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Zul-aer /lnzeiger

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Nr. 248 - 1932

Fuloa, Freitag 21. Oktober

9 Fahrgung

Der Bock als Gärtner.

Ausklärung der Braunschweiger EisenbahnaNeniaie.

Die Reichsbahn nimmt das Wort.

Zu der Verhaftung von zwei Eisenbahnbeamten wird von der Deutschen Reichsbahngesellschaft folgendes mit­geteilt: Im Jahre 1930, als sich die Anschläge auf Eisen­bahnzüge in der Nähe vonMagdeburgundBraun- schweig häuften, seien 30 bis 40 Mann vom Bahnüber­wachungsdienst in den gefährdeten Gebieten zusammen­gezogen worden, um die Täter festzustellen. Dies sei leider nicht gelungen. Damals sei der Verdacht ausgetaucht, daß der Reichsbahninspektor Nord und der Eisenbahnobersekretär Neth, die in der Reichsbahndirektion Magdeburg angestellt gewesen seien, mit dem Anschlag in Zusammenhang ständen. Sie seien verhaftet worden: da ihnen jedoch nichts nachzuweisen war, seien sie wieder entlasten worden. Bei der Auf­lösung der Reichsbahndirektion Magdeburg im Jahre 1930 seien die beiden Beamten von Magdeburg wegge­kommen, Nord nach Berlin. Bei der Nachprüfung der Akten der aufgelösten Reichsbahndircktion seien

Unterschlagungen von Lohngeldern und Urkundenfälschungen festgestellt worden, die Nord und Neth zur Last gelegt worden seien. Beide seien im August 1932 abermals ver­

Die Fürstenhochzeit.

Die kirchliche Trauung in Loburg.

. C o b u r st in Fe st st i m m u ng.

Am Donnerstag fand in Coburg die kirchliche Trauung des Erbprinzen von Schweden und der Priu- zessin Sibylle von Sachsen-Coburg und Gotha statt. Um 10 Uhr begann der Aufmarsch der Vereine, Verbände und Schulen, die in den Straßen, durch die der Hochzeitswagen sich bewegen sollte, Aufstellung nahmen. Hinter den Spalierbildenden stand eine große Menschenmenge. Um 11 Uhr erschien die Spitze des Zuges, eine berittene Ehren- cskorte der Landespolizei, dann tarnen die Wagen der Hochzeitsgüste, denen der Wagen des Brautpaares, der von Reitern des ländlichen Rcitervercins begleitet wurde, folgte. Während der Zug seinen Weg durch die Straßen nahm, läuteten die Glocken von den Kirchen und Türmen der Stadt. Der Kirchplatz und der Eingang zur Haupt- l i r ch c St. Moritz war mit Fahnen und Tannengrün geschmückt. Vor der Kirche hatte der Luisenbund, die Bundesschwestern der Prinzessin Sibylle, Aufstellung ge­nommen.

Im Vorraum der Kirche ordnete die Hochzeitsgesell­schaft sich dann zum Einzug in die Kirche. Unter Voran­tritt von acht Vrautführerpaaren schritt der Zug zum Altar.

Der Herzog von Coburg führte die Prinzessin Sibylle,

der Kronprinz von Schweden den Erbprinzen Gustav Adolf, König Ferdinand von Bulgarien die Herzogin von Coburg und die Kronprinzessin von Schweden. Ihnen folgten die übrigen Fürstlichkeiten. Die Braut trug ein Satinkleid mit der silbergesticktcn Traditionsschleppe des Herzogshauses, den Myrtenkranz im Haar; der Bräutigam trug die Uniform des Stockholmer Garderegiments. Die Damen der Hochzeitsgesellschaft waren im Nachmittags­kleid und Hut erschienen, die Herren in großer Uniform.

Nachdem die Fürstlichkeiten ihre Plätze eingenommen hatten, begann die Traufeier mit dem Orgelspiel Prälu­dium und Fuge C von Bach. Nach einem dreistimmigen Knabcnchor sang die Gemeinde das LiedLobe den Herren". Es folgten die Eingangsworte des Geistlichen, worauf

Aus dem Wahlkampf.

Hitler an Papen.

Eine Antwort auf die Münchener Kanzlerrcde.

Im Völkischen Beobachter hat Adolf Hitler eine Antwort auf die Münchener Rede des Reichskanzlers von Papen veröffentlicht. Die Antwort umfaßt fast vier Seiten in dem großen Format des Blattes.

Hitler bezeichnet cs als die Aufgabe seiner Erwide­rung, die Unlogik nicht nur der Rede, sondern auch des Handelns des Herrn von Papen aufzuzeigen. Was habe Herr von Papen aus dem nationalsozialistischen Pro- gramm zur Arbeitsbeschaffung gemacht? Eine Aktion höchstens zur Belebung des Geldverkehrs der Banken, aber unzulänglich für den Zweck der Arbeitsbeschaffung. Ebenso verhalte cs sich mit dem Programm einer Arbeitsdienst- Pflicht, aus der man eine unzulängliche Einrichtung ge- macht habe. Nicht minder systemlos und unlogisch sei die Stellungnahme Papens zum Gesamtbereich der sozialen Frage. Hitler äußert sich dann zur

Frage der Staatsauffassung.

Es gehöre die ganze Oberflächlichkeit unserer alten Herren- Wicht dazu, sich einzubilden, daß man einer elementaren

haftet worden und Hütten gestanden, die Unterschlagungen und Urkundenfälschungen begangen zu haben. Es sei ab­zuwarten, ob sich ergeben werde, daß die beiden Ver­hafteten auch mit den Anschlägen des Jahres 1930 in Ver­bindung zu bringen seien.

Zu dieser Erklärung der Reichsbahngesellschaft wird von anderer Seite hinzugefügt, daß sich Beamte

an etwa 50 Attentaten aus Eisenbahnzüge

und Signalanlagen beteiligt haben sollen. Die Verhaftung von Mitschuldigen Nords und Reths, die inzwischen Teilgeständnisse abgelegt hätten, stehe bevor. Oskar Nord wird als rücksichtsloser, bei seinen Kol­legen wenig beliebt gewesener Streber bezeichnet. Bei den erwähnten Unterschlagungen soll es sich um etwa 20 000 Mark handeln. Als Nord merkte, daß er verdächtig geworden war, begab er sich in eine Nervenheil- anstatt, aber die Polizei glaubte nicht recht an seine Krankheit.

*

DerEiscnbahnauschlag" bei Nordhausen nur vorgetäuscht.

Zu einem angeblichen Anschlag aus einen Eisenbahn­zug in der Nähe von Nordhausen wird von feiten der Deutschen Reichsbahngesellschaft mitgeteilt: Ein Landwirt, der einen Hemmschuh aus dem Bahngleis gefunden haben wollte, hat gestanden, daß er den Hemmschuh selbst aus das Gleis gelegt habe, um eine Belohnung zu erhalten.

Schloßpfarrer Dr. Schanze die Traurede hielt, in der er auf die Bedeutung der Ehe hinwies und auf die spätere Thronfolge des Bräutigams, der dazu aus- erseheft sei, die Krone des großen G ottc s str ei t er£ Gustav Adolf zu tragen. Dekan Weiß vollzog die Trauhandlung. Während das Brautpaar zum Wechseln der Ringe niederkniete, wurde im Hofgarten ein Salut von 21 Schüssen gefeuert. Es folgte der Gemeindegesang

Nach der standesamtlichen Trauung verläßt das Brautpaar den Hornsaal der Veste Coburg. Rechts und links neben dem Eingang die Ehrenwache der Reichswehr.

Nun danket alle'Gott", worauf der Stadtpfarrer ble Traubibel überreichte und den Segen sprach. Mit einem Chor von Händel fand die Feier ihren Abschluß.

Die Fürstlichkeiten begaben sich im Zuge durch die Stadt nach der Veste Coburg, wo die Hochzeitstafel zu 140 Gedecken stattfand.

Am Vorabend der Hochzeitsfeier bereiteten die Ver­eine der Stadt Coburg mit nahezu 4000 Mitgliedern dem Brautpaar eine ^ulbigimg, die mit einem Fackclzuge durch die illuminierte Stadt eingeleitet wurde.

Weltanschauungskrise einemachtvolle und autoritäre Regierung" gcgenübcrsetzen könnte. Was Papen rede, sei nichts anderes, als wenn jemand die Auffassung vertreten wollte, man könnte eine Religion beseitigen oder gar er­setzen durch eineRegierung". Die Zukunft der deutschen Ration oder der deutschen Wirtschaft sei nicht abhängig von einer neuen Verfassung, sondern vielmehr von der Wiedergewinnung einer einheitlichen weltanschaulichen Auffassung. Papen scheine keine Ahnung davon zu haben, daß es einen eindeutigen politischen Willen des deutschen Volkes schon lange nicht mehr gebe, weil alle Grundauf­fassungen verschieden sind.

Hitler kommt dann auf

die Vorgänge des 13. August

zu sprechen. Er könne dazu sagen:Entweder wir sollen in die Regierung, dann fordern wir die Führung, oder wir erhalten die Führung nicht, dann muß man auch in einer Regierung aus uns verzichten." Die Mög­lichkeit, in dieser Regierung wirklich seinen Einfluß geltend zu machen, habe nur dann bestanden, wenn zum mindesten der Posten des Reichskanzlers von der Be­

wegung, und zwar durch ihren Führer, besetzt wurde. Wenn der Reichskanzler die Behauptung aufstelle, daß die Partei oder er die gesamte Macht gefordert hätte, so sage er dazu, weder von ihm, Hitler, noch von irgend jemand anderem sei eine solche Forderung erhoben worden.

Zur Außenpolitik erklärt Hitler, schon der Er­folg des Reichskanzlers in Lausanne sei mehr als un­befriedigend gewesen. Herr von Papen habe sich in Lausanne auf die Grundlage eines Kompromisses zwischen Reparationen und Gegenleistungen bringen lassen und sei in einer neuen Reparationsanerkennung steckengeblieben, während die Gegenleistungen selbstverständlich ausfielen. Viel verhängnisvoller sei die Art der Behandlung des Abrüstungsproblems.

Am Schlüsse der Antwort Hitlers heißt es:Ich halte Herr Reichskanzler, aus meinem geistigen, sozialen und politischen Gewissen heraus Ihre Innen-, Wirtschafts­und Außenpolitik für falsch. Ich setze mich daher gegen Sie und Ihre Politik mit meiner Bewegung so zur Wehr, als ob wirdas geistige, soziale und politische Gewissen der Ration" wären. Daß Sie, Herr Reichskanzler, aber uns deshalb, weil wir insbesondere die unmögliche Art der Wahrnehmung der außenpolitischen Interessen der deutschen Ration durch Ihre Regierung ablehnen, einfach alsFeinde des deutschen Volkes" hinstellen, ist so un­natürlich, daß uns nur die legale Befolgung der Gesetze verhindert, Ihnen die darauf nötige Antwort zu geben."

Auf seinem Wahlfeldzug hat Hitler auch in B r es lau gesprochen.

Brüning in Köln.

In der Rheinlandhalle in Köln sprach der frühere Reichskanzler Dr. Brüning. Er führte u. a. aus: Die Koalitionsverhandlungen mit den Rationalsozia- listen seien so vorsichtig und behutsam geführt worden, wie es notwendig sei, um eine derartige Partei langsam an das Regierungsgeschäft zu gewöhnen Das Vorgehen der Reichsregierung gegen Preußen habe das Verhand­lungsergebnis vereitelt. Wenn die Regierung von sich aus eine Verbindung mit den Nationalsozialisten und der Rechten Herstelle, dann werde das Zentrum sich der sach­lichen Kritik befleißigen Man hätte die Reichstags- auflösung vermeiden sollen, weil sie ein politisches Experiment darstelle, das das Vertrauen des Volkes zu den Maßnahmen der wirtschaftlichen Gesundung er­schüttert habe. Die Abstimmung im Reichstag sei zwar nicht zu Recht durchgeführt worden, sie sei aber immerhin eine Willenskundgebung von 90 Prozent des Reichstages und des deutschen Volkes. Dem Volke seien schwere Opfer in den vergangenen Jahren auferlegt worden. Aber durch die letzte Notverordnung sei auch noch der Glaube an den Willen, allen Ständen gegen­über gerecht zu werden, erschüttert worden Eine Unter­stützung der Landwirtschaft habe bei derartig gesenkten Löhnen keinen Erfolg, denn die Kaufkraft des Volkes sei jetzt ausschlaggebend, und eine künstliche Preis­bildung werde, wie die Erfahrung lehre, durch einen Konsumrückgang illusorisch gemacht. Wenn man in die Zukunft sehe, so sei gewiß die Möglichkeit einer Besserung vorhanden. Wir könnten aber aus der Wirtschaftsnot nur herauskommen, wenn der Erpori aufrechterhalten, ja, noch mehr gesteigert werde als bisher. Wenn wirklich die Tal- fohle des wirtschaftlichen Tiefstandes erreicht sei, dann müsse vor jeder Überstürzung gewarnt werden, und Negie­rung und Volk müßten sich von jeder Illusion frei halten. Zum Schluß betonte Dr. Brüning, daß das Zentrum seit langer Zeit bereit sei, an einer Reform der Ver­fassung und des Wahlrechts mitzuarbeiten. Über alle diese Dinge könne jedoch nicht heute, sondern zu einer besseren Zeit bei gutem Willen und bei ruhigen Nerven viel leichter eine Verständigung herbeigeführt werden.

Französische Anmaßung.

Wie in gulunterrichtcten französischen politischen Kreisen zu den Erklärungen verlautet, die Ministerpräsi­dent Herriot vor dem Auswärtigen Ausschuß der Kammer abgegeben hat, spielte die Frage des R e i ch s - kuratoriums für Jugendertüchtigung eine ganz besondere Rolle. Der bekannte Abgeordnete Fribourg wünschte Aufklärung darüber, ob dieser Erlaß des Reichs­präsidenten nicht gegen Artikel 17 7 des Versail­ler Vertrages verstoße. Über die Antwort, die Herriot darauf erteilt hat, ist amtlichcrscits nichts verlaut­bart worden, und in politischen Kreisen gehen die Auf­fassungen auseinander. Während einerseits behauptet wird, Herriot habe erklärt, daß die Juristen des Außen­ministeriums diese Frage genau geprüft und fcstgestellt hätten, daß der Reichserlatz nicht gegen Artikel 177 ver­stoße, soll sich nach anderen Meldungen der Ministerpräsi­dent das Recht vorbehalten haben, diese Angelegenheit in einer der nächsten internationalen Konferenzen zur Sprache zu bringen.

Die Anmaßung, die aus der Aufmachung dieser Frage spricht, wird noch unterstrichen durch die Tatsache, daß im französischen Kabinettsrat jetzt der Plan der soge­nanntenn a t i o n a l c n A u s r ü st u n g" aufgestellt worden ist. Der erste Abschnitt soll sich auf vierMl l- liardcn Franc beziffern, die durch eine Anleihe aufgebracht werden müßten.

Kleine Zeitung für eilige Leser

* Der Klepper-UntersuchungSauSschuß hat sich bis nach den ReichStagswahlcn vertagt.

* In Coburg fand die kirchliche Trauung deS Prinzen Gustav Adolf von Schweden und der Prinzcnm Sibylle von Sachsen Coburg und Gotha statt.

* Der Verfasser desBoxheimer Dokuments", Dr.Best, wurde vom Reichsgericht außer Verfolgung gesetzt