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Iulüaer Anzeiger

erscheint jeden Werktag. Bezugspreis: monatlich g'âaeblM fÜk ^KAn «ttA ttftflT^f^h^F^ 8*8<igenpret9: Für Behörden, Genossen.

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"Höhere Gewalten", Streiks, Aussperrungen, 6yfXfl< UnA ß AHn»M( * (nlAft^r ^r?fAMfltt 0-30 Mark, für auswättige Auftraggeber 025 Bahnsperre usw. erwachsen dem Bezieher keine qUIVU UHU IJUUU^lUl JUlVUU AUtVviUU Mk., für alle anderen 0.15 Dlk. Die Reklame. Ansprüche. Verlag: Christian Seipel, Fulda. Redaftion und Sesthästsstelle: Köntgstra-e 44 $erufpr*d)-Rnfolu6 Ur. 4444 zelle kostet 0.90 Mk. / Bei Rechnungsstellung Drui: Friedrich Ehrenklau, Lauterbach L H. ki«ch»rock 6n mit » ersehen rn flrrttel nnr mit (bytOteeegoH ,$ulda«t flnjdprr'pvftaiM. Hat Zahlung innerhalb 8 Tag n zu erfolgen.

fit 262 - 1932

Fulün. Monlaq 7 November

9 Zahrftnig

Das Ergebnis:

Den größten Gewinn erzielte die MBP.

die ihre Sitze um rund 40 Prozent vermehrte. Auch die DVP. konnte sich von ihren früheren starten Verlusten etwas erholen. Weitere Zunahme der Kommunisten. Die Nationalsozialisten bleiben die weitaus stärkste Partei.

Kubioer Wahlverlauf.

Nach den bisherigen aus allen Teilen des Reiches vor­liegenden Meldungen ist der Wahlsonntag ruhig verlaufen, abgesehen von einigen Zwischenfällen in Bremen, Staß­furt und Misburg bet Hannover. Die Berichte über die Wahlbeteiligung lauten sehr unterschiedlich. Während aus einzelnen Teilen des Reiches eine sehr rege Wahl­beteiligung gemeldet wird, war fic in anderen Landes- tcilcn ziemlich schwach.

Die Nacht zum Wahlsonntag ist in Berlin weit ruhiger verlaufen als bei irgendeiner der vielen Wahlen dieses Jahres. Es wurden insgesamt nur 44 Zwangs­gestellungen vorgenommen Davon steht aber eine ganze Anzahl mit dem Verkehrsstreik im Zusammenhang. Es ha, in der letzten Nacht nur zwei erwähnenswerte Zu­sammenstöße zwischen politischen Gegnern gegeben, bei denen drei Angehörige der SPD. und zwei Reichsbanner-

Reichspräsident von Hindenburg Hal gewählt und wird wie man sieht beim Verlassen des Wahl­lokals von der Menschenmenge begeistert begrüßt.

Das vorläufige amtliche Gesamtergebnis.

leute verletzt wurden. Auch am Sonntag herrschte in den Straßen Berlins ungewohnte Ruhe, die wohl besonders durch das schlechte Wetter bedingt war. Abgesehen von den Plakatlrägern vor den Wahllokalen und den Partei­fahnen an den Häuserfronten'deutele kaum etwas auf die Besonderheit des Tages hin. Selbst Polizeibeamte waren, ausgenommen die Doppelposten in der Nähe der Wahl­lokale, in den Straßen kaum sichtbar.

Der Andrang zu den Abstimmungslokalen war meist nicht so lebhaft, wie er nach der vorausgegangenen Wahl­propaganda zu erwarten gewesen wäre Allem Anschein nach ist die Wahlbeteiligung in Berlin nicht unerheblich hinter der der letzten Wahl zurückgeblieben. Die Polizei fand sehr selten Anlaß zum Einschreiten.

In B r e m e n war cs in der Nacht zum Sonntag verschiedentlich zu Zusammenstößen gekommen. Im Westen der Stadt machten Kommunisten mehrfach von der Schußwaffe Gebrauch. Mehrere Nationalsozialisten wurden verletzt. In Staßfurt kam es am Sonntag zu einer Schlägerei zwischen Nationalsozialisten und Kom- munlsten. Dabei wurde ein Nationalsozialist schwer und mehrere Kommunisten und Nationalsozialisten leichter verletzt. In dem Hannover benachbarten Misburg m t k Cin Nationalsozialist von Reichsbannerleuten

Die Veränderungen der Wahl.

Nov. Das vorläufige Wahlergebnis zeigt 2 . /e Verschiebungenen gegenüber der Reichstagswahl b> 2s. Die Wahlbeteiligung ist schwächer f 5 vorige Mal. Gegenüber 84 % der Stimm- ien haben dies m al nur höchstens 79 % von ihrem Ä , Gebrauch gemacht; die effektive Stimmenzahl J , Zuwachses an Stimmberechtigten um etwa 1(1 " ^Edrigcr. Innerhalb der einzelnen Par- teten hnb die stärksten Verschiebungen bei den National- sozialisten im Minus, bei den Deutschnationalen und den Ä^K^i^ zeichnen- Die Rationalsozig- MS i^ML^v ICH StoMt Atzt NAtz pttt ptznfr 09

Prozent an den abgegebenen Stimmen beteiligt; der An­teil der Deutschnationalen hat sich von 5,9 auf 8,3, der­jenige der Kommunisten von 14,3 auf 16,9 Prozent ge- steiget. Die Sozialdemokraten haben mit 20,4 gegenüber 21,6 Prozent einen Verlust, das Zentrum verzeichnet mit 11,9 gegen 12,1 Prozent einen kleinen, die Bayerische Volks­partei mit 3,1 gegen 3,6 einen entsprechenden Verlust. Von den kleineren Parteien hat die Deutsche Volkspartei von 1,2 auf 1,9 Prozent aufholen und ihre Stimmen von 436 000 auf 660 000 vermehren können. Die Staatspartei hat wei­ter etwas verloren, nämlich von 371 800 auf etwa 327 000. Bei den übrigen kleineren Parteien sind die Veränderungen verhältnismäßig unbedeutend.

Der Netto-Verlust an Stimmen beträgftbei den National­sozialisten etwas über 2 Millionen (11,7 gegen 13,7 Mil­lionen), bei den Sozialdemokraten rund 700 000 Stimmen (7,2 gegen 7,9 Millionen), beim Zentrum etwa 200 000

, ~ 6. November 32

Sitze

Reichstagsw. 31.7.32

Sitze

Nat.-Soz.

11 705 256

195

13 745 781

230

Sozialdem.

7 231 404

121

7 959 712

133

Kommunisten

5 970 833

100

5 282 621

89

Zentrum

4 228 322

70

4 589 335

75

Deutschnat.

3 061 626

51

2 177 414

37

Bayer. Volksp.

1 081 595

18

1 192 684

22

Dtsch. Volksp.

659 703

11

436 012

7

Staatspartei

337 871

2

371 799

4

Christl. Soz.

412 523

5

364 542

3

Hannoveraner

63 999

1

46 929

Wirtschaftsp.

110 117

2

146 876

2

Bauernpartei

148 982

3

137 133

Landbund

60 065

1

96 851

2

Landvolk

Württ. Bauern- u. Wemgärtnerbund

46 486

105 188

2

90 555

1

Abgegebene gültige Stimmen: 35 379 011. Mandate: 582. Wahlbeteiligung: 79 Proz.

Die Nationalsozialisten zum Wahlergebnis

München, 7. Nov. Wie die Reichspressestelle der Natio­nalsozialisten zum Wahlergebnis schreibt, habe die gestrige Wahl das von der Regierung von Papen erwartete Ergeb­nis, die Nationalsozialisten in ihren Grundfesten so zu er­schüttern, daß sie ihren berechtigten Anspruch auf die Regie­rungsführung aufzugeben gezwungen wären, nicht gebracht. Die NSDAP, habe ihre F e u e r p r ob e g l ä n ze n d be­st a n d e n und damit endgültig bewiesen, daß sie als der entscheidende Machtfaktor aus dem politischen Leben Deutschlands nicht mehr ausgeschaltet werden könne. Mit einem Block von rund 200 Mandaten stehe die NSDAP, nach wie vor als die weitaus stärkste Partei und innerlich nur noch gefestigter und stärker da als je zuvor. Der vom Zaune gebrochene Wahlkampf habe, statt den National­sozialismus zu treffen, nur den einen Erfolg zu verzeichnen: dem Bolschewismus in Deutschland zu einer Stärke verhalfen zu haben, wie nie zuvor. Der Ausgang dieser Wahl müsse jedem die Augen darüber öffnen, daß der Na­tionalsozialismus nicht nur unerschütterlich sei, sondern das einzige Bollwerk gegen ein Sowjetdeutschland. Die NSDAP, werde Deutschland vor dem Bolschewismus zu bewahren wissen.

(4,2 gegen 4,4 Millionen), bei der Bayerischen Volkspar­tei etwas mehr (1,08 gegen 1,32 Millionen). Die Gewinne der Deutschnationalen betragen fast 700 000 Stimmen (2,95 gegen 2,18 Millionen), bei den Kommunisten gleichfalls fast <00 000 (5,97 gegen 5,28 Millionen), beim Landvolk rund 70 000 (0,16 gegen 0,09 Millionen).

Man kann damit rechnen, daß der neue Reichstag 40 bis 50 Abgeordnete weniger umfassen wird als sein Vor­gänger. Vorbehaltlich der Einzelberechnungen, die sich erst nach Feststellung der durch Listenverbindungen usw. erziel­ten Mandate durchführen lassen, kann angenommen werden, daß die theoretisch im vorigen Reichstag vorhandene Koa­litionsmehrheit aus Nationalsozialisten, Zentrum und Bayerischer Volkspartei nicht mehr vorhanden ist. Ebenso ist es mindestens fraglich, ob die beiden Flügelgruppen, Nationalsozialisten und Kommunisten, zusammen eine Mehrheit behalten.

Meder Sabolaaealle in Berlin.

Auch in der Reichshauptstadt ein Todesfall im Wahllokal.

In verschiedenen Gegenden von Berlin wurden mit Beginn der Dunkelheit wiederum Sabotageakte aus Straßenbahnwagen verübt. Teils sind Hindernisse er­richtet worden, die von der Polizei beseitigt wurden, teils sind die Wagen mit Steinen beworfen worden. Durch Steinwürfe und Glassplitter wurden insgesamt neun Personen verletzt.

Ein tragischer Zwischenfall ereignete sich in einem Wahllokal in der Hauptstraße in Schöneberg. Der 77jährige Pensionär Friedrich Fischer hatte eben seinen Stimmzettel an der Wahlurne abgegeben, als er vom Herzschlag getroffen tot zu Boden stürzte.

Kommunistischer Geheimsender in Tätigkeit.

Am Sonntag wurde in Berlin erneut der kommu­nistische Geheimsender gehört, der Schallpiatlen und Wahlvorträge sandte. Es folgte eine Ansprache zur Reichs­tagswahl, in der der Redner verschiedentlich auch den Reichspräsidenten von Hindenburg angriff itc -aulstarke des Senders war ziemlich groß. Lie Station arbeitete auf einer Wellenlänge, die in der Nähe des Berliner Rund- smlkseuders Wètzl cb èn lieat.