Zul-aer Anzeiger
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Sèr. 271 - 1932
Fulva, Freitag 18 November
9 Zahrguug
Negierung Papen zurückgetreten.
Mfrill der ReiKsregikrunü.
Der Reichspräsident von Hindenburg hat im Verlauf der Unterredung mit Reichskanzler von Papen de« Gesamtrücktritt der Reichsregierung angenommen.
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Das Hauptinteresse der politischen Kreise des Reichs konzentrierte sich am Donnerstag auf die Frage, welche Beschlüsse die Reichsregierung nach dem Empfang der Part-^füyrer durch den Reichskanzler fassen würde. Die Beratungen, denen im Auftrage des Reichspräsidenten auch Staatssekretär Dr Meißner beitvohnte, dauerten beinahe drei Stunden, ohne daß der Öffentlichkeit über die Be- spreclmng ein fester Beschluß der Reichsregierung bekanntgegeben wur^e. Dagegen wurde aus gutunierrichteter privater Quelle über die Beratungen der Reichsregierung folgende Verlautbarung ansgegeben:
Die Sitzung des Neichskadinetts dauerte von 11 bis gegen 13.45 Uhr. Das Kabinett hat keine Beschlüsse gefaßt und der Reichskanzler wird dem Reichspräsidenten noch im Laufe des Donnerstags zur Berichterstattung aufsuchcn. Entgegen den Erwartungen ist der Beschluß über den Gefamtrttcktritt deS Kabinetts nicht gefaßt worden. Reichskanzler von Papen hat dann dem Reichspräsidenten in den Abend- stunden des Donnerstags Bericht über die Sitzung der Reichsregierung und über die politische Lage erstattet.
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Die amtliche Mitteilung über den Südtritt der ReiHSlabmellS.
Amtlich wird mitgeteilt:
...... Der Reichskanzler erstattete am Donnerstag dem Reichspräsidenten Bericht über das Ergebnis der Besprechungen, dir er im Auftrage des Reichspräsidenten mit den Parteiführern zur Erzielung einer möglichst breiten nationalen Konzentration gepflogen hat. Während die Dcutschnationale Volkspartei, die Deutsche Volkspartet und die Bayerische Volkspartei aus dem Standpunkt stehen, daß sie jede solche Konzentration begrüßen, die die Arbeit der Reichsregierung zu erleichtern in der Lage sein würde, hat der Führer deS Zentrums der Ansicht Ausdruck gegeben, daß ihm Führung und Zusammensetzung des gegenwärtigen Kabinetts nicht geeignet erscheine, den Zusammenschluß dieser Kräfte sicherzustellcn. Die SPD. hat den Wunsch des Kanzlers zu einer Unterhaltung über die Mitarbeit in einer nationalen Notgcmeinschaft schroff a b g e l e h n t. Die NSDAP. hat mitgeteilt, daß sie nur unter gewissen Vorbedingungen zu schriftlichen Verhandlungen bereit sei, wobei sic es von vornherein ablehnt,
_ Das Kavinett Papen.
(Sitzend von links): Freiherr von Braun (Ernährung "udLandwirtschaft) — Freiherr von Gayl (Inneres) — .bHchskanzler von Papen — Freiherr von Neurath Süßeres) - (stehend von links): Dr. Gürtner (Justiz) - iZroi. Warmbold (Wirtschaft) — General von Schleicher (Reichswehr).
£"L*”n der Reichsregierung in Angriff genommene Prittttche und wirtschaftlich.. Programm zu unterstützen.
-» -.Lage glaubte die Rcichörcgicruug, die unter ihrer Kräfte versucht hat, den ihr vom Reichs- bc K "™ Antrag anszuführen, im in die .Miihr h^^ *“ handeln, wenn sie ihn dabei - öb ne n? «^'Präsidenten zurücklegt Sie handelt »tciSaiinrV? Grundsatz autoritärer StaatSführung nn8nefnrnrh™.Vsr ""^ dem von ihr schon vielfach in Vieler so ernsten"^ ^ Rücksichten auf Personen können eiÄrA1* keinen Raum haben völlig frei , »?5" Reichspräsidenten den Weg der Nation und neftiih« â>/ n damit er als der Führer Anttes di/ Zusamt die hohe Autorität seines - Lusamine^alsuug aller wahrhaft uatio.
nalen Kräfte herbeiführen möge, die allein den Weg der deutschen Zukunst sichern kann.
Der Reichspräsident nahm den Rücktritt der Reichs- regierung entgegen und beauftragte das Kabinett mit der Weiterführung der Geschäfte.
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Die Laqe vor dem Rücktritt.
Bei den Beratungen der zurückgetretenen Reichsregierung spielte auch dasAntwortschreibenHitlers eine Rolle, das der Führer der Nationalsozialisten auf die Einladung des Reichskanzlers zu einer politischen Aussprache diesem hat zugehen lassen. Dieses Schreiben ist zwar in höflicher Form gehalten, stellt aber eine scharfe Absage an den Reichskanzler dar. Hitler lehnt jede Verhandlung mit Papen direkt oder Indirekt ab: ganz aus- führlich wird außerdem der Standpunkt der Nationalsozialisten zu allen politischen Streitfragen dargelegt. Im übrigen wird zu verstehen gegeben, daß man bereit sei, mit dem Neichspr â sidenten selbst zu verhandeln, vorausgesetzt, daß der Reichskanzler an den Besprechungen nicht teilnimmt. Der Antwort soll auch eine Denk- schrift beiliegen, die man als „nationalsozialistisches Re- aierungsvrogramm" anGrecben könne. fritier weilte am Donnerstag noch in München, wo Besvrechungen mit ein-r ganzen Reihe nationalsozialistischer Führer statt- fanden.
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Hitlers Antwort an den Reichskanzler.
Zu dem in Berlin eingetroffenen Antwortschreiben HitlersanPapen wird von zuständiger Stelle mitgeteilt, daß Hitler eine Auseinandersetzung mit dem verantwortlichen Regierungssührer nicht grundsätzlich a b a e l e b n l habe. Hitler habe aber auf schriftlicher
Was
Kmdenburg emvfânst d e parieiführer.
Zunächst Hugenberg. KaaS und Dingeldey. — Hitler und Schäffer nach Berlin gebeten.
Die Entscheidung über die weitere Entwicklung der innenpolitischen Verhältnisse ist nach dem Rücktritt des Kabinetts von Papen nunmehr in die frönt»" des R - i ch s- präsiderlten und der führenden Politiker übergegangen, deren Aufgabe es sein wird, einen Weg aus den Schwierigkeiten zu finden. Von zuständiger Stelle wird zur Erläuterung der kommenden Ereignisse darauf hingewiesen, daß es sowohl im Interesse der Sache als auch im Interesse der gesamten deutschen Wirtschaft liege, wenn dieser Zwischenzustand, der zur Zeit bestehe, nicht allzu lange andauere.
Der Reichspräsident hat zunächst eine Anzahl Parteiführer zu sich gebeten, um mit ihnen in den nächsten Tagen Einzelbesprechungen abhalten zu können. Diese Besprechungen sollen aber noch k e i nen endgültigen Charakter haben. Sie dienen dem Zweck, den Reichspräsidenten über die Auffassung der Parteiführer zu unterrichten.
Reichspräsident von Hindenburg legt Wert darauf, daß die eingeladenen Parteiführer nach Abschluß der Besprechungen zunächst in Berlin bleiben, um auch untereinander Fühlung zu nehmen, damit sie in der nächsten Woche dem Reichspräsidenten bestimmte Vorschläge machen können, die nicht nur die Personenfrage umfassen sollen, sondern vor allen Dingen auch das wirtschaftliche und politische Programm, das nach Ansicht der Parteiführer durchzuführen wäre.
Für Freitag sind zunächst Hugenberg für die Deutschnationalen, KaaS für daS Zentrum und
Die Kredilversoraung des Einzelhandels.
Eine Rede deS Reichswirtfchaktsniinisters.
ReichswirlschastSminister Dr. W a r m bo l d hielt vor der Haupigemcinschafi des Teutschen Einzelhandels in Berlin eine Reve, in der er feststen te, daß sich jetzt die ersten Anzeichen einer gewissen Besserung nach jahrelanger Krise zeigten. Man dürfe die berechtigte Hoffnung haben, daß im kommenden Frühjahr ein noch deutlich sichtbarerer Umschwung in der Wirtschaftslage der wichtigsten Länder und auch Deutschlands eintreten werde Der Minister verwies besonders auf die Besserung ded R o h st o f f p r e i s e und die außerordentliche Verflüssigung der G e l d m ä r k t e in den wich- tigsten Wirlschastsgebieten der Welt. Auch der d e u t s ch e Geldmarkt sei in eine dem ausländischen Geldmärkte parallele Bewegung gekommen. Es komme infolgedessen alles daraus an, die bereits aus natürlichen Gründen wirksamen Kräfte und die Stärkung, die sie durch das Wirtschaftsprogramm der Reichsregierung erfahren haben, durch den Willen und den Entschluß gerade in den Kreisen der selbständigen Eristenzen zu unterstützen und zu fördern. Der Minister führte im ein- reinen aus, welche Maßnahmen die Regierung getroffen tzabe, UN bet? Einzelhandel und den mitzelftändischen
Auseinandersetzung bestanden. Er habe Stele Aussprache an vier bestimmte Bedingungen geknüpft und mitgeteilt, daß er die Ziele der jetzigen Regierung in wirtschaftlicher und politischer Hinsicht nicht unterstütze.
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Die sozialdemokratische Reichstagsfraktion billigte einstimmig die Haltung des Fraktions- Vorstandes bei der Ablehnung der an die Abgeordneten Wels und Breitscheid ergangenen Einladung des Reichs- kanzlers von Papen und machte sich die Begründung dieser Ablehnung in vollem Umfange zu eigen.
Eine Denkschriff des Jenirums.
Das Reichsgeneralsekretariat der Zentrumsparte' veröffentlicht die Erklärung, die die Abgeordneten Kaas und Foos dem Reichskanzler bei ihrem Empfang überreicht haben. Darin heißt es, der einzige Ausweg aus der gegenwärtigen unhaltbaren Lage sei die Bildung einer Werre« rung, die in voller Wahrung der Rechte des Re'chsvräsi- deuten und einer zielbewußten starken Staatsführung die seit Monaten unterbrochene Verbindung mit der Volksvertretung wiederberstelle und sich in einer festen Meb'beit den unentbehrlichen Rückhalt schaffe Eine nüchterne Prüfung der gesamten Laae ergebe daß die Zusamm-"- fassung der volitiichen Kräfte tu einer starken Not und Arbeitsgemeinschaft, deren Bildung sachlich durchaus möglich sei unter der gegenwärtigen politischen Füb-unq und im Rahmen des gegenwärtigen Kabinetts ausgeschlossen bleibe.
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Crnffen Stunden enioeo-n
Der Chef der Heeresleitung. General von fr immer» stein, hielt bei einer Druvpenbesichtignng eine Rede, in der er darauf aufmerksam machte, daß D""tsch'and se^r ernsten Feiten entgegensetze, in denen der militärische Geist notwendiger sei denn je.
nun?
Dingeldey für die Deutsche Volkspartei zu Einzel- besprechungen eingeladen. Für Sonnabend sind der Führer der NSDAP., Adolf Hitler, und für die Bayerische Volkspartei Staatsrat Schäffer zur Unter- • rcdnng mit dem Reichspräsidenten nach Berlin gebeten worden. Die in Berlin weilenden Herren haben bereits zugesagt.
über den Inhalt der Einzelbcsprechungcn wird, wie von zuständiger Stelle erklärt wird, zunächst nichts bekanntgegeben werden. Die an den Verhandlungen teilnehmenden Herren werden ebenfalls gebeten, nichts mitzuteilen, bis ein Ergebnis vorliegt. In Berliner politischen Kreisen nimmt man an, daß die oben beschriebenen Besprechungen etwa Mitte nächster Woche abgeschlossen fein können. Dann werden voraussichtlich Vorschläge für weitere abschließende Besprechungen gemacht werden.
Die Sozialdemokraten sind nach dem Ton und dem Inhalt ihres letzten Antwortschreibens an den Reichskanzler nicht zu diesen Besprechungen eingeladen worden.
Sollte trotz des dringenden Wunsches des Reichspräsidenten aus diesen Besprechungen ein Kabinett der nationalen Konzentration nicht hervorgehen, so hält man es in politischen Kreisen nicht für ausgeschlossen, daß dann der Reichspräsident ohne Rücksicht aus die auseinander- strebenden Wünsche der Parteien einen Ma nnseines Vertiauens zum Reichskanzler ernennen wird. Theoretisch könnte dies wiederum Herr von Papen sein, in gutunterrichteten Kreisen glaubt man aber, daß der Reichspräsident dann einen anderen Mann seines Vertrauens zum Reichskanzler ernennen würde.
Kreisen Erleichterungen zu geben Klagen über nngenü- gende Kredilversorgung des Einzelhandels seien zu einem Teil berechtigt Das wirksamste Mittel, die Kred'l- bereitschafi der Banken zu erhöhen, scheine auf dein r » der S e I b st h i l f e zu liegen Die tzauptge-.ueinswa5 Teutschen Einzelhandels habe in rechtzeitiger Erlen uns Der hohen Bedeutung der Selbsthilfe gerade für die mittel» ständischen Kreise hier wertvolle Arbeiten ausgenommen, die auf den Gebieten der Betriebskontrolle, der Betriebsberatung und der Buchführung liegen Die energische Fortsetzung dieser Arbeiten könne in wirksamerer Weise als auf jedem anderen Wege eine Grundlage für einen erweiterten Personalkredit des Einzelhandels schaffen.
Kleine Zeitung für eilige Leser.
• Die Reichsregierung ist gestern nachmittag zurückg-treten.
• Eine große Rede des englischen Außenministers in Genf brachte die Anerkennung der deutschen Eleichberecht.guugs. forderung vom moralischen und rechtlichen «tandpunlt.
• 3m Altonaer Sprcngstoffprozcß beantragte der Anklagevertreter gegen eine KrM Auzahl von Ans-rlagte» W Zuchthau-sLaseu.