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Nr. 273 - 1932

Fulda, Montag 21. November

9. Jahrgang

Hitler bei Hindenburg.

Die Empfänge

beim Reichspräsidenten.

Hitler soll nochmals empfangen werden.

Der in politischen Kreisen mit großer Spannung er­wartete Empfang des Führers der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei, ÄdolfHitler, durch Reichs­präsident von Hindenburg ist am Sonnabend mittag er­folgt. Amtlich wird über den Empfang folgende Mit­teilung ausgegeben: Der Reichspräsident empfing Sonn­abend vormittag Herrn Adolf Hitler zu einer Besprechung über die politische Lage. Die Aussprache dauerte über eine Stunde. Es wurde in Aussicht genommen, sie in den nächsten Tagen fortzusetzen.

Bemerkenswert an dieser amtlichen Mitteilung sind zwei Dinge. Erstens, daß die Unterredung zwischen Hindenburg und Ritter diesmal länger a l s eine Stunde gedauert hat, während am 13. Juli Hitler bei Hindenburg etwa nur 15 Minuten war, des weiteren, daß

ein neuer Empfang

des Führers der Nationalsozialisten durch den Reichs­präsidenten vorgesehen ist. Eine offizielle und förmliche Betrauung Hitlers durch den Reichs­präsidenten, die Bildung einer nationalen Konzentrations­regierung mit den Führern der hier in Frage kommenden Parteien zu versuchen, ist nicht erfolgt. Dagegen dürfte der Reichspräsident es Hitler überlassen haben, sich

mit den anderen Parteiführern in Verbindung zu setzen,

um festzustellen, inwieweit er auf ihre Unterstützung rechnen kann bei dem Versuch, ein Kabinett zu bilden, das den Charakter einer Präsidialregierung hat, aber auch von einer Parlamentsmehrheit getragen wird. Sollte etwa eine Fühlungnahme zwischen Hitler und den anderen Parteiführern nicht Zustandekommen, so ftt es nicht aus­geschlossen, daß der Reichspräsident eine neutrale Persönlichkeit benennen wird, die darin den Versuch machen soll, eine Aussprache zwischen den Parteiführern zustandezubringen. Erst wenn das Ergebnis dieser Aus­sprache vorliegt und Hitler, wie er sich ausbedungen hat, auch mit seinen engsten Vertrauten über die Verhand­lungen mit dem Reichspräsidenten Rücksprache genommen baden wird, dürfte ein neuer Empfang Hitlers bei Hinden» ? burg angesetzt werden.

Unser vier Augen.

Über den

Empfang Hitlers bei Hindenburg

werden im übrigen noch folgende Einzelheiten bekannt: Bevor der Führer der Nationalsozialisten beim Reichs­präsidenten erschien, hatte Reichstagspräsident Göring eine Unterredung mit dem Staatssekretär des Reichs­präsidenten Dr. Meißner, die etwa eine Viertelstunde dauerte. Bei dem Empfang Hitlers bei Hindenburg war diesmal niemand zugegen. Erst in der letzten Stunde des Empfanges wurde Staatssekretär Meißner hinzugezogen. Die Herren, die Hitler zu dem Reichs­präsidenten begleitet hatten, hatten während des ganzen Empfangs im Vorzimmer Platz genommen, ohne daß sie selbst zur Unterredung hinzugezogen wurden. Hitler war sowohl beim Betreten des Rcichspräsidentenpalais wie auch bei seiner Abfahrt

Gegenstand begeisterter Kundgebungen feiner Anhänger, die sich in großer Zahl vor dem Präsidentenpalais und vor dem HotelKaiserhof" angcsammclt hatten, wo Hitler

Dynamitanschlag aus Herriot.

Die Explosion erfolgte jedoch vorzeitig.

Auf den Zug, mit dem der f r a n z ö s i s ch e M i u i sterpräsident Paris verlassen hatte, um sich «ach Nantes zu begeben, wurde am Sonntag früh ein D y n a - witanschlag verübt. Unbekannte Täter hatten etwa 50 Kilometer vor Nantes u n t e r d i e S ch i e n e n eine starke Dynamitpatrone gelegt, die in dem Augenblick explodieren sollte, in dem der Zug die Strecke passierte. Die Explosion ereignete sich jedoch aus bisher noch nicht sestgestellten Gründen bereits eineStundevordem Eintreffen des Zuges, so daß ein unübersehbares Unglück vermieden werden konnte.

Am Sonntag wurden die Bewohner der in der Nähe des Schienenstranges liegenden Häuser durch eine f u r ch t- dareExplosion wachgemacht und stellten fest, daß die Schienen auf mehrere Meter aufgerissen waren. Nachdem die nächste Bahnhofswache unterrichtet worden war, konnte auch der Lokomotivführer des Zuges, in dem der Ministerpräsident Platz genommen hatte, recht­zeitig benachrichtigt werden. Von dem Täter fehlt bisher noch jede Spur.

während der Zeit seines Berliner Aufenthaltes Wohnung genommen hat.

Im Zusammenhang mit dem Empfang Hitlers durch den Reichspräsidenten waren in Berlin bereits Gerüchte verbreitet, wonach auf Grund einer Unterredung zwischen dem General v. Schleicher und Hitler dieser bereit sein würde, zugunsten Schleichers auf das Kanzler­amt LU verzichten. Diese Gerüchte entsprechen, nicht den

Adolf Hitler auf dem Wege zu Hindenburg.

Der Führer der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiter­partei, Adolf Hitler (Mitte), verläßt mit Haupt­mann Göring (links) und Alfred Rosenberg (rechts) das Hotel .Kaiserhof", um sich zum Reichs­präsidenten zu begeben.

Tatsachen. Sie sind vielleicht daraus zurückzuführen, daß Hitler mit dem Reichswehrminister atn Freitagabend eine längere Unterredung hatte, über deren Ergebnis jedoch nichts bekanntgeworden ist.

In politischen Kreisen soll man übrigens einigen Optimismus an den Tag legen, dâß es nicht ausgeschlossen erscheint, daß in absehbarer Zeit eine Regierung der nationalen Konzentration zustandekommen -wird. Wer diese Regierung führen wird, steht allerdings noch nicht fest.

Noch kein Auftrag Hindenburgs.

Hitlers Fühlungnahme mit den anderen Parteiführern.

Nachdem als letzter Staatsrat Schäffer für die Bayerische Volkspartei vom Reichspräsidenten v. Hindenburg empfangen wurde, muß festgestellt werden, daß der Reichspräsident einen Auftrag zu Verhand­lungen an niemand gegeben, sondern den jeweils empfangenen Parteiführern gegenüber dem Sinne nach die Erwartung zum Ausdruck gebracht hat, daß sie sich nun mit den Führern der anderen Parteien über den Gedanken der nationalen Konzentration unterhalten wer­den. Diese Erwartung hat der Reichspräsident auch Adolf Hitler gegenüber ausgesprochen und zu ver­stehen gegeben, daß die Fühlungnahme Hitlers mit den anderen Parteiführern wohl inzwischen erfolgt sein werde, wenn die neue in Aussicht genommene Unterredung des Reichspräsidenten mit Hitler staitfinde. Aus der Sach-' läge heraus, daß demnach der Reichspräsident von der Bestellung eines Verhandlungsführers abgesehen hat, ergibt sich, daß die Initiative von feiten einer der Parteien erfolgen mutz.

Die Deutschen sind naMlich schuld!

Unerhörte Anschuldigungen Herriots im Zusammenhang mit dem Dunamitanschlag.

Jm Zusammenhang mit dem Dhnamitanschlag auf den Zug des französischen Ministerpräsidenten gab Herriot bei seiner Ankunft in Nantes Pressevertretern einige Erklärungen ab, in denen der Ministerpräsident die Auf­fassung vertritt, daß gewisse deutsche Kreise und insbesondere nati o n a l s o z i a l i st i s ch e Elemente ihre Hände bei den Anschlägen in der Bretagne im Spiel hätten. Herriot erinnert an den Bombenanschlag in R e n st e s und betonte, daß in diesem Zusammenhang der Name eines in Paris lebenden deutschen Journa­listen genannt worden sei, von dem die bretonische n Auto n o m isten angeblich das Geld für ihre Propa­gandafonds erhielten. Dieser Journalist, den der Minister­präsident namentlich nannte (gemeint ist Körber, der ehe- malige Pariser Vertreter des Völkischen Beobachter), gegen den man aber Beweise nicht in Händen hätte, sei aus Frankreich ausgewiesen worden.

Diese Erklärungen des Ministerpräsidenten haben der nationalistischenLiberte" genügt, um in großer Schlag­zeile anzukündiâen:Ein deutsches Attentat gegen Herriot!" Wie im übrigen zu dem Anschlag verlautet, haben die Bewohner von Puygarnier, einer kleinen Ort­schaft in der Nähe von Champtoce gegen 5 Uhr morgens m unmittelbarer Nähe des Schiencustranges cw LmwusiM

halten sehen. Sofort nach der Explosion, die weithin hör­bar war, fuhr das Automobil in beschleunigtem Tempo in der Richtung auf Angrandes davon. Die Nummer des Wagens konnte nicht festgestellt werden.

In Kreisen der Polizei bringt man den Anschlag mit demjenigen in Verbindung, der vor einigen Monaten auf das französisch-bretonische Verbrüderungsdenkmal in Rennes verübt wurde. Obgleich die Untersuchung über diesen ersten Bombenanschlag noch nicht abgeschlossen ist, ist man der festen Überzeugung, daß die Täter in Kreisen bretonischer Autonomi sten zu suchen sind.

Politisier Brückenbau.

In der Wilhelmstraße, am Palais des Reichskanzlers, wo zur Zeit auch der Reichspräsident wohnt, drängten sich die Menschen in dichten Scharen. Man wartete und hoffte darauf, irgendeinen jener Männer zu sehen, mit denen Hindenburg die Weiterentwicklung der sich überhastenden innenpolitischen Geschehnisse besprechen wollte. Man mußte warten, denn zweckmäßigerweise war vom Reichspräsidenten verfügt worden, daß diese Be­sprechungen möglichst fern vom Beifall oder von der Kritik politisch interessierter Zuschauermassen vor sich gehen sollen. In der Stille des Verhandlungszimmers soll nur die sachliche Erwägung von Tatsächlichem und von Not­wendigkeiten sprechen dürfen, nicht aber Wünsche utopischer Art. Von den Parteiführern selbst wollte Hindenburg hören, ob und wieweit sie das in Durchführung begriffene politische und wirtschaftliche Programm unterstützen wollen. Und es bedeutete nur eine äußere Dokumentie­rung des Wunsches nach einer von außen her möglichst unbeeinflußten Behandlung der innenpolitischen Pro­bleme, wenn Hindenburg der Notverordnung zur Siche­rung des inneren Friedens die Geltungsdauer bis zum 2. Januar nächsten Jahres verlängerte, also den innen­politischenBurgfrieden" bis zu diesem Datum aus­dehnte.

Zum zweitenmal hat Hitler als Führer der größten deutschen Partei vor dem Reichspräsi­denten gestanden, nachdem er dreieinhalb Monate früher als dex eigentliche Sieger des 31. Juli zu Hinden­burg geladen worden war. Damals schieden die beiden Männer in kaum verhülltem Bruch voneinander, und daran schlossen sich die bekannten scharfen Auseinander­setzungen zwischen der Regierung Papen einerseits, der nationalsozialistischen Führung andererseits. Bis sich alles auf die dramatischen Ereignisse der Reichstagssitzung vom 12. September zuspitzte, es zur offenen Kriegs­erklärung zwischen Regierung und Reichstagsmehr- Heit kam! Jetzt stand Hitler wieder vor dem Reichs­präsidenten. Inzwischen hat der 6. November gezeigt, daß das Ziel der nationalsozialistischen Bewegung, die Mehrheit des deutschen Volkes zu gewinnen, nicht verwirk­licht worden ist. Hitler verlor zwei Millionen, die ihm am 31. Juli die Stimme gegeben hatten. Trotzdem nimmt die Fraktion der Nationalsozialisten immer noch e i n Drittel der Reichstagssitzc ein, und ist damit die stärkste Partei im Reichstag.

Hindenburgs Besprechungen mit den Parteiführern sollen den Versuch darstellen, die Kluft zu überbrücken, die während der letzten drei Monate zwischen dem Präsidial­kabinett und der Reichstagsmehrheit und damit dem in diesen Parteien sich zusammenschließenden Volksteil immer breiter aufgetan hatte. DerBrückenbau", wenn man dies so nennen darf, muß nun aber von einer Reichs­tagsmehrheit aus versucht werden, da sich die daran be­teiligten Parteien ausdrücklich oder stillschweigend darüber einig sind, den Gedanken des Präsidial­kabinetts zu erhalten. Tenn jede der einzelnen Parteien dürfte sich darüber klar sein, daß die Staats­aufgaben der Gegenwart und näheren Zukunft gigantisch sind und die Staatsführung daher eine Zusammen­fassung der politischen Kräfte braucht.

Aber diese Konzentrierung ist gerade die Aufgabe, die der Reichspräsident den Parteiführern gestellt hat, eine Zu­sammenfassung auf dem Boden der nationalen Notwendig­keiten, des sachlich und politisch geradezu Zwangsläufigen. Hindenburg jedenfalls macht den ehrlich gemeinten und ohne Rücksicht auf dasPersönliche" abgestellten Versuch, eine Lösung zu finden, die die Reichstagsmehrheit und eine künftige Reichsregierung zusammenbrinaen soll. Ob die mit der Aufgabe des politischenBrückenbaus" be­trauten Parteiführer zu einem Ergebnis tommen werden, das den Absichten des Reichspräsidenten entspricht, wird Hindenburg selbst erst entscheiden, ivenn ihm dieses Ergebnis vorgelegt worden ist. Nur auf das Sachliche des Inhalts kommt es dabei an, nur darauf, daß eine un­verkennbare politische Linie für die Staatsführung ge­funden wird. Hindenburg hat bisher nicht eine bestimmte Persönlichkeit damit beauftragt, diese Linie selbst zu ziehen und dann die Parteien auf dieser Linie zusammen­zubringen. Trotzdem sind sich die Parteiführer genau so )uic alle Welt klar darüber, daß sie den Auftrag erhalten und nun den Versuch zu einer Konzentration der politischen Kräfte zu machen haben allein auf der Linie, deren Ausgangspunkt Hindenburg als des Reiches und des deutschen Volkes Präsident festaelcat hat.

Kleine Zeitung für eilige Leser

* Die deutsche Delegation zur Tagung des Völkerbundrates hat sich nach Gens begeben.

* Ter Reichspräsident hat am Sonnabend den Führer der Nationalsozialisten empfangen. Für diese Woche ist ein zweiter Empfang Hitlers vorgesehen.

* Aus Moskau wird amtlich gemeldet, daß der russische Eis- irecher Nr 9 tut seiner Besa^M vor d«:xig Monn wu- LMLV-lsj. '