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Zul-aer Anzeiger

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btr. 264 - 1932

Sulöa, Mittwoch, 9. November

9. Jahrgang

Roosevelt amerikanischer Präsident.

Großwahltag in Amerika

4 7 Milli « « en Wahlberechtigte.

Für Amerika hat am Diendtagmittag 2 Uhr mittel­europäischer Zeit ein Großkampfwahltag begonnen. Denn an diesem Tage sollten von 47 Millionen Wahlberechtigten 531 Wahlmänner für die Präfidentfchastswahl, 435 Ab­geordnete für ein neues Abgeordnetenhaus, 32 neue Sena­toren und 33 Gouverneure gewählt werden. Es ist bei der Wahl besonders zu beachten, daß der Präsident nicht, wie in Deutschland, unmittelbar vom Volke gewählt wird, sondern daß vielmehr 531 Wahlmänner für die Präsident- schaftswahl gekürt werden, die sogenannten Elektoren, die in zwei Monaten zusammentreten, um die Abstimmung über die Präsidentschaftskandidaten vorzunehmen. Da die Wahlmänner von den Parteien gewählt werden und cs sich praktisch um die Entscheidung lediglich zwischen Re­publikanern und Demokraten handelt, so bedeutet die Mehrheit, die eine dieser Parteien unter den Wahl­männern erhält, auch schon die Wahl ihres Kandidaten.

Das Wahlwetter war kühl und bewölkt, aus ver­schiedenen Oststaaten wurden Regenfälle gemeldet. In der Stadt Newyork überwachten 7557 Schupos die 8794 Wahl­lokale; insgesamt standen 19 220 Polizisten in der Stadt alarmbereit. Die Polizeistunde war für Klubs und Tanz­dielen bis 5 Uhr früh verlängert worden, damit diese ihren Besuchern die Wahlergebnisse mitteilen konnten. Die Verkehrsgesellschaften, die der Beförderung von Reisenden zu Lande, zu Wasser oder in der Luft dienen, hielten ihre Fahrgäste durch Funksprüche über die Wahlergebnisse ebenfalls auf dem laufenden.

Um dem Massenandrang der Wähler begegnen zu können, waren in der Stadt Newyork neue Zählmaschinen aufgestellt worden, die aber recht umständlich zu hand­haben waren. In den übrigen Städten und auf dem Lande wurde nach alter Weise mit Stimmzetteln gezählt. ~ . lahlrag war amtlich zum Feiertag erklärt worden, doch waren trotzdem die meisten Geschäfte geöffnet.

Sowohl der bisherige Präsident Hoover als auch sein Gegner Roosevelt hatten am Vortage der Wahl nochmals verstärkte Anstrengungen gemacht, um die Wählermassen für sich zu gewinnen. Roosevelt hatte noch an diesem Tage mehr als ein Dutzend Reden gehalten und war trotz des anstrengenden Wahlfeldzuges außerordentlich frisch und optimistisch.

Roosevelts Sieg.

Newyork, 9. Nov. (Funkmeldung.) Der demokra­tische Präsidentschaftskandidat Roosevelt ist mit überwältigender Mehrheit zum Präsiden­ten der Vereinigten Staaten gewählt worden. Von den insgesamt 531 Wahlmännerstimmen erhielt Roosevelt 454, Hoover 55. 22 Wahlmännerstimme» stehen noch aus, die jedoch an dem Endergebnis nichts mehr ändern können.

Im Staate Newyork wurde der demokratische Kandidat Lehman gewählt. Auch bei den Bürgermeisterwahlen in der Stadt Newyork siegte der demokratische Kandidat O'Brien.

Einzelergebnisse.

Newyork, 9. Nov. (Funkmeldung.) Roosevelt hat mit großer Mehrheit in dem traditionell republikanischen Staat N h o d e I s l a n d gesiegt. Auch in O h i o, K a l i- sornien und Maine hat er die Mehrheit erlangt. Hoover gab um Mitternacht zu, daß er geschlagen worden vor beriet ein Glückwunschtelegramm an Roosevelt

Nov. In der Stadt Newyork hat Sn^o^^y0061 575 031, Norman Thomas -0 486 Stimmen auf sich vereinigt.

Newyork, Roosevelt 1 (Sozialist) 1

Das Stimmenverhältnis. auf den 531 Wahlmännerstimmen sind 453 aus Roosevelt und nur 78 auf Hoover entfallen Präsi- SX^^^ MgenbÄ gejanot. , sm beglückwünsche Sie zu der Gelegenheit die

Die Repräsentantenhaus- und Senatswahlen.

London, 9. Nov. (Funkmeldung).Times" meldet aus Newyork: Die Ergebnisse der Wahlen zum Repräsen­tantenhaus, die gleichzeitig mit den Präsidentenwah­len stattfanden, zeigen, daß die Demokraten 220, die Repu­blikaner 211 und die Landarbeiterpartei einen Vertreter ins Repräsentantenhaus entsenden werden. Im Senat, für den Teilwahlen abgehalten wurden, werden mindestens 45 Demokraten, 33 Republikaner sowie ein Landarbeiter­vertreter sein. 17 Sitze sind noch zweifelhaft.

Amerikanische Stimmen zum Ergebnis der Präsidentenwahl.

Newyork, 9. Nov. (Funkmeldung.) Die republikanische Herald Tribune" beglückwünscht Roosevelt und bezeichnet das Wahlergebnis als springflutartige Aeußerung des Volkswillens, der einen Systemwechsel verlangte. Das Er­gebnis sei eine der letzten Auswirkungen des Weltkrieges. Times" nennt den demokratischen Sieg ein eindrucksvol­les Mißtrauensvotum gegen die republikanische Partei und die Hooverregierung.

Roosevelt und Hoover zur Wahl.

Newyork, 9. Nov. (Funkmeldung.) Roosevelt hat sei­nen Mitarbeitern für das Zustandekommen desgroßen liberalen Wahlsiegs" seinen Dank ausgesprochen. In

Für nationale Konzentration.

Der Kanzler über dieReiOstagsivahl

Der Kanzler hielt auf einem Essen der ausländischen Presse eine Rede, in der er u. a. folgendes ausführte:Sie werden von mir zunächst eine Äußerung über die Lage er­warten, die durch den Ausgang der Reichstags- Wahlen bedingt worden ist. Ich kann meinen Gesamt- etndruck dahin zusammenfaffen: Eine erfreuliche Zunahme des Verständnisses für die Regierungsarbeit ist festzu- fteöcn. Keine Partei wird noch Berechtigung au der An-

Reichskanzler von Papen vor Der ausländischen Presse.

Unser Bild berichtet von dem Empfang der ausländischen Presse beim Reichskanzler (von linkst: Reichsaußen- minister von Neurath im Gespräch mit einem aus­ländischen Journalisten der Presseattache der spanischen Botschaft, Rodino Reichs­kanzler von Papen in der Unterhaltung mit dem Vorsitzenden des Verbandes der ausländischen Presse, Blockzijl.

nähme haben, daß sie die Alleinherrschaft in Deutschland ausüben kann. Dagegen glaube ich die Hoffnung hegen zu dürfen, daß es nunmehr zu einer wirklichen nationa­len Konzentration kommt; möge die erfreuliche Einigkeit, die das deutsche Volk heute in den großen Fragen der auswärtigen Politik durch alle Parteien hindurch beseelt, setzt auch der Führung der Gesamtpolitik die notwendige breite Grundlage schaffen! Die sachlichen Ziele der Regierung, die Sie kennen, werden unverändert verfolgt werden.

Ich habe Ihnen diese kurze Mitteilung über unsere Innenpolitik gemacht, weil ich das Interesse verstehe und würdige, das die öffentliche Meinung der Welt an unseren inneren Verhältnissen nimmt.

Deutschland bildet das Kampffeld zwischen dem Rationalismus des Westens und dem Irrationalismus des Ostens. Politischer Kampf ist bei uns zugleich ein Kampf der Weltanschauung. Schöpferisch kann deshalb in Deutschland heute mehr denn je nur

eine Politik sein, die aus dem Glauben kommt.

Mancher, der heute im Auslande die Stärke unserer radi­kalen Strömungen mit Besorgnis verfolgt, wird sich ge­stehen müssen, daß diese ihre stärksten Antriebe aus den politischen Methoden erhalten haben, die man seit 1918 von außen her gegen unS angewandt hat.

Wie soll eine Regierung das nötige Ansehen vor ihren Bürgern haben, wenn sie mit einseitigen Dis­kriminierungen gegenüber dem Auslande belastet und nicht imstande ist, ihnen das primitivste Lebensrecht, die Sicherheit nach auLen.hin, M aewahrleisten?

einer Erklärung an die Presse sagt Roosevelt, er hoffe, daß alle ihr Möglichstes tun werden, um unser Land wieder zu wirtschaftlicher Blüte zu bringen. Hoover hat aus Palo Alto Roosevelt seine Glückwünsche zu dessen Wahl aus­gedrückt.

*

Anschlag aus den Zug des Präsidenten Hoover?

Nach einer Meldung aus St. Franzisko verlautet dort, daß auf den Zug des Präsidenten Hoover ein Anschlag verübt worden ist. Drei Meilen westlich von Palisade (Nevada) hielten Streckenwärter in der Nähe einer kleinen Brücke einen Vorzug an. Den Kriminalbeamten, die in dem Vorzug saßen, wurde von einem der Streckenwärter mitgeteilt, daß er von zwei Männern, darunter einem Neger, überfallen worden sei. Die Angreifer hätten ver­sucht, ihn zu erdolchen. Als sie schließlich die Flucht er­griffen, hätten sie aus ihn geschossen, wobei eine Kugel seine Hand traf.

In der Nähe der Brücke wurde kurz darauf ein S a ck mit Dynamit gefunden. Der Hoover-Zug erlitt 40 Minuten Verspätung. Die Gerüchte erhielten neue Nahrung dadurch, daß der Hoover-Zug später die Station Winnemucca, wo vorher ein kurzer Aufenthalt geplant worden war, ohne Halt durchfuhr.

'uus diesem geschichtlichen Zusammenhang von Innen- und Außenpolitik ergibt sich für das deutsche Volk die schicksalhafte Aufgabe

eine Gestalt für seine Staatsführung zu finden, welche den dauernden Notwendigkeiten seiner Lage in Mitteleuropa und den besonderen Schwierigkeiten seiner heutigen Situation in gleicher Weise entspricht.

Die erste Vorbedingung hierzu ist die Wieder- Herstellung der vollen Hoheit des Staates und die Einrichtung einer stetigen, machtvollen Re­gierungsgewalt. Eine solche autoritäre StaatS- führung, meine Herren, steht nicht im Widerspruch zu dem Grundsatz der Demokratie, der wie in vielen Staaten der Welt auch die Grundlage unserer Verfassung bildet. Demokratie und Autorität sind keine Gegensätze, sondern notwendige Ergänzungen. In unserem deutschen Reichs­präsidenten hat sich die Wahl durch die Mehrheit des Volkes, also ein Akt unmittelbarer Demokratie, mit der geschichtlichen Autorität seiner Person vereinigt. Den Ent­scheidungen, die von hier ausgehen werden, können wir mit Vertrauen und Zuversicht entgegensetzen.

Sie werden mit mir der Ansicht sein, meine Herren, daß die Herstellung einer innerlich starken deutschen Staatsgewalt nicht nur eine Lebensnotwendigkeit für Deutschland, sondern

das zentrale Problem Europa»

ist. Es wird nicht Ruhe und Frieden in Europa herrschen, bis man nicht dem deutschen Volke die lebensnotwendigen Voraussetzungen zugestanden hat, die ihm eine friedliche und sichere Entwicklung gewährleisten.

Wir verlangen die Gewährung der gleichen Rechte, die für alle anderen gelten, nicht als eine Gnade oder Wohltat, sondern als unseren unverzichtbaren Anspruch.

Unser Weg wird der Weg friedlicher Ver­ständigung sein.

Die Weltwirtschaftskrise hat den katastrophalen Charakter nur annehmen können, weil die internationale Verschuldung und die Hemmnisse des Warenverkehrs sich gegenseitig in ihren krisenhaften Wirkungen steigerten. Unter diesem Gesichtspunkt kann die Aufgabe und Bedeutung der Weltwirtschafts­kon fercnz nicht hoch und entscheidend genug für eine weitere Erholung der Wirtschaftslage der Welt einge­schaltet werden.

Niemals wird die europäische Wirtschaft zur Ruhe kommen, niemals wird sie die für ihr Gedeihen sicheren Grundlagen erhalten, wenn nicht jene Konzeption einer einigen und friedlichen Völkergemeinschaft Wirklichkeit wird, die ich als das Endziel der deutschen Politik be­zeichnet habe, und niemals wird dieses Endziel erreicht werden, wenn nicht die großen Grundsätze der Gleich­berechtigung und des Selbstbestimmu^gsrcchts der Völker auf allen Gebieten anerkannt und durchgeführt werden.

Meine Herren, Sie würden enttäuscht sein, wenn ich mich heute nicht zu dem neuen französischen Plan für Sicherheit und Abrüstung äußerte.

Der französische Plan setzt anscheinend voraus, daß alle europäischen Festlands- staatcn gleichartige Heere erhalten. Das erscheint

Kleine Zeitung für eilige Leser

* Reichskanzler von Papen hielt vor Der ausländischen Presse eine Rede, in Der er seine Ansicht über den AuSgang ver Reichs- tagswahl darlegte.

* Der Berliner Vcrkehrsstreil ist zusaniiiicngcbrochcn, so daß die städtischen Verkehrsmittel wieder planmäßig fahren.

* In Amerika hat die Wahl des neuen Präsidenten statt-