Die Rechte.
Skizze von Mathilde von Leinburg.
„Habe nun das Vierteljahr als Volontär in der Gemüse- gärtnerei Himer mir, brauche nur noch diesen sechstägigen Lehrgang über Obst- und Gemüsebau und Bodenbearbeitung durchzumachen, und dann, dann, Marianne...?"
Tas Fräulein Doktor drückte gemächlich das Zigarettenende in die Aschenschale: „Ach, Benno — ich habe es nur doch anders überlegt."
„Anders überlegt?" Benno war bleich geworden.
,Ja siehst Du--wir wollen lieber wieder aus. einan'dergehen. Ich hätte Dir das freilich früher sagen sollen aber immer hoffte ich noch, Du — na, schau' nicht so wild! — Dir würde vielleicht doch noch was Gescheiteres emfalleix als dieser unselige Siedlungsgedanke. Sag' doch selbst: Zu was hätte ich da eigentlich studiert?"
„Auch i ch habe studiert."
„Aber den Doktor nicht gemacht."
„Weil ich nicht, wie Tu,, einen Vater hakte, der mir du Druckkosten für die Doktorarbeit geben konnte. Deshalb hängte ich den Botaniker an den Nagel,' deshalb will ich nun meine starken Glieder regen und werken und schanzen. Unb Du? Was hattest Du mir damals auf dem Wendelstein, als ich Dich selig im Arme hielt, gesagt? Die schönste Krönung Deines aussichtslosen Botanikstudiums sei, auf unserer eigenen Scholle die Namr zur herrlichsten Entfaltung, zu üppigstem Erträgnis zu bringen. Und bis ans Ende der Welt zogst Du mir mir--" .
„Das ist's ja eben — zögst Du hinaus in die Welt! Zlber hier auf diesem ausgemergelten alten Boden Europas und gar in diese trostlose deutsche Einöde, wohin Du mich vergraben willst —"
„Das sind nicht Deine Worte. Aus Dir spricht Karl Harradauer, der nach Südamerika auswandern will."
„Recht hat er. Auf solchem ausgeruhten Erdteil von unerschöpflicher Fruchtbarkeit, nur dort läßt sich noch was machen. Dort kann man reich werden."
„Oder auch das verlieren, was man hat. Haben wir nicht alle drei mit Schaudern das Ende der deutschen Kolonie ,Nueva Germania' in Paraguay gelesen?"
„Wer spricht von Paraguay? Argentinien ist das Paradies der Siedler. Zwei Ernten jedes Jahr! Bloß tausend Mark das Landgrundstück, tausend die Ueberfahrt, 2000 für Anschaffungen--"
„Harradauer hat doch gar keine 4000 Mark!"
„Aber ich, a ch t."
„Marianne!" Es war ein Schrei, aus dem Wissen klang; Marianne brauchte nichts mehr zu erklären. Harradauer hatte sie und ihr Geld erobert.--
Wie in Bennos Gemüt, so sah es auch am Himmel aus, während er mit dem Vorortzug nach seinem Heimgarten mit dem winzigen Wochenendhäuschen fuhr. Schwarze Wolken mit schmutziggrauem, kupfrigem Rand verkündeten Schreck- liches. Und es kam. Taubeneiergroß prasselte der Hagel; nur wenige Minuten lang, dann waren Wiesen und Felder wie niedergewalzt.
Erschüttert entstieg der künftige Siedler dem Zuge. Die Sonne hatte sich wieder hervorgewagt, ein Regenbogen stand friedlich einend über den verwüsteten Kleingärten. Wer gerade draußen war, besah ,ammernd seine Verluste. Die Kinder des Nachbars liefen Benno entgegen, und die Aelteste, die goldblondzöpfige Lisbeth, tröstete mbelnd: „Ihre Erd- beeren sind gerettet! Als Vater das Wetter kommen sah und schützte, was zu schützen ging, da sind wir über Ihren Zaun gestiegen, haben Ziegelsteine an den Ecken des Beetes geschichtet und Bretter darübergelegt — es ist ihnen nichts geschehen "
Gerührt sah Benno auf den Rettungsbau, gerührt aus die vorsorgliche Vierzehnjährige. „Tie Erdbeeren gehören Euch, Kinder; ich ernte nicht mehr. Schon morgen reife ich ab." Da zuckte es weinerlich um Lisbeths Mund, als ob sie noch ein kleines Mädchen wäre.
„Sie machen also Ernst mit Ihrem Siedlungsplan?" fragte ihr Vater. „Werden zum Bauern, Sie, ein studierter Herr?"
„Ein Studierter, der mit seinem Studium keinen Verdienst finden kann."--
Jahre waren dahingeflogen, Jahre unverdrossener, harter Arbeit, Jahre der Enttäuschung und Jahre des Segens. Da bekam der nunmehrige Eigentümer der früheren
Siedlungsnummer B 27 einen Brief mit südamerikanischen Marken beklebt. „... und fetzt bin ich Witwe", hieß es darin, „habe verzweiflungsvolle Sehnsucht nach der deutschen Heimat; aber nicht einmal mehr das Reisegeld dahin ist vorhanden. Mißernten, Biehsterben und Betrüger haben uns fast um alles gebracht, und ich muß zusehen, wie ich meinem einzigen Jungen wenigstens noch das Letzte erhalten kann."
Schon vier Wochen später flog in den Rancho der einsamen Estancia ein Brief mit der s o verlangten Anschrift: „An Seüora Carlos Rehuadarra" (die Umkehrung des biederen Harradauer, die spanisch klingen sollte). Mit Herzklopfen öffnete die Empfängerin den Brief. Eine in Seidenpapier gehüllte Photographie fiel zu Boden — „Sein Bild?" — Banknoten knisterten — „Das Reisegeld! Ja, Benno, so wie Du hat mich keiner je geliebt."
Sie las: „... nur um Dir ein wenig unter die Arme zu greifen. Und wie es mir geht? Das stehst Du aus dem glücklichen Familienbilde. Kennst Du sie wieder, die Mutter meiner Kinder? Meines damaligen Gartennachbars gold- blondzöpfige Lisbeth."
Schnelle Lösung.
Skizze von Kurt Miethke.
„Das Halsband der Fürstin Orloff gestohlen?" Kom- misiar Kay setzte sich, nachdem er das Fenster geöffnet hatte, und blickte Herrn Schamm an, das war der Pförtner des Hauses, ein kleines Männchen mit einem Vogelkopf. Er sah noch sehr elend aus, das Chloroform hatte ihn schrecklich mitgenommen.
„Erzählen Sie genau der Reihe nach, was geschehen ist/
Herr Schamm zitterte an allen Gliedern. „Sie wissen, daß mein Arbeitgeber Kunst- und Juwelenhändler ist. Er hat oben in dem großen Tresor oft wertvolle Sachen liegen und sagt es mir immer, wenn ein besonders kostbares Stück im Hause liegt. Gestern teilte er mir mit, daß er das Halsband der Fürstin Orloff in Verwahrung habe. Er meinte, es sei vierhunderttausend Mark wert und ich solle lagut aufpassen. Dann fuhr er mit seinem Auto nach Berlin, und ich habe ihn seit der Zeit nicht wieder gesehen. Oder doch — ich habe ihn wieder gesehen. Das heißt, nicht ihn selbst..."
„Das klingt fa recht verworren."
„Ich will es erklären. Also heute abend um acht saß ich in meiner Küche und strich den Schrank an, mit hellblauer Oelfarbe. Das Haus war verschlossen. Plötzlich hörte ich Schritte im Garten, es klingelte. Ich legte den Pinsel hin und ging zur Haustür. Da stand mein Chef, Herr Hadorf. Ich öffnete. Er trat ein und wartete, bis ich wieder ge- schlossen hatte. ,So spät noch?' fragte ich. Er nickte. Dann öffnete er seine Aktentasche, holt gemächlich einen dicken Wattebausch hervor, öffnete eine Flasche und goß etwas darauf. So', sagte er. Ich sah ihn recht erstaunt an, plötzlich fing er an zu grinsen. .Wenn Sie sich einbilden, ich bin Herr Hadorf, so irren Sie sich, alter Knabe', sagte er. .Herr HaSorf ist in Berlin.' Und ehe ich noch was erwidern konnte, bekam ich einen furchtbaren Schlag vor das Kinn, ich sank zu Boden, fühlte, wie er mir den Wattebausch kräftig auf die Nase drückte, und dann wußte ich nichts mehr."
„Wenn ich Sie recht verstehe, so hat sich also ein Betrüger in der Maske Herrn Hadorfs eingeschlichen, um auf diese Weise in aller Gemütsruhe und ohne aufzufallen, den Tresor erbrechen zu können." — Schamm nickte: „Wenn ich den Kerl erwische! Er hat mir einen ungeheuer rohen Schlag versetzt. Ich bin jetzt noch ganz schwach." — „Hm. Es ist jetzt ein Viertel nach Zehn. Wann sind Sie wieder zu sich gekommen?"
„Kurz vor zehn Uhr. Ich richtete mich mühsam auf, und es dauerte eine ganze Zeit, bis mir alles, was geschehen war, wieder ins Gedächtnis kam. Na, ich lief sofort nach oben. Die Tresortür stand weit offen, so wie Sie es gesehen haben, und der Schrank war leer."
„Was taten Sie dann?"
„Ich suchte nach dem Einbrecher. Der war aber längst über alle Berge. Er hat mir den Hausschlüssel aus der Tasche genommen, während ich bewußtlos dalag, und ist verduftet. Dann telephonierte ich Sie auf der Polizei an und dann bei Herrn Hadorf in Berlin. Er wird gleich kommen. Wenn er sich sehr beeilt, kann er die Strecke in einer halben Stunde mit seinem Auto schaffen. Hoffentlich kündigt er mir nicht meine Stelluna."
Kay betrachtete sich mit Schamm zusammen das ganze Haus, von der Küche, die tm Erdgeschoß lag, bis zum Dach, Bald darauf hörte man ein Auto vor dem Hause halten, ein heftiges Klingeln ertönte. Herr Hadorf kam hereingerannt, schneeweiß im Gesicht.
„Man hat das Halsband der Fürstin Orloff gestohlen?" schrie er.
Kay stellte sich vor. Hadorf ergriff seine beiden Hande: „Sie müssen den Täter finden, Herr Kommissar. Ich hatte einen Käufer, einen Amerikaner, der morgen kommen und den Schmuck kaufen wollte. Tun Sie alles, was in Ihrer Macht steht"
Kay setzte sich und steckte sich eine Zigarette an. Hadorf lief aufgeregt im Zimmer hin und her.
Plötzlich ließ Kay die Zigarette fallen. Er starrte vor sich hin, als ob er eine Erscheinung hätte. Langsam bückte er sich und hob die Zigarette wieder auf.
„War das Halsband versichert, Herr Hadorf?"
„Ja. Leider nur mit dreihunderttausend Mark."
„So", sagte Kay. „Darf ich bitten, die nächsten zehn Minuten nicht aus dem Zimmer zu gehen? Alle beide, bitte."
Er verließ den Raum, ging die Treppe hinunter und trat auf die Straße. Nach genau zehn Minuten kam er wieder mit vier Schutzleuten, die sich neben der Tür aufstellten.
„Ich werde jetzt zur Verhaftung des Täters schreiten", lächelte er.
„Des Täters?" fragte Hadorf. „Aber wo ist er denn?"
„Hier!" sagte Kay und deutete — auf Hadorf.
„Ich? Aber, Herr Kommissar, ich war doch in Berlin, als die Tat geschah. Und warum sollte ich mein eigenes Halsband stehlen?"
„Um die Versicherungssumme herauszuschinden."
„Sie können diesen phantastischen Verdacht nicht beweisen'"
„Haben Sie während der letzten zehn Minuten das Zimmer verlassen?"
„Nein."
„Dann sind Sie schon überführt."
„Beweisen Sie!"
Statt aller Antwort stand Kay auf und näherte sich Hadorf, ergriff den Saum seines hellgelben Automantels und hob ihn hoch. Da saß der Abdruck einer Hand, einer blauen Hand
„Herr Schamm, ist das die Farbe, mit der Sie 5cbren Küchenschrank angestrichen haben?"
Schamm nickte.
„Besinnen Sie sich nicht, daß Sie im Fallen den Mantel des Menschen streiften, der sich als Ihr Chef ausgab?"
„Ich besinne mich dunkel."
Hadorf schrie wild auf: „Ich habe ein Alibi!"
„Gehabt", sagte Kay. „Die Strecke nach Berlin wurde heute von der Verkehrspolizei überwacht. Sie sind heute dreimal dieselbe Strecke gefahren, ledesmal mit Ueber- schreitung der Geschwindigkeit. Ich habe eben mit der Polizei telephoniert. Sie fuhren hierher, stählen Ihr eigene? Halsvmnd, rasten nach Berlin zurück, um sich dort von der Mitteilung des Diebstahls pflichtschuldigst .überraschen' zu lassen, und kamen wieder hierher. Die sehr deutlichen Fingerabdrücke auf Ihrem Mantel beweisen einwandfrei, daß Sie selbst den Diebstahl begingen. Die Sache war schlau eingefädelt, alle Achtung. Daß aber Herr Schamm gerade heute feinen Küchenschrank streichen mußte — das war Ihr Verderb."
Hadorf sank gebrochen in einen Sessel. Es machte keine Schwierigkeiten, ihm die Handschellen anzulegen...
Befehl ist Befehl.
Es war ein heißer Sommertag. Rosegger war vom Spaziergang müde geworden. Er streckte sich auf einer Wiese aus und schmauchte behaglich eine Zigarre. Aber schon nach kurzer Zeit erschien ein Bauernknecht und fuhr den Dichter an: „Hö, dös is nix mit'n Liegen auf da Wies'n." — „Lassen Sie mich doch eine Weile ausruhen", sagte Rosegger, „ich mache ja keinen Schaden."— Aber der Knecht brummte: „Nst is, der Bauer hot g'sogt, i soll Eahna 'nunterjogen." — „Na, meinte der Dichter, „das wird er nicht so gemeint haben. Hier nehmen Sie sich eine Zigarre!" Der Knecht zog eine aus dem Täschchen, das Rosegger ihm hinhielt, und steckte sie in seinen Kittel: „Ja, an Zigärrn, de mog i scho, ober nu machen's, böâ weitakimmen. sonst muak i lckloaaen." ■ *
Kakteen aus Samen.
. Von Dr. Erich Werdermann, Kustos am Botanischen Museum der Universität Berlin,
1. Vorsitzender der Deutschen Kakteen-Gesellschaft.
Wer hat nicht schon einmal entzückt vor Schalen mit Kakteensamlingen gestanden, den Säuglings- und Kinder- stuben der Pflanzen, die sich, in den letzten Jahren im Sieges- Mge ^tüge, Kästen und Fenster der Blumenfreunde eroberten. Gewltz und Jmportpflanzen, die im kräftigsten Alter chrem Heimatboden entrissen wurden, in der Ausbildung ihrer stachelwehr von hier gezogenen Kakteen nicht zu übertreffen. Aber dre Freude an ihnen ist gewöhnlich nur von kurzer ^auer, Weil gar zu viele aus Sehnsucht nach den sonnigen Bergen ihres Vaterlandes frühzeitig dahinsiechen. Anders ist ft11 Kakteen von Kindesbeinen an unseren Ver- haltnlsien anpassen.
, uns nicht der Versuch locken, blühfähige Pflanzen mis Samen zu erwecken, um ihren Werdegang in allen Stadien der Entwicklung zu belauschen? Es ist so schwer unleie Mühen werden belohnt durch eine Fülle nie versiegender Freuden und Ueberraschungen.
^* ân die schöne Aufgabe $? E^- ssch guten, keimfähigen Samen zu verschasien. ^-as ist eine Vertrauensfrage. Aber in Deutsch- ü genügend renommierte Züchter und Händler, die einwandfreies Saatgut verkaufen und passende Ratschläge bei
Auswahl erteilen Dem Samenkorn selbst kann man natürlich ute Keimfähigkeit nicht von vornherein ansehen. Eine kleine Probe hat sich im allgemeinen bewährt: reife Samen sollen, in Wasser geschüttet, bald zu Boden sinken.
Wann säe ick nun aus? Am besten in den Frühlingsmonaten, damit die Keimpflänzchen während des Sommers genügend heranwachsen und Kraft sammeln können, um den ersten Winter zu überstehen. Frühzeitig kann beginnen, wer ein heizbares Aussaathäuschen sein eigen nennt. Bei einfacher Zimmerkultur ohne besondere Vorrichtungen wartet man am besten bis in den Monat Mai.
Tenn neben Feuchtigkeit brauchen die Sämlinge gleichmäßige Wärme und die belebenden Strahlen der Sonne. Auch das Wetter spielt keine zu unterschätzende Rolle. Eine Periode schöner sonniger Tage ist ein guter Auftakt für die Aussaat.
An Material ist herzlich wenig nötig, dafür aber nw so &w peinliche Saubertsll.
Als Aussaatbehälter wählen wir flache Schalen oder Kästen, gleich, ob rund oder viereckig, am besten aus porösem Ton,^mit guten Wasserabzuglöchern im Boden. Der Grund der Schalen, besonders die Abzuglöcher, werden mit ausgekochten Tofpscherben (gewölbte Seite nach oben) belegt, darüber folgt eine etwa 1 Zentimeter dicke Schicht groben, dann ebensoviel feinen Sandes, der vorher sorgfältig gewaschen werden muß. Erst auf diesen bringen wir die eigentliche Aussaaterde.
Man nimmt dazu eine recht poröse (lufthaltige) Erde, die mager sein soll, als normale Kakteenerde, um kräftige Bewurzelung zu erzielen. Gut verrottete Lauberde, Torfmull und sauber gewaschener Sand werden zu gleichen Teilen gemischt und fein durckgesiebt. Ein Zusatz von klein zerstoßener Holzkohle im Verhältnis von etwa 10 Prozent zur Gesamtmenge ist empfehlenswert. Durch mehrfaches Ausstößen des Schalenbodens wird die Oberfläche geglättet und soll jetzt etwa 1,5 Zentimeter unter dem Rande der Aussaatschale liegen. Nun können wir dem Säen beginnen. Vorsichtig in Abständen von wenigen Millimetern läßt man die Samenkörner aus der Tüte rollen, so daß immer mehrer gleichzeitig fallen und kleine „Nester" bilden. Im allgemeinen sind die Keimpflanzen auf diese Weise mehr vor Schädlingen geschützt, als wenn sie ganz isoliert voneinander aufwachsen. Sollen mehrere Arten in einer Schale gezogen werden, teilt man diese vorher durch Stäbchen in getrennte Felder ein.
Ueber die Aussaat wird gewissermaßen nur ein Hauch feinsten, gut gewaschenen Quarzsandes gestreut, damit die Erdoberfläche später nicht so leicht verkrustet.
Denn wenn die Sämlinge auch viel Feuchtigkeit gebrauchen, so ist gute Durchlüftung des Bodens ebenso nötig. Durch Eintauchen der Schale mit der unteren Hälfte in gut gewärmtes Wasser läßt man sie eine halbe Minute Feuchtigkeit einsäugen. Mit eine» Glasscheibe bedeckt, kommt die Schale an einen hellen Ort, aber nicht in die Prallsonne. Die Temperatur für die Sämlinge soll nie unter 20 Grad sinken, ebensowenig darf die Erdoberfläche antrocknen. Heizbare Aussaatkästen sind zur Erzielung einer gleichmäßigen Unterwärme und Lustfeuchtigkeit sehr vorteilhaft.
In warmen, hellen Monaten wird sich bald das Leben regen. Mamillarien und Echinokakteen keimen unter günstigen Verhältnissen schon in wenigen Tagen. Andere Arten lassen sich mehr Zeit. Die Sämlinge brauchen gleichmäßige Wärme Ugo Feuchtigkeit urch Ind Md MÄ an bi^ SüWe M £O
wohnen, die ihrer weiteren Entwicklung erst die rechte Förderung gibt. Zum Befeuchten ist nur warmes Wasser, am besten tropfenweise oder durch Nebeln zu verwenden. Aus- trocknen und starke Abkühlung wird unbedingt verhängnisvoll für die Saat. Darauf ist auch zu achten, wenn wir allmählich an heißen Stunden des Tages durch Abheben der Scheibe mittels Klötzchen frische Luft zuführen.
Etwa einen Monat nach der Aussaat werden die kleinen Kügelchen schon so weit gediehen sein, daß sie sich gegenseitig drängen, auch wohl im weiteren Wachstum nachlassen. Tann ist der Zeitpunkt gekommen, sie in andere Schalen zu pikieren. Auch die neue Erde soll noch magerer und sandhaltiger sein als die gewöhnliche Kakteenerde. Ein wenig beigemischter Kalk (etwa 1 Prozent) fördert die Stachelbildung. Das Umsetzen erfordert eine zarte Hand, damit keine Beschädigungen der jungen Pflänzchen eintreten. Alles Andrücken ist zu vermeiden. Die ersten vaar Tage hält man die pikierten Pflanzen etwas schattiger und trockner und gibt erst dann wieder Feuchtigkeit durch Eintauchen oder Nebeln mit warmem Wasser. Bei guter Pflege wachsen die Sämlinge bald so weit heran, daß sie etwa nach Ablauf von 2 weiteren Monaten nochmals pikiert werden können.
Vom September ab gönne man ihnen Ruhe und schränke die Wassergaven ein, damit die jungen Pflänzchen wohl- vorbereitet in den Winter gehen.
Sämlingszucht ist der Prüfstein für den Kaktcenpfleger, denn sie erfordert viel Liebe, Verständnis und dauernde Beobachtung. Nur durch diese können wir auch der Schädlinge Herr werden, die sich gerne in unsere Kulturen cindrängem Besonders sind es Algen, Moose und Pilze. Die grünen Erdi Überzüge bekämpft man durch Nebeln mit absolutem Alkohol- Bei Auftreten von Fadenpilzen wird die oberste Erdschicht gc- lockeri und mit feinem Holzkohlenstaub bestreut. Gegen Schimmelpilze hilft eine Lösung von Salizylsäure in heißem Wasser im Verhältnis 1:1000. Wenn die Schalen sehr von Schädlingen befallen sind, müssen die Pflanzen in gesunde Erde pikiert werden.
Ist der erste Winter gut überstanden und setzt wieder flottes Wachstum ein, dann kann der aufmerksame Beobachter bemerken, wie manche Arten, die im Jugendstadium ihre" Eltern wenig ähnlich sahen, sich nach ihrem Bilde zu formen beginnen. Wie groß wird aber später die Freude sein, wenn unsere Zögliyge dem Kindcsalter entwachsen und sich mit dem hochzejAât VÄvMo Uâ Mürrt schümcken.