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Gestatten bet Romantik.

Vortragsabend in der Landcsdibliothck.

In der Reihe der Vortragsveranstaltungen der Landes- bibliothek sprach am Samstag abend ^Frau Elsbeth Scherer über drei hervorragende Vertreter der Roman­tik und zwar über Novalis (Hardenberg), Bachofen und Görres. Lange Zeit war die Beschäftigung mit den Ro­mantikern eine fast verpönte Angelegenheit, die man in unserer Zeit des Materialismus und der Herrschaft des rein Stofflichen nicht recht verstehen konnte. Das lag zum Teil auch daran, daß man den Begriff „Romantik" ver­fälschte und das Wesen der Romantik falsch verstand. Be­reits vor zwei Jahrzehnten machte sich aber in der deut­schen Geistesgeschichte wieder ein Zug zum Romantischen hin bemerkbar. Langsam war die Erkenntnis zum Durch; bruch gekommen, daß der Glaube an den Stoff nicht in die Tiefe der Frage nach dem Sinn und Zweck des Daseins eindringen kann, denn diese Frage ist letztlich eine reli­giöse und metaphysische Angelegenheit. Die Romantik ist eine Richtung des menschlichen Bewußtseins, die immer wieder erscheinen wird und die in jeder Zeit ihre gestal­tenden Kräfte finden wird. Die Zeit, die wir als die Romantik bezeichnen, trug dieses Bewußtsein in besonde­rem Maße in sich. Unter den zahlreichen Vertretern der Romantik sind nur wenige, deren Schaffen bis in unsere Tage hinein Geltung behalten hat und die gerade heute am Beginn der Abkehr vom Materialismus ihre Bedeu­tung haben. ^Da ist zunächst Novalis, dessen bürger­licher Name Hardenberg hieß, der wie kaum èin anderer das Wesen der Romantik verkörperte. In seinem Roman „Heinrich von Ofterdingen" schuf er das Symbol, unter dem stich die Romantik zusammenfaßt, die über das Mensch­liche hinausgehend einen Blick in die Ewigkeit zu werfen versuchen will. Die Rednerin zeichnete in feinen Strichen ein treffliches Lebensbild von dem bedeutenden Schrift­steller, der, kaum 30^Jahre alt, ins Jenseits abberufen wurde. Sein früher Tod hat uns ihn aufbewahrt als den feinen romantischen Geist, in dem sich Seele und Sinne zu einer wundervollen Harmonie vermählten. Die Vortra­gende wandte sich sodann Joh. Jak. B a ch o f e n (1815 bis 1887) zu, der in Basel lebte. Er stand bereits in einer Zeit, die sich dem rein Stofflichen zu ergeben begann. Aber durch ihn erlebte die Romantik gewissermaßen eine Aufer­stehung. Er begann seine Laufbahn als Philologe und Jurist, und war ein Mensch mit einem tiefen Blick für das Vergangene und der, durch Reisen angeregt, mit seheri­scher Gabe in die alte Zeit vorzudringen verstand und uns in seinem „Mutterrecht" und anderen Werken Unver­gängliches geschenkt hat. Zu der jüngeren Generation der Romantiker gehört der in Koblenz geborene Joseph Gör­res, der, mit großen Eeistesgaben und unerschöpflicher Tatkraft ausgerüstet, nicht nur ein bedeutender Roman­tiker. sondern,auch ein Kämpfer für sein deutsches Vater­land war, dessen Wirken gerade in der damaligen Zeit ungeheuere Bedeutung hatte. Leider wurde er durch seine journalistische Betätigung in seinem „Rheinischen Mer­kur". in dem er für die deutsche Sache kämpfte, durch die Preuß. Regierung gezwungen, nach Straßburg zu fliehen. Dort fand er in dumpfer Abgeschiedenheit von seinem Volk schließlich den Weg zur Kirche und stellte seine Kraft zum Teil in ihren Dienst. — Reicher Beifall lohnte die vor­trefflichen Ausführungen der Rednerin, die es in hervor­ragender Weise verstand, ihren Zuhörern das Wesen der Romantik und die Arbeit der von ihr behandelten Dichter nahezubringen.

Opfer des Verkehrs.

Ein tödlicher Unglücksfall.

Gestein nachmittag gegen 1 Uhr ereignete sich an der Straßenbiegung Rangstraße—Im Kessel ein bedauerlicher Verkehrsunfall, dem ein Menschenleben zum Opfer fiel. Als ein aus Charlottenburg kommender Fernlastzug mit An­hänger die genannte Straßenbiegung befuhr, kam der 36- jährige Karl Birkenbach aus Halsbach bei Weyhers mit seinem Motorrad aus entgegengesetzter Richtung. Der Motorradfahrer, der das führerscheinfreie Motorrad erst seit kurzer Zeit fuhr, wurde in der Kurve unsicher und fuhr gegen den Bordstein, wobei er vmstürzte und unter den Anhänger des Lastwagens geriet. Er erlitt einen doppel­ten Schädelbruch und wurde in bewußtlosem Zustande dem hiesigen Landeskrankenhaus zugeführt, wo er heute vor­mittag feinen Verletzungen erlegen ist. — Ein weiterer Verkehrsunfall ereignete sich heute vormittag gegen %11 Uhr in der Löherstraße. Ein etwa 5jähriges Kind lief einen Motorradfahrer an und erlitt einen Beinbruch sowie Verletzungen im Gesicht. Dos Kind wurde ins Landes­krankenhaus eingeliefert.

Statt besonderer Anzeige.

In der Frühe des 1. Adventssonntages nahm Gott meine Hebe Frau, die treue Gefährtin meines Lebens durch fast 50 Jahre, unsere gute Mutter, Schwiegermutter und Großmutter

Emma Ruhl

geb. Wiederhold

zu sich in sein himmlisches Reich. Sie starb plötzlich und unerwartet im eben vollendeten 75. Lebensjahr.

Psalm 4, 9

Friedrich Ruhl, Superintendent i. R., Martha Hattendorff geb. Ruhl, Elisabeth Ruhl, Diakonisse, Dr. med. Ernst Ruhl, Emma Volprecht geb. Ruhl, Apothekerin, Carl Hattendorff, Pfarrer, Magda Ruhl geb. Loos u. 3 Enkelkinder.

Fulda, Kassel, Betzdorf (Sieg.), 27. Nov. 1932.

Die Beerdigung findet statt am Mittwoch, den 30. Nov. 1932 nachmittags 3 Uhr auf dem neuen städtischen Friedhof.

Wir bitten von Beileidsbesuchen absehen zu wollen.

Boin Fulda-Nhön-Sängcr-Guu. !

Im Ballhaus-Saal fand am Sonntag vormittag bie diesjährige Jahreshauptversammlung des Fulda-Rhön- Sänger-Gaues statt. Rach herzlichen Begrüßungsworten des 1. Gauvorsitzenden wünschte der Redner der Tagung einen guten Verlauf und gedachte sodann der im abgelau­fenen Geschäftsjahr verstorbenen Sangesbrüder u. a. auch des so plötzlich verschiedenen 1. Präsidenten des Deutschen Sängerbundes, Dr. Hammerschmidt. Das Andenken der Toten wurde in üblicher Weise geehrt. Durch eine Schall­platte,wurde sodann die wuchtige Ansprache des verstorbe­nen Präsidenten wiedergegeben, die er einige Tage vor seinem Tode auf dem Eängerbundesfest in Frankfurt a. M. bei der Weihe der Standarde für den Bund Nassau hielt. Besonders herzlich begrüßte sodann der 1. Eauvorsttzende Herrn Lehrer Echzell vom Vorstand des Mitteldeutschen Sängerbundes in Kassel. Von den im Gau vereinten 30 Gesangvereinen hatten 23 Vereine Vertreter entsandt. Der Redner betonte weiter, daß der Fulda-Rhön-Sänger-Eau im Jahre 1932 trotz mancher Einsparungen viel für die Pflege des deutschen Liedes und des deutschen Männerge­sanges getan habe. Das vom Gau abgehaltene Goethe- Konzert brachte einen moralischen Erfolg aber ein finan­zielles Defizit. Zum Cauchormeister ist inzwischen Herr Lehrer Rübsam gewählt worden, der sein Amt im Hin­blick auf die äußerst schwierige Finanzlage des Gaues kostenlos ausübt. Die früher im Fulda-Rhön-Sänger-Bund gepflegte Sitte, Vereinen anläßlich ihres 25- und 50jähri- gen Bestehens silberne oder goldenen Fahnenkränze zu ver­leihen, könne jetzt vom Gau nicht mehr durchgeführt werden, da, es an den nötigen Mitteln fehle. Infolge des großen Defizits in der Gaukasse müßten in Zukunft auch die Werbungsreisen der Vorstandsmitglieder wegfallen. In diesem Zusammenhang forderte der Redner die Ver- einsvorstünde auf, die Beiträge an den Gau regelmäßiger und pünktlicher abzuführen. Der Vorsitzende betonte dann noch, daß der Fulda-Rhön-Sänger-Eau im Festzug des Deutschen Sängerbundesfestes nur mit einer Fahne ver­treten gewesen sei, während andere Gaue, die eine größere Reise machen mußten, mit mehreren Fahnen vertreten waren. Infolge der großen Zahluygsrückstände der ein­zelnen Vereine aus den Jahren 1930, 1931 und 1932 ist die Kassenlage, des Gaues sehr angespannt. Herr Lehrer Echzell- Kassel gab der Hoffnung Ausdruck, daß es in­nerhalb der Vereine, die mit den Beitragszahlungen stark im Rückstände sind, gelingen möge, die Schwierigkeiten zu überwinden. Nach längerer Aussprache wurden'die Mit- gliedsvereine gebeten, die rückständigen Beträge aus 1932 bis zum Ende dieses Jahres zu begleichen. Für Frühjahr 1933 ist die Abhaltung zweier Volksliedertage vorgesehen worden. Zusammenkünfte der Chorleiter mit dem Eau- chormeister sollen in Kürze einberufen werden. Die Ab­haltung eines Eausängerfsstes im Jahre 1933 wurde be­schlossen Da eine Einigung über den Ort nicht zustande- kam. wurde eine Kommission beauftragt, diese Frage zu regeln Die Tagung wurde gegen 2 Uhr nachmittags geschlossen.

Unbegründete Vorwürfe gegen einen städtischen Beamten.

Wegen der Vorwürfe, die in dem von den Kommunisten verbreiteten periodischen Druckerzeugnis gegen einen Be­amten des Wohlfahrtsamtes völlig unbegründeterweise er­hoben worden sind, haben sowohl der Angegriffene als auch die Stadt Fulda Strafantrag gegen den Herausgeber an­gestrengt.

Gersfeld, 26. Nov. (Die neue Simmelsberg- I ch a n z e.) Dank ihrer weiten, grasbewachsenen Hoch­flächen und waldfreien Hänge gewinnt die Rhön von Jahr zu Jahr an Beliebtheit bei den Mintersportlern. Der Wintersportverein Gersfeld hat es sich in der letzten Zeit angelegen sein lassen, auch besondere Plätze mit 'Uebungs- sprunghügeln und eine große Sprungschanze, die Simmels- bergschanze, anzulegen, so daß Gersfeld sich zum bedeutend­sten Wintersportplatz des ganzen Gebirges entwickelt hat. Der Rhön-Skigau hat auch das rund um Gersfeld gelegene Gelände zum Feld wintersportlicher Betätigung gemacht. Die diesjährige Wintersportzeit wird am ersten Schnee­sonntag im Dezember durch den Wintersportverein Gers­feld mit Lang- und Slalomläufen eröffnet. Vom 24. De­zember bis Anfang Januar ist ein Springtrainingkurs an der neuen Simmelsbergschanze unter Führung eines Leh­rers des DSV. Am 8. Januar ist der Gau-Jugendtag des Rhön-Skigaus, am 21. und 22. Januar finden die mittel­deutschen Meisterschaften des VMS. statt.

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Auskunft am Waggon.

Gebern, 27. Nov. (Ein Liebesdrama. —■ Ein Toter, eine Schwerverletzte.) Am Sams- tagnachmittag gab der 26 Jahre alte Arbeiter Fritz Waqen- bach, der seit mehreren Jahren in der Familie der hiesiqen Landwirtswitwe Ladirer tätig war und auch dort wohnte auf die 19 Jahre alte Tochter des Hauses, mit der ihn ein Liebesverhältnis verband, einen Schuß ab, durch den das Mädchen schwer verletzt wurde. Dann schoß sich der junge Mann eine Kugel in den Kopf, die ihn so schwer verwun­dete, daß er bald darauf im hiesigen Krankenhaus verstarb Das Mädchen liegt mit einem Bauchschuß in lebensgefähr­lichem Zustand im Krankenhaus darnieder.

Büdingen, 27. Nov. (Deckenein st urzmit schlim­men Folgen.) In dem Nachbarorte Mittelgründau stürzte am Freitagabend in dem Hause des Landwirts Hein­rich Meininger plötzlich der Fußboden der im Parterre ge­legenen Küche mit allem, was darin war, in den Keller­raum hinab. Während der Mann zu seinem Glück mit leichten Verletzungen davonkam, trug die Frau, die unter den geheizten und ebenfalls mit herabgestürzten Küchen­herd zu liegen gekommen war, schwere Brandwunden da­von. Der Mann konnte zunächst seine Frau befreien und wurde dann durch herbeigeeilte Nachbarn zusammen mit seiner Frau aus den Trümmern hervorgezogen. Wodurch der Einsturz erfolgte, ist noch nicht bekannt.

Frankfurt a. M., 26. Nov. (Sechs Sittlichkeits­verbrecher fest genommen.) Kürzlich wurden fünf Sittlichkeitsverbrecher im Alter von 55—77 Jahren festgenommen, weil sie sich an noch nicht schulpflichtigen Kindern vergangen hatten. Gegen alle hat der Richter Haftbefehl erlassen. Ferner wurde der 59jährige Samuel Perlhefter wegen Sittlichkeitsverbrechen, begangen an seinem eigenen Kinde, festgenommen und eingeliefert. Die Eltern der Kinder können nur immer wieder darauf auf­merksam gemacht werden, diese nicht unbeaufsichtigt zu lassen. Die alten Männer haben die Kinder durch kleine Geschenke auf ihr Zimmer oder auch in Gartenhütten ge­lockt und sich dann an ihnen vergangen. Sie suchten auch auf Kinderspielplätzen die Bekanntschaft der Kinder.

Fuldaer Filmschau.

Die elf Schillschen Offiziere.

Neues Theater.

„Die elf Schillschen Offiziere" ist ein Film, der packt itâ> mitreißt. Man sieht Deutschland-Preußen unter französi­scher Herrschaft. Eine Besatzungsarmee übt die Gewalt im Lande aus. Der König selbst ist zu schwach, um über­haupt Entschlüsie fassen zu können, er ist der Spielball Frankreichs. Verräter sind eifrig am Werke, dem Feinde in die Hände zu arbeiten. Das Volk wird auf königlichen Befehl vollständig entwaffnet. Man wird dabei an die Zeit nach dem Weltkriege erinnert. Und doch ist noch un­gebrochener Lebensmut und unbändiger Freiheitswille im Volke. Hinter dem Rücken des Königs organisiert Major Schill allein eine Truppe. Doch er muß der Uebermacht weichen. In Stralsund, wohin er sich zurückgezogen hat, fällt er mit einem großen Teil seiner Kämpfer. Elf Offi­ziere fallen in die Hand des Feindes. Ein französisches Kriegsgericht, — man denke an Schlageter, — verurteilt sie zum Tode. Mit Mannesmut und Würde hören sie das Urteil an. Sie halten es unter ihrer Würde, um Begna­digung zu bitten. So sterben sie als Männer, als Deutsche, als Kameraden. Der Film enthält an vielen Etellem wie schon erwaWrpÄ nkl ange erfrurnhe utig e Zeit Uiffo eine Mahnung, ja Anklage und für viele ein Ansporn, dem Vaterlande mit allen Kräften zu dienen. Die Darsteller tragen alle dazu bei, daß der Film bei den Besuchern einen tiefen Eindruck hinterläßt. Jh.

Geschäftliche-

W* Wir stellen uns um — und bleiben zu Hause, ohne auf amüsante, abwechslungsreiche Unterhaltung zu verzich­ten. Das populäre Musik-Instrument E l e c t r o l a läßt keine Langeweile aufkommen und vertreibt die Sorgen des Alltags. Eine geringe Anzahlung und kleine Monats­raten genügen schon zur Anschaffung dieses unermüdlichen Gesellschafters. Unverbindliche Vorführung der Electrola- Jnstrumente jederzeit bei J. Mollenhauer u. Söhne und in allen autorisierten Electrolg-Verkaufsstellen.

Verantwortlich für die Schrift-leitung: Christian Seipel.

Gestorben:

Fräulein Alma R i e b o l d, Fulda, Löherstraße 1, 48 Jahre alt. — Beerdigung: Dienstag nachmittag 3 Uhr auf dem neuen städtischen Friedhof.

Habe mich in Fulda, Butter« markt 12 (Steiner-Haus), als Zahnarzt niedergelassen.

Dr. med. deut. Karl Lomb

Sprechstunden: vormittags von 9-12 Uhr, nachm. von 2-7 Uhr.