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Nr. 279 Montag 28 November 1932

Hoffnungen des „Weihnachtsmannes".

Wirtschaftliche Wochenschau.

Der Einzelhandel steht am Beginn seiner Hauptgeschäftszeit im Jahr: der Weihnachtssaison, urd) die notwendigen Einkäufe bei Fabrikant und Großhändler hat er seine Läger ergänzt und aufgefüllt, and nun steht der Geschäftsmann hinter dem Ladentisch and späht aus, daß die Kunden kommen sollen, um durch Geschenkeinkufe die Regale zu leeren und die Kasse zu stillen Dabei steht vorläufig die bange Frage für ihn m Vordergrund, ob er gut disponiert und nicht zuviel, iber auch nicht zuwenig zum Verkauf bereitgestellt und in dci Auswahl von Nam' und Art den Geschmack des Publikums getroffen hat In der Zeit der spärlich ge­stillten Geldbeutel wird es auch von großer Wichtigkeit fein, daß er mit den Preislagen, in denen sich seine Wären bewegen, sich Der vorhandenen Kaufkraft der Kundschaft angepaßt bat Sonst gibt es L a d e n h ü t e r, Die Zinsen und Raum fressen und, wenn die Schenk­begeisterung der Weihnachtszeit verraucht ist, nur schwer und unter Verlusten abzustoßen sind Und während frohe Kinderaugen die herrlichen Auslagen des „Weih­nachtsmannes" im Schaufenster bewundern und ihn darum beneiden, sieht dieser selbst nicht ohne Be­denken den kommenden Tagen entgegen. Bringt doch das Weihnachtsgeschäft für viele Gewerbezweige die aus­schlaggebenden Einnahmen für das ganze Jahr und soll zum „Rausreißer" für mancherlei bestehende Schwie­rigkeiten werden.

Wenn wir die Berichte über die Industriezweige betrachten, deren Erzeugnisse für den Weihnachts­ina r k t besonders in Betracht kommen, so muß man fest­stellen, daß der Handel hofft, daß das überall hervor- k tretende Vertrauen in eine Besserung der Wirtschaftslage

* das Geschäft beleben wird. Der neueste Bericht des Kon- junkturforschungsinstituts zeigt eine Zunahme des Be­schäftigungsgrades besonders in den Verbrauchs» güterinbuftrien, die auf eine gesteigerte Bestell- nnd Einkaufstätigkeit des Handels schließen läßt.

Bei den Verbrauchsgüterindustrien hielt die Belebung, die im September begonnen hatte, unver­mindert an; sie war auch im Oktober in den Verbrauchs­güterindustrien bedeutend stärker als in den Produktions­güterindustrien. Wie im Vormonat ist die Tertil- i n d u st r i e an dieser Belebung am stärksten beteiligt. In den Industriezweigen, die Hausrat und Gegenstände für den W o h n b e d a rf herstellen, hat sich die Belebung ebenfalls verstärkt fortgesetzt. Besonders kräftig war die Belebung der Beschäftigung in der Uhren- und Geschirrsteingutindustrie sowie in einzelnen Zweigen der M e t a l l w a r e n i n d u st r i e. In den „__ FtlduLriLzweiLW, dix für Yen K u l tu r bedarf arbeiten, «st die Beschäftigung zwar gleichfalls noch weiter gestiegen, doch weniger stark als im September. Die N a h r u n g s - und Genußmittelindustrien stehen augenblick- lich unter dem Einfluß des nahenden Weihnachtsfestes. In der Zucker-, Sützwaren- und Zigarren­industrie steigt die Beschäftigung.

So scheint also der Handel sich gut gerüstet zu haben; seine Weihnachtslager warten jetzt darauf, daß sie mit Hilfe der mehr oder weniger gefüllten Geldbeutel in Be­wegung gesetzt werden. Hoffentlich werden alle Hoff­nungen, die der Geschäftsmann auf den Schluß des Jahres setzt, erfüllt!

«Bgmwm^itiMiwiiro

Unheil aus

Tragisches Ende eines

Dummenjungenstreiches. Gymnasiast bei einem Explosionsunglück schwer verletzt.

In der Nacht wurden die Bewohner der Stadt Neu­st et tin durch einen lauten Knall aus dem Schlafe ge­weckt. An der Ecke Augusta- und Moltkestraste hatten mehrere Schüler des Fürsten-Hedwig-Gymnasiums, die von einem Vereinsvergnügen heimkehrten, vor der Woh­nung des Studienrats Thiede einen Sprengkörper zur Explosion bringen wollen. Dieser Sprengkörper, ein Gemisch aus übermangansaurem Kali, rotem Phosphor und Chloriat, ist dabei wahrscheinlich vorzeitig ex­plodiert. Dabei wurde dem l 8jährigen Meinhart Mix aus Neustettin die linke Hand bis zum Gelenk abge­rissen. Ein Teil der Ladung verletzte den Täter auch im Gesicht. Mehrere in der Nähe stehende Schulkameraden kamen mit dem Schrecken davon. Der Verletzte wurde in das Krankenhaus übergeführt, wo er noch in der Nacht einer Operation unterzogen werden mußte. Sein Zustand ist ernst, doch hofft man, ihn am Leben erhalten zu können. Nach den bisherigen polizeilichen Ermittlungen handelt es sich nur um einen D u m m e n j u n g e n st r e i ch ohne politische Hintergründe. Wie die Schüler in den Besitz des Sprengkörpers gelangt sind, müssen erst die näheren Er­mittlungen ergeben.

Schweres Seilschwebebahnunglück.

Zwei Tote, ein Schwerverletzter.

Auf der Schau-ins-Land-Bahn bei Freiburg in Baden erenignete sich ein schwerer Betriebsunfall. Eine in Fahrt befindliche Kabine der Seilschwebebahn stürzte ab. Dabei wurden der Schaffner und ein Fahrgast getötet imb ein Fahrgast schwer verletzt.

Bei bem toten Fahrgast handelt es sich um den Pro­kuristen Thieß der Freiburger Firma Rosenberg. Der Schwerverletzte ist der englische Vertreter diese Firma. Das ganze Unglück ist anscheinend darauf zurückzuführen, daß der Schaffner offenbar zu spät das Notsignal zur Stillegung des Bahnbetriebes in Tätigkeit setzte.

Nah und Fern

O Der preußische Staat zu Schadenersatz verurteilt. Nach dem schweren Brückenunglück, das sich vor zwei Jahren in Koblenz zutrug, schloß sich die Mehrzahl der Hinterbliebenen der Verunglückten zu einer Arbeits­gemeinschaft zusammen, um gegen Reich und Staat Schadensersatzansprüche geltend zu machen. Vor der zweiten Zivilkammer des Landgerichts in Koblenz fand jetzt eine solche Klagesache ihren Abschluß: der Staat Preußen wurde, weil er die Brücke nicht genügend hatte beaufsichtigen lassen, zu Schadensersatz verurteilt.

O Untergang eines deutschen Motorseglers. An der schwedischen Küste ist der Hamburger Motorsegler „Hertha Grube", der sich mit einer Holzladung auf dem Wege von Schweden na$ SAM befand unter gegangen, 2ül Poxd befanden sich der Schiffseigner Grube und noch zwei Mann. Die Leichen der beiden letzteren wurden an der Insel Oland angetrieben. Es ist anzunehmen, daß auch der Kapitän Grube den Tod in den Wellen gefunden hat.

O Zweifaches Todesurteil. Das Sondergericht Biele­feld verhandelte gegen den Reisenden Petri und den Melker Upmeier, die beschnldigt waren, gemeinsam mit dem inzwischen freiwillig aus dem Leben geschiedenen Paul Kniekamp in der Nacht zum 8. Oktober den Ober­landjäger Tiemann, der sie in Ummeln bei einem Ein­bruch überraschte, getötet zu haben. Die beiden An­geklagten wurden zum Tode verurteilt.

aller Welt.

Aus dem Flugzeug gesprungen.

Grauenvoller Selbstmord eines jungen Wieners.

Der 20jährige Wiener Praktikant Schwcknbach erschien aus dem Flugfelde in Aspern zu einem Fluge nach Brünn als einziger Fluggast. Zehn Minuten nach dem Start spürte der Pilot eine heftige Erschütterung der Maschine. Als er sich umdrehte, sah er zu seinem Entsetzen, daß der junge Mann die Tür geöffnet und aus einer Höhe von etwa 600 Meter in selbstmörderischer Absicht in die Tiefe gesprungen war. Die Leiche des Praktikanten wurde zer­schmettert auf einem Felde aufgefunden. In dem Kupee der Flugmaschine wurde ein Abschiedsbrief Schkwinbachs an seine Eltern gefunden, über die Ursache des Selbst­mordes konnte noch nichts Genaueres festgestellt werden.

Räuberbande überfällt Konsumverkaufsstelle.

Essen. Drei junge Burschen Drangen in die Verkaufsstelle des Kruppschen Konsums in Essen-West ein. Einer der Burschen hielt mit gezogenem Revolver die Verkäuferinnen und Kundinnen in Schach. Nachdem die Burschen etwa 614 Mark Bargeld geraubt batten, ergriffen sie die Flucht und entkamen.

Schweres Krastwagenunglück. — Zwei Tote

Neumünster. In der Räbe von Neumünster raste infolge eines Reisenschadens eine mit sechs Personen besetzle Limousine mit solcher Wucht gegen einen Baum, daß sie etwa zehn Meter fortgeschleudert wurde und sich überschlug. Von den sechs In­sassen waren zwei sofort tot, während drei mit schweren Ver­letzungen ins Krankenbaus geschass werden mußten. Es handelt sich um eine italienische Familie

Ein Hotel völlig niedergebrannt.

Salzburg. In dem Hotel Scheidberg in den Radstâdter Tauern brach Feuer aus. Aus der ganzen Umgebung eilten die Feuerwehren herbei; es gelang aber nur einer einzigen, mittels eines Raupenschleppers an den Brandherd heran- zukommcn. Das Hotel ist bis auf die Grundmauern nieder- gebrannt. Es konnte so gut wie nichts gerettet werden.

Ein Panzerzug entgleist. — Elf Tote.

Peking. Nach einer Meldung aus Mulden entgleiste bei Kinn ein japanischer Panzerzug. Elf Soldaten wurden getötet um mehrere andere verlegn

O Sieben Schmuggler zu je 174 000 Mark Geldstrafe verurteilt. Vor dem Schöffengericht in Trier hatten sich sieben Schmuggler zu verantworten. Es waren bei ihnen über 100 000 Zigaretten, 200 Buch Zigarettenpapier, mehrere Kisten Zigarren und einige Kilogramm Kaffee be­schlagnahmt worden. Das Gericht verurteilte die sieben Angeklagten zu Geldstrafen von je 174 350 Mark, im Nichtbeiireibnngsfalle zu einer Ersatzfreiheitsstrafe von je 180 Tagen. Einer der Angeklagten wurde wegen An­stiftung zum Schmuggel zu einer weiteren Geldstrafe von 52 250 Mark oder 60 Tagen Gefängnis verurteilt. Außer­dem erhielten die sieben Angeklagten Gefängnisstrafen von je fünf bis sechs Monaten.

O Aufsehenerregende Selbstmorde. Auf seinem Gute bei Zürich erschoß sich wegen einer unheilbaren Krankheit der Hotelbesitzer Kracht, der das weitbekannte Hotel Baur au Lac in Zürich leitete. In Rom stürzte sich der römiiche Korrespondent der Frankfurter Zeitung, Otto Kahn, in einem Anfall on Schwermut vom Kolosseum in die Tief«. Er ist seinen Verletzungen erlege«.

0 Hungerstreik im Verbandslokal. In den Räumen des Verbandes der Kriegsinvaliden in Warschau ver­sammelten sich 44 arbeitslose Invaliden und beschlossen, zum Protest gegen die „Hungerrenten" von nur 15 bis 50 Zloty monatlich und zum Protest gegen die Arbeits­losigkeit in den Hungerstreik zu treten. Verabredungs­gemäß verblieben sie alle in den Vereinsräumen, wo sie nun ihren Hunaerstreik durchführen wollen

Die vom Heidehof.

Roman D. Henriette Brey.

Copyright by Romandtenst „Digo" Berlin-Schmargendorf.

13i (Nachdruck verboten.)

Er knirschte nicht mit den Zähnen über all die Feinde, die rings Deutschland anfielen; er sprühte keine Flammen. Keine lodernde Begeisterung riß ihn empor... Er ballte nur die Fäuste: „Wart', ihr Brüder, ihr sollt meine Fäuste kennen­lernen!"

Am letzten Abend ging er, die Taschen voll Zucker, zum Fohlenkamp, zu seinen Lieblingen. Gottlob, die brauchten nicht fort!

Das Herz hatte ihm wehgetan, als die besten Pferde weg­geführt wurden. Die braune Rosel, die er selbst aufgezogen, hatte kläglich gewiehert.

Liebkosend tätschelte er den Füllen, die ihn schnuppernd um­drängten, den Kopf und ging endlich mit hartem Seufzen. Und wußte nicht, wem das Seufzen galt . . .

Zögernd stand er auf dem Wege. Eine Unsicherheit war in ihm — ein Etwas zog und zerrte an ihm und drängte ihn den Weg hinab, der — zum Brinkhof führte.

Ob er hinging? ... Ob er die Brinkhofs Trina ... fragte — ob...

Sie sahen sich gern, der Bernd und die Trina. Aber gesagt batten sie es nie. Die beiderseitigen Eltern, das wußte er, wünschten heimlich diese „Tauschheirat". Aber das lag noch fern; und dem ehrenhaften Bernd widerstrebte eine „Frèierei" ins Leere hinein.

Doch jetzt zog es ihn wie mit Ketten zu dem lieben blonden Mädchen, das er in Zukunftsträumen immer als'Hausfrau auf dem Heidgershof sah.

mrsxT ~L wenn er nun nicht wiederkehrte? . . . Wozu dem Mädchen das Herzleid schaffen? Nem!

sich nad) ^^ ^r die Lippen zusammen und wandte L^- “er k°m dort um die Ecke des Wäldchen? War das

mimt Uugew^ ^ ^"^ — sahen sich unsicher an. Mit Hatte sie'nicht gerötete Lider?

mÄÄÄ* 'â"E°-!--- I-g'° MM weu uns ÄÄ“ ben|dl" ^9'' -°b 8»b «eiSjer m. pis & Sero”?“* ‘' ^â 109 — baß du mieSertommftl' Da war er. erschüttert. „Trinaf Mädchenf"

Sacht legte er den Arm um sie, erlösendes Glücksempfin- den stürmte auf ihn ein. „Bist du mir gut, Trina? Willst auf mich warten?"

Sie legte still den Kopf gegen feine breite Brust. Zu den Füßen des Kreuzes versprachen sie einander Treue.

Und dann bückte sich Bernd Heidger zur letzten Ackerfurche, raffte vom Vätergrund eine Handvoll Heimaterde, knotete sie in sein Taschentuch. 3m Brustbeutel wollte er sie auf dem Herzen tragen.

Zur selben Stunde hatte auch Annemarie ihrem Schatz Le­bewohl gesagt. Sie hielt sich tapfer und erstickte die aufstei- genden Tränen mit tausend hausfraulichen Sorgen und ge­schäftigem Einpacken für die Scheidenden.

Sie und die Mutter hatten alle Hände voll zu tun, denn Gerta war ganz verstört.

Annemarie hatte ihrem Wilhelm ein großes Paket zurecht gemacht, vollgepfropft mit warmen und nahrhaften Liebes­beweisen.

Von „Kriegstrauung" hatte der stattliche Wilhelm Brink­hof ein Wort fallen lassen. Er war sehr verliebt in sein schaf­figes, hübsches Bräutchen; hätte sie gern als fein liebes Weib vaheim auf seinem Hof gewußt.

Aber das war Annemarie gegen den Strich.

Kriegstrauung? Nur so alltagsmäßig — ohne hochgepackte Aussteuerwagen und däftige Hochzeit — ohne alles, als wenn's pressierte? Nein, das mochten Knecht und Magd tun! Für eine richtige Bauerntochter schicke sich das nicht. Nein.

Und zudem: sie mußte Bernd dem Vater ersetzen; der alte Mattes zwang's doch allein nicht!

„Also ade, Wilhelm! Schreib oft. Ich bet' für dich, daß du wiederkommst . . .

Sie bot ihm die frischen Lippen. Er küßte sie heiß, immer wieder.

Da war's mit ihrer Fassung vorbei: „Komm wieder!" schluchzte sie auf — und lief fort, als schämte sie sich der Weich­heit . . .

Noch einer ging in diesen Tagen auf dem Heidehof um. Das war der Schatten des verfemten Sohnes, des Verlorenen, des Verkommenen, dessen Name im Baterhause nie genannt wurde.

Aber nun war der Schatten da und ließ sich nicht ver­scheuchen --—

Der Bauer ging mit finsterm Gesicht einher.

Hergott, den Bernd hergeben, der so ganz seiner Art war, die Hoffnung des alten Geschlechts! Hart war's!

Aber das Vaterland forderte Opfer. Andere opferten noch mehr — viel mehr!

Und . . . wenn er fiel auf dem blutdampfenden Schlacht­felds, der einzige Sohn?--

Der einzige? . ..

War da nicht noch einer, der ihn ... der ihn mit den dunklen Sammetaugen der toten Mutter anschaute? . . .

Hastig zündete der Bauer die kaltgewordene "Pfeife wieder an und ging in den Stall. Sein Gesicht wurde dort. Nur nicht

dran denken, an den . . . den Ehrlosen! Einen Wall baute er um sich, daß die dummen Gedanken nicht an ihn konnten!

Aber sie drangen durch die Dornen und Stacheln des Walles hindurch, züngelten gegen ihn. Fragten unerbittlich: Warft du nicht zu hart? ...

Er war leichtsinnig, war vom Pfad der Ehre abgewichen, ja. Aber hast du ihm nicht alle Wege verbaut! Dem 'Schwa«» kenden noch einen Stoß gegeben, daß er vollends in de« Sumpf taumelte?

Unwillig reckte der Bauer sich auf. Steifnackig. Ging auf's Feld.

Dort sah er wenigstens nicht die verweinten Auaen seiner Frau und Gertas trübes Gesichtchen.

Ja, die Mutter! . . .

Wo sie ging und stand sah sie den verlorenen Sohn. Wo war er? Gestorben, verdorben?

Das Mutterherz gedachte der Schuld nicht mehr. Ausgs» löscht war alles. Die große Zeit fegte Groll und Zorn wie Spreu hinweg. Hände von Todfeinden fanden sich. Weit of­fen zum Verzeihen standen die Herzen. Wer für's Vaterland, [ür Die Heimat, für die Daheimgebliebenen fein Mut ein« setzte, Der sühnte alles.

„O Clemens, Clemens! Armer Jung — mein Kind.. . . wo bist bu?"

Abends in der Schlafkammer floß das gepreßte Mutterherz über.

Furcht und Scheu vor den Zornesausbrüchen ihres Mannes waren vergessen.

Was kümmerte sie das noch! Nur ihr verlorenes Kind ..; ihr Kind. Sie klagte weh:

„Hermann, Hermann! Hätten wir ihm verziehen! Er hat gefehlt, schwer gefehlt, ich weiß es! Aber Der Umgang mit scklecksten Kameraden, feine Jugend . . Sein Herz war gut... Wir hätten ihn halten sollen, Hermann! 's ist doch unser Fleisch und Blut!"

_ Er fuhr sie nicht an wie sonst, er gebot nicht mit Härte Schweigen. Er sagte nur leise und fest: „Leichtsinn kann ich aèrzeihen, Ehrlosigkeit nie! Weine nicht. Das ist abgetan. Du hast noch drei brave Kinder!"

Sie weinte still in sich hinein.

Nur mit Gerta hatte sie bisher von dem verlorenen Sohn sprechen dürfe«, denn deren Herz hing trotz alles Züniens an 56m wesensverwandten Bruder. Sonst aber nahm keines den geächteten Namen in den Mund, obgleich er wohl das Denken aller umgeisterte. Bis Gerta beim Abschied Bernd zu fieb nie« -erzog und ihm leise ins Ohr raunte: „Bernd, versprich'mir: wenn du ... wenn du was von Clemens hörst..." Aengstlich bliche sie zu dem Bruder empor.

Ueberrafebt sah der sie an. Eine Rührung stieg in ihm auf.

Die arme Kleine! ~

Er streichelte unbeholfen ihre Hände. „Ja, dann schreib ich's dir, Gerta. Das versprech' ich. Der arme Kerl hat schwed genug gebüßt für seinen Leichtsinn. Wenn er bloß noch lebt!"