Düngung im Spätherbst?
Unter Den Zeitverhältnisjen leidet auch Die Düngung. Die Beschaffung der Düngemittel und damit auch die Düngung wird möglichst weit hinausgeschoben, um Die Zahlungsverpflichtungen zu verteilen oder Zinsen zu sparen Dabei kommt aber der w i r t s ch a f t l i ch e Erfolg der Düngung nicht zur Geltung. Es ist ernstlich zu überlegen, ob Die verminderte Wirkung verspäteter Düngung nicht am Ende zu teuer zu stehen kommt.
Es ist eine alte Regel daß Die Kali-Phosphat- Düngung im Herb st vor der Aussaat gegeben werden soll Stickstoff dagegen wird nur in den langsamer wirkenden ~ m und auch in diesen nur zum T. im Herbst ausgestreut Durch zahlreiche Versuche ist die Ueber- legenheit der Herbstöüngung erwiesen. So stellte der Versuchsring Rostock im Jahre 1929 fest, ^ die Hersistdü-zung mit Kali- und Phosphorsäure etwa ein Zehntel Mehrertrag gegenüber der gleichen, aber erst im Frühjahr verabreichten Düngergabe einbrachte Die Geldroherträge je Hektar lagen um 40 Mark höher In einem Versuch des Versuchsringes Rheinberg in Der Rheinprovinz wurden durch dieselbe Kaligabe im Herbst 4,4 Doppelztr mehr geerntet als bei der gleichen Frühjahrskaligabe. Die Ueberlegenheit der H e r b ft d ü n g u n g ist begründet durch die Stärkung der Jugendentwicklung der Winterungspflanzen die dadurch widerstandsfähiger werden gegen Winterschäden, Krankheiten und tierische Schädlinge. Außerdem haben die Pflanzen im Frühjahr einen Entwicklungsvorsprung. Sollte die ausreichende Düngung bei der Winterung bisher unterblieben sein, fc kann sie durchaus noch als Kopfdüngung nachgeholt werden. So hat die Deutsche Landwirtickafts- gesellichaft festgestellt, daß bei Kali-Kopfdüngung der Winte- rung- mit 1 Kg Kali bei Der Herbstgabe 3 Kg. Körner, bei der Frühjahrsgabe nur 2% Kg. Körner mehr geernt -t wurden Als Kali-Kopfdünger kommen sowohl 40er Kalidüngesalz wie auch Kainit-Hartsalz in Frage. Die Kopfdüngung mit Phosphorsäure wird wegen der Thomasmehl-Knapph^st in diesem Herbst auf das Frühjahr verschoben werden müssen: sie erfolgt dann in Superphosphat.
Bedeutet Die Kopfdüngung des Wintergetreides im Herbst vorwiegend eine Korrektur von Fehlern, die sich bei der Bestellung nicht vermeiden ließen, so ist die D ü n g u n g der Wiesen und Weiden im Herbst und Winter eine regelrechte Maßnahme. Vor allem die Kalidüngung der Wieien ist im Herbst notwendig; denn die Gräser sind Kalifresser Gaben je Hektar von 2—4 Doppelztr 40er Kalidüngesalz oder 6—12 Donpelztr Kainit und 2—4 Doppelnr eines Phosphorsäuredüngers können als Durchschnittsgaben angesehen werden. Kainit ist wegen seines Gehaltes an Nebensalzen, die den Gräsern sehr zujagen, für Wiesen und Weiden besonders beliebt. Kali wird von den Gräsern doppelt so gut ausgenutzt als die Phosphorsäure Es erhöhte eine vierteljährliche Gabe von je 90 Kg Zitronensäurelöslicher Phosyhorsäure Die Erträge rund um 2 Doppelztr., eine solche von 100 Kg Reinkali um 5—10 Doppelztr., die Gabe beider Nährstoffe zusammen um 10—16 Dovpelztr Starke Phos- phoriäure-Düngung kann auf den Wiesen schaden, weil sie das Wachstum des Klees fördert, der in strengen Wintern leicht ausfriert. Im allgemeinen gilt aber der Satz des bekannten Grünlandwirtes Schneider-Kleeberg, daß besonders bei der Neuanlage von Weiden nicht leicht zu viel gedüngt werden k a n n , „vielmehr schadet der Wiese nur derjenige Dünger den sie nicht bekommt"
Einwirrtern der Petersilie
In nicht allzu ungünstigen Wintern kommt die Schnittpetersilie gut durch und bietet vor der Blütenbildung im nächsten Sommer eine Fülle aromatischen Krautes. Man braucht aber auch tm Winter die Petersilie nicht zu entbehren und kann die Ueberwinlerung ruhigjm Freien vornehmen, wenn man einen Fensterkasten zur Verfügung hat der tm Herbst über das Petersilienbeet gestülpt wird Es muß richtig gelüftet werden. Die schlecht werdenden Blätter sind regelmäßig herauszuputzen. Gießen ist tm Winter kaum nötig Man kann auch im August Petersilie in ein abgeerntetes Mistbeet aussäen, um sie im Winter zur Verfügung zu haben. Bei sehr strengen Wintern kann frischer Pferdedung um Den Fensterkasten herumgelegt werden: es empfiehlt sich, dann auch über Nacht die Fenster mit einer Matte zu bedecken doch soll tagsüber die Matte nach Möglichkeit zurückgerollt werden, denn die grüne Petersilie braucht Licht. Für einen kleinen Hausbedarf topft man im Herb st einige Petersilienwurzeln ein und stellt sie in die Küche. Man wird dann bei häufigem Gießen ständig genügend grüne Petersilienblätter zur Verfügung haben.
Lesefrüchte
„Für den Gerüstaufbau der holzigen Gewächse lassen sich die N ä h r st o f f m a n g e l e r s ch e i n u n g e n wie folgt kennzeichnen:
Stick stofsmangel erzeugt Pflanzen von aufrechtem Wuchs mit starren, kleinen, hellgrünen Blättern; Phosphorsäuremangel bedingt längere, besonders zarte, tief dunkelgrüne Blätter; KalimangeI kennzeichnet sich durch schlaffes Hängen der dunkelgrünen Blätter.
Am Holz zeigt sich der Stickstoffmangel durch gestauchten Wuchs, Austreiben aller Knospen und infolgedessen reichliche, allerdings kleine Verzweigung erster Ordnung Dem Fehlen von Verzweigungen zweiter' Ordnung, io daß keine geschlossene Krone zur Ausbildung kommt Bei Kalimangel entsteht dünnes Holz und ein unregelmäßiger Aufbau. Da die Spitzen der Verzweigungen erster Ordnung vielfach ganz absterben oder nur sehr kleine, wenig lebensfähige Augen hervorbringen, entsteht auch hier kein einheitlicher Kronenaufbau
Die Wurzelentwicklung wird m der Weise beeinflußt. daß Phosphorsäuremangel sie der Menge nach ungünstig beeinflußt; bet Stickstoffmangel sind die Wurzeln im Verhältnis zum Sproß zahlreich, aber weniger geschlossen angelegt Kalimangel — und ähnlich Stickstoffüberschuß — führen dazu. daß diè Wurzeln tm Laufe von wenigen Jahren vollständig absterben, weil sie weniger widerstandsfähig sind gegen Pilze und tierische Schädlinge."
Prof. Dr E. Schaffnit, Bonn.
Geräte, die nichts kosten
Es wird oft die Beobachtung gemacht, daß Betriebe in oer gleichen Lage wirtschaftlich ganz verschieden dastehen. Geht'man den Ursachen nach, so zeigt sich, daß auf Dem gutrentierenden Betrieb ein Praktiker sitzt, der es versteht, feine Betriebsmittel richtig anzuwenden und richtig einzusetzen, während auf einem anderen Betriebe, der nicht auf einen grünen Zweig kommen kann ein Leiter vorhanden ist. Dem die praktische Veranlagung mangelt, und der trotz allen guten Willens mit großem Aufwand immer nur einen bescheidenen
Nutzen erreicht. Vor allem in den Nebenbetrieben der Landwirtschaft, die sich nicht im gleichen Maße der Aufmerksamkeit und Fürsorge des Betriebsleiters erfreuen können wie der Ackerbau und die Großviehställe, machen sich starke Unterschiede von Betrieb zu Betrieb geltend Hier sind schlechte Zeiten ernste Prüfsteine. Es entwickelt sich der Wille zum Sparen, aber er findet nicht immer die geeigneten Wege. Nicht Einschränkung der Betriebsmittel sondern ihre Verbilligung muß das Ziel sein. Sie ist zu erreichen; denn Not macht erfinderisch. Dafür einige Beikviele.
„ Man kann aus alten, abge- tahrenen Automobilreifen. Die sonst zu nichts mehr nutz sind, zuttergefäße für H ü h - n e r herstellen, die nichts kosten. Jeder Automobilfahrer hat abge- fahrens Reifen zu Hause herum- liegen Eine solche Reifendecke klemmt man zwischen die Kniee und schneidet sie mit einem scharfen Messer in der Mitte der Lauffläche rund Herum durch, io daß zwei gleiche Hälften entstehen. Eine normale Automobildecke faßt in ihren beiden Hälften etwa 12 Liter Futter oder Wasser. Sollten in der Decke undichte Stellen fein, io klebt man diese mit Gummi und Gummilösung zu. Solche Decken haben für bäuerliche Betriebe noch den Vorteil, daß auch mal ein Stück Vieh drauftreten oder ein Wagen darüber hinwegfahren kann, ohne sie zu beschädigen. Dem Nachteil daß die Hühner das darin enthaltene Futter beschmutzen oder verstreuen kann man leicht durch Darüberdecken von Maschendraht oder eines Lattengestells abhelfen, wodurch die Hühner nur noch zwischen den Lücken die Köpfe hindurchstecken können Die Futterverschleuderung hört dann auf.
Als S i tz st a n g i n lassen sich leicht unbrauchbar gewordene Wagenräder verwenden. Man befestigt sie durch drei Drähte an der Decke, etwa 14 Meter über dem Erdboden. Damit das Rad nicht schaukeln kann, zieht man die Drähte nicht senkrecht nach oben, sondern etwas schräg. Man könnte auch die Räder durch Unterstützungen in der Achse aufstellen. Dadurch erschwert man sich aber die Reinigung der Ställe Auf dem Rad eines gewöhnlichen Erntewagens finden etwa 60 Jungtiere Platz.
Auch sonst lassen sich mancherlei Geflügelzuchtgeräte durch Verwendung von Altmaterial leicht herstellen Alte Dachrinnen sind gut zu Tränken zu verarbeiten. Man kann sie auch als Futterrinne an M a st k ä f i g e n für Hähnchen benutzen, die man sich im übrigen aus großen Kisten herstellt. Alte Wagengestelle können leicht zu Junghennenwagen für den Weidebetrieb umgebaut werden oder zum Ausfahren der Futterautomaten auf Großviehweiden Dienen. Erfinderische und praktisch veranlagte Köpfe werden leicht noch sonstige Verwendungsmöglichkeiten für Altmaterial zu finden wissen und dadurch die Kosten der Betriebseinrichtung weitgehend herabdrücken.
Landwirtschaft in Zahlen
Nach einem Goethewort regieren zwar nicht Zahlen die Welt, sie zeigen aber, wie die Welt regiert wird. Auch ohne in einen Zahlenkultus zu verfallen, ist es nützlich, sich zahlenmäßig Rechenschaft zu geben von Zeitereignissen und dem Stand der Dinge.
Unlängst ist bekannt geworden, daß die Ländlichen Spar- und Darlehnskassen des Reichsverbandes am 30. Juni 1932 einen Sporeinlagenbestand von 1667,3 Millionen Reichsmark hatten, wovon 240,9 Millionen Reichsmark auf Einlagen in laufender Rechnung entfielen; das übrige waren eigentliche Spargelder. Die Statistik zeigt, daß auch im ersten Halbjahr 1932 die Spareinlagen weiter zurückgegangen sind. so daß seit Dem Bankkrach vom Juli 1931 tm gesamten landwirtschaftlichen Kreditgenossenschaftswesen ein Einlagenabzug von mindestens 367Millionen Reichsmark einige treten ist.
In welch großem Umfang Deutschland noch Tabak baut, ist wenig bekannt. Jin letzten Erntejahr waren in Deutschland über eine Million Ar mit Tabak bestellt, auf denen über 23 Millionen Kilogramm dachreifen Tabaks im Werte von über 22 Millionen Reichsmark geerntet wurden; gegenüber dem Vorjahr hat sich die Erntefläche vergrößert der Durchschnittsertraa und der mittlere Preis dagegen gesenkt.
Ueberrai'chend ist auch die Anzahl der in Deutschland bestehenden Branntweinbrennereien: es sind insgesamt 51 838 Davon sind allerdings 46 108 Klein- brennereien mit einer Erzeugung zwischen 5 und 300 Litern Ein Viertel bis ein Fünftel aller Brennereien hat im Betriebsjahr 1929-30 stillgelegen.
Alljährlich ereignen sich in Der deutschen Landwirtschaft weit über 250 000 Unfälle von denen über 80 000 ent- schädigungspflichtig werden und nahezu 3000 tödlichen Ausgang haben An nahezu 500 000 in der Landwirtschaft tätige Personen müssen Renten bezahlt oder sonstige Leistungen der Reichsunfallversicherung gewährt werden Je 30 landwirt- Ichaftlich tätige Personen müssen für die 31 Person die Leistungen aus der Unfallversicherung miterarbeiten. Zu Dieser finanziellen Belastung kommt das Leid der Unfallverletzten und ihrer Angehörigen. Abhilfe ist nur durch Unfallverhütung erreichbar.
Die Aufzuchtkrankheiten bringen unserer Landwirtschaft Jahr für Jahr Verluste in Höhe von 500 Millionen Reichsmark.
Wirkliche und eingebildete Bienenfeinde
Zu letzteren gehören insbesondere Die Meisen, die Schwalben die Rotschwänzchen, die Bachstelze, der Fliegen- jchnepper der Star, die Kröte der Igel und das Haushuhn. Lasset euch nicht, liebe Imkerfreunde, dazu verleiten, diesen gelegentlichen Kostgänger aus dem Bienenstände mit Schrot und Schlinge zu Leibe zu gehen! Dei meisten sind durch Vertilgung ungezählter Insekten außerordentlich nützlich. Das gilt insbesondere von der Meise. Füttern wir sie lieber im harten Winter daß sie in bittereer Not nicht auf unsere Bienenstände angewiejeen ist. Wirkliche Bienen» feinde, die unnachsichtlich verfolgt und von den Ständen ferngehalten werden müssen, sind die Mäuse, Wespen, Spinnen. Ameisen Hornissen, der Bienenwolf, der Totenkopffalter, die Wachsmotte und die Bienenlaus. Oberster Grundsatz. diesen Kostgängern das Handwerk zu legen, heißt: Haltet starke weiselrichtige Völker, die sich in ihrer Energie aller Schmarotzer wohl zu erwehren wissen!
Einer der ärgsten Feinde der Bienen aber ist der neugierige Imker selbst, der jeden Tag so und so oft an den Stand rennt die Völker auseinanderreißt, kuriert, im Brutneste herumwurstelt, nach der Königin sucht, kurz, den Bienen keine Minute Ruhe gönnt. Diese lohnen solche „Fürsorge" durch außerordentliche Stechwut und ganz geringen Ertrag. W.
RoggEneinsaat in Auslaufe
Die Ausläufe der Küken und Jungtiere bei den Auf- zuchtstaUungen liegen jetzt bis zum nächsten Frühjahr verlassen. Man wartet vielleicht daraus, daß wieder einige Grashälmchen wachsen. Dadurch ist aber der Hauptzweck des Auslaufes gar nicht erreicht. Durch die großen Tiermengen wurde auch auf sehr kleinem Raum viel Kot angesammelt. Mit Hilfe von K a l k g a b e n wird der Kot bald in wertvollen Dünger umgewandelt Am besten wäre es natürlich, wenn man den Auslaus für zwei oder drei Jahre liegen lassen könnte. Da dies aber in ’ Dem'meisten Fällen nicht möglich ist soll man an den Stellen, Die keine Grasnarbe haben, den Boden tief umgraben und gleichzeitig Roggen einsäen. Die Roggensaat läuft jetzt noch bis zum Beginn des Frostes aus und durch die Arbeit der Wurzeln werden die Kotmengen vorteilhaft umgewandelt. Im nächsten Frühjahr finden dann die Küken reichliche Mengen frischen Grünfutters vor. zu einer Zeit, in der die Grasnarbe gewöhnlich noch grau ist.
Wolläuse an Kakteen
Der Kakteenfreund wird oft an seinen Kakteen kleine weiße Stellen bemerken. Er wird zunächst in den flaumigen Stellen eine beginnende Knospenbildung vermuten und sich vielleicht schon auf den beginnenden Blütenansatz freuen. Bald merkt er aber, daß diese Stellen nicht in die Höhe, sondern in die Breite wachsen Er schöpft Verdacht und erkennt bei näherer Untersuchung, daß er sich getäuscht hat; denn der weiße Flaum stellt sich als Wachspanzer der Kakteen-Woll- laus heraus. Entfernt er die Wolläuse mittels einer Nadel, so zeigen sich schon mehr oder weniger große Fraßwunden
an den Kakteen Das bloße A b j u ch e n der Wolläuse erveist sich nicht als genügende Bekämpfungsmaßnahme; denn Die Eier werden übersehen, uno vielfach sind versteckte Winkel Tiablagestellen, die einem selbst bei scharfer Beobachtung entgehen Außerdem macht das Absuchen einer größeren Kakteenjammluna viel Arbest Schneller und müheloser die Bekämpfung der Wolläuse mit S p r i tz m t t t e l n. Vor allem Venetan-Lösung hat sich bewährt Muß man befürchten. daß man durch Das Bespritzen der Kakteen mit V?"â"' Lösung nicht alle Schädlinge trifft, so empfiehlt es sich. Pflanzen einige Minuten lang nach unten gekehrt in ein Venetan-Lösung zu tauchen Man wird dabei Borjorg treffen, daß die Erde nicht herausfällt und auch nicht in oi Coluna unteraetaucht wird.