Gemeinde, darunter viele tragende Muttertiere, kamen in den Flammen um. Außerdem wurden 400 Zentner Hafer, 100 Zentner Gerste, 120 Zentner Kunstdünger und viele landwirtschaftliche Maschinen und Geräte vernichtet. Man vermutet Brandstiftung, hat aber von dem Täter noch keine Spur.
O Fünf Kommunisten wegen Sprengstoffdiebstahls festgenommen. In Königsbrück in Sachsen sind fünf Kommunisten verhaftet worden. Die Verhafteten stehen im Zusammenhang mit einem Sprengstoffdiebstahl im Dezember vorigen Jahres. Damals wurden aus einem Steinbruch 10 Kilogramm Ammonit und Ammongelatine entwendet.
O Tödlicher Absturz eines Segelfliegers. Im Segel- flicgerlager Hirzenhain in Hessen ereignete sich ein_ tödlicher Unglücksfall, der zweite seit Bestehen Der Segelfliegerschule. Der 26jährige Flugschüler Bieber aus Hirzenhain stürzte nach längerer Fiuadauer aus noch unbekannten Ursachen plötzlich ab. Die Maschine ging völlig zu Bruch. Der Flieger erlitt schwere Verletzungen, denen er aus dem Wege zum Krankenhaus erlag.
aller Welt.
Auf eigenartige Weise Selbstmord verübt.
Der unter der Anklage des Mordversuchs im K o - bürg er Untersuchungsgefängnis befindliche Händler Johann Scherer aus Mitterfels hat auf eigenartige Weise Selbstmord begangen. Er stopfte sich soviel Papier in den Schlund, daß er ersticken mußte. — Scherer hatte von einer Firma in Lichtenfels Ware bezogen. Als er von dem Vertreter dieser Firma um Zahlung ersucht wurde, kam er mit diesem in Streit, in dessen Verlauf er ihm einen Schuß in den Leib beibrachte. Der Vertreter wurde schwer verletzt.
Zehn Grad Kälte in Newyork.
Zwei Todesopfer der Kälte.
Der Winter setzt in Amerika ungewöhnlich früh ein. In Newyork sank das Thermometer bis auf zehn Grad unter Null. Zwei Erwerbslose wurden erfroren ausgefunden. Die privaten Hilfsorganisationen, wie z. B. die Heilsarmee, teilen mit, daß alle Wärmehallen unb Notquartiere bis zum letzten Platz besetzt sind. Viele Tausende können keinen Unterschlupf mehr finden. Man rechnet für den Winter mit furchtbarem Elend, zumal es weder eine Erwerbslosenunterstützung noch eine Wohlfahrtsfürsorge gibt. Die nach dem warmen Süden fahrenden Leerfrachtzüge nehmen Zehntausende von Erwerbslosen mit. In den Barackenlagern der Kriegsteilnehmer in den Außenbezirken von Newyork herrscht gleichfalls schwere Not. Die meisten dort untergebrachten Familien sind völlig mittellos und können nicht einmal für Heizmaterial sorgen.
Vier Todesopfer des Sturmes über England.
London. Der schwere Sturm, der über England wütete, bat vier Todesopfer gefordert. Im Hafen von Gorleston bei Parmouth an der englischen Ostküste stürzte ein Kraftwagen über die Kaimauer herab und versank mit den beiden Insassen, einem Mann und einem jungen Mädchen, in den Fluten. Bei der Insel Wight kenterten zwei Segelboote, wobei zwei Personen ertranken.
O Ein SA.-Führer bei einem Streit getötet. In Vrack- wede bei Bielefeld kam es vor einer Wirtschaft zu einem Zusammenstoß zwischen Gästen des Lokals. Hierbei wurde der SA.-Führer Elbrächter aus Brackwede von dem aus Urlaub befindlichen, aus Dortmund stammenden Polizeiwachtmeister Lutterklas, der Zivilkleidung trug, durch einen Bauchschuß so schwer verletzt, daß bald daraus der Tod eintrat. Der Polizeibeamte, der festgenommen wurde, gibt an, in Notwehr gehandelt zu haben
O Aufregende Jagd auf einen Autorâubcr. Zu einer aufregenden Jagd auf einen Autoräuber kam es in Saarbrücken. Als Der Autodieb mit dem gestohlenen Wagen in langsamer Fahrt an dem Besitzer vorbeifuhr, sprang Dieser auf das Trittbrett des Wagens und wollte den Dieb zwingen, nach der Polizeiwache zu fahren Der Autoräuber flüchtete aber in ein Haus und sprang, als ihn die Polizei verfolgte, aus dem dritten Stockwerk auf die Straße. Er zog sich so schwere Verletzungen zu, daß der Tod auf herJStclle eintrat.
O Zwei neue Nachbeben im Ruhrgebiet. Am Montag früh verzeichneten die Seismographen der Bochumer Erdbebenwarte wiederum zwei Nahbeben. Bei beiden Beben setzte nach etwa 14 Sekunden die zweite Bewegungsphase ein, was einer Entfernung des Bebenherdes von etwa 125 Kilometer entspricht und den Schluß zuläßt, daß als Herd des Bebens wieder Holland in Frage kommt.
Wirb für Deine Heimatzeitung!
Die vom Heidehof.
Roman v. Henriette Drey.
Copyright by Romondienst „Digo" Berlin-Schmargendorf.
14i (Nachdruck verboten.)
Alles persönliche Leid. auch das tiefste, mußte jetzt versinken, untergehen m dem ungeheuren Weh, das schon seine blutigen Fänge nach Millionen Herzen ausstreckte.
--Ach, nun blutete die Wunde doch wieder!. ; . Noch immer ertrug sie nicht die leiseste Berührung!
Konnte diese arme Liebe, die so tief, so jammervoll in den Staub getreten war — konnte sie denn noch immer nicht sterben? . . .
War der Stolz nicht stark genug, sie niederzuhalten?
Manchmal glaubte das Mädchen schon: Nun liegt sie still und starr und rührt sich nimmer — und wollte leise den Sarg schließen... da zuckte die Liebe und schlug die Augen auf. Und sah sie an mit dem gequälten Blick, der in jener unheimlichen Winternacht durch ihr Fenster gestarrt hatte.---
Adelheid Liesefeld vergaß alles um sich her. Die Lippen hart zusammengepreßt, lehnte sie an ihrer Säule und sah mit abwesenden Blicken ins Leere.
Tausende und Tausende zogen sie vorbei, die Edelsten, Besten, Unentbehrlichsten, die Wertvollsten, die Hoffnungsreichsten, Gelieblesten! Wo ... ach, wo war der eine — der, ein sturmverwehtes Blatt, in jener schaurigen Nacht ins Heimatlose hinausgewirbelt war? . . .
Nie war eine Kunde von ihm zu ihr gedrungen. Ihre herb- jungfräuliche Seele hatte es nie vermocht, Gertrud nach dem verschollenen Bruder zu fragen. Und den Heidgers verschloß Gram und Scham die Lippen.
Vergessen schien er — versunken, verstoben!
Und doch — und doch . . .
Unwillkürlich verschlangen sich ihre Hände. Ihre Seele war weich zu dieser Stunde.
„Herr .. . wenn er lebt — dies ist die Zeit der Erweckung! Du hast tausend Wege! Einen laß ihn finden, Gott, mein Go"! Nicht zu mir — zu dir, Herr! Nur nicht versinken, nicht versinken!"
s Da war einer in dem engbesetzten Abteil, der saß so schweig- kpr^^'"? perjunfen da, als sei er mutterseelenallein !n n °" den langen Stunden, seit sie fuh- ren, hatte er noch kein Wort gesprochen
Iräum/nVhT mancher schweigend und träumend dagesessen und still tm Herzen das Abschiedswsh niedergekamp^ auch wohl verstohlen eine Träne zerdrückt ^atte heben Worten nachgesonnen, noch immer dem Klana ß““6l««i gelauschet. Aber dann forderte dieGeaem wart doch wieder ihr Recht. e ^aen
Das war nun überhanDen, das Schwerste! Jetzt alle Muskeln gestrafft! Jetzt ran an den Feind! Die Kameraden trugen ja alle dasselbe Herzweh. Gemeinsames Leid aber tröstet — und bindet!
Da wurden hurtig Brücklein von Seele zu Seele geschlagen! Ein mutiges Lied erklang. Schnelles Vertrauen spann goldene Fäden von einem zum anderen — und nicht lange, da wußten sie gegenseitig schon Bescheid über woher und was und wie!
Hier und dort zog ein Landwehrmann zögernd wie ein Heiligtum die Photographie von Frau und Kindern hervor — die jungen Männer blieben mit dem Bild der Liebsten nicht zurück. Ja, ein frischer Iägerbursche, der keinen Schatz hatte und auch keine Mutter mehr, zeigte stolz das Bild seiner beiden prächtigen Jagdhunde.
Und es war, als bildeten sie alle eine einzige große Familie.
Aber der Eine gehörte nicht zur Familie. Er saß in feiner Ecke, brütete stumm vor sich hin. Gutmütig versuchten die andern, ihn ins Gespräch zu ziehen. Er antwortete kaum. Da ließen sie ihn achselzuckend in Ruhe.
Trug wohl noch am Abschied . . . Nein, niemand hatte gesehen, daß er von irgendwem Abschied nahm. Gottesmutterseelenallein hatte er auf dem Bahnsteig gestanden.
Na, also lassen wir ihn! Wer konnte wissen, was mit dem los war? Schleppt oft einer fein unsichtbares Packe! mit sich herum.
Und sie öffneten ihre Paketchen, die treue Liebe ihnen mitgegeben hatte. Ah! das von daheim schmeckte doch am besten!...
Der Eine, der Stille, hatte kein Paket. Nichts, gar nichts — lucht die kleinste Liebesgabe.
Da tat er ihnen wieder leid. Sie boten ihm freundlich an. Er lehnte dankend ab, aber es ging doch ein wärmerer Schein über sein verschlossenes hageres Gesicht.
Dann faß er wieder in sich versunken da und horchte, wie seit Stunden, auf das Singen der Räder.
Die sangen immer dasselbe. In schwerem Dreitakt, gleich wuchtigen Hammerschlägen, klang's: Un-sühn-bar! . . .
Er schaute an sich nieder. Ja, er trug das Ehrenkleid, das all diese Braven, Unbescholtenen trugen — als sei er einer von ihnen!
Keine zerfranzten Hosen waren das. Nicht die schäbige Eleganz des Herabgekommenen, die eine Talmivornehmheit heuchelte. Es war die Uniform eines einfachen Soldaten — aber kein Kleid war ehrenhafter!
Der Vorsitzende der Musterungskommission hatte überrascht aufgeschaut, als er die Papiere des vor ihm Stehenden einsah.
„ Sie haben einjährig gedient? . . . Bei den Bonner Königshusaren? . . ." fragte er halblaut.
„Zu Befehl! Aber ich bitte gehorsamst, als gemeiner Soldat eintreten zu dürfen."
Forschend sah der alte Herr ihn an. Er war ein Menschenkenner. Ein Entgleister, ein Gestrandeter! schätzte er^Ob eigene
Schuld ... ob Schuld der Umwelt... tragische Umstände ...? Wer weiß die Rätsel eines Menschenlebens auszudeuten!
Aber der da hatte noch Ehrgefühl — da gab's noch einen Aufstieg.
„Ihr Wunsch sei erfüllt," willfahrte er freundlich. Und dann mit eindringlicher Betonung leise: „Vergessen Sie nicht, daß es für alles eine Sühne gibt! Hingabe für das Vaterland, für die Heimat löscht alles aus."
Doch die Räder fangen: Un-sühn-bar! Un-sühn-bar!
Der einsame Soldat grübelte den Worten nach. Ja, es gab Dinge, die keine Sühne austilgen konnte. Eine reiche Jugend oerpraßt, vergeudet. Die Liebe der Eltern betrogen, Schande über sie gebracht — doch nein, die Schande hatte des Vaters Großmut abgewendet. Kein Flecken haftete dem alten Namen in — aber der Flecken an feiner Seele, an feiner Ehre blieb. Sine reine Liebe verraten .. . treulos verraten, verlassen ... Rein, dafür gab's keine Sühne!
Unsühnbar! Unfühnbarl langen die Räder.
An einer größeren Station gab’s ein paar Stunden Rafft die Fahrenden wurden gereift. Neugestärkt und mit Liebesgaben beschenkt, ergingen sie sich auf dem Bahnsteig, um bte steifen Glieder zu vertreten.
Der Eine stand einsam an einem Pfeiler.
„Möchten Sie diese Rosen nicht mitnehmen als Heimatgruß?" klang eine sanfte Frauenstimme an fein Ohr.
Er wandte sich um und blickte einer älteren Dame in die Augen.
„Ich habe keine Heimat!" versetzte er schroff.
„O doch, mein Freund," gab sie herzlich zurück. „Wenn Sie auch allein in der Welt stehen sollten, das große Deutschland ist Ihre Heimat! Hub nun, wo Sie hinausziehen, für uns zu kämpfen, erwerben Sie sich ein neues heilige Recht auf die Heimat!"
Er schaute in die mütterlichen Züge. Wie gütig diese Frau aussah! Glich sie nicht. ..?
„Ich habe die Heimat verloren .. . durch eigene Schuld," ■ gestand er leise, fast wider Willen.
„Dann erkämpfen Sie sie zetzt zurück, junger Freund! Rufen Sie alles Gute und Tüchtige in sich auf! Lassen Sie es wachsen, stark werden. Dies ist die Zeit großer Entschlüsse, großer Taten, äußeren und inneren Heldentums. Hingebung und Liebe sühnen alles, was auch geschehen ist. Größere Liebe hat keiner, als wer sein Leben hingibt für seine Freunde — für feine Heimat . .
„Ja--eine Kugel wäre das beste," murmelte er abwesend. Aber sie hatte es gehört.
„Nein, Lieber — nicht so! Nicht gezwungen, weil es einmal sein muß, als Kanonenfutter. Nein — freiwillig, bewußt: „Herrgott. . . was ich auch gefehlt habe — sieh, ich bin zur Sühne bereit! Soll mein Blut fürs Vaterland fließen -- siehe, hier bin ich AIs Sühne!" So werden Sie innerlich frei und rein: . . . Behüt' Sie Gott, junger Freund. Hier biet- rote Rose fei Ihnen trotz allem ein Heimatgruß."
^Fortsetzung folgt]