Unterhaltungsblatt
Der Narr auf der Tofana.
Skizze von F. Liesegang.
Betriebsleiter Dirksen war über seine Arbeit am Schreibtisch gebeugt und antwortete auf das leise Pochen an der Tüi mechanisch „Herein!" Er sah überrascht auf, als Fräulein Magnus vor ihm stand.
„Verzeihen Sie die Störung, Herr Dirksen — ich wollt! mich verabschieden. Morgen beginnt mein Urlaub."
Er nickte freundlich: „Und wohin soll die Reise gehen?" Sie blickte ihm frei ins Gesicht: „Welche Frage! Wie all« Jahre: zur Tofana."
„Nun, ich glaubte, einmal würden Sie — auch dieses Weges müde werden."
Erika Magnus schüttelte abwehrend den blonden, schlicht gescheitelten Kopf. „Es käme mir wie Verrat vor, wollte ich einmal das Grab meines Verlobten nicht in jedem Jahr! einmal mit Blumen schmücken, die ich ihm selber bringe."
„Es ist aber schon lange her, seit Ihr Verlobter dort iw Kriege fiel. Einmal mutz auch die schwerste Wunde vernarben."
„So sagt man wohl. Gewiß, es ist lange her. Manchmal aber ist mir, als sei es erst gestern oder vorgestern gewesen."
Er schwieg einen Augenblick, gab ihr dann die Hand und sagt« leise und herzlich: „Ich wünsche Ihnen gute Reise."
Aufrecht, ohne Ziererei ging sie hinaus, zog die Tür behutsam hinter sich zu.
So war ihr ganzes Wesen: schlicht, behutsam, bestrebt, niemandem wehe zu tun. Bor zehn Jahren war sie in die Betriebsverwaltung eingetreten, still, arbeitsam ihren Weg gegangen. Ihr Leden lief wie ein Uhrwerk ab. Jedes Jah'i aber, wenn ihr Urlaub kam, reiste sie in die schroffe Bergwelt der Tofana an ein einsames Grab. —
Wie alljährlich, wurde sie ai*t Bahnhof von Cortina o Ampezzo von Ricardo erwartet. Er brachte ihr das Gepäck bis zum nächsten Gebirgsdorf, wo sie in einem kleinen Gasthaus für dic Ferientage Unterkunft fand. Vor neun Jahren hatte sie Ricardo als etwa dreizehnjährigen aufgeweckten Buben rennen gelernt, der für kargen Sold Bergziegen und Schafe hütete, jsr wußte jeden Pfad in dieser Bergwildnis. Er kannte die Stellen, an denen Edelweiß und Enzian ihre schönste Pracht entfalteten.
Zum ersten Male bemerkte Erika, daß es nicht mehr der Bub von einst war, der vor ihr stand, sondern eine schlanke sehnige, kräftig gebräunte Gestalt, die ihr zu herzlichem Willkomm die Hand bot und ihr das Gepäck abnahm. Erika fühlte sich zuerst ein wenig befangen, fand aber bald die ungezwungene Sprache wieder, fragte nach den Seinen, nach dem alten Wirt und vielen Dingen, die ihr gerade einfielen. Nach vierstündiger Wanderung, die ihr durchaus nicht schwer fiel, erreichte man das Gasthaus. Alles war nett und sauber vorbereitet: Erika fand ihr Zimmer wie sonst, hell, freundlich und auf dem kleinen Tisch einen herrlichen Strauß Edelweiß^
Natürlich^ Ricardos Werk! Sie streckte ihm dankbar die Hand hin: „Schade, Ricardo! Draußen im Freien nehmen sie sich noch schöner aus. Aber es war so gut gemeint —"
Seine Augen leuchteten auf, keinen Blick ließ er von ihr, als sie sich daran machte, ihre Sachen auszupacken.
„Weißt Du, Ricardo, die Blumen werden wir mit nach oben nehmen."
Der Glanz in seinen Augen erlosch, er fragte leise: „Wann gehl es hinauf?"
. Die überlegte: „Morgen will ich mich noch ein wenig verschnaufen. Sagen wir also: übermorgen um fünf Uhr." Er zögerte. „Fünf Uhr ist etwas zu spät. Um zehn Uhr tind wir dann erst am Einstieg, und um die Zeit ist es mit dem Steinschlag besonders arg. Bester um vier Uhr —"
Sie nickte: „Also um vier Uhr."
Endlich war das breite Felsband erreicht. Von hier aus wurde in gefahrloser Kletterei der kleine Grat erklommen, auf dem man schon von weitem ein kleines weißes Holzkreu- herüberleuchten sah. Jäh stürtten die Felswände rweii
Deutsche Edelbälge.
Von Wilhelm Hochgreve.
Wir stehen in der hohen Zeit des Raubwildfanges und der Raubwildjagd. Die Mode brachte in den letzten zehn Jahren für die deutschen Edelbälge gewaltige Preissteigerungen, die dazu angetan sind, Interesse an unserem Raubwilde auch in weniger naturnahen Kreisen zu erregen.
Dem Marder ist als dem edelsten deutschen Pelzträger der Vortritt zu lassen. Den Baum- oder Edelmarder kennzeichnet ein gelber, sicherer aber noch ein abgerundeter Kehlfleck, während die Kehle des Stein- oder Hausmarders gewöhnlich weiß ist. Am sichersten kennzeichnet den Steinmarder aber die über die Vorderläufe auslaufende Form seines Kehlfleckes.
Die Heimat der erstgenannten Art ist der Wald, die andere haust in altem Gemäuer, Steinhaufen, Scheunen, Brückendurchlässen und Röhrenleitungen, meist in der Nähe menschlicher Wohnstätten. Damit sei aber nicht gesagt, daß der Hausmarder die Menschen liebt, im Gegenteil: Er hat ihre Gefährlichkeit bester ersannt als der mit Vorliebe in einsamen, ausgedehnten Bergwäldern in hohlen Bäumen und Eichhornkobeln tagsüber sich bergende Edelmarder.
Nachts und am frühen Morgen klettern Und schleichen sie ??$. Beute; schlafende Bögel, Eier und Jungvögel, auch schwächeres Wild, in der Not selbst Rehkitze, vornehmlich aber Eichhörnchen, fallen dem Waldmarder zum Raube, während der steinmarber alles jagt, was ihm in Mauerwerk, Scheune und Stall sowie in der Ackerfurche und in Feldbüschen und Feldgeholzen begegnet — soweit er es bewältigen kann. Beide nehmen auch Mäuse und trockenes Obst, und der Steinmarder verschmäht einen Fasan oder -Hasen, den er überrascht ebenso wenig wie sein Vetter im Walde^ Wieviele Bögel und Vogeleier, Eichhörnchen, -Haar- und Federwild, auch .Hausgeflügel mag es gekostet haben, um den so begehrten Balg gedeihen zu lassen! Wieviele Eier hätte die Bäuerin mehr sammeln können, wenn nicht Weißkehlchen im Hühnerstall und in der Scheune gehaust hätte!
In vielen Gegenden Deutschlands ist der Baummarder schon seit Jahren verschwunden. Sein begehrter Bälg und die moderne Forstwirtschaft, die hohle Bäume nicht duldet, haben dort zu seiner Ausrottung oder Verdrängung geführt. Und der Steinmarder, der immerhin noch öfter vorkommt als jener, verrät sich infolge seines Aufenthaltes in der Nähe des Menschen leicht, lenkt die Verfolgung eher auf sich, so daß er ebenfalls eine Seltenheit bedeutet. In weiten ruhigen Wäldern aber mit altem Eichenbestande und tiefen Dickungen ist der Baummarder noch anzutreffen, und öfter noch läßt sich in alten Scheunen _wb auf SklüMen von EtuâLböften
hundert Meter in die Liefe — aber Erika kannte keine Furcht. Hier war ihre zweite Heimat, denn jenes Grab barg das, was ihr einst das Liebste gewesen.
Sic legte einen Strauß blutroter Rosen, den Ricardo für sie von Cortina geholt hatte, auf den kleinen Hügel auch die prächtigen Edelweißsterne. Lautlos bewegten sich Erikas Lippen. Ricardo stand verlegen daneben, drehte unschlüssio seinen Hut, preßte die Lippen zusammen. Allerlei Gedanken gingen ihm durch den Kopf...
Endlich wandte sich Erika zum Gehen. Unvermittelt wandte er sich um: „Erika — soll cs immer so bleiben zwischen uns?" Sie sah ihn erstaunt an. „Sei nicht böse — aber meine Sehnsucht ist mit mir gewachsen. Ich bin jo nicht mehr der arme Hirtenjunge. Ich habe gedarbt und gespart und kann an ein eigenes Heim denken, nur —"
Er faßte nach ihrer Hand — die entzog sie ihm mit hartem Ruck. „Ricardo — kein Wort davon! Es soll immer so bleiben."
Wortlos richtete er seine dunklen Augen auf sie, durchdringend. Sein Gesicht kam ihr näher, namenlose Angst schnürte ihr die Kehle zu — sie schlug ihm ins Gesicht.
Er verzog keine Miene, aber in seinen dunklen Augen war ein zorniges Flackern. Schweigend machten sie sich an den Abstieg.
Erst dachte Erika daran, sofort abzureisen. Ohne Gruß hatte sich Ricardo entfernt, und sie grübelte, ob sie ihm nicht unrecht getan. Aber bester war ès, törichte Träume mit herber Hand zu zerstören, als sie durch Unentschlossenheit zu nähren. Sie hatte in ihrer Abgeschiedenheit vergesten, daß Knaben zu Männern werden. Doch es war nicht ihre Art, feige zu flüchten. So blieb sie. Auch ohne Ricardos umsichtige Führung unternahm sie einsam Wanderungen in die zerklüftete Tofana.
Als eines Abends die Dunkelheit anbrach, war sie nicht zurückgekehrt. Der besorgte Wirt ließ Ricardo rufen, doch der zuckte kühl abweisend mit den Achseln: „Sie wollte es eben nicht anders."
Lange blieb er auf der alten Holzbank vor dem Gast- hause sitzen, als kämpfe er mit sich einen schweren Kampf. Endlich erhob er sich und rief dem Wirt durch das halb geöffnete Fenster zu: „Ich will nachschauen, wo sie ist."
Den mittleren Turm der Tofana hatte Erika ausgesucht' der war ein heimtückischer Gesell. Wer den rechten Anstieg verfehlte, kam in größte Gefahr.
Ricardo prüfte sorgfältig Seil und Steigeisen, nahm auch die Windlaterne mit, um noch vor Tagesanbruch rech! dicht unter den Grat zu kommen. Er wünschte seinen Füßen Flügel — aber es wäre töricht gewesen, die Kraft vorher zu verschwenden. Bon Zeit zu Zeit rief er ihren Namen in die Dunkelheit. Kein Echo klang zurück. Nach stundenlangem Anstieg hatte er ein breites Kriechband erreicht, seilte sich an und wartete auf die Dämmerung, um seinen Weg fortzusetzen. Unablässig suchte sein geübtes Auge die Felswände ab... Da entdeckte er Erika auf einem schmalen Felsvorsprung, jybm schlug das Herz. Er schrie ihren Namen — die Gestalt
fieberhaft überlegte Ricardo. Von jenem Felsvorsprung gab es kein Zurück; nur vom Grat her konnte er sie mit dem Seil erreichen. Endlich, nach mühsamer Kletterei, hatte er ihn erreicht, sicherte das Seil und rief ihr zu, sie möge sich anseilen. Doch die eisige Kälte der Nacht hatte ihre Kräfte erschöpft. Bald stand er neben ihr auf dem schmalen Bande, das kaum für einen Raum bot.
Sie blickte ihn mit mattem Lächeln an. „Komm, Erika! Du mußt Dich zusammennehmen."
Er fei'fe sie an, schlang kunstgerecht den Knoten. Der Duft ihres Haares betäubte ihn — er hauchte einen Kuß auf chren erschöpften Mund. Das jagte ihr Flammen in die Wangen: „Nicht — um diesen Preis!"
Ricardo biß die Lippen zusammen. „Dann um einen en —" Fest stemmte er sich gegen die Felswand, eiserner Wille gab ihm Riesenkräfte. Wie eine weiße Feder schwebte
■«■■MWW^^MMMMMMBMHBHMM^^ der Steinmarder spüren. Die bei Jägern beliebteste Baummarderfalle ist der Marderschlagbaum, den man im Hochwalde, im Stangenort oder in der Dickung, jedenfalls dort, wo man Gelbkehlchen einmal gespürt hat, etwa anderthalb Meter über dem Erdboden zwischen drei Stämmen anbringt. Den besten Köder bildet seine Lieblingsspeise, das Eichhörnchen. Auch in sogenannten Knüppel-, Würg- und Kastenfallen sowie in Schlageisen läßt der Edelmarder sich fangen. Mit der Schußwaffe ist den Mardern seltener beizukommen, da sie als Nachttiere dem Jäger bei Schußlicht nicht oft vor Augen kommen. Es kann aber glücken, daß der einer Baummarderspur im Neuschnee nachgehende Jäger den Gesuchten über dem Ende der Spur vom Aste, auf dem er sich sonnt, herunterholt. Oder Gelbkehlchen springt einmal in mondheller Nacht auf die Töne der Hasenquäke, die dem Fuchs galten. Auch der Steinmarder kommt zuweilen vors Rohr, indem er aus seinem Versteck herausgelärmt wird. Wegen seiner Seltenheit ist der Edelmarder fast im ganzen Reiche st r e n g g e s ch ü tz t. Wo er noch „frei" ist, sollte man ihn nicht verfolgen, sonst gilt er bald als ausgerottet.
An Pelzwerk steht heute der Fischotter etwa in der Mitte zwischen den beiden Mardern. Vor dem Kriege war für seine Ausrottung in vielen Gebieten weniger die Nachfrage nach dem guten Balg als seine Schädlichkeit gegenüber der Teichwirtschaft ausschlaggebend. Hierzu kommt noch die neuzeitliche Fluß- und Uferregulierung und die Verpestung vieler Gewässer durch Fabrikabflüsse, die den Fischen und damit auch ihm das Dasein unmöglich machten. Die hohe Summe, die heute für seinen Balg gezahlt wird, verlängert die Reihe seiner Feinde. Sein Balg ist infolge seines Wasserdaseins im Sommer fast so gut wie im Winter. Der Fischotter kann durch für diesen Zweck geschulte, rauhhaarige und daher auch im Winter wasserfeste Otterhunde aus seinen Uferverstecken vor die Flinte gebracht werden. Statt der Flinte kam früher auch die „Ottergabel" in Anwendung. Sie ist heute wie die „Saufeder" fast in Vergessenheit geraten. Dem Otter lauert der Jäger auch durch Ansitz bei Mond und Schnee auf an Teich-, "See-, Fluß- und Bachufern. Am bequemsten und sichersten ist aber auch bei ihm der Fang mittels des an seinem durch Fifchgräten und Losung erkenntlichen Ausstiege am Ufer ausgelegten Eisens. Es muß so weitläufig angekettet werden, daß er gefangen mit ihm ins Wasser stürzt, wo er dann schnell verendet.
Die Preise für die Bälge ausgewachsener Iltisse schwankten früher zwischen drei und sechs Mark. Für ein großes Wiesel, das gegen Mitte November den braunen Bala mit dem weißen vertauscht und nun nnrf> .^erinelüi heißt, erzielte man vor dem Kriege kaum eine Mark, heute „Valuta". Das kleine Wiesel dagegen, das sich nicht verfärbt, ist als Pelztier bedeutungslos. -uer Iltis und beide Wiesel-
Erikas Körper an der grauen Wand empor. Ihre Energie erwachte wieder — mit letztem Wollen überwand sie die Felskante, sank neben dem Felsblock nieder, um den Ricardo das Seil schlang.
Und wartete auf Ricardo.
Sie wartete lange, lange. Zog am Seil — ohne Widerstand kam es herauf, nur die Windlaterne hing daran, und in ihrem Gehäuse lag ein kleiner Zettel mit schwer leserlichen Worten: „Dann um diesen Preis Der Narr auf der Tofana."
Lange starrte Erika in die wunderliche Bergwelt um sie her, alles war wie ein böser Traum.
Vermischtes.
w. Der Philosoph Baruch Spinoza. Vor 300 Jahren, am 24. November 1632, wurde in Amsterdam der Philosoph Baruch Spinoza geboren Er stammte aus einer lüdischen Familie, die sich aus Portugal nach Holland gewendet hatte, wurde aber wegen seiner „philosophischen Irrlehren" aus der jüdischen Gemeinde ausgeschlossen und mit dem Bannfluch belegt. In Amsterdam und im Haag ernährte er sich dann bis zu seinem 1677 erfolgten Tode (er starb an der Schwindsucht) kümmerlich durch Glasschleifen. Einem Ruf an die Universität zu Heidelberg wollte er nicht Folge leisten Spinozas Hauptwerk „Die Ethik" (sie ist, wie alle seine Werke, in lateinischer Sprache geschrieben) hat aus die Gestaltung der deutschen Philosophie in der Periode nach Kam großen Einfluß ausgeübt; sie wirkte auf Herder und Goethe, aus Schelling, Schleiermacher und Hegel. Durch die leidenschaftslose Ruhe seiner Darstellung, durch den enggeschlossenen Zusammenhang seiner Beweise, durch die großartige Resignation, mit der er in allem, was ist und geschieht, Unabänderliches sieht, hat Spinoza von jeher die Bewunderung der philosophischen Welt auf sich gezogen. Auf Spinozas Rechtslehre wird das Wort „Macht geht vor Recht!" zurückgeführt: ihm ist Macht Recht, und jeder hat nur so viel Recht, als er Macht hat.
— Das Andenken an Walter Scott als Tierfreund hat bei Gelegenheit der 100. Wiederkehr feines Todestages Prof. Dr. Moewes-Berlin in der Zeitschrift „Naturschutz", wachgerufen. „Es ist einer seiner hervorstechenden Charakterzüge, daß er ein großer Freund unserer vierbeinigen Hausgenossen war. Wer diese Eigenart nicht aus dem Leben des trefflichen Mannes kennt, dem würde sie aus feinen Dichtungen offenbar werden. In den meisten seiner berühmten Romane Rub Hunde in ihrem Verhältnis zum Menschen lebens- und liebevoll gezeichnet. Auch alle anderen Haustiere erfreuten sich der Zuneigung des Dichters. Walter Scott beglückte und begnadete, wohin er kam. Sein ganzes Leben war ein unausgesetztes Wohltun. Alles hing an ihm. Die Tiere des Hauses umdrängten ihn, wenn sie ihn kommen sahen, denn er kam nur, um zu liebkosen, zu streicheln und zu geben."
Eine Schlange operiert sich selbst.
Daß Tiere unter Umständen gereifte chirurgische Eingriff« an sich vorzunehmen pflegen, ist mehrfach beobachtet worden. Dahin gehört z. B. die „Amputation" einzelner in Fallen geratener Glieder; auch regelrechte Berbänoe von Wunden kommen vor. Einzigartig dürfte dagegen eine „Operation" dastehen, die kürzlich ein Naturforscher aus Chattanooga in Tennessee an einer Schlange beobachtete. Gleich nach dem Einfangen des Tieres ergab sich, daß es das Rückgrat gebrochen hatte. Hob man das Reptil mit der Hand auf, so hing derKörPer von der Bruchstelle an hilflos herab. Man tat die Schlange dann in einen Käfig und überließ sie einige Tage sich selbst. Als man sich dann wieder um sie kümmerte, hatte sie ihren Leib zu einem Knoten verschlungen, der so angelegt war, daß er beide Bruchenden des Rückgrats in engste Berührung miteinander brachte und so die Heilung ermöglichte.
arten hausen ähnlich. Reisighaufen, Röhren, Brücken, Steinhaufen, Scheunen, auch Kaninchen-, Hamster- und verlassene Fuchsbaue sind ihre Schlupfwinkel. Mäuse, Vögel, Kerbtiere, Geflügel, Jungwild und selbst Kaninchen und Hasen bilden ihren Raub. Der Iltis hat außerdem besondere Vorlieb« für Frösche.
Vor die Flinte des Jägers fommeu die Wiesel, die am Tage rauben, öfter, der Iltis dagegen seltener. Iltis und Wiesel lassen sich verhältnismäßig leicht fangen, denn sie sind weniger vorsichtig, als der Baummarder oder gar der Steinmarder. Trotzdem sind sie noch häufig vertreten.
Die meisten der erbeuteten Füchse werden gefangen, obwohl der Jäger auf sie auch oft zu Schuß kommt beim Ansitz ant Bau, auf Treibjagden, beim Ansitz in heller Winternacht mit der Hasenquäke, die das Angstgeschrei des in Rot befindlichen Lampe nachahmt und den Roten heranlockt, und am LudcrPlatz. Der Luderplatz ist bereits im Hochsommer angelegt. Ein eingegangencs Stück Vieh oder Wild wird auf dem Felde, nicht weit vom Walde oder auf einer großen Blöße im Walde halb eingegraben, uno etwa 35 Schritt davon entfernt wird eine möglichst unauffällige Erdhütte gebaut, in welcher der Jäger dem das Luder annehmenden Fuchs auflauert. Diese Jagdart verlangt Ausdauer und Wetterfestigkeit. Schuß aber geht über Fang. Wo Füchse überhandnehmen, sieht man von der Gewinnung des Pelzes oft ganz ab, indem man die Füchse im Frühjahr, auch Sommer, ausgräbt, wobei eine Familie von sieben bis zwölf Köpfen aus • einen Schlag vernichtet werden kann.
Durch Graben rückt man auch gewöhnlich dem Dachs zu Leibe, denn der Ansitz bei Mondschein am Bau dieses vorsichtigen und scheuen Nachtwandlers bringt nur selten Erfolg. Die Schwarte des Dachses hatte früher 3 Mark Wert. Ihretwegen wurde er dann auch vor dem Kriege weniger verfolgt als nm seines Fettes willen. Das ging soweit, daß man, sein Aussterben befürchtend, ihm acht Monate vom Jahre Schonzeit bewilligte. Das Fett des im erwachsenen Zustande runo drcißigpfündigcn Burschen erfreute sich in der Zeit allgemeiner Fettnot naturgemäß ganz besonderer Beliebtheit. Es dient zu medizinischen Salben, liefert vor allem aber mit Wachs durchsetzt eine ganz vorzügliche Schuhschnnere. Auch sein „Kern" (Fleisch) wird von manchen verwertet. Es soll, nachdem es drei Tage in fließendem Quellwasser gelegen, dem Schweinefleisch ähnlich schmecken. c .
Die Wildkatze ist allgemein so selten geworden, daß sie als Pelztier gar nicht mehr in Betracht kommt. |te noch erlegt wird — in ausgedehnten, zerklüfteten gebirgen, wie Harz und Eifel —, behält sie der Erbeuter „ausgestopft" als wertvolles Andenken. Sie ist heute überall im Reiche geschützt.