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Aus Hessen-Nassau und Nachbargebieten

Merkblatt für den 30. Oktober.

1910- Henri Dunant, Begründer des Roten Kreuzes, zu Heiden in der Schweiz gest. — 1923: Die Türkei wird Repu­blik, Mustafa Kemal Pascha ihr Präsident.

Merkblatt für den 31. Oktober.

1517: Luther schlägt seine 95 Thesen gegen den Ablaß­handel an die Tür der Schloßkirche zu Wittenberg an. — 1632: Ter holländische Maler Ian Meer van Delft in Delft geb. — 1731: Vertreibung der evangelischen Salz­burger. — 1835: Der Chemiker Adolf von Bayer in Ver- lin geb. — 1918: Rücktritt des Generals Ludendorff; sein Nachfolger wird General Groener.

Nur die heitere, die ruhige Seele gebiert das Boll- kommene. Schiller.

Wie wird das Weiter?

Die allgemeine Wetterlage hat sich in der vergangenen Woche kaum geändert. Fast täglich kam es zu Nieder­schlägen. Hervorgerufen wurde das unfreundliche Wetter durch mehrere Tiefdruckwirbel, die von der Nordsee nach der Ostsee wanderten. Am stärksten waren die Regenfälle, die am Mittwoch im Schwarzwald niedergingen, wo nicht weniger als 44 Millimeter innerhalb von 24 Stunden gemessen wurden. Bon der Zugspitze wurde eine Schnee­höhe von über einem Meter gemeldet. Auch aus dem Riesengebirge wird über Neuschnee berichtet der auf dem Kamm gefallen ist. Die Durchschnittslemverarnren lagen im allgemeinen bei Den Normalwerten.

Bei kräftig ansteigendem Luftdruck füllen sich die über Mitteleuropa liegenden Tiefdruckgebiete auf, wobei es zu­nächst noch vielfach zu kürzer dauernden Regenfällen kommt. Die jetzt einsetzende Zufuhr kälterer Luftmassen vom Norden her wird einen kräftigen Temperaturrückgang bringen, wobei zunächst auch eine Beruhigung des Wetters und Aufheiterung einsetzt, doch ist eine Besserung für längere Zeit noch nicht sehr wahrscheinlich. — Vorhersage bis Samstag abend: Wechselnd bewölkt, zeitweise noch Regenschauer, im Gebirge auch Schnee, bei nördlichen Win­den kälter. — Witterungsaussichten für Sonntag: Nach kalter Nacht mit stellenweise leichtem Frost zunächst viel­fach aufheiternd, später neue Trübung wahrscheinlich.

"Fulda, den 29. Oktober 1932.

Am Wochenende.

Simon und Juda (28. Okt.) sind als kalte Gesellen ver­schrien, die den ersten Schnee mit ins Land bringen, — nichtsdestoweniger wurden die beiden Apostel in allen christlichen Landern hoch in Ehren gehalten. Im alten Rußland wurde der Tag durch völlige Arbeitsruhe gefeiert, in Deutschland waren es merkwürdigerweise die evangeli­schen Gegenden, die den 28. Oktober sozusagen als einen halben Feiertag hielten (in Württemberg wird es heute noch so gehalten). Auf dem Lande war man von jeher vertrauter mit diesen und anderen Gottesmännern; be­rühmt sind die vielen Verse und Sprüche, die z. B. in Süd­deutschland, ihr Frankenlande und im übrigen Bayern dem Saurer auf Schritt und Tritt begegnen an Marterln und Bildstöcken. Vieles ist entstellt weitergegeben worden, man hat sich an der derben Ausdrucksweise gestoßen und vergessen, daß echtes Gefühl nicht am Wohllaut des Aus­drucks klebt. Auch die grobe Rede des Bauern kann sehr Feines, Spirituelles umhüllen, wie umgekehrt der Mund, aus dem sie kommt, aus dem derben Schwarzbrot die ge­heimnisvolle Kraft des Lebens saugt.

„Kleine Schwächen" machen dem Volk seine Führer nur liebenswerter, ob es sich nun um einen Heiligen oder um einen Staatsmann handelt; erst dann hat er das Ver­trauen, wenn irgendein menschlicher oder allzumenschlicher Zug an dem Großen zum Vorschein kommt. Der Volks­mund läßt Heilige Leder stehlen, um daraus den armen Leuten'Schuhe zu verschaffen. Das schadet dem Ansehen in diesem Falle nichts, weil die Uneigennützigkeit klar zu Tage liegt; der Mann hat das Unangenehmste auf sich ge­nommen, um den armen Leuten zu helfen und ist deshalb in der Volksmeinung gerechtfertigt.

Unzählige Anekdoten gehen auch Uber die Staatsmänner um, denken wir an Bismarck! Es ist überliefert, daß er, der sonst so empfindlich sein konnte, über einen gelungenen Volkswitz, der mit seiner Person in Zusammenhang ge­bracht wurde, herzlich lachen konnte. Dieser derbe Volks­humor ist für den Staatsmann sozusagen ein Gradmesser, wie weit er sich durchgesetzt hat, ob ihn das Volk ablehnt oder ob er verehrt wird. Auch wenn nicht alles nach den Wünschen des Volkes geht, kann der Repräsentant der Staatshoheit, ob er nun ein Kaiser, ein Fürst oder ein ein­facher Bürger ist, „populär" sein im besten Sinne. Und fast will es scheinen, als ob die modernen Staatsmänner, ausgenommen der Reichspräsident, im höchsten Grade un­populär sind.

Ja, schon bei St adt oberhäupten kann man diese Un­terschiede feststellen. Der eine Bürgermeister mag 30 Jahre regieren, — er bleibt seinen Bürgern immer fremd, es liegt wie eine eisige Zone, in der jeder Humor und jedes heitere Wesen erfriert, um seinen bevorzugten Sitz. Ein anderer, der nicht minder „voll und ganz" auf seinem Posten ist, der manches harte „Nein" sagen muß, erobert sich die Liebe des Volkes schon nach wenigen Monaten seiner Amtswaltung. Er tut nichts, was nach Popularitäts­hascherei aussieht — und doch hat er das Vertrauen. Man spricht da wohl von Imponderabilien, Unwägbarkeiten, die die Dolksgunst beeinflussen oder tragen, aber dies trifft nicht den Kern der Sache. Es ist ein ganz einfacher geisti­ger Vorgang: der eine betrachtet das Volk, das er innerlich verachtet oder gar haßt, nur als Mittel zum Zwecke seiner ehrgeizigen Pläne, während der andere fühlt und denkt mit dem Volk, er hat ein Herz für seine Nöte und auch das un­erbittliche „Nein" kommt aus einem gütigen Herzen, — und dies fühlt der einfache Mann. Dieses feine Gefühl läßt sich weder durch Erlasse noch durch Verordnungen oder bnmdenbeweiie auf die Dauer irreführen. Das sehen wir auch an Mussolini, der bei aller Strenge und allen Härten heute als „Pater Patriae" in ganz Italien geliebt wird, auch von denen, die ihm noch vor wenigen Jahren feindlich gegenüber standen. Er mag hundertmal irren — an seiner Gerechtigkeitsliebe zweifelt kein Italiener.— Dem Italiener und dem Russen ist diese rein gefühlsmäßige Einstellung in hohem Maße eigen. Gerade in diesen Logen ist soviel von Popularität und dem Gegenteil die Rede, daß man förmlich gezwungen ist, sich mit diesem Phonomen zu befassen, mit einer eleganten Handbewegung läßt es sich nicht aus der Welt schaffen.

Sehen wir uns noch in Fulda um, kurz vor den Wahlen, so ist von einer Steigerung des Wahlsiebers nicht viel zu bemerken. Viel stärker als von den kommenden Wahlen wird der Bürger von den unmittelbar ihn berührenden neuen Lasten berührt und aufgerührt, wenn man so diese Erregung bezeichnen darf. Nicht von der Bürgersteuer an sich, sondern von der ungerechten, gleichmäßigen Höhe der Belastung spricht jedermann. Mit „hätt'" und „wenn" ist natürlich nicht geholfen. „Hätte" der Magistrat den 500- prozentigen Steuersatz festgesetzt, dann wären gewiß 100 Prozent dem Bürger erspart worden, — aber machen wir uns nichts vor, ein großer Teil der Bürgerschaft kann weder den Satz von 500 noch von 600 Prozent bezahlen. Es mühten schon die brutalsten Mittel zur Eintreibung ange­wandt werden, und das wird, so wollen wir hoffen, der neue Reichstag verhüten. Man kann dem Arbeiter mit seinem kargen Lohn, dem kleinen Handwerker und Ge­schäftsmanne und den kleinen und mittleren Beamten nicht einfach Lasten aufbürden, die untragbar sind. Wo sollen aber die Mittel herkommen für die wachsende Zahl der Er­werbslosen? Die neuen Lasten an Steuern bringen auto­matisch weitere kleine Steuerzahler, die ohnedies kaum das Nötigste zum Leben verdienen, wirtschaftlich zum Erliegen. Dies bedeutet für die Stadt eine wettere finanzielle Be­lastung; denn die ohne ihre Schuld Verarmten müssen vor Hunger und Obdachlosigkeit geschützt werden.

Grau wie der Novemberhimmel liegt die Zukunft vor uns. Im Mai ist es leicht und ganz in der Ordnung, daß frohe Lieder gesungen werden, — der späte Herbst ist arm an Liedern, es gehört schon ein gewisser Zwang dazu, fröh­lichen Sinnes die Stürme der Natur über sich ergehen zu lassen. Fast noch schwerer ist in dieser trüben Zeit der Zwang zum Optimismus, den ein politischer Redner in der vergangenen Woche als vaterländische Pflicht be­zeichnet hat. —

Die kommende Woche beginnt mit 3 hehren Gedenk- und Festtagen für die beiden christlichen Konfessionen, Tage der Einkehr, an denen hoffentlich der politische Lärm völlig verstummt. —

Hinter den grauen Spätherbsttagen wartet schon der Winter mit seiner glitzernden Pracht und hinter dem letz­ten welken Blatt zeigt sich schon jetzt die schwellende Knospe — den künftigen Frühling verheißend. Das uralte Bild vom Werden und Vergeh'n ist aufrichtend und gibt auch dem Kleinmütigsten einen Hoffnungsschimmer mit auf den grauen Weg. A. M.

Einzelrichtersitzung.

Wegen groben Unfugs und ruhestörenden Lärms waren dem 26jährigen Bäcker E. K., dem 21jährigen Techniker F. und dem 20jährigen Kaufmann P. H., sämtlich aus Fulda, je ein polizeilicher Strafbefehl über 10 Mark zugegangen, wogegen alle Angeklagten gerichtliche Entscheidung bean­tragt hatten. Zn der gestrigen Verhandlung vor dem Ein­zelrichter wurde durch einen Poligeibeamten bekundet, daß die Angeklagten in der Nacht zum 7. September Am Rosen­garten ruhestörenden Lärm verursacht und durch Aus­hebung eines Senkkastendeckels groben Unfug verübt hat­ten. Dem Antrag des Amtsanwalts gemäß erkannte der Richter auf die gleiche Strafhöhs wie in den Strafbefehlen, wozu nun noch die Kosten des Termins kommen.

Wegen unlauteren Wettbewerbs bei der Abfassung von Zeitungsanzeigen in verschiedenen Zeitungen der Umge­gend standen der Kaufmann I. St. und der Pianofabri­kant E. Sch. aus Fulda unter Anklage. In der Verhand­lung stellte es sich heraus, daß der Kaufmann I. St. seit dem 1. Januar 1932 nicht mehr Teilhaber der Firma ist und deshalb nicht für die betreffenden Anzeigen haftbar ge­macht werden kann. Er wurde daher freigesprochen. Des­gleichen wurde der Angeklagte E. Sch. mangels ausreichen­der Beweise freigesprochen.

Dem Kaufmann S. O. in Fulda war Betrug zur Last gelegt worden, weil er einer Zigarettenfirma einen Scheck über 44 Mark in Zahlung gegeben hatte, der aber mangels Deckung zurückging. Da dem Angeklagten eine betrügerische Absicht bei der Ausstellung des Schecks nicht nachgewiesen werden konnte, erfolgte dem Anträge des Amtsanwalts gemäß Freisprechung.

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Wegen fahrlässiger Körperverletzung war der Postschaff­ner W. E. in Fulda zur Anzeige gebracht worden. Er sollte im September mit einem kleinen Postkraftwagen in Johan­nesberg die fahrlässige Körperverletzung des Kaufmanns K. aus Zell verschuldet haben. Der Angeklagte erzielte Freisprechung.

Evangelischer Kirchenchor.

Wir werden gebeten, darauf hinzuweisen, daß am kom­menden Dienstag trotz des Feiertages abends um 8 Uhr eine wichtige Kirchenchorprobe stattfindet.

Neformatioirs- und Gustav Adolf-Feier.

Wie alljährlich, so veranstaltet auch in diesem Jahre wieder, und zwar morgen, Sonntag, abend 8 Uhr, im EvgI. Gemeindehaus der Zweigverein Fulda des Evangelischen Bundes eine Reformatiönsfeier, die auch gleichzeitig im Zeichen Gustav Adolfs stehen wird. Als Redner konnten die Herren Pfarrer Zeidler- Kassel und Pfarrer Reichard-Fulda gewonnen werden. Die Vorträge wer­den von musikalischen Darbietungen des Hofmann'schen Männerchores und der Aufführung des Schauspiels „In Glaubensnot" umrahmt. Die gesamte evangelische Ge­meinde ist zu dieser Veranstaltung herzlichst eingeladen.

Neue Meister.

Vor der hieü^n Meisterprüfungskommission bestanden ihre Meisterprüfung die Schneider Mauritius I o st, Franz Lenz und Emil P f e f f e r m a n n , sämtlich aus Hünfeld, sowie der Schreiner Robert B u d e n z aus Rasdorf (Krs. Hünfeld).

Apothekendienst.

Nacht- und Sonntagsdienst ab heute abend 7 Uhr bis Montag abend 7 Uhr: Engelapotheke und Hirschapotheke. Ab Mdntag abend 7 Uhr bis nächsten Samstag einschließ­lich: Hofapotheke zum Schwan und Hirschapotheke, Leip­ziger Straße.

Genehmigte Sammlung.

Dem Reichsverband für Waisenfürsorge E. V. (Deutsche Reichsfechtschule) in Magdeburg ist die Erlaubnis zur Sammlung von Geld- und Sachspenden durch Zeitungs­aufrufe, Werbeschreiben und mündliche Werbung erteilt worden. Die Erlaubnis gilt bis zum 31. Dezember 1933.

Gtr-kyMkrphliche H^chstMifL^U.

Das Stenographische Prüfungsamt der Industrie- und Handelskammer Frankfurt u. M.-Hanau veranstaltet am Sonntag, den 13. November 1932, vormittags 9 Uhr, in der Städtischen Handelslehranstalt II Frankfurt a. M., Junghofstraße 18 und in dem Lyzeum Frankfurt a. M.- Höchst, Hostatostraße, seine diesjährige Herbstprüfung. An­meldungen können bis Donnerstag, den 10. November, bei der Industrie- und Handelskammer Börse I. Obergeschoß Zimmer 303 in der Zeit von 9—13 Uhr erfolgen. An­meldungen für die Prüfung in Höchst werden entgegen­genommen in rankfurt a. M.-Höchst, Antoniterstraße 3611. Für Prüfungen über 240 Silben ist letzter Meldetermin der 5. November 1932. Der Anmeldung ist die Gebühr von RMk. 3,00 beizufügen. Bei Anmeldungen nach Ab­lauf der Meldefrist erhöht sich die Gebühr auf RMk. 5,00. Bei der Anmeldung ist Vor- und Zuname, Adresse, Ge­burtsort und -Datum, Beruf, bei welcher Firma beschäf­tigt sowie in welchem System und welcher Geschwindig­keit geprüft werden soll, anzugeben. Auch ist mitzuteilen, ob der Prüfling bereits früher an einer Prüfung teilge­nommen hat.

Vortragsabend des Ski-Clubs „Rhön".

Eine besonders gute Unterhaltung und ein tiefes Mit­erleben für jeden Naturfreund, Berg- und Skisportler dürfte der am Freitag, den 4. November ds. Is., abends 8 Uhr, im Saale des Bürgervereins durch den Ski-Club „Rhön" gebotene öffentliche Vortrag des Herrn D o b i a s ch aus Steiermark werden. Herr Dobiasch, bekannt durch viele Erstbesteigungen im Sommer und Winter, langjähri­ger Skilehrer und -Führer, Hauptbeteiligter an drei großen Bergfilmen und geschätzt als beliebter Vortragender, spricht über „Kreuz und quer durch Ost- und Westalpen". Der Vortrag wird durch 100 herrliche Lichtbilder ausgestattet. Der Besuch des Vortrages kann jedermann wärmstens empfohlen werden, und es ist dem Ski-Club „Rhön" zu wünschen, daß ihm seine Mühen und Unkosten, die er mit der Veranstaltung auf sich genommen hat, durch einen vollen Erfolg belohnt werden.

Auf 2 Stunden die Alltagssorgen vergessen.

Diese Gewähr bietet das Electrola-Konzert am heutigen Samstagabend, den 29. Oktober, der Firma I. Mollenhauer & Söhne im Bürgervereins-Saal mit sei­nem hervorragenden Programm. Klassische und Opern­musik wechseln mit populären Melodien und Kabarett­stücken ab. Für den Abend sind auch einige Tanz-Einlagen vorgesehen, deren Ausführung für den 1. Teil Frl. Anne­liese Hillebrand und für den 2. Teil Frl. Mize Damm in liebenswürdiger Weise übernommen haben, so daß der Abend ganz besonders unterhaltend zu werden verspricht.

Fuldaer Schweinemarkt.

Zum heutigen Schweinemarkt waren 273 Ferkel an= gefahren. Je nach Alter und Qualität wurden 6, 10 und 14 Mark für das Stück bezahlt.

* Bernshausen. (Gerichtliche Sühn e.) Ge­legentlich des im vergangenen Sommer hier abgehaltenen Sängerfestes kam es zur nächtlichen Stunde zwischen Schlitzer jungen Leuten und einem Alsfelder zu heftigen Auseinandersetzungen, wobei auch ein Pistolenschuß abge­geben wurde. Das Eingreifen der Polizeibeamten, denen man Widerstand entgegensetzte, verhinderte schließlich noch Schlimmeres und Schlimmstes. Am vergangenen Donners­tag stand vor dem Schlitzer Schöffengericht unter Heran-. Ziehung zahlreicher Zeugen die Sache zur Verhandlung. Der Vertreter der Staatsanwaltschaft beantragte gegen 5 Schlitzer junge Leute, von denen einer bereits verheiratet ist, empfindlich^ Freiheitsstrafen von 8 Tagen bis zu 2 Monaten Gefängnis. Die gerichtliche Entscheidung hier­über füllt erst am 1. November. Schon jetzt aber mag die Höhe der angedrohten Strafen eine ernste Warnung sein für alle „Radau- und Krawallbrüder", die bei Festlichkeiten meist unter dem Einfluß des Alkohols sich Ausschreitungen aller möglichen Art zuschulden kommen lassen.

Gelnhausen, 28. Okt. Die feierliche Amtseinführung des neuen Kreispfarrers des Kirchenkreises Gelnhausen, Pfarrer H. Falk- Gelnhausen, findet durch den Landes­pfarrer des Kasseler Südsprengels Generalsuperintendent D. Fuchs am Geburtstag Dr. Martin Luthers, 10. No­vember d. I., in der Marienkirche zu Gelnhausen statt. Anschließend wird der neue Kreispfarrer seinen ersten Kreiskirchentag an gleicher Stätte halten.

Rodheim a. d. Bieber, 28. Okt. (Grenzen gehen durch Schlafzimmer.) Mit dem 1. April 1933 soll laut Verfügung des Bezirksausschusses der Ort Bieber nach Rodheim eingemeindet werden. Das Dorf Bieber mit 750 Einwohnern bietet ein seltsames Verwaltungskuriosum. Es besitzt keine eigene Gemarkung, sondern ist auf dem Ge­lände von drei benachbarten Ortschaften gebaut und wird auch von diesen verwaltet. 390 Einwohner gehören zu Rodheim, 260 zu Fellingshausen, 100 zu Königsberg. Die Grenzen laufen mitunter durch die Häuser, ja mitten durch die Zimmer. So kommt es vor, daß die Mitglieder einer Familie und eines Hauses teils in Rodheim, teils in Königs­berg schlafen. Dieser Zustand soll nun endlich beseitigt werden.

* Hetzbach i. Odw., 26. Okt. (Neuerungen i m Haushalt.) Am letzten Sonntag fand hier im Gasthaus zur Post eine Versammlung der Landw. Hausfrauenvereine für Michelstadt u. Umg. statt. Die 1. Vorsitzende des Ver­eins, Fräulein Saurmann, Leiterin der Landw. Haushal­tungsschule in Michelstadt, referierte über „Neuerungen im Haushalt". Vor allem betonte die Referentin, daß durch die jetzige Notlage die Hausfrauen mehr denn je gezwun­gen sind, ihren Haushalt aus wirtschaftseigenen Mitteln zu bestreiten. Auch den Wert der deutschen Kartoffel legte sie klar. Die Vorsitzende gab dann einige Rezepte bekannt, von Eintopfgerichten, verschiedenem Salat, roh und gekocht, eine pikante Sülze zur Resteverwertung u. a. m. Aber dabei blieb cs nicht. In liebenswürdiger Weise hatte Fräulein Derckum, die Schriftführerin des Vereins und Lehrerin an der Haushaltungsschule Michelstadt, mit ihren Schülerinnen alles praktisch gezeigt und sehr nett zugerich- tet. Hierbei wurden auch einige neuzeitliche, praktische Ge­räte vorgeführt, welche starken Anklang fanden. De An­wesenden waren über die Schmackhaftigkeit der Speisen, die als Kostproben gereicht wurden, sehr befriedigt. Inter­essant war es zu sehen, wie ruhig und sicher die jungen Mädchen arbeiteten. Es kam uns so recht zum Bewußt­sein. daß gerade diese Schule der Platz ist, wo die weibliche Jugend das mitbekommt, was sie für das Leben braucht, deshalb sollten alle Eltern ihren Töchtern die Teilnahme an einem Kursus daselbst ermöglichen.