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Aus Hessen-Nassau und Nachbargebieten

Merkblatt für den 18. Oktober.

1777: Der Dichter Heinrich v. Kleist in Frankfurt a. O. geb. — 1813: Völkerschlacht bei Leipzig; Rückzug Napoleons in die Stadt. — 1831: Kaiser Friedrich III. in Potsdam geb. — 1914: Eröffnung der Universität Frankfurt a. M.

Unter den Menschen und Borsdorfer Aepfelu sind nicht j die glatten die besten, sondern die rauhen mit einigen Warzen. Jean Paul.

Wetterbericht.

Ein ausgedehntes Regengebiet ist im Laufe des Sonn­tags über uns hinweggezogen. Danach ist im Bereich stei­genden Luftdrucks zunächst wieder eine Beruhigung und Besserung wahrscheinlich. Da von Westen her jedoch auch weiterhin immer wieder Luftdruckfallgebiete, allerdings - schwächeren Ausmaßes als bisher, über uns hinwegziehen -- Werden, ist das Aufkommen beständigerWitterung vorerst i noch nicht zu erwarten. Immerhin wird sich der Witte- - rungsverlauf in ruhigeren Formen abspielen und zwischen- , durch auch Aufheiterung eintreten. — Vorhersage bis Mon- I tag abend: Nach anfänglicher Beruhigung und zeitweiliger Aufheiterung Unbeständigkeit wieder zunehmend und neue Negenfälle, bei südwestlichen bis westlichen Winden tags­über etwas milder. — Witterungsaussichten für Dienstag: Bei westlicher Luftzufuhr trotz zeitweiliger Aufheiterung

1 immer noch Fortdauer der unbeständigen Witterung.

* Fulda, den 17. Oktober 1932.

Fleißig Zeitung lesen!

In einer mitteldeutschen Stadt wurde kürzlich ein Kaufmann wegen eines Verstoßes gegen die Devisen­ordnung zu einer Geldstrafe verurteilt. In der Be- ; rufungsinstanz wurde die Strafe noch wesentlich erhöht. Der angeklagte Kaufmann hatte sich damit herauszureden gesucht, daß er das in Frage kommende Gesetz nicht ge­kannt habe. Woraus das Gericht in der Urteilsbegrün­dung erwiderte, daß ein Mann, der im öffentlichen Leben stehe, sich nicht auf Unkenntnis des Gesetzes berusen dürfe: er habe eben Zeitungen zu lesen!

Daß Unkenntnis des Gesetzes nicht vor Strafe schütze, ist ein längst und wohl allgemein bekannter Satz. Daß in diesem Zusammenhänge aber von einem Gericht auf die Bedeutung der Zeitung hingewiesen wird, ist sehr iwichtig. An solchen Wert der Zeitung und des Zeitungs­wesens hatten bisher wohl nur wenige gedacht — leider nur wenige! Man sollte es eigentlich für selbstverständ­lich halten, daß die Zeitung auch mal von diesem Ge­sichtspunkte aus ins Auge gefaßt wird. Da lesen nun viele die Zeitung, um sich ein bißchen in der Politik um- i wsehen, um das Neueste vom Neuen zu erfahren, um die ' Zörsenkurse zu studieren, um sich durch einen inter- essanten Roman fesseln zu lassen, um aus den Inseraten zu ersehen, wo es etwas zu kaufen und zu verkaufen gibt, mb ob nicht wieder eine amtliche Verordnung erschienen - st. Andere aber sagen sich: Habe ich wirklich nötig, in sie Zeitung hineinzugucken? Was es an Neuem gibt in er Politik in der Stadt und in allen sensationellen Er- ignissen, das alles erfahre ich schon gelegentlich und üelleicht im Laufe eines Gespräches mit den Nachbarn, .nd diel mehr brauche ich nicht zu wissen! . . . Mit Ver- laüll: mn braucht noch einiges mehr zu wissen — der ^mitteldeutsche Kaufmann hat das zu seinem Schaden an sich selbst erfahren!

Gerade in unserer Zeit bringt die Zeitung eine solche Fülle von Gesetzes- und Notverordnungen, daß nan in seinem eigensten Interesse guttut, wenn man sie fleißig liest, sooft sie erscheint. Es genügt wirklich nicht, daß man sich auf die Nachbarn verläßt, um aus ihnen herauszuholen, was in der Welt geschieht. Sie mögen L mancherlei erzählen können, aber daß sie ungefragt gerade über amtliche Mitteilungen sprechen werden, ist dicht gut anzunehmen, denn schließlich kann man einem, her bloß zuhören will, nicht den gesamten Inhalt einer Zeitung auspacken. Da muß man schon selber e s c n. Wie selbst essen fett macht, so macht selbst lesen biffenb! Man hat von dem großen Nutzen des Zeitung- ftsens schon so viel gesagt, daß man meinen sollte, cs Illeibe zu sagen kaum noch etwas übrig. Aber man sieht, |aß man auch hierin irren kann, denn es bleibt da noch nmer einiges, was man übersehen hat. Es kann nicht ut verlangt werden, daß jeder sich ein Amtsblatt mit lauter Gesetzesverordnungen hält, um unterrichtet zu sein, wer ein Blatt, das alles Wichtige, Neue und Wissens­werte enthält, auch ohne ausgesprochenes Gesetzesblatt Ku sein, solch ein Blatt müßte eigentlich jeder im Hause " üben. Dann wird es ihm nicht leicht passieren, daß er it Strafe genommen werden muß, weil er neue Maß­nahmen von Behörden nicht kennt. Er kann sich dann nndestens nicht darauf berufen, daß er sie nicht kennt, enn er hat zu jeder Zeit Gelegenheit, sich über „Laufen- es" zu unterrichten. Selbst wenn man dauernd Geld I iir das Abonnement von Zeitungen ausgibt, gibt man u Jahren und Jahren noch lange nicht so viel dafür ! ug, wie man zu zahlen hat, wenn man auch nur ein i nziges Mal bestraft wird, weil man irgendeine Ver- .dnung, die groß und breit in der Zeitung stand, die i an aber nicht gelesen hatte, übertreten hat. Also fleißig ’ itung lesen!

(Aus den Parteien.

Wehrpolitische Kundgebung der N.S.D.A.P.

âe S S des hiesigen Bezirks veranstaltete am Freitag d im großen Stadtsaal eine wehrpolitische Kund­ig, zu der die Mitglieder und Anhänger der D.A.P. überaus zahlreich erschienen waren, so daß große Stadtsaal bis auf den letzten Platz besetzt war. den Klängen flotter Marschmusik einer Frankfurter .-Kapelle, diè als Ersatz der angekündigten Kapelle der .-Standarte Kassel den musikalischen Teil des Abends itt, marschierte die S.S., von den Anwesenden leb­begrüßt, in den Saal ein. Nach weiteren musikalischen trägen der Kapelle ergriff S.S.-Führer E u n st das ct und führte u. a. etwa folgendes aus: Gegen den len deutschen Volkes habe eine kleine machthungrige me einen neuen Wahlkampf heraufbeschworen, weil i Hitler nicht zur Macht kommen lassen wolle. Es sei , Hitler unannehmbar gewesen, sich als Führer der natio- statistischen Bewegung mit dem Vizekanzlerposten 1 oen zu lassen. Die Mstcht gehöre nicht Herrn von 'n, sondern Adolf Hitler. Man versuche, die National- I listen vom Wege der Legalität abzubringen, um besser m sie vorgehen zu können. Wenn es der Herrenklub J Verein mit den Kommunisten wagen sollte, einen I mit den Waffen gegen die Nationalsozialisten zu n, so werde dieser Kampf zugunsten der national­

sozialistischen Bewegung entschieden. Die Nationalsoziali­sten seien bereit, den Kampf mit den Feinden des deutschen Volkes aufzunehmen, wobei es gleichgültig sei, ob der Feind im schwarz-weiß-roten oder im schwarz-rot-goldenen Lager stehe. Wenn Reichskanzler von Papen die großen Ver­dienste Hitlers um die Wiedererweckung des nationalen Gedankens in Deutschland anerkennend gewürdigt habe, so müsse er auch die Konsequenz aus dieser Erkenntnis ziehen und Hitler die Macht überlassen, denn 40 % des deutschen Volkes, die in der nationalsozialistischen Be­wegung vereinigt seien, forderten den Rücktritt der Regie­rung Papen. Bedauerlich sei, daß sich der „Stahlhelm" hinter die Regierung Papen gestellt habe, die als Exponent der internationalen Hochfinanz anzusprechen sei. In sei­nen weiteren Ausführungen ging der Redner aus die Aus­gaben und die Bedeutung der S.S. innerhalb der national­sozialistischen Bewegung ausführlich ein und betonte u. a., daß jeder S.S.-Mann zur unbedingten Treue gegenüber dem Führer und Volk und Vaterland erzogen sei. In ihrer fanatischen Liebe zum Vaterland sei die S.S. jederzeit be­reit, ihr Leben für das Vaterland einzusetzen. Der S.S.- Mann kenne nur eins und zwar den Kampf um die Frei­heit der deutschen Nation. Unter brausendem Beifall der Anwesenden erklärte der Redner, daß der Nationalsozialis­mus noch in diesem Jahre so oder so die Macht übernehme. An diesem Tage werde Gericht gehalten Uber alle Schäd­linge am deutschen Volke. Falls es der Herrenklub wagen sollte, einen Put>^ herbeizuführen, so sei die N.S.D.A.P. an ihr Legalitätsversprechen nicht mehr gebunden. Das Volk habe es am 6. November in der Hand, zu zeigen, daß es nicht gewillt sei, seine Vergewaltigung durch eine kleine Herrenklubclique weiterhin zu ertragen. Im Endkampf um Deutscblands Freiheit sei es Pflicht eines jeden, seine ganze Kraft einzusetzen für das Vaterland. Die Ausfüh­rungen des Redners wurden mit starkem Beifall ausge­nommen. Die S.S.-Kavelle unterhielt die Anwesenden sodann noch lange mit schneidig vorgetragenen musikali­schen Darbietungen.

Zwei ehemalige Fuldaer Offiziere gestorben.

Der frühere Regimentskommandeur des 2. Kurh. Feld- Artillerie-Regiments, Generalleutnant a. D. Jo­hann Wilhelm Neugebaur, ist in Danzig-Oliva gestorben. Ehe Exzellenz Neugebaur nach Fulda kam, war er Abteilungskommandeur beim 1. Kurh. Feld-Artillerie- Regiment Rr. 11 in Kassel. Vom Februar 1907 bis September 1912 führte Oberst Neugebaur das Fuldaer Regiment. Bei Ausbruch des Krieges übernahm er als Generalmajor eine Brigade im Osten. 1917 kam er als Generalleutnant nach dem Westen. Exzellenz Neugebaur war eine in Fuldaer Kreisen bekannte und geschätzte Per­sönlichkeit. — Im Kriege nannte man ihn Rapor Neu­gebaur, da er mit väterlicher Liebe seine Soldaten be­treute und in der Lebenshaltung zwischen den gewöhn­lichen Soldaten und den Offizieren keinen Unterschied kannte. — In Kassel starb einige Zeit später O b e r st - leutnant D. Trott zu Solz, ein Offizier, der aus einer alten kurhessischen Familie entstammte und vor dem Kriege lange Jahre Batterieführer im 2. Kurhessischen Feld-Artillerie-Regiment war. Er war der erste Haupt­mann, welcher bei Gründung des Fuldaer Artillerie-Regi­ments die 5. Batterie übernahm. Viele Freiwillige aus dem Reg.-Bez. Kassel haben bei ihm ihrer Militärpflicht Genüge geleistet. Im Jahre 1912 wurde Hauptmann v. Trott als Abteilungskommandeur zum 3. Brandenbur­gischen Feld.-Art.-Regt. versetzt, wo er Mpjor wurde. Am Kriege nahm er als Oberstleutnant und Artilleriekom­mandeur teil. —s—

Landestheater des Bühnenvolksbundes.

Zum letzten Mal weifen wir auf die Aufführung des Lustspiels „H i m m e l st ü r m e r" am 17. Oktober im Stadtsaale hin. Zu berichten ist noch, daß das liebens­würdige Werk im Staatstheater Wiesbaden und im Klei­nen Theater Kassel einen lebhaften Erfolg, der zu einer Serie von Auffführungen führte, verzeichen konnte. Neben bewährten Kräften des vorjährigen Ensembles wird sich die neue Salondame des Theaters Fräulein Kay Bolten vom Stadttheater Trier erstmalig in der weiblichen Haupt­rolle vorstellen. Die Inszenierung besorgte der neue künst­lerische Leiter Intendant Bodo B r o n s k y.

Diebe im Gartenhaus.

In der Nacht zum Samstag haben Diebe ein Garten­häuschen eines hiesigen Geschäftsmannes Hinter den Löhern heimgesucht und daraus fast alle Einrichtungs­gegenstände gestohlen. Die Täter haben mitgenommen: einen größeren und einen kleineren Tisch, zwei dunkel ge­beizte Rohr-Korbsessel und ein Paar schwarze Herrensport­schuhe. Den schon zusammengerollten Teppich und einen dritten Korbsessel haben sie zurückgelassen. Jedenfalls war ihnen der Abtransport zu schwer oder sie sind bei ihrem Vorhaben -gestört worden. Nach den hinterlassenen Fuß­spuren zu urteilen, handelt es sich bei den Tätern um einen Mann und um eine Frauensperson. — Sachdienliche Mit­teilungen aus dem Publikum, die auf Wunsch vertraulich behandelt werden, nimmt die hiesige Kriminalpolizei entgegen.

Gießen, 15. Oktober. (E i n günstiger A r b e i t s - Marktbericht aus Oberhessen.) Wie das Ar­beitsamt Gießen, dessen Amtsbereich fast die ganze Provinz Oberhessen umfaßt, in seinem Monatsbericht über die Ent­wicklung des Arbeitsmarktes im September mitteilt, hat der oberhessische Arbeitsmarkt im September eine bemer­kenswerte Besserung erfahren. Die Zahl der Arbeitsuchen­den belief sich nach diesem Bericht in Oberhessen Ende Sep­tember auf 14 597 gegen 15165 Ende August und 11028 Ende September 1931. Im Freiwilligen Arbeitsdienst waren Ende September allein 4190 Personen in Oberhessen beschäftigt. Hervorgehoben wird weiter, daß in einer gan­zen Anzahl von Branchen erfreuliche Ansätze zur Wirt­schaftsbelebung vorliegen. So hat das Tabaksgewerbe, das besonders in der Gießener Gegend maßgebliche Bedeutung hat, im Laufe des Monats September wieder rund 300 Arbeiter und Arbeiterinnen auf Grund des Arbeitsbeschaf­fungsprogramms der Reichsregierung eingestellt. In der Steinindustrie wurden infolge Steinlieferungsaufträgen der Oberhessischen Provinzialverwaltung ein großer Teil Ar­beiter wieder in oberhessischen Steinbrüchen eingestellt. Auch in der Metallindustrie und im Holz- und Schnitzstoff­gewerbe sind Anzeichen von Besserung festzustellen. Un­abhängig von diesem Bericht kann noch mitgteilt werden, daßß allein in den letzten drei Tagen in Oberhessen wieder­um rund 140 Arbeiter Beschäftigung gefunden haben, und zwar 75 bei der Reichsbahn, 41 bei Straßenbauten und 25 in verschiedenen Steinbrüchen.

Gelnhausen, 15. Okt. (Von einer Windhose meterweit geschleudert.) Eine Windhose, die einigen Passanten einen nicht geringen Schrecken einjagte, im übrigen aber nur Sachschaden anrichtete, war Donners­tag abend nahe der Stadt zu beobachten. Einige Personen wurden von dem Orkan gegen einen Baum geschleudert, während ein anderer Passant einige Meter weit auf einen Acker geschleudert wurde, ohne jedoch Schaden zu nehmen. Einige Bäume wurden unweit dieser Stelle entwurzelt.

Lichenroth (Kreis Gelnhausen), 16. Okt. (Motor­radfahrer gerät unter ein Fuhrwerk.) Ein Motorradfahrer aus Kirchbracht überholte hinter Lichenroth auf der Straße nach Wüstwillenrod ein Pferdefuhrwerk, wobei die Tiere scheuten und die Pferde mit dem Fuhrwerk dem Motorradfahrer nachrasten. Dem Führer des Wagens war dabei die Zugleine gerissen und er fiel rückwärts vom Wagen, wobei er erhebliche Verletzungen erlitt. Mittler­weile kam der Motorradfahrer in einer Kurve infolge des nassen Bodens zu Fall und Pferde und Wagen gingen über ihn hinweg. Der Motorradfahrer wurde ebenfalls schwer verletzt, seine Maschine ging in Trümmer.

Hanau, 15. Okt. (Ein ungetreuer Vormund.) Die Zweite Große Strafkammer in Hanau hatte sich als Berufungsinstanz in einer ausgedehnten Verhandlung mit Verfehlungen des 39 Jahre alten, verheirateten, seit 1919 bei dem Amtsgericht in Schwarzenfels im Kreise Schlüch­tern tätigen Justiz-Vüroassistenten Josef Jockel, gebürtig aus Salmünster, zu befassen, der in seiner Eigenschaft als amtlich bestellter Vormund zweier Vollwaisen sich in den Jahren 1923 bis 1931 der Veruntreuung von Mündelgel­dern schuldig gemacht hatte. In der ersten Instanz hätte man ihn zu acht Monaten Gefängnis verurteilt. Der Mann hatte mit seiner Berufung insofern Glück, als das Gericht seine Strafe herabsetzte, da er bemüht gewesen ist, den Schaden wieder gutzumachen.

Darmstadt, 16. Okt. (Keine Uniform bei Trau­ungen.) In einem Ausschreiben des Plälaten der Hes­sischen Landeskirche an die Dekane, Kirchenvorstände und Pfarrämter wird darauf hingewiesen, daß — einer althes­sischen Sitte entsprechend — es nicht gestattet ist, daß der Bräutigam in der Uniform eines politischen Verbandes zur Trauung erscheint. Bei der Zulassung solcher Kleidung zu der gottesdienstlichen Handlung würde die Kirche ihre überparteiliche Haltung aufgeben und darauf verzichten, ihrerseits die kirchliche Ordnung zu wahren.

Darmstadt, 15. Okt. (Vom Bankdirektor 3um Wohlfahrtsempfänger.) Am Freitag saß der ehemalige Bankdirektor D. aus Auerbach a. d. B., der durch unglückliche Geschäftsverhältnisse vollkommen ins Elend kam, wegen schwerer Urkundenfälschung in Tateinheit mit Betrug auf der Anklagebank. Er erhält als vollkommen Mittelloser mit seiner Frau und vier Kindern vom Wohl­fahrtsamt eine Unterstützung von 12 Mark in der Woche und hatte in der Verzweiflung, als die Frau im Sommer krank war, Gutscheine der Gemeinde gefälscht und sich Lebensmittel dafür besorgt. Tas Gericht erkannte auf die Mindeststrafe von drei Monaten und billigte in Anbetracht der trostlosen Lage und der bisherigen einwandfreien Füh­rung dreijährige Bewährungsfrist zu.

Seelbach, 15. Okt. (Landpreissenkung um 50 Prozent.) Bei einer hier stattgefundenen Versteigerung von Ackerland und Wiesen wurde ein Durchschnittspreis von 5 Mark je Rute erzielt, während im Vorjahr für die glei­chen Qualitäten noch 10 Mark bezahlt worden waren. So schwindet durch die Geldknappheit auch der Wert landwirt­schaftlicher Besitzungen immer mehr.

Aschafsenburg, 15. Okt. (Der mutmaßliche Täter des Sprengstoffanschlags auf die Paulus­kirche verhaftet.) Heute wurde hier ein Maurer aus Grünmorsbach verhaftet, der in dem Verdacht steht, den Sprengstoffanschlag auf die erst im Mauerwerk fertigge­stellte Pauluskirche in Damm am 6. Oktober verübt zu haben. Der Mann war wegen Trunkenheit entlassen wor­den. Man nimmt an, daß er sich deshalb rächen wollte.

Letzte Nachrichten.

Funkberichte des „Anzeigers".

Furchtbare Bluttat indischer Amokläufer. 17 Tote.

London, 17. Okt. „Times" meldet aus Budhata (Pund- schab): Aus Erregung über das Verschwinden einer Kuh, die angeblich von Mohammedanern gestohlen und geschlach­tet worden ist, haben drei Sikhs eine furchtbare Bluttat begangen, die 17 Todesopfer forderte. Mit Schußwaffen ausgerüstet, liefen sie am 11. Oktober in den Straßen von Budhata Amok und schossen auf jeden Mohammedaner, der ihnen begegnete. Acht Personen büßten auf diese Weise das Leben ein, neun wurden verwundet. Die Rasenden liefen dann in ein 2 Kilometer entferntes Dorf und er­schossen dort neun Menschen.

Gronau wieder in der Luft.

Rangun, 17. Okt. Der deutsche Flieger von Gronau hat nach Ausbesserung seines Flugzeuges seinen Weltflug fortgesetzt. Er ist heute früh nach Akyab gestarttet.

Farbiges Licht und Pflanzenwuchs.

Daß Pflanzen in der Schnelligkeit des Wachstums, der Blätter- und Chlorophyllbildung durch die Art und Farbe de- Lichtes, dem sie ausgesetzt sind, stark beeinflußt werden, war schon des längeren bekannt. Neuerdings hat man dieser Frage erhöhte Aufmerksamkeit geschenkt und systematisch den Einfluß der verschiedenen Teile des Sonnenspektrnms auf den Pflanzen­wuchs geprüft. Man verwandte zu diesen Versuchen gewöhn- liches Fensterglas, Quarz (letzteres läßt ultraviolette Strahlen durch, ersteres nicht) sowie gelbes und blaues Glas, von denen dieses für die sichtbaren kürzeren und und die längeren ultra- violetten Strahlen, jenes nur für die längeren sichtbaren Strahlen durchlässig ist. Es ergab sich nun? daß die Keim­fähigkeit der Samen bei gewöhnlichem Fensterglas am größten ivar, während dieses sich für die Stengelentwicklung besondere ungünstig zeigte. Dagegen gedieh die Blattentwicklung unter Quarzglas am besten, um über das Fenster- und das blank Glas unter dem gelben die schlechtesten Ergebnisse zu zeitigen Auch hinsichtlich des Pflanzcngewichts erwies sich Quarzglas als das vorteilhafteste, ebenso wie für Länge und Gewicht der Wurzeln. — Man ersieht aus diesen interessanten Versuchen daß es für die Entwicklung der Pflanzen keineswegs gleich gültig ist, welchen Lichtarten sie ausgesetzt werden. Der Züchter hat cs vielmehr in der Hand, durch' Auswahl, der Glasart bc- sonders gute ErgehnM^zu^rztelen.