Kurze politische Nachrichten.
Der Ausweis der Reichsbank vom 23. November zeigt, daß die Entspannung erfreuliche Fortschritte gemacht hat. Die gesamte Kapitalsanlage der Bank in Wechseln und Schecks, Lombards und Effekten hat einen seit langem nicht zu verzeichnenden Tiefstand erreicht und liegt noch um 70 Millionen Mark unter der zum gleichen Zeitpunkt des vorigen Monats. Die Deckungsbestände insgesamt haben sich um 3,8 Mill, auf 933,5 Mill. Mark erhöht. Die N o t c n d e cku n g, die um ein Prozent auf 28,2 Prozent gestiegen ist, hat damit einen seit einem Jahre nicht mehr verzeichneten Höhepunkt erreicht.
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Bei einer Verordnung über eine Bereinigung innerhalb der Preußischen Amtsgerichts- bezirke handelt es sich nicht um eine neue Aufhebung von Amtsgerichten, sondern darum, daß eine Reihe von Gemeinden auf Grund der im Laufe der Jahrzehnte veränderten Verkehrsverhältnisse anderen Amtsgerichten zugewiefen werden. Insgesamt kommen etwa 160 Gemeinden in Frage, die derartige als berechtigt anerkannte Anträge gestellt haben.
Ein Bestechungöskan-al ausgedecki.
Verhaftung eines Oberpo st Inspektors.
Mit einer Bcstechungsangelegenheit, an der Politiker, hochstehende Beamte, Berliner Kaufleute und Inhaber angesehener Baufirmcn beteiligt sind, beschäftigen sich die Oberpostdirektion Berlin und die Berliner Kriminalpolizei. Einer der beteiligten Personen, der Oberpostinspektor Fromm in Aschersleben, der früher zu den leitenden Beamten der Bauabteilung der Berliner Oberpostdirektion gehörte, ist verhaftet und nach Berlin gebracht worden.
Die Vorgänge, die zur Verhaftung Fromms führten, stehen in Zusammenhang mit dem vor einiger Zeit erfolgten Zusammenbruch der „Berliner Heimban, Gemeinnützige Beamtensiedlnngs G. m. b. H.". Die „Heimbau" wurde im Fahre 1926 von dem rheinischen Kaufmann Paul und dem Berliner Architekten G e r s ch e l gegründet. Paul und Gerschel waren bekannt mit dem
früheren Reichspostminister Giesberts,
durch den sie den inzwischen verstorbenen Präsidenten der Oberpostdirektion Berlin, Genske, und den damaligen Postinspektor Fromm kennenlernten. Obwohl die „Heimbau" nur ein paar Mitglieder hatte, erhielt sie durch die Vermittlung Fromms dauernd Aufträge aus Er- bauungzahlreicherWohnungenfürBeamte und Angestellte der Reichspost und dazu Arbeitgeberdarlehen von 500 bis 2000 Mark für jede Wohnung. Fromm soll dafür bis zum Fahre 1930 etwa
20 000 Mark Bestechungsgelder
erhalten haben. Aus Grund einer Anzeige wurde er verhaftet, bald darauf aber wieder freigelassen: das Verfahren gegen ihn wurde eingestellt. Fetzt aber ist durch eine Anzeige der geschiedenen Frau Fromms die Sache wieder ins Rollen gebracht worden. Fromm soll nicht nur von der „Heimbau", sondern auch von anderen Baufirmen, die mit der Oberpostdirektion Berlin arbeiteten, bestochen worden sein. Auch der sozialdemokratische Reichstagsabgeord- nele Thabor soll unrechtmäßig Geld erhalten haben. Da der verhaftete Fromm behauptet, daß
seine Vorgesetzten von seinen Verfehlungen Kenntnis gehabt hätten, laufen Ermittlungen außer gegen Thabor auch gegen Giesberts, gegen mehrere Beamte der Berliner Oberpostdirektion, gegen Berliner Baufirmen und gegen einen Berliner R o i a r, in dessen Büro seinerzeit bestimmte Verträge zwischen Fromm und Berliner Baugesellschasten abgeschlossen worden sind
Die vom Heidehos.
Roman v. Henriette Drey.
Copyright by Romondrenst „Digo" Berlin-Schmargendorf.
121 (Nachdruck verboten.)
Der Sommer, ein fruchtschwerer Sommer, brütete über dem Land, wandelte die grünseidenen Kornwogen in blasses Gelb und dann m flimmerndes Gold.
An den Rainen und Ackerbreiten entlang lief der brennendrote Mohn wie eine Feuerflamme, war in die Felder hinein- gesprenkelt, wie rote Blutstropfen. Verträumt nickten die Kornraden: die blauen Gnanen flüsterten mit den Halmen vom frühen Sterben . . . Sterben.
Segenschwer, tn prangender Fülle, standen die Aehrenfel- der, mannshoch gewachsen. Wer etwa durch sie hindurchgehen wollte, tauchte bis über die Schultern in dem Goldgewoge unter. —
Der schmale Fußpfad, der vom Heidehofe mitten durch die Kornfelder lief und ein Stück Weges abschnitt und in die Landstraße mündete, war nicht mehr zu erspähen. Der Heidehofbauer, der den Pfad daherfchritt, mußte mit beiden Händen die raschelnden Kornwogen teilen, und hinter ihm schlugen sie wieder zusammen wie Wellen in der bewegten See.
Prüfend ließ der Bauer ein paar der strotzenden gebeugten Wehren durch die Hände gleiten, rieb sie zwischen den Fingern — und die goldenen Körner sprangen heraus.
Zufrieden nickte er. Reif, überreif! Morgen konnte hier geschnitten werden, wenn Bernd heute mit der Mähmaschine an der Sonnhalbe fertig wurde.
Sinnenb ging er dahin.
Ja, die Erde ... die war treu. Der Väterboden, der Acker vergalt alles, was man hineinsteckte. Lohnte alle Mühe hundertfach. Der war nicht undankbar, wie das Menschengewächs — wie . . .
Hastig fuhr der Bauer mit der Hand über die Stirne.
Nicht daran denken! Das war vorbei! War tot und begraben, herausgerissen aus dem Herzen, aus dem Heimatboden. Am ehrenhaften Stamm der Heidger durfte nichts Ehrloses, Verdorbenes, Brandiges wuchern. Ausgeschnitten mußte es werden bis aufs Mark, daß nicht die gesundes Säfte angesteckt würden ....
Er stieß mit dem Daumen die Asche in seiner kurzen Peift herunter und wischte von neuem die Stirn.
Wie schwül das war. Erstickend heiß. Und doch schien bii Sonne nicht strahlend herab. Sie lag hinter dünnen Dunstschleiern und schaute mit scharfen Rändern wie ein böses drohendes Auge auf die schweratmende Erde
Ein heißer Duft des Reifens, Ueberquellens, Drängens lag über allem. Ein Rausch von Farbe und in sich gebannte, Glut.
Kein Lüstchen regte sich. Nur zuweilen ging ein Erzittern durck die dicktaedränaten Wehren. als spürten sie schon den
Um die Verfassung.
preußischer Landtag
(22. Sitzung.)
tt. Berlin, 25. November.
Der Preußische Landtag setzte am Freitag die Aussprache über die
Verfaffungsstrcitigkeitcn fort.
Abg. Kasper (Komm.) erklärt, die faschistische Aktion am 20. Juli sei eingeleitet worden, um die faschistische Staatsgewalt zu zentralisieren und dadurch die Voraussetzungen für eine wirksamere Niederknüppelung der werktätigen Bevölkerung zu schaffen.
Abg. Dr. Hamburger (Soz.) stimmt den Ausführungen des Ministers Hirtsiefer über den 20. Juli zu und polemisiert gegen die Regierung Papen.
Abg. Dr. Lauscher (Ztr.) gibt namens der Zentrumsfraktion eine Erklärung ab, in der es heißt, daß keine der schweren Pflichtverletzungen, welche die Reichsregierung den preußischen Ministern vor aller Welt zum Vorwurf machte, sich nach den Feststellungen des Staatsgerichtshofes als richtig herausgestellt habe. Die Zentrumsfraktion halte es im Interesse von Staat und Reich für ihre und des Landtags dringendste Aufgabe, den gegenwärtigen unerträglichen Zustand durch schleunige Wiederherstellung verfassungsmäßiger Zustände zu beseitigen.
Abg. Schwarzhaupt (DVP.) meint, der Slaatsgerichtshgf hätte nicht eine theoretische Rechtsgrundlage, sondern praktisches Recht, d. h. Ordnung schassen sollen. Dieses Ziel sei nicht erreicht worden.
Abg. Sandtner (Komm.) nennt es bezeichnend, daß die Nationalsozialisten in dieser Aussprache überhaupt nicht das Wort nehmen. Das Volk werde auch in Deutschland so aufräumen, wie es die Sowjetarbeiter vor fünfzehn Jahren getan hätten.
Es folgt die gemeinsame Aussprache über die unter dem Thema
Finanznot der Gemeinden und Erwerbslosenfragen zusammengeiaßten Aniräge.
Abg. Frau Christmann (Soz.) widerspricht der Auffassung, als ob Deutschland ein Wohlfahrtsstaat sei. Unter dem Regime Papen sei ein rigoroser Abbau der Sozialpolitik erfolgt
Abg. Lingens (Ztr.) schildert die Not der Landgemeinden und Kreise Die Gemeinden des früher besetzten Gebietes litten noch unter den besonderen Kosten für Besatzungsschäden.
Heinrich Sklarz verhaftet.
Der Staatsanwalt selbst nimmt ihn fest.
Heinrich Sklarz, gegen den seit Monaten ein Haftbefehl vorlag, da er noch eine Gefängnisstrafe von einem Fahr sechs Monaten zu verbüßen hat, konnte durch Staatsanwaltschaftsrat Sorgatz in einem möblierten Zimmer, das Sklarz schon seit einiger Zeit in der Nähe des Kriminalgerichts in Berlin bewohnte, verhaftet werden.
Heinrich Sklarz wurde im Mai 1926 wegen vollendeten und versuchten Betruges, wegen Untreue und Erpressung verurteilt. Er hat aber diese Strafe bisher nicht verbüßt, obwohl ihm keine Bewährungsfrist zugebilligt worden war.
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Neues Strafverfahren gegen Heinrich Sklarz.
Der in B e r l i n zwecks Verbüßung einer Strafe von einem Jahr und sechs Monaten Gefängnis von der Staatsanwaltschaft I verhaftete Heinrich Sklarz hat nicht nur diese Strafe zu verbüßen, sondern noch w e i t e re 200TageGefängnis als Ersatzstrafe für eine Geldstrafe von 50 000 Mark, die Sklarz bisher nicht gezahlt hat und auch wahrscheinlich nicht bezahlen kann. Gegen Sklarz laufen, wie jetzt bekannt wird, auch noch bei der Staatsanwaltschaft ein Ermittlungsverfahren wegen des Verdachtes des Betruges in zwei Fällen und ein weiteres wegen des Verdachtes des Konkursverbrechens.
Schnitt der Sense. Kein Dogellaut, keine Tierstimme. Einzrg das Klirren und Klappern der Mähmaschine, die Bernd drüben auf dem Sonnhaldenacker auf und nieder führte, und sein Har und Hott! war zu hören.
Annemarie und die Mägde hasteten im Schweiße ihres Angesichts hinter dem rasselnden, gieriggreifenden- ährenmor- Senden Ungetüm her, rafften und banden die blonden Garben und stellten sie zu vieren wie Gewehrpyramiden aufrecht gegeneinander.
Aber es wurde kein fröhliches Singen laut, wie sonst bei den Binderinnen.
Grüßend trat der Bauer herzu.
„Gott helf euch! Nun, wie stehts — kriegt ihr ihn heute blank?"
Bernd hielt nicht einen Augenblick sein Gespann inne. Ueber die Schulter zurück rief er dem Vater zu:
„Wir zwingen's schon. Was sein muß, muß sein. Morgen wollen wir im Hasenkamp anfangen. Wer weiß, ob uns noch viel Zeit übrig bleibt."
Annemarie richtete sich auf, schob das Kopftuch aus der heißen Stirn. Ihr sonst so gleichmütiges Gesicht zeigte einen Zug von Unruhe.
„Du warst im Dorf, Vater? Haste noch wat gehört?"
„Hm! Ja — et soll verflixt bös ausschauen, wie der Vorsteher sagt. Es scheint sich da 'n schlimm Wetter zujammen- zubrauen. Gnade Gott, bat et nich einschlägt."
Die Mägde starrten ihn erschreckt an. Ach Gott — der Bruder! Der Schatz!
Auch Annemarie seufzte. Unwillkürlich gingen ihre hellen Augen in die Richtung des Brinkhoses. Ihr Wilhelm mußte dann auch fort!
Sorgenvoll schritt der Bauer weiter. „Verhüt' Gott. bat et losbricht. Unser Herrgott wird et wohl noch zwingen," murmelte er.
An der Mergelkuhle, wo des unebenen Bodens wegen die Mähmaschine nicht gebraucht werden konnte, mähten dis Knechte mit Senfen das Korn Aber auch hier blieb alles still. Kein fröhlicher Zuruf, kein Singen und Lachen. Bloß das Sirren der Senfen, und ab und zu ein Klang des Wetzsteines.
„Geht et gut voran, Leute?" rief der Bauer den Mähern zu.
Der Großknecht ließ die Senfe sinken.
„Jo, Hähr. Bis Abendglock muß de Schlag liegen. Mer weiß nit, wat für Arbeit noch auf einen wartet. Wenn bloß nit. .."
„Io, jo, wenn 't bloß kein Blutsarbeit wird," stimmte ein anderer Knecht bei. „De Franzose — wenn damit der Tanz wieder losgeht--un die Kosaken dazu..."
„Och, da stecken die Engländer achter! Die gönnen uns nich et Schwarze unterm Nagel! Fehlt bloß noch,' bat die mittun, dann wär bat Kesseltreiben fertig! Sind uns sowieso nich grün von wegen unserm Handel! Bernd hat bat auch gesagt!"
Die Ansicht des verständigen Bernd fiel ins Gewicht.
Der alte Heidger nahm die Kavve ab.
Abg. Koenen (Komm.) meint, die Maßnahmen der Staatskommissare seien völlig ungeeignet, die Gemeindesinanzen in Ordnung zu bringen.
Abg. Hinkler (Nat.-Soz.) betont, von den Nationalsozialisten könne man nicht verlangen, daß sie in den Ländern, in denen sie heute an der Regierung seien, nach dreizehnjähriger marxistischer Mißwirtschaft von Leute aus morgen gesunde Ver- Hältnisse schüfen.
Gegenüber kommunistischen Zwischenrufen erklärt Abgeordneter Hinkler (Nat-Soz), in dem Musterstaat ohne Wert, als den man Sowjetrußland bereichnen könne, und den die Kommunisten immer lobten herrsche eine so grausige Nm der Arbeiterschast. daß man damit die Verhältnisse in Deutschland gar nicht vergleichen könne So würde es auch bei uns aus- setzen, wenn es jemals tu einem Sowjetdeutschland käme. (Lärm bei den Kommunisten.1
Als Abg Frau Wochenheim (Soz.) das Wort erhält verlassen oie Nationalsozialisten den Saal Die Rednerin erklärt ebenso manaelbast wie die augenblickliche Reichsreaierung auf dem Gebiete der Arbeitslosenversicherung sei, sei sie auch hinsichtlich der Jugendwohlfahrtspflege Dei Erlaß, wonach die Fürsorgeerziehung mit dem neunzehnten Lebensjahre enden soll, sei sachlich mangelhaft und praktisch undurchsübrbar
Abg Rütten (Ztr.) spricht über die Finanznot der Gemeinden Der Redner hebt hervor, daß die Fürsorge des Zentrums für die Erwerbslosen wiederholt in vom Landtag angenommenen Anträgen zum Ausdruck aekommen sei, in denen u a. verbilligte Kohlen für die Erwerbsloten gerordert wären. Die Finanznot der Gemeinden im Industriegebiet sei bemn- ders »erschürft durch die Wirtschaftskrise. Die Rationalisie- runasmaßnabmen der Industrie trügen erhebliche Schuld daran
Abg. Fechner (Soz.) hält den Nationalsozialisten und den Kommunisten vor, daß sie keine Wege gezeigt hätten, wie den Gemeinden gebolken werden könne. Er empfiehlt die Anträge seiner Fraktion für Schaffung neuer Arbeitsmöglichkeiten
Gegen 18 Uhr ist die Aussprache über die Gemeindefinanzen und Erwerbstosenfragen beendet. Die Debatte über Sondergerichte und Berliner Verkehrsstreik wird ans Sonnabend 10 Uhr vertagt.
Die Kovurger Prinzessin in Stockholm.
Das jungvermählte Fürstenpaar feierlich empfangen.
Prinz Gustav Adolf von Schweden und Prinzessin Sibylle von Koburg, die sich vor kurzem vermählt haben, sind bei der Heimkehr von der Hochzeitsreise in Stockholm von einer großen Menschenmenge festlich empfangen worden. Im offenen Galawagen fuhr das junge Paar, von einer Schwadron Gardereiter begleitet, durch die geschmückten Straßen zum Schloß. Alle Schiffe im Stockholmer Hafen hatten ebenso wie die öffentlichen Gebäude geflaggt. An vielen Stellen zogen sich Blumengewinde über die Straßen hinweg.
Vermischte Nachrichten
Schwarzbrennerei ausgehoben.
Düsseldorf. In Hilgen ist man einer größeren Geheimbrennerei auf die Spur gekommen Die Pachter der Brenners ferner ein Brennermeister und ein Gehilfe sind verhaftet worden Nach den vorläufigen Schätzungen belaufen sich die hinterzogenen Beträge auf mehrere hunderttausend Mark Bisher sollen 50 000 bis 200 000 Liter Reinalkohol schwarz gebrannt und verschoben worden sein.
Neue Verhaftungen wegen der Königsberger Anschläge.
Königsberg. Wie das Spezialdezernat des Polizeipräsidiums mitteilt, ist im Zusammenhang mit den Anschlägen vom 1 August der Mercedeswagen des Gauleiters der NSDAP, in Ostpreußen, Koch, vorläufig beschlagnahmt worden. Der Chauffeur Ph. wurde verhaftet.
„Unser Herrgott lebt auch noch. Der läßt die Bäum' schon nicht in den Himmel wachsen. Jedes Unwetter schlägt auch nickt ein."
Von der anderen Seite des Weges her kam der Pferdejunge mit dem Vesperbrot gelaufen. Sein stumpfnasiges, sommerfleckiges Iungengesicht glühte vor Wichtigkeit.
Atemlos sprudelte er hervor: „Im Dorf habe fe wat aus« geschellt. Un unsen Anton hat geschriewe, et gab kein Urlaub mehr bei die Saldate. Und Lehrers Richard, wat der Doktor Liesefeld is, der is gestern zu Haus gewesen, hat der Brem- menkamp Chrichian gesagt Un et könnt wohl Krieg geben, hätt' er gesagt. Ja, un de Christian hat gejagt, wenn et nu Krieg gäb, dann müht' der junge Bauer auch weg. Un der Clemens, der versoff.. ."
„Halt de Muhl un verschütt de Kaffee nich!" fuhr der Groß- knecht ihm barsch ins Gesicht und warf einen scheuen Seitenblick nach seinem Herrn. Der hatte sich plötzlich erbleichend abgewandt und stapfte davon.
Der versoffene Student!
Es knirschte etwas in ihm Wie ein Make! hing das dem alten geachteten Namen an! Wie ein Brandmal!
Er zog die Kappe tiefer in die Stirn. Konnte man ihm den Flecken nicht ablesen?
Ein Zorn tobte in ihm gegen den Ehrlosen. Ein schmerzhafter Zorn.
Die üppigen Felder freuten den Bauern plötzlich nicht mehr. Er mochte heute keinem mehr ins Gesicht schauen und ging quer über das Brachland auf dem kürzesten Wege dem Heidehofe zu.
Am Rain stand der alte Schäfer gegen den Stamm einer Birke gelehnt. Die Herde weidete friedlich an den Hängen. Oer Hund umkreiste sie und biß da und dort ein Schaf, das sich zu weit vorwagte, zurück.
Ser'Bauer wollte schweigend vorübergehen, obschon er sonst gern ein Weilchen mit dem alten Birk verplauderte. Aber unwillkürlich hielt er den Schritt an.
Starr sah der greife Schäfer geradeaus, mit abwesenden Blicken. Die Perlen des Rosenkranzes glitten durch feine gieb»' verknorpelten Finger. Dazwischen mürmelte er: „Vor P^tz hunger — bewahre uns, o Herr! Vor dem Antichrist — °^ wahre uns, o Herr! Vor dem Satan, der umheraeht wie ein brüllender Löwe, bewahre uns —Vor Krankheit, Seuchen, teure Zeiten und Krieg . . . und Krieg — bewahre uns, o Herr!" —
„Na, Dirk, bat is mir aber ne furiose Litanei!" wunder e sich der Bauer. „Wat soll da der Pastor wohl zu sagen r
Langsam lösten sich die starren Blicke. Sie kamen wie an weiten Fernen zurück. Seltsam glommen die Pupillen.
„Wat meinste, Dirk, gibt et Krieg?" . .,,
„Jo, Hähr. Ueber de Düwelskuhl haben gestern .abend Irrlichter so gebangt, bat bedeut' Unglück. Un bat Witte Kre g, bat ick am Heidegrab gepflanzt hab, hat geleuchtet un Schafe wollten da partu nich vorbei . . ."
»Na. na. Aller." Wehrte Heidâer ab^