Zul-aer Anzeiger
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Tageblatt für Rhön ua- Vogelsberg
&TÄ 5ulöa. und Haunetal. ZulÜaer Kreisbla«
Ansprüche. Verlag: Christian Seipel, Fulda.
Druck: Friedrich Ehrenklau, Lauterbach i. H.
Nr. 265 - 1932
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Fulva, Donnerstag. 10. November
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9. Jahrgang
Roosevelts Rekordsieg
Roosevelts gewaltige Mehrheit
472 gegen 5 9 Stimmen.
Von insgesamt 551 Wahlmännerstimmen erhielt Roosevelt 472, während der Gegenkandidat, der bisherige Präsident Hoover, der Republikaner ist, nur 59 Stimmen auf sich vereinigen konnte. Von 48 Staaten haben 42 demokratisch gewählt und nur 6 republikanisch. Selbst ausgesprochene Hochburgen der Republikaner gü „ fliegenden Fahnen ins demokratische Wahllager über. Zum Vizepräsidenten ist der Demokrat John R. G a r n e r gewählt worden. Auch in den beiden Häusern des Kon
mgen mit
gresies haben die Demokraten starke Mehrheiten bekommen, was die Amtsführung des neuen Präsidenten Roosevelt wesentlich erleichtern dürfte. So besteht der neue Senat aus 59 Demokraten, 36 Republikanern und einem Farmarbeiterparteiler. Im Repräsentantenhaus haben die Demokraten eine Mehrheit von etwa 150 Sitzen errunaen.
Die amerikanischen Wahlen sind bisher bis auf kleinere Schlägereien in Newyork und Chikago ruhig verlaufen. Die Wahlbeteiligung war für amerikanische Verhältnisse außerordentlich hoch, schätzungsweise etwa 40 Prozent. In den Großstädten sind bei den Wahlkommissaren bereits zahlreiche Proteste wegen verschiedener Unregelmäßigkeiten, insbesondere wegen Wahlbeeinflussung, Vernichtung von Wahllisten und Wahl- maschinen-Sabotage eingelaufen. In den Hotels und Restaurants von Newyork wurde der Sieg Roosevelts stark gefeiert. Auf dem Broadway, der Hauptstraße Newyorks, wurden Strohpuppen, die Hoover darstellten, verbrannt, und die Alkoholschmuggler verkauften wegen der zu erwartenden Aufhebung des Alkoholverbots ihre Vorräte auf den Straßen. Roosevelt war mit seiner FarEe zu einer Siegesfeier 4m Biltmore-Hotel versammelt. Etwa 2000 Personen, darunter auch die bekannten Boxweltmeister Dempsey und Tunney, nahmen an dieser Feier teil.
Oie poiitifchen Folgen.
Nach der amerikanischen Verfassung wird der bisherige Präsident Hoover, der am 4. März 1929 im Weißen Haus einzog, noch bis zum März nächsten Jahres im Amte bleiben. Angesichts der überwältigenden Mehrheit, die der Demokrat Roosevelt bei den Wahlen erzielt hat, ist jedoch nicht anzunehmen, daß die Hoover-Verwaltung auf wirtschafts- und außenpolitischem Gebiet noch irgend- welche Entscheidungen von grundsätzlicherBedeutungfällen wird. Es ist im Gegenteil sehr wahrscheinlich, daß Präsident Hoover aus Gründen der Loyalität bereits Überleitungsmaßnahmen für die Regierung Roosevelt treffen wird. Ob das in Gestalt einer Umbildung des Kabinetts — als Zeitpunkt wurde Dezember genannt — vor sich gehen wird, oder ob sich diese Überleitung in der Politik selbst auswirken wird, ist eine zur Zeit noch unentschiedene Frage.
Es sind übrigens bereits Stimmen laut geworden, die angesichts der vernichtenden Niederlage des bisherigen Präsidenten dessen sofortigen Rücktritt fordern. Das würde aber in der Geschichte der amerikanischen Verfassung ganz neu sein, und es ist kaum anzunehmen, daß diesen Wünschen nachgegeben wird. Auf jeden Fall wird in der amerikanischen Außenpolitik zunächst ein gewisser Stillstand eintreten, und die Vereinigten Staaten dürften erst bei Zusammentritt der Weltwirtschaftskonferenz wieder aktiv in die internationale Politik eingreifen.
Der eme und der andere Nooievelt.
Franklin Delano Roosevelt, der neugewählte Präsident der Vereinigten Staaten, der am 30. Januar 1882 in New- York geboren wurde, ist ein bedauernswerter kranker Mann: ein schweres Leiden hat ihn um den Gebrauch seiner Beine gebracht. Beide Beine sind geschient, und er muß, wenn er sitzt, immer mit der Hand nackbelfen. wenn
Papens Pläne
Das Aeichskabinett nach der Wahl. Verhandlungen mit den Parteiführern
geplant.
Das Reich skabinctt trat zu einer Beratung zu- sammen, um die innenpolitische Lage, wie sic sich nach der J ^ wahI verstellt, zu erörtern. Im Vorder- yrund des Interesses stand Vic Absicht des Reichskanzlers, in etwa zehn Tagen Verhandlungen mit den Führern der Parteien aufzunehmen und seine weiteren Entschlüsse von den «tcllungnahmcn zu dem vom NcichSinncnministcrium fertiggestelltcn Entwurf der V e r f a s s u n g s r e s o r m abhängig zu machen.
Über die Frage der Aufstellung autonomer Kontingente ist eine völlige Einigkeit noch nicht
nun oie Hrag«
K o n t i n q e n t e ist eine völlige Einigkeit noch erzielt worden. Wie verlautet, sollen von feiten A u ß e n in i n i st e r i u m s wegen außenpolitischer Ziehungen, vom Finanzministerium wegen Befürchtung von Verminderung der Zolleinnahmen vom W l r t s ch a f t s m i n i st e r i u m wegen nicht nügender Berücksichtigung industrieller Interessen Einwände llkgen die Kontingentierungspläne
des Be- der und ge- noch des
er die Beine in eine andere Lage bringen will. Er war vor etwa 20 Jahren von der spinalen Kinderlähmung, jener heimtückischen Krankheit, die in den letzten Monaten auch Deutschland so schwer heimgesucht hat, und die auch Erwachsene treffen kann, befallen worden und hatte schwere Lähmungen an den Beinen und Füßen davongeiragen. Daß er trotz dieser körperlichen Behinderung die Beschwerden des Wahlkampfes spielend überstanden, daß er niemals seine gute Laune verloren hat, spricht für seine außerordentlich große Tatkraft. Und dafür spricht weiter noch die in ganz Amerika bekannte Tatsache, daß Franklin
Franklin D. Roosevelt, im Kreise seiner Familie.
Roosevelt sich so trainiert hat, daß er trotz seiner gelähmten Beine ein guter Schwimmer geworden ist.
Tie Roosevelts sind holländischen Ursprungs. In Amerika spricht man den Namen Roosevelt auch heute noch so aus, wie er im Holländischen gesprochen wird, also Rosewelt, aber es gibt auch viele, die ihn verenglischt haben und Ruswelt sagen.
Man weiß, daß es in USA. schon einmal einen Präsidenten Roosevelt gegeben hat, den berühmten Theodore Roosevelt, der von seinen Landsleuten familiär „Theddy" genannt wurde. Mit diesem Theodore Roosevelt ist der neue Präsident nur sehr entfernt verwandt, so etwa als Vetter sechsten oder siebenten Grades. Weit näher stand dem verstorbenen Thcddy die Frau des jetzigen Präsidenten, die gleichfalls aus einer Familie Roosevelt stammt und Theddy ihren Onkel oder Großonkel nennen konnte. Theddy Roosevelt war wohl nächst Washington und Abraham Lincoln der populärste aller Präsidenten, die Amerika gehabt hat, aber er war in ganz anderem Sinne populär als die beiden anderen. Das Volk liebte ihn als einen Draufgänger, der mit Sportsleuten und Cowboys nach Kuba ging, um als „Rauher Reiter" mit den Spaniern auf eigene Faust Krieg zu führen, was die offizielle amerikanische Kriegsführung nicht selten in große Verlegenheit brachte, und der dann, nachdem seine Präsidentschaft aus war, nach Afrika fuhr, um Löwen zu schießen. Und ebenso beliebt wie er selbst war seine noch heute lebende Tochter Alice, die damalige „Kronprinzessin" von USA., die als „enfant terrible" die Staaten von Newyork bis Teras in Aufregung versetzte.
Von Franklin Roosevelt und seiner Familie sind keinerlei Eskapaden zu erwarten: er ist ein jovialer Mann, aber er macht nicht gern von sich reden und nimmt die Politik noch ernster, als sie ohnehin schon ist.
NetchsernSyrungSministers erhoben worden sein. Ja, es gehen in politischen Kreisen sogar Gerüchte um, daß Reichsernährungsminister v. Braun sich wegen der ausgetretenen Differenzen mit Rücktrittsabsichten trägt. Es sind jetzt von den einzelnen Ministerien verschiedene Abänderungen der Pläne des Ernährungsministers vorgeschlagen worden, die dem Kabinett zur Beratung und Beschlußfassung vorliegen.
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Scharfe Angriffe der RSDAp. gegen Papen.
Die nationalsozialistische Münchener „R S K" nimmt in überaus scharfer Form Stellung zu dem Verhandlungsangebot, das die Regierung von Papen allen denen gemacht habe, die „bereit sind, mit ihr zu arbeiten", und schreibt: Dieses Angebot gleiche der Aufforderung von Parlamentären, die mit der weißen Fahne kommen, um den erfolgreichen Gegner einzuladen, sich der Führung des geschlaMULN Feldherrn §u unterstellen, Wit ae«
schlagenen Feldherren verhandele man nicht, sondern bleibe ihnen auf den Fersen, bis sie kapitulieren Der Artikel erklärt dann, 90 Prozent des Volkes stünden im Kampf gegen die Regierung von Papen. Bedürfe es da noch einer Erklärung über die Haltung, die die nationalsozialistische Bewegung dieser Regierung und ihren „Angeboten" gegenüber einnehme?
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Ohne gesunde Gemeindefinanzen kein Wirifchastsausbau.
Die Vertreter des Etädtetages beim Reichskanzler.
Reichskanzler von Papen empfing in Anwesenheit der Kabinettsmitglieder Schaeffer, Graf Schwerin, von Krosigk und Freiherr von Goyl die Vertreter des Vorstandes des Deutschen Siävtetages: Ober- bürgermeister Dr. Sahm-Berlin, Präsident Dr. Mulert, Oberbürgermeister Dr. Scharnagl-München und Oberbürgermeister Dr. Goerdeler-Leipzig Tie Vertreter des Deutschen Städtetages erklärten u a.: Die Reichsregierung habe durch ihre bisherigen Maßnahmen gezeigt, daß sie gewillt sei, die Arbeitslosenhilfe als eine gemeinsame Angelegenheit von Reich und Gemeinden zu behandeln; auch habe sie die Gesundung der Gemeindefinanzen als vordringliche Aufgabe bezeichnet. Die Hilfsmaßnahmen der Reichsregierung seien aber nicht ausreichend, um die katastrophale Finanznoi der Gemeinden zu beheben, da insbesondere die einheitliche Finanzierung und Organisation der Arbeitslosenhilfe, das kommunale Arbeitsbeschaffungsprogramm und die Regelung des kommunalen Schuldenwesens noch immer ungelöst seien. Der Reichskanzler sagte eine baldige sorgfältige Prüfung der kommunalen Gesamtlage zu. Auch er sei der Überzeugung, daß gesunde Gemeindefinanzen eine der Voraussetzungen für den Wirifchastsausbau seien und daß die Gemeindefinanzen mit denen des Reiches und bei Länder als eine Einheit behandelt werden müßten.
Wann tritt der neue Reichstag zusammen?
Der Zeitpunkt für die Einberufung des neuen Reichstags hängt von der Erledigung folgender Formalitäten ab: Zunächst müssen die Kreiswahlausschüsse das endgültige Ergebnis feststellen. Diese Arbeit wird etwa zehn bis zwölf Tage in Anspruch nehmen, worauf der Reichswahlausschuß zusammentritt, um an Hand der Feststellungen der Kreiswahlausschüsse das endgültige Ergebnis zusammenzustellen. Das wird etwa am fünfzehnten Tage nach der Wahl der Fall sein. Hierauf werden die Bewerber gefragt, ob sie die Wahl annehmen. Die Frist für die Zustimmungserklärung beträgt eine Woche. Mit der Veröffentlichung des endgültigen Wahlergebnisses im Reichsanzeiger ist demnach am 24. oder 25. Tage nach der Wahl zu rechnen. Der Reichstagspräsident entnimmt hierauf die endgültige Feststellung aus dem Reichsanzeiger. Er hat dann die Möglichkeit, den Reichstag einguberufen; bie Einberufung hat innerhalb von 30 Tagen nach der Wahl zu erfolgen. Als theoretischer Zeitpunkt des Zusammentritts käme der 2. oder 3. Dezember in Frage. Da aber eine Einberufung des Reichstags zum Wochenende nicht üblich ist, dürfte der neue Reichstag voraussichtlich am 5. oder 6. Dezember zusammentretcn.
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Die ^rage der Landiaaseinberufung in Preußen.
Der Präsident des Preußischen Landtages hat den Preußischen Presiedienst der NSDAP. zu folgender Erklärung ermächtigt: „Die von verschiedenen Seiten der Öffentlichkeit gemachten Mitteilungen über Ein- berufung des Preußischen Landtages sind zu mitzver- ständNchen Deutungen geeignet. Zur Zeit beabsichtigt der Präsident noch nicht, den Landtag zusammenzuberufen. Er hält es für selbstverständlich, daß den Parteien zunächst nach der Reichstagswahl Gelegenheit zur Aussprache untereinander gegeben wird. Präsident Kerrl ist daher noch nicht schlüssig über den Termin zur Einberufung des Landtages und wird darüber in absehbarer Zeit Entschluß fassen."
GA. undGG imGaargebieiverboien
Von der NSDAP. wurde in diesen Tagen im ©aargebiet etn Flugblatt mit scharfen Angriffen gegen die Regierungskommiffion verteilt. Die Rcgicrungs- lommission hat nunmehr auf Grund der bestehenden Verordnung, wonach im Saatgebiet militärische und nulttär- âhnliche Organisationen verboten sind, die SA. und SS. der NSDAP, verboten.
Kleine Zeitung für eilige Leser
* DaS RcichSkabincti trat zu einer Sitzung zusammen, in der die politische Lage nach den RkichStagSwahien erörtert wurde.
* Infolge der gebesserten Devisenlage konnte das Ncich die Rate eines amerikanischen Kredites in Höhe von drei MiUlonen Dollar zurückzahlen.
* Der Demokrat Roosevelt wurde mit großer Mehrheit zum Präfidculcn der Vereinigten Staaten gewählt.