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Aus Hessen-Nassau und Nachbargebieten

Merkblatt für den 24. November.

1632- Der Philosoph Baruch Spinoza in Amsterdam geb. 1801: Der Dichter Ludwig Bechstein in Weimar geb.

Wer zur schwankenden Zeit Auch schwankend gesinnt ist, der Vermehret das Uebel und breitet Es weiter und weiter; wer aber fest auf dem Sinne beharrt, der Bildet die Welt sich. Goethe.

Wetterbericht.

Mit starkem Luftdruckfall zieht an der Südseite eines isländischen Tiefs ein ausgedehntes Regengebiet von Frankreich nordostwärts. Dasselbe wird unser Gebiet noch am Vormittag des Mittwoch überqueren; die Winde fri­schen dabei auf und gleichzeitig steigen die Temperaturen an. Aber noch im Laufe des Mittwoch wird die Bewöl­kung wieder zeitweilig aufreißen. Vorhersage bis Mitt­woch abend: Zunächst verbreiteter Regen, stark auffri­schende südwestliche Winde, ziemlich mild, später Regen nachlassend und zeitweilig Aufheiterung, Winde mehr auf Nordwest drehend. Witterungsaussichten für Donners­tag: Weiterhin unbeständiges Wetter mit Regenfällen und westlichen Winden.

* Fulda, den 23. November 1932.

pflegt deutsche Hausmusik!

Es war schon immer so, daß der 22. November als Gedächtnistag der heiligen Cäcilia, die seit dem 15. Jahr­hundert als Schutzpatronin der Kirchenmusik, aber auch der Musik schlechthin gilt, vielerorts durch Musikauf-- führungen von besonderer Art gefeiert wurde. In diesem Jahre aber hatte man schon lange vorher sich vorgenom­men, am Cäcilientage einer ganz besonderen und in früheren Zeiten mit Recht so außerordentlich beliebten Art von Musik, derHausmusik", das Wort zu reden und dringend zu empfehlen, daß sie, die leider in den Hinter­grund gedrängt worden ist, wieder gehegt und gepflegt werde wie ehedem.

Wenn manHausmusik" sagt, meint man durchaus nicht eine Musik, die nur innerhalb der vier Wände eines musikfreudigen Heims ihren Geltungsbereich hat, sondern eine gute, gewissermaßenkleine" Musik, die im Gegensatz steht zu der großen Konzertmusik: es kann sich um Kammer­musik im Gegensatz zur lauten Orchestermusik handeln, es kann aber auchnur" intime Klaviermusik sein oder ein Wechselspiel zwischen Geige und Klavier, denen sich noch ein Cello und eine Bratsche hinzugesellen mögen. Alle Musikfreunde der älteren Generation wissen aus ihren Jugendlagen ganz gut, was gemeint ist, wenn von solcher Hausmusik" die Rede ist. Es gab eine Zeit, in der viele deutsche Häuser Pslegestätten guter klassischer und romantischer Musik waren, und nicht nur guter Instru­mental-, sondern auch guter Vokalmusik, die aus den Liederschätzen der Schubert und Schumann, der Mendels­sohn und Brahms schöpfte.

In unserer jetzigen Zeit, die nicht mehr geruhsam, sondern hastig, nicht mehr besinnlich, sondern aufgeregt und nervös ist, ist das alles oder mindestens doch vieles leider vergessen worden, denn es kamen Radio und Gram­mophon ins Haus, so daß man es nicht mehr nötig zu haben glaubte, selbst Musik zu machen, da man sich die Musik von draußen zusenden lassen konnte. Radio und Schallplatten haben ganz gewiß ihre große kulturelle Be­deutung, aber es ist doch eigentlich sehr, sehr schade, daß sie die Hausmusik die nicht mit oberflächlicherSalon­musik" zu verwechseln ist so ganz verdrängen sollen.

Darum ist es gut, daß wir uns wieder auf uns selbst vesinnen und zurückfinden wollen zu der edlen, vornehmen Musikpflege von einst. Und darum war es gut, daß in ganz Deutschland der Tag der heiligen Cäcilia in den Schulen und im Hause der Hausmusik gewidmet war, daß auch vom Radio in dankenswerter Weise auf die

Hausmusik hingewiesen wurde. Es ist sehr erwünscht, daß sie wieder auflebe, und daß wir vor den Stürmen der Zeit, die uns ruhelos hin und her werfen, wieder flüchten können in den Hafen unseres Hauses, das unsere Burg ist, um, selbst Musik ausübend oder guter Musil lauschend, unser. Herz und unsere Sinne erfreuen zu können an den wunderbaren Werken unserer großen

Meister, um die uns die ganze Welt beneidet!

Vom Stadtjugendpfleger

ich, die gemeldet haben, ends 8 Uhr, im Rathaus,

mrrd mitgeteilt: Eine wichtige Sitzung der Vertreter aller ^ugendpflegevereine und Gruppe findet Freitag, den 25. Nov., ab Zimmer 12, statt.

Sonntagsrücksahrkarte» nach Frankfurt a. M.

In der Zeit vom 2. bis 4. Dezember d. J. findet in Frankfurt a. M. die vom Bund Deutscher Geflü­gelzüchter veranstaltete 3 0. Nationale Deutsche Geflügel-Ausstellung statt. Dazu werden von allen Bahnhöfen im Umkreis von 150 km um Frankfurt am Main Sonntagsrückfahrkarten gegen Vorzeigung der im Vorverkauf erhältlichen Eintrittskarten ausgegeben. Die Sonntagsrückfahrkarten gelten: zur Hinfahrt am 2. De­zember von 0 Uhr ab, am 3. und 4. Dezember, zur Rückfahrt am 2., 3., 4. Dezember und am 5. Dezember bis 12 Uhr (spätester Antrittszeitpunkt der Rückfahrt). Entfernung FuldaFrankfurt a. M. beträgt 111 km.

Jugendpflege-Fahrpreisermäßigung für 1933.

. . .$** Deutsche Reichsbahn-Gesellschaft hatte im April dieses Jahres die Mindestteilnehmerzahl bei Jugendpflege- lahrten von 10 auf 6 Personen herabgesetzt. Diese von den Jugendverbäntzen sehr begrüßte Maßnahme war aber nur bis zum öl. Dezember d. J. befristet. Wie dem Amt- lchen Preußischen Pressedienst mitgeteilt wird, hat der Reichsausschuß der deutschen Jugendverbünde kürzlich in einer Eingabe an die Deutsche Reichsbahn-Gesellschaft und an die zuständigen Reichsministerien die Gültigkeit jener Tarifverordnung auch für das Jahr 1933 beantragt und darauf verwiesen, daß die Herabsetzung der Mintzestteil- nehmerzahl vielen ^ugendgruppen, vor allem solchen auf dem Lande und in den kleineren Städten, erst ermöglicht ^be, Fahrten zu unternehmen. Die Deutsche Reichsbahn- Gesellschaft hat nunmehr dem Reichsausschuß der deutschen Zussendverbande mitgdedt, daß sie veranlaßt habe, auch im Zähre 1933 die Fahrpreisermäßigung bei Jugcndpfleac- Wten für mästens 6 Personen (5 Jugendliche und 1 Wuhrer) zu gewähren. ;

Bilder aus dem roten Sowjet-Paradies".

Ein Vortragsabend der Baptistengemeinde.

Die Baptistengemeinde Fulda hatte auf Dienstag abend zu einem öffentlichen Vortrag in den Saal des Ball­hauses eingeladen. Ter Besuch war überaus zahlreich, so daß sich viele Besucher mit einem Stehplatz begnügen muß­ten. Der Versammlungsleiter, Herr Prediger Eaiger - Hersfeld, hieß die Erschienenen herzlich willkommen un) begrüßte besonders den Hauptredner des Abends, Herr: Prediger und Schriftsteller Martens, der von den Russen zweimal zum Tode verurteilt worden sei. Nach Verlesung eines Bibelwortes aus Offenbarung Kap. 13 und einem Gebet erhielt Prediger und Schriftsteller Martens das Wort zu feinem Vortrage über das ThemaDas rote Sowjet-Paradies und die antichristliche Bewegung", den er mit der Verlesung von Bibelstellen aus Daniel 4, 7 und 11 u. a. einleitete. Er berichtete so­dann kurz über seine persönlichen Verhältnisse und teilte mit, daß er 52 Jahre in Rußland wohnhaft gewesen sei, wovon er 22 Jahre in russischer Sprache predigte. Vor Kriegsausbruch fei er 10 Jahre lang in Rußland auf Rei­fen gewesen, und nach dem Kriege, als in Rußland die Hungersnot ausbrach, habe er als Bevollmächtigter bei einer Hilfsaktion gewirkt. Bei dieser Tätigkeit habe er in die tiefsten Tiefen des großen Elends unter dem russi­schen Volke hineinschauen können. Er habe feststellen können, wie die Eottlosenbewegung ihren Vormarsch nahm und das Werk des Antichristen sich verheerend über das Land ausbreitete. Zahlreiche Stellen der heiligen Schrift wiesen auf das Kommen des Antichristen hin und feien bereits in Erfüllung gegangen. Der Redner führte weiter aus, daß die Hungersnot in Rußland mit Absicht herbeige­führt worden sei. Der Betrug habe nach dem Kriege in Rußland in erschreckendem Maße um sich gegriffen, und selbst die Arbeiter würden um ihre Löhne betrogen. Tatsache sei, daß kein russischer Arbeiter den Zaren von Rußland gestürzt habe; die alten Regierungen in Rußland seien gestürzt worden, um das Gesetz Gottes zu beseitigen. In großen Zügen streifte der Redner sodann die Hinrichtung und Einkerkerung von Zehntausenden unschuldiger Russen, die ihren Eottesglauben nicht aufgeben wollten. Fast ein Viertel der russischen Bevölkerung sei nach dem Kriege ein Opfer der Hungersnot geworden. Sodann wies der Red­ner auf die Befehle hin, wonach alle kirchlich geschlossene Ehen aufgelöst werden mußten. Priester, Pastoren und Rabbiner habe man in großer Anzahl hingerichtet. Das Schlimmste sei, daß man den Schulkindern den Besuch der Gottesdienste verboten und sie durch die Loslösung aus der Familie vollkommen entsittlicht habe. Der Redner malte erschütternde Bilder von dem planlosen Herumtreiben von Millionen Kindern, die in Rudeln als eine gefährliche Landplage auftreten. Durch die Einführung der 5-Tage- Woche, die dazu noch nicht einmal einheitlich begonnen und beendet wird, habe man sämtliche christliche Feiertage ab­geschafft und den 6. Tag für die Verehrung Lenins be­stimmt. Die christlichen Festtage würden dazu benutzt, um große antireligiöse Umzüge zu veranstalten, bei denen die Schulkinder Lästerlieder singen und die Religion in jeder Form in schändlicher Weise verhöhnt wird. Ein großer Teil der Kirchen und Synagogen seien in ihrem Innern von den Gottlosen schauderhaft. verunziert worden, wäh­rend ein anderer Teil der Gotteshäuser vollends vernich­tet wurde. Unter der Gewalt der Volkskommissars und der Parteilichkeit der Gerichte sei das Volk ein Spielball der jetzigen Machthaber geworden, die es in unerhörter Weise bedrücken. Im Hinblick auf die grauenvollen Zu­stände in Rußland, die er aus eigener Erfahrung kennen­gelernt habe, betonte der Redner zum Schlüsse seiner Aus­führungen, daß es eine Hauptaufgabe der gesamten Chri­stenheit und insbesondere der Deutschen sei, die Eottlosen­bewegung in ihrem Vormarsch aufzuhalten und ihr im Kampfe mutig entgegenzutreten. Herr Prediger Eaiger- Hersfeld unterstrich in seinem nach einer Darbietung des Chors der Baptistengemeinde gesprochenen Schlußwort die Forderung des Hauptredners, gegen bie satanischen Kräfte der Eottlosenbewegung anzukämpfen. Mi Gebet und Segen wurde darauf die Versammlung kurz nach 10 Uhr ge­schlossen. Während der Ausführungen des Hauptredners versuchten verschiedene Kommunisten die Versammlung durch Zwischenrufe zu stören, so daß 3 Personen durch einen Polizeibeamten aus dem Saale gewiesen werden mußten.

Unterhaltungsabend der Evangelischen Volksschule.

Die Evangelische Volksschule veranstaltete gestern abend im Evgl. Gemeindehaus einen Unterhaltungsabend, der überaus zahlreich besucht war, so daß Saal und Empore fast bis auf den letzten Stehplatz gefüllt waren. Kein Wunder, hatte doch die Leitung der Schule ein gutes und inhaltsreiches Programm zusammengestellt, das von Schü­lern aus allen Klassen durchgeführt wurde. Gut gewählt war Hans Sachsens Ansprache über die deutsche KunstVer­achtet mir die Meister nicht..." aus WagnersMeister­singer" als Vorspruch, den ein Mädchen fein zu Gehör brachte. Nach dieser Einleitung des Abends ließ sich eine Mundharmonika-Kapelle hören, die mit bewundernswerter Exaktheit und Reinheit des Vortrages verschiedene Lieder intonierte, womit sie wohlverdienten und reichen Beifall erntete. Nicht minder gut ausgenommen wurden die Turn­übungen am Pferd, bei denen Wagemut und Kraft in gleicher Weise als Bebungsziel anzusehen waren. Wie man Körperstählung und Humor fein mit einander ver­binden kann, zeigten die Bodenübungen der Knabenturner, die in humoristischen Kostümen vorgeführt wurden und große Heiterkeit bei den Anwesenden hervorriefen. Daß die Pflege des Gesangs in der Evangelischen Volksschule nicht stiefmütterlich behandelt wird, bewies ein Kinderchor, der die LiederVespergesang" undReiterlied" vortrug. Be­sonders das Reiterlied stellte hohe Anforderungen an die kleinen Sänger, die aber durchaus erfüllt wurden, so daß man den Sängern und ihrem Dirigenten ein großes Lob spenden mutz. Nach einem Mädchenreigen wurde sodann das MärchenspielGlückskind und Pechvogel" aufgeführt, das die kleinen Darsteller so richtig in ihr Element hinein­führte. Selbstverständlich, daß die Aufführung gut gelang und die Spieler ihre Rollen vortrefflich beherrschten! Der zweite Teil des Abends wurde mit einem Vortrag über Joseph Haydn eingeleitet. Der jugendliche Sprecher hatte sich gut vorbereitet und wußte in flottem Vortrag seiner Zuhörerschaft Manches über das Leben und Wirken des großen Tonkünstlers zu sagen. In einer Kindersymphonie kam dann Haydn selbst zu Wort. Auch hier verrieten die jungen Musikanten gute Schulung und Beherrschung ihrer Instrumente. Es war ein gar lustiges Musizieren, denn außer Streichinstrumenten fänden zahlreiche Kinderinstru- Wente, Wie Kindertrompeten, Pfeifen und dergl., Lcrwen-

dung. Allerlei Lustiges in Fuldaer Mundart verlieh dem Abend eine heimatliche Note, Mmas W irt' unverfälschter Mundart dargeboten wurde. Einige Gesänge der Mädchen und ein Mädchenreigen beschlossen den Unterhaltungs­abend, der seinen Zweck, Elternhaus und Schule enger zu­sammenzuführen, voll und ganz erfüllt haben dürste. Eine Wiederholung des Unterhaltungsabends mit dem­selben Programm" findet am kommenden Donnerstag abend statt.

Steuerfreiheit von Iubiläumsgaben.

Die außerordentlich verschiedenartige Handhabung der Vorschriften über die Steuerfreiheit von Iubiläumsgaben an Angestellte und Arbeiter hatte dem Eewerkschaftsbund der Angestellten (G.D.A.) unlängst Veranlassung gegeben, an das Reichsfinanzministerium wegen des Erlasses ein­heitlicher Richtlinien heranzutreten. Erfreulicherweise hat das Reichsfinanzministerium nunmehr mit Erlaß vom 7. November 1932 tzesem Wunsche Rechnung getragen. Hiernach ist zu unterscheiden zwischen einer 25jährigen, 40- jährigen und 50jährigen Betriebszugehörigkeit. Im erste­ren Falle bleiben Iubiläumsgaben dann steuerfrei, wenn sie den Vertag van 4000 RM. und sechs Monatsgehälter nicht überschreiten, bei 40jähriger Betriebszugehörigkeit erhöht sich der steuerfreie Betrag auf 8000 RM., höchstens aber neun Monatsgehälter, bei 50jähriger Betriebszuge­hörigkeit auf 10 000 RM., höchstens aber einem Jahres­gehalt. Sind diese Voraussetzungen nicht erfüllt, so ist im Rechtsmittelverfahren über die Steuerfreiheit zu entschei­den. Steuererstattungen können anläßlich dieser Neu­regelung in keinem Falle verlangt werden.

Wiederholungen desLustigen Abends" im Stadtfaal.

Der vom hiesigen Eas- und Wasserwerk gestern ver­anstalteteLustige Abend", auf dessen Verlauf wir in der morgigen Ausgabe noch näher eingehen werden, war lange vor Beginn so stark besucht, daß Hunderte von Jnteressen- ten keinen Platz mehr fanden. Heute und morgen abenb finden deshalb Wiederholungen dieser Veranstaltung mit dem gleichen Programm statt. (S. Anzeige.)

A. Hainzell, 22. November. (Einweihung eines Ehrendenkmals für bie Gefallenen.) Am vergangenen Sonntag wurde bei herrlichstem Herbstwetter bas von der Gemeinde Hainzell zum Gedenken an ihre ge­fallenen Helden gestiftete und von Herrn Regierungs- Baurat B o n n t s ch entworfene Denkmal cingeweiht. In schlichter Form aus heimatlichen Sandsteinen angefertigt, gekrönt mit dem Zeichen des Kreuzes schaut das Denkmal vom Friedhof hinab in die Gemeinde als Mahnung der toten Helden an alle Volksgenossen, endlich einmal allen Hader und Kamps zu vergessen und ein einig Volk zu sein, wie es draußen im Felde gewesen, wo einer für alle und alle für das Vaterland kämpften.

Am Friedhof begrüßte der Herr Bürgermeister Herrn Landrat Frhr. von Eagern, Herrn Reg.-Baurat Bonntsch, den Hochw. Herrn Pater Dr. Eeonorus vom Frauenberg, Herrn Reg.-Bauführer Schäfer, die Herren vom Vorstand des Kreiskriegerverbandes Fulda und alle Anwesenden. Ferner dankte er allen, welche dazu beigetragen haben, durch freiwilligen Arbeitsdienst und Unterstützung, daß das Denkmal errichtet werden konnte. Der Herr Bürgermeister nahm das Denkmal in den Schutz der Gemeinde und emp­fahl allen Gemeindegliedern, das Denkmal zu schmücken, damit es derer würdig sei, für die es errichtet wurde.

Nun folgte die kirchliche Weihe durch den Herrn Pater Dr. Eeonorus. Anschließend hielt der hochwürdigste Herr die Weiherede, in welcher er aufforderte, sich ein Bei­spiel an den Gefallenen zu nehmen, welche für das Vater­land ihr Leben ließen. Herr Landrat Frhr. von Eagern sprach herzliche Worte und forderte auf, zusammenzuhalten im Interesse unseres geliebten deutschen Vaterlandes. An­schließend wurden Kränze von der Gemeinde, den Vereinen und allen Angehörigen niedergelegt. Die erhebende Feier wurde verschönt durch Musikvorträge des Musik- und Ge­sangvereins Hainzell.

* Welkers, 23. Nov. (Schadenfeuer.) In der ver­gangenen Nacht entstand zwischen 12 und 1 Uhr auf dem Anwesen des Landwirts Damian Möller ein Schaden­feuer, das sich rasch ausbreitete und das Wohnhaus nebst Scheune und Stallungen völlig einäscherte. Das Inventar sowie das Vieh und ein Teil der Grate konnten gerettet werden. Die Entstehungsursache des Feuers ist noch nicht geklärt.

Tann (Rhön), 22, Nov. (Wer treu gedient hat feine Zeit . . .) Dem Kastellan und Gärtner Herrn Jacob Bals wurde für 37jährige treue Dienste bei der Familie des Freiherrn v. d. Tann-Rathsamhau- s e n von dem Vorstande der Landwirtschaftskammer für den Regierungsbezirk Kassel die große bronzene Medaille verliehen.

k. Schlüchtern, 22. Nov. (Branntwein schwarz­gebrannt.) Das Schöffengericht Hanau hatte sich heute mit einer Schwarzbrennerei zu befassen. Der Landwirt Nikolaus Fehl in Oberzell bei Schlüchtern besitzt eine Branntweinbrennerei, deren Betrieb er an seinen Sohn Wilhelm übergeben hatte. Wilhelm Fehl soll nun, wie die Zollbehörde ermittelt hat, fortgesetzt unter Verwendung unangemeldeter Stoffe Branntwein hergestellt und dadurch Abgaben hinterzogen haben. Der Betrag der als hinter­zogen feftgeftcKten Abgabe wurde auf 1860 RMk. bemessen. Das Urteil lautete gegen Wilhelm Fehl auf 1 Monat Ge­fängnis, auf 7442 RMk. Geldstrafe als vierfacher Betrag der hinterzogenen Abgabe, auf Einziehung der beschlag­nahmten Menge und auf eine Wertersatzstrafe von 1202 RMark für eine nicht einziehbare Weingeistmenge. Für die Geldstrafe von 7442 RMk. tritt hilfsweise eine Ge­fängnisstrafe von 3 Monaten ein. Nikolaus Fehl ist haft­bar gemacht worden für die Geldstrafe von 7442 RMk.

Kassel, 22. Nov. (Der Kasseler Bürgerbund protestiert gegen die Verlegung des Lan­tz c s f i na n za m t s.) Der Kasseler Bürgcrbund hielt die­ser Tage eine Sitzung ab, in der die Frage der Verlegung des Landesfinanzamts Kassel nach Frankfurt a. M. be­handelt wurde. Es wurde eine Entschließung an den Reichs­finanzminister gesandt, in der in energischer Weise gegen ein solches Vorgehen protestiert wird.

Diez (Lahn), 22. Nov. (Durch Kohlenoxydgas vergiftet.) Montag früh fand man eine hiesige Be­amtenwitwe mit ihrer 16jährigen Adoptivtochter in ihren Betten vergiftet auf. Während die Frau noch Lebe^- zeichen von sich gab, war das Mätzchen tot. Als Ursache wurde Kohlenoxydgasvergiftung ermittelt, ^as dunstige und neblige Wetter in der Nacht hatte die East nam unten gedrückt, wo sie durch eine schadhafte Kaminklappe in das Zimmer des Mädchens entwichen und das Unglück verur­sachten. In der Wohnung selbst war nicht g^cizt worden, dagegen im Stockwerk darüber. Die <xrau schwebt tn Le­bensgefahr und dürfte auch kaum mit dem Leben tzavon- kommen, . - -